Sternentanz

21.06.2009 um 17:54 Uhr

Soll ich meine Doktorarbeit publizieren?

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Unentschlossen
Musik: Robbie Williams - Sexed Up

 (c) viocat/pixelio

Vor einiger Zeit hat mich ein Verlag angeschrieben, der - für die Autoren kostenfrei - Dissertationen und Habilitationsschriften verlegt. Sie boten mir an, meine Doktorarbeit zu veröffentlichen. Ich müsste lediglich meine Arbeit ihren Druckvorgaben anpassen und sie dann per PDF auf der Internetseite des Verlags hochladen. Die Bücher werden per Print-to-Order oder als e-books vertrieben. Eigentlich keine schlechte Sache und mein erster Gedanke war: "Wieso nicht?" Doch nun sitze ich vor den allgemeinen Geschäftsbedingungen und die bloße Aussicht, mich noch einmal gedanklich mit meiner Doktorarbeit zu beschäftigen - und sei es auch nur, um die Schriftgröße den gewünschten Vorgaben anzupassen -, lässt mir die Haare zu Berge zu stehen. Außerdem glaube ich nicht, dass irgendjemand sich auch nur im geringsten für das interessieren könnte, was ich da produziert habe. Es war geeignet, mir den gewünschten Titel zu verschaffen, glänzt aber ansonsten durch phänomenale Bedeutungslosigkeit. Falls doch einmal jemand Auszüge daraus nachlesen möchte, ist die Arbeit sowieso schon im Internet zu finden. Warum also sollte ich mir die Mühe machen, mich nun um eine Veröffentlichung zu bemühen? Fällt euch irgendein vernünftiger Grund dafür ein?

21.05.2009 um 08:38 Uhr

Drei Tage am See

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Wundervoll
Musik: Max Mutzke - Marie


(c) Andreas Falkinger/pixelio

Während der letzten Tage war ich auf einer beruflichen Fortbildung im Kloster Seeon. Ich hatte mich vor ein paar Wochen ganz kurzfristig und spontan dazu entschlossen, weil mich das Thema interessierte und die Aussicht auf ein paar erholsame Tage in schöner Umgebung mir reizvoll erschien. Und siehe da: Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte! Die Fortbildung selbst war ausgesprochen interessant, anregend und inspirierend und hat mich in meinem lang gehegten Vorhaben bestärkt, mich eingehender mit der systemischen Therapie zu beschäftigen. Trotz unserer intensiven Arbeit war die Zeit im Kloster so wohltuend und erholsam, dass ich nun von Grund auf erfrischt und gestärkt in meinen Alltag zurückkehre. Das Essen war köstlich und die stillen Stunden am See klingen noch immer in mir nach. Der krönende Abschluss war ein Besuch bei meiner Schwester, die mit ihrer Familie am Chiemsee wohnt. So klang mein Fortbildungsurlaub aus mit gemütlichen Gesprächen, einem kinderreichen Badeausflug und leckerem Grillfleisch am Abend. So lässt sich's leben!

22.03.2009 um 09:12 Uhr

Arbeitsreicher März

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Ausgeruht
Musik: Tina Turner - Something Beautiful Remains

 (c) Karin Jung/pixelio

Beruflich bin ich dieser Tage sehr stark eingespannt. Neben der üblichen Arbeit gilt es mehrere größere Termine zu verwalten, zu organisieren und vorzubereiten. Teilweise nehmen diese auch meine Wochenenden in Anspruch. An den wenigen sonnigen, milden Tagen verlangt mein Garten nach Aufmerksamkeit und außerdem habe ich begonnen, meine Wohnung einem gründlichen Frühjahrsputz zu unterziehen. Es tut gut und macht mir viel Freude, die anstehenden Pflichten Schritt für Schritt zu erledigen. Allerdings bleibt alles andere daneben liegen. Sogar mein Tagebuch habe ich in den letzten Wochen schmählich vernachlässigt. Im April wartet noch ein größeres Projekt auf mich: die Neugestaltung meines Schlafzimmers. Danach wird es allmählich wieder ruhiger. Ich freue mich schon darauf, endlich wieder auf meiner Bank im Garten zu sitzen, die Seele baumeln zu lassen und die Feder übers Papier zu führen. Doch bis dahin heißt es: Ärmel hochkrempeln und zupacken!

04.02.2008 um 21:26 Uhr

Feng Shui

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Vergnügt
Musik: Queen - We Are the Champions

Am Freitag bin ich aus meinen alten, großen, hellen Büro in ein kleineres, dunkleres gezogen, das aber eine wesentlich repräsentativere Lage hat. Letztlich ausschlaggebend war für mich nicht das Repräsentieren, sondern vielmehr die Tatsache, dass zwei meiner Kolleginnen aus Platzgründen zusammenziehen mussten und einfach einen größeren Raum brauchten. Was tut man nicht alles, um seinen Mitarbeiterinnen optimale Rahmenbedingungen zu verschaffen! Heute allerdings saß ich ziemlich wehmütig in meinem neuen Büro und fühlte mich auf merkwürdige Weise unwohl. Ich hätte gar nicht so genau sagen können, was es war, aber irgendwas stimmte nicht. Als ich am Abend meiner Schwester davon erzählte und ihr den Grundriss des Raumes sowie die Position der Möbel aufzeichnete, war für sie die Sache sehr schnell klar: Das Chi stimmte hinten und vorne nicht. Sie schnappte sich Papier und Bleistift und begann, einen neuen Entwurf zu zeichnen, bei dem der Schreibtisch schräg im Raum stand und ein kleines Sideboard die Sitzecke abschirmte. Noch während sie ihre Überlegungen skizzierte, hatte sie mich überzeugt. Tatsächlich ist die Anordnung meiner Büromöbel Ursache meines subtilen Unbehagens. Ich sitze an meinem Schreibtisch mit dem Rücken zum Fenster und direkt gegenüber der Zimmertür wie auf dem Präsentierteller. Der Entwurf meiner Schwester wirkt wesentlich wohliger und gemütlicher, gibt mir Halt im Rücken und öffnet mir den Blick in alle Richtungen. Gleich morgen werde ich den Grundriss und das Mobiliar ausmessen, um zu überprüfen, ob sich ihre Ideen tatsächlich so umsetzen lassen. Und dann heißt es Möbel rücken! Die Handwerker und die Computertechniker werden einiges zu tun bekommen, aber das ist es mir wert. Ich verbringe so viel Zeit in der Arbeit, dass ich mich dort auch rundum wohl fühlen will.

17.10.2007 um 07:06 Uhr

Vita activa

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Heiter, sprudelnd, glücklich

 (c) Anika Lehnert/pixelio

Im Augenblick finde ich wenig Muße, um ausführlich zu bloggen. Mein Leben spielt sich sehr stark in der irdischen, greifbaren Welt ab. Es gibt viel zu tun, und ich bin rundum eingespannt, sowohl beruflich, als auch privat. In den Momenten der Ruhe schreibe ich dann lieber in mein "echtes" Tagebuch, als Blogeinträge zu verfassen. Das sinnliche Schreiben mit Feder und Papier liegt mir derzeit mehr als die Tastatur. Davon habe ich in meiner Arbeit schon genug. Doch trotz der vielen Aufgaben, um die ich mich kümmern muss, genieße ich meine Tage sehr. In mir sprudelt und brodelt es nur so vor Lebendigkeit. Ich fühle mich reich beschenkt und empfinde es als äußerst wohltuend, meinen Verpflichtungen nachzukommen und meine Beziehungen zu pflegen. Von daher bitte ich um Nachsicht, wenn ich hier im Blog derzeit wenig präsent bin. Es gibt für alles eine Zeit, und diese ruft mich eher in die Welt hinaus.

28.06.2007 um 21:12 Uhr

Letzte Sitzung

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Zufrieden
Musik: Barbra Streisand - Space Captain

 (c) pixelio

Heute hatte ich meine letzte Sitzung bei uns im Frauenprojekt. Zum Ende des Monats werde ich meine Praxistätigkeit dort aufgeben. Seit September arbeite ich hauptberuflich wieder in Vollzeit, und die nebenberufliche Tätigkeit ist mir am Ende einfach zu viel geworden - ganz abgesehen davon, dass es sich irgendwann einfach nicht mehr rechnet. Ich habe meine Entscheidung getroffen, und sie ist mir am Ende sehr leicht gefallen. Die dadurch gewonnene Zeit ist mir unendlich kostbar, dem Projekt werde ich durch unsere Vereinsarbeit weiter verbunden bleiben, und die Praxis selbst ist derzeit so sehr im Umbruch, dass ich mich dort kaum noch heimisch gefühlt habe. Damit endet ein sehr schönes Kapitel meiner Berufstätigkeit in Dankbarkeit und ohne Wehmut. Und das Beste daran ist, dass ich künftig nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Geld zur Verfügung haben werde. Das kann ich gerade ganz wunderbar brauchen. Ein langer Sommer mit meinem Liebsten steht vor der Tür!

23.04.2007 um 22:23 Uhr

Auf die Schnelle

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Heiter
Musik: Fleetwood Mac - I Don't Want To Know

 (c) Marco Barnebeck/pixelio.de

Mein Leben ist derzeit bis zum Rand gefüllt. Das Wochenende war von der ersten bis zur letzten Minute ausgebucht (wobei einige sehr schöne Begegnungen enthalten waren) und auch die laufende Woche ist schon wieder bis Mittwoch verplant. Trotzdem sehe ich mit Vergnügen, dass die Wolken der Pflichten und Termine sich allmählich lichten. So sehr ich es mag, wenn mein Alltag bunt und lebendig ist, so sehr brauche ich meine regelmäßigen Inseln des Alleinseins, um zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Von daher freue ich mich auf die freien Tage, die vor mir liegen und an denen ich ganz genüsslich meine Seele streicheln kann. Bis dahin muss ich mich aber noch kurz fassen. Viel zu tun. Gute Nacht!

30.03.2007 um 21:45 Uhr

Sparflamme

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Glücklich
Musik: Abba - People Need Love

 (c) pixelio.de

In nächster Zeit werde ich meinem Blog leider nur wenig Aufmerksamkeit widmen können. Morgen erwarte ich lieben Besuch und über die Osterfeiertage fahre ich zu meinem Liebsten. Davon abgesehen bin ich gerade bis über beide Ohren eingedeckt mit Ikea-Besuchen, beruflichen Verpflichtungen, Arztterminen und sonstigen Verabredungen, so dass ich zwar hie und da Zeit zum Lesen finde, doch mich nur selten zum Schreiben und Kommentieren aufschwingen kann. Trotzdem geht es mir rundum gut. Ich genieße den Frühling, der sich in diesem Jahr so freundlich und freigiebig zeigt, freue mich an den Veränderungen, die auf mich zukommen, und bin vergnügt und guter Dinge. Auch die beschwerlichen Wanderungen durch die Tiefen meiner Seele liegen mittlerweile hinter mir, sodass ich den Ostertagen leichten Herzens und frohen Mutes entgegensehen kann.

12.08.2006 um 11:45 Uhr

Jubelruf

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

 

 

Mein unbefristeter Vertrag kam mit der Post!

Hurra!

15.07.2006 um 12:35 Uhr

Zweiter Anlauf

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Hoffnungsvoll
Musik: Loreena McKennit - Night Ride Across The Caucasus

Soeben habe ich meine Bewerbung fertiggestellt. Mit Unterstützung meiner Chefin, die sich nach wie vor sehr für mich einsetzt, habe ich mich bei unserem obersten Vorgesetzten noch einmal schriftlich und ausdrücklich um eine unbefristete Stelle beworben. Meine Chefin macht mir großen Mut. Allerdings bin ich vorsichtig geworden. Was sie will und möchte, muss sich nicht unbedingt mit den Zielen und Plänen der Leitung decken, und ich werde erst aufatmen, wenn ich meinen unbefristeten Vertrag unterschrieben in Händen halte. Es wäre so schön, wenn ich meine Tätigkeit in unserer Einrichtung fortsetzen könnte. Noch nie zuvor habe ich mich mit einer Arbeitsstelle so verbunden gefühlt. Ich stehe voll und ganz hinter unserem therapeutischen Konzept, fühle mich mit den Mitarbeiterinnen ungemein wohl und schätze meine Selbständigkeit und insbesondere die Freiheit, eigene kreative Ideen in meine Arbeit einzubringen. Dass meine Chefin bisweilen sehr schwierig sein kann, fällt demgegenüber kaum ins Gewicht - zumal ich in letzter Zeit recht gut mit ihr auskomme. Das kann sich zwar jederzeit wieder ändern, aber im Augenblick bin ich ganz zuversichtlich, was das angeht.

Wünscht mir Glück!

13.07.2006 um 20:43 Uhr

Viel zu heiß

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Müde und bedrückt
Musik: Madonna - Angel

Obwohl ich heute gar keine Termine hatte und ziemlich fleißig war, habe ich nur einen Bruchteil dessen geschafft, was ich mir ursprünglich vorgenommen hatte. Ich habe das Bad geputzt, Flur und Wohnzimmer gesaugt, den Rasen gemäht, die Lindenblüten zusammengerecht, die Wäsche abgenommen und zusammengelegt, fürs Wochenende eingekauft, mit meiner Schwester zu Mittag gegessen und mit meinen Eltern zu Abend, das Gründungprotokoll unseres Vereins getippt, die Adressenliste auf den neuesten Stand gebracht, meiner Freundin einen wichtigen Artikel kopiert und den einen oder anderen Blogeintrag verfasst. Jetzt muss ich noch die Küche aufräumen und putzen und eigentlich wollte ich auch noch eine Bewerbung schreiben, die Telefonabrechnung fürs zweite Quartal machen, e-Mails beantworten und zwei Rechnungen rausschicken. Ob ich das heute noch alles schaffe? Ich bezweifle es. Denn zu allem Überfluss war es heute extrem heiß und meine Stimmung gedämpft und ich bin schrecklich müde. Vielleicht beschränke ich mich auf die Küche und vertage den Rest aufs Wochenende.

31.05.2006 um 17:43 Uhr

Schlechte Nachrichten

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Ziemlich ratlos und traurig

Soeben habe ich erfahren, dass mein Vertrag aus Kostengründen nur bis Februar verlängert wird. Alles weitere ist höchst ungewiss. Nachdem meine Chefin mir zuletzt große Hoffnungen auf eine unbefristete Verlängerung gemacht hatte, hat mich diese Nachricht sehr getroffen. In den Ohren all jener, die gerade arbeitslos sind oder regelmäßig um ihren Job bangen, mag es vielleicht lächerlich klingen, dass ich angesichts dieser Nachricht nun mit den Tränen kämpfe. Aber von dieser Vertragsverlängerung hängt so vieles ab. Es geht schließlich nicht nur um meinen Beruf, sondern auch um meine private Zukunft.

07.05.2006 um 23:31 Uhr

Abgehakt

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Zufrieden und rechtschaffen müde

Ich war heute derart heiterer Stimmung, dass ich am Nachmittag sogar auf die verrückte Idee verfiel, meine Steuererklärung zu machen. Es war mühselig und langweilig, aber immerhin habe ich es jetzt hinter mir. Auch sonst konnte ich einige dicke Haken hinter mehrere Punkte meiner to-do-Liste setzen. Selbst wenn sich das mit der Erfahrung, entspannt in der Sonne zu liegen, nicht wirklich vergleichen lässt, so ist es doch zumindest ein gutes Gefühl, ein paar wichtige Dinge erledigt zu haben. Der krönende Abschluss dieses rundum gelungenen Wochenendes wäre jetzt natürlich noch ein heißes Bad. Aber es ist schon sehr spät. Soll ich trotzdem...?

28.03.2006 um 15:41 Uhr

Schwere Entscheidung

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Unschlüssig

Soeben hat mich meine Chefin angesprochen. Ich hatte vor einiger Zeit angefragt, ob es nicht möglich sei, meine derzeit noch befristete, da als Vertretung für eine junge Mutter angelegte Stelle in eine unbefristete Stelle zu verwandeln. Meine Chefin stand dem sehr positiv gegenüber und versprach, sich dafür einzusetzen. Nun erzählte sie mir heute, dass die Klinikleitung damit nur einverstanden sei, wenn ich mich bereit erklärte, meine aktuelle 80%-Teilzeitstelle wieder in eine Vollzeitstelle umzuwandeln. Das ist eine schwere Entscheidung, da für mich die Reduzierung meiner Festanstellung mit dem Einstieg in meine freiberufliche Tätigkeit verbunden war. Einen Tag in der Woche halte ich mir seither für private Klientinnen frei und diese Arbeit liegt mir sehr am Herzen. Davon leben könnte ich allerdings nicht. Dafür bin ich auf meine hauptberufliche Festanstellung angewiesen. So stehe ich nun vor der Wahl zwischen der Sicherheit in einer Tätigkeit, die mir zwar auch viele Freiräume bietet, die mir aber nicht die Möglichkeit zur Verwirklichung einiger wichtiger Visionen lässt, und der Unsicherheit einer ungewissen Zukunft, in der aber genügend Raum für meine freiberufliche Tätigkeit bleibt.

Ich tendiere ganz klar zur Sicherheit. Nicht allein um der Sicherheit selbst willen, sondern weil mir meine Stelle hier so gut gefällt, dass ich sie auf keinen Fall aufgeben möchte. Außerdem könnte ich mich, wenn die unbefristete Stelle erst einmal gesichert wäre, immer noch nach Alternativen umsehen. Ich würde nur ungern den Praxisraum in unserem Frauenprojekt wieder aufgeben, weil ich mich dort ungemein wohl fühle. Vielleicht finde ich ja doch eine Lösung, beides unter einen Hut zu bringen.

08.03.2006 um 23:15 Uhr

Nach der Prüfung!

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Leicht resigniert und müde
Musik: Robbie Williams - Ain't That A Kick In The Head

"Das hat Zeit bis nach der Prüfung", war mein Standardsatz für so ziemlich alles, was sich seit Anfang Januar in meinem Briefkasten, meiner Mailbox oder meiner Ablage mit den noch ausstehenden Erledigungen eingefunden hatte. Was soll ich sagen? Nun ist die lang ersehnte Zeit danach gekommen und ich betrachte mit Grausen die Liste meiner Verpflichtungen, die locker eine DIN-A4-Seite füllen. An meiner Arbeitsstelle habe ich alles Notwendige bereits abgearbeitet, doch die privaten Besorgungen werden mich sicher noch eine Weile in Anspruch nehmen. Wundert euch also bitte nicht, wenn ich mich hier im Blog weiterhin rar mache.

Es erinnert mich an den Frühling. Der lässt ja auch länger auf sich warten, als ich gehofft hatte. (Stellt euch hier bitte in Ermangelung eines übermütigen Frühlingsschreis einen müden Seufzer vor.)

02.02.2006 um 23:19 Uhr

Erstmal geschafft!

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Ähnlich wie gestern um diese Zeit

Für heute habe ich es geschafft. Am Schluss hieß es Zähne zusammenbeißen, denn die Altersdemenzen und die Epilepsien gehören nicht gerade zu den inspirierendsten Kapiteln der Psychiatrie. Aber ich habe mein gestecktes Ziel für heute erreicht und kann mich nun morgen wieder ganz dem eigentlichen Thema meiner Doktorarbeit widmen. Drei Tage habe ich noch, dann muss ich wieder in die Arbeit. Aber ich liege ganz gut in der Zeit und bin recht zufrieden mit mir. In der kommenden Woche werde ich nichts Neues mehr lernen, sondern nur noch das, womit ich mich in diesen zwei Wochen beschäftigt habe, immer wieder auffrischen und lebendig halten. Alles weitere muss sich dann zeigen. Ich habe letztlich keine Ahnung, was bei dieser Prüfung auf mich zukommt, und kann mich nur intuitiv darauf vorbereiten. Aber da ich nicht ernsthaft glaube, dass ich Gefahr laufe durchzufallen, geht es in erster Linie darum, meine Nerven zu beruhigen und mir selbst ein einigermaßen sicheres Fundament zu geben. Das allerdings ist angesichts der Tatsache, dass ich mich zuletzt fast ein Jahr lang nicht mehr mit meiner Doktorarbeit beschäftigt hatte und zum Teil nicht einmal mehr genau wusste, was da eigentlich drin stand, auch dringend nötig. Mittlerweile habe ich zumindest das Gefühl, dass ich weiß, wovon ich rede, wenn ich über meine Arbeit spreche.

Meine Stimmung ist heute ähnlich wie gestern: Einerseits bin ich zufrieden und erleichtert, andererseits fühle ich mich müde und ziemlich verloren. Es sind dies die Momente, in denen ich mich nach nichts mehr sehne als nach einer liebevollen, zärtlichen Umarmung. Aber es hilft alles nichts: Insel ist Insel und Entfernung ist Entfernung. Und im Grunde ist es ja nicht mehr lang hin. In manchen Momenten kommt es mir gar so vor, als sähe ich schon einen hauchzarten Streifen Land am Horizont.

02.02.2006 um 17:54 Uhr

Was ich alles machen werde...

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Rastlos, ungeduldig und sehnsüchtig

... wenn diese Prüfung erst einmal hinter mir liegt:

~ meine gesamte Wohnung aufräumen, entrümpeln und gründlich putzen
~ insbesondere den gesamten Papiermüll meiner Doktorarbeit entsorgen
~ alle Zimmer ausgiebig mit Rosmarin und Salbei räuchern
~ mir wieder Zeit für Meditation, Yoga und Tai Chi nehmen
~ den Themen, die mich beschäftigen, in Ruhe auf den Grund gehen
~ mich selbst mit duftenden Bädern und anderen Köstlichkeiten verwöhnen
~ mir ganz viel Zeit nehmen für die Liebe
~ allen meinen Freunden lange, ausführliche Briefe schreiben
~ noch besser: sie der Reihe nach anrufen und ausgiebig mit ihnen reden
~ alles erledigen, was in letzter Zeit liegen geblieben ist
~ den Visionen für unser Frauenprojekt Gestalt verleihen
~ mich um meine freiberufliche Tätigkeit kümmern
~ endlich mal wieder ins Kino gehen
~ lange, ausgedehnte Spaziergänge machen
~ einen ganzen Tag auf der Fraueninsel verbringen
~ meinen Neffen und meine Nichte nach München einladen
~ mich nach neuen Volkshochschulkursen umsehen
~ gemütlich durch die Stadt bummeln
~ meine Gartengestaltung weiter planen
~ kleine und große Rituale feiern und Orakel befragen
~ lauter Bücher lesen, die mein Herz erwärmen
~ den Pullover fertig stricken, der seit Wochen unberührt herumliegt
~ mir eine neue Matratze für mein Bett kaufen
~ unsere Wohnung vorfrühlingshaft dekorieren
~ einfach tun, wonach mir gerade ist

25.01.2006 um 13:44 Uhr

Denken kommt immer gut

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Nüchterne Einsicht

Es erscheint mir vollkommen irreal, dass ich in drei Wochen vor meinen Doktorvater treten und ihm eineinhalb Stunden lang erklären soll, was ich mir bei meiner Doktorarbeit so alles gedacht habe. Beim Durcharbeiten meiner wissenschaftlichen Ergüsse gehen mir selbst höchst unterschiedliche Reaktionen durch den Kopf. Manchmal bin ich ganz verblüfft: "Ach? So hast du dir das damals gedacht? Ist ja gar nicht so blöd, sondern klingt recht einleuchtend." An anderen Stellen jedoch stoße ich auf kleinere oder größere Fehler und Ungenauigkeiten, bei denen ich mir nur mit der Hand vors Hirn hauen möchte: "Was um alles in der Welt hast du dir denn dabei gedacht!" Dieses Phänomen ist mir allerdings nicht neu. Jedesmal, wenn ich meine Doktorarbeit nach einer längeren Pause wieder in die Hand genommen hatte, fielen mir Dinge auf, die ich dringend überarbeiten musste. Und vermutlich wäre das bis in alle Ewigkeit so weitergegangen, wenn ich mir nicht irgendwann einmal gesagt hätte: Jetzt ist Schluss! Perfekt oder nicht, du reichst das Ding jetzt endlich ein.

Mir ist völlig klar, dass ich mit dieser Arbeit keinen Meilenstein der psychologischen Forschung abgeliefert habe. Meine Dissertation ist ganz nett formuliert, schlingert bisweilen recht unentschlossen herum und hat keinerlei weltbewegende Ergebnisse vorzuweisen. Aber es war auch nie mein Ziel, damit Eindruck zu schinden. Ich wollte im Grunde nie promovieren, fühlte mich von der Aussicht auf den Titel zu keinem Zeitpunkt angespornt und konnte mich auch für das Thema meiner Arbeit nicht begeistern. Es ging mir immer nur darum, das alles endlich hinter mich zu bringen. Und nun soll ich in zwei Wochen etwas vertreten und verteidigen, hinter dem ich selbst nie wirklich stand. Das ist für mich das Schwierigste an der ganzen Sache. Die Prüfung hat natürlich den Vorteil, dass ich zu einigen der oben genannten Fehler noch einmal Stellung beziehen und diese gegebenenfalls korrigieren kann. Aber eine Tour de Force wird das Ganze sicher nicht werden. Schade eigentlich. Würde ich mich heute noch einmal für die Promotion entscheiden (was ich - nebenbei bemerkt - ganz sicher nicht täte), dann würde ich mir ein Thema suchen, für das ich von ganzem Herzen entflammt bin. Irgendwas aus der Geschlechterforschung vielleicht. Eine Untersuchung, deren Ergebnis mich auch selbst brennend interessieren würde. Etwas, womit ich voller Begeisterung meine gesamte Umgebung nerven und worauf ich wirklich stolz sein könnte.

Tja, war wohl nichts. So wird meine Doktorarbeit für mich immer nur ein mahnendes Beispiel bleiben, mich nie, nie, niemals wieder auf ein derart zeitaufwendiges Projekt einzulassen, wenn ich nicht aus tiefstem Herzen dazu stehen kann.

24.01.2006 um 13:27 Uhr

Wundersame Entdeckung

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Heiter und gut gelaunt
Musik: Andrew Lloyd Webber - Jellicle Ball

Ich mache gerade eine verblüffende Erfahrung: Wenn ich mich so wie jetzt voll und ganz auf meine Prüfungsvorbereitungen konzentrieren kann, ohne mich noch um tausend andere Dinge kümmern zu müssen, wenn ich gemütlich in meinem mit einem kuscheligen Schaffell ausgepolsterten IKEA-Sessel sitze, meine Doktorarbeit, den Pschyrembel, das Englisch-Wörterbuch und das Fremdsprachenlexikon griffbereit, neben mir eine Tasse Tee und eine Tafel Schokolade, während von draußen freundlich die Sonne zu mir hereinscheint, dann macht es mir beinahe Spaß, mich so eingehend mit einem wissenschaftlichen Thema zu befassen. Gut, wir wollen es jetzt auch nicht übertreiben: Natürlich könnte ich mir andere Vergnügungen vorstellen, mit denen ich mir weitaus lieber die Zeit vertreiben würde. Aber da ich nun einmal keine andere Wahl habe, ist es immerhin ermutigend, dass die kommenden beiden Wochen versprechen, durchaus annehmbar zu werden.

16.01.2006 um 11:33 Uhr

Reizarmut

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Verfroren

Es ist lange her, dass ich mich zuletzt auf eine größere Prüfung vorbereiten musste. Mein Diplom liegt rund zehn Jahre zurück und alles, was danach kam, war eher harmlos. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass die Prüfungsphasen während des Studiums mitunter gewaltige Durststrecken für mich waren. Der Blick verengte sich, die Konzentration richtete sich hauptsächlich auf den Lernstoff und alle anderen Interessen mussten für eine Weile hintanstehen, sodass die täglichen Aktivitäten ziemlich verarmten. Immerhin hielt ich mir zu Studienzeiten stets einen Tag in der Woche für schöne und angenehme Unternehmungen frei, um dem langweiligen Einerlei der täglichen Hirnakrobatik etwas entgegenzusetzen. Damals hatte ich aber auch nicht nebenher noch einen Beruf auszuüben und nur am Wochenende Zeit, wirklich konzentriert zu lernen.

Im Augenblick besteht mein Leben nur aus meinem Beruf, den allernotwendigsten Haushaltspflichten, meinen Prüfungsvorbereitungen, gelegentlichen Ausflügen ins Netz - und einigen zärtlichen Telefonaten mit meinem Liebsten, die quasi mein Überleben sichern. Diese Gespräche sind für mich wie Oasen in der Wüste und gäbe es sie nicht, würde ich vermutlich vor lauter Langeweile und Reizarmut innerlich vertrocknen. (Den kleinen Nachteil, dass sie mich hin und wieder länger von meinen Pflichten fernhalten, als mir lieb ist, nehme ich dafür nur zu gerne in Kauf.) Ach, ich sehne den Tag herbei, an dem ich all das endlich hinter mir habe und mein Herz wieder frei und unbeschwert drauflos sprudeln kann!