Guatemala- freiwilliges Jahr/ voluntario

22.05.2006 um 11:19 Uhr

es geht dem Ende zu... Teil 2

von: Nianna

Stimmung: same as previous
Musik: irgendeines Menschen Discman

Ansonsten war noch der April der „Monat der Hymnen“, weil nämlich anlässlich des Besuches unserer lieben Unterrichtsministerin Frau Gehrer die Kinder des Viena (das ja mit dem Austriaco von Österreich gesponsert wird) sowohl die österreichische Bundeshymne als auch die Europahymne bzw „Ode an die Freude“ auf Deutsch singen mussten...

Da die Frau Ministerin keine Zeit mehr hatte, sich die Casa anzuschauen (als *das* Projekt, das vom Viena unterstützt wird), werden sie zuhause im lieben Österreich wohl weiterhin der irrigen Meinung des Austriacos als Entwicklingshiflfeprojekt anhängen...

 

 

 

Im April sind die Debby und ich nach Mexico, da wir beide ausreisen mussten und der Mike uns grosszügigerweise „freigegeben“ *g* hat. Da ich ja schonmal dort war und es mir total gut gefallen hat und weil die Debby zwar generell nach Mexico wollte aber nicht genau wusste wohin, ist es nochmal San Cristobal geworden. Die extrem chilligen Tage dort haben wir hauptsächlich mit Essen und Sachen anschauen verbracht ^^

Auf der Rückfahrt (und eigentlich auch schon davor) ist es mit dem Geld ziemlich spannend geworden, da wir geistreicherweise an einem Sonntag eingereist sind und deswegen nur zu einem extrem schlechten Kurs hätten wechseln können. Die Debby hatte einige Dollars, die sie nicht wechseln wollte (weil die Banken ungefähr doppelt übervoll waren und der Kurs auch nicht sonderlich gut), ich hatte einige Quetzales, (die ich nicht wechslen wollte, da ich nur einen ziemlich niedrigen Kurs bekommen hätte und doppelt verloren hätte, da ich sie ja auch wieder zurückwechseln hätte müssen) und da war auch noch das Gespenst von 20 $ Touristensteuer, die eigentlich bei der Ausreise aus Mexico obligatorisch bezahlt werden müssen, das bisher aber nur dem Mike wirklich berechnet wurde...

Im Endeffekt haben wir uns mit meinen paar Pesos durchgeschlagen, keine Touristensteuer bezahlt und sind mit den (buchstäblich letzten) Centavos noch genau über die Grenze gekommen, wobei wir auch ein paar Leutchen ein bisschen übers Ohr gehaut haben, die eigentlich uns reinlegen wollten...*g* Was lernen wir daraus? Manchmal zahlt es sich schon aus, ein Mädel zu sein....

 

 

Ich hab mir ja auch schon vorgenommen, ein paar von den Sagern der Kinder hier aufzuschreiben, einer der Aktuellen lief ungefähr so:

Es ist halb zehn am Abend, der Mike (mein männlicher Kollege) versucht grad den Santos (der schon ungefähr seit einenthalb Stunden im Bett sein sollte, aber immer so viel Hausaufgabe hat, dass sich die Encaragdos regelmässig bis um 9, 10 am Abend an ihm verschleißen- und dementsprechend aufnahmefähig isser auch noch ; )) dazu zu bringen, einen Mistkübel mit Füßen zu erfinden, um das Weltmüllproblem zu lösen (fragt lieber nicht nach der Sinnhaftigkeit dieser Aufgabenstellung, *wir* haben uns mit der leichten Idiotie dieser Schule schon längst abgefunden)

Den folgenden kurzen Dialog möchte ich euch nicht vorenthalten:

Mike: Ok, Santos, aber was kannst zum Beispiel *du*, was der Mistkübel nicht kann? (genau, beim Mistkübel mit Rädern sind sie schon angekommen)

Santos: Saber (ß das heißt ungefähr sowas wie: keine Ahnung, mit starker Betonung auf dem „keine“ inklusive Schulterzucken. Das is Santos´ Standartantwort, die uns regelmässig zur Weißglut treibt, vor allem wenn sie auf Fragen wie 2 x 3 kommt...)

Mike: Naja, schau mal, wie kommst du zum Beispiel nach Santa rauf? (Santa is der Außenbezirk wo wir hier wohnen, da die Casa aber unten in der Schlucht steht, müssen wir erstmal ca . 50 Höhenmeter überwinden)

Santos: Erschöpft!

Ich hab geglaubt ich schmeiß mich weg...

Oder die Fernanda, die in Biologie die verschiedenen Lebensphasen korrekt benamsen und beschreiben sollte und unter Alter „dabei zu sterben“ schrieb....*g*

 

22.05.2006 um 11:15 Uhr

es geht dem Ende zu... Teil 1

von: Nianna

Stimmung: regnerisch
Musik: Strassengeraeusche

Wie schauts aus im Moment?

Mittlerweile ist es Mai geworden, und in ziemlich genau einem Monat gehts schon auf nach Hause...

Eigentlich hatte ich ja vor, die Berichte von Jänner bis jetzt noch nachzuliefern, aber irgendwie hatten wir alle Hände voll zu tun und mich hat auch ein bisschen die Faulheit gepackt. ; ) (ok, die Grössenordnung dieses Anfalles von akuter Faulheit verhält sich zu „ein bisschen“ ungefähr so wie die Zahl 1 auf ein Stueck Papier gekritzelt zu einem ganzen Computer...)

Deswegen hau ich jez einfach alles wissenwerte auf einen Haufen.....

 

 

Hier in der Casa haben und wurden wir seit Jänner ziemlich umgekrempelt, was auch für neue Herausforderungen gesorgt hat. (Damit uns bloss nicht langweilig wird *g*)

Das, was am meisten geändert hat, war die Umstellung der Schulzeit von Nachmittag auf Vormittag, genauer gesagt auf 7 bis 14 Uhr. Nach einigen Wochen Experimentierphase (was nur ein schönerer Ausdruck für „Rumgemurkse“ ist) haben wir uns dann so eingependelt, dass jeder von uns armen Schw...*ähm* Freiwilligen einmal alle drei Tage um fünf in der Früh aufkriecht, halbtot Frühstück zusammenbastelt, um halb sechs die Kinder ausm Bett haut und sie dann um sechs füttert. Um halb sieben wankt die arme Seele rauf zum Buss, um sieben rauf nach Santa, bis dreiviertel acht musser die Küche putzen und wenn er Glück, darf er nach getaner Arbeit wieder ins Bett fallen.  Es sei denn, er hat Pech. Weil dann kommt die Marta (die Frau von „Chef“). Und wenn die Marta kommt, dann will sie irgendwas. Irgendwas suuuperwichtiges, was am besten schon vor ner Stunde erledigt worden wäre. Oder irgendein Knirps ist krank... (was zur Zeit wegen des Wetters so ca. einmal die Woche passiert)

Oder...

Aber naja, was solls, für die Kinder is der neue Plan wesentlich besser und darauf kommts ja an, oder? ; )

 

Im Jänner sind auch ein ganzer Haufen neuer Kinder gekommen, was für uns viele neue Gesichter und Persönlichkleiten, aber auch viiieel Arbeit bedeutet (hat), vor allem in schulischer Hinsicht (da das Niveau in den Comunidades und kleinen Dörfern -leider- sehr viel schlechter ist als in der Hauptstadt und die Kinder zb. noch nie Englisch hatten) aber auch so im Zusammenleben. Da unsere Neuen (und natürlich auch die „Alten“) aus allen Ecken und Enden Guates kommen, kommt es beim Zusammenleben schon allein deswegen manchmal zu Reibereien, weil die verschiedenen Kulturen hier so extrem unterschiedlich sind. Von Livingston und von den Hochland- Indigena- Kulturen (um mal die beiden extremsten Gegensätze zu nehmen) hab ich schon mal erzählt, und wenn man dazu noch unsere (auch in einigen Punkten ziemlich andere) Kultur reinwirft, hat man ein ganz schönes Durcheinander...Aber wir raufen uns zusammen, und es funktioniert eigentlich ganz gut : )

 

Was auch Anfang Jänner für ziemlichen Unmut bei uns gesorgt hat, war, dass wir umgezogen wurden, und zwar von unserem gemütlichen Modulo nach hinten in die Gebäude, die vor ewigen Zeiten mal als Werkstätten gedacht waren und wo der Direktore samt Familie seit August letzten Jahres drin gewohnt hat. Das ganze lief ungefähr so ab: Irgendwann im Dezember (wir hatten Ferien) kommt der Werner zu uns in die Küche und teilt uns mit, dass die Junta (die oberste Instanz des Wahnsinn, sprich: der Casavorsitz) beschlossen hat, dass der Direktor ins Modulo und wir nach hinten umziehen sollten, und dass wir das eigentlich (und jez kommts) schon seit Ende Oktober wissen sollten... Da unser lieber Häuptling aber irgendwie ein Problem damit hatte, uns Dinge (egal was) mitzuteilen, die uns hätten verärgern können, selbst ohnehin nicht so wirklich Umzugs- willig wirkte und Mike und Bettina auf Reisen und damit nicht wirklich bepsrechungsfähig waren, hing das Ganze bis Ende Dezember in der Schwebe.

Bis zum dicken Ende...

Nachdem die Profes dann nämlich irgendwann angefangen haben, ihr Zeugs auszuräumen- wohlemerkt *ohne* uns mitzuteilen, dass sie vielleicht demnächst einen Raum brauchen könnten, musste *ich* dann in die Küche und sie direkt drauf ansprechen...

 

Ich: Ja sollen wir unser Zeug denn jetzt ausräumen (im alten Modulo hatte jeder von ein Zimmer und eins stand leer)

Scheffe: Najo, eigentlich....schon....

Ich: Ja und wann ungefähr werden Sie das Zimmer denn brauchen??

Scheffe: .......

Ich: Na haben Sie für heut Nacht denn einen Platz oder nicht???

Scheffe: Ähhmmm.....nein

Ich: Also ICH SOLL UMZIEHEN JA??

 

Nina verdreht die Augen und geht ausräumen.... In 20 Minuten hab ich mein komplettes guatemaltekisches Leben nach drüben geräumt, und gepennt hab ich diese Nacht beim Mike....

 

Und das is leider kein Einzelfall, sondern spiegelt in wunderbarer Weise unsere Informationsstruktur hier wieder....*soifz*

 

Jetzt wohnen wir in den Talleres, wir Mädels in einem grossen Raum (GROSS gross) und die Burschen in einem kleineren. Ist ganz nett, von der Fabrikhallenatmosphäre am Anfang mal abgesehen und davon, dass wir uns im Jänner die Ä...... abgefroren haben ; )

Die Gebäude sind nämlich nicht abgeschlossen, sondern zwischen Dach und Mauern ist ein ungefähr 10 cm breiter Spalt, was ein wunderbares Ventilationssystem ergibt , wenn es heiß ist, aber zusammen mit der fehlenden Isolation eines Raumes von der Grösse zweier Garagen (und der doppelten Höhe einer solchen) bei ca. 4 Grad Außentemperatur in der Nacht ziemlich ... cool ist... In der schlimmsten Nacht mussten sie mich in der Früh unter einem Haufen Zeug- bestehend aus Wollpulli, einer Fleecejacke, einem Schlafsack und zwei dicken Filzdecken- ausgraben.

 

Auch im Jänner (ja, das war ein ereignisreicher Monat) ist die Debby, unsere Neue aus Deutschland, in die Casa gekommen. Mike und Bettina hatten sie beim Reisen getroffen (und, wie sie mir später erzählt haben, haben sie sich nichtmal lange genung gesehen, um sich später an die jeweiligen Gesichter zu erinnern, es aber trotzdem geschafft, nicht nur rauszufinden, dass die Debby Probleme mit einem Projekt in Xela hatte und deswegen ein neues sucht, sondern ihr auch noch gleich eine Beschreibung der Casa samt Aufgaben zu liefern und festzustellen, dass sie perfekt passt und eigentlich gleich im Jänner anfangen könnte (da war es Mitte Dezember). Nicht schlecht für 10 Minuten...) und da die Bettina ziemlich fix vorhatte, Anfang März zu gehen, war das natürlich perfekt, und als ausgebildete Erzieherin hätten wir sie sowieso nimma gehen lassen ; )

Sie kam dann gleich pünktlich, um mitzuerleben, wie wir abwechselnd ohne Strom (irgendjemand hatte vergessen die Rechnung zu bezahlen und uns wurde die Leitung gekappt) und ohne Wasser (da einer der zwei Speicher nicht gearbeitet hat) dastanden.  Zum Wasser muss man viellleicht näher erklären, dass die Casa zwei Grundwasserspeicher mit zwei elektrischen Pumpen besitzt. Im Jänner wird das Wasser traditionell immer knapp und mit den zwei Speichern geht es sich gerade eben so aus.

Mit einem nicht. Und richtig lustig wurde es dann, als die- elektrische- Pumpe gemeint hat, „nö ohne Strom da arbeite ich nicht“ und wir (neben keinem Strom für: Wohneinheiten, Zimmer, Kühlschränke, Herdanzünder, Computer (die die Kinder zum Arbeiten brauchen), Fernseher und DVD- Player (wer jez sagt dass das Luxus ist: stimmt schon, aber wenn man die Kinder mal an einem Samstag Abend *ohne* Film erlebt hat, weiß, dass das absolut lebensnotwendig ist. Für *uns*. )) auch noch ganz ohne Wasser dastanden.

Der Profe (so nennen wir den Direktor, da er daneben auch Lehrer am Viena ist) hat dann die lebensnotwendigen Dinge von den Talleres aus (die- zum Glück-  an einer eigenen Leitung mit seperater Rechnung hängen)  querverkabelt und so an eine Art Bypass gehängt, aber es war recht lustig eine Zeitlang. So nach dem Motto: „Hmm, mal sehen was der Tag bringt. *Enweder* ich kann mich duschen *oder* einen Computer benutzen...Aber etwas, was sicher sehr lehrreich wäre für die Leute, die (erwürg! Nicht mich. Sie!!)  beim Zähneputzen das Wasser rinnen lassen weils ja eh immer ausm Hahn kommen wird...

 

 

...

 

30.03.2006 um 21:27 Uhr

Dezember- Weihnachten (kommt irgendwie schraeg der Titel, Ende Maerz *g*)

von: Nianna

Stimmung: Dauergrinsen
Musik: nuex

Was hab ich im Dezember sonst noch so getrieben? Die nächste „aufregende“ Sache war dann das Weihnachtsfest, dass ich in Ermangelung Alternativen zusammen mit dem Luis, dem Mike und seiner Familie, die ihn besuchen gekommen war, gefeiert hab. Es war eigentlich total nett, ich hatte ja schon befürchtet, von leicht depressiven Gefühlen überkommen zu werden wegen erste Weihanchten ohne Eltern und weg von daheim... aber gar nichts dergleichen. Am Vortag waren der Mike und icvh noch in der Stadt unterwegs, und zwar auf der Suche nach...einem Playboy! Mit dem hatte es dieses auf sich, dass nämlich der Lester (ein Casa“kind“, der is auch schon 18) sich immer „Puchis“ gewünscht hat, leichte Mädchen also. Da das vermutlich ein bisschen komisch gekommen wär, wollt der Mike halt einen angemessenen Ersatz finden.

Das ganze war recht lustig, da wir von Pontius zu Pilatus geschickt wurden und dabei bei den Blicken der jeweiligen Personen, die wir grad nach dem Weg fragten, jedesmal fast umgekommen sind vor Lachen.... Was muss sich auch jemand in einem seriösen Einkaufszentrum denken, wenn zwei Gringos (sind wir zwar nicht, aber das wissen die Leute leider nicht...) daherkommen und dann ein Gespräch anfangen, das ungefähr so verlief:

N(ina): Ähm, wissen sie vielleicht, wo man hier in der Nähe Zeitschriften kaufen kann?

V(erkäufer): Hm, da gibt es einiges, was für eine Art Zeitschriften suchen Sie denn?

N: Ach, nur Zeitschriften im allgemeinen....

V: Ja, da könnten Sie mal in die Buchhandlung im zweiten Stock schauen, vielleich haben die was Sie suchen.

N: Ähhmm, das glaub ich eigentlich nicht....

M(ike):.....es sind nämlich eher Zeitschriften für Erwachsene.

V: Zeitschriften für Erwachsene?

M: Playboy....

N:....wir suchen einen Playboy...

 

Verlegenes Grinsen auf allen beteiligten Gesichtern....*g*

 

Wie wir dann den wahrscheinlichen einzigen(!) Typen in der ganzen Stadt ausfindig gemacht hatten, der den Playboy (und noch so einiges anderes Zeug, übrigens ganz professionell zensiert- alle pikanten Stellen per Hand mit Papierfetzerln beklebt *g*) im Angebot hatte, und er uns so leicht ungläubig anstarrt, um schließlich den Mike (ich hab mich dezent im Hintergrund gehalten, der arme Mann war auch so schon irritiert genug) ganz unauffällig zu fragen, ob er nicht lieber ein Sackerl hätte, wars vorbei.....*lach*

 

Mit den Geschenken bewaffnet, gings dann zu einer unspektakulären, aber wie schon gesagt ziemlich gmütlichen Weihnachtsfeier im Kreise von Luis und Familie Mike

 

Am nächsten Tag hat sich der Mike dann aufgemacht, um seiner Family Guatemala zu zeigen und wir waren wieder allein. Auch Silvester war chillig, vermutlich der ruhigste in meinem bisherigen Leben...wir haben Feuerwerk geschaut, beim Nachbarn Truthahn gegessen und ich hab schließlich bis 5 in der Früh am Pc Musik sortiert...Mal ne andere Art, Silvester zu verbringen...Und meine guten Vorsätze mussten, wie immer, nach ca. drei Tagen dran glauben....^^;;

30.03.2006 um 13:35 Uhr

Oh du meine Hymne- Patriotismus und andere Schraegheiten

von: Nianna

Stimmung: Hmmm...
Musik: immer noch nuex

Patriotismus und andere Schrägheiten

 

Die armen Kinder... da unsere allseits geliebte Bildungsministerin (Vorsicht, Ironie fliegt tief...) diesen Freitag zu Besuch kommt und dabei auch das Colegio inspiziert, haben die Kinder jetzt die grosse Ehre, unsere Hymne auf Deutsch auswendig lernen zu dürfen....ooooh Mann....*sich an die Stirn greif*

Is zwar ganz lustig, weils die Kinder eh auch interessiert (wir haben ja jetzt auch nen Deutschkurs seit Jänner- jaaahhh *nickt*), aber so richtig notwendig... ich weiß net.... und ich werd noch irgendwann anfangen, „Land der Berge usw“ zu träumen...

Aber Patriotismus hat hier überhaupt nen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Ich behaupte jez mal, dass wir ziemlich geschichtsgeschädigt sind und jez einfach nichtmehr patriotisch sein *dürfen*. Zumindest empfind ich das so...Hier, im Gegensatz dazu, ist man Patriot und steht dazu. Die Kinder kriegen das von klein auf mit. Am Nationalfeiertag beispielsweisen durften wir uns in den Hausaufgaben mit ihnen ausdenken, was für patriotische Begriffe man aus den Buchstaben der einzelnen Nationalsymbole bilden kann. (Und von diesen Nationalsymbolen gibts einige- mir fallen moemnatn grad nur der Quetzal, der Nationalvogel, die Monja Blanca, die Nblume, und die Flagge ein)

Und wir haben uns allesamt kollektiv an den Kopf gegriffen, weil sowas für uns einfach eine ganz andere Art ist, mit dem Nationalgefühl umzugehen. Und im Gegensatz dazu lösen unsere Ansichten dann dort Befremden aus, wo es darum geht, das eigene Land zu kritisieren oder bei Kommentaren, dass es vielleicht nicht so toll is, Österreicher zu sein....

Aber die Leute hier *duerfen* stolz auf ihr Land sein, und sinds auch. Bei uns ist Nationalstolz dagegen sehr schnell mal eher abseitig angehaucht...

 

(In aller Eile geschrieben...hatte keinen Bock, den Text noch mal zu ueberarbeiten, deswegen...naja)

29.03.2006 um 19:29 Uhr

Lourdes, Inetcafe

von: Nianna

Stimmung: Rueckenweh...
Musik: Wind und Computerrauschen

Dezember- gääähn...

 

Tja, aufgrund eines Problems bei der guatemaltekischen Post kam meine Kreditkarte pünktlich mit Ferienende im Jänner- leider zuspät für mich. Mein Dezember war dementsprechend ruhig... Hauptsächlich hab ich geschlafen, gelesen und Filme angeschaut. Aber ich war wenigstens so ausgeschlafen wie noch nie meinem Leben. Die Casa hatte in dieser Zeit auch genau drei Bewohner, nämlich den Luis (der hier wohnt), den Lester, der arbeiten musste, und mich.. Da der Lester am Tag nicht da ist (und außerdem nicht mit mir redet, was die Abende entsprechend fröhlich gemacht hat) und der Luis und ich uns kaum drei Minuten unterhalten können, ohne zu streiten zu beginnen, sieht man schon, dass ich in bester Gesellschaft war...*g*

Das ich immer noch dazu in der Lage bin, meine Gehirnzellen zu nutzen, hab ich vermutlich meiner einzigen Herausforderung dieser Zeit zu verdanken, und zwar trug die den Namen Wilmder de Jesus Diaz Perez und mein Job wars, ihn durch seine Musik- und Englisch- Nachprüfungen zu bringen, was sich viel leichter sagt als tut...

Englisch war nicht so das Problem; er ist zwar jez nicht unbedingt ein Sprachgenie, aber auswendiglernen kann ja (fast) jeder. In Musik dagegen sahs schon anders aus... Ich stand vor der anfangs (und im Verlauf leider immernoch) unmöglich scheineden Aufgabe, einem Menschen völlig ohne jedes Gefühl für Rythmen und Melodien zehn Lieder auf einem Instrument beiizubringen, dass ich selber zum letzten Mal vor ca. 13 Jahren und das da auch nur leidlich (ich hatte nie Bock zu üben *g*) „gespielt“ (in Anführungszeichen, weil ich sonst alle beleidige, die wirklich ein Instrument *spielen* ; )) hab: Blockflöte! (Hurra! Freude!! *ähm*.......kann mich bitte wer retten...?!)

Dazu kam noch die Tatsache, dass der gute Wilo *nicht* wegen mangelnden Talents (es muss ja net jeder musikalisch sein) durchgefallen war, sondern wegern seiner „leck- mich- am –Arsch- ich- bin- eh- viel- zu- cool- um- jez- bei- hier- zu- sitzen- und- mich- zu langweilen“ Haltung inklusive dämlichem Grinser. Ich hab ihm mehr als einmal in Gedanken die Flöte irgendwo hingesteckt....was noch dazukam war, dass ich mich ja selber erstaml einarbeiten musste und ich einen Takt mit punktierten Achtelnoten und solchen Scherzchen auch net einfach aus dem Ärmel schüttel...

Aber irgendwie haben wir uns dann noch zusammengerauft, 5 von den zehn Liedern gelernt, dazu die ewig lange Hymne auswendig und der Lehrer seine Bemühungen eingesehen hat und ihn mit mit 64 Punkten (von hundert) hat durchkommen lassen. (was bei einer Mindestpunktezahlt von 61, um positiv zu sein, ungefähr einem munis minus Vierer entspricht *g*)

Und ich hab dann sogar angefangen, mich wiedermal ein bissl mit Flöte zu beschäftigen, also wars alles in allem net so schlecht *g*