Sternentanz

20.03.2010 um 18:32 Uhr

Frühlingsäquinoktium

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Voller Sehnsucht
Musik: Mari Boine - Balu BaDJel Go Vuoittán

 (c) AngelaL/pixelio

Seit ein paar Tagen ist mein Garten frei von Schnee. Der Frühling kommt spät dieses Jahr. Grau und kahl liegen die Blumenbeete zwischen dem fahlen Rasen. Nur ein paar Krokusse und Schneeglöckchen, das grüne Laub der Christrosen und die zarten Triebe der Tulpen und Narzissen malen Farbtupfer auf die graubraune Leinwand. Ich fürchte, der alte Lavendelbusch hat den grimmigen Winter nicht überstanden. Auch die Zwergrose auf meinem Balkon, die ich im Herbst in ihren Topf gepflanzt habe, wirkt äußerst mitgenommen. Es muss sich erst zeigen, ob sie austreiben wird. Ich hoffe inständig, dass wir von weiteren Kälteeinbrüchen verschont bleiben und der Frühling wiedergutmacht, was er uns so lange vorenthalten hat. Mein Herz sehnt sich nach Licht, Sonne und Wärme, nach dem zarten Grün der Bäume, nach Osterglocken und Blausternchen, nach Morgentau und lauer Luft. Winter war es lang genug. Jetzt wird es Zeit für die überbordende Sinnlichkeit des Frühlings. Und wenn ich sehe, wie die Tulpentriebe sich scharf durch das alte Laub vom Vorjahr bohren, dann ziehe ich meinen Hut vor seiner geballten Kraft.

17.02.2010 um 12:57 Uhr

Winterlicher Tauchgang

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Barbra Streisand - Some Other Time (Quartet Version)

 (c) Rainer Sturm/pixelio

Der eisige, schneereiche Winter ist erstaunlich spurlos an mir vorüber gegangen. Dies mag daran liegen, dass ich im Dezember irgendwann anfing, meine Geschichte zu schreiben, und ich auf diese Weise quasi vollständig unter der klirrenden Kälte hindurch getaucht bin. Die Welt vor meinem Fenster erschien mir in den vergangenen Wochen seltsam unwirklich und berührte mich kaum. Ich verließ das Haus nur, um zur Arbeit zu gehen, Besorgungen zu machen oder nette Menschen zu treffen. Ansonsten saß ich die meiste Zeit in meiner gut geheizten Wohnung und vergnügte mich mit Buchstaben und Worten. Eine ausgezeichnete Methode, um die kalte Jahreszeit zu überbrücken!

Erst in den letzten Tagen, während meines Besuches in Graz und Klagenfurt, wurde mir bewusst, wie unerbittlich, schneidend und grimmig der diesjährige Winter eigentlich ist. Ich fror gottserbärmlich, als ich mit meinem Liebsten durch die Straßen von Klagenfurt schlenderte, und sehnte mich permanent nach einer heißen Badewanne. Zärtliche Gefühle konnte mir der kalte Geselle nur einmal abringen, als wir nämlich in Graz durch den verschneiten Leechwald zum Häuserl im Wald spazierten, um dort gemütlich und überaus köstlich zu speisen (Flugentenbrüstchen mit zartem Gemüse und Kartoffelgebäck und zum Nachtisch Mousse au Chocolat - hmm!). Ansonsten jagten die turmhohen, hässlich ergrauten Schneemassen mir nur noch unbehagliche Schauer über den Rücken.

Nachdem sie in den Läden jetzt schon die ersten Ostereier verkaufen, könnte der Winter sich allmählich mal aus dem Staub machen. Meine innere Uhr steht längst auf Frühling.

02.11.2009 um 09:42 Uhr

Denkste!

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Wohlig und entspannt
Musik: Craig Armstrong - Bolero

 (c) Joujou/pixelio

Man soll den Monat nicht vor dem Zweiten loben. Der goldene November von gestern war nur eine Maskerade. Heute zeigt er uns sein wahres Gesicht. Trübe und nassgrau schaut er zum Fenster herein und verbreitet grießgrämige Stimmung. Auch gut. Dann gehe ich eben nicht in den Garten, sondern ziehe mich mit einer Tasse Tee und meinem Tagebuch auf die Couch zurück. Heute muss ich erst mittags in die Arbeit und bin wild entschlossen, den freien Vormittag gebührend feiern.

01.11.2009 um 19:07 Uhr

Goldener November

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Gelöst und heiter
Musik: Howard Shore - The Grey Havens

 (c) AngelaL/pixelio

Der November hat heute einen Einstand gehalten, der dem Oktober die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben dürfte. Als ich auf dem Balkon Gartengeräte und Blumentöpfe reinigte, war es so warm, dass ich schon bald meine Jacke auszog und meine Arbeit im langärmligen Shirt fortsetzte. Ich lockerte den Boden zwischen den Stauden und jätete Unkraut. Sorgsam entfernte ich das mit Sternrußtau befallene Laub von den Rosen. Die verblühten Astern kappte ich dicht über dem Boden und warf sie klein gehäckselt in den Kompost. Ich stach die Rasenkante ab und sammelte mit dem Rechen das Laub ein, das ich schon bald auf den Beeten verteilen werde. Während mein Garten im Hochsommer stundenlang in der vollen Sonne liegt, wirft die Hainbuchenhecke um diese Jahreszeit so lange Schatten, dass zwei Drittel der Beete davon bedeckt bleiben. Das Gartenjahr geht zur Neige. Es ist deutlich zu spüren. Nicht einmal das leuchtend bunte Laub, das sich noch beharrlich an den Ästen hält, oder die späten Rosen können darüber hinwegtäuschen.

17.10.2009 um 10:20 Uhr

Frühling, Sommer, Hochsommer, Winter

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Wohlig verschlafen
Musik: Sting - Englishman In New York

 (c) echino/pixelio

Nachdem es letzte Woche noch 27 °C hatte, stürzten die Temperaturen kurz darauf in den Keller und es fing an zu schneien. Es sieht merkwürdig aus, wenn auf grünem Laub Schnee liegt. Mir graut davor, dass ich heute bei Regen, Wind und Temperaturen unter 5 °C Rosen pflanzen muss. Der Wettermensch hat gestern im Fernsehen erklärt, dass um diese Jahreszeit eigentlich Goldener Oktober mit Temperaturen um die 20 °C angesagt sei. Aber das Wetter hält sich offenbar nicht an Traditionen. Also werde ich heute mit Handschuhen, Wollmütze und Regenjacke ausgestattet im Garten buddeln. Die Rosen werden nämlich wurzelnackt geliefert und müssen rasch in die Erde, weil sie sonst vertrocknen.

Ansonsten hatte ich gestern einen sehr vergnüglichen Abend mit meinem Schwesterlein und der a-capella-Gruppe "Six Pack" im "Spectaculum Mundi". Mein persönliches Highlight war die Interpretation von Prince's "Kiss" durch den überkandidelten Countertenor. Ich habe Tränen gelacht!

06.10.2009 um 21:25 Uhr

Altweibersommer

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Zufrieden
Musik: Pia Douwes - Ich gehör nur mir

 (c) AngelaL/pixelio

Vorgestern haben meine Nachbarn ihren Garten winterfest gemacht. Sie haben alle Stauden gekappt, das Beet schön leer geräumt und die Rosen zurückgeschnitten. Der Kontrast zu meinem Garten könnte größer kaum sein, denn in meinen Beeten herrscht dieser Tage noch immer bunte Üppigkeit. Die Rosen tragen dicke Knospen, die Astern blühen in Wolken aus Weiß, Rosa und Lila, die Himbeerranken biegen sich unter den letzten prallen Früchten und die Fetthenne streckt ihre braunen Samenstände der Sonne entgegen. Irgendwann werde auch ich die Gräser zusammenbinden, die empfindlichen Pflanzen mit Reisig schützen und getrocknetes Laub auf die Beete streuen. Aber doch nicht jetzt! Die Sonne scheint dieser Tage noch so warm und freundlich, das ich an den Winter gar nicht denken mag, und die Bäume fangen gerade erst an sich zu färben. Ein paar Rosen und Stauden wollen noch in die Erde, und die Blumenzwiebeln habe ich auch erst in den letzten beiden Wochen gesetzt. Außerdem soll mein Garten auch im Winter noch einen hübschen Anblick und den Insekten und Nutztieren ein schützendes Zuhause bieten. Deshalb schneide ich viele Stauden gar nicht zurück, sondern lasse sie bis zum Frühjahr stehen. Dann bleiben auch bei Eis und Schnee die Erinnerungen an ein beglückendes Gartenjahr lebendig und nähren meine Vorfreude auf die kommende Saison.

"Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." (Rabindranath Tagore)

24.06.2009 um 07:17 Uhr

Ausgerechnet

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Seufzend
Musik: Liza Minelli - The Day After That

(c) Annamartha/pixelio

Ausgerechnet jetzt, da die Rosen blühen,
kommt dieser nicht enden wollende Regen
und verwandelt alles in Matsch!

27.05.2008 um 22:13 Uhr

Maienfreuden

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Glücklich
Musik: Rilo Kiley - Go Ahead

 (c) Franz Haindl/pixelio.de

Ach, wie sehr liebe ich die Zeit, wenn der Frühling sich in den Sommer verwandelt! Ich liebe die warmen, weiten, hellen Abende, das üppige, frische Grün und die Vielfalt der Farben, Formen und Düfte. Wenn ich aus der Arbeit komme, verbringe ich den Rest des Tages meist draußen. Heute zum Beispiel habe ich meinen Rasen gemäht, meine Kletterrose von Blattläusen befreit, die Clematis und die Pfingstrosen hochgebunden und danach noch lange auf meiner Gartenbank unter den Linden gesessen und den jungen Sommer eingeatmet. Überhaupt geht es mir rundum wunderbar. In der Arbeit läuft alles rund, die Lasten vergangener Tage sind leichter geworden, mein Alltag ist reich und erfüllt und mein Herz wärmt sich an der Liebe des wundervollen Mannes, der nun schon seit zweieinhalb Jahren mein Leben begleitet. Maienfreuden überall!

28.06.2007 um 07:05 Uhr

Siebenschläfer

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Nachdenklich
Musik: Kate Bush - A Sky Of Honey

 (c) Nolanus/pixelio

"Wenn's am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet."

Gestern war der berühmt-berüchtigte Siebenschläfertag (wobei sich die Experten über das genaue Datum nicht ganz sicher sind). Diverse Bauernregeln besagen, dass das Wetter an diesem Tag sieben Wochen lang bestehen bleibt - und zu meinem Erstaunen habe ich gestern gelesen, dass diese Regel in rund 70% der Fälle tatsächlich zutrifft. Die Wetterlage während der letzten Juni- und ersten Julitage hat eine gewisse "Erhaltungsneigung". Na großartig! Bei uns war es gestern kühl, regnerisch und stürmisch. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass wir uns in einem der drei von zehn Jahren befinden, in denen diese Regel sich nicht erfüllt. Auf einen nassen, kalten Sommer hätte ich wirklich keine Lust.

24.06.2007 um 12:43 Uhr

Die Trägheit des Sommers

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Wohlig und zufrieden
Musik: Secret Garden - Nocturne

 (c) pixelio

Verglichen mit dem Frühling oder Herbst ist der Sommer eine eher träge Jahreszeit. Die Vegetation wuchert vor sich hin, die Bäume ergehen sich einem gleichmäßigen, leicht ermatteten Grün und die Landschaft präsentiert sich ohne allzu große Kontraste. Gewiss, in Gewittern und Hagelstürmen zeigt auch der Sommer sein Temperament. Doch während die Natur im Frühling oder Herbst mich zutiefst anrührt und bewegt, ist sie mir im Sommer vor allem ein Bild satter, schläfriger Zufriedenheit. In den warmen Nächten allerdings, wenn die Stadt sich in den betörend süßen Duft der Lindenblüten hüllt, oder am frühen Morgen, wenn die Wärme des beginnenden Tages schon zu erahnen ist, entfaltet der Sommer seinen besonderen Zauber. Ich liebe die langen Tage und die hellen, weiten Nächte, die mich nur zart umhüllen, anstatt sich wie eine schwere Decke auf mein Gemüt zu legen.

28.05.2007 um 16:30 Uhr

Hagelschaden

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Angeschlagen
Musik: Celine Dion & Barbra Streisand - Tell Him

In, den letzten Tagen, während sich mein Gesundheitszustand allmählich besserte, war ich viel im Garten. Ich habe die verblühten Rosen zurückgeschnitten, die Ligusterhecke gestutzt, meine Stauden auf Schädlingsbefall überprüft oder einfach auf meiner Bank gesessen und mich an dem gefreut, was da so üppig blüht und wächst. Nebenbei blätterte ich in Gartenzeitschriften, um mein Wissen über die Pflege des mir anvertrauten Grüns zu vertiefen oder Impulse für die nächsten Blumenbeete zu erhalten. Es waren wohltuende, beglückende Stunden, die mich stärkten und mir Kraft gaben. Doch gestern hatte mein Glück plötzlich ein Ende. Am Abend zog ein heftiger Hagelsturm über uns hinweg, der den Großteil meiner Blumen förmlich zermalmte. Es warem keine großen Hagelkörner, doch sie schlugen sehr dicht, hart und beständig auf die Erde ein. Als der Schauer vorbei war, sah es aus wie im Winter: Der Rasen war bedeckt von einer Schicht aus weißem Eis, die Temperatur war schlagartig gefallen und über den Wiesen lag kalter Nebel. Beim Blick in meine Kräuterkästen wurde mir in seinem ganzen Ausmaß klar, was der Spruch "Dir hat's aber gründlich die Petersilie verhagelt" zu bedeuten hatte: Alles Matsch! Meine Beetrose, am Morgen noch in üppiger Blüte, sah aus wie ein gerupftes Huhn. Kaum eine Knospe hatte den Angriff der Eiskörner überstanden, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als die Triebe massiv zurückzuschneiden. Die Erdbeerstauden und der Frauenmantel sahen aus wie Spinat, der Lavendel war dahin, der Sonnenhut ebenso und auch mein Eibischstrauch und meine Hortensien hatten schwere Blessuren davongetragen. Es war ein trauriger Anblick. Und als sei mit meinem Garten auch der Quell meiner Genesung versiegt, hatte ich heute Morgen einen Rückfall mit Husten und Schnupfen, der mich nur widerwillig aus dem Bett kriechen ließ.

24.01.2007 um 23:08 Uhr

Winterwunderland

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Voller Liebe

 (c) Claudia Hautumn/pixelio

Nun ist er also doch noch über uns hereingebrochen, der Winter. Über Nacht hat sich die Vorfrühlingslandschaft vor meinem Fenster in eine weiße Wunderwelt verwandelt. Es war erstaunlich hell und still draußen, als ich heute Abend durch den hohen Schnee nach Hause stapfte. Ich mag diesen winterlichen Zauber - vor allem wenn er sich nicht wochen- und monatelang festsetzt und die Temperaturen sich noch knapp unter dem Gefrierpunkt bewegen. Das darf jetzt auch gerne vier Wochen so bleiben. Aber länger nicht, denn mein Herz ist längst schon wieder auf Frühling eingestellt.

Und an dieser Stelle möchte ich ganz ausdrücklich dem Mann meines Herzens danken: Der Wintermantel, zu dessen Kauf du mir im Herbst geraten hast, hält mich - vor allem in Kombination mit dem Wolljäckchen - wunderbar warm. So vortrefflich ausgestattet kann sogar ich den Winter genießen.

14.12.2006 um 21:42 Uhr

Dunkle Zeit

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Behäbig und träge
Musik: Pat Benatar - We Belong

Obwohl der Winter nach wie vor auf sich warten lässt und die Luft tagsüber immer noch erstaunlich mild ist, spüre ich doch ganz deutlich die Wintersonnwende herannahen. Es ist stockdunkel, wenn ich morgens aufstehe, und wenn ich abends nach Hause komme, ist die Sonne längst untergegangen. Die einzige Zeit des Tages, die ich bei natürlicher Helligkeit draußen verbringe, ist der Weg von und zur U-Bahn am Morgen. Ansonsten begleiten mich Dunkelheit und künstliches Licht. Ich spüre das Nahen der Mittwinternacht an der Müdigkeit, die mich dieser Tage umfängt, der Behäbigkeit meiner Glieder, wenn ich morgens aus dem Bett krieche, und der Trägheit meines Geistes bei allen abendlichen Aktivitäten. Es gibt gar keinen Zweifel: Die Traumzeit ruft! Leider kann ich ihrem verlockenden, schmeichelnden Ruf noch nicht nachgeben, denn die nächste Woche hält noch allerlei Termine für mich bereit. Erst nach Weihnachten besteht für mich Aussicht auf eine Zeit der Muße und der Ruhe - und der sinnlichen Vergnügungen in den Armen meines Liebsten. Von daher freue ich mich schon sehr auf den diesjährigen Rauhnachtzauber.

22.10.2006 um 17:13 Uhr

Betörender Farbenrausch

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Zutiefst erfüllt
Musik: Rachelle Ferell - You Don't Know What Love Is

Die Abendsonne verwandelt den Ahornbaum vor meinem Fenster gerade in eine Fackel aus loderndem Gold. Eine Symphonie aus Grün und Gelb begleitet das Farbenspiel. Die atemberaubende Schönheit, mit der die Natur ihren Abschied feiert, berührt mich jedes Jahr aufs neue. Die Blätter lösen sich von den Zweigen und tanzen voller Anmut zur Erde, als wüssten sie nicht, dass dort Moder und Verfall auf sie warten. Nun, vermutlich wissen sie es auch nicht, aber wer mag das schon mit letzter Sicherheit zu sagen? Für mich jedenfalls sind sie ein Symbol des unerschütterlichen Vertrauens in das Leben. Das vermoderte Laub vom vergangenen Jahr verwandelt sich allmählich in Erde und nährt im Frühjahr das junge Grün. Gibt es etwas Wundervolleres? So sehr ich den Frühling auch liebe - keine andere Jahreszeit berührt mich so tief wie der Herbst. Denn in der Erfahrung des Lösens und Loslassens, des Vergehens und Verwandelns spiegelt sich mein eigenes Herz. Schließlich ist es in meiner Seele nicht anders: Die Essenz längst vergangener Erfahrungen nährt die beglückende Lebendigkeit meiner Gegenwart.

15.10.2006 um 16:59 Uhr

Herbstzauber

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Glücklich
Musik: Mary Black - Moments

 (Foto von Arthemisia)

Der Herbst ist für mich eine ganz besondere, verwunschene Jahreszeit. Seine melancholische Schönheit, die Wildheit seines rauschenden Farbenspiels und der scharfe Kontrast zwischen den letzten wärmenden Sonnenstrahlen und dem ersten Nebel dringen mir tief ins Herz. Während der September meine Sinnlichkeit belebte, weckt der Oktober eine besinnliche, versunkene Stimmung in mir und führt mich zurück zu meinen spirituellen Wurzeln. Ich verspüre ein ganz großes Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit, lese viel, schreibe, meditiere und befasse mich mit Ritualen und Orakeln. Das alles tut mir unglaublich gut. Ich spüre, wie meine Seele aufatmet, sich ausdehnt und in die Traumzeit hineinsinken lässt, fühle mich wach und lebendig, weise und kraftvoll und bin unendlich dankbar für all das Glück, das mir dieser Tage geschenkt wird. Die Verbundenheit mit der Natur und den Zyklen des Lebens gehört noch immer zu meinen wichtigsten Kraftquellen. Selbst wenn ich sie zeitweilig aus den Augen verliere, sind sie doch immer da und lassen sich jederzeit wiederbeleben. Es ist so schön, das zu wissen. Es gibt mir das Gefühl, auf sicherem Grund zu stehen.

01.10.2006 um 16:24 Uhr

Windenweisheit

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Zufrieden
Musik: Barbra Streisand - Evergreen

Da die Gartenarbeit mir gestern so leicht von der Hand ging, habe ich heute gleich noch den Schwung genutzt. Am Vormittag habe ich die Ligusterhecke von den Winden befreit, die sie schon wieder fest umschlungen hielten. Ich tue das immer schweren Herzens, weil ich die Winden eigentlich sehr viel lieber mag als den Liguster. Aber wenn ich ihnen nicht Einhalt gebiete, überwuchern sie mir schnell den ganzen Garten. Es ist sowieso schwer, sie zu bezähmen, weil sie so tief in der Erde wurzeln und es mir selten gelingt, sie mit Stumpf und Stiel auszureißen. Meist bleibt ein Rest in der Erde, der ein Weilchen vor sich hin schlummert, bis neue Ranken sich um die Zweige des Ligusters schlingen.

Während ich so vor mich hin arbeitete, erlag ich der Faszination der Winden und ich fragte mich, ob es nicht manchmal mit meiner Zuneigung zu Männern ganz ähnlich ist. Ich neige schon auch dazu, den Mann meines Herzens allzu sehr zu umschlingen, und diese Tendenz ist nur sehr schwer auszurotten. Obwohl ich mittlerweile gelernt habe, ihr Grenzen zu setzen, wurzelt sie doch sehr tief in meiner Seele, und sobald ich sie eine Weile außer Acht lasse, hält sie auch schon wieder Einzug in meinem Leben. Dann windet sich meine Seele innig um die meines Liebsten und es kostet mich jedes Mal Mühe, die Ranken wieder zu entfernen.

30.09.2006 um 23:03 Uhr

Stein um Stein

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Sehr bewegt
Musik: Elvis Costello - She

Was war das nur für ein wunderschöner, rundum gelungener Tag! Meine Eltern waren da, um mich tatkräftig bei der Anlage eines neuen Blumenbeetes zu unterstützen. Meine Mutter ist eine sehr erfahrene Gärtnerin und ich wüsste niemanden, bei dem ich mehr über die Pflege eines Gartens lernen könnte als bei ihr. Heute jedoch ging es vor allem um die Basisarbeiten: Wir waren stundenlang damit beschäftigt, lehmige, von Steinen durchsetzte Erde zu sieben, Grassoden abzustechen und den Kompost umzusetzen. Ich spüre jeden Knochen im Körper und höre den Muskelkater von morgen schon singen. Trotzdem war es eine höchst befriedigende Tätigkeit, denn sie hat mich dem Garten, von dem ich träume, wieder ein Stückchen näher gebracht. Ich sehe ihn förmlich schon vor mir mit seinen Blumenbeeten und Nischen, den Sitzplätzen und dem Rosenbogen, dem kleinen Sprudelstein neben dem Schattenplatz und dem einen oder anderen Göttinnenschrein in einer verwunschenen Ecke. Von dieser Vision trennen mich sicher noch Jahre, denn es ist wirklich eine mühsame Arbeit, auch nur wenige Quadratmeter Rasen in ein Beet zu verwandeln. Dennoch ist es schön, den Garten langsam wachsen zu sehen, Erfahrungen zu sammeln und immer wieder neue Ideen zu entwickeln.

Während wir arbeiteten, leistete uns des öfteren eine junge Katze aus der Nachbarschaft Gesellschaft, die neugierig und verspielt jedem rollenden Stein hinterhersprang, es sich auf den frisch aufgeschütteten Erdhaufen bequem machte und versuchte, unsere Schaufel zu fangen. Am Nachmittag wurde sie zur Hauptperson eines echten Dramas, nachdem sie vor einem kläffenden Hund Reisaus genommen hatte und auf einen Baum geflüchtet war. Dort oben angekommen, musste die Kleine feststellen, dass es wesentlich leichter ist, hinaufzuklettern als wieder herunterzukommen. Maunzend lief sie von einem Ast zum anderen, ohne den passenden Abstieg zu finden - und bis zum nächsten Gartenhäuschen war es noch ein ganzes Stück. Zu allem Überfluss ließen sich auch noch zwei Krähen in ihrer unmittelbaren Nähe nieder, die sich doch glatt einen Spaß daraus machten, die kleine Katze ein wenig zu ärgern. Zum Glück war der beste Freund meiner Schwester zur Stelle, der fast zwei Meter groß ist und mit Hilfe einer Leiter so weit an das Kätzchen heranreichte, dass diese es wagen konnte, vertrauensvoll in seine Arme zu springen.

23.09.2006 um 22:30 Uhr

In der Wüste

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Ein wenig müde, aber glücklich
Musik: Rachelle Ferrell - You Don't Know What Love Is

Den gestrigen Abend verbrachte ich in einem kleinen Städtchen am Inn. Ich besuchte dort eine Frau, die dieses Weblog in mein Leben geweht hat und deren Gedanken und Gefühle mich seither berühren und inspirieren. Wir kennen uns erst ein paar Monate und können unsere Treffen noch an einer Hand abzählen, doch unsere Bekanntschaft fühlt sich bereits ganz nah und vertraut an. Trotz der Verschiedenartigkeit unserer äußeren Erscheinung - lodernd und feurig die eine, zart und pastellig die andere - gibt es bei unseren Interessen und Eigenarten und auch in unserer persönlichen Geschichte erstaunliche Parallelen, die es uns leicht machen, eine gemeinsame Ebene zu finden. So verging auch der gestrige Abend in Windeseile, während wir Fleisch und Gemüse schnippelten, uns das daraus zubereitete Mahl genüsslich schmecken ließen, in der kühlen Abendluft auf dem Balkon oder mit einem Gläschen Wein auf der Couch im Wohnzimmer saßen und dabei ununterbrochen ratschten und plauderten. Es war ein sehr schöner Abend!

Der heutige Vormittag führte uns dann nach Rosenheim, wo wir die Wüsten-Ausstellung besuchten. Ich war zutiefst beeindruckt von der Schönheit der Landschaftsformen aus Sand, Fels und Geröll, von der Findigkeit der Natur, wenn es darum geht, minimale Wasservorräte optimal auszunutzen, und der Fähigkeit der Menschen, in dieser Kargheit zu überleben. Doch konfrontierte uns die Ausstellung auch mit der Tatsache, dass die Wüsten sich überall auf unserem Planeten rasant ausbreiten und es oft genug der Mensch selber ist, der diese "Verwüstung" der Erde verursacht. Wieder einmal wurde mir die enge Verwobenheit allen Lebens, die unmittelbare Verknüpfung aller Dinge miteinander bewusst - und ich verspürte einerseits ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts der Größe unserer globalen Probleme, aber andererseits auch so etwas wie Demut und ein tiefes Vertrauen in die Natur. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage vernichten. Die Erde selbst jedoch wird daran nicht zugrunde gehen. Ihre Weisheit ist älter und umfassender als jedes menschliche Wissen, so viel ist sicher. Und nur da, wo wir uns dieser Weisheit beugen, haben wir auf lange Sicht eine Chance.

14.06.2006 um 22:41 Uhr

Endlich Sommer!

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Sommernachtsfreudig

Wie sehr ich den Sommer liebe - gerade in diesen Tagen, da er sich von seiner besten Seite zeigt. Es ist warm genug, um meine Haut unbekümmert in den Wind zu halten, und doch im Schatten gerade angenehm. Ein Himmel aus zartblauer Seide spannt sich jeden Morgen über das satte Laub der Bäume und meine Rosen warten nur darauf, sich zu entfalten und genüsslich in der Sonne zu räkeln. Die Welt wird hell und weit zur Mittsommerzeit. Ich kann die Fenster und Türen den ganzen Tag über offen lassen, so dass die inneren und äußeren Räume ineinanderfließen und miteinander verschmelzen, und freue mich an meinem Gärtchen, das noch immer ein wenig struppig und verwildert daherkommt, aber dennoch schon das eine oder andere hübsche Fleckchen zu bieten hat.

Jeden Morgen gehe ich heiteren Herzens zur Arbeit, genieße die Wärme schon so früh am Tag und den sanften Schimmer der Morgensonne, der mich auf meinem Weg zur U-Bahn begleitet. Meine berufliche Zukunft ist immer noch ungewiss, doch meine Chefin hat mir Mut gemacht, dass sich noch eine Lösung finden wird. Ich bin vorsichtig diesmal und will mich nicht zu früh freuen, aber genauso wenig werde ich mich grämen, solange das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Meine Tätigkeit macht mir große Freude und ich erfülle meine Pflichten mit wachem, lebhaftem Sinn, allen Unsicherheiten zum Trotz.

Der Seelenaufruhr der letzten Tage und Wochen hat sich gelegt. Es gibt vieles, das mich beschäftigt und bewegt, aber ich lasse mich davon nicht überrollen, sondern gehe behutsam Schritt für Schritt. Die meisten Dinge brauche nun einmal ihre Zeit, um sich zu klären und zu entfalten, sich zu lösen und zu entwirren. Was nützt es da, mir allzu viele Sorgen zu machen, wenn ich den Lauf der Dinge doch nur bedingt beeinflussen kann? Das Leben spielt sich immer heute ab.

16.04.2006 um 09:57 Uhr

Frohe Ostern!

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht;
sie säuseln und weben Tag und Nacht,
sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden!

Die Welt wird schöner mit jedem Tag;
man weiß nicht, was noch werden mag,
das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden!

(Ludwig Uhland)