Sternentanz

23.06.2006 um 22:59 Uhr

Mittsommer

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Voller Liebe

Es ist schon neun Uhr, als wir uns treffen. Ich komme direkt von der Arbeit, bin hungrig und dankbar für das lecker Essen, das C. gekocht hat: Spargel mit Kartoffeln und Schinken - und wie immer ist der Esstisch wunderschön gedeckt. Gemütlich schmausend tauschen wir uns über die Erlebnisse der vergangenen Wochen aus, doch nicht zu lange, denn es ist spät. Der magische Raum zwischen den Welten ruft uns: Wir spüren den Boden unter unseren Füßen, atmen, verbinden uns. Aromatischer Rauch hüllt uns ein, umschmeichelt uns und nimmt alle Anspannung und alle unerwünschten Gedanken mit sich fort. Wir ziehen den Kreis, rufen die vier Elemente und die Göttin. Venus, Aphrodite, Ishtar - die große Liebende. In der Mitte ein Strauß Rosen, Zeichen ihrer erotischen Kraft und der Fülle des Sommers. Wir segnen die Liebe in unserem Leben, widmen jeder Liebesbeziehung, jeder liebenden Verbundenheit eine Rose. Staunend wird mir bewusst, wie reich ich bin - wie viel Liebe es in meinem Leben gibt.

Da ist der Mann, dem ich im Winter mein Herz geschenkt habe. Meine Eltern und meine beiden Schwestern, vor allem die jüngere von beiden, die mir nach einer Zeit der Entfremdung wieder so nah ist. Die Kinder meiner Schwester, die eine so tiefe und anrührende Zuneigung in uns allen auslösen. Die Freunde, die mein Leben schon seit vielen Jahren begleiten, und die Menschen, die erst in den letzten Wochen, Monaten und Jahren mein Herz berührt haben. Die Liebe zu meinem Beruf, zu der Arbeit, die ich tagtäglich tue. Die Liebe zu der Stadt, in der ich lebe, zum Inntal und zum Chiemgau, zu meiner Heimat. Die liebevolle Dankbarkeit für meine Wohnung und das kostbare Gefühl heimischer Geborgenheit, das sie mir schenkt. Es gibt viel mehr Liebe in meinem Leben, als es Rosen gibt. In dem Maße, in dem wir über die Liebesbegegnungen und Liebeserlebnisse in unserem Leben sprechen, scheint die Liebe sogar noch zu wachsen, wird weiter, tiefer, bunter und vielfältiger. Was für ein Schatz!

Wir nehmen die Rosen mit, bringen sie zu den Menschen, denen wir sie gewidmet haben, oder lassen ihnen ihre Kraft, wo das nicht möglich ist, auf andere Art und Weise zukommen. Möge der Rosensegen im kommenden Jahr blühen und gedeihen und immer wieder neue Knospen tragen!

04.05.2006 um 12:03 Uhr

Freundinnenmagie

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Tief bewegt, reich beschenkt und erfüllt
Musik: Vogelgesang und Kirchenglocken

Ein zauberhafter Maientag. Alles grünt und blüht. Die Luft ist angefüllt mit süßen Düften. Die warme Sonne streichelt unsere Haut. Dennoch ziehen wir die Innenräume vor. Wir brauchen heute den Schutz, denn Beltane, das erste rote Fest im Jahreskreis, berührt uns ganz tief. Das spüren wir beide. Feuerrot leuchten die Tulpen, umgeben von einem Schal aus irisierender Seide. Die üppige Gestalt der Venus von Willendorf hütet unser Ritual. Weicher, würziger Rauch streichelt unsere Körper und hüllt sie zärtlich ein. Duftendes Wasser funkelt im Glas. Wir segnen den lebendigen Tempel der Liebe, den Körper der Göttin - unseren Körper. So viel Kraft und Weisheit, so viel Zärtlichkeit und Leidenschaft, so viele Wunden und Verletzungen, so viel Reichtum. Ich liebe dieses Ritual, weil es mich wie kaum ein anderes mit meiner weiblichen Kraft verbindet. Zum Abschluss ziehen wir noch Tarotkarten. Die Karten schonen uns nicht, sondern konfrontieren uns beide mit wilden, machtvollen Energien. Frausein ist nun einmal sehr viel mehr als sanfte Zärtlichkeit und liebliche Anmut. Oder vielleicht sogar etwas ganz anderes.

20.03.2006 um 22:19 Uhr

Frühling!

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Frühlingsgefühle

Endlich, endlich ist er da, der lang ersehnte Frühling und grüßt mit Sonnenschein, lauer Luft und Wärme. Damit er sich so richtig wohl und willkommen fühlt, gestalteten C. und ich unser Ostara-Ritual entgegen unserer sonstigen Gewohnheit und dem eigentlichen Thema der Jahreszeit als reines Frühlingswonnefest und nutzten jeden Augenblick unserer Feier, um den Frühling zu locken und zu rufen, ihn zu umschmeicheln und ihm Honig um den Bart zu schmieren. Es war ein kurzes, aber sehr prägnantes und kraftvolles Ritual voller Heiterkeit und Lebenslust, eingebettet in ausführliche und ermutigende Freundinnengespräche über die Liebe im allgemeinen und den einen oder anderen Mann im besonderen. Habe ich schon mal erwähnt, dass Freundinnen mit zum Besten gehören, was einer im Leben passieren kann?

Wir rufen dich,
Frühlingskönigin,
Mutter der neu erblühenden Natur!
Deine Augen glänzen wie Sterne
und dein Atem streichelt das Land.
Deine Füße berühren die Erde,
sie wecken die schlafende Natur,
und wo du gehst,
erblühen Frühlingsblumen
und sprießt frisches Gras.
Du umarmst die Bäume
und schenkst ihnen neue Kraft.
Du küsst ihre Zweige
und tausend Blüten brechen hervor.
Deine erotische Kraft
durchflutet die Wiesen und Auen,
die Wälder erstrahlen in deinem Licht
und alle Vögel jubilieren.
Wunderschöne Frühlingsfrau,
gehüllt in einen Mantel
aus flutendem Licht,
gekleidet in strahlenden Glanz,
schenkst du uns neues Leben
und deine nie versiegende Liebe.

30.01.2006 um 10:09 Uhr

Lichtmessimpressionen

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Müde, verloren und traurig

(Dieses wunderschöne Bild hat meine Freundin B. kürzlich fotografiert.)

Ja, das war es! Genau das hat mir gefehlt: Ein Aufenthalt zwischen den Welten, jenseits von Raum und Zeit. Ein magischer Kreis, der mich schützt und heraushebt aus dem Alltag. Flackernde Kerzen und Räucherwerk. Die vertraute Nähe einer lieben Freundin. Erdung, Reinigung und Zentrierung. Die Freiheit, zu denken, zu fühlen und zu sagen, was immer mir durch den Sinn geht, ohne befürchten zu müssen, jemanden damit zu verletzen oder zu enttäuschen. Kreativer Raum, um darin Wünsche und Visionen zu spinnen und in Worte zu kleiden. Das rotglühende Leuchten des Visionspunsches im Kessel aus klarem Glas. Gesänge, Anrufungen und Gebete. Der Rhythmus meines Atems. Klarheit und Frieden.

Nach unserem Ritual habe ich mich so heiter, befreit und gelöst gefühlt wie schon lange nicht mehr. Die Klarheit meiner Visionen hat mich erfrischt und gestärkt. Singend und mit leichtem Herzen kehrte ich heim. Und auch wenn mich schon bald darauf wieder die alte Schwere befiel und ich eine zermürbende, unruhige Nacht hinter mir habe, weiß ich doch, dass meine Kraftquellen alles andere als versiegt sind. Munter und lebendig sprudeln sie vor sich hin und warten nur darauf, dass ich zurückkehre, um mich an ihnen zu laben.

In ihrer Mitte berührt sie die Erde und die Sterne.

Stille Halten.
Sie berührt die Göttin.
Frieden.

21.01.2006 um 10:20 Uhr

Die Macht der Wünsche

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Erster Tag eines zweiwöchigen Lernurlaubs
Musik: Miles Davis - Kind of Blue

"Man kann davon überzeugt sein, sich etwas zu wünschen - vielleicht jahrelang - solange man weiß, dass der Wunsch unerfüllbar ist. Steht man aber plötzlich vor der Möglichkeit, dass der Wunschtraum Wirklichkeit wird, dann wünscht man sich nur noch eins: Man hätte es sich nie gewünscht." (Michael Ende, Die unendliche Geschichte)

"1. Du kannst nur wirklich wünschen, was du für möglich hältst. 2. Du kannst nur das für möglich halten, was zu deiner Geschichte gehört. 3. Nur das gehört zu deiner Geschichte, was du in Wahrheit wünschst." (Michael Ende, Die Zauberschule)

"Bedenke gut, worum du bittest. Die Götter könnten es dir gewähren." (Marion Zimmer-Bradley, Die Nebel von Avalon)

"Indem du drei Wünsche formulierst, gibst du dich als eine ganz bestimmte Person in einer ganz bestimmten Phase des ureigenen Wegs zu erkennen." (Luisa Francia, Drei Wünsche)

Heute Nacht ist es mir wieder bewusst geworden: Wünschen will gelernt sein. Es gibt Wünsche, die tragen wir jahrelang mit uns herum. Wir jagen ihnen nach, ringen mit ihnen und sehnen uns nach nichts mehr als nach ihrer Erfüllung. Doch nichts geschieht. Unseren Wünschen wachsen keine Flügel. Sie bleiben tot und leer und alles, was sie uns lehren, ist die Erfahrung, mit einer tiefen Frustration fertig zu werden. Manchmal liegt das daran, dass wir ihnen nicht erlauben, sich in die Lüfte zu erheben. Wir halten sie derart krampfhaft fest, dass sie überhaupt keine Chance haben, sich zu erfüllen. Doch ebenso gut kann es sein, dass diese Wünsche nicht wirklich zu unserer Geschichte gehören, dass wir im tiefsten Grunde unseres Herzens wissen, dass ihre Erfüllung uns nicht glücklich machen würde, weil sie nicht unserem Wesen entspräche. Wir haben sie uns in den Kopf gesetzt, aber sie wurzeln nicht in unserer Seele.

Ein Wunsch, der einer tiefen, inneren Sehnsucht entspringt, der aus einer Vision unseres innersten Wesens geboren wurde und direkt in unserem Herzen oder - besser noch - in unseren Eingeweiden wurzelt, hat die besten Chancen, sich früher oder später zu erfüllen. Ich habe das mehr als einmal erlebt. Es gab Wünsche, von denen ich einfach wusste, dass sie eines Tages wahr werden würden. Bei manchen dauerte es zehn Jahre und mehr, bei anderen ging es ganz schnell, aber erfüllt haben sich tatsächlich die meisten von ihnen. Andere, deren Verwirklichung ich lange Zeit mit brennendem Herzen und dennoch vergeblich ersehnte, lösten sich irgendwann in Wohlgefallen auf oder verwandelten sich auf unerwartete Weise. Im Rückblick kann ich sagen, dass diese Wünsche nicht zu meiner Geschichte gehörten, sondern Teil eines fremden Drehbuchs waren, das nicht meinem wahren Wesen entsprach.

Besonders bedeutsam sind jene Wünsche, nach deren Erfüllung wir uns einerseits sehnen, die uns aber andererseits auch Angst machen. Bei mir sind das vor allem diejenigen, die mit besonders intensiven, existentiellen Erfahrungen und Veränderungen verbunden sind. Der Wunsch nach einer dauerhaften, langfristigen Bindung zum Beispiel. Oder - mehr noch - der Wunsch nach Kindern. Gestern Abend brachte mich eine beiläufige Bemerkung ganz plötzlich und unerwartet wieder in Berührung mit diesem Wunsch und zu meinem großen Erstaunen flammte auf einmal eine mächtige Sehnsucht in mir auf, wie ich sie schon seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Ich spürte, dass ein Teil von mir sich nichts inniger wünschte als ein Kind, und gleichzeitig kochte eine gewaltige Angst in mir hoch. Etwas in mir fürchtete sich davor, mein freies, ungebundenes und selbstbestimmtes Leben zu verlieren. Und eine andere Seite erschrak vor der Urgewalt meiner eigenen Sehnsucht.

Geburt, Liebe und Tod sind mächtige Pforten der Magie. Jeder Wunsch und jeder Zauber, der uns durch eines dieser drei Tore führt, fordert uns ganz und gar. Wenn wir hindurchgehen wollen, müssen wir bereit sein, uns bis in unsere Grundfeste erschüttern und verwandeln zu lassen. Und danach sind wir niemals wieder die, die wir einmal waren. Je älter ich werde, umso vermessener erscheint es mir, derart existentielle Lebensthemen durch Wünsche in eine bestimmte Richtung lenken zu wollen. Das sind Dinge, die ich ganz der Göttin in die Hände lege. Ich bin bereit, mich ihrer Führung anzuvertrauen, ihrem Ruf zu folgen und mich dem Fluss des Lebens zu überlassen, wohin auch immer er mich tragen mag. Und wenn es soweit ist, werde ich wissen, was zu tun ist.

24.12.2005 um 11:40 Uhr

Zwischen den Jahren

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Vorfreudig, festlich, verwunschen
Musik: Meine Schwester singt gerade die Habanera

Während die christliche Welt in diesen Tagen die Geburt ihres Erlösers Jesus Christus feiert, beginnt für mich mit der heutigen Nacht die Zeit zwischen den Jahren. Zwölf Tage und dreizehn Nächte, die sogenannten Rauhnächte verbinden das alte mit dem neuen Jahr. Der Schleier zwischen den Welten hebt sich und die Frau Percht zieht mit ihrer wilden Jagd durchs Land. Es ist eine verwunschene, magische Zeit, eine Zeit der Geister und der verstorbenen Seelen. Eine Zeit, um den Wohnraum zu räuchern, zu segnen und zu weihen, die Ahninnen und schützenden Geister zu bewirten und zu beschenken und das eigene Haus offen und gastfreundlich zu halten, um auf Besuch aus der Anderwelt vorbereitet zu sein. Idealerweise sollte in dieser Zeit Arbeitsruhe herrschen, so dass die Menschen im schützenden Kreis, in Muße, Fröhlichkeit und Ausgelassenheit beieinander sitzen können, um sich Geschichten zu erzählen oder das Orakel zu befragen.

Für mich beginnt die Rauhnachtzeit heute Abend mit einem Festessen im Kreise der Familie. Meine Schwester hat unsere Wohnung ganz wundervoll geschmückt und wird, da bin ich ganz sicher, eine hinreißende Speisenfolge auf den Tisch zaubern. Leider habe ich in diesem Jahr keinen Urlaub, so dass es mit der Arbeitsruhe wohl nichts werden wird. Aber Besuch werde ich empfangen und darauf freue ich mich schon sehr. Es wäre wundervoll, wenn auch diese Begegnung berührt würde vom Segen der Rauhnachtzeit. An jenen Tagen, an denen meine Schwester nicht da ist, will ich mir Zeit nehmen, unsere Wohnung zu räuchern, und vielleicht werde ich auch die Tarotkarten oder das I Ging hervorholen, um einen Blick auf das kommende Jahr zu wagen.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die diese Zeilen lesen, ein frohes Weihnachtsfest und eine besinnliche und verwunschene Zeit zwischen den Jahren.

19.12.2005 um 21:19 Uhr

Vier der Münzen

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Die ruhige Heiterkeit nach Tai Chi und Pasta mit einer lieben Freundin
Musik: Carl Orff - O Fortuna

"Den Raum einnehmen. Das, was noch als Anfang sehr zart als neue Erfahrung wirkt, kondensiert sich in der Zahl Vier. Es wirkt klar, solide und geordnet. Grenzen werden gezogen. Das Ordnen der Dinge gibt Sicherheit. Notwendigkeit, einen Raum zu begrenzen. Bist du zu stark auf Begrenzungen fixiert, können sie zum Gefängnis werden. Die Schlange ist hier Symbol für Ruhe und Beweglichkeit. Durch sie wird die Starre, entstehend aus dem Festhalten, überwunden. Vier verschiedene Wege liegen in dieser Karte. Der solide, abgegrenzte Raum. Die Sicherheit, die daraus entsteht. Die Macht der Grenzen im Sinne von Schutz und Gefängnis. Die Schlange, die die Begrenzungen überwindet, durch sie kommt etwas in Begegung. Vier im Element Erde: Raum nehmen, Grenzen setzen, sich ordnen, zur Ruhe kommen." (Margarete Petersen, Tarot)

Ich liebe Margarete Petersens Blick auf die Tarotkarten.

19.12.2005 um 10:17 Uhr

Fest der Wintersonnwende

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Ruhig und gelassen
Musik: John Lennon - Happy XMas (War is over)

Dunkelheit umfängt uns. Die Erde hält den Atem an. Die Zeit scheint still zu stehen. Ich spüre meinen Körper, der wohlig und schwer auf dem Boden ruht. Einatmen, ausatmen, Pause. Einatmen, ausatmen, Pause. Ein stetiger, unermüdlicher Rhythmus. Zeichen der Lebendigkeit inmitten des Schweigens. Ich spüre, dass es nichts Wichtigeres gibt als das: Gegenwärtig zu sein im Augenblick und verbunden mit den Quellen meiner eigenen Kraft. Und in den Tiefen meiner Seele beginnt mein Wunsch, Gestalt anzunehmen. Ich suche nach Worten, lasse sie mir auf der Zunge zergehen, spüre ihrem Sinn und ihrer Bedeutung nach. Was will ich wirklich? Welches Thema, welcher Lichtfunke soll mich durch den kommenden Jahreskreis begleiten? Erst als ich mir sicher bin, meinen Wunsch in die richtigen Worte gekleidet zu haben, ist der Augenblick gekommen, ihn zu gebären. Ein Streichholz flammt auf. Das Licht blendet nach all der Dunkelheit. Warm leuchtet die kleine Flamme, die meinen Wunsch begleiten soll. Ich spreche ihn aus. Bekräftige ihn dadurch. Das ist es, was ich will und was ich mir wünsche. So sei es.

Wir singen ein Lied aus eigener Kraft
das uns ein Netz in der Dunkelheit schafft
Sternennetz der Dunkelheit
spinn um die Welt ein neues Kleid

01.11.2005 um 09:30 Uhr

Samhain

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Dankbar und voller Liebe

Ein Kreis aus Steinen. Kerzenlicht. Weißer Rauch steigt auf. Meine Rassel erhebt ihre Stimme. Ich rufe die Elemente, die Göttin, die Ahninnen. Im verwunschenen Raum des magischen Kreises benenne ich Bindungen, die mein Herz daran hindern, sich ganz dem Fluss des Lebens zu überlassen. Mache mich daran, sie sanft und behutsam zu lösen und zu verwandeln. Ich spüre den Zauber - und meine eigene Kraft. Verbundenheit mit mir selbst, mit der Erde, mit Menschen, die meine Seele berührt haben. Der Rauch hüllt mich ein. Kühles Wasser benetzt meine Stirn. Keine Tränen. Heiterkeit und Zuversicht.

Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass ich ein Jahreskreisfest allein gefeiert habe. Es war anders als sonst. Kürzer, improvisierter, aber auch stärker auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und sehr intensiv. Auf eine andere Art intensiv, als wenn wir zu zweit oder gar in einer kleinen Gruppe feiern. Jeder Lebenszustand hat seine eigenen Schönheiten und Kostbarkeiten. Das Alleinsein ebenso wie die innige, vertraute Zweisamkeit oder die Verbundenheit mit einer Gemeinschaft. Noch immer klingen die Ereignisse der letzten Tage in mir nach und ich bin voller Dankbarkeit.

22.10.2005 um 00:01 Uhr

Freyjas Abend

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Heiter, sinnlich, sehnsüchtig
Musik: Gabrielle Roth & The Mirrors - Totem

Heute Abend hatte ich das dringende Bedürfnis, dem Schrecken etwas entgegenzusetzen. Also nutzte ich die Gelegenheit, um die heutige Nacht Freyja zu widmen und in einem kleinen Ritual die Sinnlichkeit meines Körpers und die selbstbestimmte weibliche Lust zu feiern. Ich nahm ein wohlig warmes Bad bei Kerzenlicht und leiser Musik, verwöhnte meine Haut mit Wildrose und Lavendel und begab mich dann in mein Zimmer, um ein wenig zu räuchern, zu rasseln und die Liebesgöttin zu rufen. Ich legte Trommelmusik auf und begann zu tanzen. Schon bald sprudelte die Wärme und Lebendigkeit meiner erotischen Kraft aus meinem Becken empor und strömte durch meine Adern. Natürlich spürte ich daneben ganz leise auch den Schmerz und die unerfüllte Sehnsucht. Meine Wunden sind keineswegs schon verheilt und es ist mir nur selten möglich, meine Sinnlichkeit zu wecken, ohne damit gleichzeitig wehmütige Erinnerungen heraufzubeschwören. Doch genau darum ging es ja in diesem Ritual: Mir selbst eine zärtliche Geliebte zu sein - mit all der Fülle und Kargheit, die ich in mir trage. Und als ich am Ende wohlig schwer in die Kissen sank, musste ich lächeln bei der Erkenntnis, dass auch die sexuelle Beziehung zu mir selbst ihre Höhen und Tiefen kennt, ihre atemberaubenden Sternstunden ebenso wie ihre Alltäglichkeiten. Fast war mir so, als ob Freyja leise lachte...

12.10.2005 um 22:22 Uhr

Heilungsorakel

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Froh und dankbar
Musik: Das Klappern zweier Tastaturen

Der heutige Abend war ein richtiger Schwesternabend. Wir waren gemeinsam im Ostpark spazieren und aßen eine Kleinigkeit in der kleinen Kneipe am Eingang zum Park. Eigentlich wollten wir ins Kino, aber M. hatte solch schlimme Kopfschmerzen, dass wir unsere Pläne kurzerhand änderten. Statt uns "Stage Beauty" anzusehen, gab ich ihr lieber eine Nackenmassage. Die half ihr zum Glück sehr. Doch da ihre Kopfschmerzen im letzten Jahr zunehmend schlimmer geworden waren und teilweise sogar schon die Ausmaße von Migräneanfällen angenommen hatten, beschlossen wir, im Anschluss an die Massage noch das Tarot zu möglichen Hintergründen und Heilungschancen zu befragen.

Im ersten Moment erschienen uns die Karten verwirrend und unpassend. Die Antwort, die sie gaben, wollte sich uns nicht so leicht erschließen. Doch wir ließen uns nicht entmutigen, sondern folgten, nachdem die Zeichen so schwer zu deuten waren, eben den Fragen, die sie aufwarfen. Wir ließen uns von den Schlüsselwörtern und Assoziationen leiten und lauschten darauf, wo und wann sie etwas in uns zum Klingen brachten. Im Laufe unserer Spurensuche erzählte mir M. von so manchen ihrer Sorgen und Nöte. Ich fühlte mich ihr sehr nahe und war ungemein dankbar für ihre Offenheit. Und allmählich entwirrte sich das Rätsel und die sechs Karten, die vor uns lagen, fügten sich zu einem wundervollen, weisen und aufschlussreichen Bild. 

Wie sagte Luisa Francia doch so schön: Es sind die Fragen, die wir uns selbst stellen, die unsere Gärten zum Blühen bringen. Wie wahr!

12.10.2005 um 16:37 Uhr

Magie

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Inspiriert
Musik: Gesangsübungen aus dem Nebenzimmer

Nicht die Antworten, die dir jemand gibt,
sondern die Fragen, die du dir selbst stellst,
bringen deinen Garten zum Blühen.
~ Luisa Francia

Mein Harry-Potter-Tag war vollständig eingebettet in die Lektüre zweier Bücher von Luisa Francia: "Das Gras wachsen hören. Die spirituellen Fähigkeiten des Körpers" und "In den Gärten der Kore. Visionen aus einem weiblichen Universum." Es ist ausgesprochen faszinierend, die unterschiedlichen Vorstellungen von Magie, welche die beiden Autorinnen entwerfen, derart dicht nebeneinander zu erleben.

In der Phantasiewelt der Romanautorin bleibt Magie den "echten" Hexen und Zauberern vorbehalten. Die magische Welt ist eine reine Parallelwelt zu der uns bekannten Alltagswelt, in der ansonsten aber ganz ähnliche Gesetze gelten: Die Kinder lernen das Zaubern auf Schulen mit voll gestopften Stundenplänen, strenger Disziplin und einem Leistungsdenken, das sich gewaschen hat. Es gibt Behörden und Ministerien, die das magische Miteinander regeln, eine kapitalistische Wirtschaftsordnung, eine gestrenge Justiz und eine klare, saubere Unterscheidung von Gut und Böse.

Wie viel anders erscheint demgegenüber das magische Universum, das Luisa Francia beschreibt: Hierarchien, Wettbewerbsdenken und Privatbesitz haben darin ebenso wenig Platz wie Schulbücher und lateinische Zauberformeln. Auch ist die magische Wirklichkeit keinesfalls von der irdischen Alltagswelt getrennt, sondern durchzieht sie vollständig und ist untrennbar mit ihr verwoben. Ja, im Grunde sind beide Welten eins. Magie gilt als Kunst der Kommunikation mit allem, was da ist und uns umgibt. Sie ist Tanz und Gesang, Woge und Energiewirbel, Binden und Lösen, Entdecken und Staunen, Finden und Berühren, Rufen und Lauschen, Wahrnehmen und Träumen.

Natürlich gibt es im magischen Universum auch Gefahren, jedoch keinerlei moralische Wertung. Alles, was ist, hat seine Berechtigung und es geht einzig und allein darum, unseren Blick und unser Gespür zu schärfen, unsere Kraftquellen zu erschließen und unsere Fähigkeiten zu entwickeln, um uns schließlich beherzt den Herausforderungen des Lebens zu stellen und uns von seinen Erfahrungen verwandeln zu lassen.

Luisas Bücher sind jedes Mal wieder eine schier unerschöpfliche Quelle der Inspiration für mich - und das nun schon seit rund zehn Jahren. Wir sind zwar in vielerlei Hinsicht verschieden, sie und ich, und ihre Wahrheit ist nicht immer die meine. Aber ihre Art, das Leben zu betrachten, und ihr Verständnis von Magie und Zauberei berühren mich tief und wecken in mir Wünsche, Sehnsüchte und Visionen. Ich frage mich eigentlich nur, was mich immer wieder davon abhält, ihrem Ruf mit der nötigen Beständigkeit zu folgen.

23.09.2005 um 10:55 Uhr

Mabon - Erntedank

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Herbstmelancholie

Herbst-Tagundnachtgleiche. Licht und Finsternis halten sich die Waage. Der Sommer verabschiedet sich. Die dunkle Zeit des Jahres beginnt. Auf dem hölzernen Tablett in unserer Mitte sind die Symbole unserer diesjährigen Ernte aufgereiht. Bunt und üppig füllen sie den Raum. Zarter Rauch steigt auf. Die Rasseln erheben ihre Stimme. Wir rufen die Elemente und die Himmelsrichtungen und die Göttin der Tausend Namen.

Es ist eine reiche Ernte, die ich in diesem Jahr einbringen darf. Allem voran eine kostbare Liebesgeschichte, auf die ich mich all meinen Ängsten und Verletzlichkeiten zum Trotz im klaren Bewusstsein ihrer Vergänglichkeit eingelassen habe. Eine Liebe, die mir viele, viele Stunden des staunenden Glücks und der atemlosen Euphorie bescherte, die mich tief berührt und verwandelt hat. Doch ich darf sie nicht mit hinübernehmen in den neuen Jahreskreis. Ich lasse sie am Tor zurück, nehme Abschied von all dem Schönen, das uns verband. Meine Tränen fließen. Ich spüre den Reichtum und den Schmerz gleichermaßen. Nein, ich bereue nichts.

Andere Erntegeschenke behalte ich: Meine Wohnung, in der ich mich so wohl fühle und die mir ein echtes Zuhause geworden ist. Die tiefe Freundschaft zu C. und all die anderen alten und neuen Beziehungen in meinem Leben. Meine Erfahrungen auf der Reise zu neuen beruflichen Horizonten. Die schönen Stunden im Kreise meiner Familie. Die Abgabe meiner Doktorarbeit. Ein reiches Jahr. Selbst in der Leere, die nach dem Abschied entstanden ist, liegt eine Verheißung.

C. ist da. Sie ist ebenso bewegt wie ich. Die Erfahrungen reicher Ernte und bitteren Abschieds sind auch ihr vertraut. Wir geben einander Halt, umarmen uns, sind uns nahe. Gemeinsam drehen wir das Rad und folgen dem Ruf der Dunklen Mutter, dem ewigen Kreislauf von Werden, Wachsen, Blühen, Reifen und Vergehen.

Hekate, Cerridwen,
Dunkle Mutter, nimm uns hin.
Hekate, Cerridwen,
Lass uns wiederkehr'n.

16.08.2005 um 10:29 Uhr

Kräuterweihe

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Erster Arbeitstag nach zwei Wochen Urlaub

Wieder einmal ein wunderschöner Ritualabend mit C. Diesmal feierten wir Lammas, das Schnitterinnenfest, die Kräuterweihe. Da wir nur zu zweit sind, bleiben unsere Rituale meistens schlicht und auf das Wesentliche beschränkt. Für beeindruckende Inszenierungen und kraftvolle Tänze und Gesänge fehlen uns die nötigen Mitstreiterinnen. Durch die Nähe und Vertrautheit, die zwischen uns herrscht, entsteht aber eine besondere Intimität, die unseren Ritualen Kraft verleiht. Rose, Schafgarbe, Lavendel, Melisse, Pfefferminze, Rosmarin, Basilikum, Salbei und Frauenmantel waren in diesem Jahr Bestandteil meines Sträußchens. Wir nahmen uns Zeit, die einzelnen Kräuter in Ruhe zu betrachten und uns mit ihnen zu verbünden, ehe wir durch Gesänge und Erinnerungen an Momente der Kraft den Zauber wirkten. Jedes Mal wieder bin ich erstaunt, wie viel Magie und Verwandlungskraft zwischen den Welten lebendig wird. Und es ist schön, das alles mit einer lieben Freundin zu teilen.

22.06.2005 um 21:55 Uhr

Mittsommernacht

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Eine warme Sommernacht. Die Sterne funkeln. Der fast volle Mond geht über den Baumwipfeln auf. Die Balkonbrüstung ist mit Tüchern und Laken verhängt, wir sind gut geschützt vor neugierigen Blicken. Die Nachbarn haben sich bereits in ihre Wohnungen zurückgezogen. Wir sind allein. Ungestört. Das Ritual kann beginnen.

Vor uns auf dem Boden öffnet sich eine Spirale aus Farnkraut, Kieselsteinen, Muscheln und flackernden Windlichtern. Langsam, behutsam beschreite ich den Weg hinein. Halte an den Punkten der vier Himmelsrichtungen inne, um mich mit Erde und Feuer zu verbinden und mich von Wasser und Rauch reinigen zu lassen.

In der Mitte der Spirale konzentriert sich die Kraft. Ich spüre es ganz deutlich. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, mich niederzulassen und nach innen zu lauschen. Ich suche die Quellen meiner Kraft. Die Liebe in meinem Herzen. Und ich spüre ... Sie. Wann habe ich mich zuletzt der Göttin so nahe gefühlt? Sie ist hier. In mir. Oder bin ich in ihr? Innen und außen verschwimmen im Zentrum der Spirale. Ich fühle mich wach und lebendig, ganz und gar eingehüllt in ihre Liebe. Mir ist danach, zu singen. Erst ein Lied. Und dann meinen Namen.

dich berühren heißt erkennen
dich bei deinem namen nennen
wandelt körper, geist und seele

Die letzten Töne verklingen. Stille. Noch eine Weile lausche ich nur meinem Atem, ehe ich aufstehe und wieder dem gewundenen Weg folge. Er führt mich zurück in die Weite, in die Fülle des Lebens. Als ich die Spirale verlasse, begrüßt mich der helle Mond. Die Welt hat mich wieder. Doch den Zauber dieses Rituals nehme ich mit.

20.05.2005 um 13:00 Uhr

Tarot

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Vorfreudig
Musik: Michael Andrews feat. Gary Jules - Mad World

Seit mittlerweile fast zwanzig Jahren befasse ich mich mit Tarot. Ich weiß nicht, wie oft ich die Karten schon gemischt und befragt, gelegt und gedeutet habe - für mich selbst und für andere Menschen. Früher waren es Faszination und Neugier, die mich ständig und in allen möglichen Situationen das Tarot zu Rate ziehen ließen. Jetzt befrage ich die Karten (und Orakel ganz generell) wirklich nur noch, wenn ich ein ernsthaftes Anliegen habe oder mir alleine nicht mehr zu helfen weiß. Meine letzte Frage an das Tarot bezog sich auf die Ängste, mit denen ich mich in den letzten Wochen herumzuschlagen hatte, doch davor ruhten die Karten eineinhalb Jahre lang in meiner Schublade, ohne dass ich ihre Dienste benötigt hätte.

Natürlich ist das Hokuspokus. Natürlich kann ich nicht wirklich erklären, wie und warum Tarot für mich funktioniert. Aber die Karten sprechen zu mir. Die Bilder fließen durch meine Augen in meine Seele und lösen dort weitere Assoziationen, Gefühle und Empfindungen aus. Sie sind wie ein Spiegel dessen, was in mir vorgeht, machen mir Mut, rütteln mich auf, trösten mich oder ermahnen mich zur Klarsicht. Nach meiner Erfahrung sind sie unbestechlich. Sie zeigen mir nicht das, was ich gerne sehen würde, sondern das, was wirklich da ist.

Der interessanteste Teil an einer Tarotsitzung ist das Finden der richtigen Frage. Was genau will ich eigentlich wissen? Was erhoffe ich mir von einer Antwort auf meiner Frage? Wie könnte mir eine solche Antwort weiterhelfen? In jungen Jahren war ich durchaus versucht, hin und wieder Fragen nach der Zukunft oder der richtigen Entscheidung zu stellen. Mittlerweile bin ich da wesentlich zurückhaltender geworden. Die Zukunft ist in ständiger Bewegung, und selbst wenn sie völlig festgelegt wäre - was würde es mir helfen, sie zu kennen? Viel spannender ist da schon die Frage, warum es mir so wichtig ist zu wissen, wie die Dinge sich entwickeln werden. Wovor habe ich Angst? Was versuche ich zu kontrollieren oder nach meinen Vorstellungen zu beeinflussen? Wessen will ich mich versichern?

Auch Entscheidungsfragen habe ich mir abgewöhnt. Da sind mir mein Kopf, mein Bauch und mein Herz doch wesentlich verlässlichere Berater als die Tarotkarten. Die Frage, was am besten zu tun sei, empfinde ich jedoch in manchen Situationen als hilfreich, weil das Tarot mich auf Handlungsmöglichkeiten aufmerksam machen kann, die ich selbst vielleicht gar nicht gesehen hätte. Am liebsten aber ist mir mittlerweile ein Legesystem, das ich einst inspiriert durch das Buch "HeilWeise" von Susun Weed selbst entwickelt habe: Das Heilungsorakel. Es beleuchtet auf der einen Seite die Ursachen und Hintergründe einer schwierigen Situation und gibt auf der anderen Hinweise für eine heilsame Lösung.

Meine liebsten Tarotkarten sind übrigens die von Margarete Petersen. Auch die sind nicht rundum perfekt (es gibt in jedem Deck Karten, bei denen ich es zutiefst bedauere, dass ausgerechnet diese Form der Darstellung gewählt wurde), aber ihr Stil sagt mir ungemein zu. Die Bilder berühren nicht den Verstand, der es gerne hat, klare Symbole präsentiert zu bekommen und diese entschlüsseln zu können, sondern sprechen ganz unmittelbar die Seele an. Außerdem hat sie einige Änderungen vorgenommen, die ich ganz wunderbar finde, etwa die "Schwerter" in "Federn" umbenannt und aus den Königen, Königinnen, Rittern und Pagen eine Familie mit Mutter, Vater, Tochter und Sohn gemacht. Allerdings ist sind die Karten für Anfängerinnen wenig geeignet. Ein wenig Tarot-Erfahrung sollte schon mitbringen, wer sich diesem Deck widmen möchte.

Auch bei der Interpretation der Karten lasse ich mich mittlerweile von Margarethe Petersen inspirieren. Seit einigen Jahren schreibe ich mit unregelmäßigem Engagement an meinem ganz persönlichen Tarotskript. Ich beschreibe die Bedeutung der Karten ganz allgemein und speziell bezogen auf die einzelnen Positionen im Heilungsorakel und nutze dabei ganz unterschiedliche Quellen. Allerdings habe ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Von den großen Arkana warten noch 13 Karten darauf, ausformuliert zu werden, von den kleinen noch 20 und von den Hofkarten immerhin noch 9. Es eilt ja auch nicht. Ich strebe schließlich keine Veröffentlichung an. Es dauert eben solange, wie es dauert.

01.05.2005 um 23:34 Uhr

Beltane

von: Nimien   Kategorie: Magie und Geheimnis

Stimmung: Dankbar. Sehr, sehr dankbar.
Musik: Die Geräusche der Nacht

Schaffelle und meine rotbunte IKEA-Decke auf dem Holzboden meines Balkons, umgeben von Blumenkästen und -töpfen, gut geschützt gegen neugierige Blicke. In der Mitte ein aus Ton gebrannter Kreis von Frauen, die um eine Kerze tanzen. Rote Steine, Muscheln, Schneckenhäuser. Frische Kräuter. Teelichte in rotem Glas, die ein warmes, sinnliches Licht ausstrahlen. Göttinnenfiguren, ein Kelch mit Wasser, bunte Bänder und Räucherwerk. Beltane-Nacht.

Wir waren diesmal nur zu zweit. Die Entscheidung, auf dem Balkon zu feiern, verbot uns auffällige Aktionen und laute Gesänge. Doch wir wurden entschädigt durch die laue Nachtluft, den Sternenhimmel und das Gefühl, ganz im Einklang zu sein mit der uns umgebenden Natur. Innigkeit und Intimität statt wilder, explosiver, nach außen gewandter Energie.

Wieder einmal wurde mir bewusst, was für ein Wunderwerk mein Körper ist. Wie viel ich ihm verdanke, wie viel Kraft und Sinnlichkeit in ihm wohnt - und wie viel Weisheit. Mein Herz, mein Schoß, mein Kopf, mein Bauch, meine Brüste. Meine Hände und Füße. Mund und Nase, Augen und Ohren. Mein Rücken. Ein einziges Wunder. So zartfühlend und lebendig. So weise, so stark, so lustvoll.

Das Segnen und Danken fällt mir im übrigen sehr viel leichter als das Wünschen. Zu groß ist immer noch meine Angst, dass meine Wünsche, ungeschickt formuliert, sich womöglich ins Gegenteil verkehren - oder dass sich der alte Spruch bewahrheitet: "Bedenke gut, worum du bittest. Die Götter könnten es dir gewähren." Außerdem ist mir das Danken im Moment einfach näher als das Wünschen - allen Ängsten, Verletzlichkeiten und Unsicherheiten zum Trotz.