Stimmung: Sonnig
Musik: Meine Schwester unterrichtet
Gestern Abend war ich in einem Kochkurs für Singles und Berufstätige. Dazu muss man wissen, dass ich alles andere als eine tolle Köchin bin. Genau genommen kann ich gar nicht kochen. Ich verfüge durchaus über die Fähigkeit, den Anweisungen in einem Rezeptbuch zu folgen und dadurch etwas Genießbares zu produzieren. Aber für mich ist das nicht dasselbe wie kochen können. Wer wirklich kochen kann, ist in der Lage, aus einer Handvoll vorhandener Zutaten ohne Rezept eine leckere Mahlzeit zu zaubern. Davon bin ich weit entfernt und bezweifle, dass es mir in diesem Leben noch beschieden sein wird, diese Kunst zu erlernen. Denn auch meine Begeisterung fürs Kochen hält sich in Grenzen.
Nein, ich muss präziser werden: Ich finde es toll, wenn Menschen gut kochen können. Ich halte es für eine großartige Gabe und bewundere alle, die es können. Aber ich fürchte, ich selbst werde wohl nie die rechte Begeisterung dafür aufbringen. Mit anderen Leuten gemeinsam zu kochen, macht Spaß, aber da ist es eher der kommunikative und soziale Aspekt, der mich lockt - und den kann ich schließlich auch ohne Kochen erleben. Das Kochen an sich, als Tätigkeit, die ich ja auch für mich alleine ausüben könnte, reizt mich nicht sonderlich. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Essen mir nicht so wichtig ist. Ich weiß eine leckere Mahlzeit zu schätzen (vor allem in netter Gesellschaft), bin aber auch mit einer äußerst bescheidenen Nahrungsauswahl problemlos zufriedenzustellen. Das, was mich wahrhaft nährt, stammt eher aus anderen Welten.
Doch zurück zum Kurs: Die Idee dahinter war, vielleicht ein paar Tricks zu erlernen, die einen Funken Begeisterung fürs Kochen in mir entfachen könnten, und dabei am besten noch ein paar nette Leute kennen zu lernen. Leider bot der Kurs mir nicht das, was ich mir davon erhofft hatte. Wir bekamen ein Blatt mit sieben Rezepten ausgeteilt, die je zwei Personen zugewiesen wurden, und dann ging es auch schon an die Zubereitung. DAS kann ich auch alleine. Gib mir ein Rezept, sag mir genau, was ich machen soll, und ich sehe mich durchaus in der Lage, den Anweisungen Folge zu leisten. Dazu brauche ich keinen Kochkurs.
Die Sache hatte noch einen weiteren Haken: Nach dem Kochen wurde gegessen - und ein Sieben-Gänge-Menü am späten Abend eines normalen Werktages überfordert mich schlichtweg. Ich war anschließend so satt, dass man mich hätte nach Hause rollen können. So etwas fördert natürlich auch nicht gerade meine Fähigkeit zum federleichten Small Talk. Und was neue Bekanntschaften angeht, so waren die Leute zwar alle recht nett, aber der Kontakt muss in einem solchen Rahmen fast zwangsläufig oberflächlich bleiben. In der ersten Hälfte ist man viel zu beschäftigt und auch beim Essen bleiben die Gespräche freundlich-unverbindlich. Ich fürchte, dieser Kurs war eine Fehlentscheidung, und angesichts meiner knapp bemessenen Zeit überlege ich ernsthaft, auf die beiden noch folgenden Termine zu verzichten und stattdessen lieber mal wieder mit meinem Schwesterchen ins Kino zu gehen.