... wenig passiert. An alle Beschwerden: Auch wenn es Paris ist, hier passiert nicht ständig was. ;) Ich gehe (mehr oder weniger) brav zur Uni, versuche meinen Stoff gedanklich passig zusammen zu basteln und dann fall ich ins Bett. Und dann geht's von vorne los. Total unspektakulär - und irgendwann wird's auch langweilig, wenn ich mich die ganze Zeit nur über die komische Sprache beschwere/lustig mache. (Nur der Vollständigkeit halber: Ja, die sprechen immer noch das, was sie hier "Französisch" nennen.)
So. Aber für die Meckereien müßt Ihr da jetzt durch: euch einen vollkommen langweiligen, unspektakulären Bereicht über meinen vollkommen normalen Tag antun. Oder auch nicht, man kann das Tab ja jetzt auch schließen. (Außer Nadi - die MUSS! :))
Na gut. So übel war es heute gar nicht, sonst könnte ich mich tatsächlich nicht überwinden, aber halt auch nicht gerade umwerfend spannend.
Aufgrund eklatanter Unlust bin ich heute etwas zu spät zu meiner "Wirtschaft für Dummies (aka Informatiker)"-Übung erschienen und habe nur noch einen Platz in der letzten Reihe bekommen. (Genauer gesagt, fing, als ich den Raum betrat eine Gruppe Spanier hysterisch an zu winken, was einen Becher Kaffee zu Fall brachte, der wiederum den einen Platz, der noch frei war und auf den sie mich aufmerksam machen wollten, unbenutzbar macht. Nun ja. Also letzte Reihe.) Nicht schön, aber auch nicht dramatisch, da ich ausnahmsweise mal meine Brille dabei hatte.
Zunächst freies Arbeiten. Es ist hier in Frankreich nicht üblich, die Übungssitzungen vorzubereiten. Um genau zu sein, werden die Aufgabenblätter erst _in_ der Übung ausgegeben und dann dort bearbeitet. Je nach Übungsleiter heißt das, daß eine der Aufgabe entsprechende Zeit gegeben wird, um diese zu lösen, hinterher muß jemand an die Tafel - alternativ wird auch die komplette Zeit der Übung stur vom Übungsleiter vorgerechnet. Dafür sind die Übungen wesentlich länger als in Deutschland (normalerweise vier Stunden, mit kleiner Pause zwischendurch), aber im Endeffekt kann man sich zumeist berieseln lassen.
Dank Lösungen auf dem Rechner meiner Nachbarn lief das heute sogar recht gut für mich. Also die Lösung der Aufgaben, die Konsequenz... nun ja.
Punkt 1: Ich verstehe nicht ganz, warum man sich in einem sehr unübersichtlichen Raum in die letzte Reihe setzt, wenn man wirklich so gar keinen Plan vom Fach hat. Die Jungs haben mir sehr fasziniert auf die Fingerchen geguckt, wie ich da so vor mich hin gerechnet habe. Und sehr interessiert gelauscht, als ich versuchte, ihnen rüberzubringen, wie sich das begründet. Wirklich einen Stein im Brett hatte ich allerdings erst, als ich auf die Frage, wozu man das denn jetzt genau bräuchte, antwortete, daß ich das nicht wissen müßte, ich wäre schließlich Informatikerin und das wäre Wirtschaft. (Tatsächlich werde ich für die Prüfung ein wenig hin und her rechnen müssen, aber wie viel das mit der Realität zu tun hat, interessiert mich praktisch nicht. *schulterzuck*)
Punkt 2: Der kleine Doktorand guckt ein wenig komisch, wenn man nach all den Wochen mal was auf die Reihe kriegt. Das ist einer von denen, die gerne mal Leute drannehmen, aber auch verflucht lieb und freunlich sind und keinen fertig machen wollen. Die Konsequenz: Wir Ausländer kommen praktisch nicht dran, weil er Angst hat, uns in die Pfanne zu hauen. Ich durfte heute dann die Ausnahme von der Regel darstellen. Passigerweise hatte ich auch brav mein FIN-Shirt an, habe also plakativ den "Universität Otto-von-Guericke"-Schriftzug auf dem Rücken getragen. Und festgestellt, daß es einfacher ist, alles nochmal durchzurechnen, als mir von ihm irgendwelche Zahlen diktieren zu lassen.
Nun ja, ich hab es geschafft und war verdaaaaaaaaaaaaaaammt stolz auf mich. Hat mir drei grinsende Spanier inclusive hochgereckter Daumen eingebracht. Und schulterklopfende Letzte-Reihe-Franzosen. Nun ja - Blinde, Einäugige, König. ;)
War zumindest meine lustigste Übung in dem Fach bisher - die Jungs waren _absolute_ Nerds, aber als solche ziemlich lustig. :)
Soviel zur Übung. Danach hieß es einer Einladung vom Auslandsamt nachzukommen. Textchen von der Leiterin des Auslandsamtes anhören, vom Vizepräsidenten, vom Präsidenten der Uni - und wer durchgehalten hat, hat ein Glas Wein bekommen und konnte sich am Büffet bedienen. All diese kleinen Happen, die man in der Patîsserie nicht kauft, weil sie ziemlich süß, fettig und teuer aussehen. Nun ja - sie sind es auch, aber auch verdammt lecker.
Ich habe mich brav für die Unizeitung interviewen lassen, mir mal wieder erzählen lassen, wie sauber meine französische Aussprache doch wäre und bin dann mit den Spaniern relativ schnell verschwunden, um irgendwo was trinken zu gehen, wo es gemütlicher ist.
Eine Erdbeermarguerita später habe ich mich dann auch noch breitschlagen lassen, mit zu Hector zum Abendessen zu gehen, um hinterher meiner ersten Erasmusfeier beizuwohnen. So zumindest die Planung - nach einigen weiteren Gläsern Wein, wahnsinnig guten Spaghetti Carbonara und einer Kostprobe einer spanischen Spezialität, die im weitesten Sinne an Salami erinnerte (zu viel Wein, um mich noch an den Namen zu erinnern) war ich dann aber so müde, daß ich mich doch an der Métro verabschiedet habe. Und nun sitz ich hier und tippe, obwohl es schon viel zu spät ist. Also bitte ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen!
Uuuuuund noch ein ganz wichtiger Punkt: Anetts (eventuelle) Heilung von einem Jugendtrauma. Wahrscheinlich jeder von euch, der sich schon mal länger mit mir unterhalten mußte, kennt mein kleines sprachliches Problem in Sachen Spanisch. Anett kommt einfach nicht an, ein "r" zu rollen. Und damit klingt Spanisch einfach mal scheiße. Weiterhin werden mir wohl das Italienische wie auch das Russische verwehrt bleiben - und wahrscheinlich noch zahlreiche weitere Sprachen, von deren Existenz bzw. Aussprache ich bisher Gott sei Dank noch nichts weiß.
Nun hat der Hector aber scheinbar beschlossen, daß er mich zumindest ausreichend für sympathisch hält, daß ich die Möglichkeit verdiene _die_ Sprache zu lernen. Und daß das, was der Spanischlehrer damals in einem Jahr Volkshochschulkurs nicht geschafft hat, für ihn in einem Jahr Erasmus doch sicherlich kein Problem sein wird. Und ich kann jetzt gar nichts dagegen sagen, weil er auf einem Fußmarsch von zwanzig Minuten scheinbar tatsächlich erfolgreich war. (Zumindest behauptet er, daß mein "palabra" exakt und genau richtig klingt inzwischen, wenn ich mich anstrenge.)
[Im Nachhinhein: Der Bruder seiner Freundin hatte augenscheinlich das gleiche Problem, als er klein war - als gebürtiger Spanier umso mehr fatal. Ich habe über drei Ecken also logopädische Hilfe. Woooohooo - vielleicht lern ich's doch noch...? Ich mein, nach dem Abend heute komm ich fast schon soweit, die einzelnen Sätze zu erkennen, wenn die Leute sprechen. Noch zwei Wochen, dann erkenn ich vielleicht sogar schon einzelne Worte!!!!]
So. Schlafen. Liebe Grüße,
J.-