Königin der S@L@THERZEN

13.05.2011 um 15:02 Uhr

Unserer Hände Arbeit….

von: Pelegrina   Kategorie: Auf dem Dorfe....

Da stand er nun der Meinige, einen Fuß lässig auf dem Spaten abgestellt, mit dem er gerade den halben Garten umgebuddelt hatte und in der Hand eine Flasche Lagerbier, deren Bügelverschluss er mit einem lauten und deutlichem „Plöpp“ geöffnet hatte.

„Mensch, Pelegrina“, sagte er, “ wenn mir das einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mal SO im Garten werkele, ich hätte ihm nicht geglaubt!“ Er nahm einen tiefen zufriedenen Zug aus der Flasche und strahlte mich an. Glücklich sah er aus, zufrieden und in sich ruhend und so fing auch unsere Zeit in unserem Garten an….

Das war vor vier Wochen und es hat sich so unheimlich viel getan. Nach den anfänglichen groben Abrissarbeiten, haben wir gepflanzt und gesät, geräumt und entrümpelt, gemäht und geschnitten und dann aufgeforstet. Wir, die wir immer dachten, dass wir keinen grünen Daumen hätten, haben diesen schönen Garten zum explodieren gebracht. Es grünt und blüht, dass es so eine helle Freude ist! Es ist unser Werk, unserer Hände Arbeit und wir sind glücklich und zufrieden. Natürlich leiden sämtliche Computer- und Internetaktionen, denn kaum zuhause, zieht es uns raus und jeden Tag wächst alles ein wenig mehr. Es ist so unglaublich befriedigend, im Grünen zu werkeln. Es ist nur zu trocken, wir müssen fleißig gießen, damit keiner verdurstet und so hoffen wir auf Regen, was wir bis dato auch noch nicht von uns kannten. Nach der letzten vergossenen Gießkanne, setzen wir uns auf ein Bierchen auf unsere Terrasse und schauen einfach nur. Dann und wann sagt einer von uns: „Schön, nicht?“ Und wir lächeln uns an und strahlen heller, als tausend Sonnen.

Betrachtet man sich die Gärten der Nachbarn, so haben wir im hinteren Anschluss die Anlage einer Fabrikantenfamilie mit eigenem Gärtner, der drei Stunden am Tag dort arbeitet. Der Rasen ist piccobello, die Bäume stehen stramm und kein Strauch hat ein krummes Ästlein. Es ist so schrecklich steril, dass man sofort eine Operation am offenen Herzen mitten drin vollziehen könnte.

Zur linken haben wir unseren „Freund“ den Vögelverjager. Die würden auf seinen Golfrasen kacken. Also läuft er von morgens bis abends schreiend, schimpfend und laut klatschend, im Garten herauf und herunter. Die Vögel lachen ihn aus…… und kacken weiter auf seinen Rasen, wenigstens solange, bis er am Gartenschlauch den ganz harten Strahl einstellt und in die Bäume zielt.

Auf der rechten Seite ist der Steineschmeißer, dem kacken nämlich Katzen auf den -mit dem Lineal- beschnittenen Rasen und er wirft nach ihnen. Blöderweise hat er anschließend nichts Besseres zu tun, als das ausgerechnet MIR zu erzählen.

Zu allen sagen wir „Guten Tag, schönes Wetter heut!“ und „Auf Wiedersehen, schönen Abend noch!“ und dann machen wir unser Törchen zu, gehen in unseren kleinen Ökogarten, der nie Gift sehen wird und schon gar kein Lineal und freuen uns über die zwei schwarzen Kater, die auf unserer Wiese herumtollen und sich auch von uns beschmusen lassen. Zu den vier Fellnasen drinnen, haben sich diese zwei Stromer als Außenkater gesellt. Politisch unkorrekt, haben wir sie Morle und Blacky getauft.

Jeden Abend kommt eine Amsel und singt uns ein Lied. Pünktlich, wenn wir brav sitzen und für ihre kleine Melodie Zeit haben. Es ist jeden Tag eine andere Uhrzeit. Sie kommt immer. Nach fünf Minuten, bescheidet sie, haben wir genug und jagt sich mit der Elster um den Dachfirst.

Auf der Wiese sind Schmetterlinge und dicke schöne Hummeln, die sich bestimmt freuen, wenn nicht nur der Löwenzahn blüht, sondern auch die eigens gesäte Schmetterlings- und Hummelwiese. Drei Zentimeter sind die Pflänzchen schon hoch, womit sie einwandfrei durch den Kürbis geschlagen sind. Manchmal habe ich den Verdacht, jemand wechselt die Pflänzchen aus, wenn er wieder über Nacht einen kompletten Zentimeter zugelegt hat. Er darf auch nicht in das ihm zugedachte Kürbisfeld. Nachdem ich dort das gröbste Unkraut entfernt hatte und die Zitronenmelisse unter den Apfelbaum umgesetzt hatte, schauten mich ein paar Hoppelgräber an und ich frage mich, wie viele Karnickel die im Laufe all der Jahre hatten. Überall Holzkreuze. Ich stehe mitten im Hasen-Verdun.

Unter Kollegen entbrennt eine Diskussion, die Pflanzen trotzdem dort hin zu setzen, aber irgendetwas wehrt sich in meinen Vorstellungen, einen Kürbis zu essen, dessen Wurzeln schnurstracks durch Hasenknochen wuchsen. Nö. Punkt.

Das schöne Wetter bot auch an, draußen mit Lauge zu panschen und Seife zu sieden. Drei Sorten sind es an der Zahl und über zwanzig Stücke. Sie sind gehübscht und verziert und warten nun vier Wochen, um zu trocknen und sich zu entfalten.

Eine herrliche Arbeit und die Endergebnisse sind unglaublich schön geworden. Und alles ohne Chemie. So wird auch die Firma L*u*s*h auf mich als Kundin verzichten müssen, dort gibt es nämlich keine echten überfetteden Seifen…. Selbst ist die Frau, nebst zweier Freundinnen, die dass Seife sieden mit ebenso großer Spannung, Neugier und Freude verfolgen, wie ich. Wir haben tausende Ideen, jede von uns beackert ein anderes kreatives Feld, der Meinige kommt aus dem Lächeln garnicht mehr raus und sagt Hexenküche! zur mittlerweile etwas größeren Ansammlung an Duft- und Farbstoffen, Fetten, Ölen und Formen. Mal von den Töpfen abgesehen…. Joghurtbecher darf er auch keine mehr wegwerfen. 

Da sind noch schwere Päckchen, die er und ich herumtragen müssen. Meiner Mutter hat man am 11. November letzten Jahres gesagt, das sie noch vier bis sechs Monate zu leben hätte. Heute ist der 13. Mai…… Sie kann nicht mehr laufen, die Tumore haben in den Füßen die Nerven lahmgelegt. Will sie stehen, knicken sie weg, die Füße und meine Mutter fällt. Darum will sie nun nicht mehr stehen. Es gab schlimme Stürze, bis das klar war. Es gab schlimme Zeiten. Im Dezember, wußten wir nicht, ob sie das neue Jahr noch sieht. Nun, sagt sie mir, mag sie meinen vierzigsten* Geburtstag noch erleben. Der ist im August und am Samstag saß sie draußen, als wir kamen und ich erkannte sie auf den ersten Blick nicht, so klein und wenig ist sie geworden. Das kümmert mich sehr und lange wollte ich dieses Bild nicht verlieren. Dann bekam sie aber vorgestern einen so aberwitzigen Lachflash, dass ich diesen nie mehr vergessen kann und ihn als einen der besonderen Augenblicke für immer im Herzen belassen werde. Ach Mom, Du weißt, wie sehr ich Dich liebe…

Sie hat mir einen Motorroller geschenkt, als mein Erbe sozusagen und falls sie es wirklich nicht mehr in den August schafft. Drama. Ich solle mir etwas wünschen. War ich unfähig zu. Hätte am liebsten geflennt, wie ein kleines Kind: „Ich wünsch mir, dass Du noch zwanzig Jahre lebst!“ Ging nicht. In dieser Woche, wußten wir nicht, ob sie die nächste Woche noch schafft. Der Notarzt war dreimal in der Nacht da. Sie hat vor Schmerzen geschrieen. Ich stand am Fenster und schaute, wie die Jogger durch den Kurpark saußen, wie sie aus allen Löchern gekrabbelt kommen, jetzt wo es wärmer wird. Kann nicht reden, bin wie erschlagen. „Wünsch Dir doch bitte was“, sagt sie immer wieder. Eine Freundin sagt: „Klar, sie will mit noch warmer Hand geben!“ Das schickt mich auf die Bretter. Sie hat Recht, aber ich muss weinen.

Wir bestellen eine neue Schlafcouch für die Bibliothek. Das macht keinen Sinn. Wir haben schon eine. Außerdem haben wir Gästezimmer. Es soll drei Wochen dauern. Die Couch kommt nicht, dafür aber ein Brief: Das mit der Couch dauert nochmal vier Wochen. Sie kommt trotzdem nicht, nur ein weiterer Brief, dass es nochmal dauert. Während mich das ärgert, macht eine Freundin den Führerschein und feuert mit 17 Km/h (Sie hätte noch Angst, alles so neu!) an mir vobei, während ich zur Bushaltestelle schlendere. Was nun mit ihrem Roller sei, frage ich sie, als wir uns das nächste Mal sehen. Der gehöre dem Babba. Ich also zum Babba. Was mit dem Roller sei? Ob ich ihn haben will? Was er für einen Preis aufruft, frage ich. Er nennt einen Preis, ich sage meiner Mutter, die Couch sei Geschichte, der Babba der Freundin bekommt das Geld von meiner Mama und ich bretter mit gefühlten 13, 7 Km/H durch die Gegend (Ich hab noch Angst, alles so neu!). Meine Mutter quietscht vor Vergnügen, als ich ihr entrüstet mitteile, dass mich schon die ersten Autos überholt haben und fragt, wie ich ihn getauft hätte? Sie kennt mich, ich taufe ALLES was mir vor die Füße fällt. Little Thunder, sage ich und die Frau bekommt so einen Lachanfall, das sie sich mi-nu-ten-lang nicht einkriegt. Ist das denn zu fassen? *lach* Ich muss so mitlachen, das wir uns fast in die Hose machen, weil ich ihr noch –nicht ohne den Hauch einer gewissen Theatralik- erzähle, dass ich Thunder schon mit knappen 46 Km/h über die Hauptstrasse gedroschen habe. Weit und breit niemand zu sehen, da war ich mal mutig. Wir lachen und lachen, albern herum und sie sagt: „Macht mehr Fun, als die Couch, nicht?“ Klaro! Hat sie wirklich Fun gesagt? Sie hat. Mensch, dieses Gespräch werde ich nie vergessen.

Anders als die Couch, macht Thunder auch Sinn. Ich bin nicht mehr auf unzuverlässige, unpünktliche Busse angewiesen. Mein Auto wird auf diesen kurzen Strecken auch nicht warm und irgendjemand müßte sich mal erbarmen, ihn über die Autobahn zu hetzen, traut sich aber keiner, bei den Spritpreisen und außerdem bin ich ständig in Üfftelstütz unterwegs und das läppert sich ganz einfach zusammen, wenn man von einem Ende an das andere latschen muss. Außerdem wollte die Freundin, dass der Roller in der Familie bleibt, er hat kaum was gekostet und er steht mir. Alles gut.

Und jedesmal, wenn mich einer fragt, kann ich sagen, das er von meiner Mama ist! Und das, ist für uns beide wohl sehr wichtig…..

Sonst:

 -Großer Norwegerkater wächst und wächst. Wird größer als ich.

-Kleiner Norwegerkater hat immer noch Schwierigkeiten mit den Zähnen. Spart dafür Energien auf. Ist klein, sehr klein. So klein, das er morgens auf meinem Gesicht stehen kann, um mich wachzustarren.

-Andere Katzen: Alles gut. Erleben zweiten Frühling im Haus und finden alles immer noch sehr spannend.

-Braucht jemand Brüder? Ich hätte mal wieder welche im Angebot, ich leg Geld und Seife drauf. Viel Geld und viel Seife!

-Firma: Deal! Ich bin ein Held. Ein Oberheld. Aber auch fix und fertig und ausgebrannt. Egal, ich bekomme vier Tage Urlaub, alles wird gut.

-Hat jemand schöne Knöpfe?

*Hedera, wat issen mit meim Geburtstag? Die ersten Betten mit Meerblick sind bei uns schon vergeben! ;-) Der Meinige fragt die Lady und das Rabi an, die würde er noch nicht kennen. Scheinbar hat er verpennt, mit WEM wir letzthin Tapas futtern waren, es möchte ihm bitte nachgesehen werden, er hat es nicht so mit Namen.

04.03.2011 um 12:52 Uhr

Narhalla-Marsch

von: Pelegrina   Kategorie: Auf dem Dorfe....

Es ist ja nicht so, dass ich die Zeichen der Zeit nicht gesehen habe. Wohl habe ich sie aber falsch gedeutet. Ich meine, Chouchou ist auf Fassenacht, hie und da erklingt ein undeutliches Helau, der Discounter verkauft erschreckend häßliche Kostüme für Erwachsene, in der Eck Kneipe liegt Konfetti.
Aber erst, als
JO zu mir sagte, er sei JETZT am Rosenmontag bei der und der Veranstaltung, fiel es mir, wie Schuppen aus dem Haar.

DAS IST JA SCHON JETZT!!!! WAH!!!!!!! Ich dachte, das wäre noch ewig hin! Ich bin entsetzt und gleichzeitig gespannt, was in unserem trauten neuen Dorf passiert.
Die frühere katastrophale Nähe zu den Meenzern, beschwerte uns um die fünfte Jahreszeit ein Fristen hinter der Couch, mit samt Stöpseln in den Ohren und Papiertüten über den Häuptern. Leider waren die zu Zeiten weder zu überhören, noch zu übersehen. Wir hoffen es wird auf dem Dorfe besser. Oder anders. Möge uns der Gott aller Närrinnen und Narralesen die wohlverdiente Ruhe der NICHT-Jecken schenken, aber gleichzeitig auch sein Händchen über die Karnevalisten halten. Bleibt gesund und feiert schön, verkatert nicht so arg und stürzt nicht ab. Ich wünsche Euch super viel Spaß!!!!!

Und wieder einmal ein Klassiker, aus der Kiste "Alle Jahre wieder..."


Hessische Büttenrede
(Narhalla-Marsch)
"Alaaf und Helau! - Seid ihr bereit?
Willkommen zur Beklopptenzeit!
Mer kenne des aus Akte X,
doch Mulder rufe hilft da nix,
des kommt durch Strahle aus dem All,
und plötzlisch ist dann Karneval!
(Tusch)

Uff einen Schlach werd'n alle dämlisch,
denn das befiehlt das Datum nämlisch!
Es ist die Zeit der tollen Tage,
so eine Art Idiotenplage,
eine Verschwörung, blöd zu werden,
die jährlich um sich greift auf Erden.
E' wahre Ausgeburt der Hölle,
und Ausgangspunkt davon ist Kölle!
(Tusch)

Denn dort gibt's nisch nur RTL,
das Fernseh-Einheitsbrei-Kartell,
sondern aach jede Menge Jecken,
die sisch auf Nasen Pappe stecken,
in Teufelssekten sich gruppieren
danach zum Elferrat formieren
und dann muss selbst das dööfste Schwein
dort auf Kommando fröhlisch sein.
(Tusch)

Auf einmal tun in allen Ländern
die Leude sisch ganz schlimm verändern
Sie geh'n sisch hemmungslos besaufe
und fremde Mensche Freibier kaufe
schmeiße sisch Bonbons an die Schädel,
betatsche Jungens und aach Mädel
und tun eim jede, den sie sehen,
ganz fuschtbar uff de Eier gehen!
Sie tun nur noch in Reime spreche
und sind so witzisch, man könnt' breche,
bewege sisch in Polonäsen,
als trügen sie Gehirnprothesen,
man möschte ihnen - im Vertrauen
- am liebsten in die Fresse hauen!
(Tusch und Konfetti-Kanone)

Doch was soll man dagege mache?
Soll man vielleicht noch drüber lache?
Es hilft kein Schreie und kein Schimpfe,
man kann sisch nich mal gegen impfe,
die Macht der Doofen ist zu staak,
als dass man sisch zu wehr'n vermag!
(kein Tusch)

Am besten ist, man bleibt zu Haus
und sperrt den Wahnsinn aanfach aus.
Man schließt sich ein paar Tage ein
und lässt die Blöden blöde sein!
Der Trick ist, dass man sich verpisst
bis widder Aschermittwoch ist!
Und steht ein Zombie vor der Tür,
mit so 'nem Pappnasengeschwür,
und sagt statt "Hallo" nur "Helau",
dann dreh sie um, die dumme Sau,
und tritt ihr kräftisch in den Arsch
und ruf dabei: Narrhalla-Marsch!"

"Vielen Dank ..."

(Tusch, Narhalla-Marsch mit schnellem Weglaufen)


Cliffhanger:
Ich komm ins Fernseh! Ich werd beromt. So!




09.12.2010 um 13:00 Uhr

Üfftelstütz meldet: 50 Zentimeter Neuschnee.

von: Pelegrina   Kategorie: Auf dem Dorfe....

Ungelogen. In unserem Vorgarten. Dahin haben nämlich der Meinige und ich, allen Schnee geschippt, den wir vom Bürgersteig holen MUSSTEN, damit sich ja keiner aufs Näschen legt. Das nächste Mal, gibt es ein Haus, welches zur Straßenseite einen Meter breit ist, dafür aber 20 Meter tief. Räumpflicht...hm...

 

 

Als wir um halb acht heim kamen, versanken wir schon bis zu den Knöcheln, in der weißen Pracht und eine Nachbarin riet: Nie bei Schneefall schippen. Aha. Öhm. Waren wir etwas ratlos, weil tatsächlich bei keinem der  Nachbarn Schnee geräumt war. Allerdings hatte es ja erst seit einer Stunde geschneit und eventuell war es den anderen (Um-vier-Uhr-die-Rollladen-runter-Lasser) entgangen? Wir uns Schneeschippe und Straßenbesen geschnappt und geschippt und geschippt und geschippt und weil wir gerade so gut unterwegs waren, haben wir den beiden Nachbarn zur Rechten und zur Linken gleich mitgeschippt.  Die kamen dann auch irgendwann dick eingemummelt raus, fluchten, wie die Rohrspatzen und legten los. Bis die ganze Straße räumte, schippte, kehrte und.......fluchte.....

Wir nicht. Wir fanden es schön. Der Schnee legt ein Kissen aus Ruhe und Langsamkeit übers Dorf. Alles ist stiller und ruhiger. Es sieht so unheimlich schön aus, dass es fasst nicht zu fassen ist. Mich selbst beruhigt Schnee räumen und so wühlte ich mich rund ums Haus und türmte vor der Terrasse einen riesigen Schneehügel auf, in den nur noch jemand ein Loch buddeln müsste und dann hätten wir ein Iglu.

Eine Stunde später, sah es aus, als hätten wir nie eine Schneeschaufel in der Hand gehabt. Ich wieder raus und die Schneemassen zu riesigen Schneebergen zusammengeschoben. Einen im Vorgarten und einen hinterm Haus. Pappig und schwer, wie das Zeug war, war ich eine Dreiviertelstunde unterwegs und klatschnass geschwitzt. Aber glücklich.

 

 

Als wir klein waren, haben wir uns fast gestritten, wer den ersten Schnee räumen und die ersten Erdbeeren im Garten pflücken durfte. Nach drei Wochen Erdbeeren oder Schnee, halfen selbst hartnäckige Erpressermethoden unserer Eltern nicht mehr, um uns vors Haus zu bekommen. Jetzt habe ich diesen Job zu meinem persönlichen Winter-Fitness-Studio erklärt. Nach dem zweiten Einsatz im weißen Treiben, orakele ich noch, dass uns der Schneepflug den Krempel wieder in den Hof schiebt, aber nein, der fährt es nur platt und nach einer Stunde darf der Meinige nochmal buddeln, es hört auf zu schneien und bis heute morgen, haben wir einen gefahrenfreien Bürgersteig.

 

 

Wir wurden mit einem sensationellen Sonnenaufgang belohnt, alles glitzerte, noch immer lag die Welt so schläfrig da und mag gar nicht aus der watteweichem Stille heraus kommen. Auch im Büro, in das es außer mir noch drei weitere Kollegen geschafft haben, stehen wir am Fenster und staunen, wie die Kinder. Immer wieder. Bislang löste sich Sonnenschein mit wildem Flockentreiben ab, seit einer Stunde schneit es dicht und fast undurchsichtig. Ich liebe Schnee.

 

 

 

In diesem Sinne, alle Jahre wieder:

 

 

Ich liebe Schnee

 

 

 

8. Dezember 18:00

Es hat angefangen zu schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr. Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am Fenster gesessen und zugesehen wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter schweben. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch - wir fühlten uns wie frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.

 

 

9. Dezember

Als wir wach wurden, hatte eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick ! Kann es einen schöneren Platz auf der Welt geben? Hierher zu ziehen war die beste Idee, die ich je in meinem Leben hatte. Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute Nachmittag kam der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder heraus. Was für ein tolles Leben.

 

 

 

12. Dezember

Die Sonne hat unseren ganzen tollen Schnee geschmolzen. Was für eine Enttäuschung. Mein Nachbar hat gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll, wir werden definitiv eine weiße Weihnacht haben. Kein Schnee zu Weihnachten wäre schrecklich ! Bob sagt, dass wir bis zum Jahresende so viel Schnee haben werden, dass ich nie wieder Schnee sehen will. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Bob ist sehr nett - ich bin froh, dass er unser Nachbar ist.

 

 

 

14. Dezember

Schnee, wundervoller Schnee, 130 cm letzte Nacht. Die Temperatur ist auf -20 Grad gesunken. Die Kälte lässt alles glitzern. Der Wind nahm mir den Atem, aber ich habe mich beim Schaufeln wieder aufgewärmt. Das ist ein Leben ! Der Schneepflug kam heute Nachmittag wieder zurück und hat wieder alles zugeschoben. Mir war nicht klar, dass ich soviel würde schaufeln müssen, aber so komme ich wieder in Form. Wünschte, ich würde nicht so Pusten und Schnaufen.

 

 

 

15. Dezember

60 cm Vorhersage. Habe meinen Kombi verkauft und einen Jeep gekauft. Und Winterreifen für das Auto meiner Frau und zwei Extraschaufeln. Habe den Kühlschrank aufgefüllt. Meine Frau will einen Holzofen, falls der Strom ausfällt. Das ist lächerlich - schließlich sind wir doch nicht in Alaska.

 

 

 

16. Dezember

Eissturm heute Morgen. Bin in der Einfahrt auf den Arsch gefallen. als ich Salz streuen wollte. Tut höllisch weh. Meine Frau hat eine Stunde gelacht. Das finde ich ziemlich grausam.

17. Dezember

Immer noch weit unter Null. Die Straßen sind zu vereist, um irgendwohin zu kommen. Der Strom war 5 Stunden weg. Musste mich in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Kein Fernseher. Nichts zu tun, als meine Frau anzustarren und zu versuchen, sie zu irritieren. Glaube, wir hätten einen Holzofen kaufen sollen, würde das aber nie zugeben. Ich hasse es, wenn sie Recht hat ! Ich hasse es, in meinem eigenen Wohnzimmer zu erfrieren !

 

 

 

20. Dezember

Der Strom ist wieder da, aber noch mal 40 cm von dem verdammten Zeug letzte Nacht! Noch mehr zu schaufeln. Hat den ganzen Tag gedauert. Der beschissene Schneepflug kam zweimal vorbei. Habe versucht eines der Nachbarskinder zum Schaufeln zu überreden. Aber die sagen, sie hätten keine Zeit, weil sie Hockey spielen müssen. Ich glaube, dass die lügen. Wollte eine Schneefräse im Baumarkt kaufen. Die hatten keine mehr. Kriegen erst im März wieder welche rein. Ich glaube, dass die lügen. Bob sagt, dass ich schaufeln muss oder die Stadt macht es und schickt mir die Rechnung. Ich glaube, dass er lügt.

 

 

 

22. Dezember

Bob hatte recht mit weißer Weihnacht, weil heute Nacht noch mal 30 cm von dem weißen Zeug gefallen sind und es ist so kalt, dass es bis August nicht schmelzen wird. Es hat 45 Minuten gedauert, bis ich fertig angezogen war zum Schaufeln und dann musste ich pinkeln. Als ich mich schließlich ausgezogen, gepinkelt und wieder angezogen hatte, war ich zu müde zum Schaufeln. Habe versucht für den Rest des Winters Bob anzuheuern, der eine Schneefräse an seinem Lastwagen hat, aber er sagt, dass er zu viel zu tun hat. Ich glaube, dass er lügt. 

 

 

 

23. Dezember

Nur 10 cm Schnee heute. Und es hat sich auf 0 Grad erwärmt. Meine Frau wollte, dass ich heute das Haus dekoriere. Ist die bekloppt ? Ich habe keine Zeit - ich muss SCHAUFELN !! Warum hat sie es mir nicht schon vor einem Monat gesagt ? Sie sagt, sie hat, aber ich glaube, dass sie lügt.

 

 

 

24. Dezember

20 Zentimeter. Der Schnee ist vom Schneepflug so fest zusammengeschoben worden, dass ich die Schaufel abgebrochen habe. Dachte, ich kriege einen Herzanfall ! Falls ich jemals den Arsch kriege, der den Schneepflug fährt, ziehe ich ihn an seinen Haaren durch den Schnee, ich weiß genau, dass er sich hinter der Ecke versteckt und wartet, bis ich mit dem Schaufeln fertig bin. Und dann kommt er mit 150 km/h die Straße runtergerast und wirft tonnenweise Schnee auf die Stelle, wo ich gerade war. Heute Nacht wollte meine Frau mit mir Weihnachtslieder singen und Geschenke auspacken, aber ich hatte keine Zeit. Musste nach dem Schneepflug Ausschau halten.

 

 

 

25. Dezember

Frohe Weihnachten. 60 cm mehr von der .....!!! Eingeschneit. Der Gedanke an Schneeschaufeln lässt mein Blut kochen. Gott, ich hasse Schnee ! Dann kam der Schneepflugfahrer vorbei und hat nach einer Spende gefragt. Ich hab ihm meine Schaufel über den Kopf gezogen. Meine Frau sagt, dass ich schlechte Manieren habe. Ich glaube, dass sie eine Idiotin ist.

 

 

 

26. Dezember

Immer noch eingeschneit. Warum um alles in der Welt sind wir hierher gezogen ? Es war alles IHRE Idee. Sie geht mir echt auf die Nerven.

 

 

 

27. Dezember

Die Temperatur ist auf -30 Grad gefallen und die Wasserrohre sind eingefroren.

 

 

 

28. Dezember

Es hat sich auf -5 Grad erwärmt. Immer noch eingeschneit - DIE ALTE MACHT MICH VERRÜCKT !!!

29. Dezember

Nochmal 30 Zentimeter. Bob sagt, dass ich das Dach freischaufeln muss, oder es wird einstürzen. Das ist das Dämlichste was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich eigentlich ?

 

 

 

30. Dezember

Das Dach ist eingestürzt. Der Schneepflugfahrer verklagt mich auf 50.000 Euro Schmerzensgeld. Meine Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 Zentimeter vorhergesagt.

 

 

 

31. Dezember

Habe den Rest vom Haus angesteckt. Nie mehr schaufeln.

 

 

 

8. Januar

Mir geht es gut. Ich mag die kleinen Pillen, die sie mir dauernd geben. Warum bin ich an das Bett gefesselt ???