Sternentanz

26.03.2010 um 23:27 Uhr

Der Sammler

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Bewegt
Musik: Natalie Cole - The Very Thought Of You

Ich las "Der Sammler" von John Fowles, die Geschichte eines gehemmten jungen Mannes, dessen einzige Leidenschaft das Jagen und Sammeln von Schmetterlingen ist - und die schöne Kunststudentin Miranda, die er jahrelang aus der Ferne anschmachtet. Als er überraschend im Toto gewinnt, kauft er ein einsames, abgelegenes Haus auf dem Land, renoviert das großzügige Kellergewölbe und bereitet alles vor, um sie als 'Gast' zu sich zu holen und sie dort unten einzusperren.

Ich hatte vor vielen Jahren einmal die Verfilmung dieses Romans aus den Sechziger Jahren gesehen, mit Samantha Eggar und Terence Stamp in den Hauptrollen. Schon der Film war ein eindringliches Kammerspiel, das Buch übertraf ihn jedoch noch bei weitem. Es ist ausgesprochen raffiniert aufgebaut: Im ersten Teil erzählt Frederik Clegg, der Entführer, die Geschichte aus seiner Sicht. Im zweiten Teil schildert Miranda in Tagebucheinträgen ihren erschütternden Leidensweg und das Geschehen erscheint plötzlich aus einer völlig neuen Perspektive. Dabei überzeugen auch die sprachlichen Unterschiede. Frederiks grober, etwas holpriger und sperriger Erzählweise stehen Mirandas intelligene, feinsinnige und in Wortwahl und Ausdruck geschliffene Analysen gegenüber.

Die beiden Protagonisten haben keine Chance, zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Zu verschieden sind ihre Charaktere, zu unterschiedlich ihre gesellschaftliche Herkunft, zu emotional verkrüppelt und sozial inkompetent ist dieser Mann, dem es eigentlich nur darum geht, die Schönheit der jungen Frau zu besitzen, der ihrer Seele und ihrem Geist aber in keiner Weise gewachsen ist. Es ist eine leidvolle, verzweifelte Geschichte und sie hat kein Happy End. Frederik ist verliebt in eine schöne Hülle, deren lebendigen Inhalt er nicht zu fassen vermag. Selbst seine Sehnsucht, von ihr wiedergeliebt zu werden, erschöpft sich in statischen Phantasien eines perfekten, kleinbürgerlichen Ehelebens. Er ist nicht einmal in der Lage, sich seiner Angebeteten ernsthaft sexuell zu nähern. Im Grunde ist sie für ihn nur wie einer seiner seltenen Schmetterlinge, deren tote Schönheit er hinter Glas verewigt.

Gruselig fand ich übrigens den Hinweis auf Wikipedia, dass die Geschichte offenbar den einen oder anderen Serienkiller inspiriert zu haben scheint.

13.03.2010 um 22:47 Uhr

Lena singt in Oslo

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Lena Meyer-Landrut - Mr. Curiosity


(c) Johannes Höntsch/pixelio

Dass der Grand Prix respektive Eurovision Song Contest eine absolut grottige Veranstaltung ist, darüber brauchen wir an dieser Stelle wohl nicht zu streiten. Ich gucke den eigentlich nur deshalb, weil meine Schwester in der Musikbranche tätig ist und es mir Spaß macht, anschließend mit ihr darüber zu lästern. Aber in diesem Jahr war ich ehrlich beeindruckt von den musikalischen Talenten, die Stefan Raabs Vorauswahl zu bieten hatte. Auch wenn ich damit gänzlich mit dem Mainstream fließe, oute ich mich an dieser Stelle mal als Lena-Fan. Diese junge Frau ist nicht nur hübsch und hat Esprit, sondern sie überzeugt auch durch eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Ich war hin und weg, als ich sie das erste Mal mit 'My Same' auf der Bühne sah, und mit den nachfolgenden Darbietungen hat sie diesen Eindruck nur bestätigt. Da ich dem eigentlichen Wettbewerb in Oslo keinerlei Bedeutung beimesse, stört es mich auch nicht weiter, dass der Siegersong nur mittelprächtig ausgefallen ist und den Songs, die Lena in den früheren Shows interpretiert hat, nicht das Wasser reichen kann. Das Mädel hat echt Talent!

07.02.2010 um 13:43 Uhr

Heiterkeitsausbruch

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Ausgelassen
Musik: Frédéric Chopin - Nocturne Nr. 13 in c-Moll, op. 48/1

 (c) wrw/pixelio

Eben habe ich ganz köstlich gelacht. Ihr müsst unbedingt Maximilian Buddenbohms Wochenhoroskop für den Valentinstag lesen.

10.01.2010 um 15:38 Uhr

Noch mal die Meadowlark

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Sprühend, sprudelnd und glücklich
Musik: Versteht sich von selbst

 (c) Franz Haindl/pixelio

Vor einigen Tagen habe ich euch hier von der "Meadowlark" vorgeschwärmt und insbesondere von der Interpretation meiner Schwester, die ja leider bei YouTube nicht verfügbar ist. Nun, mittlerweile habe ich mich mal schlau gemacht und herausgefunden, dass es eine Möglichkeit gibt, Musikdateien im Internet hochzuladen. Das brachte mich auf die Idee, euch eine Aufnahme von ihr zu verlinken, die sie mir zu Weihnachten geschenkt hat. Sie ist technisch zwar alles andere als berauschend, da es sich um eine Gesangsprobe während ihrer Ausbildung handelte, bei der das Mikrofon eher ungünstig platziert war. Das Klavier scheppert und rappelt und der Pianist zeigt auch nicht gerade viel Einfühlungsvermögen. Aber ich denke dennoch, dass man einen Eindruck bekommt von ihrer Stimme und ihrer wundervollen Interpretation dieses Liedes. Mein Schwesterchen selbst war eher zögerlich damit, sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, da sie ganz und gar nicht zufrieden damit ist. Aber da es anonym geschieht, erklärte sie sich schließlich doch damit einverstanden.

Sternentanz Music proudly presents: "Meadowlark" 

07.01.2010 um 02:09 Uhr

Das Eichhörnchen im Kobel

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Sprühend - und immer noch nicht im Bett
Musik: Abba - Dancing Queen

 (c) Marion/pixelio

Wollt ihr mal wieder eine ganz wunderbare Geschichte lesen? Merlix macht's möglich.

05.01.2010 um 17:07 Uhr

James Camerons Avatar

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Glücklich, erfüllt, inspiriert und sprühend
Musik: Johannes Brahms - Violinkonzert in D-Dur, op. 77 - 1. Satz: Allegro non troppo

Schon in den Adventswochen lag mein Liebster mir in den Ohren damit, dass er unbedingt in den neuen Film von James Cameron gehen wollte. Einmal im Leben wolle er einen 3D-Film im Kino sehen. Nun muss man wissen, dass ich normalerweise mit Alien- und Actonfilmen nicht viel anfangen kann (obwohl mir 'Terminator 2' überraschend gut gefallen hat). Und nach den Trailern, die ich gesehen hatte, in denen blaue Aliens durch einen knallbunten Urwald krochen, schien dies nicht die Art von Film zu sein, die mir Vergnügen bereiten konnte. "Ich mag lieber Filme, die eine gute Geschichte erzählen", maulte ich. Doch mein Schatz gab keine Ruhe und schließlich ließ ich mich breitschlagen, zwei Karten für die Nachmittagvorstellung zu reservieren.

Wir saßen also im Kino, hatten lächerliche Brillen auf und ich machte mich auf das Allerschlimmste gefasst. So völlig ohne positive Erwartungen an einen Film bin ich bislang nur bei 'Transformers' ins Kino gegangen (ebenfalls eine Liebesgabe an meinen Herzallerliebsten) und damals entsprach das dann auch ungefähr dem, was über die Leinwand flimmerte. Doch was mich diesmal erwartete, nahm mich zu meinem Erstaunen völlig gefangen. Sicher, die Geschichte ist banal und schon hundertmal da gewesen. Eine Art 'Der mit dem Wolf tanzt' meets 'Star Wars' im Regenwald. Aber ich habe nun einmal ein Faible für ökofeministische Botschaften und matriarchale Gottheiten, selbst dann, wenn sie im Science-Fiction-Gewand daher kommen. Ein Rausch an Lichtern, Farben und Formen, gepaart mit einem eindringlichen Soundtrack, zog mich in seinen Bann. Vielleicht liegt es daran, dass ich persönlich nie Erfahrungen mit Drogen gemacht habe und von daher noch Nachholbedarf hatte. Jedenfalls ging ich in der simpel gestrickten Story vollkommen auf, lachte und weinte, während mein Liebster, ohne den ich diesen Film wohl niemals gesehen hätte, etwas konsterniert daneben saß. Er fand das cineastische Drama nämlich nur mittelmäßig. Vermutlich ging es ihm wie jenem jungen Jedi von den Fünf Filmfreunden , der in seiner Filmkritik schrieb:

"Der Film wurde nicht als Action-Spektakel des T2-Machers beworben, sondern als 'Vom Regisseur von Titanic'. Und Cameron, der aber sowas von im Einklang mit seiner femininen Seite ist, wird nicht müde, in Interviews zu betonen, er habe ein Chick-Flick gedreht. Ein gefühlvolles Werk. Einen 300 Millionen Dollar Frauenfilm. Mit wichtiger ökologischer und spiritueller Botschaft. Wenn jetzt noch Celine Dion singt, wäre das wirklich ein Grund sich zu erschießen."

Celine Dion singt nicht. Leona Lewis tut es. Ein selten banales Liedchen. Ansonsten aber war der Film erste Sahne. Nicht so ein anrührendes Kunstwerk wie "Billy Eliot", nicht so wortgewaltig wie "Cyrano von Bergerac" und nicht so herzzerreißend wie "Das Leben ist schön", aber doch ein 160-minütiges Kinoerlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Und das Beste ist, das der Film auf Jahre hinaus Stoff für unzählige Lacher liefern wird. Kostprobe gefällig? James Cameron's Avatar meets Disney's Pocahontas und 18 Dinge, die ich durch Avatar gelernt habe .

03.01.2010 um 11:03 Uhr

Licht und Schatten bei YouTube

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Glücklich, überschäumend glücklich
Musik: Meine Schwester - Meadowlark


(c) Daniel Petersson/wikipedia

Heute Morgen hat mir mein Schwesterchen etwas wirklich Grauenhaftes geschickt: den Link zu einem YouTube-Clip , der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Gibt es nicht schon genug Leid und Not auf der Welt? Musste da auch noch irgend so ein Schlagerfuzzi kommen und mein geliebtes Aschenbrödel vergewaltigen? Kann man sowas nicht einfach verbieten? Edit: Das Beste ist, dass der Text nichts, aber auch gar nichts mit dem eigentlichen Märchen zu tun hat. Besungen wird hier - man glaubt es kaum - Dornröschen!

Um euch jetzt aber nicht mit diesen fürchterlichen Klängen ins neue Jahr zu entlassen, möchte ich euch noch etwas wirklich Zauberhaftes mit auf den Weg geben. Eines der schönsten, bewegendsten und anrührendsten Lieder, die das Musicaltheater je hervorgebracht hat, ist "Meadowlark" aus dem Musical "The Baker's Wife" von Stephen Schwartz und Joseph Stein. In dem Lied reflektiert die Frau des Bäckers ihre Begegnung mit einem "beautiful young man", der ihr seine Liebe erklärt hat und sie aus der Eintönigkeit ihrer Ehe befreien möchte, anhand der Legende einer Wiesenlerche, die aus falsch verstandener Treue zu einem alten König das Angebot des Sonnengottes ablehnt, ihn zu begleiten, und daraufhin den Tod findet. Leider gibt es bei YouTube keine Aufnahme meiner Schwester. Ich bedauere das sehr, denn sie singt dieses Lied wie keine andere. Als ich es das erste Mal hörte, standen mir Tränen in den Augen, und bis heute halte ich ihre Interpretation für unübertroffen. Immerhin habe ich einen brauchbaren Ersatz gefunden: Alice Ripley singt die "Meadowlark" live in einer Aufführung von "The Baker's Wife". (Das eigentliche Lied beginnt ab 1:25.) Edit: Und für alle, die den Text mittlerweile kennen und sich von erhöhtem Tempo nicht ins Bockshorn jagen lassen, gibt es hier noch eine grandiose Version von Betty Buckley .

Ein glückliches neues Jahr euch allen!

02.12.2009 um 08:01 Uhr

Barbra is back

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Wohlig, mit leiser Vorfreude
Musik: Michael Crawford - Gethsemane


Eigentlich dachte ich, ich sei mit ihr durch. Ihre letzten Alben habe ich mir alle nicht mehr gekauft. Zu kitschig, zu pompös, die Stimme zugekleistert von akustischem Hall und Orchesterbrei. Und dann geht sie hin und macht auf ihre alten Tage noch ein Jazz-Album. Einfach so. Ein Klavier, ein Kontrabass, eine Gitarre, ein Schlagzeug. Und dazu ihre Stimme. Auf der eigentlichen CD hat die Produzentin Diana Krall noch ein paar unaufdringliche Streicherklänge darübergelegt. Doch wer sich wie ich die Deluxe Edition kauft (die nur wenige Euro teurer ist), kommt in den Genuss der reinen Quartett-Versionen. Vorbei die Zeit der minutenlangen Schmettertöne - höher, länger, lauter! Weich und sinnlich umschmeichelt uns Barbras Stimme, wissend und wehmütig, gelassen und gereift. Sie ist sich nicht zu schade, auch raue, brüchige Töne zu präsentieren, so als habe sie endgültig Abschied genommen von Ehrgeiz und Wettbewerb. Hier singt eine große Künstlerin, eine lebenserfahrene Frau, die sich jedes einzelne Lied anzueignen weiß. Begleitet wird sie von exzellenten Musikern, deren Darbietung ein mindestens ebenso großer Genuss ist wie die der Solistin. "Love is the Answer" ist für mich ihr bestes Album seit dem "Broadway Album".

01.12.2009 um 08:01 Uhr

Takarazuka Revue

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Guter Dinge
Musik: Haruno Sumire - Where In The World

Beim gestrigen YouTube-Stöbern bin ich auf die Takarazuka Revue gestoßen, eine japanische Musiktheatergruppe, die es sich zur Eigenart gemacht hat, westliche Musicals aufzuführen und sämtliche Rollen - männliche wie weibliche - ausschließlich mit Frauen zu besetzen. Das ist nicht zwingend ein feministisches Unternehmen, denn die Darstellerinnen wurden traditionell nach den Prinzipien Kiyoku, Tadashiku, Utsukushiku ("unschuldig, aufrichtig, schön") ausgesucht. Dennoch ist es ein interessantes Projekt. Die Dame, die ich in meinem gestrigen Beitrag verlinkt habe, heißt Haruno Sumire und ist innerhalb der Takarazuka Revue offenbar ein großer Star. Die Frau hat eine großartige Stimme und eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Unter anderem spielte sie den Tod in "Elisabeth". Wenn man sich nicht davon stören lässt, dass Japanerinnen die Habsburger Monarchie zum Leben erwecken, gibt es dazu auf YouTube einige faszinierende Kostproben ihrer Kunst. Haruno Sumire singt als Tod mit "Der letzte Tanz" mal eben Uwe Kröger an die Wand (wobei dem Japanischen klanglich die nötige Härte fehlt). Gut gefallen hat mir auch der Epilog, der bei Takarazuka gänzlich anders inszeniert ist als im westlichen Theater. Sogar ihre Interpretation von "Nessun Dorma" kann sich sehen lassen, auch wenn es lustig klingt, wenn eine Japanerin Italienisch singt.

30.11.2009 um 21:00 Uhr

Noch ein Phantom

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Vergnügt
Musik: Gerard Butler - No One Would Listen

 (c) Tábata/Wikipedia

Beim Stöbern auf You Tube habe ich einen mir bislang unbekannten Schnipsel entdeckt, der wohl von der Special Edition der Musical-Filmversion stammt: Gerard Butler als Phantom intoniert "No one would listen" , gesanglich und optisch durchaus ansprechend. Ich hatte den Mann stimmlich gar nicht so gut in Erinnerung. Aber das mag daran liegen, dass ich sein Schlimme-Akne-Make-up im Film so hanebüchen fand - und mir auch erst Jahre nach dem Kinobesuch aufging, was für ein Schnittchen der gute Gerard eigentlich ist. ;-)

Edit: Cool! Die Japaner haben kein Problem damit, das Phantom mal eben mit 'ner Frau zu besetzen. Kopit & Yeston go East

29.11.2009 um 23:07 Uhr

Rezidivierende Phantomanie

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Nostalgisch
Musik: Charles Gounod - Alerte, alerte!

Die DVD, die mir den heutigen Abend versüßte, habe ich vor Monaten mal aus rein nostalgischen Gründen gekauft. Vor vielen, vielen Jahren war ich dem Phantom-Fieber derart verfallen, dass ich das Webber-Musical in Dauerschleife laufen ließ, gerahmte Zeichnungen des maskierten Phantoms an der Wand hängen hatte und Kurzgeschichten für eine Fanzeitschrift schrieb. All das ist lange her. Die Webber-Melodien erscheinen mir heute oberflächlich und fahl, die Verfilmung von 2004 betrachte ich als einziges Desaster und meine fiebrige Begeisterung für die dunklen Katakomben der Pariser Oper ist längst anderen Interessen gewichen. Der Fernsehzweiteiler mit Charles Dance und Burt Lancaster gehört aber nach wie vor zu meinen Lieblingsadaptionen der Geschichte. Mindestens fünf Jahre dürfte es her sein, dass ich den Film zum letzten Mal gesehen hatte - und damals war es ein ziemlich selbstironisches Revival.

Umso überraschter war ich heute, dass ich derart wohlig in die Ereignisse eintauchen konnte. Weder die dramaturgischen Schwächen noch das Overacting der Hauptdarstellerin vermochten mein Vergnügen zu schmälern. Gelassen sah ich über die Naivität der Sopranistin hinweg, schmunzelte beim Anblick des schönen Phillippe (der in dieser Version den Raoul ersetzt) und freute mich an der beeindruckenden Schauspielkunst eines Charles Dance, der feinste emotionale Nuancen auszudrücken vermag, obwohl sein Gesicht während des gesamten Films von einer Maske bedeckt ist. Jetzt mal ehrlich: Der Mann hat doch tolle Augen, oder? Und die Kerkerszene aus Gounods "Faust" ist als Quartett bis heute unübertroffen.

01.07.2009 um 22:46 Uhr

Herzdamengeschichten

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Lächelnd
Musik: Das Klappern der Tastatur

 (c) Joujou/pixelio

Heute möchte ich euch ein Blog wärmstens ans Herz legen, das ich erst kürzlich entdeckt habe und das sich schnurstracks zu meinem neuen Lieblingsblog entwickelt hat: Merlix' Herzdamengeschichten . Hier schreibt einer mit warmem, wachem Herzen - einfach wunderbar!

21.06.2009 um 22:07 Uhr

Alle anderen

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Cat Stevens - How Can I Tell You

Gestern Abend war ich seit längerer Zeit mal wieder im "City" - jenem Kino, in dem ich auch schon "Billy Elliot" und "Wie im Himmel" sah. Es scheint ein Garant für großartige Filme zu sein, denn auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. "Alle anderen" hat auf der Berlinale den Silbernen Bären (Großer Preis der Jury) gewonnen und auch die Hauptdarstellerin, Birgit Minichmayr, wurde als beste Darstellerin geehrt. Der Film erzählt die Geschichte von Gitty und Chris, beide Anfang Dreißig, die ihren Sommerurlaub im Ferienhaus von Chris' Eltern auf Sardinien verbringen. Gitti ist PR-Managerin bei einem Musikverlag, Chris arbeitet - bislang noch wenig erfolgreich - als Architekt. In ihrem Umgang miteinander wirken sie zunächst spielerisch und ausgelassen, doch schon bald werden auf beiden Seiten Unsicherheiten spürbar. Gitti, die Lautere und Temperamentvollere von beiden, hat mit Verlustängsten zu kämpfen. Manchmal befallen sie Zweifel an der Zuneigung ihres Freundes. Dann wünscht sie sich, anders zu sein, um ihn glücklicher machen zu können. Chris hingegen hadert mit seinem beruflichen Misserfolg und den daraus resultierenden Minderwertigkeitsgefühlen. Er ist stiller und nachdenklicher, im Kontakt auch distanzierter und verschlossener als Gitti. So verschweigt er ihr zunächst, dass der Beitrag, den er bei einem wichtigen Wettbewerb eingereicht hat, bei der Jury durchgefallen ist. Als die beiden im Urlaub auf ein anderes Paar treffen, bringt diese Begegnung die leise schwelende Krise zum Eskalieren...

Was in der Zusammenfassung klingt wie eine weitere Variante des "Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus"-Themas ist in Wirklichkeit eine zarte, feinsinnige und aufmerksame Studie zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Geschichte erzählt, was geschieht, wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Wesenszügen, Zielen und Eigenarten sich aufeinander einlassen und eine Partnerschaft eingehen. Dass es sich dabei um einen Mann und eine Frau handelt, ist keineswegs bedeutungslos, dominiert aber nicht das Geschehen. Mit sicherer Hand umschifft die Regisseurin die drohenden Klischees und zeichnet zwei facettenreiche Charaktere nach, die es verstehen, das Publikum zu berühren. Das liegt sicher auch am hervorragenden Spiel der beiden Hauptdarsteller. Es sind die kleinen, fast alltäglichen Szenen, die diesen Film so eindringlich machen: Als Gitti ihrem Freund sagt, dass sie ihn liebt, und dieser ihre Liebeserklärung lediglich mit einem intensiven Blick und einem zärtlichen Kuss beantwortet, schiebt sie ihn entschlossen von sich weg und sagt: "Nicht so antworten!" Später fragt er in einer ähnlichen Situation: "Was möchtest du denn hören? Ich liebe dich? Ich würde alles für dich tun? Ich werde dich nie verlassen?" Ihre Antwort: "Ja."

Nichts davon wirkt je konstruiert oder überzogen, sondern im Gegenteil so alltäglich, als hätten die Darsteller ihre Texte spontan improvisiert. Es geht auch nicht darum, wer am Ende recht hat, sondern schlicht um die Schwierigkeit, diese Liebesbeziehung zu leben. In einer Review las ich, dass die Regisseurin Gitti und Chris während des gesamten Films bewusst als Paar inszeniert hat, und genau diese Beobachtung trifft den Kern der Geschichte sehr gut. Selbst als Chris versucht, sein angeschlagenes Selbstwertgefühl auf Kosten seiner Freundin zu kitten, gelingt es der Regisseurin, das Geschehen ohne erhobenen Zeigefinger in Szene zu setzen. "Alle anderen" erzählt auch von den Verletzungen, die entstehen, wenn Menschen versuchen, sich selbst oder einander in gesellschaftlich vorgegebene Rollenmuster zu pressen. Doch es ist kein "frauenbewegter", sondern vielmehr ein "menschenbewegter" Film im besten Sinne des Wortes. Gerade das macht ihn so großartig.

02.05.2009 um 17:35 Uhr

Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Glücklich
Musik: Glen Hansard & Marketa Irglova - Falling Slowly

 (c) dagmar zechel/pixelio

Durch einen Artikel auf sueddeutsche.de bin ich auf ein wunderbares Buch gestoßen. Der Autor ist John Gottman, ein Psychologe aus Seattle, der seit Jahren die ehelichen Beziehungen zwischen Männern und Frauen erforscht. Aufgrund seiner Daten behauptet er das Scheitern einer Ehe mit 91prozentiger Treffsicherheit vorhersagen zu können, wenn er ein Paar nur fünf Minuten bei einem ehelichen Konflikt beobachtet und ihm zugehört hat. Als wichtigste Anzeichen künftigen Verderbens identifizierte er einen groben Auftakt des Gespräches, die vier "apokalyptischen Reiter" (Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern), das Scheitern von Rettungsversuchen, körperliche Reaktionen, die auf eine emotionale Überflutung mindestens eines der Beteiligten hinweisen, und übermächtige negative Erinnerungen an den Beginn der Beziehung. Das Fundament glücklicher Ehen sieht Gottman demgegenüber in einer tiefen Freundschaft, die sich durch die angekündigten sieben Geheimnisse ausdrückt:

  1. Tiefe Vertrautheit miteinander und mit der Welt des jeweils anderen 
  2. Gegenseitige Zuneigung und Bewunderung
  3. Gegenseitige Zuwendung und Aufmerksamkeit
  4. Gegenseitige Einflussnahme und das Zulassen von Beeinflussung
  5. Die Fähigkeit, lösbare Probleme zu lösen
  6. Die Fähigkeit, unlösbare Probleme zu akzeptieren und damit umzugehen
  7. Ein gemeinsamer Sinn
Jedes dieser sieben Geheimnisse erläutert Gottman ausführlich anhand von Fallbeispielen und Erfahrungen aus seinem beruflichen Alltag. Er bietet seinen Leserinnen und Lesern die Möglichkeiten, mit Hilfe kurzer Fragebögen die eigenen Problemschwerpunkte zu identifizieren, und bietet zahlreiche Übungen und Lösungsvorschläge an, mit deren Hilfe die Paare ihre jeweiligen Schwachpunkte überwinden und stärken können. Seit David Schnarchs "Die Psychologie sexueller Leidenschaft" ist mir kein so inspirierendes Buch über Paarbeziehungen mehr untergekommen.

Das Schönste an der Lektüre war, mich darin bestätigt zu sehen, wie viel Schönes und Positives sich in meiner eigenen Partnerschaft finden lässt. Natürlich haben auch wir unsere Schwachpunkte und Bereiche mit Entwicklungspotential, doch in den meisten Aspekten fühle ich mich mit unserer Liebe bestens aufgehoben. Dennoch empfinde ich die angebotenen Übungen als überaus bereichernd und inspirierend und werde ganz sicher unser Paartagebuch damit füllen. All jenen, die sich für Paarbeziehungen interessieren oder ihre eigene Beziehung ein wenig auffrischen wollen, sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

15.04.2009 um 22:13 Uhr

Zen To Done

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Wohlig müde
Musik: Bette Midler - Under the Boardwalk

 (c) Ich/pixelio

Kürzlich bin ich auf ein wundervolles Blog gestoßen: Zen Habits von Leo Babauta ist eines der bekanntesten und beliebtesten Blogs im Netz und womöglich trage ich jetzt Eulen nach Athen, wenn ich es euch wärmstens ans Herz lege. Dennoch möchte ich es nicht versäumen, euch davon zu erzählen. Der Autor ist verheiratet, Vater von sechs Kindern und lebt auf der kleinen Insel Guam im westpazifischen Ozean. (Ja, ich musste erst Google befragen, ehe ich eine ungefähre Vorstellung davon hatte. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich gelernt, dass die Vereinigten Staaten sogar nichtinkorporierte Außengebiete ihr Eigen nennen.) Inhaltlich deckt das Blog so ziemlich alles ab, wofür ich mich begeistern kann: Strategien für produktives und organisiertes Arbeiten (Baubata ist der Autor von "Zen To Done" ), Anregungen für ein schlichtes, einfaches Leben, Gesundheitstipps und glücksverheißende Gedankenanstöße. Nicht zuletzt hat Leo Baubata noch das Blog "Write to Done" ins Leben gerufen, das der wunderbaren Kunst des Schreibens gewidmet ist. Beim Schmökern bin ich dort über den entzückenden Artikel "10 Mistakes That Could Be Killing Your Blog" gestolpert, dessen dritter Punkt sinngemäß lautet: "Noch schlimmer als unregelmäßiges Bloggen ist es, einen Eintrag mit der Entschuldigung zu beginnen, dass man lange schon nicht mehr gebloggt habe." So gesehen dürfte ich mein Blog wohl schon mehrmals vom Leben zum Tode befördert haben. Zum Glück habe ich nicht den Anspruch, Zehntausende mit meinen privaten Gedankenergüssen zu beglücken. Mir genügt die kleine Handvoll treuer Leser und Leserinnen, die so liebevoll Anteil an meinem Leben nehmen. (Und weil wir grad schon dabei sind: Danke, Danny! *wink*)

11.01.2009 um 21:41 Uhr

Farbenrausch

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Liebevoll
Musik: Chopin, Nocturne Nr. 2, B-Dur

Gestern war ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in der aktuellen Kandinsky-Ausstellung. Das Lenbachhaus zeigte das druckgraphische Werk des Künstlers und im Kunstbau war die große Wanderausstellung unter anderem mit Werken aus dem Centre Pompidou und dem Guggenheim-Museum zu sehen. Wir ließen uns viel Zeit, sowohl die märchenhaften Holzschnitte der frühen Jahre als auch die farbenprächtigen, großen Gemälde der späteren Schaffensperioden zu betrachten. Vor manchen Bildern stand ich sehr lange, versunken im Sog der Farben, gebannt vom Spiel der Formen. Kaum zu glauben, welch faszinierende Wirkung von einer geraden Linie oder einer Ansammlung von Kreisen ausgehen kann! Auch ist es ein erstaunlicher Unterschied, die Bilder in Postgartengröße vor sich zu sehen oder sie zum Greifen nah auf der großen Leinwand bestaunen zu können. Trotz des unvermeidlichen Menschenandrangs kann ich dieses Kunsterlebnis nur wärmstens empfehlen. Wer auch immer von euch Gelegenheit finden sollte, die Ausstellung noch zu besuchen (sie ist noch bis zum 22. Februar in München zu sehen), sollte sie sich nicht entgehen lassen. 

26.12.2008 um 22:02 Uhr

Once

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Verliebt
Musik: Glen Hansard & Marketa Irglova - Falling Slowly

Die Tatsache, dass mir mein Liebster die Special Edition von "Once" zu Weihnachten geschenkt hat, möchte ich zum Anlass nehmen, endlich die ausführliche Rezension zu schreiben, die ich ihm schon so lange versprochen habe. Achtung: In meiner Review verrate ich den Ausgang der Liebesgeschichte!

Mann trifft Frau und dazwischen wird musiziert. So ließe sich der Inhalt des irischen Musikfilms "Once" in einem Satz zusammenfassen. Wer eine besondere Vorliebe für hoch emotionale Dramen, schmissige Broadway-Songs oder grandiose Schauspielkunst hat, ist in diesem Film definitiv falsch. Doch wer Filme liebt, die mehr von ihrer zarten Atmosphäre als von der dramaturgischen Schützung des Knotens leben, wird sich über das kleine Juwel "Once" sehr freuen. Der Film erzählt in leisen, unaufgeregten Tönen von der Begegnung eines irischen Straßenmusikanten mit einer tschechischen Pianistin, die ihr Geld als Blumenverkäuferin verdient. Die Handlung spielt in Dublin. Wir sehen Schaufenster und Toreinfahrten, Cafés mit bunten Holztüren, Staubsaugerreparaturwerkstätten, verregnete Straßenzüge im nächtlichen Laternenschein und ärmlich eingerichtete Wohnungen - und dazwischen zwei Menschen, die sich auf zarte, unaufdringliche Weise näherkommen, einander berühren und verwandeln, ohne sich wirklich zu kennen. Das verbindende Element zwischen den beiden ist die Musik und tatsächlich wird im gesamten Film weit mehr gesungen als gesprochen. Er spielt dazu auf seiner alten, ramponierten Gitarre, sie auf einem Klavier in einer Musikalienhandlung. In der Sprache der Musik verstehen sich die beiden auf Anhieb und finden zu einer Nähe, die sich nicht in die Welt der gesprochenen Worte übertragen lässt. Im Grunde wären die beiden wie füreinander geschaffen, doch vor dem Wagnis einer großen Liebesbegegnung, die alle Hindernisse zu überwinden bereit wäre, scheuen sie zurück. Vielleicht haben sie den Glauben an eine solche Liebe längst verloren. Er trägt noch die vernarbten Spuren einer vergangenen Liebesbeziehung mit sich herum und sie hat Verpflichtungen, denen sie sich nicht entziehen will. Deshalb beschränken sie sich letztlich auf ihre Verbundenheit in der Musik, die nur dem Augenblick gehört. Selbst in den heiteren Momenten durchzieht ihre Begegnung eine leise Traurigkeit. "Es wäre schön", sagt die junge Frau am Ende, "aber es wäre sinnlos." Und so bleibt ihnen nur die Musik, die sie einander zum Geschenk gemacht haben. Alles in allem ein wunderschöner, leiser und zarter Film, der mir als einer der wenigen in diesem Jahr wirklich im Gedächtnis geblieben ist. (Der Song "Falling Slowly" wurde mit einem Oscar ausgezeichnet.)

30.11.2008 um 18:59 Uhr

Österreichisches Eherecht

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Amüsiert
Musik: Sir Edward Elgar - Serenade for Strings


(c) Viktor Schwabenland/pixelio.de

Ich habe heute in Erfahrung gebracht, dass man in Österreich noch schuldig geschieden werden kann. Als mögliche Gründe des Verschuldens finden sich bei Wikipedia unter anderem die Vernachlässigung des Haushalts und die Verweigerung der "ehelichen Beiwohnung". Auf einer österreichischen Seite zum Scheidungsrecht wurden auch noch "Zanksucht oder Hysterie" und "ständige alleinige Freizeitunternehmungen" als Gründe genannt. Ich wusste gar nicht, dass die Österreicher eherechtlich noch derart hinter dem Mond leben. Allerdings hieß es in besagtem Wikipedia-Artikel auch, dass rund 90% aller Ehen in Österreich einvernehmlich geschieden werden - eben weil die Beteiligten es vermeiden wollen, ihre Schmutzwäsche vor dem Scheidungsrichter auszubreiten. So gesehen hat die altmodische Gesetzesregelung in einer modernen Gesellschaft wohl auch ihr Gutes.

P.S.: Großer Gott! Wenn man bei Pixelio das Wort "Ehe" eingibt, muss man sich erst 20 Seiten lang durch triefenden Kitsch wühlen, bis man mal was halbwegs Brauchbares findet.

13.11.2008 um 22:42 Uhr

Ansteckender Miesepeter

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Heiter
Musik: Sarah McLachlan - Full of Grace

Der Mann, den ich liebe, verändert mein Leben. Jahrelang war ich ein eingefleischter Fernsehmuffel, doch in letzter Zeit hat mein Liebster mich mit einem hoch ansteckenden Serienvirus infiziert. Es handelt sich um den House-Diagnostik-Virus aus der Familie der Krankenhaus-Serien. Schuld daran ist ohne Zweifel die Angewohnheit meines Freundes, sich seine Lieblingsserien auf DVD zu bestellen. Dadurch war er in der Lage, mich schon früh einer hochkonzentrierten Dosis des Krankheitserregers auszusetzen. Der Beginn der Infektion verlief dennoch schleichend. Mein Immunsystem hielt erstaunlich lange stand und es herrschte ein Gleichgewicht der Kräfte, das nur donnerstags zu sichtbaren Symptomen führte - dann nämlich, wenn "Dr. House" werbefrei im ORF gesendet wurde.

Dass die Krankheit sich unbemerkt ausgebreitet hatte, bemerkte ich erst, als ich mich dabei ertappte, nach einer verpassten Folge dem darauf folgenden Dienstag entgegenzufiebern, um das Versäumte auf RTL nachzuholen. Der endgültige Zusammenbruch erfolgte am vergangenen Wochenende. Offenbar geschwächt von vorangegangenen Konflikten und einem Ansturm sorgenvoller Gedanken streckte mein Immunsystem gänzlich die Waffen und ergab sich. Ich schnappte mir die gesammelten DVDs der 3. Staffel, die mein Liebster in heimtückischer Absicht in München zurückgelassen hatte, und knallte mich vor den Fernseher. Die Krankheitsdauer umfasste das gesamte Wochenende und die beiden sich anschließenden Feierabende. Danach war die Staffel-Box zu Ende und meine Sorgen hatten sich in Luft aufgelöst. Das letzte Mal, als ich mich einem derartigen DVD-Marathon hingegeben hatte, hatte ich mir immerhin gerade die drei Extended Editions des "Herrn der Ringe" gekauft. Mit einer Fernsehserie war mir das bis jetzt noch nie passiert. 

Vermutlich hat "Dr. House" eine geradezu kathartische Wirkung auf mich. Den ganzen lieben, langen Tag über bin ich freundlich, diplomatisch, unterstützend und einfühlsam (oder versuche es zumindest), versetze mich in die Perspektive meines Gegenübers und bemühe mich, dessen Irrungen und innerseelische Verwicklungen auf sanfte Art zu entwirren. Da ist es unheimlich entspannend, am Abend einem Arzt zu begegnen, der sarkastisch, zynisch und bärbeißig ist, alle ihm nahestehenden Menschen bedenkenlos vor den Kopf stößt und seine Patienten durch und durch respektlos behandelt. Natürlich schadet es nicht, dass er außerdem hochintelligent, gebildet, musikalisch, gutaussehend und ein brillanter Diagnostiker ist. Jedenfalls hat er mir am vergangenen Wochenende, als alle anderen Hilfsmittel versagten, schnell und effektiv geholfen, abzuschalten und das Gedankenkarussell in meinem Kopf zum Stillstand zu bringen. Danke, House!

13.01.2008 um 18:47 Uhr

Magische Welten

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Wohlig und entspannt
Musik: Angelo Branduardi - La canzone di Momo

Du kannst nur wirklich wünschen, was du für möglich hältst.
Du kannst nur das für möglich halten, was zu deiner Geschichte gehört.
Nur das gehört zu deiner Geschichte, was du in Wahrheit wünschst.

Denjenigen, die mein Blog immer aufmerksam verfolgt haben, dürfte nicht entgangen sein, dass meine literarische Liebe in ganz besonderem Maße dem Werk von Michael Ende gilt. Kein anderer Schriftsteller hat mich mit seinen Büchern so verzaubert und in seinen Bann geschlagen. Nie zuvor oder danach bin ich derart in Buchstabenwelten versunken und habe mich von geschriebenen Worten so tief berühren lassen. Manche Passagen aus den Büchern von Michael Ende öffneten mir in Schlüsselmomenten meines Lebens die Türen zu neuen Räumen, oder verwandelten sich in Spiegel, die mir die Wirklichkeit meines Herzens in aller Klarheit enthüllten. Es versteht sich also von selbst, dass ich an einer Ausstellung mit dem Titel "Michael Ende. Magische Welten", die bis zum 27. Januar 2008 im Theatermuseum zu sehen ist, nicht vorbei kam. Heute Vormittag schlenderte ich mit meiner Mutter und meiner Schwester durch die drei Etagen des Museums, bestaunte Handpuppen, Marionetten, Kostüme, Skizzen und Bilder, lauschte Tonbeiträgen, studierte Informationstafeln und fühlte mich in der verwunschenen Welt, die mich umgab, rundum zu Hause. Endes Entwurf eines magischen Theaters und seine Gedanken zur heilenden Kraft der inneren Bilder bringen zarte Saiten in mir zum Klingen und seine Worte nähren meine Seele. Und noch immer mischt sich eine leise Trauer über den allzu frühen Tod des großen Bilderspinners in meine Betrachtungen. Wer weiß, was für wundervolle Welten er noch ins Leben gerufen hätte?