Paris, Paris...

11.12.2009 um 12:03 Uhr

Szenen in der Métro... (3)

von: jeary

Ziemlich spät aus der Kletterhalle gekommen, müde, genug Menschen unterwegs, um nach einem Sitzplatz zumindest suchen zu müssen. Umsteigen in "Nation", ein leichtes Vibrieren in der rechten Magenhälfte zeigt an, daß die 1 augenscheinlich schon im Anflug ist, also Sprint.1 Kurz nach dem Warnsignal Sprung in die Bahn2, hinter mir Tür zu, erstmal durchatmen und wieder gerade hinstellen. Ich guck also das erste Mal gerade aus und sehe mich einer Gruppe von knapp zehn jungen Männern in Armeekluft gegenüber, alle mit der Maschinenpistole unter'm Arm. Huch! Einer kann sich angesichts meiner Kulleraugen das Grinsen nicht verkneifen, fängt aber einen bösen Blick von jemandem, den ich dann mal instinktiv in der Befehlskette höher einsortiere. 

Positiver Punkt: Im Umkreis dieser kleinen Gruppe gibt es Sitzplätze ohne Ende. Also die Sitzplätze, die sie nicht blockieren, weil sie da rumstehen - dürfen die sich nicht hinsetzen oder können sie es nicht?

Negativer Punkt: Die Menschen, die trotzdem im Umkreis sitzen, erscheinen ungemein nervös. Also über das Pariser Maß hinaus nervös. Mmh. Musik lauter, Augen zu, who cares? Obwohl ich mir angesichts der immer wieder auf die MGs huschenden Blicke meines Sitznachbarn das Grinsen meist nicht verkneifen kann.
(Und ich selbst rede mir die ganze Zeit ein, daß die Dinger sicherlich gesichert sind und ein ruckartiges Anfahren der Métro nicht zu einem Unglück führen kann... ;))

Vermutlich ein Trupp der armen Menschen, die sich tagtäglich auf den Bahnhöfen komisch angucken lassen müssen auf dem Weg in die Heimat - ich hab da irgendeine Basis in der Nachbarschaft.

 

J.-

 

1 Ja, ich weiß, ich mache mich gerne über die Leute lustig, die zu einer Bahn sprinten, wenn doch vier Minuten später die nächste kommt - gestresste Großstädter und so. Da sich abends diese Zeiten allerdings bis zu unglaublichen acht Minuten Wartezeiten ausdehnen können und ich kein Buch in der Tasche hatte...

2 Man lernt es mit der Zeit. Reinhopsen nach dem Warnsignal, rausspringen bevor die Bahn wirklich steht - das alles möglichst, ohne sich zu verletzten. Die ersten Fälle zumeist getriggert durch einen beherzten Schubs des ungeduldigen Franzosen hinter mir. 

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJan G. schreibt am 11.12.2009 um 13:55 Uhr:als ich in Dubai und Singapur war habe ich lange gebraucht mich an schwer bewaffnete (Militär?-)Polizisten zu gewöhnen. Habe mich tagelang furchtbar nervös gefühlt, als ob sie mich extra scharf unter die Lup nehemn würden und beim kleinsten Fehlbenehmen ihre MG-Mündung vor die Nase halten... Nach ein paar Tagen täglicher Präsenz hatte ich mich daran gewöhnt. Und fühlte mich beruhigt und sicher! Als wäre ich ja auf der "richtigen" Seite und die Leute würden ja quasi für mich arbeiten! Das war glaube ich dann der größte Schock, hielt ich diesen Zustand doch für unmöglich.
    Naja, nur so meine Erfahrungen zu schwer bewaffneten Wachleuten. Irgendwie gibt mir das Thema immer ein mulmiges Bauchgefühl.
  2. zitierenindalo schreibt am 11.12.2009 um 17:40 Uhr:Tigern diese armen Leute, die sich ständig angaffen lassen müssen, nicht sowieso ständig über die Bahnhöfe? Also unabhängig von Basis oder keine Basis?

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.