Out of control.
Stimmung: durchwachsen
Musik: it's my life
So dann gehts mal los... Es gibt einige Ereignisse und Stationen in den letzten 34 Monaten:
1. Eins ist ja schonmal klar: Der supertolle Typ, den ich mir so mühevoll geangelt habe, hat sich als totaler Versagen entlarvt. War ja klar... Natürlich war erstmal alles voller rosa Herzen, Sonnenschein und Pusteblümchen. So soll das ja auch sein, aber so bleibt es ja nicht. Erst ist man die Nummer 1 und dann werden nach ein paar Monaten die Karten neu gemischt und Prioritäten neu gesetzt. Fußball, Feiern, Freunde, Feuerwehr, Freundin - und Rang 6 ist absolut inakzeptabel. Also habe ich ihm die Pistole auf die Brust gesetzt... Entweder Nummer Eins oder Nullnummer. Und auch natürlich: Es hat sich nichts getan. Und so habe ich dann den Hut genommen und bin gegangen. Aber wenn frau erstmal weg ist, merkt mann ganz schnell, dass da doch was fehlt - und dann geht es los. Liebesschwüre per Mail, SMS, Brief. Telefonterror und Kontrollbesuche. Unauffällige Streifzüge am Wohnhaus vorbei. Die klare Ansage: "Es ist zu spät. Gib auf. Es hat keinen Sinn." hat dann aber erstmal gefruchtet.
2. So. Dann kam erstmal nichts weiter. So Männertechnisch. Bis ich auf der Arbeit einen wirklich netten Typen getroffen habe... Der nicht nur süß aussieht, sondern auch noch ehrlich und liebenswert ist. Ich war wirklich begeistert - vom Mann und vom Leben. Das Leben ist nämlich doch manchmal schön. Nicht immer, aber wenn es jemanden gibt, der wie seelenverwandt wirkt, dann kann man es sich schön machen. Nach einr längeren Testphase mit ganz ungezwungenen Dates zum Kaffee trinken oder einfach nur ein Feierabendbier oder zum Handball gucken, haben wir dann irgendwann entschieden, dass es passt. Und so haben wir uns langsam eine wunderschöne Beziehung aufgebaut. Alles ist perfekt verlaufen. Wir haben zusammen gelacht, geweint, gefeiert, gechillt. Und wir sind echt glücklich gewesen. Aber wie das so ist, mit der Zeit schleicht der Alltag ein. Und irgendwann ist der andere einfach nur noch so da... Es ist schön, aber nicht mehr so rosarot und so toll und so neu. Und nach einem Jahr muss man anfangen, sich echt anzustrengen und sich was einfallen zu lassen, damit es nicht einschläft und einfach nur alltäglich wird. Aber leider haben wir diesen Absprung nicht so richtig geschafft. Wir haben wirklich beide gekämpft und beide alles versucht. Wir haben geredet. Oft geredet. Über Probleme und wie wir das lösen können. Über schöne Zeite und dass das doch nicht alles war. Über Pläne, die wir hatten. Über die Gefühle, die mal da waren. Aber auch das hat nur noch die Zeit überbrückt, bis uns beiden klar werden musste, dass die Gefühle eingeschlafen sind und dass irgendwie etwas fehlt. Es ist nicht einfach, sich nach einer schönen Zeit einzugestehen, dass es nicht mehr weitergeht. Vielleicht auch weil die Erwartungen an die Beziehung und deren Verlauf sich einfach verschoben haben. Karriere oder Kinder? Kleiner Flitzer oder Familienkutsche. Hotel Mama oder gemeinsame Wohnung. Und so hat leider auch diese Beziehung nicht für immer gehalten, aber ich denke, sie hat ein gutes Ende gefunden. Das Ende hat viele Tränen gekostet, auf beiden Seiten. Wir haben es uns nicht einfach gemacht. Wir mögen uns weiterhin und er ist einfach immer noch ein toller Mensch für mich. Ich achte, schätze und mag ihn immer noch sehr. Und das ist gut und wichtig, auch weil wir gemeinsam arbeiten. Es ist sehr schade, aber es ist besser so. Wir können uns, denke ich, sagen, dass wir alles versucht haben.
3. Tja, Part 3 spielt sich irgendwie im Laufe des Parts 2 ab und umfasst die Problematik aus Part 1. Klasse Sache. Denn während ich davon ausging, dass der gute Partylöwe verstanden hat, dass er sich ändern muss, um eine Frau nicht nur kurzfristig glücklich zu machen, sondern eine richtige Beziehung führen zu können, hat er sich immer mehr in all seinen Problemen vergraben. Sich selbst bemitleidet und sich selbst runtergemacht. Schlecht in der Schule, im Job, in der Beziehung, im Fußball und als Freund. Im nachhinein hat er mir gesagt, dass er schon immer Selbstzweifel hatte und nie an sich glauben konnte, dass er sich wertlos gefühlt hat und überflüssig. Eine neue Liebe und einer direkte Abfuhr haben ihm dann so zugesetzt, dass er es nicht mehr ertragen konnte und allem ein Ende setzen wollte. Unvorstellbar. Er hat es nicht getan - nicht tun können, weil er vorher gefunden und aufgehalten wurde. Aber das ist schon ein einschneidendes Erlebnis für alle Beteiligten. Ihm geht es besser als damals, aber nicht gut. Er sagt mir, dass er immer noch so fühlt, als wäre er ein Nichts und als würde er auch nichts hinbekommen, aber... Ich kann ihm da keinen richtigen Ratschlag geben. Was soll man da auch tun? In die Lage kann man sich so nicht recht versetzen... Wenn jemand über Jahre depressiv ist und sich wertlos fühlt, kann man nicht mit einfachen Sprüchen alles wieder gut machen. Das braucht mehr. Und das braucht vor allem mehr von anderen als von der Exfreundin. Ich habe ihm sagen können, was ich geliebt und was ich nicht so sehr geliebt habe. Und natürlich was mich gestört hat. Aber seine Ansichten, was wichtig ist und was nicht, sind ja nicht ausschlaggebend. Und so habe ich seit knapp zwei Jahren auch noch regelmäßig diese Sorge im Kopf rumschwirren. Denn auch wenn ich ihm sage, dass ich ihm nicht helfen kann, weil ich kein Psychologe bin und ihn ja nur einen Bruchteil seines Lebens kenne, bekomme ich doch regelmäßig eine Nachricht voller Selbstzweifel und Traurigkeit von ihm. Da weiß ich wirklich nicht weiter. Das ist ein ganz schön harter Brocken.
4. Und nun sind wir schon fast in der Gegenwart, aber für Punkt 4 auf meiner Reise durch die Zeit bis hin zum 21.02.12 ist heute nicht mehr die richtige Gefühlslage... Erneuter Herzschmerz, erneute Heulkrämpfe, erneut hat Reden nichts gebracht.
P.S.: Ich denke, in den letzten 34 Monaten bin ich wesentlich erwachsener geworden. Ich vergöttere jedes Wochenende ohne Asti und Mädels, dass ich im Pillerlook aufm Sofa verbringen kann.

