Sternentanz

25.03.2006 um 19:51 Uhr

Winter ade!

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Überschäumend
Musik: Stefan Nilsson - Gabriella's Piano

Heute haben Sonne und Regen gemeinschaftlich den letzten Schnee aus meinem Garten gejagt. Struppig und karg erscheint der wintermüde Rasen darunter. Doch zu Füßen meines Roseneibischs lugen schon die ersten Krokusse hervor und auch ein paar Tulpenspitzen konnte ich in einem Beet schon erkennen. Ich trug sogar für eine kurze Weile ein Sommerkleid - wenn auch nur in der Wohnung. Doch es erinnerte mich an den Zauber lauer Sommernächte und weckte in mir die Sehnsucht nach der Haut meines Liebsten. Frühlingsgefühle rinnen durch meine Adern und ich freue mich an der Sonne, die in diesen Tagen eine gewaltige Kraft entfaltet. Der Gesang der Vögel ist eine wahre Wonne und ab morgen kann ich ihn abends noch eine ganze Stunde länger genießen, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Ist das Leben nicht wundervoll? Mir ist, als wäre es niemals Winter gewesen!

10.03.2006 um 18:57 Uhr

Ein Hauch von Frühling

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Heiter
Musik: Loreena McKennit - Moon Cradle

Gestern Abend lag er plötzlich wieder in der Luft, der Frühling. Ich weiß nicht genau, was es war - ein sanfter Hauch, ein leiser Duft, ein lauer Windstoß. Doch ich konnte es ganz deutlich fühlen: Der Frühling ist nah! Natürlich ist mir bewusst, dass es in den nächsten Tagen noch einmal schneien soll. Auch sehe ich die jämmerlichen Überreste des Schnees vom vergangenen Wochenende, den schmutzigen Matsch und die riesigen Wasserlachen, ebenso das fahle Grau auf den Wiesen und die kahlen Bäume. Und doch ahne, spüre und rieche ich den Frühling kommen. Das genügt völlig, um mich glücklich zu machen. Ich sehne mich so sehr nach Sonne, Wärme, Farben und dem Duft der erwachenden Erde, dass schon allein der Gedanke daran mein Herz zum Singen bringt.

20.02.2006 um 12:34 Uhr

Frühlingsgefühle

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Heiter, glücklich und dankbar

"Ihr werdet sehen: Sobald meine Prüfung vorbei ist, kommt der Frühling!" Das waren meine Worte während der tristen Tage meiner Prüfungsvorbereitungen, als es draußen noch kalt und karg und alles unter Schnee begraben war. Bitte, was habe ich euch gesagt? Pünktlich zum 15. Februar setzte ein Bilderbuchtauwetter mit lang anhaltenden Regenschauern ein, das die Schneedecke in großflächige Tauwasserseen verwandelte. Und gestern war es in der Sonne schon so warm, dass ich hätte jauchzen können vor Glück. Es ist mir egal, dass der Wetterbericht längst wieder den nächsten Kälteeinbruch vorhergesagt hat. Was kümmert mich das Schneetreiben in Turin? Ich habe den Frühling gerochen und auf meiner Haut gespürt und das war eine Verheißung. Wie lange es noch dauert, bis sie sich erfüllt, spielt nun gar keine Rolle mehr.

Außerdem ist nicht allein das Wetter für meine Frühlingsgefühle verantwortlich. Mein Liebster ist bei mir und er hüllt mich ganz und gar ein in seine schier unerschöpfliche Zärtlichkeit. Ein Blick in seine lieben Augen wärmt mir das Herz und das Lächeln auf seinen Lippen ersetzt jede Frühlingssonne. Und das Allerschönste ist: Er bleibt noch zwei Wochen! Wundert euch also nicht, wenn meine Beiträge und Kommentare in der nächsten Zeit noch etwas sparsam ausfallen. Ich muss dringend ein wenig Frühling tanken!

11.01.2006 um 16:50 Uhr

Some like it hot

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Etwas verfroren, aber froh

Es ist wieder soweit! Pünktlich Mitte Januar taucht jedes Jahr ein Gedanke in meinem Kopf auf, der mich erst wieder verlässt, wenn sich irgendwann zwischen Februar und April die ersten Blütenknopsen öffnen: "Jetzt könnte es eigentlich langsam Frühling werden." Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen den Winter hätte. Oh nein, ich weiß den Wechsel der Jahreszeiten durchaus zu schätzen und das schließt die dunkle Jahreszeit auf jeden Fall mit ein. Gegen die Dunkelheit selbst habe ich auch gar nichts einzuwenden, ebenso wenig störe ich mich an der Eintönigkeit der Farben und auch nicht an der Kargheit der Natur. All das besitzt seinen eigenen Reiz und seine eigene Schönheit. Ich liebe den Anblick der von Rauhreif überzuckerten Bäume am Morgen, das Glitzern der Eiszapfen und die Konturen der entlaubten Bäume. Ich mag die langen, dunklen Nächte, die dazu einladen, sich bei Kerzenschein im Bett zu verkriechen, und die Stille, die über den verschneiten Wegen liegt.

Was ich nicht mag, ist diese elendige Kälte. Ich kann mich noch so warm anziehen, sie kriecht mir förmlich unter die Haut und in die Knochen, und wenn ich mal eine Weile ohne Handschuhe herumlaufe, sind meine Finger binnen kürzester Zeit eiskalt, blutleer und gefühllos. Wäre alles andere gleich bei Temperaturen um die zehn Grad plus, ich würde den Winter genauso lieben wie jede andere Jahreszeit. So aber kostet es mich jedes Mal Überwindung, meine warme Wohnung zu verlassen und dann zitternd und frierend durch die Straßen zu laufen. Der Raum um mich herum scheint im Winter regelrecht zu schrumpfen, weil ich mich beim Gehen so zusammenkauere und in meinem Mantel verkrieche. Erst wenn es wärmer wird, breitet sich mein Körper wieder aus und wird frei und weit. Dann erwachen meine Sinne, mein Blick öffnet sich aufs neue der Welt und eine lebenslustige Lebendigkeit sprudelt durch meine Adern. Das ist der Hauptgrund, weshalb in meinem Herzen spätestens Anfang Februar eine unstillbare Sehnsucht nach dem Frühling erwacht und meine Seele jubelt, sobald ich die ersten Schneeglöckchen und Winterlinge sehe. Leider werde ich mich wohl auch in diesem Jahr gedulden müssen, bis es endlich so weit ist.

04.12.2005 um 16:23 Uhr

Tauwetter

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Worte fließen mir davon
Musik: Robbie Williams - Feel

Draußen hat Tauwetter eingesetzt. Der Regen hat den Schnee von der Wiese gespült und der Schneemann, den wir dieser Tage im Garten gebaut haben, ist jämmerlich zerflossen. Auch in mir schmilzt gerade etwas dahin, löst sich bald in Tränen, bald in Seufzern und lässt mich mit einem ganz weichen, zarten Gefühl zurück. Liebgewonnene Begriffe und feste Vorstellungen darüber, wie die Dinge zu sein haben, zerrinnen mir zwischen der Fingern. Das verwirrt mich und gibt mir das Gefühl, auf schwankendem Boden zu stehen. Ich bin es so gewöhnt, immer den klaren, geraden Weg zu gehen und genau zu wissen, was ich tue, dass es mich völlig verunsichert, wenn meine Füße sich vorantasten müssen, ohne dass ich auch nur die geringste Ahnung habe, was hinter der nächsten Biegung auf mich wartet. Es ist ungewohnt und auch ein wenig beunruhigend. Aber merkwürdig schön.

18.11.2005 um 09:28 Uhr

Wintereinbruch

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Winterwunderwelt

Heute Nacht hat es zum ersten Mal geschneit. Der trübe, nasskalte Novembernebel ist einer hellen, weißen Winterlandschaft gewichen. Und obwohl meine besondere Liebe ohne Zweifel der lichten Jahreszeit gilt, freue ich mich dennoch auf die dunklen Monate. Es gibt einiges zu tun. Die Auslagefrist für meine Doktorarbeit hat begonnen und bald wird es einen Prüfungstermin geben. Der Abschluss meiner Doktorarbeit ist eine unglaublich wichtige Schwelle für mich und ich sehe ihr freudig entgegen, auch wenn mir beim Gedanken an die Prüfung recht unbehaglich wird. Doch wenn ich diese letzte Hürde erst einmal genommen habe, werde ich endgültig frei sein. Ich kann es noch immer kaum glauben.

Während draußen die Schneeflocken tanzen, breitet sich auch in meinem Herzen eine fröhliche Leichtigkeit aus. Immer wieder schneien liebe Briefe und e-Mails in mein Leben, neue Begegnungen warten auf mich, bereits bestehende Beziehungen verändern und vertiefen sich und in mir erwachen so viele Wünsche und Ideen, dass vermutlich ein ganzer Jahreskreis nicht ausreichen dürfte, sie in Wirklichkeit zu verwandeln. Ich bin so dankbar für die Fülle, die sich während der letzten Wochen in meinem Herzen und in meinem Leben ausgebreitet hat.

26.10.2005 um 19:11 Uhr

Schönheit

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Noch immer glücklich und berührt
Musik: Hundebellen und Uhrenticken

Als ich heute aus der U-Bahn ins Freie trat, empfing mich ein Spiel aus Licht und Farben, das seinesgleichen suchte. Die Sonne war bereits untergegangen. Nur das Nachglühen der Dämmerung lag noch über der Stadt. Ein lichtblauer Himmel mit zartrosa Schleierwolken spannte sich über die Wiesen und Bäume, deren gelbes und rotes Laub von innen heraus zu leuchten schien. Die Farben waren weich und doch klar, an den Rändern begannen sie bereits leicht zu zerfließen, doch in ihrem Zentrum erstrahlten sie noch in voller Pracht.

Ich war tief berührt von dieser Schönheit, die auch die Dächer, Wände und Fenster der umliegenden Häuser erfasst hatte. Staunend und wie verzaubert lief ich durch den Park und die vertraute Straße entlang und erkannte beides kaum wieder. Mir war, als hätte ich mich vorübergehend in eine andere Wirklichkeit verirrt, als sei dies nicht meine gewohnte Alltagswelt, sondern eine andere, eine, in der alles ein wenig tiefer, schöner und bewegender war als sonst. Wieder einmal erfasste mich ein Gefühl von Liebe und Dankbarkeit, wie so oft, wenn ich mich von Himmel und Erde berühren lasse. Ist es nicht ein Wunder, dass es so einfach ist, glücklich zu sein?

16.10.2005 um 18:20 Uhr

Goldener Herbst

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Beinahe feierlich

Kaum etwas tut meiner Seele so gut wie die Begegnung mit der Natur. Heute erst habe ich das wieder ganz deutlich gespürt. Wie so oft ging ich im Ostpark spazieren und besuchte meinen Lieblingsplatz am Hachinger Bach. Es war schon zu kalt, um sich auf einen der großen Steine zu setzen, also lehnte ich mich an eine Birke und ließ meinen Blick über das Wasser schweifen. Eine ganze Weile stand ich dort, eine Hand auf dem Bauch und eine auf dem Herzen, die Füße auf der Erde und den Kopf im Wind, und folgte den Wellen mit dem Rhythmus meines Atems. Ein zärtlicher Frieden breitete sich in mir aus und ich fühlte mich ganz und gar im Einklang mit mir selbst.

Wie dankbar bin ich doch für diese sonnigen September- und Oktobertage, die mich zutiefst entschädigen für den fehlenden Frühling und den Sommer, der keiner war. Als ich heute nach Hause kam, fiel die Spätnachmittagssonne auf den Ahornbaum, der vor meinem Fenster wächst, und verwandelte ihn in eine einzige Fackel aus Rot und Gold. Noch ein letztes Mal lodert die die Welt auf in all ihrer bunten Pracht, ehe sie sich der Kargheit ergibt, die in den kommenden Monaten auf uns wartet. Was für ein Abschied!

03.09.2005 um 16:12 Uhr

Wasserweisheit

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Für den Augenblick getröstet und versöhnt
Musik: Die Geräusche des Spätsommers vor meinem Fenster

Am schlimmsten während der letzten Tage war der Gedanke, dass ich mich womöglich geirrt haben könnte. Dass er mich niemals wirklich geliebt hat. Dass dies alles nur eine Spielerei war, ein flüchtiger Traum, der nicht die Kraft hatte, dem ersten Ansturm der Realität zu widerstehen. Angesichts des Endes, das diese Geschichte nahm, fiel es mir sehr schwer, noch an die Aufrichtigkeit seiner Gefühle zu glauben. Doch heute Vormittag fand ich einen versöhnlichen Gedanken, der mir half, diesen Schmerz zu heilen.

Ich wachte schon sehr früh auf - wie so oft mit einem traurigen, schmerzlichen Gefühl im Magen. Da meine Versuche, wieder einzuschlafen, zum Scheitern verurteilt waren, beschloss ich, in den Morgenstunden ein wenig im Ostpark spazierenzugehen. Es war ein nebliger Morgen, der die Wärme des bevorstehenden Tages kaum ahnen ließ. Ganz bewusst spürte ich den Boden unter meinen Füßen und die Weite des Himmels über mir. Ich sah die Bäume am Wegrand, die Birken, Eschen und Linden, deren Blätter sich allmählich zu färben begannen und deren Sommerfrische sich dem Ende zuneigte, lauschte dem zarten Strömen des Hachinger Baches und folgte seinem Lauf. Er führte mich zu einem Platz etwas abseits vom Weg, wo ich mich auf einem großen Stein niederließ und meine Gedanken auf die Reise schickte.

Zu meinen Füßen floss der kleine Bach vorbei. Stetig, unermüdlich. "Du kannst den Lauf der Dinge niemals aufhalten", flüsterte er mir zu. "Du kannst nur das Leben durch dich hindurchfließen lassen und alle Geschenke annehmen, die es dir bringt - Liebe und Schmerz, Freude und Trauer, Angst und Glück." Es war so heilsam, dort zu sitzen und dem leisen Plätschern des Wassers über den Steinen zu lauschen. Gar nichts zu tun, einfach nur da zu sein, zu atmen, zu schauen und zu spüren, wie all das meinen Schmerz linderte.

Leb wohl, mein Liebster. Auch ich kehre nun zurück in meine Welt und in das Leben, das ich führte, ehe wir einander begegnet sind. Und doch ist es nicht mehr dasselbe wie vorher, denn unsere Liebe hat mich verwandelt. Genau in diesem Moment bin ich bereit anzuerkennen, dass du mich sehr wohl geliebt hast. Es war nur keine Liebe, auf die man hätte bauen können, sondern eine flüchtige, federleichte, fast spielerische Liebe, in der gar kein Raum war für schwermütige Gedanken. Die Liebe eines jungen Mannes, der ganz im Augenblick lebt. Meine Liebe zu dir war anders: Reifer, tiefer, verwurzelter und der Erde näher - mitunter ebenso schwer und dunkel wie sie, aber auch beständiger. So ist es und so war es und es ist gut so. Ich werde nicht länger dem Fehler verfallen, nur in Kategorien von Schwarz oder Weiß zu denken, die der Liebe mit ihren vielen, bunt schimmernden Facetten niemals gerecht werden. Das wäre nicht nur töricht, sondern würde mir auch unnötig das Herz wundscheuern.

31.07.2005 um 10:40 Uhr

Der Sommer neigt sich

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Vorfreudig und ein wenig unruhig
Musik: Bastian Pusch - Improvisation I

Lammas steht vor der Tür. Wir werden das Schnitterinnenfest zwar erst am 15. August als Kräuterweihfest feiern, doch spüre ich es schon ganz deutlich: Der Sommer neigt sich. Wie immer um diese Zeit des Jahres wird es für mich unausweichlich wahrnehmbar, dass die Nächte eher hereinbrechen und die Tage wieder kürzer werden. Die Zeit der hellen Mittsommernächte ist vorbei. Wehmütig betrachte ich in diesem Jahr das sich drehende Jahresrad, denn das zunehmende Licht hat uns nicht sehr viel Wärme gebracht. Mir ist, als seien dieses Frühjahr und ein großer Teil des Sommers in Regenfluten und kaltem Wind ertrunken. Noch setze ich meine Hoffnung in den August, aber mir scheint, dass mein Sonnenhunger in diesem Jahr wohl kaum mehr gestillt werden kann.

Ich habe zwei Wochen Urlaub. Heute Abend kommt mein Liebster und die Vorfreude wogt leise durch meinen Körper. Auch ein wenig Nervosität und Unruhe natürlich, wie immer. Zweieinhalb Monate haben wir uns schon nicht mehr gesehen. Wie wird es sein, ihm nach so langer Zeit wieder gegenüberzustehen? Den heutigen Tag werde ich wohl damit verbringen, die Stunden bis zu seiner Ankunft zu füllen - vielleicht mit einem Bad, der Pflege meiner Blumen oder einem kleinen Bummel durch die Stadt. Und dann, irgendwann heute Abend, werde ich am Hauptbahnhof stehen und die Einfahrt seines Zuges erwarten. Wünscht mir Glück!

29.07.2005 um 21:26 Uhr

Julikinder

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Sommersehnsüchtig
Musik: Prasselnder Gewitterregen

Wir Kinder im Juli geboren
Lieben den Duft des weißen Jasmin,
Wir wandern an blühenden Gärten hin
Still und in schwere Träume verloren.

Unser Bruder ist der scharlachene Mohn,
Der brennt in flackernden roten Schauern
Im Ährenfeld und auf den heißen Mauern,
Dann treibt seine Blätter der Wind davon.

Wie eine Julinacht will unser Leben
Traumbeladen seinen Reigen vollenden,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben,
Kränze von Ähren und rotem Mohn in den Händen.

Herrmann Hesse

30.05.2005 um 11:41 Uhr

Luft holen

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Wohlige Leichtigkeit
Musik: Herbert Grönemeyer - Demo (Letzter Tag)

     

Als ich heute Morgen meditierend auf meinem Balkon saß, fühlte ich mich meinem Atem und dem Element Luft zutiefst verbunden. Im steten Rhythmus von Einatmen und Ausatmen kam ich zur Ruhe, ohne dabei schläfrig zu werden. Wach, lebendig, aufmerksam folgte ich meinen Atemzügen, spürte die weichen Wellenbewegungen in meinem Bauch- und Brustraum und staunte über dieses Wunder. Vom ersten bis zum letzten Atemzug verbindet mein Atem mich mit allem, was existiert. Die Luft kennt keine Grenzen. Innen und außen verflüchtigen sich im sanften Wechsel von Geben und Nehmen. Die Lindenbäume vor meiner Wohnung schenken mir den Sauerstoff, der mich mit neuem Leben füllt, während ich ihnen das Kohlendioxid zurückgebe, von dem sie sich nähren.

Wenn sie nicht gerade in der Hitze flimmert, kann ich die Luft nicht sehen und doch ist sie immer da. Sie ist allgegenwärtig und füllt jeden Winkel der Welt, in der ich lebe. Sie trägt Düfte und Geräusche zu mir, lässt meine Stimme erklingen und wird bei der leisesten Bewegung spürbar. Ich liebe das Rauschen des Windes in den Zweigen der Bäume und deren wiegenden Tanz, die klare, frische Luft am Morgen und den süßen Duft der Robinien am Abend, den sanften Hauch, der im Sommer meine nackte Haut streichelt, und das Singen der Vögel, das über allem schwebt.

Der Atem ist nicht nur die Grundlage meines Lebens, sondern auch der unmittelbarste Ausdruck meiner Lebendigkeit. Er trägt und begleitet jedes Gefühl, jede emotionale Regung. Lachen, Schluchzen, Seufzen, Stöhnen, Schreien - all das fließt mit der Atemluft aus meinem Bauchraum in die Welt hinaus. Mein Atem beschleunigt sich, wenn ich aufgeregt bin, und er stockt, wenn eine unangenehme Erfahrung mich kalt erwischt. Durch Summen und Singen kann ich Kraft heraufbeschwören und so manche Bewegung wird leichter und fließender, wenn ein tiefer Atemzug sie begleitet.

Manchmal braucht es nicht mehr als ein paar leise Atemzüge am Telefon, um mich dem Mann, den ich liebe, nahe zu fühlen - und seinen Atem zu spüren, wenn wir eng umschlungen beieinander liegen, ist einfach wundervoll. So verbindet mich das Element sowohl mit mir selbst und den Wurzeln meiner Kraft, als auch mit der Welt um mich herum. Mein Atem hüllt mich ein und füllt mich aus, inspiriert und belebt mich und ermöglicht es mir, mich mitzuteilen und mit anderen in Kontakt zu treten. Was könnte magischer sein?

27.05.2005 um 13:53 Uhr

Sonnenschein

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Sonnig
Musik: Tracy Chapman - Baby Can I Hold You

Nach drei bitterkalten, verregneten Wochen hat gestern endlich der Sommer hier Einzug gehalten. Es ist hell und warm und die Stunden auf meinem Balkon sind eine wahre Wonne. Es hat eine Weile gedauert, bis das Wetter mir die Stimmung verderben konnte, weil ich mich lange Zeit allem Regen zum Trotz über das frische Grün der Bäume gefreut habe. Doch irgendwann in der letzten Woche war ich die Kälte endgültig leid und meine Sehnsucht nach der Sonne wuchs ins Unermessliche.

Ist es nicht erstaunlich, wie sehr unsere Stimmung manchmal vom Wetter abhängt? Nun, mir geht tatsächlich das Herz auf, wenn die Sonne scheint. Ich mag es, wenn ich nur zwei oder drei Kleidungsstücke überstreifen muss, anstatt mich dick zu vermummen. Ich liebe das Licht und die Wärme, lasse mit Begeisterung durch weit geöffnete Fenster Luft und Leben herein und gehe ebenso gerne hinaus, um mich von den Elementen streicheln zu lassen. Wenn es warm ist, scheint mein Körper sich regelrecht auszudehnen und die Grenzen zwischen innen und außen beginnen, sich aufzulösen. Herrlich!

Einen Nachteil allerdings hat dieses schöne Wetter: Es untergräbt meine Moral. Ich habe so gar keine Lust, meine Wohnung zu putzen, den anfallenden Schreibkram zu erledigen oder meine Schränke zu entrümpeln. Nicht einmal in der Arbeit bin ich sonderlich motiviert, sondern warte eigentlich nur darauf, dass ich wieder nach Hause auf meinen Balkon zurückkehren kann. Aber große Sorgen mache ich mir deswegen nicht. Denn der nächste Regentag kommt bestimmt.

29.04.2005 um 10:21 Uhr

Parsley, Sage, Rosemary, and Thyme

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Vorfreude auf das Wochenende
Musik: Eric Clapton - Tears In Heaven

Gestern war ich vormittags mit meiner Mutter im Gartencenter, um uns mit Blumen für Balkon und Garten einzudecken. Meine Mutter ist eine begeisterte Hobbygärtnerin und diese Begeisterung scheint auf mich abgefärbt zu haben. Mit strahlenden Gesichtern und leuchtenden Augen marschierten wir durch die Reihen, schwelgten in Farben, Formen und Düften und luden unsere beiden Einkaufswägen rappelvoll.

Am Nachmittag bepflanzten wir schon die ersten Kübel und Kästen. Ich setzte ein gelbes Lantanen-Hochstämmchen in einen großen Tontopf und pflanzte noch ein paar Bidens und eine Vanilleblume dazu. Ein anderer Topf wurde Heimstatt für die Rose "Graham Thomas" und einen Lavendelstrauch. Außerdem schmücken nun zwei Balkonkästen mit zartrosa Margeriten, einer rosa Geranie, Vanilleblumen, lila Petunien und weißen Schneeflockenblumen mein Balkongeländer und mehrere Blumenkästen und -töpfe mit Kräutern verströmen ihren köstlichen Duft.

Ich bin mit der Arbeit noch nicht ganz fertig geworden, weil ich am Spätnachmittag einige Klientinnentermine hatte, aber ich habe am Wochenende nichts vor und werde den Balkon dann ganz in Ruhe in ein kleines Blumenparadies verwandeln. Jedes Jahr wieder freue ich mich auf diese Zeit, wenn die Eisheiligen nahe sind und ich meinen Balkon begrünen kann. Das Schönste aber ist, dass ich all diese Blumen sogar von meinem Schreibtisch aus sehen kann.

08.04.2005 um 12:50 Uhr

Aprilregen

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Frühlingserwachen
Musik: Im Radio kommt gerade "Another Brick in the Wall" von Pink Floyd

Ich mag es, morgens zur U-Bahn zu gehen. Ich liebe den kleinen Weg durch die Grünflächen, besonders in diesen Tagen. Jeden Morgen entdecke ich neue Blumen am Wegrand - Narzissen, Veilchen und Gänseblümchen -, die Forsythien blühen und auch die Bäume entfalten das erste, zarte Grün. Ich sehe, rieche und spüre, dass die Erde zu neuem Leben erwacht, der Saft in den Bäumen emporschießt und die Natur in voller Kraft steht. Abends erklingen schon die Gesänge der Amseln und auch die Eichhörnchen toben wieder durchs Geäst. Herrlich ist das!

Wenn ich dort entlanglaufe, fühle ich mich immer ganz wach und lebendig. Ich spüre die Erde unter meinen Füßen und atme die frische, klare Frühlingsluft. Es ist erstaunlich, wie weit mein Herz auf einmal wird, nachdem ich noch vor wenigen Wochen in dicke Jacken eingehüllt und vor Kälte in mich zusammengekauert durch den Schnee gestapft bin. Ja, es ist wahr: Jede Jahreszeit hat ihre Wunder und Schönheiten. Aber nichts berührt mich so sehr wie das Erwachen der Natur im Frühling, dieses Aufbrechen der jungen, unbezähmbaren Lebenskraft. Und dabei sind es doch jeden Morgen nur fünf Minuten auf dem Weg zur U-Bahn!

Ich kann es kaum erwarten, meinen kleinen Garten anzulegen. Es wird höchste Zeit, aber noch bin ich mir nicht ganz schlüssig, wie er aussehen soll. In Gedanken schiebe ich Rosenbögen, Sitzplätze, Wasserbecken, Himbeerbüsche und blühende Stauden hin und her, lasse die Wege sich von links nach rechts und von rechts nach links winden und überlege mir, wie ich mir ein wenig Sichtschutz erlauben kann, ohne die Sonne allzu sehr auszuschließen. Am Wochenende werde ich mal mit einer Tüte Mehl bewaffnet hinausgehen und die Konturen dessen, was ich mir vorstelle, ins Gras streuen. Hoffentlich macht mir das angekündigte Aprilwetter keinen Strich durch die Rechnung.