Sternentanz

03.10.2005 um 21:32 Uhr

Das Apfelbäumchen

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Apfelblütenerinnerungen
Musik: Beethovens Waldstein-Sonate

Meiner alten Heimat nahe, in einem kleinen Städtchen auf dem Lande, wartete die nächste Liebesgeschichte auf mich und sie verblüffte mich sehr. Der Mann, in den ich mich diesmal verliebte, hätte nämlich gut und gern mein Vater sein können. Er war wesentlich älter als ich und anfangs hätte ich niemals geglaubt, dass ich mich in ihn verlieben könnte. Doch unsere Seelen waren sich wesentlich näher als die Jahre unserer Geburt. Uns verbanden die Liebe zur Natur, eine tief empfundene Spiritualität und die Freude an einem einfachen, bewussten Lebensstil. Es war Mai und die Apfelbäume blühten, als wir beide erkannten, dass die Liebe vor Altersgrenzen nicht Halt macht.

Nach zwei Beziehungen, in denen meine Gefühle unerwidert geblieben waren, spürte ich nun endlich wieder die Resonanz zweier Herzen. Kann man es mir verdenken, dass wieder die alten Wünsche und Sehnsüchte in mir erwachten? Dass ich glaubte, nun vielleicht doch die Liebe meines Lebens gefunden zu haben? Der Altersunterschied ließ mich keineswegs zweifeln, im Gegenteil, er bestärkte mich sogar noch in meinen Gefühlen. Naiv wie ich immer noch war, glaubte ich meine Liebe stark genug, solche Hürden zu überwinden. Jedenfalls war ich bereit, mich jeder damit verbundenen Herausforderung zu stellen. Die allerdings kamen schneller, als mir lieb war. Denn der reife Mann an meiner Seite ließ sich von meinen Gedanken an eine gemeinsame Zukunft keineswegs in die Flucht schlagen wie die beiden jüngeren zuvor, sondern nahm diese Frage sehr ernst und prüfte sie sorgfältig.

Dabei traten zwei Probleme zutage, an denen unsere Beziehung letztlich scheitern sollte: Zum einen passte ich so gar nicht in seinen derzeitigen Lebensentwurf. Er liebte mich und war ernsthaft bereit, sich auf mich einzulassen, aber seine Pläne für die nächsten Jahre ließen nur wenig Raum für eine feste Partnerschaft und offenbar war er nicht mehr flexibel genug, sie kurzerhand zu ändern. (Und ich war nicht flexibel genug, mich ihnen anzupassen.) Zum zweiten wünschte ich mir Kinder. Er aber wollte ganz sicher keine mehr und hatte auch nie welche gewollt.

Ich musste schmerzlich erkennen, dass Liebe allein für eine langfristige Beziehung nicht genügt. Diese Rahmenbedingungen hätten einer Liebe bedurft, die stärker war als alles andere - einer Liebe ohne Zweifel und Bedenken. Und das war sie nicht. Ich konnte meinen Wunsch, eine Familie zu gründen, nicht einfach aufgeben, selbst wenn ich nicht sicher war, ob er sich andernorts je erfüllen würde. Schon gar nicht, da ich das Gefühl hatte, auf der Liste der anstehenden Erledigungen meines Freundes nur unter "ferner liefen" zu rangieren. Nach elf Monaten trennten wir uns daher in gegenseitigem Einvernehmen, liebevoll und unter Tränen, aber mit großer Klarheit. Als Paar hatten wir keine Zukunft. (Als Freunde leider auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte.) Meine Suche nach der wahren Liebe ging weiter.

03.10.2005 um 21:11 Uhr

Unerwiderte Liebe II

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Liebevoll lächelnd
Musik: Wir sind mittlerweile bei der "Appassionata"

Auch der nächste Mann, der es verstand, mein Herz zu berühren, war mit der Fülle an Gefühlen und der Entschlossenheit, mit der ich ihn zum neuen Mann meines Lebens auserkoren hatte, recht schnell überfordert. Keine zwei Monate dauerte es, bis er mir den Laufpass gab. Leider - oder zum Glück - war das nicht das Ende unserer Geschichte, denn er mochte mich dann doch zu sehr, um mich ganz aus seinem Leben zu streichen. Zwischen uns entspann sich eine seltsame Beziehung, die deutlich mehr war als Freundschaft, die Qualitäten einer Liebesbeziehung jedoch nie wieder ganz erreichte. Eine Affäre, die immer wieder von Episoden unterbrochen war, in denen er sich anderen Frauen zuwandte, und die doch insgesamt drei Jahre währte.

Es war alles andere als leicht für mich, mich daraus zu lösen, denn obwohl ich immer wieder mit der Tatsache konfrontiert war, dass er mich nicht liebte, hatte ich doch einen festen und wichtigen Platz in seinem Leben und er war nicht bereit, mich einfach daraus verschwinden zu lassen. Ich versuchte mehrmals, den Kontakt zu ihm abzubrechen, hielt es aber nie lange durch. Meine Liebe zu ihm und all das Schöne, das uns verband, lockten mich letztendlich immer wieder zu sehr, als dass ich um der fehlenden Perspektive willen darauf hätte verzichten wollen.

Irgendwann jedoch - der Mann meines Herzens hatte sich gerade mal wieder in eine andere Frau verliebt - war die Zeit endlich reif und ich schaffte den Absprung. Ein Umzug aus dem Norden in den Süden dieses Landes half mir dabei. Allerdings blieb der Mann, um dessen Liebe ich fast drei Jahre lang gerungen hatte, ein fester Bestandteil meines Lebens - auch deshalb weil er sich nach wie vor beharrlich weigerte, mich aus seinem Herzen zu entlassen. In den folgenden Jahren gelang es mir, meine Liebe zu ihm in rein freundschaftliche Gefühle zu verwandeln. Diese Freundschaft hat sich weit besser bewährt als all unsere Versuche als Paar. Und die Zuneigung, die ich heute für ihn empfinde, hat eine völlig andere Qualität als damals.

03.10.2005 um 20:53 Uhr

Unerwiderte Liebe I

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Heiter
Musik: Immer noch Beethoven - diesmal die "Mondscheinsonate"

Eine Partnerschaftsanzeige, die ich aufgegeben hatte, weil die Liebe meinem Leben hartnäckig fernblieb, war verantwortlich für den ersten, großen Liebeskummer meines Lebens. Bei einem Blind Date, dem fünf Monate eines angeregten Briefwechsels vorausgegangen waren, verliebte ich mich Hals über Kopf in einen Mann, der meine Empfindungen zunächst zu erwidern schien, nach ein oder zwei romantischen Begegnungen aber feststellte, dass er meine leidenschaftlichen Gefühle á la "Das ist er jetzt aber!" mitnichten erwidern konnte, und abrupt den Rückwärtsgang einlegte. Allerdings hatte er nicht mit meiner Beharrlichkeit gerechnet.

In der festen (und der Sturheit meines Ex-Freundes in nichts nachstehenden) Überzeugung, nun endlich den Mann meines Lebens gefunden zu haben, ließ ich mich nicht abwimmeln, sondern heftete mich an seine Fersen und konnte ihn im weiteren Verlauf sogar zu einer Affäre bewegen, die aber nie die Ausmaße einer echten Partnerschaft annahm. Warum ich das tat? Nun, ich war überzeugt, dass es einer Liebe, die so groß, so tief und so aufrichtig war wie meine, früher oder später gelingen musste, im Herzen meines Angebeteten ähnliche Gefühle zu wecken. Es dauerte fast eineinhalb Jahre, bis ich endlich kapierte, dass dem nicht so war. In dieser Zeit ignorierte ich geflissentlich, dass der Mann meiner Wahl sich als schlechter Liebhaber und ausgesprochen unbeholfen in Gefühlsangelegenheiten erwiesen hatte. Die "wahre Liebe" wurde für mich zu einer fixen Idee, neben der die Realität gar keinen Platz mehr hatte.

Nun, aus Schaden wird man klug - möchte man jedenfalls meinen. Nach Monaten der unerfüllten Hoffnungen, der abgrundtiefen Depression, des Haderns und des trotzigen Festhaltens begriff ich allmählich, dass mein Auserwählter wohl doch nicht der Mann meines Lebens sein konnte und ich mich noch einmal anderweitig umsehen musste. Allerdings stolperte ich geradewegs in die nächste Misere...

03.10.2005 um 20:34 Uhr

Webmuster der Liebe

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Nostalgisch
Musik: Beethoven - Klaviersonate Nr. 8 "Pathétique"

Der Gedankenaustausch mit DarkHoneyLady, die liebevollen Zeilen einer Freundin und ein dunkler, regnerischer Oktoberabend haben mich dazu inspiriert, den Webmustern meiner Liebesgeschichten nachzuspüren und sie nach all den Jahren noch einmal neu zu erzählen. Und während draußen ein feiner Sprühregen die Bäume und Wiesen bestäubt, tauche ich ein in uralte Erinnerungen und lasse sie vor meinem inneren Auge noch einmal lebendig werden...

Wie alles begann

Lange Zeit hatte ich keinerlei Zweifel, dass die eine wahre Liebe irgendwo auf mich warten würde. Und als ich mich - nach einer kleinen Liebelei während meiner Schulzeit - im Studium erstmals ernsthaft verliebte, war ich schon bald überzeugt davon, dass ich diesen Mann einmal heiraten und eine Familie mit ihm gründen würde. Doch das Leben belehrte mich eines Besseren. Auf die Begeisterung der ersten Monate folgte nämlich schon bald die Ernüchterung und in all den Konflikten und Schwierigkeiten, die meine Beziehung zu diesem Mann mit sich brachte, kam mir die Liebe irgendwann abhanden. Ich war frustriert, fühlte mich nicht genug geliebt und beachtet, hatte den Eindruck, dass mein Freund viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, um wirklich offen für ein Leben zu zweit zu sein. Irgendwann war das Maß voll und ich meldete begründete Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft an. Und obwohl er in den letzten Monaten unserer Beziehung noch einmal zu ungeahnten Höhen auflief und sich um mich bemühte wie nie zuvor, kamen seine Liebesbekundungen zu spät. Meine Gefühle ließen sich damit nicht wieder entfachen und so trennten wir uns schließlich, mehr oder weniger in gegenseitigem Einvernehmen.

Während für mich die Geschichte damit beendet war, hielt mein damaliger Freund noch jahrelang an der Überzeugung fest, dass wir beide füreinander bestimmt gewesen wären. Immer wieder tauchte er in meinem Leben auf, um es dann nur kurze Zeit später unter Vorwürfen und Beschimpfungen wieder zu verlassen. Selbst als wir uns vor nicht allzu langer Zeit noch einmal wiedersahen und eine entspannte, freundschaftliche Art der Begegnung suchten, brach er den Kontakt bald wieder ab mit der Begründung, dass er mit mir nicht zusammen sein könne, ohne dass alte Gefühle wach würden. Mir aber ging es umgekehrt keineswegs so und seine Worte berührten mich auch bei weitem nicht so, wie sie es vielleicht unter anderen Umständen getan hätten. Ich hatte bei ihm eher den Eindruck, dass er - wohl bedingt durch eine merkwürdige esoterisch-psychologische Weltanschauung, der er verfallen war - schlicht und einfach fixiert auf mich war und seine Gefühle für mich allein daher rührten, dass er nach unserer Trennung nie wieder eine ernsthafte Beziehung geführt hatte und von daher all seine unerfüllten Sehnsüchte auf mich projizierte. Denn im Grunde kannte er mich überhaupt nicht mehr und vieles von dem, was er über mich wusste, ging ihm gehörig gegen den Strich.

Allerdings hätte ich es direkt nach unserer Trennung nicht im Traum für möglich gehalten, dass diese Partnerschaft, die 17 Monate gedauert hatte, auf Jahre hinaus die längste bleiben sollte, die ich je geführt hatte. Zwischenzeitlich packte mich gar die Angst, dass mein Ex-Freund womöglich recht gehabt haben könnte und ich dadurch, dass ich mich unserem gemeinsamen Schicksal verweigert hatte, einen merkwürdigen Fluch auf mich geladen hatte. Denn von nun an verließ zeigte sich die Liebe in meinem Leben nur noch als bunt schillernder Schmetterling, der mich von Zeit zu Zeit besuchte, um alsbald wieder davonzufliegen.

01.10.2005 um 19:54 Uhr

Muster

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Ausgeglichen, zuversichtlich, gut gelaunt

"Gibt es in deinen bisherigen Beziehungen ein gewisses Muster?", fragte mich ein Bekannter, der in seiner Freizeit gerne als Hobbypsychologe unterwegs ist. Ein Muster? Natürlich gibt es das: Erstens fühle ich mich tendenziell eher zu sanften, feinfühligen, oft auch seelisch verletzten Männern hingezogen. Und zweitens standen bislang fast alle meine Liebesbeziehungen unter dem Motto "Mission: Impossible". Ja und?

Natürlich verstehe ich die Absicht hinter der Frage. Ich kann nur nicht viel damit anfangen. Ich vermute, dass die krampfhafte Suche nach den "Beziehungsmustern" letztlich auf dem Wunsch beruht, die Liebe zu kontrollieren und ihr ein Schnippchen zu schlagen. Ganz nach dem Prinzip: Wenn ich nur den richtigen Hebel finde, wenn ich meinen Defekt durchschaue und ihn mit Hilfe von Selbsterfahrung, Familienaufstellung und sonstigen Psychotricks rechtzeitig beseitige, dann - endlich - können Mr. oder Mrs. Right in mein Leben treten. Das ist natürlich eine wundervolle Theorie, um die Praxis von Psychotherapeuten und selbsternannten Lebensberatern auf Jahre hinaus zu füllen. Doch ich glaube längst nicht mehr daran.

Meinem Empfinden nach ist die Liebe mehr als alles andere eine Schicksalsmacht, die sich rein psychologischen Erklärungsversuchen schlicht entzieht. Dass zwei Menschen sich finden und ineinander verlieben, ist Zufall oder Schicksal. Es lässt sich auch durch noch so viele Selbsterfahrungsworkshops nicht herbeizwingen. Was ich anschauen und woran ich arbeiten kann, ist mein Verhalten in Beziehungen, das Verhalten, das ich an den Tag lege, wenn die Liebe mich erst einmal berührt hat. Aber die Frage, warum einige Menschen jemandem begegnen, mit dem sie eine dauerhafte Partnerschaft leben können, und andere nicht, lässt sich meines Erachtens nur bedingt psychologisch erklären.

Natürlich gibt es Fälle, in denen es wichtig ist, sich die Muster der Partnerwahl einmal genauer anzuschauen, vor allem dann, wenn die Betroffenen immer wieder an Partner geraten, die ihnen Gewalt antun. Dem nämlich liegt meist eine tiefe seelische Verletzung zugrunde, die es zu heilen gilt. Natürlich schadet es auch sonst nicht, wenn wir uns einmal anschauen, inwiefern alte Prägungen die Wahl unseres Herzens beeinflussen. Doch dies ist in meinen Augen immer nur ein Mosaiksteinchen unter vielen. Zum größten Teil bleibt die Liebe ein Geheimnis, das sämtliche Theorien der Welt nicht erklären können.

22.09.2005 um 14:05 Uhr

Endgültig

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Schmerzlich-wehmütig und doch ruhig und entschlossen
Musik: Blätterrauschen, Hundegebell, Vogelstimmen, Baustellengeräusche

Es gibt Momente, da bin ich nahe dran, ihm zu schreiben. Es gäbe noch so vieles, was ich ihm sagen wollte, so vieles, was ich ihn fragen möchte, so vieles...

Theoretisch stünde es mir jederzeit frei, mich bei ihm zu melden. Wir sind nicht im Streit geschieden und von seiner Seite gab es keinerlei Signale, die mich vermuten ließen, dass ich nicht willkommen wäre. Ich allein bin es, die es sich verbietet, dem Impuls nachzugeben. Die Tatsache, dass für ihn längst eine neue Geschichte begonnen hat, macht es mir unmöglich. Es gibt kein "Wir" mehr. Das, was uns verband, ist unwiderbringlich dahin und selbst der Mensch, den ich so sehr vermisse, ist nicht mehr da. Er verschwand an dem Tag, an dem er aufhörte, mich zu lieben, und sein Herz einer anderen schenkte. In seinem Leben gibt es keinen Platz mehr für mich. Es hilft alles nichts: Ich muss diesen Weg alleine gehen. So sehr ich mir für unsere Geschichte einen anderen Abschied gewünscht hätte - ebenso sanft und behutsam wie ihr Beginn -, es sollte nun einmal nicht sein. Das Leben wollte es anders und ich kann nur das akzeptieren, was ist. Es wäre viel zu schmerzlich, wenn ich mich dieser Einsicht widersetzen würde.

Ich bin zuversichtlich, dass der Tag kommen wird, an dem eine erneute Begegnung wieder möglich sein wird. Doch wir werden beide nicht mehr dieselben sein, wenn es soweit ist, und es wäre vermessen, heute voraussagen zu wollen, welche Fortsetzung unserer Geschichte beschieden sein könnte. Das ist Zukunftsmusik. Im Augenblick geht es einzig und allein darum, Abschied zu nehmen und darauf zu warten, dass die Spuren, die er in meinem Herzen und auf meiner Haut, in meinem Leben und in meinen Erinnerungen hinterlassen hat, allmählich verblassen.

15.09.2005 um 08:26 Uhr

Einen anderen Abschied weben

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Inkonsequent, aber was macht das schon?
Musik: Barbra Streisand - Some Good Things Never Last

"Die Trennung ist immer noch Teil einer Liebesgeschichte und die Art, wie sie vollzogen wird, sagt viel über die Beziehung aus."

Die guten Tage überwiegen. Ich spüre meine Kraft, fühle mich geborgen in mir selbst und bin zuversichtlich, dass es mir auch diesmal gelingen wird, mein Herz zu heilen. Doch es gibt auch dunkle, bittere Stunden, in denen ich nach wie vor schwer damit ringe, wie er sich von mir verabschiedet hat. Manchmal fühle ich mich regelrecht verraten. Ich fühle mich eiskalt fallengelassen und im Stich gelassen, habe das Gefühl, dass er unsere Geschichte geradezu mit Füßen getreten hat. Dieser Abschied stellt so vieles für mich in Frage. In den schlimmsten Momenten, die zum Glück sehr selten sind, kommt es mir so vor, als hätte er am Ende nicht einfach nur den Pinsel aus der Hand gelegt, um die Arbeit an unserem Bild zu beenden, sondern ein Messer genommen und die Leinwand zerschnitten. Mir ist völlig klar, dass solche Gefühle einseitig, übertrieben und ungerecht sind, aber es hilft alles nichts: Ich muss mich ihnen stellen. Und in den düsteren Phasen meiner Wanderung quälte mich zuletzt oft die Frage, ob ich nicht mir - und unserer Geschichte - viele Verletzungen hätte ersparen können, wenn ich schon im August den Mut gehabt hätte, die Sache zu beenden.

Dieser Tage nun kam mir eine Idee: Wenn schon unsere ganze Geschichte erfüllt gewesen war von Zauber und verwunschener Kraft, warum dann nicht die Magie der geschriebenen Worte nutzen und ihr ein angemessenes Ende schenken? Warum nicht die Möglichkeiten ausschöpfen, die mir zu Gebote stehen? Also setzte ich mich hin, nahm Füllfederhalter und Papier zur Hand und gab dieser Liebesgeschichte einen anderen Schluss. Zeile um Zeile verwob ich Wunsch und Wirklichkeit, schöpfte aus den Quellen meiner Vorstellungskraft und veränderte den Verlauf der Geschehnisse, ohne die grundlegenden Wahrheiten anzutasten. So merkwürdig dieses Vorgehen vielleicht in fremden Ohren klingen mag, es war erstaunlich heilsam.

Zum einen war es wunderschön, das alles niederzuschreiben. Es war wie eine zweite Chance - so als böte sich mir durch die Gunst einer guten Fee die Gelegenheit, in der Zeit zurückzuwandern und eine andere Wahl zu treffen. Diese Abwandlung der Ereignisse in lebendigen Worten aufs Papier fließen zu lassen und sie dann wieder und wieder zu lesen, war ungemein tröstlich für mich. Und gleichzeitig wurde mir klar, dass ich diese Entscheidung in Wirklichkeit niemals so hätte treffen können. Als er im August hier war, war mein Herz einfach noch nicht bereit dazu. Hätte ich mich zu diesem Zeitpunkt von ihm getrennt, wäre das nichts anderes gewesen als eine Flucht - eine Flucht davor, verlassen zu werden. Ich selbst wollte ihm damals noch nicht Lebewohl sagen. Ich wollte an unserer Geschichte allen Ängsten und Ahnungen zum Trotz festhalten, wollte sie weiter fortschreiben und sehen, wohin sie uns führt. Derart hastige, überstürzte Abschiede entsprechen nicht meinem Wesen.

Mit der Zeit wäre sicher auch in mir der Entschluss zur Trennung herangereift. Die Erkenntnis, dass der Zauber zwischen uns in seinen letzten Zügen lag und wir nicht die Mittel hatten, einen neuen zu spinnen, hätte sich zunehmend in meinem Herzen ausgebreitet und ich hätte begriffen, dass es keinen Sinn hat, etwas, dessen Zeit gekommen ist, weiter künstlich am Leben zu halten. Doch es hätte sicher noch das eine oder andere Wiedersehen gebraucht, bis die leise Einsicht der letzten Wochen sich in Gewissheit verwandelt hätte. Diese Zeit hat das Leben mir nicht zugestanden, aus welchen Gründen auch immer. Es ist auch gar nicht wichtig. Denn noch eines ist mir beim Schreiben der Geschichte klar geworden: Es hätte meinen Schmerz kaum verringert. Die Trauer über den Verlust und der Kummer angesichts des endgültigen Abschieds wären vermutlich ebenso groß gewesen wie jetzt. Selbst die Bitterkeit wäre mir nicht ganz erspart geblieben. Denn letztlich weine ich heute aus denselben Gründen wie am ersten Tag und an all den anderen Tagen unserer Geschichte, an denen ich Tränen vergossen habe: Aus Trauer über die Vergänglichkeit der Dinge und aus dem Wissen heraus, dass seine Liebe nicht so tief und beständig war, wie ich mir das vielleicht gewünscht hätte. Und - merkwürdig oder nicht - auch diese Erkenntnis ist mir ein Trost.

01.09.2005 um 02:20 Uhr

Abschied

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

"Nicht jede Trennung ist ein Zeichen, dass du gescheitert bist."
(Ich selbst - vor vier Jahren)

Es ist immer noch wahr.

26.08.2005 um 22:12 Uhr

Sand zwischen meinen Fingern

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Traurig, ruhig, nachdenklich
Musik: Keine - wie so oft

Kennt ihr das? Das Gefühl, dass etwas Kostbares wie Sand zwischen euren Fingern zerrinnt? Ganz langsam nur, fast unmerklich, schwindet der Zauber. Das Funkeln beginnt zu verblassen. Im ersten Moment weißt du gar nicht, wie dir geschieht. Du fragst dich, ob du dir das alles vielleicht nur einredest. Überlegst, ob es an dir liegt. Vielleicht siehst du die Dinge ja falsch. Immerhin ist es nur ein hauchzarter Strahl, der dir da durch die Finger rieselt. Womöglich nimmst du das alles zu ernst. Machst aus einer Mücke einen Elefanten. Und du schüttelst den Kopf und ermahnst dich selbst, doch bitte nicht so herumzuspinnen.

Aber der Sand rieselt weiter. Stetig und unerbittlich. Irgendwann kannst du nicht länger ignorieren, dass das Strahlen schwindet und die unermüdlich sprudelnde Quelle zu verschlammen beginnt. Und du starrst hin, wehmütig oder panisch, je nach Gemütslage, und fragst dich, was um Himmels willen du nun tun sollst. Dein erster Impuls ist, die Hand fester zu schließen. Du willst den Zauber festhalten und weigerst dich, das Feuer verlöschen zu lassen. Doch tief in deinem Inneren gibt es eine kluge Stimme, die dir sagt, dass das völlig sinnlos ist. Du kannst den Prozess bestenfalls verzögern, aber niemals aufhalten. Dies ist die Art von Magie, die von einer Person allein nicht gewirkt werden kann. Es braucht zwei Herzen dazu, zweimal zwei Hände und zwei Stimmen.

Du kannst niemanden mit der Kraft deines Willens dazu bewegen, diesen Zauber mit dir zu wirken und die magische Quelle neu zu beleben. Du kannst es dir insgeheim wünschen, dich zu geduldigem Warten zwingen und hoffen, dass es von selbst geschieht. Du kannst darum bitten und deine Bedürfnisse offen zum Ausdruck bringen. Du kannst schimpfen, weinen und bitter klagen. Doch wer weiß, ob du es damit nicht nur noch schlimmer machst? Die Entscheidung darüber, was du nun zu tun gedenkst, ist bereits ein Teil des Zaubers. Und genau deshalb fällt sie dir so schwer.

Uralte, saublöde Mythen spuken dir durch den Kopf. "Warum Frauen immer bla und Männer immer blubb" und anderer Unsinn. Du schiebst sie beiseite, weist ihnen mit Nachdruck die Tür. Aber durch die Ritzen der Hintertür und in Verkleidung schleichen sie sich immer wieder herein. Du ziehst dich zurück, suchst Ablenkung, verbindest dich mit deinen Kraftquellen. Das hilft auch, aber immer nur für eine Weile. Früher oder später kehrt dein Blick zu dem rieselnden Sand zurück. Was ist zu tun? Gelassen warten und darauf vertrauen, dass dies der natürliche Fluss der Dinge ist? Dass alles sich am Ende wie von selbst fügt? Dass der Zauber sich nur verwandelt, aber nicht schwindet?

Oder erfordert es die Situation, deine Stimme zu erheben und das zu rufen, was du begehrst, weil es sonst niemals kommt? Vielleicht hilft es ja, zu schmeicheln und zu locken? Mit süßer Stimme zu flüstern und zu betören? Wer weiß? Jede einzelne deiner Ideen mag geeignet sein, die magische Türe zu öffnen. Vielleicht aber führen sie dich auch nur in die Irre. Vielleicht bleibt dir nur das eine: Der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Anzuerkennen, was ist - und dass du nichts daran ändern kannst, was auch immer geschieht. Nicht immer ist die Göttin gütig, freundlich und milde. Manchmal zeigt sie auch ihr dunkles Gesicht, ist hart und unerbittlich und fordert das, was sie dir einst geschenkt hat, mit strenger Hand zurück. Aber vielleicht sind das alles auch nur düstere Herbstgedanken, Schall und Rauch, wenn der nächste sonnige Morgen kommt. Wer weiß...

Ich bleibe vor dem Tor stehn.
Kann ich durch dieses Tor gehn?
Was lass ich an dem Tor zurück?
Wohin wendet sich danach mein Blick?

14.08.2005 um 14:59 Uhr

Was es ist

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Abschiedsstimmung

Müde bin ich und eine leise Wehmut durchzieht meine Seele. Doch in der Stille nach dem Abschied breiten sich auch die Ruhe und der Frieden aus, die nur aus dem Alleinsein geboren werden. Es ist wirklich merkwürdig: Jedes Mal will mir im Abschied fast das Herz brechen, wilde Tränen fließen mir über die Wangen und ich möchte den Augenblick festhalten und nie wieder loslassen. Doch wenn er dann vorüber ist, fange ich mich recht schnell wieder und kehre einfach in mein Leben zurück.

Zwei Wochen lang war mein Liebster bei mir zu Besuch und wieder durften wir eine neue Facette des Miteinanders kennen lernen. Diesmal stand nicht so sehr die glutvolle Leidenschaft im Vordergrund, die bei früheren Besuchen so oft unsere Tage ausgefüllt hatte, sondern eher Nähe, Zärtlichkeit und Vertrautheit. Anfangs verunsicherte mich das, weil ich es zunächst nicht zu deuten wusste, doch schon bald konnte ich es von ganzem Herzen genießen. Leidenschaft und Erotik brennen nicht immer in derselben Intensität und sie lassen sich auch nicht terminlich binden. In einer Distanzbeziehung muss man eben damit leben, dass die Flutwellen nicht zwangsläufig mit den Begegnungen von Angesicht zu Angesicht zusammenfallen.

Aber es war ungemein schön zu sehen, dass Sex bei weitem nicht das einzige ist, was uns verbindet. Wir unternahmen viel, gingen ins Kino, ins Theater, in den Tierpark und ins Museum, bummelten durch die Stadt, sahen uns Filme auf DVD an, kochten gemeinsam und frönten auch sonst ausgiebig unserem leiblichen Wohl. Vergangenen Mittwoch machten wir einen Ausflug an den Chiemsee zur Fraueninsel, die ich sehr liebe, und überzeugten uns einmal mehr von der Köstlichkeit des klösterlichen Marzipans. Es gab auch den einen oder anderen Abend, an dem wir nur engumschlungen auf unserem Bett lagen und einfach redeten. Und natürlich finden sich auch schwierige Momente in meinen Erinnerungen - Augenblicke, in denen mir das Herz schwer wurde oder mir Tränen in die Augen traten. Unsere Ausgangssituation ist alles andere als einfach und diese Momente der Traurigkeit gehören nun einmal dazu. Aber wie immer überwog die Freude.

Und nun kehre ich zurück in mein Leben mit mir selbst und stelle fest, dass auch das wieder ganz schön sein kann. Manchmal frage ich mich, wie diese Liebesgeschichte wohl aussehen würde, wenn die Pendelbewegungen zwischen inniger Zweisamkeit und Verwurzelung im Alleinsein nicht so ausgeprägt wären, sondern einem gleichmäßigeren Rhythmus folgen würden. Doch es ist müßig, diese Frage zu stellen. Diese Beziehung ist nun einmal, wie sie ist, und an den Rahmenbedingungen lässt sich nicht viel ändern. Ich muss damit umgehen, dass sich mein Herz, wenn ich zwei Wochen ununterbrochen mit meinem Liebsten zusammen bin, stärker an ihn schmiegt, als das wohl der Fall wäre, wenn die Phasen der Nähe kürzer und immer wieder unterbrochen wären von Zeiten, in denen ich mich auf mich selbst besinnen kann.

Es ist erstaunlich: Wenn er da ist, bin ich mit einem Teil meiner Aufmerksamkeit immer bei ihm, selbst dann wenn wir beide eigenen Aktivitäten nachgehen. Es ist, als würde seine Nähe mich einhüllen wie ein zarter Hauch - kaum spürbar manchmal, doch immer präsent. Wenn er dann fort ist, ist die Welt, in die ich zurückkehre, plötzlich eine ganz andere. Es ist die, in der ich mit mir allein bin. Wie soll ich diesen Unterschied am besten beschreiben? Ich bin dann stärker bei mir, stärker in mir selbst verwurzelt, losgelöster und freier, aber natürlich auch einsamer und meine Sehnsucht nach Zärtlichkeiten und Liebkosungen bleibt unerfüllt.

Beide Zustände sind schön und gut. Beide haben ihre Berechtigung und ihre Bedeutung. Ich würde sie gerne stärker miteinander verknüpfen und ineinander verweben, als mir dies möglich ist, doch die Intensität, mit der ich sie auskoste, zeigt mir vieles, das mir sonst vielleicht nicht so sehr bewusst wäre. Wie heißt es doch so schön bei Erich Fried: Es ist was es ist, sagt die Liebe.

17.07.2005 um 23:03 Uhr

... denn seine Liebe ist köstlicher als Wein

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Ausgesprochen sinnlich
Musik: Ewan McGregor, Jose Feliciano & Jacek Koman - El Tango De Roxanne

Ich muss es einfach mal hinschreiben: Sexualität ist etwas Wundervolles. Vielfältig und lebendig, lustvoll und zauberhaft. Ich kann überhaupt nicht begreifen, wie jemand je auf die Idee kommen konnte, sie zur Sünde zu erklären - es sei denn aus taktischen Gründen. Wenn du Macht gewinnst über die erotische Kraft und Leidenschaft menschlicher Herzen und Körper, dann hast du Macht über den ganzen Menschen. Und aus diesem Grund ist es so befreiend, die Sünde abzuschütteln und die vorbehaltlose Freude wiederzuentdecken.

Du meine Güte, was war es für ein langer Weg vom ängstlichen, schüchternen Mädchen, das sich erst mühsam dazu durchringen musste, ihren Freund anzuschauen, als er zum ersten Mal nackt vor ihr stand, hin zur selbstbestimmten, erotischen Frau! Und er ist selbstverständlich noch nicht zu Ende. Aber gerade die letzten Monate waren ein hinreißender Tanz und ein berauschender Höhenflug. Ich habe so vieles erlebt und entdeckt und erfahren. Immer wieder tun sich neue Türen auf und geben den Blick auf verwunschene Pfade frei, die zu erkunden ungemein verlockend erscheint. Sanft und zärtlich ist mein Geliebter und doch voller Glut und Leidenschaft. Ihn anzuschauen ist die reine Freude, ihn zu berühren Glückseligkeit. Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich wirklich frei, meine ureigene Art der Lust zu entfalten und zum Ausdruck zu bringen, anstatt mich allein darauf zu konzentrieren, eine tolle Geliebte zu sein.

Natürlich ist es nicht nur mein Liebster. Mir ist, als sei die Zeit einfach reif. Es ist, als hätte der rechte Prinz im rechten Augenblick die Dornenhecke berührt. Sie verwandelte sich in eine Flut von Rosen, öffnete sich und gab den Weg frei. Und nun wandern wir Hand in Hand durch die zahllosen Räume des Zauberschlosses und staunen über die Schätze, die uns hier erwarten. Ich habe solch eine Freude an unserer Körperlichkeit, unserer Sinnlichkeit, unserer Erregung und unserer Lust. Es ist eine wahre Wonne, die warme Seligkeit zu spüren, die mit schöner Regelmäßigkeit durch mein Becken flutet. Und dabei ist nichts von dem, was wir tun, sonderlich perfekt. Wir nehmen uns einfach die Freiheit, Dinge auszuprobieren und unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Ängste und Unsicherheiten, Zögern und Befangenheit gehören ebenso dazu wie Neugier und Abenteuerlust. Nicht alles klappt auf Anhieb, manches geht schief oder erweist sich in der Praxis als weitaus komplizierter als zunächst angenommen. Doch die Offenheit, mit der wir einander begegnen, und die liebevolle Vertrautheit, die zwischen uns herrscht, schaffen einen magischen Raum, in dem alles sein darf und alles seinen Platz hat.

"Wir alle brauchen viel mehr unkomplizierten Sex." (Gerda Boyesen)

09.07.2005 um 00:40 Uhr

Weil ich keine Dichterin bin

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Verträumt
Musik: Stille

EIN LIEBESLIED

Aus goldenem Odem
Erschufen uns Himmel.
O, wie wir uns lieben...

Vögel werden Knospen an den Ästen,
Und Rosen flattern auf.

Immer suche ich nach deinen Lippen
Hinter tausend Küssen.

Eine Nacht aus Gold,
Sterne aus Nacht..
Niemand sieht uns.

Kommt das Licht mit dem Grün,
Schlummern wir;
Nur unsere Schultern spielen noch wie Falter.

Else Lasker-Schüler

17.05.2005 um 10:34 Uhr

Maienlust und -liebe

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Zärtliche Dankbarkeit
Musik: Train - Drops of Jupiter

Über Pfingsten war ich bei meinem Liebsten. Unsere letzte Begegnung liegt schon eine Weile zurück und wie so oft fuhr ich vorfreudig, aber auch fragend gen Norden. Eine Liebe auf Distanz folgt ihren eigenen Gesetzen. Der Abstand vermag das Feuer der Sehnsucht zu schüren und die Leidenschaft zu nähren. Die fehlende Nähe birgt aber auch die Gefahr, den Kontakt zueinander zu verlieren und sich nach einer Zeit der reinen Worte plötzlich fremd zu werden. Es ist ein ständiger Balanceakt, ein Seiltanz zwischen Freiheit und Bindung. Und beinahe jedes Mal, wenn ein Wiedersehen bevorsteht, frage ich mich: "Werden wir uns noch lieben?" Diesmal hatte ich mich auf eine Begegnung im Wattenmeer der Gefühle gefasst gemacht. Die Intensität unserer Sehnsucht hatte in den letzten Wochen ein wenig nachgelassen, unsere Gespräche und Telefonate waren seltener geworden und wir waren beide wieder stärker in unserem eigenen Leben verwurzelt. Wie würde es sein, sich vor einem solchen Hintergrund zu begegnen? 

Ich sage es gleich: Vom Wattenmeer habe ich nicht viel gesehen. Die hereinbrechende Flut kam völlig überraschend. Und das einzige Gefühl im Moment unseres Wiedersehens war Freude - atemlose, übersprudelnde Freude. Fast staunend erkannte ich, wie lebendig unsere Liebe immer noch ist. Unsere Körper und unsere Herzen verströmten sich vorbehaltlos und wir tauchten ein in einen drei Tage währenden Tanz aus Zärtlichkeit und Nähe. Nicht einmal in der Stunde des Abschieds stand mir der Sinn nach Tränen, so reich fühlte ich mich beschenkt. Nun, da ich wieder daheim bin und erneut in meiner eigenen Welt Fuß gefasst habe, klingen die Erinnerungen an unser Wochenende noch immer in mir nach, lassen meine Haut erglühen und füllen meine Seele. Es werden wohl wieder Wochen, wenn nicht gar Monate ins Land gehen, bis wir uns wiedersehen, aber von der Fülle dieser drei Tage vermag ich eine Weile zu zehren.

10.05.2005 um 00:06 Uhr

Traumverloren

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Wozu noch mehr Worte?
Musik: Enya - May It Be

traumverloren

meine hand
auf meiner weichen haut
verwandelt sich in
deine hand
liebkost wandert
über meine weiche haut
auf den rosaweichen perlen
erhebend, erbebend
streichelt, gleitet
über das sanfte rund zum mittelpunkt
deine meine hand
verharrt, ruhend,
schlaft ihr hände und träumt...

(Heidi Lachnitt)

 

03.05.2005 um 21:11 Uhr

Farbenspiel

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Light Goldenrod
Musik: Der Gesang meiner Schwester

Gut ein halbes Jahr ist vergangen, seit wir begonnen haben, unser Bild zu malen. Die ersten Pinselstriche zogen wir staunend, sprachlos. Zögernd und vorsichtig ließen wir unsere Farben auf die Leinwand fließen. Immer wieder hielten wir inne, wie um uns der Rechtmäßigkeit dessen, was wir taten, zu versichern. Die Hände zitterten uns beim Malen und so manche Linie vermischte sich mit Tränen. Doch allmählich wurden wir mutiger, wagten uns weiter vor. Nach den eher verhaltenen Anfängen riskierten wir ungewohnte Farbkompositionen und wilde, übermütige Kleckse. Unsere Pinselstriche wurden fester und klarer. Der Raum, den unsere Malerei einzunehmen begann, wuchs stetig. Schillernde Momente der Magie tauchten auf, umrahmt von leuchtenden Farbschattierungen. Sehnsüchtiges Nachtblau mischte sich mit leidenschaftlichem Karmesinrot. Heiteres Goldgelb tanzte mit sinnlichem Siena. Zarte Fliedertöne verwandelten sich in schimmerndes Meergrün. Vor unseren Augen entfaltete sich eine Farbenpracht, die ihresgleichen suchte, und es entstanden Figuren, die wir beide noch nie zuvor gesehen hatten.

Nach fast sechs Monaten hatten wir uns gründlich ausgetobt. Wir hatten das gemeinsame Spiel der Farben und Formen ausgekostet bis zum Grund - und es wurde allmählich Zeit, Atem zu holen. Langsam, fast unmerklich entfernten sich unsere Pinselstriche voneinander. Beide fanden wir unseren individuellen Raum auf dem Bild. Seither entwerfen wir so manchen Farbton für uns allein und geben auch den Themen unseres eigenen Lebens Form und Gestalt. Doch immer wieder begegnen wir einander in der Mitte. Wir tauschen aus, was wir erlebt und entdeckt haben, mischen unsere neu gewonnen Farben - und im Rhythmus der Gezeiten wächst unser Bild weiter und verwandelt sich. Schön ist das.

I see your true colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show
Your true colors
True colors are beautiful,
Like a rainbow

08.04.2005 um 23:29 Uhr

Zauber der Nacht

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

 

Heimlich zur Nacht
 
Ich habe dich gewählt
Unter allen Sternen
 
Und bin wach - eine lauschende Blume
Im summenden Laub

Unsere Lippen wollen Honig bereiten
Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht

An dem seligen Glanz deines Leibes
Zündet mein Herz seine Himmel an -

Alle meine Träume hängen an deinem Golde
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen.

~ Else Lasker-Schüler