64 Tage und die Abenteuerlust...
Ich falle gerade im Internet über die Buchempfehlung:
101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist"
Ein Buch für Abenteurer und solche, die es werden wollen.
Sind ein paar Beispiele dabei. Und da ich im Grunde wild und verwegen bin und in meinem nächsten Leben Punkrocker werde, schau ich mir das doch mal an. Los gehts.
Fahre einem Tornado hinterher!
Ja wiiiie denn? Gibt es ja so unheimlich viele hier. Na, super!
Erfinde einen Cocktail.
Hah! Hab ich schon mal gemacht. Im dicksten Bayern in einem Jugendfreundehaus und wir hatten nur noch Southern Comfort und Kakao. Über das Ergebnis möchte ich nicht sprechen.....
Leg Dir eine sinnlose Sammlung zu.
Ich hab mal Kondome gesammelt. Mit dem selben Spinner, mit dem ich auch da oben das Gebräu gesuffelt habe. Ich glaube, es gibt nichts sinnfreieres als die Dinger zu sammeln. Die gehören genutzt!
Vertiefe Dich ins Kamasutra - theoretisch und praktisch.
Und mach vorher eine Ausbildung beim chinesischen Staatszirkus, oder was? Da sieht man wieder mal, dass die meisten das Ding noch nie im Original in der Hand hatten. Das gehört in die Wand neben die Orthopädie-Bücher.
Mach ein Feuer ohne Streichhölzer!
Und Feuerzeug gilt? Mal abgesehen davon, habe ich als Kind ziemliche Verwüstungen mit der Lupe meines älteren Bruders angerichtet. Das darf dann genügen an Feuer legen...
Lies die wichtigsten Bücher aller Zeiten!
DAS ist doch mal interessant. Welche wären das denn? Die Bibel, den Koran? Nach Auflage, Verkaufszahlen, persönlicher Wertigkeit? Da hätte ich gerne mal eine intelligente Antwort...
Mach mindestens eine große Anschaffung, die Du Dir nicht leisten kannst.
Habbisch!
Geh tauchen.
Binnisch!
Schließ Frieden mit Deinem Ex.
Mit dem ganz neuen Ex: Niemals. *vogelzeig* Mit dem Rest bin ich gut befreundet.
Rette jemandem das Leben.
Huch, ist mir auch schon passiert. Aber was, wenn das jetzt Lieschen Müller liest? Irgendein Mensch, der gerne wild und verwegen wäre? Der daheim auf der Couch hockt und was Neues probieren möchte? Raus will aus Alltagstrott und Agonie? So langsam fange ich an das Buch blöd zu finden!
Verbringe Weihnachten am Strand.
Gehts noch langweiliger? Das soll abenteuerlich sein? Ächz.....
Koche ein drei-Gänge-Menü.
schnarch....
Geh auf eine Demo.
Erstmal eine finden heutzutage! Die Leute trauen sich ja nix mehr!
Miet Dir einen Camper und mach Dich auf den Weg.
Sehr wild. Macht ganz Holland jeden Sommer.
So, jetzt langt es. Das ist die reinste Verarsche. Dabei fand ich den Ansatz so gut:
Versuche im Laufe Deines Lebens so viele Aufgaben wie möglich zu erledigen
- Riskier was! Manche Aufgaben sind nicht ohne Mut zu schaffen.
- Hab Geduld. Nicht alles kannst Du sofort erledigen.
- Wenn etwas nicht auf Anhieb klappt – versuch es immer wieder! Manches braucht sicher mehrere Anläufe.
Das Motto lautet: Besser Du bereust etwas, was Du getan hast, als dass Du bereust, etwas nicht getan zu haben, das Du unbedingt hättest tun sollen.
Aber: Die Zielgruppe, Menschen die so was kaufen und was verändern wollen, was wird denen denn damit gesagt? Genau: Du bist und bleibst ein Langweiler! Du hast noch keinen Düsenjet mit der Hand gefangen? Krokodile gefrühstückt? Langweiler! Man, man, man, wer setzt so etwas eigentlich in die Welt? Unerhört!
Ich mache mal was wirklich abenteuerliches und rufe meine Mutter an. Wenn ich mich da fünf Tage nicht gemeldet habe, hat das was von „mit nacktem Hintern in einen Ameisenhaufen fallen!“ Ob es mich denn noch gäbe, ich könnte ja mal ein Bild schicken. Und so weiter und so fort.
Sie erzählt mir dann aber die neuesten News von Dick & Doof und mein Bedürfnis, den Kopf auf den Tisch zu legen, weicht dem Gefühl selbigen an die Wand zu schlagen. Stundenlang!
Vielleicht bringe ich es morgen fertig, das zu notieren, damit ich irgendwann, wenn ich alt und grau bin oder Dick & Doof sich gegenseitig abgemurkst haben, nachlesen kann, wie alles kam. Für heute ist mir das echt zuviel. Hätte ich mal bei obigem dusseligen Buch weitergelesen......
Statt der News, die Weisheit des Tages. Saucool!
Ein Tier, das in Deutschland nicht vorkommt, ist die Katze unterm Sofa, wenn man sie ruft.
© Ulrich Erckenbrecht, (*1947), deutscher Schriftsteller und Aphoristiker



