Paris, Paris...

03.09.2009 um 21:06 Uhr

Nun also etwas wortreicher...

von: jeary

... zumindest möchte ich mich bemühen.

Nachdem ich in den letzten Tagen so fast gar kein Internet zur Verfügung hatte, klappt das hier in der neuen Wohnung mal ziemlich gut spontan. Zumindest im Windows. Mein Linux kriegt partout keine IP, auch wenn es keine Probleme mit der Authentifizierung hat. Hinweise an die bekannte Adresse.

Ich bin also heute früh, 5:01 Uhr in MD in einen Zug gestiegen. Vor dem Fenster hielten sich wacker vier Persönchen, winkenderweise. Danke! Ich weiß, daß die Uhrzeit mörderisch war (unter anderem auch für mich) und verneige mich dankbar vor allen, die sich trotzdem rausgequält haben. 

Die Zugfahrt war relativ ereignislos. Zumindest fallen mir die ganzen kleinen Episoden, von denen ich dachte, daß man sie aufschreiben müßte, alle nicht mehr ein. Die Züge waren nämlich gut voll und damit mein Gepäck bis auf das allernötigste (Portemonnaie, Ticket) immer gut weit weg von mir. Weit genug, daß ich mir seeeehr genau überlegt habe, ob ich wirklich Gummibärchen will. 

Irgendwann bin ich dann also in der großen Stadt an der Seine angekommen, mit einem Haufen anderer Menschen (_Der_ Zug war _wirklich_ voll.). Darunter auch ein Haufen junger Leute im studienfähigen Alter. Alle mit einem Haufen Gepäck. Ich muß dazu sagen, daß ich mich in den letzten Tagen immer wieder selbst zurück gehalten habe mit dem Dazu-Packen. (Auch wenn es Leute gibt, die das bezweifeln...) Und dann hab ich noch den C.H. angeworben, daß er mir den Kram dann in den Rucksack verfrachtet. Ich bin nämlich ein richtig schlechter Packer. Aber mit Hilfe und Fluchen und Verhandeln hat dann doch alles in das gute Stück gepackt. Nicht so beim Rest der potentiellen Studentenschaft... gleicher Rucksacktyp wie ich und dazu noch einen grooooßen schwarzen Trolley. Nun ja, das mußte ich jetzt erwähnen, weil ich total stolz auf meinen Verzicht bin. Aber die Weibsen haben wahrscheinlich auch keinen lieben Menschen, der in 12 Tagen zum Besuch ansetzt und dann nochmal einen Rucksack vollpackt. (Mal ganz abgesehen von den zwei lieben Menschen, die im Oktober die Wintersachen brin... ehm... hier Urlaub machen.)

Für Nach-Der-Ankunft hatte ich einen riesigen Vorsatz: Nicht im Zug gleich ein Einzelticket für die Métro kaufen und damit dem Reden aus dem Weg gehen, sondern ran an den Fahrkartenschalter und gleich mal Unterlagen für's Studententicket holen - und natürlich ein aktuelles Monatsticket. Ich hatte in der Schlange dank technischer Probleme 20 Minuten Zeit mir das nochmal gaaanz genau zu überlegen. Und hab's durchgezogen. Mit ein wenig "Ich versteh Sie leider nicht..." und ein wenig *diskutier* (Nur weil ich Ausländer bin, laß ich mir nicht gleich 'ne Zone mehr andrehen, die ich nicht brauche...) und ziemlich genervten Schlange-Steh-Menschen hab ich's geschafft. Triumph. Ich bin eine total coole Sau, ich hab einen Pass Navigo. Keine doofen Magnetstreifen-Papierkarten und so - ich muß nur noch die Karte auf eine Stelle draufditschen und dann komm ich rein in die Métro. Inzwischen evaluiert: Klappt auch, wenn ich einfach das Portemonnaie draufpappe. Nächste Woche zieh ich dann einfach nur noch den Rucksack drüber. Mal schauen... mögen militante Datensammler mit dem RFID-Leser hinter mir hertingeln.

Dann habe ich mich also vollkommen legal und unschwarzfahrerig zu meiner künftigen Heimat durchgeschlagen. Mit einem Rucksack der... naja,... halb so viel wie ich? wog. Aber ich hab's geschafft. Kurzes Reinschauen, zum Thema Mietvertrag habe ich eine Galgenfrist bis zum Abend bekommen, weil ich einfach mal fertig war, Hunger hatte und btw. auch keine Lust. (Nicht, daß die bis zum Abend hier aufgetaucht wäre...)

Nach einem kleinen Tritt in den Popo eines mir nahestehenden Jabbernutzers bin ich dann noch einmal in die Uni. Häßliches Ding. Absolut häßlich. Und nein, ich werde das jetzt nicht schön reden. Doch. Das eine Gebäude hat lustige Blubberbläschen-Konstruktionen in der Fassade. Und wenn ich nicht zu faul wäre, noch einmal aufzustehen und die Kamera zu holen, würd ich davon jetzt ein Photo hochladen. Aber nicht mehr heute Abend. 

Wenn man einen Franzosen an einer Uni lange genug verständnislos anschaut, erklärt er einem automatisch den Weg zum Auslandsamt. Wichtige Erkenntnis. Definitiv ausbau- und nutzbar. Dort habe ich mich jetzt also gemeldet und bin registriert. Nächster Schritt: Studienfachberater, Termin für pädagogische Einschreibung. Was im Endeffekt nur heißt, daß ich mich für meine Kurse anmelde. Und dann geht's los, nächste Woche bekomme ich einen Studentenausweis. 

Nach den darauffolgenden anderthalb Stunden Diskussion des Mietvertrages und aller ringsum notwendigen Formalitäten bin ich jetzt klatschkaputt und bekopfschmerzt. Jetzt nur noch schlafen, morgen früh geht es zum Einstufungstest für den Sprachkurs. Und nach heute würde ich vermuten, daß ich nicht unbedingt zu den großen Helden gehöre *seufz* ... aber sicherlich auch nicht zu den Totalidioten.

Uuuuund, noch ganz wichtig, zum Abschluß: C.R. einen dicken fetten Knuddler für's Zum-Bahnhof-Fahren. Hat mir eine abschließend abschreckende Fahrt mit dem Nachtverkehr der MVB erspart. Danke, danke, danke!

 

Liebe Grüße,

J.-

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLeSpocky schreibt am 03.09.2009 um 23:07 Uhr::D

    (nur Smiley reicht übrigens nicht: »Bitte gib einen längeren Text ein!«)
  2. zitierenindalo schreibt am 04.09.2009 um 16:52 Uhr:"Wenn man einen Franzosen an einer Uni lange genug verständnislos anschaut, erklärt er einem automatisch den Weg zum Auslandsamt. Wichtige Erkenntnis. Definitiv ausbau- und nutzbar."
    Zu schön :))
  3. zitierenPLuto schreibt am 04.09.2009 um 18:28 Uhr:Zitat: "Linux kriegt partout keine IP"

    Wie schön, kaum ist sie da, gehts auch schon los mit der sprachlichen Einfärbung.
    Nächste Woche will ich die Nationalhymne als Podcast :P

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