Sternentanz

06.04.2010 um 01:06 Uhr

Außenansicht und Innenansicht

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Glutäugig
Musik: Leonard Cohen - Hey, That's No Way To Say Goodbye

 (c) Gerhard Fraßa/pixelio

Es ist erstaunlich, wie sehr Außenansicht und Innenansicht manchmal auseinanderklaffen. Heute las ich in einem anderen Blog einen Beitrag, in dem es um mich ging. Eine Frau zeichnete nach, was sie hier gelesen hatte. Und das Bild, das sie zeichnete, war vollkommen anders als das, welches ich von meiner Situation habe. Mir ist klar, weshalb sie es so sieht. Ich kann verstehen, dass jemand, der sich rein auf die Informationen in diesem Blog stützt, zu einer derartigen Einschätzung der Sachlage kommen kann. Das Problem dabei ist, dass ich hier stets nur einen Bruchteil der Informationen darlege, die zu dieser Konstellation gehören. Ich ergehe mich in Andeutungen und rudimentären Skizzen, deren Lücken sich mit den wildesten Phantasien füllen lassen. Das macht es unwissenden Beobachtern schwer, das gesamte Bild zu erfassen. Natürlich habe auch ich meine blinden Flecke und sehe manche Dinge vielleicht nicht so klar, wie ich es sollte. Aber soweit kann ich meiner Intuition und Menschenkenntnis schon vertrauen, dass ich nicht gänzlich im Dunkeln tappe.

28.03.2010 um 17:54 Uhr

Warten

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Müde
Musik: Ludwig van Beethoven - Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92 - 2. Allegretto

  
(c) Lysann Morgenstern/pixelio

Warten ist ein Zustand der Untätigkeit, in dem wir Zeit verstreichen lassen, bis ein bestimmter Zustand oder ein Ereignis eintritt. Wir sind dieses Ereignisses gewärtig, d.h. wir erwarten es, rechnen damit, sind darauf eingestellt und halten es für wahrscheinlich. Wenn das, worauf wir gewartet haben, dann wider Erwarten doch nicht eintritt oder sich der erwartete Zeitpunkt nach hinten verschiebt, sich ein ums andere Mal verzögert und hinauszieht, erzeugt das eine lähmende Ruhelosigkeit, eine rastlose Unzufriedenheit, die uns innerlich zerfrisst und aushöhlt. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob wir auf unser Lebensglück, die Frühlingssonne oder eine verspätete Bahnverbindung warten. Der Effekt ist immer der gleiche.

25.03.2010 um 20:18 Uhr

Kuriert

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Bitter
Musik: Leonard Cohen - Waiting For The Miracle

(c) Viktor Schwabenland/pixelio

Das beste Heilmittel gegen überbordende Sinnlichkeit ist kalte Ernüchterung.
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17.03.2010 um 07:51 Uhr

Frühlingserwachen

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Loreena McKennit - Come By The Hills

 (c) Susanne Schmich/pixelio

Nun ist er also da, der Frühling. In meinen Adern fließt er ja schon lange. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt solch einen sinnlichen Hunger, so eine unstillbare Sehnsucht verspürt habe. Natürlich bin ich selbst daran keineswegs unschuldig, denn ich gebe ihr durch geeignete Lektüre, die kontinuierliche Überarbeitung meiner Geschichte und das Schwelgen in erotischen Phantasien beständig Nahrung. Angesichts der Tatsache, dass mein Liebster in der Ferne weilt, ist das nicht unbedingt die vernünftigste Strategie. Natürlich wäre es klüger, mich in der Zwischenzeit eher sachlichen Dingen zuzuwenden, etwa meiner Steuererklärung oder meiner Altersvorsorge oder ähnlich aufregenden Angelegenheiten. Der Frühjahrsputz, den ich kürzlich begonnen habe, ist zur inneren Abkühlung nur bedingt geeignet, da die Hausarbeit auf mich eher anregend wirkt und mich in erstaunlich sinnliche Stimmung versetzt. Aber ich will es ja nicht anders. Letztlich möchte ich auf die warme, wohltuende Lebendigkeit, die mein Verlangen mit sich bringt, gar nicht verzichten. Umso schöner ist es, dass die Natur sich endlich erbarmt und uns ein paar wärmere Tage schickt. Die klirrende Kälte und das ewige Eis wollten so gar nicht zu meinen Seelenregungen passen.

25.02.2010 um 01:09 Uhr

Noch was Inniges

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Katie Melua - Belfast (Penguins And Cats)


(c) Heinrich Tönspeterotto/pixelio.de

"Sehnsucht (mhd. 'sensuht', als 'krankheit des schmerzlichen verlangens') ist ein inniges Verlangen nach einer Person oder Sache, die man liebt oder begehrt. Sie ist mit dem schmerzhaften Gefühl verbunden, den Gegenstand der Sehnsucht nicht erreichen zu können." (Wikipedia)

In diesem Sinne bin ich voller Sehnsucht - dieser Tage mehr noch als je zuvor. Dabei besteht begründete Hoffnung, dem Ziel meiner Sehnsucht schon ganz nahe zu sein. Doch ausgerechnet der Lichtstreif am Horizont macht mich ungeduldig und rastlos. Nun, da ich die Geschichte meiner Sehnsucht fertig geschrieben habe, da sie in kleinen, schwarzen Buchstaben vor mir auf dem Papier liegt, bleibt mir nichts anderes mehr übrig, als mich damit auseinandersetzen, was in meinem Herzen vor sich geht. Und hier fließen die literarische und die reale Sehnsucht ineinander und entfachen ein Feuer, das flammender kaum sein könnte. Schmerzlich und doch schön - und durch und durch lebendig.

13.12.2009 um 22:35 Uhr

Traumverloren

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Sinnlich
Musik: Phil Collins - Another Day In Paradise

 (c) Jens Bredehorn/pixelio

Schon von jeher war ich anfällig dafür, mich gänzlich in emotionalen Erfahrungen zu verlieren. Ob es nun die Begeisterung für das Phantom der Oper, den Herrn der Ringe, den Mann meines Herzens, Internetforen, meinen Beruf, Dr. House, Feng Shui oder meinen Garten ist - ich mache keine halben Sachen. Wenn mich eine Angelegenheit wirklich packt, kann es vorkommen, dass sie mich wochen- und monatelang nicht mehr loslässt. Ich lese alles, was ich über den Gegenstand meines Interesses in die Finger bekommen kann, gucke 25 Folgen derselben Serie hintereinander, tauche völlig ab in virtuelle Welten oder kaufe mir 37 unterschiedliche Fachbücher zum gleichen Thema. Besonders schlimm war es, als ich vor vielen Jahren anfing, schreibend in Phantasiewelten zu versinken. Ich vergaß zu essen und zu trinken, bekam viel zu wenig Schlaf und war für die Anforderungen des Alltags nur noch bedingt zu gebrauchen. Mittlerweile habe ich mich besser im Griff, bin wohl auch wesentlich sicherer im irdischen Dasein verwurzelt als noch vor fünfzehn Jahren. Dennoch passiert es mir von Zeit zu Zeit immer noch, dass mir die Gedanken, Bilder und Tagträume in meinem Kopf vorübergehend realer erscheinen als die mich umgebende Wirklichkeit. Für meine Umwelt ist das bisweilen irritierend, weil ich dann gar nicht richtig da und nur in begrenztem Umfang auf Alltagsdinge ansprechbar bin. Aber ich selbst genieße es in vollen Zügen. Es ist wie ein Urlaub von allen Verpflichtungen und Anforderungen meines Alltagslebens - und das Beste ist: Ich muss dazu nicht einmal meine Koffer packen.

25.11.2009 um 07:17 Uhr

Federleichte Heiterkeit

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Verschlafen, aber guter Dinge
Musik: Loreena McKennit - Banks Of Claudy

 (c) December-Girl/pixelio

Am Wochenende war ich ziemlich traurig, doch zum Glück habe ich wundervolle Freundinnen, die mir Mut zusprechen und mich auf jede nur erdenkliche Weise unterstützen. Es tut gut, so liebevoll getragen zu werden. Auch mein Schatz ist unglaublich lieb zu mir. Er hat mir einen Zotter-Adventskalender ins Büro geschickt, mich mit Liebesworten überschüttet und mich mit seinen neuen Webcam-Tools zum Kichern gebracht. Die erlauben es ihm, sich virtuell eine rosa Perücke aufzusetzen oder seine Nase enorm anwachsen zu lassen. Ich musste so lachen!

Nach der Entmutigung der letzten Tage bin ich wieder zuversichtlich und freue mich auf die Advents- und Weihnachtszeit. Nur meine Wohnung ist immer noch ungeputzt, weil ich in letzter Zeit absolut keinen Elan dafür aufbringen konnte. Ich lerne gerade, damit zu leben, und übe mich in heiterer Gelassenheit. 

23.11.2009 um 07:39 Uhr

Schlaflos

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Müde und schwer

 (c) Lamorna/pixelio

Eine unruhige, allzu kurze Nacht liegt hinter mir. Zweieinhalb Stunden vor dem Weckerklingeln bin ich aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen. Also bin ich schon um fünf Uhr aufgestanden und habe noch ein paar Dinge erledigt, ehe ich aus dem Haus gehe. Aber mit großem Elan bin ich nun nicht gerade unterwegs. Ich hoffe, ich komme halbwegs gut durch den Tag. Zum Glück warten heute keine wichtigen Termine auf mich.

19.11.2009 um 07:20 Uhr

Urlaubsreif

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Müde, gedämpft
Musik: Katie Melua - Shy Boy

 (c) Henning Hraban Ramm/pixelio

Ich habe viel gearbeitet in letzter Zeit. Viele auswärtige Termine, massenhaft Schreibkram und eine Menge zwischenmenschlicher Herausforderungen. Seit Juli hatte ich keinen Urlaub mehr und mein Überstundenkonto wächst weiter an. Selbst als ich kürzlich krank war, bin ich zumindest stundenweise in die Arbeit gegangen, da es ein paar wichtige Entscheidungen zu treffen galt. Der beglückende Ausgleich, den die Besuche meines Liebsten für mich darstellen, blieb mir seit Monaten versagt und die sonst so belebenden Treffen mit einer lieben Freundin waren überschattet von deren großer Not. Vielleicht war ich in der ersten Jahreshälfte aber auch zu gut organisiert, habe zu viele Projekte und Vorhaben in Angriff genommen und zu wenig auf Muße und Nichtstun geachtet. Ich bin müde und erschöpft, möchte mich am liebsten einrollen und drei Tage durchschlafen. Am vergangenen Wochenenden konnte ich mich nicht einmal mehr dazu aufraffen, meine Wohnung zu putzen, geschweige denn meinen Papierkram zu sichten. Gut fünf Wochen muss ich noch durchhalten. Dann wird mir die Zeit zwischen den Jahren endlich die dringend benötigte Auszeit schenken.

11.11.2009 um 23:38 Uhr

Aufräumen

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Friedlich
Musik: Loreena McKennit - Tango to Evora


(c) Thomas Max Müller/pixelio

"Du räumst aber gerade gewaltig mit der Vergangenheit auf!", sagte eine Freundin zu mir. Tatsächlich stolpern dieser Tage gehäuft Begebenheiten vergangener Tage in mein Leben. Offene Fragen finden eine Antwort, lose Enden werden verknotet und so mancher Nebel lichtet sich. Hie und da gilt es, einen Schlussstrich zu ziehen, andernorts darf ich mit warmem Lächeln auf reiche Ernte zurückblicken. Die spannende Frage aber ist: Wozu das alles? Wenn die Geister der Vergangenheit ihren Platz räumen - womit wird das Leben die neu gewonnenen Räume füllen? (Ist ja nicht so, dass ich diesbezüglich keine Ideen hätte. Aber psst, wir wollen es nicht verschreien...)

06.11.2009 um 08:09 Uhr

Durststrecke

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Betrübt
Musik: Barbra Streisand - I Have A Love/One Hand, One Heart

 (c) Dieter Schütz/pixelio

Mein Liebster ist immer noch krank, so dass auch das kommende Wochenende für uns ins Wasser fällt. Mich selbst hatte es diese Woche auch erwischt, doch zum Glück konnte ich mich wieder berappeln. Geblieben ist mir nur ein leichter Schnupfen. Er hingegen hat immer noch Fieber, so dass an eine sechsstündige Zugfahrt gar nicht zu denken ist. Im letzten Dreivierteljahr wurden unsere Geduld und unser Durchhaltevermögen besonders hart auf die Probe gestellt. Schon im Frühsommer hatten wir uns zweieinhalb Monate lang nicht gesehen und diesmal könnten glatt drei Monate ins Land gehen, bis wir einander endlich wieder in die Arme schließen können. Wir entfernen uns immer weiter von unserem einstmals angestrebten Vier-Wochen-Rhythmus. Das liegt vor allem daran, dass ich seit zwei Jahren wesentlich mehr Termine und Verpflichtungen habe als früher. Ich muss meine Verabredungen frühzeitig festlegen, um sie einhalten zu können. Mein Liebster hingegen kann nur sehr kurzfristig planen, so dass es oft schwierig wird, uns aufeinander abzustimmen. Da ist es natürlich umso bitterer, wenn uns am Ende ein Virus einen Strich durch die Rechnung macht. Aber es lässt sich nun einmal nicht ändern. Es bleibt uns nur, geduldig darauf zu hoffen, dass die Zeit der Trennung irgendwann ein Ende haben wird.

20.09.2009 um 20:21 Uhr

Herbstmelancholie

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Wie der Titel schon sagt...
Musik: Loreena McKennit - Beneath a Phrygian Sky

 (c) Siegfried Fries/pixelio

Es ist merkwürdig. Beruflich läuft es gerade gut und erstaunlich stressfrei. Mein Garten erfreut mich mit seiner herbstlichen Pracht. Ich schwelge in schönen Büchern und wohlig warmer Kleidung. Meine Wohnung ist aufgeräumt, sauber und gemütlich. Alles ist wunderbar. Und dennoch bin ich dieser Tage eher gedämpfter Stimmung. Die Sehnsucht hält mein Herz umfangen. Unser Abschied kam in diesem Jahr ungewöhnlich früh und abrupt. Mein Liebster hat sich entschieden, eher als geplant nach Graz zurückzukehren, um dort endgültig die Weichen für unsere gemeinsame Zukunft zu stellen. Mich hat sein Entschluss in einen lähmenden Zustand der Ungewissheit und des Wartens versetzt. Es fällt mir unglaublich schwer, mich zur Umsetzung lang geplanter Vorhaben wie etwa der Durchsicht und Neuorganisation meines Papierkrams aufzuraffen. Die Briefe an liebe Freunde, die ich schon so lange verfassen wollte, bleiben ungeschrieben. Selbst mein Tagebuch rühre ich kaum an. Mein Elan reicht gerade für die Notwendigkeiten des Alltags, für Routinearbeiten und kleinere Pflichten. Ich bewege mich in einem nebulösen Zwischenraum, der sich aus Wehmut und Abschied nährt. Der Sommer geht zur Neige, die feuchte Herbstluft lässt mich frösteln und die letzten warmen Sonnenstrahlen sind nur ein schwacher Trost, weil ich sie allein genieße. Ich kann mir nicht helfen. Ich vermisse ihn.

Astern - schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du -
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu.

Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

~ Gottfried Benn

26.06.2009 um 21:05 Uhr

Urlaubsreif

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Verhalten
Musik: Frances Black - The Weakness In Me


(C) Stephanie Hofschlaeger/pixelio

Ich bin müde. Es war ein anstrengender Tag und ich habe zu wenig geschlafen. So beglückend und erfüllend mein Beruf auch ist, brauche ich doch dringend mal eine Auszeit. 14 Tage sind es noch bis zu meinem Urlaub. Drei Wochen lang ausschlafen, in den Tag hinein leben, die Seele baumeln lassen. Drei Wochen Zeit für meinen Garten, meine Wohnung, meine Tagebücher, meine Stadt - und für meinen Liebsten. Seit Ostern haben wir uns nicht mehr gesehen. Die Durststrecke war lang diesmal und allein die Aussicht, dass diese Fernbeziehung nun bald ein Ende haben wird, hat mich geduldig ausharren lassen. Ich hoffe so sehr, dass er diesmal den Absprung schafft. Ich hoffe es von ganzem Herzen.

08.01.2009 um 23:00 Uhr

Zu viel Hirn, zu wenig Zeit

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Nachdenklich und ein wenig schwermütig
Musik: Mary Black - Just A Journey

 (c) schemmi/pixelio.de

Unzählige Gedanken, Ideen, Eindrücke und Impulse schwirren tagtäglich durch meinen Kopf. Viele davon inspirieren und berühren mich, entflammen meine Begeisterung und wecken in mir den Wunsch, mich eingehender mit ihnen zu befassen oder sie gar in greifbare Realität zu verwandeln. Doch da mein Antrag auf einen 36-Stunden-Tag auch beim letzten Anlauf wieder ohne Angabe von Gründen abgelehnt wurde, fehlt mir oft die Zeit, die Inhalte meiner geistigen Eingangskörbe konsequent weiterzuverfolgen. Meist landen sie auf irgendeiner To-Do-Liste, wo sie dann allmählich ranzig werden und Spinnweben ansetzen oder - schlimmer noch - mein ewiges Hamsterrad antreiben und mich rastlos, hektisch und unzufrieden machen. Es fällt mir so schwer, aus der bunten Vielfalt auszuwählen und mich nur auf das Wesentliche zu beschränken. Ach, wie sehr sehne ich mich bisweilen nach einem klösterlichen Leben, nach einer klaren Tagesstruktur, einer reizarmen Umgebung und viel Zeit, die sorgsam ausgewählten Eindrücke in aller Ruhe zu durchdringen! Nötiger als alle Wohnungsentrümpelungsaktionen brauche ich dieser Tage einen geistigen Hausputz, eine Entlüftung meines Hirns, eine Defragmentierung meiner Festplatte. Doch das Löschen und Wegschmeißen gedanklicher Fundstücke fällt mir schwer. Mehr noch als an allen materiellen Besitztümern hängt an ihnen mein Herz. 

12.12.2008 um 21:03 Uhr

Urlaub *seufz*

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Traurig
Musik: Kate Bush - Moments of Pleasure

 (c) cheelz/pixelio.de

Morgen beginnt mein Weihnachtsurlaub. Und eigentlich hätte morgen auch mein Liebster anreisen sollen. Aber leider ist ihm nun kurzfristig etwas Wichtiges dazwischen gekommen und er wird bis Dienstag noch in Graz bleiben müssen. Ich selbst habe ihm zugeraten, der Pflicht den Vorrang zu geben, und bin mir auch sicher, dass das richtig war. Trotzdem macht es mich traurig. Ich bin so urlaubsreif wie schon lange nicht mehr, bis obenhin angefüllt mit sorgenvollen Gedanken und Grübeleien. Es wäre einfach schön gewesen, von Beginn an in Nähe und Zweisamkeit zu versinken und an nichts anderes mehr zu denken. Aber es lässt sich nun mal nicht ändern und so werde ich nun das Beste daraus machen. Vielleicht tut es mir ja ganz gut, ein paar Tage für mich zu sein und erst mal in aller Ruhe bei mir selber anzukommen.

30.11.2008 um 18:29 Uhr

Winterruhe

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Ruhebedürftig
Musik: June Christy - It Don't Mean A Thing (If It Ain't Got That Swing)

 (c) soquett/pixelio.de

Ich bin müde. Heute erst merke ich, wie sehr die vergangenen Tage mich angestrengt haben. Am liebsten würde ich mich auf meinem Sofa einkuscheln und Winterruhe halten. Nichts mehr hören, nichts mehr sehen und einfach durchschlafen, bis in zwei Wochen mein Liebster nach München kommt. Natürlich geht das nicht. Gerade die Zeit bis zu meinem Urlaub ist noch angefüllt mit zahlreichen Verpflichtungen und Terminen, die mir sehr am Herzen liegen. Doch ich spüre mein Bedürfnis nach Ruhe so deutlich wie schon lange nicht mehr. Herunterschalten, langsamer werden, meinen ureigenen Rhythmus wiederfinden - das ist es, wonach ich mich sehne.

29.11.2008 um 19:58 Uhr

Der große Knall

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Zufrieden
Musik: Sheena Easton - For Your Eyes Only


(c) Marco Barnebeck/pixelio.de

Das war sie nun also, die lang erwartete Konfrontation. Sie fiel genauso hässlich aus, wie ich es befürchtet hatte. Wenn dein Gegenüber fast eine Stunde lang Gift und Galle über dich auskippt, hilft nur noch eine schmutzabweisende Schutzhülle. Die meine hat sich zu meinem großen Erstaunen sehr bewährt. Gefertigt war sie aus dem Vertrauen in meine Kompetenz, der Freude über das, was wir gemeinsam gestaltet haben, und dem Wissen um die Persönlichkeit meiner Gegnerin. Ich habe es geschafft, nichts von dem, was sie sagte, persönlich zu nehmen, sondern jede einzelne ihrer Beschimpfungen als das zu erkennen, was sie war: Ausdruck ihrer Herrschsucht und ihrer akuten Bedrängnis. Wer es ein Leben lang gewohnt war, den Kurs zu bestimmen, der verträgt es nur schlecht, plötzlich Grenzen gesetzt zu bekommen.

Ich will gar nicht behaupten, dass ich die Schlacht gewonnen habe. Es gab in diesem Gefecht keine Sieger. Doch mein Ziel war nicht der Sieg. Mein Ziel war es, den Sturm unbeschadet zu überstehen, und das habe ich ohne Frage geschafft. Ich fühle mich wie nach einem reinigenden Gewitter: heiter, klar und gelassen. Die Fronten sind geklärt. Es gibt nichts mehr zu befürchten, denn schlimmer kann es nicht mehr werden. Nun kann ich stolz und mit erhobenem Kopf die nächsten Schritte gehen und mit großer Entschlossenheit tun, was notwendig ist.

21.11.2008 um 21:42 Uhr

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Müde
Musik: Sarah McLachlan - Full of Grace

 (c) Karin Wuelfing/pixelio.de

"Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen." (Michael Ende)

Dieser Tage habe ich viel zu oft "keine Zeit". Zumindest empfinde ich es so, es stimmt natürlich nicht wirklich. Meine Tage haben nach wie vor 24 Stunden, und meine Woche umfasst sieben Tage. Doch diese reichen nicht annähernd aus, um alle Facetten meiner Seele gleichermaßen zu nähren. So vieles spukt mir im Kopf herum, das ich gerne tun würde, doch es gelingt mir lediglich einen Bruchteil davon umzusetzen. Dabei würde ich keineswegs sagen, dass ich meine Zeit sinnlos vergeude oder sie an Aktivitäten verschwende, die mir keine Freude bereiten. Mitnichten: Da mich mein Beruf sehr erfüllt, verbringe ich einen Großteil des Tages mit Herzensangelegenheiten - und auch in den verbleibenden Stunden tue ich mir genug Gutes. Das Problem ist eher, dass mein Geist tagtäglich mehr Impulse und Inspiration empfängt, als ich in einer Woche meines Alltagslebens auch nur annähernd verarbeiten kann. Manchmal sehne ich mich nach einer kleinen Auszeit: einem geschenkten Monat, um all die Gedanken, Bilder und Vorstellungen in meinem Hirn aufs Papier fließen zu lassen und sie in Ruhe und Muße zu ordnen und daraufhin zu überprüfen, ob sich aus ihnen brauchbare Lebensgewohnheiten machen lassen. Vielleicht würden ja schon ein oder zwei Wochen genügen, um meinen Verstand auszulüften. Doch leider habe ich dafür keine Zeit, denn meine weihnachtlichen Urlaubstage sind wie immer für meinen Liebsten reserviert (und das von Herzen!). So ist mein empfundener Zeitmangel letztlich eine Folge der Prioritäten, die ich in meinem Leben gerade setze. Hier und heute stürze ich mich mitten hinein ins aktive Tun, in meinen Beruf, meine Partnerschaft und die Notwendigkeiten des Alltags. Kontemplation, Reflexion und Nabelschau müssen demgegenüber zurücktreten. Und bei aller Sehnsucht, die das in mir weckt, hat es doch auch sein Gutes: Ich habe kaum noch Zeit, um mir Sorgen zu machen.

17.11.2008 um 23:00 Uhr

Weltliche Tage

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Novemberneblig
Musik: Judy Garland & Barbra Streisand - Get Happy/Happy Days Are Here Again


(c) dirk s. triebel/pixelio.de

Dieser Tage gibt es wenig Raum für Spiritualität in meinem Leben. Beruflich bin ich sehr stark eingespannt, und wenn ich abends nach Hause komme, steht mir der Sinn eher nach weltlicher Zerstreuung. Ich verbessere die spröde Beziehung zu meinem Fernseher und erfreue mich an Büchern über Gartengestaltung, Innenarchitektur und Schriftstellerei. Wenn es mich zu besinnlicheren Aktivitäten hinzieht, wartet schon mein Tagebuch auf mich. Für Yoga, Meditation, Orakel oder Rituale bleibt da nur wenig Platz. Ich habe auch gar kein Bedürfnis danach. Andere Dinge sind mir im Augenblick wichtiger und liegen mir mehr am Herzen. Es fühlt sich gerade rundum stimmig so an, wie es ist. Alles hat seine Zeit, und die Quellen meiner Spiritualität sind keineswegs verschüttet, sondern schlummern nur. Wann immer mir der Sinn danach steht, kann ich sie wiederbeleben und von neuem aus ihnen schöpfen. Und wer weiß, vielleicht ist auch dieses Wissen schon eine Art von Spiritualität.

08.11.2008 um 09:28 Uhr

Konfrontation

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Aufgewühlt
Musik: Katie Melua - Blame It on the Moon

 (c) Ernst Rose/pixelio.de

Lange Zeit schwelte der Konflikt unter der Oberfläche, war nur schwer zu greifen und überdeckt von geheuchelter Harmonie, so dass ich phasenweise schon an meiner Wahrnehmung zu zweifeln begann und mich für übertrieben paranoid hielt. Doch seit gestern ist es offenkundig: Das, was seit Wochen und Monaten nur subtil spürbar war und von Gerüchten aus zweiter Hand genährt wurde, kam endlich ans Tageslicht. Nun liegt es offen ausgesprochen da und ich weiß, woran ich bin. Ich mache mir gar keine Illusionen, was den weiteren Fortgang der Ereignisse betrifft. Mir ist klar, dass schwierige Zeiten und belastende Auseinandersetzungen auf uns zukommen. Das wird kein Spaziergang, sondern eine echte Herausforderung. Und dennoch bin ich erleichtert. Seit gestern habe ich keinerlei schlechtes Gewissen mehr, wenn ich Grenzen setze, sondern bin mir sicher, dass mir keine andere Wahl bleibt, wenn ich uns und unsere Arbeit schützen möchte. Ich sehe klar und verspüre eine berechtigte Wut, die mich zwar aufwühlt und mir den Schlaf raubt, mich aber auch stärkt und ermutigt für das, was vor mir liegt. Außerdem fühle ich mich bestens unterstützt von all den kraftvollen, wunderbaren Frauen, die mich umgeben - und von einem Mann, dessen Klarheit und natürliche Autorität mir immer wieder Halt gibt. Was auch immer da kommen mag: Ich bin bereit.