"Könntest du deinen Egotrip mal kurz unterbrechen? Es ist was Wichtiges passiert."
"Wenn es irgendwas Wichtigeres als mein Ego gibt, verlange ich, dass man es auf der Stelle verhaftet und erschießt."
Per Anhalter durch die Galaxis (2005)
Okay, ich komm zurück. Unter Protest! Außerdem sind mir die Außentemperaturen auf Kallisto mit -140 Grad zu frisch. Ich Friererbse. Gibt es Berichtenswertes? Nein. Erzähl ichs trotzdem? Ja. Die neuen Nachbarn sind da. So halb zumindest. Ganz umgezogen wird dann am kommenden Samstag. Wir haben sie Maria und Josef getauft, weil sie ihren ersten gemeinsamen Stall beziehen und sind derzeit mittelmäßig amüsiert.
Von vorne. Vor zwei Wochen am Samstag sind ja die Obigen -nennen wir sie mal Gitta und Gustav Gans- nach unten gezogen. Hatten jede Menge Umzugshelfer, die alle in Schlappen oder Hausschuhen herumliefen und erst als ich mal eben runter wollte, habe ich mitbekommen, dass da überhaupt ein Umzug stattfand. Dazu muss man sagen, dass es eine zeitlang immer mal wieder Knatsch gab, weil wir der Welt hellhörigstes Treppenhaus unser eigen nennen. Knatsch fand mit diversen Vormietern statt, also Schnee von gestern. Gitta und Gustav schweben ebenso wie wir, weil sie wissen wie die Schritte oder Gespräche schallern, trotz Teppichfließen.
Letzte Woche Samstag bequemen sich dann auch mal Maria und Josef ins Haus. Sie hätten den Schlüssel schon am Sonntag davor haben können, wollten aber nicht. Da fing ich schon an zu grübeln. Erste eigene Wohnung. Beide noch wohnhaft in Hotel Mama. Und dann wollen die den Schlüssel nicht? Wie sind die denn drauf? Schräg sindse drauf, wie wir bald darauf erfahren durften.
Der Meinige bequemt sich just in dem Moment zu einem Spiel, als Maria nebst Papa in einem Minivan vorfahren. Minivan bumsvoll mit *trommelwirbel* Putzzeuch. Aha! Von Beobachtungsposten Alpha sehe ich den Carport ein und einen freundlichen Handschlag zwischen Papa Maria, dem Meinigen und der Neuen. Dann wird die ja wohl auch gleich mal hier bimmeln, oder? Hm, im Arbeitszimmer läuft "Zehn kleine Jägermeister" von den Hosen. Nicht die beste Wahl, um künftige Mitbewohner auf ein herzliches Miteinander einzustimmen. Ich machs trotzdem nicht aus. Höhö.... Die klingeln auch nicht. Den ganzen Samstag nicht, um das mal an dieser Stelle abzukürzen. Der Herzbube von Maria fährt kurz danach vor und fängt an Kisten ins Haus zu schleppen. Ich dachte, die wollen streichen? Häh? Um die zig Kisten drumherum, oder wie? Wird aber noch spannender.
Im Laufe des Tages rücken zwischen 7 und 9 Menschen an und veranstalten ein Spektakel im Haus, in der Wohnung und im Flur, dass ich das Gefühl habe, es wären grob geschätzt zwischen 700 und 900 Menschen. Der Kronleuchter wackelt und klirrt, ich muss die Toten Hosen was lauter machen, um überhaupt noch was zu hören, die Katzen verkriechen sich unters Bett, BEIDE! und gegen Nachmittag ham die mich soweit, dass ich auch gerne unter dem Bett liegen würde und wenns geht, steht das bitte in einem anderen Land!
Wie kann man denn mit dem Streichen einer 50 qm Wohnung so ein Spektakel machen? Warum rast ständig einer durchs komplette Haus? Argl! Dann und wann schaue ich -Else Kling-mäßisch- durchs Fenster oder den Türspion, um zu eruieren, ob die noch mehr Presslufthämmer oder Sandstrahler in ihre Butze schleppen. So hört es sich nämlich an!
Highlight: Der Carport liegt einmal ums Haus herum. Haben wir etwas Schweres oder Unhandliches im Auto, parken wir direkt vor dem Gartentörchen und zerren es dann die drei Meter Weg ins Haus. Machen die das mit einer funkelnagelneuen (und sauschweren) Waschmaschine ebenso? Nein! Tragen die das Ding einmal quer durch die Pampas? Setzen die fuffzehn mal ab? Sind die klitschenaß geschwitzt und fertig mit der Welt, schleppen aber tapfer weiter? Oh, ja! Haus und Garten sind groß, das hat sich richtig gelohnt. Zumindest für mich entspannt zuschauenden Zaungast, die sich fragte, wie blöd man eigentlich sein kann.
Gegen späten Nachmittag wird es leiser, ich bin mit Aufräumen und neugierig sein soweit durch, ergo bequeme ich mich mal in die Waschküche um die Maschine und den Trockner vollzustopfen. Das Erste, was mir begegnet ist dichter Zigaretten Qualm. Aus diesem schälen sich zwei Gestalten. Aha, wassen hier? Party, oder was? Auf der funkelnagelneuen und wie wir wissen SEHR schweren Waschmaschine stehen zwei Bierflaschen und das Dingen läuft munter vor sich hin.
Ich grüße freundlich und erkundige mich wer nu der neue Nachbar ist. Josef stellt sich vor. Der andere nicht. Mir auch wurscht, wer auch immer das ist. Ich plänkel mit Josef rum, der plänkelt munter mit, versteigt sich aber zwischendurch auf ein „sie“.
"Sachma, hast Du mich jetzt gesiezt? Was denksten Du, was ich für ´ne olle Kuh bin?", lache ich.
Er lacht zurück und sagt: "Du wirst so Mitte zwanzig sein, oder?"
Der Waschmaschinenglotzer (WaMaGlo) macht ein verächtliches Geräusch und schaut mich abfällig an. Was hatten der für Schmerzen? Ich weiß nicht, ob Josef das ernst gemeint hat, denn der ist ein kleines bißl hohl, was man schnell merkt, also Thema Wechsel.
Waschmaschine anschließen, hm? Boah, wat sinnig, Frau Pelegrina. Aber immer noch besser, als zu fragen, warum die Hirnis damit einen Halbmarathon gelaufen sind. Jo, Waschmaschine anschließen, fehlt aber hinten das Teil, damit der Abwasserschlauch ruckelfrei im Abfluss steckt.
Genau so ein Teil liegt auf unserem Trockner und ich erwidere, dass ich da aushelfen könne. Bräuchte ich nicht, sie hätten schon eines, auch wenn es nicht gescheit passen würde. Ich drehe mich Richtung unseres Trockners um und sehe, DA liegt UNSER Teil NICHT mehr. Also wird das unseres sein, oder? Und WaMaGlo sagt einfach: Ich habe schon eins, wir brauchen keins von Dir. Ist der noch zu retten? Ich antworte: Jo, meins. Und nehme es, wo es so heimatlos auf deren Waschmaschine liegt, wieder an mich. Kann der mal fragen? Was issen des fürn Seppel?
Der zeigt auf unsere Waschmaschine und sagt: "Und überhaupt: Die ist falsch angeschlossen!"
Ich erwidere: "Die hat mein Vater angeschlossen, wenn ganz Wiesbaden in Schutt und Asche liegt, dann steht DAS Dingen immer noch. Mal davon ab, dass sitzt passt wackelt und hat Luft, seit es hier steht und das sind immerhin vier Jahre. So falsch kanns nich sein, hm?"
Der guckt mich an, als wolle er mich auffressen und schnappt: "Ich bin vom Fach!"
Ich ruckel mit aller Kraft an unserem Waschmaschinenabflußschlauch, strahle ihn an (Das blöde Arschloch!) und sage: "Und? Hält!"
Sein Blick wird frostig: "Ich bin trotzdem vom Fach!"
Mei, wie bescheuert ist der denn? Josef krümmelt irgendwas im hinteren Teil der Waschküche, ich weiß garnicht, ob der mitbekommt, was sein Kumpel da abzieht.
WaMaGlo werfe ich ein zuckersüßes "Wenns mein Vater gemacht hat, hält das!" entgegen. Mir wirds grad zu bled.
Er: "Ich bin trotzdem vom Fach!"
Äh.... Abends sage ich zum Meinigen, dass mir bei sowas nichts einfällt, wir hätten da so wahrscheinlich noch Stunden verbringen können. Auf was wollte der hinaus? Das ich ihn frage, von welchem Fach? Ja, Gott! Gas, Wasser, Scheiße nehme ich an. (Volltreffer, übrigens!) wassen sonst? Soweit ICH weiß, ist Waschmaschinenabflußschlauchinstallateur kein Lehrberuf. Außerdem hat der unseren Deckel geklaut, der Wicht. Ich beschließe die Wildsau-Eiche-Taktik zu fahren, erkundige mich noch höflich bei Josef nach dem Stand der Dinge Wohnungstechnisch. Wir quatschen noch ein wenig, er sagt, sie würden am Abend mal vorbeischauen, dann mach ich mich vom Acker und erbose mich des Abends beim Meinigen über diesen Hans Wurst der Waschmaschinen.
Wir trinken eben ein Bierchen auf seine wohlverdiente Niederlage im Spiel, da klingelt es. AHA! Na, dann mal los. Die Kleene von unten. Will eigentlich auch nur eine Kleinigkeit, soll aber reinkommen, sich hinhocken. Wir erfahren, dass Maria Sekretärin ist und tatsächlich bislang bei Mama und Papa residiert hat und sie mit ihr seit zwei Tagen rumzickt. So schicke Kleinigkeiten, wo unsere neue Mitbewohnerin halbe Anfälle bekommen hat. Die ehemals Oberen sollen die Löcher verputzen. Ehrensache. Allerdings sollen sie keinen Putz nehmen, sondern Gips, weil der Herr Papa meinte, grauer Putz ließe sich nicht überstreichen! Hmja.... Woher hat er denn die Weisheiten??? Klein-Gitta ist aufgebracht. Erzählt noch so drei-vier Klopper. Und je-des-mal Gezicke. Klein-Maria hätte sich aufgeführt, wie eine Irre. Das Beste hebt sie sich zum Schluss auf:
"Und dieser tolle Kumpel von Josef hat ja wohl auch nicht mehr alle Latten am Zaun! AH!"
Ihr Gustav habe etwas gewerkelt, unser neuer Freund ging vorbei und meinte:
"Hier, mach das ja richtig, mein Kleiner!"
Geil! Wuahahaaa.... Ich werf mich weg und erzähle vom Waschmaschinenschlauch. Wir gackern uns weg. Das kann ja lustig werden, wenns Maria-Kind sich nicht abregt und der Waschmaschinenmann öfter zu Besuch kommt. Cool. Nein, halt. Doof, wir wollen ja was von denen.
Unser Keller sieht aus, wie ein umgekippter Zigeunerwagen. Da pfeffer ich seit vier Jahren alles rein, was mir in der Wohnung in den Füßen ist. Der Meinige meint immer, in unseren Keller würden 15 Umzugskisten passen und zwanzig stehen drin, außerdem könne man mittlerweile noch nicht mal mehr einen Bleistift aufrecht hinstellen. Asche auf mein Haupt: Ganz unrecht hat er nicht. Mist. Dann zeigte sich UNSERE Chance. Gitta und Gustav haben den Kellerraum genau neben uns. Zur unteren Wohnung gehört aber -wegen Stromabrechnung und Licht- ein Kellerraum, der ein Stück den Flur runter und dann links liegt. Eines schönen Tages war der Raum neben dem unseren leer, weil die nach vorne gezogen sind. Cool, dachte ich, da schmeißen wir unseren kompletten Kellerinhalt rein, bauen den neu erstandenen Kleiderschrank auf, sortieren die Kisten, fahren bißl was auf die Deponie, verkloppen den Rest auf dem Flohmarkt und Ruh is.
Hand aufs Herz: Was ich die letzten vier Jahre nicht gebraucht habe, weil ich schlicht und ergreifend nicht drangekommen bin, dass brauche ich die nächsten vier Jahre auch nicht. (Oder habe es mir zwischenzeitlich neu gekauft *hüstl*). Also frisch ans Werk. Wir peilten den vorgestrigen Sonntag an. Gitta hatte das auch Maria schon angetragen, wir wollten es Ihnen auch nochmal am Samstag Abend sagen, die kamen aber nicht. Bescheid sagen wollte ich trotzdem, obwohl: Wer braucht zum Malern einen leeren Kellerraum?
Wir tappern Sonntagmorgen trotzdem hoch. *PalimPalim* Maria öffnet. Wir stellen uns einander vor, bislang hatte ja nur der Meinige das Vergnügen. Gude, wie? Wie gehts bei Euch voran? Wir würden jetzt mit der Kellerräumerei anfangen. Nö, sagt sie und verschränkt die Arme. Das war letzte Woche Sonntag. (War es NICHT! Da war der Keller noch garnicht leer und die nicht DA! Weil schlüssellos!) Jetzt will sie das nicht mehr. Uns fällt die Kinnlade. Ich fange mich aber relativ schnell. Dann würden wir eben auf den Waschkeller ausweichen, wär okay. Und tschüss. Ich leg mich mit so ´ner Kleenen an, oder wat? Nix. Luft zu schade. SIE würde heute nicht mehr waschen, wir dürften den Waschkeller benutzen. Aha, und dafür brauch ich Deine Genehmigung, Du Nulpe, oder wat? Boah, was frech. Wir stapfen wortlos in den Keller, watzen die Tür zu und fangen an zu lästern. Ja, brennt der denn der Helm? Gehts noch?
Dann zwirbeln wir Kiste um Kiste aus dem einsturzgefährdetem Konstrukt und tragen sie in den Waschkeller. Nach fünf Minuten öffnet sich die Kellertür und unsere neue Herrin und Gebieterin, wann hier was zu geschehen hat, betritt die Bühne. Sie hätte sich das jetzt überlegt, wir können ihren Kellerraum nun doch nutzen. Es würde allerdings schon was drinstehen, weil sie schon angefangen hat Sachen von Zuhause mit zu bringen. "Wartet, ich öffne Euch die Türe!", flötet sie und macht die Bretterverschlagskonstruktion auf. Ich bin kurz davor einen Lachflash zu bekommen, wie ist die denn drauf? Mal so, mal so, oder wat?
Nachdem wir den Keller freigeschaufelt haben und man nur noch mit dem Klappspaten durch den Flur und ALLE angrenzenden Räume kommt, fangen wir an und bauen den Billig-Kleiderschrank von Möbel-Doof auf, der eine Aufbauanleitung auf hebräisch rückwärts hat und natürlich nur krumm und schief werden kann. Wollte ich mal PAX vom schwedischen Möbelhaus? Aber nein, wir kaufen billigen Scheißendreck aus Indochina. Es klemmt in allen Ecken. Und während wir so werkeln, schnautzen wir uns alle fünf Minuten an: Hier, mal weg da, ICH bin vom Fach! So, mein Kleiner, ich zeig Dir jetzt mal, wie das geht! Wir lachen uns weg und zum üblichen Kelleraufräummuskelkater haben wir am nächsten Tag noch Muskelkater vom Lachen. Schön. :-)
Bilanz der siebenstündigen Aktion:
-Drei Umzugskisten und zwei Müllsäcke für die Kleiderspende.
-Acht Umzugskisten und drei Müllsäcke für die Mülldeponie
UND *trommelwirbel*
21 (EINUNDZWANZIG) Kisten Flohmarktzeug. Meine Mom setzt heute eine Annonce in die Zeitung, damit irgendjemand, der gerne auf Flohmärkte geht, uns von dem Zeug erlöst. Alles weg. Tschüssikowski. Auf Wiedersehen. Ich habe fertig!
Jetzt wird was gelernt!
-Das längste deutsche Palindrom lautet Maetressenhuhnesserteam. Palindrome sind Worte, die von vorn und von hinten gelesen gleich sind.
-Die vier Galileischen Monde heißen Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Sie gehören zu den größten Monden im Sonnensystem und wurden am 7. Januar 1610 von Galileo Galilei entdeckt.
-Der beste Drink, den es gibt, ist der pangalaktische Donnergurgler. Die Wirkung ist so, als werde einem mit einem riesigen Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen.
Per Anhalter durch die Galaxis (2005)
Pelegrina, back on Earth!!!!!!
"Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."
(Logbuch des Captains, Sternendatum 0989,1)