Stimmung: Liebevoll
Musik: Cher - I Found Someone
Die Anwesenheit meines Liebsten beschert mir viele neue Erfahrungen - darunter auch solche, gegen die ich mich anfänglich verwahrt habe, weil sie meiner vertrauten Welt so kalt und fremd erschienen. Manchmal bin ich selbst ganz erstaunt, mit welchen Vorurteilen ich behaftet bin und wie stur ich sein kann, wenn ich glaube, allzu lange schon nicht mehr meinen Willen bekommen zu haben. Aber nachdem mein Liebster mich am Samstag dazu überredet hatte, mit ihm doch mal zum Bowling zu gehen (das für uns beide Neuland war), begann ein durch und durch verwunschener und zauberhafter Nachmittag in einer für mich über weite Strecken fremden Welt. Beim Bowling gelangen mir doch glatt ein paar Strikes und ich muss zugeben, dass es mir Spaß gemacht hat, obwohl mir nach einer Dreiviertelstunde fast der Arm abfiel. Meine Jubelrufe weckten wiederum zarte Gefühle bei meinem Liebsten, so dass er trotz seiner Niederlage rundum versöhnt mit der Welt im allgemeinen und mir im besonderen war. Außerdem konnte er beim Dart seine Qualitäten noch zur Genüge zu Beweis stellen. Diesmal war er derjenige, der locker gewann.
Nach einem Besuch im allerersten McDonalds-Restaurant Deutschlands führte unser Weg durch Stadtviertel und Straßenzüge, die mir völlig fremd waren. Dank meines vorzüglichen Orientierungssinnes fanden wir trotzdem - auf nur unerheblichen Umwegen - zur Auer Dult, wo ich die Geister der Vergangenheit lächelnd begrüßte und ihnen die beglückenden Erfahrungen der Gegenwart zur Seite stellte. Vorbei an Kettenkarussell und Kasperletheater, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte, Töpferware und Haushaltsgeräten schlenderten wir über den Platz, während die Liebe zu dem Mann an meiner Seite in meinem Herzen tanzte. Ein Bus brachte uns zum Ostbahnhof, wo wir eine kleine Kaffeepause einlegten. Mich zog es zu dieser Zeit schon sehr nach Hause, doch mein Liebster war aufgekratzt und abenteuerlustig und überredete mich zu einem kleinen Ausflug nach Fröttmaning. Er wollte unbedingt die Allianz-Arena besichtigen. Also setzten wir uns in die U-Bahn und fuhren in den Münchner Norden.
Als wir aus der U-Bahn ausstiegen, erhob sich ein schwarzblauer Gewitterhimmel wunderschön und drohend über unseren Köpfen. Doch schafften wir es noch ganz gemütlich bis zum Stadion, ehe ein Platzregen über uns herniederging, der uns, hätten wir zu dieser Zeit noch auf freiem Feld gestanden, wohl binnen Sekunden bis auf die Knochen durchnässt hätte. So aber hatten wir Gelegenheit, vor dem prasselnden Regen gut geschützt, das imposante Gebäude zu erkunden und dabei auch unseren romantischen Gefühlen ausreichend Raum zu geben. War es Zufall, dass uns auf dem Heimweg ein frecher Hase über den Weg sprang?
Auf dem Rückweg verleitete mich mein Schatz zu einer echten Ordnungswidrigkeit: Er brachte mich dazu, meinem anfänglichen Zögern zum Trotz auf das Abstempeln unserer Streifenkarte zu verzichten. (Ich muss dazu sagen, dass ich den Öffentlichen normalerweise alle Einnahmen gönne und schon aus Prinzip nicht schwarzfahre. Allerdings habe ich mich, wie sich meine treuen Leser und Leserinnen vielleicht noch erinnern, kürzlich sehr über die MVG geärgert und betrachte dies nun als gerechten Ausgleich.) Leicht beklommen und mit klopfendem Herzen saßen wir in der U-Bahn, merkwürdig aufgekratzt nach diesem unglaublich tollkühnen und wagemutigen Gesetzesbruch und trotzdem froh, als ab dem Nordfriedhof wieder unsere Zeitkarten Gültigkeit besaßen. Zur Feier des Augenblicks stiegen wir dort aus, um die Orthodoxe Kirche zu besichtigen, standen oben jedoch vor verschlossenen Türen. In unserer Verliebtheit ließen wir uns dadurch aber nicht stören und schlüpften einfach in die nächste U-Bahn, die uns bis zum Odeonsplatz brachte. Ein kurzer Ausflug in eines der typischen Münchner Touristenlokale, die sich zwar durch gesalzene Preise, nicht jedoch durch phantasievoll gewürztes Essen auszeichnen, vollendete einen rundum gelungen Tag.