Stimmung: regnerisch
Musik: Strassengeraeusche
Wie schauts aus im Moment?
Mittlerweile ist es Mai geworden, und in ziemlich genau einem Monat gehts schon auf nach Hause...
Eigentlich hatte ich ja vor, die Berichte von Jänner bis jetzt noch nachzuliefern, aber irgendwie hatten wir alle Hände voll zu tun und mich hat auch ein bisschen die Faulheit gepackt. ; ) (ok, die Grössenordnung dieses Anfalles von akuter Faulheit verhält sich zu „ein bisschen“ ungefähr so wie die Zahl 1 auf ein Stueck Papier gekritzelt zu einem ganzen Computer...)
Deswegen hau ich jez einfach alles wissenwerte auf einen Haufen.....
Hier in der Casa haben und wurden wir seit Jänner ziemlich umgekrempelt, was auch für neue Herausforderungen gesorgt hat. (Damit uns bloss nicht langweilig wird *g*)
Das, was am meisten geändert hat, war die Umstellung der Schulzeit von Nachmittag auf Vormittag, genauer gesagt auf 7 bis 14 Uhr. Nach einigen Wochen Experimentierphase (was nur ein schönerer Ausdruck für „Rumgemurkse“ ist) haben wir uns dann so eingependelt, dass jeder von uns armen Schw...*ähm* Freiwilligen einmal alle drei Tage um fünf in der Früh aufkriecht, halbtot Frühstück zusammenbastelt, um halb sechs die Kinder ausm Bett haut und sie dann um sechs füttert. Um halb sieben wankt die arme Seele rauf zum Buss, um sieben rauf nach Santa, bis dreiviertel acht musser die Küche putzen und wenn er Glück, darf er nach getaner Arbeit wieder ins Bett fallen. Es sei denn, er hat Pech. Weil dann kommt die Marta (die Frau von „Chef“). Und wenn die Marta kommt, dann will sie irgendwas. Irgendwas suuuperwichtiges, was am besten schon vor ner Stunde erledigt worden wäre. Oder irgendein Knirps ist krank... (was zur Zeit wegen des Wetters so ca. einmal die Woche passiert)
Oder...
Aber naja, was solls, für die Kinder is der neue Plan wesentlich besser und darauf kommts ja an, oder? ; )
Im Jänner sind auch ein ganzer Haufen neuer Kinder gekommen, was für uns viele neue Gesichter und Persönlichkleiten, aber auch viiieel Arbeit bedeutet (hat), vor allem in schulischer Hinsicht (da das Niveau in den Comunidades und kleinen Dörfern -leider- sehr viel schlechter ist als in der Hauptstadt und die Kinder zb. noch nie Englisch hatten) aber auch so im Zusammenleben. Da unsere Neuen (und natürlich auch die „Alten“) aus allen Ecken und Enden Guates kommen, kommt es beim Zusammenleben schon allein deswegen manchmal zu Reibereien, weil die verschiedenen Kulturen hier so extrem unterschiedlich sind. Von Livingston und von den Hochland- Indigena- Kulturen (um mal die beiden extremsten Gegensätze zu nehmen) hab ich schon mal erzählt, und wenn man dazu noch unsere (auch in einigen Punkten ziemlich andere) Kultur reinwirft, hat man ein ganz schönes Durcheinander...Aber wir raufen uns zusammen, und es funktioniert eigentlich ganz gut : )
Was auch Anfang Jänner für ziemlichen Unmut bei uns gesorgt hat, war, dass wir umgezogen wurden, und zwar von unserem gemütlichen Modulo nach hinten in die Gebäude, die vor ewigen Zeiten mal als Werkstätten gedacht waren und wo der Direktore samt Familie seit August letzten Jahres drin gewohnt hat. Das ganze lief ungefähr so ab: Irgendwann im Dezember (wir hatten Ferien) kommt der Werner zu uns in die Küche und teilt uns mit, dass die Junta (die oberste Instanz des Wahnsinn, sprich: der Casavorsitz) beschlossen hat, dass der Direktor ins Modulo und wir nach hinten umziehen sollten, und dass wir das eigentlich (und jez kommts) schon seit Ende Oktober wissen sollten... Da unser lieber Häuptling aber irgendwie ein Problem damit hatte, uns Dinge (egal was) mitzuteilen, die uns hätten verärgern können, selbst ohnehin nicht so wirklich Umzugs- willig wirkte und Mike und Bettina auf Reisen und damit nicht wirklich bepsrechungsfähig waren, hing das Ganze bis Ende Dezember in der Schwebe.
Bis zum dicken Ende...
Nachdem die Profes dann nämlich irgendwann angefangen haben, ihr Zeugs auszuräumen- wohlemerkt *ohne* uns mitzuteilen, dass sie vielleicht demnächst einen Raum brauchen könnten, musste *ich* dann in die Küche und sie direkt drauf ansprechen...
Ich: Ja sollen wir unser Zeug denn jetzt ausräumen (im alten Modulo hatte jeder von ein Zimmer und eins stand leer)
Scheffe: Najo, eigentlich....schon....
Ich: Ja und wann ungefähr werden Sie das Zimmer denn brauchen??
Scheffe: .......
Ich: Na haben Sie für heut Nacht denn einen Platz oder nicht???
Scheffe: Ähhmmm.....nein
Ich: Also ICH SOLL UMZIEHEN JA??
Nina verdreht die Augen und geht ausräumen.... In 20 Minuten hab ich mein komplettes guatemaltekisches Leben nach drüben geräumt, und gepennt hab ich diese Nacht beim Mike....
Und das is leider kein Einzelfall, sondern spiegelt in wunderbarer Weise unsere Informationsstruktur hier wieder....*soifz*
Jetzt wohnen wir in den Talleres, wir Mädels in einem grossen Raum (GROSS gross) und die Burschen in einem kleineren. Ist ganz nett, von der Fabrikhallenatmosphäre am Anfang mal abgesehen und davon, dass wir uns im Jänner die Ä...... abgefroren haben ; )
Die Gebäude sind nämlich nicht abgeschlossen, sondern zwischen Dach und Mauern ist ein ungefähr 10 cm breiter Spalt, was ein wunderbares Ventilationssystem ergibt , wenn es heiß ist, aber zusammen mit der fehlenden Isolation eines Raumes von der Grösse zweier Garagen (und der doppelten Höhe einer solchen) bei ca. 4 Grad Außentemperatur in der Nacht ziemlich ... cool ist... In der schlimmsten Nacht mussten sie mich in der Früh unter einem Haufen Zeug- bestehend aus Wollpulli, einer Fleecejacke, einem Schlafsack und zwei dicken Filzdecken- ausgraben.
Auch im Jänner (ja, das war ein ereignisreicher Monat) ist die Debby, unsere Neue aus Deutschland, in die Casa gekommen. Mike und Bettina hatten sie beim Reisen getroffen (und, wie sie mir später erzählt haben, haben sie sich nichtmal lange genung gesehen, um sich später an die jeweiligen Gesichter zu erinnern, es aber trotzdem geschafft, nicht nur rauszufinden, dass die Debby Probleme mit einem Projekt in Xela hatte und deswegen ein neues sucht, sondern ihr auch noch gleich eine Beschreibung der Casa samt Aufgaben zu liefern und festzustellen, dass sie perfekt passt und eigentlich gleich im Jänner anfangen könnte (da war es Mitte Dezember). Nicht schlecht für 10 Minuten...) und da die Bettina ziemlich fix vorhatte, Anfang März zu gehen, war das natürlich perfekt, und als ausgebildete Erzieherin hätten wir sie sowieso nimma gehen lassen ; )
Sie kam dann gleich pünktlich, um mitzuerleben, wie wir abwechselnd ohne Strom (irgendjemand hatte vergessen die Rechnung zu bezahlen und uns wurde die Leitung gekappt) und ohne Wasser (da einer der zwei Speicher nicht gearbeitet hat) dastanden. Zum Wasser muss man viellleicht näher erklären, dass die Casa zwei Grundwasserspeicher mit zwei elektrischen Pumpen besitzt. Im Jänner wird das Wasser traditionell immer knapp und mit den zwei Speichern geht es sich gerade eben so aus.
Mit einem nicht. Und richtig lustig wurde es dann, als die- elektrische- Pumpe gemeint hat, „nö ohne Strom da arbeite ich nicht“ und wir (neben keinem Strom für: Wohneinheiten, Zimmer, Kühlschränke, Herdanzünder, Computer (die die Kinder zum Arbeiten brauchen), Fernseher und DVD- Player (wer jez sagt dass das Luxus ist: stimmt schon, aber wenn man die Kinder mal an einem Samstag Abend *ohne* Film erlebt hat, weiß, dass das absolut lebensnotwendig ist. Für *uns*. )) auch noch ganz ohne Wasser dastanden.
Der Profe (so nennen wir den Direktor, da er daneben auch Lehrer am Viena ist) hat dann die lebensnotwendigen Dinge von den Talleres aus (die- zum Glück- an einer eigenen Leitung mit seperater Rechnung hängen) querverkabelt und so an eine Art Bypass gehängt, aber es war recht lustig eine Zeitlang. So nach dem Motto: „Hmm, mal sehen was der Tag bringt. *Enweder* ich kann mich duschen *oder* einen Computer benutzen...Aber etwas, was sicher sehr lehrreich wäre für die Leute, die (erwürg! Nicht mich. Sie!!) beim Zähneputzen das Wasser rinnen lassen weils ja eh immer ausm Hahn kommen wird...
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