Ich muss mich manchmal wirklich fragen, WIE naiv man eigentlich sein kann? Freitagabend: Wir brettern -nach telefonischer Ankündigung- zu meinem herzallerliebsten Bruder und seiner liebreizenden Frau zum Babykatzen-Watching.
Dick macht uns die Tür auf, von Doof keine Spur. Die kniet im Bad, vor der Duschkabine, tüdelt irgendwas, sagt noch nicht mal Hallo. Na denn, die Kleinen sind sowieso interessanter. Mönsch, sind die winzig. Beide super süß. Das Mädel etwas schüchtern, ihr Bruder eher der Draufgänger, aber alles noch sehr tapsig und überhaupt: Laminat ist glatt. Der Meinige und ich zücken die Kameras und auf sie mit Gebrüll.
Mein Bruder setzt sich zu uns, fragt, ob wir was trinken wollen, macht Kaffee und holt dann zu langer Rede aus, was die Kurzen so den lieben langen Tag treiben. Wie sie spielen, wie sie fressen, wie sie schlafen, wie sie den Kratzbaum malträtieren, wie sie atmen und so weiter und so fort. Das Ganze mit dem Gesicht "Ganz-der-stolze-Papa" und uns drängt sich der Eindruck auf, er hat ein Haus und eine Villa an der Côte d´Azur und zehn Millionen Euro Lottogewinn noch oben drauf bekommen. Er strahlt, wie ein Atomkraftwerk. :-)
Die Wohnung hat er auch umgestaltet, damit Kratzbaum, Katzenklo und der übliche Krempel ihren Platz finden, überall fliegt Katzenspielzeug rum und Dick lässt die Beiden kaum aus den Augen.
Isch guck kaum noch Fernseh, sagt er versonnen und kommentiert jedes Spielzeug einzeln. Das mit dem Fernseher ist allerdings so eine Sache, der brüllt nämlich in infernalischer Lautstärke, deswegen brüllt Dick auch und wir mit und im Arbeitszimmer brüllt noch eine weitere Glotze und zwei PC brummeln so vor sich hin.
Der kleine Kater lässt sich schwer aus der Fassung bringt, zuckt nur dann und wann zusammen, die kleine Maus sucht schon eher nach einer Ecke, in die sie sich verziehen kann und macht einen großen verschreckten Bogen um das Glotzophon. Ich sag ihm, dass Katzen ALLES um ein vielfaches lauter hören, als Menschen und er dat Dingen, doch bitte was leiser drehen soll! "Echt?", fragt er und lässt den Fernseher auf Düsenfliegerlautstärke weiterbrüllen. Tza, was soll ich tun....
Auftritt Doof.
"Schatz, guck ma."
Dööfchen hat von den Fingerspitzen, bis zu den Handgelenken RABENschwarze Hände.
"Ei kannsdu kei Handschuh nehme, Du doof Kuh?"
"Hammer welche?"
"Ei sichä, hammer welche!"
"Wo?"
Bruder Dick steht auf und verschwindet in der Küche, um wenige Sekunden später seiner geliebten Gattin mit einem Zwei-Pack Haushaltshandschuhen vor dem Gesicht herumzuwedeln.
"Wieso bisten Du so blöd und packst da rein?"
"Ei, wohern solln ich des wisse?"
Das alles NOCH lauter als vorher unser kleines Gespräch mit ihm und zweifelsohne latent aggressiv. Dick klärt uns auf. Seine Holde hat Kleidung im Putzeimer in der Duschwanne eingefärbt (schwarz nehme ich an...höhöhö...) und statt einen Kochlöffel oder ähnliches zu nehmen, hat sie es wohl mit den Händen durchgemischt. Die Beiden brüllen sich weiter fröhlich an, Dööfchen sieht das gar nicht ein, dass sie hätte wissen müssen, dass Kleidungsfärbemittel auch Hände einfärbt, verteidigt sich damit auch weiter wütend, während mein Bruder bei seinem "Wie blöd muss mer dann sein?" bleibt.
Er drückt ihr Handwaschpaste in die Hand. Bringt nix. Anschließend schüttet er Domestos drüber. Bringt nix. Die nächste Flasche, die er am Start hat, ist Dan Clorix. Bringt nix. Außer, das mittlerweile die ganze Bude abenteuerlich riecht und die Katzen sich hinter den Kratzbaum verziehen. Mir wirds dann auch etwas schummerig...börgs...
Dööfchen geht googeln und kommt mit der Erkenntnis Zitronensaft zurück. Hammer des? Sicher hammer des. Und so weiter und so fort. Und siehe da: Bringt nix. Es riecht jetzt aber angenehmer....oh weiha....
Dööfchen kommt ins Wohnzimmer, zeigt ihre Händchen vor. Höflich machen wir die üblichen Witzchen darüber, aber sie ist bereits super angefressen. Mein Bruder geht googeln, sie hinterher. Sitzen wir da, der Meinige und ich. Die Knie neben den Ohren, 23 Zentimeter über dem Boden, allderweil Dick die Holzknubbelfüße vom Sofa abgeschraubt hat: Ei, da hat sich immer die ei Katz hin verpisst.
Nuja, die wird schon ihre Gründe gehabt haben, DENKE ich mir und presse die Lippen zusammen.
Dööfchen kehrt wieder und schaut in die Glotze. Die Simpsons laufen. Laufen bei uns nie, mag der Meinige nicht, wird Birne hohl. Mag ich aber, zu Zeiten doch ganz lustig.
Dööfchen redet nicht mit uns, schaut nicht nach den Katzen. Ich mache einige Haushaltvorschläge, wie sie das eventuell abbekäme, sie murmelt was, schaut weiter hypnotisch in die Glotze. Kann die nicht wenigstens mal probieren, was ich sage? Ich hatte Backpulver vorgeschlagen, damit waschen wir Gardinen, oder vielmehr, die eine weiße Gardine, die wir besitzen. Alter Insider: Die wird immer blütenweiß!
Sollse halt weiter so da hocken, denke ich mir, schnappe mir die kleine Miezekatze und mache eine kleine liebe Ganzkörperuntersuchung, ob mit ihr alles in Ordnung ist. Das mache ich mit meinen Beiden täglich. Beim schmusen, ganz vorsichtig, mit gut zureden, in die Ohren schauen, in den Mund schauen, After kontrollieren, Fell ebenso, Krallen und Motorik schauen. WENN meine Minipumas mal etwas haben, lassen sie so nämlich jede Untersuchung über sich ergehen, auch beim Tierarzt, ohne das hinterher einem der Beteiligten Gliedmaßen fehlen.
Außerdem hat die Kätzin eventuell einen Nabelbruch, dass konnte man letzte Woche bei der Züchterin noch nicht konkret ertasten, weil das wirklich Mini-Würmchen sind und das hat mich schließlich und endlich auch dorthin getrieben.
Dööfchen schaut irgendwann auf und sieht, das ich das Mädel am Wickel habe. Die liegt dösselig auf meinem Schoß, lässt sich beschmusen und bekraulen und zwischendurch reibe ich immer wieder mal über den Nabel, der SEHR deutlich vorgewölbt ist, um zu schauen, ob es sie schmerzt oder ob sie jammert. Dööfchen sagt: "Was is nu?"
"Najaaaaa", erwidere ich, "ich würde da schon einmal demnächst beim Tierarzt aufkreuzen, damit er sich das anschaut, sieht wirklich nach einem Nabelbruch aus, aber ich bin kein Veterinär. Aber lieber einmal zuviel geschaut, als einmal zu wenig"
Antwort: "Dann soll die Tussi mir Geld wiedergeben!"
Laut, gemein und boshaft.
Grrrrrrr. Kann ich nicht drauf. Statt mal zu fragen, wie es dem Tier geht, aber neeeiiiinnnn. Überhaupt: SIE wollte auf biegen und brechen die Tiere haben. Jetzt macht es den Eindruck, sie hätte KOMPLETT das Interesse an Ihnen verloren und das liegt NICHT an den aktuell schwarzen Händen, um die sich Sorgen macht.
Der Meinige und ich stellen für uns fest, dass man mit der Zeit einen "Wanderblick" bekommt. So haben wir das jetzt mal für uns getauft. Hat man Tierchen im Haus herumwuseln, wandert der Blick immer wieder durch den Raum -ohne das jenes an Hysterie grenzen muss, auch wenn ich für mich feststellen muss, es momentan NOCH häufiger als früher zu tun, aber das liegt an meiner derzeitigen Paranoia- und schaut, wo die Fellnasen sind. Knabschen sie gerade mal wieder was kaputt? Liegen sie irgendwo rum und poofen? Schlecken sie sich gerade ab? Untersuchen sie die Unterseite von der Couch? (Geht) Untersuchen sie die Unterseite vom Couchtisch? (Geht bedingt, da immer was abgeräumt wird) Untersuchen sie die Unterseite vom CD-Regal? (Geht garnicht, da CDs akut einsturzgefährdet, wenn einmal eine ins rollen kommt....)
Wie auch immer: Zu leise ist verdächtig, war schon so als ich klein war, geht bei Tier und Menschenkind, wird auch immer so bleiben.
Der Wanderblick. Mein Bruder hat ihn, schaut sich im Raum um, nimmt die Katzen hoch, wenn sie in seine Reichweite kommen, schmust mit ihnen, spielt mit ihnen. Die Dame des Hauses: Null. Wir ärgern uns und beschließen zu gehen. Mein Bruder sagt noch: "Ey, die sinn bestimmt gewachse, wenners nächste Ma kommt!" Er hat dabei den kleinen silbernen Kronprinzen auf dem Arm und lächelt einmal rund. Süß....:-)
Seine Holde sagt: "Ey, nehmter die, wemmer im Urlaub sinn?"
Wenn sie sonst keine Schmerzen hat. Natürlich nehmen wir sie. Umso unerklärlicher aber für mich, dass die Beiden kein Umfeld besitzen, das auch mal nach den Tieren schauen würde. Die paar echten (!!!) Freunde, die mein Bruder hatte, hat Doof mittlerweile mit Erfolg verkrault und die Beiden stehen mehr und mehr alleine da. Aber bevor es irgendein Deppchef in deren doofen Kaff macht, ziehen die Katzinis selbstverständlich bei uns ein.
Und ob sie die Tiere dann noch nach dem Urlaub wieder haben wollten? Diese Frage stellt sich mir doch mehr und mehr. Mein Bruder sieht ja auch, dass da bei Frau "Haben will" das Interesse schon nach einer Woche erloschen ist. Traurig das alles.....oder anders:
Anna, mach den Hubschrauber klar!
P.S.: Man stelle sich doch bitte deren Ausdruckweise in breitestem Hessisch vor, nicht unter 100 Dezibel und das ganze ordentlich aggressiv. Die meisten Schimpfworte habe ich weggelassen, ich muss mir das nicht antun, dass bei mir nochmals hervorzuholen. Gelinde gesagt, waren der Meinige und ich aber ziemlich geschockt, wenn wir uns das Miteinander da so anschauen. Hatte am Polterabend irgendwie anders ausgeschaut. Achja: Die Story fehlt ja auch noch! Wie wir alle, alle ALLE wieder dufte Freunde wurden.....urgs......