Unserer Hände Arbeit….
Da stand er nun der Meinige, einen Fuß lässig auf dem Spaten abgestellt, mit dem er gerade den halben Garten umgebuddelt hatte und in der Hand eine Flasche Lagerbier, deren Bügelverschluss er mit einem lauten und deutlichem „Plöpp“ geöffnet hatte.
„Mensch, Pelegrina“, sagte er, “ wenn mir das einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mal SO im Garten werkele, ich hätte ihm nicht geglaubt!“ Er nahm einen tiefen zufriedenen Zug aus der Flasche und strahlte mich an. Glücklich sah er aus, zufrieden und in sich ruhend und so fing auch unsere Zeit in unserem Garten an….
Das war vor vier Wochen und es hat sich so unheimlich viel getan. Nach den anfänglichen groben Abrissarbeiten, haben wir gepflanzt und gesät, geräumt und entrümpelt, gemäht und geschnitten und dann aufgeforstet. Wir, die wir immer dachten, dass wir keinen grünen Daumen hätten, haben diesen schönen Garten zum explodieren gebracht. Es grünt und blüht, dass es so eine helle Freude ist! Es ist unser Werk, unserer Hände Arbeit und wir sind glücklich und zufrieden. Natürlich leiden sämtliche Computer- und Internetaktionen, denn kaum zuhause, zieht es uns raus und jeden Tag wächst alles ein wenig mehr. Es ist so unglaublich befriedigend, im Grünen zu werkeln. Es ist nur zu trocken, wir müssen fleißig gießen, damit keiner verdurstet und so hoffen wir auf Regen, was wir bis dato auch noch nicht von uns kannten. Nach der letzten vergossenen Gießkanne, setzen wir uns auf ein Bierchen auf unsere Terrasse und schauen einfach nur. Dann und wann sagt einer von uns: „Schön, nicht?“ Und wir lächeln uns an und strahlen heller, als tausend Sonnen.
Betrachtet man sich die Gärten der Nachbarn, so haben wir im hinteren Anschluss die Anlage einer Fabrikantenfamilie mit eigenem Gärtner, der drei Stunden am Tag dort arbeitet. Der Rasen ist piccobello, die Bäume stehen stramm und kein Strauch hat ein krummes Ästlein. Es ist so schrecklich steril, dass man sofort eine Operation am offenen Herzen mitten drin vollziehen könnte.
Zur linken haben wir unseren „Freund“ den Vögelverjager. Die würden auf seinen Golfrasen kacken. Also läuft er von morgens bis abends schreiend, schimpfend und laut klatschend, im Garten herauf und herunter. Die Vögel lachen ihn aus…… und kacken weiter auf seinen Rasen, wenigstens solange, bis er am Gartenschlauch den ganz harten Strahl einstellt und in die Bäume zielt.
Auf der rechten Seite ist der Steineschmeißer, dem kacken nämlich Katzen auf den -mit dem Lineal- beschnittenen Rasen und er wirft nach ihnen. Blöderweise hat er anschließend nichts Besseres zu tun, als das ausgerechnet MIR zu erzählen.
Zu allen sagen wir „Guten Tag, schönes Wetter heut!“ und „Auf Wiedersehen, schönen Abend noch!“ und dann machen wir unser Törchen zu, gehen in unseren kleinen Ökogarten, der nie Gift sehen wird und schon gar kein Lineal und freuen uns über die zwei schwarzen Kater, die auf unserer Wiese herumtollen und sich auch von uns beschmusen lassen. Zu den vier Fellnasen drinnen, haben sich diese zwei Stromer als Außenkater gesellt. Politisch unkorrekt, haben wir sie Morle und Blacky getauft.
Jeden Abend kommt eine Amsel und singt uns ein Lied. Pünktlich, wenn wir brav sitzen und für ihre kleine Melodie Zeit haben. Es ist jeden Tag eine andere Uhrzeit. Sie kommt immer. Nach fünf Minuten, bescheidet sie, haben wir genug und jagt sich mit der Elster um den Dachfirst.
Auf der Wiese sind Schmetterlinge und dicke schöne Hummeln, die sich bestimmt freuen, wenn nicht nur der Löwenzahn blüht, sondern auch die eigens gesäte Schmetterlings- und Hummelwiese. Drei Zentimeter sind die Pflänzchen schon hoch, womit sie einwandfrei durch den Kürbis geschlagen sind. Manchmal habe ich den Verdacht, jemand wechselt die Pflänzchen aus, wenn er wieder über Nacht einen kompletten Zentimeter zugelegt hat. Er darf auch nicht in das ihm zugedachte Kürbisfeld. Nachdem ich dort das gröbste Unkraut entfernt hatte und die Zitronenmelisse unter den Apfelbaum umgesetzt hatte, schauten mich ein paar Hoppelgräber an und ich frage mich, wie viele Karnickel die im Laufe all der Jahre hatten. Überall Holzkreuze. Ich stehe mitten im Hasen-Verdun.
Unter Kollegen entbrennt eine Diskussion, die Pflanzen trotzdem dort hin zu setzen, aber irgendetwas wehrt sich in meinen Vorstellungen, einen Kürbis zu essen, dessen Wurzeln schnurstracks durch Hasenknochen wuchsen. Nö. Punkt.
Das schöne Wetter bot auch an, draußen mit Lauge zu panschen und Seife zu sieden. Drei Sorten sind es an der Zahl und über zwanzig Stücke. Sie sind gehübscht und verziert und warten nun vier Wochen, um zu trocknen und sich zu entfalten.
Eine herrliche Arbeit und die Endergebnisse sind unglaublich schön geworden. Und alles ohne Chemie. So wird auch die Firma L*u*s*h auf mich als Kundin verzichten müssen, dort gibt es nämlich keine echten überfetteden Seifen…. Selbst ist die Frau, nebst zweier Freundinnen, die dass Seife sieden mit ebenso großer Spannung, Neugier und Freude verfolgen, wie ich. Wir haben tausende Ideen, jede von uns beackert ein anderes kreatives Feld, der Meinige kommt aus dem Lächeln garnicht mehr raus und sagt Hexenküche! zur mittlerweile etwas größeren Ansammlung an Duft- und Farbstoffen, Fetten, Ölen und Formen. Mal von den Töpfen abgesehen…. Joghurtbecher darf er auch keine mehr wegwerfen.
Da sind noch schwere Päckchen, die er und ich herumtragen müssen. Meiner Mutter hat man am 11. November letzten Jahres gesagt, das sie noch vier bis sechs Monate zu leben hätte. Heute ist der 13. Mai…… Sie kann nicht mehr laufen, die Tumore haben in den Füßen die Nerven lahmgelegt. Will sie stehen, knicken sie weg, die Füße und meine Mutter fällt. Darum will sie nun nicht mehr stehen. Es gab schlimme Stürze, bis das klar war. Es gab schlimme Zeiten. Im Dezember, wußten wir nicht, ob sie das neue Jahr noch sieht. Nun, sagt sie mir, mag sie meinen vierzigsten* Geburtstag noch erleben. Der ist im August und am Samstag saß sie draußen, als wir kamen und ich erkannte sie auf den ersten Blick nicht, so klein und wenig ist sie geworden. Das kümmert mich sehr und lange wollte ich dieses Bild nicht verlieren. Dann bekam sie aber vorgestern einen so aberwitzigen Lachflash, dass ich diesen nie mehr vergessen kann und ihn als einen der besonderen Augenblicke für immer im Herzen belassen werde. Ach Mom, Du weißt, wie sehr ich Dich liebe…
Sie hat mir einen Motorroller geschenkt, als mein Erbe sozusagen und falls sie es wirklich nicht mehr in den August schafft. Drama. Ich solle mir etwas wünschen. War ich unfähig zu. Hätte am liebsten geflennt, wie ein kleines Kind: „Ich wünsch mir, dass Du noch zwanzig Jahre lebst!“ Ging nicht. In dieser Woche, wußten wir nicht, ob sie die nächste Woche noch schafft. Der Notarzt war dreimal in der Nacht da. Sie hat vor Schmerzen geschrieen. Ich stand am Fenster und schaute, wie die Jogger durch den Kurpark saußen, wie sie aus allen Löchern gekrabbelt kommen, jetzt wo es wärmer wird. Kann nicht reden, bin wie erschlagen. „Wünsch Dir doch bitte was“, sagt sie immer wieder. Eine Freundin sagt: „Klar, sie will mit noch warmer Hand geben!“ Das schickt mich auf die Bretter. Sie hat Recht, aber ich muss weinen.
Wir bestellen eine neue Schlafcouch für die Bibliothek. Das macht keinen Sinn. Wir haben schon eine. Außerdem haben wir Gästezimmer. Es soll drei Wochen dauern. Die Couch kommt nicht, dafür aber ein Brief: Das mit der Couch dauert nochmal vier Wochen. Sie kommt trotzdem nicht, nur ein weiterer Brief, dass es nochmal dauert. Während mich das ärgert, macht eine Freundin den Führerschein und feuert mit 17 Km/h (Sie hätte noch Angst, alles so neu!) an mir vobei, während ich zur Bushaltestelle schlendere. Was nun mit ihrem Roller sei, frage ich sie, als wir uns das nächste Mal sehen. Der gehöre dem Babba. Ich also zum Babba. Was mit dem Roller sei? Ob ich ihn haben will? Was er für einen Preis aufruft, frage ich. Er nennt einen Preis, ich sage meiner Mutter, die Couch sei Geschichte, der Babba der Freundin bekommt das Geld von meiner Mama und ich bretter mit gefühlten 13, 7 Km/H durch die Gegend (Ich hab noch Angst, alles so neu!). Meine Mutter quietscht vor Vergnügen, als ich ihr entrüstet mitteile, dass mich schon die ersten Autos überholt haben und fragt, wie ich ihn getauft hätte? Sie kennt mich, ich taufe ALLES was mir vor die Füße fällt. Little Thunder, sage ich und die Frau bekommt so einen Lachanfall, das sie sich mi-nu-ten-lang nicht einkriegt. Ist das denn zu fassen? *lach* Ich muss so mitlachen, das wir uns fast in die Hose machen, weil ich ihr noch –nicht ohne den Hauch einer gewissen Theatralik- erzähle, dass ich Thunder schon mit knappen 46 Km/h über die Hauptstrasse gedroschen habe. Weit und breit niemand zu sehen, da war ich mal mutig. Wir lachen und lachen, albern herum und sie sagt: „Macht mehr Fun, als die Couch, nicht?“ Klaro! Hat sie wirklich Fun gesagt? Sie hat. Mensch, dieses Gespräch werde ich nie vergessen.
Anders als die Couch, macht Thunder auch Sinn. Ich bin nicht mehr auf unzuverlässige, unpünktliche Busse angewiesen. Mein Auto wird auf diesen kurzen Strecken auch nicht warm und irgendjemand müßte sich mal erbarmen, ihn über die Autobahn zu hetzen, traut sich aber keiner, bei den Spritpreisen und außerdem bin ich ständig in Üfftelstütz unterwegs und das läppert sich ganz einfach zusammen, wenn man von einem Ende an das andere latschen muss. Außerdem wollte die Freundin, dass der Roller in der Familie bleibt, er hat kaum was gekostet und er steht mir. Alles gut.
Und jedesmal, wenn mich einer fragt, kann ich sagen, das er von meiner Mama ist! Und das, ist für uns beide wohl sehr wichtig…..
Sonst:
-Großer Norwegerkater wächst und wächst. Wird größer als ich.
-Kleiner Norwegerkater hat immer noch Schwierigkeiten mit den Zähnen. Spart dafür Energien auf. Ist klein, sehr klein. So klein, das er morgens auf meinem Gesicht stehen kann, um mich wachzustarren.
-Andere Katzen: Alles gut. Erleben zweiten Frühling im Haus und finden alles immer noch sehr spannend.
-Braucht jemand Brüder? Ich hätte mal wieder welche im Angebot, ich leg Geld und Seife drauf. Viel Geld und viel Seife!
-Firma: Deal! Ich bin ein Held. Ein Oberheld. Aber auch fix und fertig und ausgebrannt. Egal, ich bekomme vier Tage Urlaub, alles wird gut.
-Hat jemand schöne Knöpfe?
*Hedera, wat issen mit meim Geburtstag? Die ersten Betten mit Meerblick sind bei uns schon vergeben! ;-) Der Meinige fragt die Lady und das Rabi an, die würde er noch nicht kennen. Scheinbar hat er verpennt, mit WEM wir letzthin Tapas futtern waren, es möchte ihm bitte nachgesehen werden, er hat es nicht so mit Namen.
