Stimmung: Gemächlicher Sonntag
Musik: Barbra Streisand - Lessons To Be Learned
Gestern war einer dieser durch und durch unspektakulären, aber dennoch gelungenen Tage, an denen nicht viel Aufregendes passiert, du aber trotzdem mit einem runden, zufriedenen Gefühl ins Bett gehst. Ich schlief lange und ausgiebig, begrüßte den Tag mit ein wenig Yoga und Atemmeditation, mit Müsli und Rooibush-Tee. Gegen Mittag brachte ich meine Schwester zum Zug. Sie hat an diesem Wochenende Proben in Nürnberg und mir war so danach, sie zum Bahnhof zu begleiten. Vielleicht sollte ich das öfter tun, denn wir verabschiedeten uns sehr innig und herzlich voneinander. Außerdem mag ich den Bahnhof. Als ich an dem kleinen Kiosk an Gleis 14 vorbeiging, musste ich plötzlich daran denken, wie es war, als mein Liebster zum allerersten Mal nach München kam. Die Erinnerung war so lebhaft, dass ich ihn förmlich dort am Kiosk stehen sah - und alle Gefühle dieses zauberhaften Wiedersehens wurden wieder wach. Schön war das.
Ich nutzte dann die Gelegenheit, um bei dm und im Bio-Supermarkt einzukaufen. Ich mag diese Läden. Ich mag die Produkte, die sie dort verkaufen, und die Atmosphäre, die dort herrscht - selbst wenn, wie an einem Samstag Mittag, eine Menge los ist. Während ich vom Hauptbahnhof zur Stachus-Passage lief, genoss ich den Trubel der Großstadt, doch als ich am Ende in die U-Bahn stieg, die mich nach Hause bringen sollte, war ich auch wieder froh, ihn bald hinter mir lassen zu können. Es ist doch immer dasselbe.
Daheim ließ ich den Tag ganz geruhsam sich entfalten und war dennoch fleißig: Ich wusch meine Wäsche, bügelte, räumte auf, putzte und sortierte bzw. erledigte so mancherlei Schreibkram, der sich auf meiner Ablage angesammelt hatte. Zwischendurch schrieb ich ein paar Beiträge im Forum und hatte den einen oder anderen gemütlichen Plausch im ICQ. Gegen Abend war mir sehr danach, den Tag mit einem ausgiebiegen Bad bei Kerzenschein und zärtlichen Flüstereien am Telefon ausklingen zu lassen. Mein Liebster war jedoch zu beschäftigt und meine Verführungsversuche auch zu halbherzig, so dass ich meine Pläne kurzfristig änderte und statt zum Telefonhörer zur Fernbedienung griff, um mir die DVD von "Moulin Rouge" zu Gemüte zu führen. Noch einmal sah ich mir die Höhepunkte der Bühnenshow an und musste auch diesmal wieder Rotz und Wasser heulen. Im Gegensatz zum Theaterbesuch damals fühlte ich mich völlig frei, hemmungslos zu schluchzen und meinen Tränen ihren Lauf zu lassen. Das Stück an sich ist ja schon bewegend, doch wenn es dann auch noch die eigene Schwester ist, die dort singt und tanzt und sich die Seele aus dem Leib spielt, dann ist es endgültig um mich geschehen.
Müde und zufrieden fiel ich gegen zwei Uhr ins Bett und überließ mich einigen lebhaften und erstaunlichen Träumen. Tage wie diesen dürfte es ruhig öfter geben.