Time Goes By - 23 Monate sind ein langer Zeitraum.
Ich habe lange überlegt, ob ich mich hier noch melde. Die letzten Monate schon immer mal wieder, aber es kam mir nie richtig vor, der Drang zum Schreiben hat mir irgendwie gefehlt. Heute ist er aber wieder da. Ich schreibe heute alleine schon deshalb, weil mich (auch wenn ihr hier wahrscheinlich alle gar nicht mehr reinschaut) all die lieben Kommentare, die ihr mir in den letzten 23 Monaten geschrieben habt, wirklich berührt haben, heute noch einmal.
Ich habe heute endlich mal wieder wirklich Zeit und ich habe sie mir heute auch genommen, um mir sämtliche Beiträge seit dem Unfall durchzulesen. Es sind so unglaublich viele Emotionen wieder hochgekommen dabei, soviel Trauer und Tränen. Aber das hat unglaublich gut getan. Mein Leben hat sich im letzten Jahr so sehr verändert, ich habe mich so verändert, glaube ich.
Dass ich nicht geschrieben habe, heißt nicht, dass ich nicht nicht an sie gedacht habe oder an den Unfall. Es ist nur irgendwie anders geworden. Ich musste an fast jeden 20. eines Monats arbeiten und wenn ich arbeite, dann in 24h-Schichten, da bleibt keine Zeit für Emotionen. Meist brannte die Kerze dafür die Nacht von 19. auf den 20., damit wenigstens etwas bleibt.
Ich habe heute hier gelesen und mich erinnert und es sind Gefühle wieder hochgekommen, die ich schon so lange nicht mehr so intensiv gefühlt habe. Das hat mich so erleichtert. Einfach weil ich nun wieder wirklich weiß, dass mein Leben jetzt zwar in gewissen Bereichen ein anderes ist, aber die Trauer immer noch dazu gehört, sowie das Erinnern, die Emotionen und alles. Ich vermisse sie noch, wenn auch nicht mehr so offensichtlich wie früher, eher in den kleinen Momenten.
Ich glaube, ich fange wieder an wirklich zu Leben. Ich habe gelernt mich zu beweisen, Verantwortung zu tragen, Menschen schätzen mich als die Person die ich bin, ich plane mein Leben, werde wahrscheinlich im Oktober ausziehen, eigene Wege gehen. Mit ihr, mit der Trauer, vielleicht auch immer noch mit ein paar Einschränkungen und hoffentlich ohne Vergessen.
Das ist meine größte Angst noch. Sie und unsere gemeinsame Zeit, dieses Gefühl von Freundschaft irgendwann zu vergessen. Keine Trauer mehr zu empfinden. Das Geschehene zu akzeptieren.
Denn es ist und bleibt doch ungerecht. Nächsten Monat sind es 2 Jahre, die ihr genommen wurden, die sie verdient hätte zu leben. Nicht nur ich und ihre Freunde und Familie haben sie verloren. Das schlimmste ist, sie hat ihr Leben verloren, ihre Chance einer Zukunft.
Heute durfte ich dich wieder richtig intensiv vermissen. Und ich hoffe, genau das darf ich auch in 50 Jahren noch spüren.
