Mittsommer
Stimmung: Voller Liebe
Es ist schon neun Uhr, als wir uns treffen. Ich komme direkt von der Arbeit, bin hungrig und dankbar für das lecker Essen, das C. gekocht hat: Spargel mit Kartoffeln und Schinken - und wie immer ist der Esstisch wunderschön gedeckt. Gemütlich schmausend tauschen wir uns über die Erlebnisse der vergangenen Wochen aus, doch nicht zu lange, denn es ist spät. Der magische Raum zwischen den Welten ruft uns: Wir spüren den Boden unter unseren Füßen, atmen, verbinden uns. Aromatischer Rauch hüllt uns ein, umschmeichelt uns und nimmt alle Anspannung und alle unerwünschten Gedanken mit sich fort. Wir ziehen den Kreis, rufen die vier Elemente und die Göttin. Venus, Aphrodite, Ishtar - die große Liebende. In der Mitte ein Strauß Rosen, Zeichen ihrer erotischen Kraft und der Fülle des Sommers. Wir segnen die Liebe in unserem Leben, widmen jeder Liebesbeziehung, jeder liebenden Verbundenheit eine Rose. Staunend wird mir bewusst, wie reich ich bin - wie viel Liebe es in meinem Leben gibt.
Da ist der Mann, dem ich im Winter mein Herz geschenkt habe. Meine Eltern und meine beiden Schwestern, vor allem die jüngere von beiden, die mir nach einer Zeit der Entfremdung wieder so nah ist. Die Kinder meiner Schwester, die eine so tiefe und anrührende Zuneigung in uns allen auslösen. Die Freunde, die mein Leben schon seit vielen Jahren begleiten, und die Menschen, die erst in den letzten Wochen, Monaten und Jahren mein Herz berührt haben. Die Liebe zu meinem Beruf, zu der Arbeit, die ich tagtäglich tue. Die Liebe zu der Stadt, in der ich lebe, zum Inntal und zum Chiemgau, zu meiner Heimat. Die liebevolle Dankbarkeit für meine Wohnung und das kostbare Gefühl heimischer Geborgenheit, das sie mir schenkt. Es gibt viel mehr Liebe in meinem Leben, als es Rosen gibt. In dem Maße, in dem wir über die Liebesbegegnungen und Liebeserlebnisse in unserem Leben sprechen, scheint die Liebe sogar noch zu wachsen, wird weiter, tiefer, bunter und vielfältiger. Was für ein Schatz!
Wir nehmen die Rosen mit, bringen sie zu den Menschen, denen wir sie gewidmet haben, oder lassen ihnen ihre Kraft, wo das nicht möglich ist, auf andere Art und Weise zukommen. Möge der Rosensegen im kommenden Jahr blühen und gedeihen und immer wieder neue Knospen tragen!
