Paris, Paris...

24.10.2009 um 19:26 Uhr

Aufenthaltsorte.

von: jeary

Heute mal ein richtig schönes Touriphoto: das Centre Pompidou im Zentrum von Paris.

pompidou

Im Großen und Ganzen handelt es sich dabei um ein staatliches Kunst- und Kulturzentrum, beinhaltend ein Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts, ein Musikforschungszentrum, von Kino/Theater habe ich da auch schon was gelesen und, was der für mich interessante Teil ist: eine große Präsenzbibliothek. Auf mehreren Etagen gibt es um die 2000 Arbeitsplätze, einen Haufen Bücher und Zeitschriften. Grundsätzlich ist es auch möglich, kostenlos das Internet zu nutzen, aber für die entsprechenden Plätze steht man ewig an (oder nutzt einfach den eigenen Laptop).

Ziemlich viel Zeit "verplempere" ich in der "Autoformation" - Stationen zum Selbststudium. Man läßt sich ein wenig beraten bezüglich der verschiedenen Lernmethoden und kann dann für eine Stunde an einen Rechner, um sich dort mit dem gewählten Stoff zu beschäftigen. Die Arbeitsstationen bestehen hauptsächlich aus Rechner, eventuellen Lesegeräten für CD/DVD, riesigen Kopfhörern etc. Thematisch ist so einiges drin - vorneweg natürlich Sprachkurse, aber auch EDV-Themen (Wie gehe ich mit Word um? 10-Finger-Tipper-Kurse,...) und... naja, ich habe mich noch nicht über alles informiert, bisher habe ich mich auf die Spanischkurse beschränkt und probiere gerade die unterschiedlichen Lernmethoden aus, um zu schauen, was mir liegt.

Davon abgesehen kann man natürlich auch ganz normal in Büchern blättern, Musik hören und an einigen Fernsehern bestimmte Fernsehsender aus aller Welt ansehen (aus dem deutschen Raum leider nur ZDF). Definitiv bleibt einige Zeit meines Lebens in diesem Gebäude...

(Über die Ästhetik läßt sich streiten. C. findet es furchtbar. Ich mag die Tatsache, daß es mit vielen bunt gekleideten Touristen drin aussieht wie ein riesiger Hamsterkäfig... oder so ein Ameisenterrarium.)

Und da hätten wir noch die allgegenwärtigen Ratten der Lüfte unter den letzten Sonnenstrahlen...

 

J.-

24.10.2009 um 17:09 Uhr

Mein Freund, der Geldautomat.

von: jeary

Danke der Kooperation der Deutschen Bank daheim (bei der ich spontan seit Ende August mal ein Konto habe...) und der PNB Paribas hier kann ich bei eben jener Bank kostenlos Geld abheben. Nun sind allerdings die Geldautmaten meist gut langsam (zu vergleichen mit dem Automaten der Postbank am Uniplatz...). Während ich in Deutschland gerne mal mit den Fingernägeln auf den Bildschirm trommele, wenn der Automat gaaaanz genau drüber nachdenkt, ob er mir Geld geben mag, wie er es mir geben mag und ob ich denn eigentlich meine Karte schon wieder bekommen habe, kann ich mich hier einfach nur freuen. Es gibt da nämlich dieses kleine, einäugige Monster, das wohl einen Geldautomaten mit Armen und nettem Lächeln darstellen soll, das mir die Zeit verkürzt:

Geldautomat1

Der freut sich über jede richtige Antwort meinerseits, wackelt lustig mit den Armen und schlußendlich spuckt er Geld aus - tatsächlich und auf dem Bildschirm (davon krieg ich leider kein Photo hin, weil der immer genau dann fertig ist, wenn die Kamera sich entscheidet, loszulegen). 

 

Hach ja, die kleinen Freuden des Alltags. Man beachte die tollen gestreiften Handschuhe. :D

 

J.-

24.10.2009 um 14:57 Uhr

Gasteintrag II

von: jeary

Nachdem ich J. nicht nur vom Blogschreiben, sondern auch ein klitzekleinwenig vom Studieren abgehalten habe, hier ein paar Eindrücke (und sogar ein buntes Bild!!), um uns davon abzulenken.

Definitiv gut, preiswert und für Freude in der gemischt-laktose-intoleranten Tisch- und Couchgesellschaft sorgend: Sorbets in der Kilo-Packung von Picard. Nein, nicht von Nummer 1 gerührt, sondern in einer französischen Feinfrost-Ladenkette zu finden, die mich irgendwie an IKEA erinnert.

Nicht ganz so neu, aber auf meiner to do-Liste jetzt deutlich stärker mehrfach unterstrichen: Mich einmal komplett durch die Auslagen der umliegenden und sonstig in die Quere kommenden Boulangerien zu essen. Brot im Sinne von Grundnahrungsmittel gibt's zwar nicht, aber wer würde die Massen schon sättigen wollen, wenn er deren Portemonnaies auf moralisch-trophologisch verwerflichere Weise schröpfen könnte?

Der Herbst stellt sich auch in P. so langsam ein. Merklich langsamer zwar, als in MD, doch bekommt man trotzdem ein klein wenig Angst, wenn man an die viel zu vielen Zweitakter der Stadt denkt und an die Möglichkeit, dass es noch lauter werden könnte.

Dem bisher stärksten Tobak in der Rubrik Jingle durfte ich im Supermarkt Franprix beiwohnen.
Wenn ich das Ding in die handyhaltenden Finger bekomme, kann ich's mit allen halbstarken Mobilnervern und mit der PSST-BAHNHOF!!-Melodie im RE nach Berlin gleichzeitig aufnehmen.
Und den hinterrücks startenden Laptop mit Windows-Standard-Geräuschkulisse immernoch eintüten. So.

Dieses mal wurde weniger fotografiert, drum hier "nur" ein Bild vom letzten Mal. Notre Dame sollte im Oktober aber ähnlich ausgesehen haben.



C.

23.10.2009 um 09:25 Uhr

"500 Days of Summer"

von: jeary

Hallo!

Heute nicht wirklich Paris-thematisch. Heute filmthematisch.

Eine Sache vielleicht: Ich komme nicht wirklich dahinter, ob Filme in Frankreich nun früher starten oder später - eine wirkliche Regel scheint es da auch für amerikanische Filme, nicht zu geben. In diesem speziellen Fall, "500 Days of Summer" läuft das gute Stück schon seit einigen Wochen in Frankreich, kam aber gestern erst in Deutschland raus.

Punkt 1: Finger weg von der Spiegel-Kritik! Ich habe keine Ahnung, ob sich der Autor diesmal ganz besonders profilieren wollte - aber einen Film, der im Endeffekt in seiner Handlung und seiner Aussage so einfach ist (nicht im negativen Sinne "einfach"!) mit so vielen überflüssigen Fremdwörtern vorzustellen, halte ich für ein Unding. (Möglich, daß die Kritiken immer so sind, ich dieses Mißverhältnis aber erstmalig mitkriege, weil ich zunächst den Film gesehen und dann nachgelesen habe.)
Außerdem wird viel zu viel verraten. Ich bin mit den Infos des Trailers und einer Kritik von LeMonde reingegangen und mir war nicht so ganz klar, wie es ausgehen wird - was das ganze definitiv wesentlich spannender macht. (Auch wenn wahrscheinlich weniger naive Anwesende schon am Anfang des Films Rückschlüsse auf dessen Ende ziehen konnten, ich war zu konzentriert drauf, dem Geschehen zu folgen, um groß drüber nachzudenken.)

 Nun aber erstmal grundsätzlich zum Film:
Angekündigt wird schon im Vorspann eine typische Junge-Trifft-Mädchen-Geschichte - mit der Warnung, daß es sich trotzdem nicht zwingend um eine Liebesgeschichte handelt. Und das trifft es, meiner Meinung nach, verdammt gut.
Tom (Junge und hoffnungsloser Romantiker) trifft Summer (Mädchen und leicht zynisches Ich-Habe-Meine-Füße-Fest-Auf-Der-Erde-Gehabe). Und es knallt. Also, es knallt auf seiner Seite - auf ihrer ist es mehr das Füße-Auf-Der-Erde-artige "Joah, Du bist eigentlich ganz nett, also könnte da was sein..." (Skeptiker und ihre Konjunktive...).

Der Rest des Films erzählt in wilden Sprüngen die aus dieser Situation entstehende Geschichte, aus Toms Sichtweise. Man springt also gedanklich zwischen wilder Idealisierung, abgrundtiefer Verzweiflung und zwischenzeitlichem Hass - und wieder zurück. (Meiner Meinung nach aber gut zu verfolgen.)

 

Ich habe mich noch nicht ganz entschieden, ob ich es als Manko auffasse, daß im kompletten Film nur aus Toms Sichtweise erzählt wird.
Einerseits wirkt Summer an manchen Stellen unnahbar und furchtbar rational, was der Figur meiner Meinung nach nicht gerecht wird. (Zumindest verhindert es aber ein Ausschlachten des Oh-Meine-Eltern-Haben-Sich-Getrennt-Und-Seitdem-Bin-Ich-Beziehungsgestört-Hintergrundes.)
Andererseits empfinde ich persönlich Tom ganz sicher nicht als die interessantere der beiden Figuren - aber das ist wohl sehr subjektiv.
Schlußendlich macht aber auch den Reiz des ganzen aus - komplett verklärt rosa-rot bis tiefschwarz ist alles dabei an Stimmungen. Und das mag ich. :)

 

Liebe Grüße,

J.-

16.10.2009 um 23:27 Uhr

Gesprochenes Wort

von: jeary

Hallo!

Ich hatte in den letzten Wochen arge Schlafprobleme, Einschlafen nicht möglich, bis mitten in die Nacht wach, morgens nicht rausgekommen und so weiter, und so fort. Meine liebe Mami hat mich irgendwann zu einer Lösung gebracht: Hörbücher. Ich schlafe ziemlich zuverlässig ein, wenn ich versuche, einer Story zu folgen. 

In Konsequenz habe ich in den letzten Tagen sehr viel im Netz rumgesucht, nach kostenlos runterladbarem, gesprochenen Wort. Dabei ließen sich die Fundstücke unterteilen in wirklich interessante Texte, die für den Tag auf den MP3-Player wandern und die mäßig interessanten oder auch sehr ruhig und mittelmäßig gesprochenen, die mir das Einschlafen ermöglichen.

Heute möchte ich nur auf ein Suchergebnis eingehen, das zur ersten Kategorie gehört - mp3s, für die ich meinen Player in der Métro auf Anschlag drehe, um auch ja kein Wort zu verpassen:

 

The WordNerds

Im Endeffekt könnte man es fast als ein klein bisserl Ersatzbefriedigung für die Mensagespräche ansehen, die ich momentan nicht habe - nur halt in der falschen Sprache.

Grob zusammen gefaßt sind die Wordnerds eine Gruppe amerikanischer Sprachlehrer, die sich in ihren Podcasts mit den Feinheiten der englischen Sprache auseinander setzen, mit ihren Absonderlichkeiten und ihren Veränderungen. (für genauere Selbstbeschreibung siehe oben verlinkte Seite - ENGLISCH!)

Ich habe heute zum Beispiel Folge 63 gehört: "Idioms and Culture". Es wird den verschiedenen Entstehungsmöglichkeiten von Redensarten auf den Grund gegangen, ob nun regional, kulturell oder sozial bedingt. Für den Nicht-Muttersprachler gibt es da einiges an Mundart aufzuschnappen, die gut erklärt wird. Was ich persönlich am nettesten fand: Da es sich um Sprachlehrer handelt, werden natürlich auch fremdsprachliche Redensarten betrachtet und ihr Pendant im Englischen gesucht - und ja, es ist auch ein Deutschlehrer dabei. :)

Leider scheinen die Wordnerds nicht mehr wirklich aktiv zu sein, die letzten Beiträge sind schon ziemlich alt - was uns aber nicht davon abhalten sollte, uns durch's Archiv zu hören. 

Was ich heute gelernt habe (von den eben erwähnten Amerikanern):

Französisch: "parler le francais comme une vache espagnol" ("Französisch sprechen wie eine spanische Kuh")
Englisch: "to butcher the language" ("die Sprache (ab)schlachten")

...und mit der deutschen Entsprechung kriege ich gerade Probleme - gibt es da tatsächlich ein Sprichwort? Bin ich schon zu lange weg?

 

Soweit für heute...

J.-

16.10.2009 um 16:55 Uhr

Achso... bevor wieder Beschwerden kommen...

von: jeary

Der liebe C. hat sich gerade zum Tasche-Packen abgemeldet, um dann heute Abend irgendwann in einen Zug zu steigen, der dann morgen Vormittag hier eintreffen will. Es ist also zu erwarten, daß ich in den nächsten Tagen weder hier viel schreiben werde, noch Emails beantworte... das Übliche halt.;)

 

J.-

16.10.2009 um 16:51 Uhr

Paßphotovergleich.

von: jeary

Scheinbar kommt jede Gruppe, wenn sie denn der Sprachlosigkeit anheim gefallen ist, mal auf die Idee, die Paßphotos, die sich auf den offiziellen Dokumenten der jeweils anderen befinden, sehen zu wollen. Den Narbenvergleich hatten wir letzte Woche schon - jetzt werden wir richtig dicke Freunde und die Grausamkeit, die die Photographie unseren herzallerliebsten Gesichtern immer wieder antut, enthüllt.

Erkenntnis: Das ist augenscheinlich etwas, das in allen Ländern dieser Welt gleich ist: Paßbilder müssen schrecklich aussehen.

Reaktion: Mir wurde unterstellt, meiner Mutter den Führerschein geklaut zu haben, weil die Person, die da drauf wäre, wohl mindestens 40 ist.
Ich überlege ernsthaft, ob ich mir die Haare tatsächlich wieder lang wachsen lassen möchte.

 

J.-

16.10.2009 um 09:54 Uhr

*bibber*

von: jeary

Draußen von einem Tag auf den anderen kalt. Gefühlt: richtig kalt. Heute kommt auch noch grau dazu. Erwarte sehnsüchtig meine Winterklamotten. Und den Besuch. Natürlich in anderer Priorität, die Reihenfolge ist der Situation geschuldet.

16.10.2009 um 01:09 Uhr

Viel zu tun...

von: jeary

... wenig passiert. An alle Beschwerden: Auch wenn es Paris ist, hier passiert nicht ständig was. ;) Ich gehe (mehr oder weniger) brav zur Uni, versuche meinen Stoff gedanklich passig zusammen zu basteln und dann fall ich ins Bett. Und dann geht's von vorne los. Total unspektakulär - und irgendwann wird's auch langweilig, wenn ich mich die ganze Zeit nur über die komische Sprache beschwere/lustig mache. (Nur der Vollständigkeit halber: Ja, die sprechen immer noch das, was sie hier "Französisch" nennen.)

 So. Aber für die Meckereien müßt Ihr da jetzt durch: euch einen vollkommen langweiligen, unspektakulären Bereicht über meinen vollkommen normalen Tag antun. Oder auch nicht, man kann das Tab ja jetzt auch schließen. (Außer Nadi - die MUSS! :))

Na gut. So übel war es heute gar nicht, sonst könnte ich mich tatsächlich nicht überwinden, aber halt auch nicht gerade umwerfend spannend. 

Aufgrund eklatanter Unlust bin ich heute etwas zu spät zu meiner "Wirtschaft für Dummies (aka Informatiker)"-Übung erschienen und habe nur noch einen Platz in der letzten Reihe bekommen. (Genauer gesagt, fing, als ich den Raum betrat eine Gruppe Spanier hysterisch an zu winken, was einen Becher Kaffee zu Fall brachte, der wiederum den einen Platz, der noch frei war und auf den sie mich aufmerksam machen wollten, unbenutzbar macht. Nun ja. Also letzte Reihe.) Nicht schön, aber auch nicht dramatisch, da ich ausnahmsweise mal meine Brille dabei hatte.

Zunächst freies Arbeiten. Es ist hier in Frankreich nicht üblich, die Übungssitzungen vorzubereiten. Um genau zu sein, werden die Aufgabenblätter erst _in_ der Übung ausgegeben und dann dort bearbeitet. Je nach Übungsleiter heißt das, daß eine der Aufgabe entsprechende Zeit gegeben wird, um diese zu lösen, hinterher muß jemand an die Tafel - alternativ wird auch die komplette Zeit der Übung stur vom Übungsleiter vorgerechnet. Dafür sind die Übungen wesentlich länger als in Deutschland (normalerweise vier Stunden, mit kleiner Pause zwischendurch), aber im Endeffekt kann man sich zumeist berieseln lassen.

Dank Lösungen auf dem Rechner meiner Nachbarn lief das heute sogar recht gut für mich. Also die Lösung der Aufgaben, die Konsequenz... nun ja.

Punkt 1: Ich verstehe nicht ganz, warum man sich in einem sehr unübersichtlichen Raum in die letzte Reihe setzt, wenn man wirklich so gar keinen Plan vom Fach hat. Die Jungs haben mir sehr fasziniert auf die Fingerchen geguckt, wie ich da so vor mich hin gerechnet habe. Und sehr interessiert gelauscht, als ich versuchte, ihnen rüberzubringen, wie sich das begründet. Wirklich einen Stein im Brett hatte ich allerdings erst, als ich auf die Frage, wozu man das denn jetzt genau bräuchte, antwortete, daß ich das nicht wissen müßte, ich wäre schließlich Informatikerin und das wäre Wirtschaft. (Tatsächlich werde ich für die Prüfung ein wenig hin und her rechnen müssen, aber wie viel das mit der Realität zu tun hat, interessiert mich praktisch nicht. *schulterzuck*)

Punkt 2: Der kleine Doktorand guckt ein wenig komisch, wenn man nach all den Wochen mal was auf die Reihe kriegt. Das ist einer von denen, die gerne mal Leute drannehmen, aber auch verflucht lieb und freunlich sind und keinen fertig machen wollen. Die Konsequenz: Wir Ausländer kommen praktisch nicht dran, weil er Angst hat, uns in die Pfanne zu hauen. Ich durfte heute dann die Ausnahme von der Regel darstellen. Passigerweise hatte ich auch brav mein FIN-Shirt an, habe also plakativ den "Universität Otto-von-Guericke"-Schriftzug auf dem Rücken getragen. Und festgestellt, daß es einfacher ist, alles nochmal durchzurechnen, als mir von ihm irgendwelche Zahlen diktieren zu lassen.

Nun ja, ich hab es geschafft und war verdaaaaaaaaaaaaaaammt stolz auf mich. Hat mir drei grinsende Spanier inclusive hochgereckter Daumen eingebracht. Und schulterklopfende Letzte-Reihe-Franzosen. Nun ja - Blinde, Einäugige, König. ;)
War zumindest meine lustigste Übung in dem Fach bisher - die Jungs waren _absolute_ Nerds, aber als solche ziemlich lustig. :)

 

Soviel zur Übung. Danach hieß es einer Einladung vom Auslandsamt nachzukommen. Textchen von der Leiterin des Auslandsamtes anhören, vom Vizepräsidenten, vom Präsidenten der Uni - und wer durchgehalten hat, hat ein Glas Wein bekommen und konnte sich am Büffet bedienen. All diese kleinen Happen, die man in der Patîsserie nicht kauft, weil sie ziemlich süß, fettig und teuer aussehen. Nun ja - sie sind es auch, aber auch verdammt lecker.
Ich habe mich brav für die Unizeitung interviewen lassen, mir mal wieder erzählen lassen, wie sauber meine französische Aussprache doch wäre und bin dann mit den Spaniern relativ schnell verschwunden, um irgendwo was trinken zu gehen, wo es gemütlicher ist.
Eine Erdbeermarguerita später habe ich mich dann auch noch breitschlagen lassen, mit zu Hector zum Abendessen zu gehen, um hinterher meiner ersten Erasmusfeier beizuwohnen. So zumindest die Planung - nach einigen weiteren Gläsern Wein, wahnsinnig guten Spaghetti Carbonara und einer Kostprobe einer spanischen Spezialität, die im weitesten Sinne an Salami erinnerte (zu viel Wein, um mich noch an den Namen zu erinnern) war ich dann aber so müde, daß ich mich doch an der Métro verabschiedet habe. Und nun sitz ich hier und tippe, obwohl es schon viel zu spät ist. Also bitte ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen!

 

Uuuuuund noch ein ganz wichtiger Punkt: Anetts (eventuelle) Heilung von einem Jugendtrauma. Wahrscheinlich jeder von euch, der sich schon mal länger mit mir unterhalten mußte, kennt mein kleines sprachliches Problem in Sachen Spanisch. Anett kommt einfach nicht an, ein "r" zu rollen. Und damit klingt Spanisch einfach mal scheiße. Weiterhin werden mir wohl das Italienische wie auch das Russische verwehrt bleiben - und wahrscheinlich noch zahlreiche weitere Sprachen, von deren Existenz bzw. Aussprache ich bisher Gott sei Dank noch nichts weiß.
Nun hat der Hector aber scheinbar beschlossen, daß er mich zumindest ausreichend für sympathisch hält, daß ich die Möglichkeit verdiene _die_ Sprache zu lernen. Und daß das, was der Spanischlehrer damals in einem Jahr Volkshochschulkurs nicht geschafft hat, für ihn in einem Jahr Erasmus doch sicherlich kein Problem sein wird. Und ich kann jetzt gar nichts dagegen sagen, weil er auf einem Fußmarsch von zwanzig Minuten scheinbar tatsächlich erfolgreich war. (Zumindest behauptet er, daß mein "palabra" exakt und genau richtig klingt inzwischen, wenn ich mich anstrenge.)
[Im Nachhinhein: Der Bruder seiner Freundin hatte augenscheinlich das gleiche Problem, als er klein war - als gebürtiger Spanier umso mehr fatal. Ich habe über drei Ecken also logopädische Hilfe. Woooohooo - vielleicht lern ich's doch noch...? Ich mein, nach dem Abend heute komm ich fast schon soweit, die einzelnen Sätze zu erkennen, wenn die Leute sprechen. Noch zwei Wochen, dann erkenn ich vielleicht sogar schon einzelne Worte!!!!]

 

So. Schlafen. Liebe Grüße,

J.-

05.10.2009 um 19:13 Uhr

Heureka...

von: jeary

...gefunden hab ich's, gefunden hab ich's *hibbel*:

Mein Stück Pâtisserie.

Der liebe Seb hat im Kommentar ja schon eine ganze Menge an Beispielen der französischen Pâtisseriekunst aufgezählt. Alles ganz nettes Zeug, Croissant, Pain au chocolat, und so weiter und so fort - aber nichts, was mich jetzt auf ewig vom Hocker reißt. Aber jetzt!

"Croissant aux amandes" - zu gut Deutsch: Mandelcroissant. Oder Mandelhörnchen aus Blätterteig. Naja, ganz ins Deutsche geht's halt nicht. Es handelt sich um das stinknormale, altbekannte Croissant, das es hier überall gibt. Fetttriefend und nur noch einige Millimeter dick, wenn einem in der Tasche aus Versehen das Kilo Hackfleisch drauf gelegen ist. (Ich bin Student, ich kann mir kein Hackfleisch leisten - meine Croissants haben meisten noch die angedachte Höhe.)

Das ist ja schon nicht unlecker. Und die gibt es nun noch mit einer dicken Schicht gerösteter Mandelscheibchen obenauf. Die Mandelscheiben müssen natürlich irgendwie fest geklebt werden - und was liegt näher, als in diesem Zusammenhang dazu etwas zuckriges zu wählen. Es wird wohl kein qualitativ hochwertiger Honig von glücklichen Kuschelbienen sein, sondern eher schöner Zuckersirup, aber zumindest gibt es dem ganzen einen Geschmack. Wir haben also fetttriefendes Croissant, mit ein bisserl süß und dann noch wahnsinnig vielen leckeren Mandeln. Perfekt halt.

 

J.- 

05.10.2009 um 19:06 Uhr

Frankreich-Essays von Karsten Mekelburg

von: jeary

Was man findet, wenn man "Überleben in Frankreich" bei google eingibt.

Da hat also jemand Essays über Frankreich geschrieben, aus deutscher Sicht. Ich habe noch nicht allzu viel gesichtet, gefühlt werden dabei aber Eigen- und Gewohnheiten der westlichen Nachbarn möglichst humorvoll ausgewertet. (Von wegen nur westlich, die sind hier überall...)

Im Endeffekt macht er das, was ich hier eigentlich tun wollte, nur wesentlich besser. Definitiv mal einen Blick wert, wenn man sich ein ganz klein wenig für Frankreich interessiert oder auch nur schon drunter gelitten hat und sich ein wenig verstanden fühlen möchte:

 

http://www.karsten-mekelburg.de/france/index.htm

 

Grüße,

J.-

05.10.2009 um 16:05 Uhr

Mistwetter.

von: jeary

So langsam geht's los mit dem versprochenen grauen Paris. Nieselregen, grau, dreckig. Aber auch nicht schlimmer als daheim, mal abgesehen davon, daß man sich in der Metro, auf den glatten Steinen richtig schön lang legen kann, wenn man will. (Etwas, was ich ausnahmsweise mal nicht ausprobiert habe, aber ich hab ja noch den ganzen Winter Zeit.)

Und da stieg dann doch ein unsinniger Gedanke in meinem Kopf auf: Daß man einen Regenschirm gebrauchen könnte. Ich wehre mich nun seit Jahren, einen anzuschaffen, weil ich die Teile unschön und peinlich finde, aber gerade eben... ehm... nun ja. Aber es gibt eh keine in schönen Farben. (Dieser kleine, pinke mit den rosafarbenen Punkten, den es da bei Tchibo gab...?)

*gna* Und in zwei Wochen kauf ich mir wahrscheinlich meine erste Handtasche. :( Gehirnwäsche!

 

J.-

04.10.2009 um 13:41 Uhr

Schlafende Seesterne...

von: jeary   Kategorie: Sprache

Im Zuge meiner Versuche, ein wenig Umgangssprache aufzuschnappen, habe ich mich mit ein paar Frauenmagazinen versorgt. Kategorie: Pinkes Cover und möglichst mit typischen Schlagzeilen ausgestattet ("Wie Sie alles von IHM bekommen, ohne auch nur zu fragen...").

Das verwendete Französisch ist sicher nicht hundertprozentig das, was ich von meinen Kommilitonen zu hören kriege, aber zumindest näher am aktuellen, als es jedes Buch sein kann. Gleichzeitig besteht nicht, wie in "Le Monde" die Gefahr, sich doch irgendwo irgendwas viel zu formales anzulesen - zumindest meine Theorie, in Deutschland wird es sicherlich nicht passieren, daß irgendwas hochstelzig ausgedrückt in ... ohje... jetzt fehlt mir ein Beispiel deutscher Frauenzeitschriften. *grübel* Naja, halt die, die gut pink und quietschig sind und auf die Altersgruppe "gerade so erwachsen" über "Quarterlife-Crisis" bis "Hilfe, ich werd 30!" abzielt.

Punkt 1: Ich finde hier nichts, was nicht mindestens zehn Seiten ModeSpecial hat, aber ich schätze, das ist ziemlich normal. Hier dürfen die Handtaschen im Magazin aber auch gerne mal 2000 Euro kosten. 

Punkt 2: Der männliches Anhang ist "Jules". Keine Ahnung, ob "Jules" der Standardname in Frankreich ist, ich glaube das weibliche Pendant dazu las sich "Julie". Wenn also ein Beispiel beschrieben wird (meistens Beziehungssituationen, natürlich), dann macht nicht "der Kerl" oder "der Lebensabschnittsgefährte" Mist, sondern "Jules". Klingt doch gleich viel niedlicher und persönlicher, wenn man das Monster beim Namen nennen kann.

Punkt 3: Glaube nie einem französischen Horoskop, mein deutsches für diese Woche sieht nämlich viel besser aus.

Punkt 4: Eine Formulierung, die ich total klasse finde: "dormir en faisant l'étoile de mer". :) Grob übersetzt (alle, die's besser wissen, nicht so doll auf meine Fingerchen hauen, sonst mach ich's nie wieder...): "beim Schlafen den Seestern machen". Geschrieben von einer jungen Frau in einem Plädoyer für das Singletum. Aus dem Zusammenhang: Sie kann quer im Bett schlafen und es wird sich keiner beschweren. Sachlich natürlich richtig, wirklich klasse dran fand ich halt die Formulierung.

Allgemeiner Punkt:

Knapp hundert Seiten, viele bunte Bildchen:

  • 14 Seiten Werbung, die Modeseiten nicht mitgerechnet, die ja eigentlich auch nichts anderes sind.
  • 24 Seiten Mode-Blabla, dankenswerter Weise zusammenhängend, so daß man sie leichter überblättern kann
  • 7 Seiten Star-Tratsch
  • 30 Seiten Beziehungstipps und entsprechende Artikel
  • gut 10 Seiten Psychokram (Selbstverwirklichung, Entspannung, blub)
  • dabei tatsächlich ganze zwei Psychotests

 Ist in Deutschland nicht anders, ich weiß. Aber da man ja hier ein wenig anders draufguckt, weil man nicht alles sofort versteht... wenn man das jetzt mal als Beispiel ansieht dafür, was in Frauenköpfen so vorgeht. 30% der Zeit für Beziehungsbla, 10% der Hirnaktivität für das eigene Wohlbefinden? 25% darum, wie wir nach außen hin wirken?  (Über die vier Prozent, in denen wir uns von einem Stück Papier und ein paar Kreuzen sagen lassen sollen, wer wir sind, reden wir jetzt mal nicht, das wird zu unangenehm...).

 

J.-

02.10.2009 um 08:53 Uhr

Büüüüücher!

von: jeary

Hallo!

Universitäre Grundeinrichtungen, Teil 2. Bei der ganzen Freude über eine warme Mahlzeit, so mitten am Tag hab ich ganz vergessen zu erwähnen: Ich war übrigens auch in der Bibliothek. Da ist im Endeffekt auch nicht viel drüber zu schreiben, da das tatsächlich mal komplett unkompliziert (mit nur einem Computerfehler) und ohne großen Papierkram funktioniert hat. Nach den letzten Wochen kam das etwas überraschend, war aber sehr angenehm. 

Was sich in Bezug zu Deutschland unterscheidet: Es gibt keine eine, große, zentrale Bibliothek. 

Ja, ich weiß, selbst in Magdeburg gibt es nicht nur eine Bibliothek. Die Mediziner haben ihre eigene, begründet dadurch, daß der Medizinercampus ein Stück vom Hauptcampus entfernt ist. Einige Fakultäten haben zusätzlich ihre eigenen kleinen Bibliotheken - doch findet sich der Hauptteil der bei uns verfügbaren Literatur in dieser architektonischen Meisterleistung nahe der Mensa. Ich zumindest habe mich bisher bei den von mir benötigten Büchern noch nie wo anders hin bewegen müssen, egal, was ich denn gerade studiert habe.

Hier gibt es nun viele "kleine" Bibliotheken, über den kompletten Campus verteilt. Diese sind einerseits nach Fächern unterteilt, andererseits nach Wissensstufen. 

Es gibt die "Bibliotèque Licence 1-2", die die Literatur für die ersten beiden Bachelorjahre beinhaltet, hierbei sind wohl alle Fächer zusammen untergebracht.
Für die höheren Jahrgänge gibt es dann jeweils nach Fächern unterteilte Bibliotheken. Also ein Extraplätzchen für Biologie, Chemie... nur die Informatik und die Mathematik sind "seltsamerweise" zusammen untergebracht. (Übrigens nicht ganz trivial... wenn man an den Platz kommt, wo die Bibliothek stehen soll, ist da eine schmucke Rasenfläche mit Muschel-Skulpturen. Die eigentliche Bibliothek ist drunter, wenn man einmal den Eingang gefunden hat.)
Und dann gibt es da noch die "Sections de recherche", wiederum nach Fächern unter- und über den kompletten Campus verteilt.
Die Größe der einzelnen Einheiten variiert stark, alles habe ich natürlich noch nicht gesehen. Allerdings wird in jeder Bibliothek eine große Menge an Arbeitsplätzen und Internetrechnern, zusätzlich WLAN geboten. 

Grundsätzlich scheint es hier üblicher zu sein, in der Bibliothek zu arbeiten. Zumindest haben sich bisher schon sehr viele von mir mit den Worten "in die Bibliothek zum Arbeiten" verabschiedet. (Möglich, daß das in Deutschland sonst auch üblich ist, ich bin in der Magdeburger Bibliothek aka "architektonische Wunderwerk" nie zur Ruhe gekommen.) Dementsprechend voll ist es dort auch zu jeder Tageszeit, die ich bisher untersucht habe.
Aprospros Zeiten, Öffnungszeiten 9-19 Uhr - nach meinen späten Kursen kann ich also nicht mehr damit rechnen, dort eingelassen zu werden.

Und ein Punkt, der den deutschen Bibliotheken sehr ähnlich ist: Die englischen Exemplare der gesuchten Bücher kriegt man zumeist noch ohne Probleme entliehen, selbst, wenn alle französischen schon weg sind. Gut für mich...

 

J.-