Sternentanz

13.01.2006 um 15:23 Uhr

Nachrichten aus dem Alltag

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Zufrieden mit einem leise singenden Unterton

Da ich den größten Teil meiner freien Zeit momentan in Begleitung meiner Doktorarbeit, sowie eines Psychiatriebuches verbringe, hat mein Leben wenig Spektakuläres zu bieten. Manchmal befällt mich noch ein leiser Anflug von Panik, doch im Großen und Ganzen bin ich recht zuversichtlich, dass ich diese Prüfung halbwegs zufriedenstellend hinter mich bringen werde. Ich habe ja keinerlei Ambitionen, mir ein "cum laude" abzuholen. Die Zeiten sind vorbei. Es geht mir nur darum, das Ding zu bestehen und endlich, endlich diesen Mühlstein um meinen Hals loszuwerden.

Beruflich bin ich recht zufrieden. Meine Chefin schlägt zwar gelegentlich merkwürdige Kapriolen, aber zum Glück bin ich selten dabei, wenn das geschieht. Zu mir ist sie in letzter Zeit ungewöhnlich nett. Sie hat mich sogar hin und wieder gelobt - ein Umstand, der mir schon fast unheimlich ist. Tatsächlich macht mir die Arbeit wieder um einiges mehr Spaß als noch vor ein paar Wochen. Seit wir unser Konzept zeitlich umstrukturiert haben, bin ich wesentlich stärker in die therapeutische Arbeit eingebunden und den anfallenden Schreibkram kann ich in der verbleibenden Zeit problemlos bewältigen, ohne dass es mir dabei allzu langweilig wird. Und sobald meine Prüfung vorbei ist, werde ich auch wieder mehr Zeit und Energie für meine freiberufliche Tätigkeit haben, die mir so sehr am Herzen liegt.

Ansonsten habe ich diese Woche mit leiser Wehmut die wunderschöne Weihnachtsdeko abmontiert, die meine Schwester mit so viel Liebe gestaltet hatte. Selten zuvor ist es mir so schwer gefallen und die Wohnung erschien mir danach merkwürdig kahl. Aber es gibt für alles eine Zeit und die Rauhnachtzeit ist nun definitiv vorbei. In nicht einmal drei Wochen ist ja schon wieder Lichtmess. Dieses Jahr werden die Feierlichkeiten wohl etwas spartanischer ausfallen als sonst, aber nichtsdestotrotz freue ich mich darauf, denn das Lichterfest trägt für mich ganz stark die Verheißung des Frühlings. Und diesem Frühling jubelt mein Herz entgegen, da es selbst schon pralle Knospen und erste, zarte Blüten trägt.

15.12.2005 um 15:55 Uhr

Lästige Pflicht

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Unzufrieden
Musik: Sting - Moon Over Bourbon Street

Gerade habe ich das Gefühl, dass mir die vielen kleinen und großen Verpflichtungen des Alltags ganz gehörig über den Kopf wachsen. Gewiss, ich bin selbst verantwortlich dafür, weil ich meine Prioritäten im Moment anders setze und dadurch vieles liegen bleibt. Der Stapel mit Bügelwäsche, das ungeputzte Bad, die noch ausstehende Korrespondenz, die unerledigte Telefonabrechnung und noch so manches mehr - all das wird zu einem riesigen Berg, den abzutragen mich große Überwindung kostet. Nichts würde ich im Augenblick lieber tun, als die Pflicht einfach Pflicht sein zu lassen und stattdessen mit verträumten Blick auf meinem Bett zu liegen und die Seele auf Reisen zu schicken. Ich würde gerne in einem Meer aus Kerzen baden, meine Wohnung mit süßem Rauch füllen, in der kalten Luft spazierengehen und die Traumzeit in mein Leben rufen. Aber angesichts der vielen unerledigten Aufgaben, die auf mich warten, fühle ich mich nicht frei, einfach dem Lustprinzip zu folgen. Ein unangenehmer Teufelskreis ist das: Je weniger Lust ich habe, das zu tun, was ich tun muss, umso weniger frei fühle ich mich, das zu tun, was ich tun möchte. Ich hoffe nur, dass ich bald einen befriedigenden Ausweg aus diesem Dilemma finde. Immerhin konnte ich heute schon ein paar Punkte von meiner Liste streichen - wenn auch längst noch nicht alle.

18.08.2005 um 11:59 Uhr

Frau Doktor

von: Nimien   Kategorie: Pflicht und Berufung

Stimmung: Freudig und erleichtert
Musik: Mein Magen knurrt

Mein Doktorvater ist ein Schatz. Eben habe ich ihn angerufen, um mit ihm die Einzelheiten meiner bevorstehenden Prüfung zu besprechen, vor der ich einen Riesenbammel habe. Und er hat es verstanden, mir mit wenigen Worten die schlimmste Angst zu nehmen. Ich darf darauf vertrauen, in ihm einen äußerst wohlwollenden Prüfer vor mir zu haben, der sich riesig gefreut hat, dass ich doch das Durchhaltevermögen besaß, meine Arbeit zu einem Ende zu bringen. Schwierig genug war es. Ein Doktortitel erfordert vor allen Dingen Geduld, Ausdauer, Durchhaltevermögen und eine hohe Frustrationstoleranz - umso mehr wenn man wie ich eigentlich gar nicht so sehr daran interessiert ist zu promovieren. Meine Freundin B. ist schuld. Sie hat mich damals angestiftet, mich darauf einzulassen. Und was ist? Sie selbst hat die Promotion schon nach wenigen Monaten hingeschmissen, um stattdessen den Mann ihres Lebens zu heiraten und Kinder zu bekommen. Tja, so kann's gehen! Aber ich muss schon zugeben: Auf meinem Praxisschild macht sich der Doktor gar nicht schlecht (auch wenn ich ihn im Moment noch zukleben muss).