Sternentanz

03.11.2005 um 00:20 Uhr

Briefe und e-Mails

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Froh und dankbar

Aller guten Dinge sind drei und so beschließe ich den heutigen Abend noch mit einem dritten Weblogeintrag. Ich werde im Augenblick nämlich reich beschenkt mit Briefen (und der Einfachheit halber zähle ich e-Mails auch dazu). Menschen, von denen ich schon eine ganze Weile nichts mehr gehört habe und die ich teilweise auch gar nicht so gut kenne, melden sich bei mir, um zu fragen, wie es mir geht. Manche - so zum Beispiel eine liebe Freundin, deren Mail hier eintrudelte, während ich meinen Männer-Beitrag verfasste - erzählen mir bewegende Geschichten aus ihrem Leben. Andere, zu denen ich gerade erst Kontakt knüpfe, enthüllen mir Zeile um Zeile die Kostbarkeiten ihrer persönlichen Welt. Und ein Freund schickte mir dieser Tage gar 17 Seiten, in denen so viel Liebes und Herzerwärmendes stand und bei deren Lektüre ich mich so sehr geschätzt und gesehen fühlte, dass ich den ganzen Tag mit einem strahlenden Gesicht durch die Gegend lief. Nicht zuletzt empfinde ich auch die Kommentare, die einige von euch hier und andernorts bei blogigo hinterlassen, immer wieder als Geschenk. Ich bin so dankbar für all den Reichtum, den ihr tagtäglich über mir ausschüttet.

02.11.2005 um 23:07 Uhr

Männer

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Berührt und bewegt

"Willst du uns mit der Tatsache, dass du direkt nach deinen Gedanken zum Thema Kinder einen Beitrag über Männer veröffentlichst, vielleicht irgendetwas sagen?", werdet ihr jetzt womöglich fragen. Die Antwort lautet jedoch: Nein. (Auch wenn ihr natürlich gerne tiefenpsychologische Betrachtungen darüber anstellen dürft.) Mit den Gedanken, die ich hier zu Papier - bzw. auf den Bildschirm - bringen möchte, trage ich mich schon seit dem Wochenende, finde allerdings erst jetzt die nötige Muße, sie auszuformulieren.

Anlass für meine Überlegungen war die Tatsache, dass bei unserem Wochenendseminar mal wieder ein deutliches Übergewicht an Frauen herrschte. Von den 18 Personen im Raum waren nur fünf Männer - und einer davon war Seminarleiter. Drei der vier verbleibenden männlichen Teilnehmer wiederum erklärten, dass sie einzig und allein wegen ihrer Ehefrauen hier seien - entweder weil diese darauf bestanden hätten, dass sie teilnähmen, oder weil sie herausfinden wollten, ob das, was ihre Frauen so treiben, Anlass zur Beunruhigung bietet. Und das, obwohl wir schon am ersten Abend erfuhren, dass man in vielen Kulturen der Ansicht gewesen sei, dass Männer Initiationsrituale wesentlich nötiger hätten als Frauen (weil letztere durch das Einsetzen der Menstruation oder bei der Geburt ihrer Kinder durch natürliche Initiationsprozesse gehen).

Wieder mal typisch, dachte ich seufzend und mit großem Bedauern. Es machte mich traurig, erneut mit solcher Deutlichkeit vor Augen geführt zu bekommen, dass es nur wenige bewusste Männer gibt, während die meisten noch immer in den alten, ausgetretenen Pfaden des Männlichkeitsklischees dahintrotten. Aber wie ihr ja alle wisst, war es ein Wochenende voller Wunder und so wollte das Leben es nicht zulassen, dass ich mich selbstzufrieden in meinem kleinen Käfig aus Vorurteilen verbarrikadiere.

Zu meinem großen Erstaunen ließen sich alle anwesenden Männer mit derselben Offenheit auf die Medizinwanderung und den anschließenden Austausch in der Runde ein wie die Frauen. Ganz besonders berührt hat mich einer, von dem ich das nach unserer Eröffnungsrunde am ersten Abend niemals erwartet hätte. Er erzählte uns seine Geschichte - sowohl seine persönliche Geschichte, als auch seine Erfahrungen auf der Wanderung - und im Spiegel unserer Seminarleiter (übrigens ein Mann und eine Frau) geriet beides zu einer wundervollen und anrührenden Liebesgeschichte.

Warum nur hatte ich die Schönheit der Seele dieses Mannes vorher nicht gesehen? Hatte ich mich wirklich von seinem Beruf und seiner schlichten, männlichen Fassade täuschen lassen? Ich war zutiefst bewegt und auch ein wenig beschämt angesichts meiner tiefsitzenden Vorurteile. Offenbar hatte er gemerkt, dass ich seiner Geschichte mit besonderer Aufmerksamkeit zugehört hatte, denn schon beim Erzählen hielten wir über weite Strecken Blickkontakt. Anschließend kam er noch zu mir herüber zu einem kurzen Gespräch und ich empfand dies als eine echte, nahe Begegnung von Herz zu Herz.

Nur damit hier erst gar keine Spekulationen entstehen: Er ist verheiratet und hat drei Kinder und ich rede nicht davon, dass ich mich verliebt habe. Ich spreche einfach nur davon, dass ein ganz normaler Mann mich tief beeindruckt hat, weil er sich mit all seinen Gedanken und Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten offen und ehrlich gezeigt hat. Seine Worte waren schlicht und man merkte ihm an, dass er das alles nicht gewohnt war. Aber vielleicht war es deshalb nur umso anrührender. Und ich sitze nun hier und frage mich, in wie vielen Männern sich eigentlich solch ein zartfühlendes Herz verbirgt, ohne dass es mir je aufgefallen wäre.

(Anmerkung: Bei der Suche nach passenden Bildern für meinen Beitrag bin ich auf eine verblüffende Homepage gestoßen. Ich kann sie allen, die sich mit Geschlechterklischees und den Schubladen in unseren Köpfen auseinandersetzen wollen, nur wärmstens empfehlen: Wie muss mann sein?)

30.10.2005 um 23:01 Uhr

Wochenende voller Wunder

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Berührt, beglückt, bewegt und reich beschenkt
Musik: Das Singen und Summen meines eigenen Herzens

Was für ein wunderschönes, wundervolles, beglückendes, anrührendes Wochenende! Es begann damit, dass ich mich am Freitag Mittag in Haidhausen mit C. zum Essen traf und wir in dem kleinen Gasthaus "Zum Kloster" in der Sonne saßen, uns Ravioli mit Parmesan und Salbeibutter schmecken ließen und uns in ein Gespräch vertieften, das für mich die große Nähe zwischen uns wieder einmal deutlich spürbar werden ließ. Nach einer Weile setzte sich eine alte Frau zu uns, die uns erzählte, dass sie im Haus gegenüber wohne und dort auch geboren sei. 92 Jahre war sie alt. Angesichts der Verschiedenartigkeit unserer Lebensläufe und Lebenssituationen war es schön, in diesem Moment am selben Tisch zu sitzen und miteinander zu reden. Später bummelten C. und ich durch die Straßen und schnupperten in ein paar Läden hinein. In einem wunderbaren Papierladen, den ich mir auf jeden Fall merken werde, erstand ich ein paar ausgefallene Karten, die ich wie einen Schatz in meiner Tasche verstaute. Und die ganze Zeit genoss ich die Sonne und die Nähe meiner lieben Freundin und fühlte mich heiter und unbeschwert und einfach da.

C. begleitete mich dann noch zum Ostbahnhof, von wo aus ich den Zug Richtung Süden nahm, um an einem Seminar über Naturerfahrung und Visionssuche teilzunehmen. Ich freute mich auf dieses Wochenende, doch als ich die Fahrt dorthin antrat, ahnte ich noch nicht im geringsten, wie sehr es mich bewegen und berühren sollte. Die Menschen, die ich dort traf, - jene, die an der Gruppe teilnahmen, und die beiden, die das Seminar leiteten, - die Begegnung mit der Natur, das Erleben von Gemeinschaft, das Geschichtenerzählen - all das rührte an die meine Seele und brachte sie zum Klingen. Schon lange habe ich mich an einem fremden Ort nicht mehr so zu Hause gefühlt. Mehr als einmal stiegen mir die Tränen in die Augen, doch entsprangen sie nicht der Verzweiflung, sondern kamen mitten aus meinem Herzen. Ich fühlte mich gesehen und geachtet und gewürdigt wie nur selten zuvor bei einer solchen Veranstaltung (und ich habe schon so einige erlebt). Und genau das machte es mir leicht, auch die anderen im Raum zu sehen und zu würdigen. Was für ein kostbares, einzigartiges Geschenk!

Ich kann und will die Einzelheiten dieses Wochenendes hier gar nicht ausführen. Sie gehören zu jenen Erfahrungen, die achtsam und zärtlich gehütet werden wollen. Aber ich weiß, dass ich in den vergangenen Tagen einen Ruf vernommen habe - einen Ruf, der völlig überraschend für mich kam und von dem ich noch nicht genau weiß, was er bedeutet und wohin er mich führen wird. Mein Gefühl ist, dass sich auf einmal ganz viele Türen geöffnet haben, durch die ich gehen kann, wenn ich will - und sie werden noch eine ganze Weile offen sein und auf mich warten. Das ist ein Glück, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Und wie um das Wochenende abzurunden, klang der heutige Tag aus mit einem sehr schönen Telefonat über Liebesfreud' und Liebesleid und die Erfüllung, die darin besteht, der Stimme des eigenen Herzens zu folgen. Eigentlich fällt mir nur ein einziges Wort zu all dem ein: DANKE!

16.10.2005 um 10:31 Uhr

"Lass uns Freunde bleiben..."

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Wohlige Wärme und Vertrautheit
Musik: Nebenan läuft der Fernseher

Er ist der einzige Mann, den ich je geliebt habe, der heute noch Teil meines Lebens ist. Alle anderen kamen und gingen. Außer ihm blieb keiner. Eine langjährige Freundschaft verbindet uns und die Tatsache, dass ich seinetwegen einst an gebrochenem Herzen litt, entlockt mir heute nur noch ein Kopfschütteln und ein ungläubiges Lächeln. Ich mag ihn sehr, fühle mich wohl in seiner Nähe, spüre aber auch jedes Mal, wenn wir uns sehen, wie unglaublich verschieden wir sind. Habe ich das damals nicht gesehen?

Unsere Lebensrhythmen, unsere Art, den Alltag zu gestalten, unsere Vorlieben und Eigenarten und auch die Themen, die uns beschäftigen, weisen kaum Berührungspunkte auf. Er liest andere Bücher als ich, lacht über andere Witze und begeistert sich für andere Dinge. Nur selten ergeben sich längere Gespräche zwischen uns und wir bevorzugen unterschiedliche Freizeitbeschäftigungen. Alles, was uns verbindet, ist die Zuneigung, die wir füreinander empfinden. Es ist einfach schön, dass er da ist. Ich genieße es, ihn zu berühren, ihn in den Arm zu nehmen und seine Nähe zu spüren. Nur wie ich ihn je für den Mann meines Lebens halten konnte, ist mir heute völlig unbegreiflich.

27.09.2005 um 22:08 Uhr

Post

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Heute kam Post von ihm. Ein Buch, das ich ihm einst geliehen hatte, und ein paar Zeilen in seiner Handschrift. Seine Worte waren freundlich, verhalten und hilflos. Die zärtliche Nähe, die uns einst verband, ist einer unermesslichen Distanz gewichen. Er spürt das offenbar ebenso stark wie ich. Es liegt in der Natur der Dinge und wir haben beide unseren Anteil daran. Dennoch tut seine Sprachlosigkeit mir immer noch weh.

26.09.2005 um 20:26 Uhr

Strahlen

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Gelöst und entspannt

"Du hattest das ganze Wochenende über so ein Strahlen an dir, dass ich dich am liebsten immer wieder in den Arm genommen hätte. Selbst wenn du weinst, fühlt es sich bei dir völlig stimmig und natürlich an. Manchmal fällt es mir auch heute noch schwer, mit deiner unerschütterlichen Freundlichkeit umzugehen. Du bist völlig anders als alle anderen Menschen, die ich kenne."

Das waren - sinngemäß zusammengefasst - die Aussagen des jungen Mannes, der übers Wochenende bei mir zu Besuch war. Ich kenne ihn seit über einem Jahr, doch getroffen hatten wir uns vorher noch nie. Als ich seine Worte hörte, war ich völlig perplex. Ein Strahlen? Ich? Ausgerechnet in diesen Tagen? Es gab auch an diesem Wochenende traurige Momente für mich und mehr als einmal kamen mir die Tränen - auch in seinem Beisein. Ich selbst fühlte mich ganz und gar nicht strahlend, sondern eher verhalten, bedrückt und wortkarg, ja, fast ein wenig abweisend. Ich hatte unserem Treffen mit großer Skepsis entgegengesehen und mir das Recht ausgebeten, mich jederzeit ins Alleinsein zurückzuziehen, falls mir danach sein sollte. Und dieses Recht habe ich am Samstag auch eingefordert. Nein, ich war alles andere als eine liebevolle, aufmerksame Gastgeberin, sondern im Gegenteil sehr mit mir selbst beschäftigt. Was also war es, das er in mir gesehen hat? Es ist mir ein Rätsel.

18.08.2005 um 09:59 Uhr

Innehalten

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Traurig
Musik: Faun - Isis

Gestern Abend sagte mir eine Klientin kurzfristig ab, so dass ich vor meinem nächsten Termin eine gute Stunde Zeit hatte. Ich nutze diese, um zur Theresienwiese zu schlendern und mich dort unter den Linden auf eine Bank in die Abendsonne zu setzen und eine wenig Tagebuch zu schreiben. Das war wunderschön. Ich fühlte mich heiter, ruhig, gelassen und rundum wohl mit mir selbst. Leider gibt es solche Momente in meinem Leben derzeit viel zu wenig. Meist bin ich unruhig, lustlos, unzufrieden, missmutig und breche beim kleinsten Anlass in Tränen aus. Irgend etwas stimmt nicht.

Ich vermisse meine Freunde. Es gibt so viele liebe Menschen in meinem Leben, aber bis auf C. sind sie in alle Himmelsrichtungen verstreut. Im Grunde bin ich hier in München ziemlich einsam. Meine Kontakte beschränken sich - von den Begegnungen mit C. einmal abgesehen - fast ausschließlich aufs Forum oder auf meine Familie, letzteres aber auch sehr viel seltener als früher. Dabei genieße ich es so, mit lieben Menschen zusammen zu sein. Wehmütig erinnere ich mich an meine Studienzeiten, als wir uns im kleinen Freundeskreis regelmäßig trafen, um gemeinsam zu kochen, zu reden, spazierenzugehen, zu singen oder einander Geschichten vorzulesen. Oder an die Zeit in Simbach, als ich im Kreise meiner Kolleginnen und Kollegen ebenfalls einige tolle Menschen um mich hatte. Selbst meine Anfangszeit in München war alles andere als einsam, weil ich mich in der kleinen Gemeinschaft, in der ich damals lebte, rasch heimisch fühlte. Als es jedoch später zum Bruch kam, weil ich mich den Dogmen, die dort herrschten, nicht mehr länger beugen wollte, verlor ich damit auch ein soziales Netz. Und seit meinem Umzug und mehr noch seit dem Abschied meiner Schwester bin ich viel allein.

Aber wo finde ich Freunde? Letztlich ist es mit ihnen doch wie mit der Liebe: Du kannst sie nicht suchen. Sie sind ein Geschenk. Und in meinem Alter scheinen sie immer seltener zu werden. Es fällt mir schwer, überhaupt in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen. Ich arbeite meist bis um sechs oder gar länger und bin dann oft zu müde, um mich noch ins Getümmel zu stürzen. So gesehen war das Internet lange Zeit für mich eine ideale Alternative. Aber die Menschen, die mir dort mittlerweile am meisten ans Herz gewachsen sind, sind wiederum alle verdammt weit weg - und hier vor Ort bin ich weiter allein.

21.07.2005 um 10:04 Uhr

Menschen

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Dankbar
Musik: Das Ticken der Uhr - Hundegebell - das Rauschen des Windes in den Bäumen

Ich mag Menschen. Nicht unbedingt, wenn sie in der anonymen Masse auftreten. Aber einzelne Menschen mit ihren individuellen Geschichten, Nöten und Ängsten, Freuden und Leiden mag ich ungemein. Von daher habe ich einen genialen Beruf, denn er erlaubt mir, mit vielen unterschiedlichen Personen auf eine sehr tiefe und unmittelbare Weise in Kontakt zu treten. Immer wieder berührt und bewegt es mich, wenn hinter der Fassade aus Höflichkeit und Konventionen ein lebendiger Mensch mit seiner facettenreichen Geschichte zum Vorschein kommt.

Gestern hatte ich einen wunderschönen Tag, angefüllt mit zauberhaften menschlichen Begegnungen. Am Morgen übte ich mit den jungen Frauen in unserer Gruppe Erdung, Bodenkontakt und sicheren Stand. Später begleitete ich sie auf eine kleine Reise durch ihren Körper, auf der viele von ihnen im Reich der Tiefenentspannung und auf der wohltuenden Schwelle zwischen Wachen und Schlafen landeten. Bäuche blubberten und gurgelten in trauter Harmonie und danach blickte ich in entspannte, strahlende Gesichter.

Später am Nachmittag hatte ich noch zwei Einzeltherapiesitzungen - eine mit einem Mann und eine mit einer Frau. Und soll ich euch etwas sagen? Im Herzen sind die beiden Geschlechter sich viel ähnlicher, als es immer behauptet wird. Wir alle sehnen uns im Grunde nur danach, so angenommen und geliebt zu werden, wie wir nun einmal sind - mit all unseren Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen, Kleinlichkeiten und Großartigkeiten. Lediglich die Korsette, in die sich Männer und Frauen auf der Suche nach Liebe pressen lassen, sind verschieden.

Der Abend gehörte dann C., mit der ich mich nach Feierabend im "Rothmund" traf. Wir sprachen über unsere Herzen und ihre Sehnsüchte, über den unermesslichen Mut, den es manchmal erfordert, ehrlich und wahrhaftig zu sein, über den Tanz der Geschlechter und darüber, wie schön und heilsam, aber auch wie grausam und zerstörerisch Sexualität sein kann. Gemeinsam liefen wir durch das nächtliche München, durchs Glockenbachviertel und die Au bis zum Rosenheimer Platz, wo ich mich schließlich verabschiedete und in die S-Bahn stieg. Erfüllt von unseren vertrauten Gesprächen und unendlich dankbar für eine solche Freundin fiel ich abends in mein Bett, um tief und fest zu schlafen bis zum Morgen.

08.07.2005 um 11:14 Uhr

Frauen, Schwestern, Freundinnen

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Traurig und wehmütig
Musik: Herbert Grönemeyer - Mensch

Eine sehr liebe Freundin war bei mir zu Besuch. Während des Studiums haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Ich erinnere mich noch gut an unsere stundenlangen Gespräche, gemeinsamen Spaziergänge und die Rituale und Jahreskreisfeste, die wir zusammen gefeiert haben. Wir haben einander durch Höhen und Tiefen begleitet und so viele unserer Geschichten miteinander geteilt, dass wir dadurch unsere Herzen offenbar innig und dauerhaft miteinander verwoben haben. Denn obwohl sie nun seit fast sieben Jahren in Amerika lebt, verheiratet ist und drei Kinder hat und wir uns nicht allzu oft sprechen und nur sehr selten sehen, ist es doch jedes Mal, wenn sie hier ist, als wäre seit unserer letzten Begegnung überhaupt keine Zeit verstrichen. Völlig mühelos können wir dort anknüpfen, wo wir aufgehört haben. Vertraut und entspannt gehen wir miteinander um und mein Herz fließt über vor Zärtlichkeit und Zuneigung, wenn ich sie sehe.

Doch nicht nur meine Freundin war da, sondern an zwei Abenden auch meine Schwester und am dritten eine amerikanische Bekannte und die Schwester meiner Freundin, außerdem natürlich die ganze Zeit über ihre kleine, 10 Monate alte Tochter. Meine Wohnung war angefüllt mit Frauenenergie. Wir saßen beieinander, redeten über alternative Heilkunde, die Herausforderungen eines künstlerischen Berufes, unsere Lieblingsszenen in "The Lord of the Rings" und hie und da auch über Liebesgeschichten und Herzensangelegenheiten. Vor allem aber lachten wir viel und ich fühlte mich rundum wohl mit all diesen Frauen.

Heute Morgen nun, als ich zur Arbeit musste, verabschiedeten wir uns voneinander. Mit etwas Glück werden wir uns in der nächsten oder übernächsten Woche noch einmal kurz wiedersehen, aber danach wartet wieder eine lange Zeit auf uns, in der uns viele tausend Meilen trennen. Diese Distanz bereitet mir keine Sorgen und doch wurde mein Herz beim Abschied schwer. Es war so schön, als sie hier war, so fröhlich, liebevoll und vertraut. Ich werde sie vermissen. Und die Intensität dieser Tage, der Zauber realer, leibhaftiger Nähe lassen mir die virtuellen Wiesen einmal mehr leer und kahl erscheinen. Weder Smileys noch Sternchenworte können die Fülle einer echten Umarmung, eines Lachens oder eines Blickes unter Freundinnen ersetzen.

30.04.2005 um 09:34 Uhr

Menschliche Herzen

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Sonniger Maienmorgen
Musik: Der Gesang der Vögel

Menschliche Herzen sind das Wundervollste, was ich kenne. Sie sind zartfühlend und lebendig, voller Kraft und Leidenschaft, manchmal umgeben von schützenden Mauern, unvernünftig und übermütig bisweilen, ein andermal bitter und wehmütig. Einige sind vor Kälte fast erstarrt und doch genügt ein ausreichendes Maß aufrichtiger menschlicher Wärme, sie wieder zum Schmelzen zu bringen. Sie sind so oft angefüllt mit Sehnsucht, doch selbst in traurigen Moment sprudeln sie stetig leise vor sich hin.

Die ehrliche Begegnung zweier Herzen ist mit das Kostbarste, was es gibt. Mich einem anderen Menschen zu öffnen, mich von dieser Begegnung berühren und verwandeln zu lassen, ist ein gefährliches Abenteuer, aber es gibt kaum etwas, das mir bei allem erlittenen Schmerz so lohnend erscheint.