Königin der S@L@THERZEN

30.12.2009 um 13:51 Uhr

Neues Jahr, neues Glück

"Man", ächzte neulich eine Kollegin aus der Nachbarabteilung und ließ sich bei mir im Büro auf den nächstbesten Stuhl plumpsen, "hoffentlich ist das Scheißjahr bald vorbei und das nächste wird besser!"

Gedacht habe ich: Willkommen im Club! Gesagt habe ich: "Ja, dann wird wahrscheinlich meine Mutter sterben!"

Ist mir einfach so über die Lippen gerutscht und niemandem tat es mehr leid als mir, als die Kollegin mich so schlimm betroffen ansah. Sie fragte nach, wie es ihr ginge. Und um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Jedes Mal, wenn ich frage heißt es, dass sie von Pontius zu Pilatus im Ärzte-Haus renne. Das sie diese und jene Tabletten nicht vertrage und sie deswegen auch Wasser einlagern würde und deswegen so dick sei. Aber ansonsten ginge es ihr gut. Aha. Nix Aha. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ich fragen soll, oder wie ich das Thema angehen soll,  denn irgendwie fühlt sie sich so leidlich gesund. Den kompletten Körper verkrebst, aber watscht uns ab, als hätte sie eine Erkältung und wir einen Knall.

Der Meinige und ich sind vor ein paar Wochen gemeinsam hin und teilten ihr mit, dass wir SOFORT unsere Hochzeit verschieben, wenn es sich abbildet, dass es ihr schlechter gehe. Ich möchte, dass meine Mutter bei unserer Heirat dabei ist. Was war? Sie war sauer auf uns! Vielleicht würde sie ja noch etliche Jahre (Hmja, klar!) vor sich haben und was der Unsinn soll? Auf die Wiederholung hin, dass ich gesagt hatte, WENN es sich ZEIGT, dass es schlechter wird.... wurde nicht mehr eingegangen. Ich fühle mich da echt hilflos, zumal sie ungerecht und -um das Kind beim Namen zu nennen- saublöd sein kann und es auch ist. Siehe Weihnachten: Anschiß, wegen Besinnlichkeitsmangel. Aber wehe, ich möchte meine Ruhe, um Versakh* zu begehen, da wollte sie meiner kleinen Cousine schon weismachen, dass die liebe Tante Pele einer Sekte angehört. Mein Papa hat sich dann hingehockt und ein Buch über Buddhismus gelesen und sagt seitdem "Chef" zur Buddhastatue in meinem kleinen Buddi-Schrein. Wie auch immer, Sinn dieses Festes ist es seinen Bemühungen Ausdruck zu verleihen, zum Wohl aller Wesen zu wirken. Oder kurz: Ich hocke mich hin und versuche weiterhin kein Arschloch zu sein. Mir weiterhin eine Gelassenheit zu wahren, die ich in diesem Clan brauche. Gespräche suchen und auch um Verzeihung bitten zu können und mein festes Ziel ist es, diesen Planeten ein klein wenig besser zu hinterlassen, als er war, bevor ich kam. Think global, act local. Das um nicht zu vermessen zu wirken, weil einer meiner Brüder schon gehöhnt hat: „Klar, machst Du die Welt besser. KLAR!“ Pfft und wenn es nur die kleinen Sachen sein können und sind, wenigstens bemühe ich mich, nicht ständig mit dreckigen Wanderstiefeln anderen über den Schlips zu latschen.
Da wollte ich aber garnicht hin. Jahresrückblick 2009 wollte ich mir vorknöpfen.

Was hatten wir? Anfang des Jahres haben wir uns einen Kopp hoch zehn gemacht, wegen dieser vermaledeiten Hochzeitseinladung von Dick & Doof. Und siehe sich Gedanken machen, wie eine Große: Ich stehe über so etwas immer noch nicht drüber. Denke zuviel nach, grübele und drehe. Kann ich mir auch mal abgewöhnen.

Dann die Flucht auf den portugiesischen Jakobsweg. Die vier netten Feuerwehrmänner aus New York kennengelernt und ich Idiotin habe natürlich zu vorgerückter Stunde gefragt, ob sie bei Nine Eleven dabei waren. Waren sie. Es war eine der längsten Nächte meines Lebens.... Den evangelischen Prediger kennengelernt, irgendwie bleibe ich immer bei Pfaffen oder Predigern hängen, auf dem Jakobsweg. Den supernetten Tiroler, der mit einem Einkaufswägelchen gelaufen ist, weil ihm der Rucksack zu schwer war, die netten Italienerinnen, mit denen man richtig feiern konnte, den toughen Soldaten, die durchgeknallte Hessin, die in die USA ausgewandert ist und sich von Stund an weigerte Deutsch zu sprechen, obwohl ihr Englisch sowas von grottig war. Den gläubigen Boris, der in himmelblauen Socken lief. (Und Sandalen, die hatte ich das letzte Mal im Kindergarten an, so Riemchendinger..*lach*...), die griesgrämigen drei Portugiesen, die nie in die Puschen kamen und das spanischen Ehepaar, das lauter geschnarcht hat, als ein Fußballstadion...Schnarchterroristen....*lächel*...obwohl es damals garnicht so witzig war. Aber jetzt zurückschauend...

Die Entscheidung in Padron: Gehen wir noch den englischen Weg? Schaffen wir das? Als Paar? Als Freunde? Irgendwas zwischen 130 und 150 Kilometern, einmal quer durch die Pampas, ohne Karte, ohne Wegbeschreibung, ohne Führer? Mit nichts als einem kleinen Kompass, der als Werbegeschenk an einem Trekkingschuh hing, bewaffnet? Kein Tag unter dreißig Kilometern? 

Wir haben es geschafft. Und es war das Beste, Größte und Schönste, was wir je zusammen gemacht haben! Es war auch das Anstrengendste, aber was machen wir, als wir uns VIERUNDDREISSIG Kilometer bergauf, bergab durch den Wald geschlagen haben und nach der nächsten Kneipe gefragt haben und es hieß: Nomma drei Kilometer weiter: Wir haben uns kaputt gelacht. Wir haben uns nicht mehr eingekriegt und sind in Badeschlappen von unserer Unterkunft über Feldwege drei Kilometer in den nächsten Puff gelaufen, da gabs Bier! Man, man, man...wenn ich daran denke.....*lach*.....

Ankunft in Santiago: Aus dem Norden kommend, wunderschön. Wir waren nur eine Woche weg, nachdem wir aus dem Süden kommend das letzte Mal vor dieser großartigen Kathedrale standen, aber dennoch war das ein AN-kommen. Geflennt haben wir, wie die Schlosshunde. Geschafft! Endlich geschafft und geschafft waren auch wir. Vor lauter  Freude und Dankbarkeit geheult und gelacht und uns umarmt......und sind die ganze Zeit fotografiert worden....häh? War ein Reporter der französischen National Geographic, ob er weiter fotografieren dürfte, wir wären "so echt". Ob wir ihm ein Interview geben? Für die Sonderausgabe zum heiligen Jahr in 2010? Haben wir gemacht und wie lange klang dieses Pilgerglück noch in unseren Herzen.... Also der Weg, nicht der Reporter, obwohl der unheimlich nett war und ein witziges Englisch mit französischem Einsprengseln sprach....

Zu Hause verstirbt mein biologischer Vater. Liegt bei über 30 Grad fünf Tage in der Wohnung....den Rest erspare ich mir. Obwohl wir Kinder die Wohnung räumen mussten, was ein Spaß. Zwei Tage vorher, verstirbt unser heißgeliebter kleiner Kater an den Spätfolgen einer Lungenentzündung, mit der wir ihn aus dem Tierheim geholt haben. In unseren Armen verlässt ihn die letzte Wärme und wir erholen uns wochenlang nicht von diesem Schock.

Für die Verluste gibt es zwei Neuzugänge, einen kleinen lieben Kater aus Belgien und einen neuen Bruder. Der Kater gibt uns viel Liebe und Vertrauen, der Bruder lernt dies bei seiner neuen hessischen Familie erstmals kennen.

Den Rest des Sommers verplempern wir mit Arbeit, Arbeit, Arbeit und halten es auch im Herbst noch so. Unterbrechen hier aber für zwei stinkelangweilige Wochen auf Tobago, von denen nichts bleibt, als ein (seit Weihnachten final geschlossenes ...urgs...) wehes Beinchen und ein toter Mensch. Daheim die Nachricht, das Mutters Krebs zurück sei....

Mein neuer Teamleiter fängt an, sich in die Top Drei der weltgrößten Spinner zu bewegen, der neue Boss des Meinigen möchte etwas bewegen, aber die Arbeit bleibt das, was sie vorher war: Zuviel und anstrengend. Kurz vor dem Urlaub teilt mir der Herr Zitronenfalter mit, dass es sich ausgeassistentzt hätte bei mir. Ich habe eines der größten Felder zu beackern und schaffe das nicht, ohne jemanden, der mir hinterher räumt, wenn ich Schlachtfelder hinterlasse, oder mir mal eben was über den Zaun wirft, wenn ich im Durchflug bin. Darum bekam ich die glorreiche Assistenz, oder besser: Eine studentische Aushilfskraft. Die kleine (aber energische) M.. Und es begab sich zu einer Zeit, da hatte die studentische Aushilfskraft ihr Studium beendet und laut Vertragsinhalt konnte sie diesen nicht mehr erfüllen und übernommen wird hier schonmal gleich gar keiner mehr, hier wird nur rausgeschmissen. Basta! Nächster Satz der Ober-Zitrone: Und Deine Gehalterhöhung ist auch gestrichen, wir ham kein Geld! Schönen Urlaub!
Boah, ich hätte dem völlig unreflektiert eine pfeffern können. Schleicht vorher dreimal an meinem Büro vorbei und passt genau den Moment ab, wo ich mich in den (Aber sowas von wohlverdienten) Urlaub mache, damit er mir das hinknallen kann. So eine Pfeife. Weiß, das ich auf dem Sprung bin. Hat anscheinend Schiss, dass er mit mir ein Gespräch bekommt, was die Personalpolitik hier im Hause angeht. Checkt aber anscheinend nicht, dass ich mir da auch die Spucke sparen kann. Das sind Management Entscheidungen. Die gelten für alle. Da braucht keine Frau Pelegrina aufmupfen, das interessiert genauso wenig, wie der Sack Reis in China. Und das weiß ich auch!!!!! Hallo????? Arschloch!
Warum die Kleene immer noch hier ist, ist schnell erklärt. Ich bin am dransten, mit Gehaltserhöhung. Ich habe zu Ihren Gunsten die nächsten zwei Jahre darauf verzichtet. Sie weiß es nicht und ich möchte auch nicht, dass sie es je erfährt. Weiß auch sonst keiner. Und ich werde auch nicht darüber sprechen. Punkt! Sie hat nun eine Vollzeitstelle und darf immer noch dann und wann hinter mir her räumen, ansonsten hat sie nun ihre eigenen Felder und das ist gut so.

Damit sind wir auch schon bei den Jahresendarbeiten, Weihnachten und Sylvester......

Hatten wir ein gutes Jahr? Hatten wir. Wir haben uns vertragen, tolle Sachen zusammen gemacht und sind einigermaßen gesund durch die Jahreszeiten gekommen. Wir haben uns geachtet und hoffentlich niemandem all zu weh getan. Wir bieten und boten unseren Tieren ein tolles Zuhause, unseren Gästen ein offenes Heim. Wir hatten gute Gespräche und gute Gedanken. Ich für mich habe zuwenig gebetet, zuviel gegessen, geraucht und getrunken. Das Tanzen angefangen, dafür aber das Tauchen aufgrund fünf läppischer Bandscheibenvorfälle gelassen. Wir sind nicht einmal Fahrrad gefahren, dafür wurden uns zwei Jakobswege geschenkt. Meine Familie hat meinen zukünftigen Gatten voll ins Herz geschlossen und seine liebt mich mehr, als seine zerstörerische, ungnädige Ex, die es tatsächlich schafft uns heute noch zu terrorisieren. Meine Nichte vergöttert mich, ich vertrage mich seit dem Tode unseres Erzeugers besser mit meinen Brüdern. Hat alles immer zwei Seiten.

Auf ein neues Jahr. Möge es Glück bringen. Auf jeden Fall bekomme ich einen neuen, exklusiven, todschicken Nachnamen. So ein Glück!


Allen dort draußen ein frohes Neues! Kommt gut und gesund rüber!

Bis denne in zwanzisch-zehn!



* Das Vesakhfest erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und das vollkommene Verlöschen des Buddha (anlässlich seines physischen Todes). Das Fest stammt ursprünglich aus der Tradition des Theravada-Buddhismus und wird heute von den Buddhisten in aller Welt als der wichtigste gemeinsame Feiertag begangen. Er dient auch der bewussten Suche der Gemeinsamkeiten und gemeinsamen Wurzeln der unterschiedlichen buddhistischen Traditionen in aller Welt. Häufig wird an diesem Feiertag die Internationale Buddhistische Flagge, *KlickstDuhier* als Symbol der weltweiten buddhistischen Einheit, gehisst. Vesakh wurde in Würdigung des buddhistischen Beitrags zur Weltkultur 1999 auch von der UN-Generalversammlung anerkannt.