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26.04.2016 um 19:30 Uhr

Die Spitze des Eisberges

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es war nur die Spitze des Eisberges gestern, heute erfuhr ich den Rest. Ich hatte gestern schon Whatsapp Kontakt mit Nine. Sie war, was ungewöhnlich ist, relativ gesprächig. Meist meldet sie sich nicht, ruft nicht mal zurück, was ich schon das eine oder andere Mal kritisierte. Nicht nur, weil man seine „Schwiegermutter“ einfach zurückruft, ich bezahle auch noch die Telefonrechnung. Währenddessen berichtete ich ihr von der Vermisstenanzeige, sie war relativ aufgeschlossen.

Heute Morgen rief ich gleich bei der Polizei in L an. Ich könne natürlich eine Anzeige erstellen, das sogar hier machen, die wird dann weitergeleitet. Nach dem ich von der Physiotherapie kam, schrieb mir Nine die Kontaktdaten der Kumpels, bei denen sich Paulchen derzeit aufhalten könnte, soweit sie das weiß. 

Sie möchte mich aber nicht weiter belügen, ich habe ein Recht darauf, es zu erfahren. Da wird man schon hellhörig. Und dann: Sie ist nicht mehr im Mutter-Kind-Heim, dort ist sie raus geflogen. Da hier das dort alles so wenig gefiel, ist sie auch drogenabhängig geworden. Sie wohnt jetzt bei einem alten Kumpel von ihnen, von dem ich persönlich nicht viel halte. Da wo auch Paulchen eine Zeitlang wohnte, zusammen dann mit ihr. Die Kinder sind inzwischen untergebracht!

Man kann sich das in seinen schrecklichsten Träumen nicht ausmalen! Ja, ich wusste, sie ist mit zwei Kindern mehr als überfordert. Was ich nicht mal kritisiere, wahrscheinlich wäre ich das auch gewesen, hatte aber nur eins. Und gut hinbekommen hab ich das ja nun nicht. Aber sie hätten es halt, bei einem Kind belassen sollen. Vielleicht hätten sie das noch hinbekommen. Das Kind ist aber im Brunnen, da kann man nun sagen, was man will. Vorhaltungen nützen niemandem etwas. Was man den Kindern mal sagen soll, später, ich weiß es wirklich nicht. 

Warum die Kinder nicht bei den Omas sind? Das habe ich auch gefragt. Wäre ja naheliegend. Das Verhältnis Nine zu ihrer Mutter ist sehr gespalten, zumal Nine ja schon ein Kind in Obhut ihrer Mutter bzw. des Kindesvaters gegeben hatte. Paulchen wohnt offiziell bei mir, also kam das auch nicht in Frage.

Ich war dann bei der Polizei, habe eine Anzeige aufgegeben. Im Gefängnis ist er noch nicht. Gesucht wird er aber, die Gründe dafür konnte man mir aus Datenschutzgründen nicht sagen. Datenschutz hält ja immer her, aber das ist ein anderes Thema. Wenn er aufgegriffen wird, die Möglichkeit, dass das geschieht, schließlich hält er sich im einschlägigen Milieu auf, da wird man vielleicht sogar mal vorbei fahren, werde ich kontaktiert. Sollte U-Haft nötig sein, dann erfahre ich es nur, wenn er es will. Er ist ja lange volljährig. Ich denke mal, dagegen hätte er wohl nichts. Muss er doch nicht selbst sagen, was los ist, und ich erfahre es so. 

Nine besucht regelmäßig ihre Kinder, Paulchen war bisher nicht mit, da er sie sonst noch mehr vermissen würde. Kann ich nachvollziehen, Kontakt halten wäre aber sinnvoll. Sie arbeitet eng mit dem Jugendamt zusammen, sagt sie, sie solle eine Therapie mit Kind machen, danach könnte sie dann in eigenen Wohnraum ziehen, bestenfalls mit Paulchen, der natürlich auch eine Therapie machen soll.

Das klingt ganz vernünftig, aber ob das wirklich so läuft. Nun ja. Paulchen wird wohl erstmal wieder einsitzen, wer weiß wie lange. Wenn dem nicht so wäre, wäre natürlich eine Entgiftung und Therapie nötig. Schlimmeres will ich mir gar nicht vorstellen. 

Aber ob das alles wirklich so klappt, ob sie das durchhalten, ob….. Da gibt es vieles.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Habe auch nichts weiter gesagt. Was bringt das noch? Ich hoffe, dass Paulchen bald wieder auftaucht und dann es dann endlich…. Schlimmeres, wie gesagt, will ich mir nicht ausmalen. Wie ich damit weiter umgehe, das weiß ich noch nicht.

Im Übrigen habe ich heute eine alte Kollegin getroffen, eine Kollegin von Dany und mir. Sie war mit Dany zu meinem 50. Geburtstag. Ewigkeiten scheint es her zu sein. Sie war mit ihrem dreijährigen Enkel unterwegs, sagt deutlich, dass sie durch ihn Auftrieb gewonnen hat. Eine Aufgabe, Verantwortung. Püppi wird auch bald drei. Zu meinem 50. lag sie im Bett, war noch kein Jahr, wir haben uns damals köstlich amüsiert. - Ohne weitere Worte…

 

 

 

25.04.2016 um 17:18 Uhr

Ergänzung

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Für mich als kleine Ergänzung, weil ich gerade einen älteren Eintrag über 2015 etc. gelesen habe. Die Zeit in der pädagogischen Tagesgruppe ist vorbei, ich bin jetzt in einer Förderschule. Die Zeit dort, vielleicht sollte ich irgendwann mal darauf eingehen, hat durchaus auch ihre positiven Aspekte. Wenn es auch nicht viel bringt, aber ich hatte so das Eine oder Andere zu lachen. Das ist für mich natürlich gut, man hat so wenig Grund dazu, ist aber nicht immer unbedingt positiv zu sehen. Aber darauf wollte ich hier gar nicht eingehen. Dass Dany Krebs hatte, hatte ich schon geschrieben. Ich hatte sie kurz vor ihrem Tod noch besucht, in einem Pflegeheim hier in der Nähe. Da hat man es gesehen und sie wußte es zu diesem Zeitpunkt auch. Eine Beerdigung fand nicht statt, ihre Eltern, die schon seit Jahren keinen Kontakt mit ihr hatten, wollten das nicht. Ihre Tochter hat es über Umwege erfahren, sie lebt ja in Österreich. Die Wohnung ist bis dato nicht geräumt. Das Erbe wurde  nicht angegtreten. Die Bemerkungen seitens Nachbarn, Bekannten usw. darüber waren schon, mir fällt jetzt gar kein Wort ein, eigenartig.

Detlef wohnt immer noch in Lübeck. Und die Holländer haben sich getrennt. Es gibt dazu unterschiedliche Geschichten, ich will sie nicht beurteilen. Sie ist jedenfalls nach einer Weile zurück nach Holland, obwohl sie mir in einem Gespräch, wir trafen uns zufällig vor Penny, etwas anderes sagte und Kontakt halten wollte. Mit ihm habe ich auch keinen Kontakt mehr. Ich war sowieso mehr an ihr interessiert. Ist halt so.

Was den Sex betrifft, bin ich sehr faul. Das glaubt man kaum. Und wie man sieht, habe ich momentan auch niemanden, weder männlich, noch weiblich. Mir würde es deutlich besser gehen, wäre das anders. Aber zur Suche fehlt mir momentan der Antrieb. Mir ist schon klar, dass die Suche nach Sex im Grunde nicht so schwer sein dürfte, eigenltich sollte sich dafür jemand finden. Mehr will ich ja nicht. Ich habe auch mal wieder zugelegt. Ich nehme mir immer wieder vor, dieses Kapital mal wieder in Angriff zu nehmen. Vielleicht klappt es ja irgendwann tatsächlich.

25.04.2016 um 17:02 Uhr

Manche Dinge ändern sich nie

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Manches ändert sich nie

Manche Dinge ändern sich nicht. Menschen ändern sich. Änderungen sind manchmal nicht erwünscht. Manche Dinge sollten sich aber unbedingt ändern, die tun es dann für gewöhnlich nicht.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich dieses Lied schon gesungen habe. Ewig habe ich kein Tagebuch geführt. Das lag nicht unbedingt daran, dass es nichts Berichtenswertes gab, sondern einfach, dass man nicht wollte.

Es ist dem Tagebuch schon bekannt, dass ich zwischenzeitlich Oma geworden bin. Sogar zweifach. Der Kleine wurde im letzten Oktober geboren. Gesehen habe ich ihn erst einmal. Und damit beginnt das ganze Dilemma. Man würde es wohl nicht glauben, wenn es einen nicht selbst beträfe.

Der Kleine ist im Oktober geboren. So richtig verstanden habe ich es nicht, aber natürlich, kann und soll jeder so viele Kinder bekommen, wie er möchte. Man sollte voraus setzen, dass man mit diesen Kindern auch klar kommt. Nun gut. Dem ist nicht unbedingt so. Denn kurz bevor dieser Junge zur Welt kam, stand mein Sohn auf der Matte, drogenabhängig. Das glaubt man nicht wirklich. Die Mutter seiner Tochter und sie selbst waren seit einigen Tagen im Mutter-Kind-Heim. Da fällt man echt aus allen Wolken und so gleich kam auch niemand mit der Sprache raus.

Die Mutter (Nine) seiner Kinder hatte es wohl nicht einfach mit ihren Eltern. Da gab es, und gibt es einige Probleme. Daraus resultiert wohl eine gewisse soziale Unfähigkeit, eine Agoraphobie war einige Zeit ausgebrochen, das Haus wurde nicht verlassen, jetzt oder seit einiger Zeit war es „nur“ eine Unfähigkeit oder die Angst, Termine wahr zu nehmen. Daraus folgten dann vergessene Termine bei Behörden und Ärzten etc. Auf Grund dessen wurde durch die Mutter veranlasst, dass Nine betreut wird. Da mein Sohn zwischenzeitlich drogenabhängig war, nach meiner Erkenntnis ging das los, als das mit dem 2. Kind bekannt wurde, war für Nine und ihrer Tochter ein Mutter-Kind-Heim angeraten.

Wie die Dinge wirklich zusammenhängen, ob es wirklich so besser war, das will ich gar nicht beurteilen. Fakt ist, sie bezog mit ihrer Tochter das Heim, mein Sohn verblieb in der Wohnung, die aber sehr schnell seitens des Jugendamtes gekündigt wurde, die Folge dessen, er wurde zum Anfang des Jahres obdachlos.

Im vergangenen Jahr verbrachte er einige Woche bei mir. Er telefonierte regelmäßig mit seiner Familie, sie sahen sich oft. Er machte einen Entzug mit Medikamenten bei mir, es lief alles mehr oder weniger. Zu Weihnachten war die Familie auch versammelt.

Zum neuen Jahr wurde er dann obdachlos. Es sollte so laufen, dass er einige Zeit bei Kumpels unterkommt, bis der Rest seiner Familie dann aus dem Heim entlassen wird und Wohnraum bekommt. Das sollte im Februar soweit sein, dann, wenn der Kleine ein halbes Jahr wird. Heute habe ich mit ihr telefoniert und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Jugendamt möchte wohl am liebsten, dass sie dort noch länger verweilt, sie möchte sich deswegen evtl. um andere Möglichkeiten kümmern (Anwalt z. B.).

Und Paulchen? Der kam einige Zeit bei Kumpels unter, sie haben sich regelmäßig gesehen. Aber seit einiger Zeit klappt das alles nicht mehr. Er ist nicht erreichbar! Er wollte eigentlich wieder zu mir kommen, das hat er mehrfach in den letzten Wochen angekündigt. Am letzten Freitag war noch davon die Rede, er käme am Samstag, und er denkt darüber nach, wieder hierher zu ziehen, was natürlich aus mehreren Gründen auch nicht einfach ist. Jobcenter etc. Aber er kam am Samstag nicht, er war Samstag, Sonntag nicht erreichbar. Auch heute nicht. Telefon ist aus. Auch seine Freundin weiß nicht, wo er ist. Sie sagte mir dann auch, dass sie seit Dienstag keinen Kontakt zu ihm hatte. Und so selten ist das wohl nicht. Vor nicht allzu langer Zeit bekam ich auch einen Anruf der Polizei L, die ihn suchten. Auch in dieser Beziehung scheint wieder etwas los zu sein. Es gibt wohl nach ihrer Auskunft einige, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind.

Ich habe die Polizei in L angerufen, leider ist Montag Nachmittag da wohl nicht viel los. Mir ist auch nicht bekannt, ob man eine Vermisstenanzeige machen kann, wenn jemand ohne Wohnraum ist. Natürlich werde ich es wieder versuchen, Ich kann nicht anders, ich muss doch wissen, wo er ist. Und Nine sagte noch, das wäre sicher das Beste, bevor er tot ist.

Ich habe erst mal eine halbe Stunde geheult.

Ich mag mir gar nicht ausdenken, was da los ist. Sämtliche Bilder der kleinen Püppi, habe ich schon weggeräumt. Die restlichen Sachen werde ich auch noch wegräumen. Ich mag einfach nicht daran erinnert werden, dass es dort eine kleine Püppi gibt. Wir hatten so schöne Zeiten. Jetzt sehe ich sie kaum noch und wer weiß, wie das weitergeht, ich werde sie wohl auch nicht wieder sehen. Nine wird sich trennen, das wird so kommen. Und dann darf man doch nicht annehmen, dass sie mich mit den Kindern besucht oder umgedreht. Nein, das wird wohl nicht so sein.

Ich verstehe überhaupt nicht, wie das passieren konnte. Warum passiert es? Man denkt doch, das Kind ist in einem Alter, über 30, das wird langsam. Und dann? Natürlich kann ich mit niemanden darüber reden, wer würde das verstehen. Es hat sowieso nie jemand verstanden, dass ich das mitmache. Mein Vater sagte neulich noch, als Paulchen hier für einige Zeit war, warum machst das, weil du früher dich nicht gekümmert hast? Sicher nicht, weder so noch so. Ich weiß auch nicht, wann ich mich nicht gekümmert haben soll. Es ist mein Sohn. Das geht doch gar nicht anders. Ich liebe meinen Sohn, ich liebe die kleine Püppi. Und es erschüttert mich bis ins Mark, was da alles passiert. Natürlich kann ich das nicht ändern, ich bin auch nicht in der Nähe. Und selbst wenn…

Ich kann einfach auch nicht mehr.

Und was was das Reden betrifft, dann ist da auch niemand mehr. Das Miststück ist in ähnlicher Situation, er wohnt abwechselnd bei verschiedenen Frauen, würde die Situation weder erfassen, noch verstehen. Mit Nessi habe ich, wenn überhaupt, nur oberflächlichen Kontakt. Meine Eltern sind weit über 70, verstehen es auch nicht, belasten will ich sie damit auch nicht wirklich. Meine Kollegen, ich „arbeite“ derzeit in einer Förderschule und betreue Kinder, insbesondere ein Kind mit Down Syndrom, sind auch wenig geeignet. Das Verhältnis ist auch nicht so privat. Dany ist im Januar 2016 verstorben. Sie hatte wieder Krebs.

In diesen Punkten möchte ich wirklich eine Veränderung. Ich möchte so gern, dass sich die Situation klärt, dass es meinem Sohn mit seiner Familie gut geht, und wir ein gutes Verhältnis haben, uns besuchen etc. Ist das nur ein frommer Wunsch? Wird sich dieser jemals erfüllen? Ich bezweifle es momentan stark. Was die anderen Veränderungen betrifft, weiß ich, dass es meist keine positiven sind. Wenn ich an meinen Schützling aus der Schule denke, mag sie gar keine Veränderungen. Auch das kann man verstehen.

Ich weiß nur, ich schaffe das alles nicht mehr. Seit mehr als einem Jahr rauche ich nicht mehr, ich habe auch keine zu Hause, aber mir ist heute stark danach….

Ich kenne jemanden, einen Skatkumpel meines Vaters, dessen Sohn war einige Jahre verschollen. Er tauchte dann irgendwann wieder auf. Ich selbst kenne den Mann aus meiner Schulzeit. Ich mag mir nicht vorstellen,wie das ist. Ich mag mir nicht vorstellen, wie ich das aushalten sollte. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn er wieder in Knast geht und was dann mit der Familie wird. Was soll man der Püppi sagen? Oder ..... Natürlich hat man immer die Hoffnung... Oder?


04.07.2015 um 03:03 Uhr

Ergänzungen

Beim Hochladen habe ich Altes überflogen. Deshalb:

Dany ist einige Zeit wieder arbeiten gegangen. Ca. 1. Jahr. 5 Stunden. Da sie im öffentlichen Dienst arbeitet, war das finanziell nicht so schlecht. Also man kann es regional viel, viel schlechter treffen. Sie ist seit Anfang des Jahrs wieder krank. Diagnose Krebs. In den Knochen und im Darm. Sie wird nächste Woche am Darm operiert, danach Chemo. Die Klinik ist in Thüringen.

Das Miststück ist seit Anfang des jahres wieder obdachlos und wohnt offiziell im Obdachlosenheim. Zwischendurch hatte er aber eine kleine Wohnung, die relativ günstig gelegen war, dass man bei einem Stadtbesuch dort Halt machen konnte. Habe ich ab und an gemacht. Es gibt einige Frauen, bei denen er auch nächtigt, die auch alkoholabhängig sind.

Detlef wohnt nicht mehr hier, sondern in Schleswig Holstein, hat sogar das Bundesland verlassen.

Die Mutter vom Miststück ist vor einigen Jahren (2013?) zusammengebrochen. Diagnose war Gehirnschlag, sie lag im Wachkoma. Sie war  in einem Pflegeheim. Das Miststück konnte sie anfangs ja nicht besuchen, da sein Bruder das gerichtlich verhinderte (oder so ähnlich). Zuletzt war sie in einem Pflegeheim im Wohnort des Bruders, einer Kleinstadt hier in der Nähe. Das Miststück hat sie dort auch nicht besucht und hat auch zu seinem Bruder keinen Kontakt. Die Mutter verstarb im März diesen Jahres, um den Geburtstag des Miststücks, was mir zu denken gibt, denn er war ja ihr erklärter Lieblingssohn (3 Söhne, der Ältere ist vor einigen Jahren bei einem Arbeitsunfall verstorben). Er wurde nicht informiert, hat es durch Zufall erfahren. Die Bestätigung und wo und wann sie beerdigt wurde (grüne Wiese) erhielt er von mir, da ich kurzer Hand die Friedhofsverwaltung anrief.
Ich habe mal mit dem Bruder telefoniert, ist aber schon lange her, sicherlich auch 2013, da sagte er mir, er wünsche nicht, dass seine Mutter zu viel Besuch erhält und möchte auch keine Informationen über sie weitergeben (mich und andere betreffend).

Die Püppi wird ja in Kürze 2 Jahre. Zu ihrem 1. Geburtstag war ich sie besuchen. In der Vergangenheit war sie ab und zu mal für einige Tage bei mir. U. a. weil die Eltern Streß miteinander hatten oder die Mutti mal Ruhe brauchte oder warum auch immer. In letzter Zeit kommt das aber nicht mehr vor. Sie war schon einige Zeit nicht mehr hier (Mai). Die Eltern machen sich auch rar, wenig Verlass. Telefonisch auch nur schwer erreichbar. Meinen Vater hat die Püppi auch mal gesehen.

Ronald würde sicherlich gerne öfter erscheinen. Mir ist in letzter Zeit wenig danach. Die Holländer habe ich auch nicht wieder besucht, umgedreht auch nicht. Was vielfach an mir liegt.

Die Damen aus meiner ehemaligen Weiterbildungstruppe gibt es noch. Wir treffen uns ab und zu. Nährere Kontakte gibt es nicht. Ich muss nicht erwähnen, dass das vielfach an mir liegt. Heike hätte sicherlich Interesse, aber, Entschuldigung, ist mir zu anstrengend. Kathrin ist in vielen Dingen auf einer Wellenlänge, will ihr Privatleben schützen usw. Daniela hat auch Brustkrebs. Simone hat wenig Zeit, ist ja die einzigste von uns, die in festen Händen ist.

Bei meiner Mutter ist alles beim Alten. Sie wohnt im Hunsrück.




04.07.2015 um 02:36 Uhr

2015

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wir haben das Jahr 2015. Und selbst das ist bald wieder vorbei. Irgendwie. Ich war richtig schockiert, als ich las, der letzte Eintrag 2013. Wirklich solange?

Dann liest man da so, und ist gleich noch mehr schockiert. Womit man sich so beschäftigt hat in den letzten Jahren. Das ist ja grauenvoll. Briefe an das Miststück. War man das wirklich?

Davon mal abgesehen, hat sich nicht viel geändert. Die Gedanken, die antrieben, treiben immer noch. Werden sie es mal nicht tun, das ist wohl die Frage.

Was das Miststück betrifft, ich sage mal so, es gibt ihn noch, vielleicht. So genau kann man das auch wieder nicht wissen. Er hat da so ein paar Frauen oder auch nicht. Es ist mir wirklich egal. Mit Nessi habe ich WhatsApp Kontakt. Das ist aber auch so ziemlich alles. Eigentlich.

Dany hat wieder Krebs. Und allein, wenn ich das schreibe, denke ich, so ein Mist, womit DU Dich beschäftigst. Sie hat doch wirkliche Sorgen.

Detlef, mein ehemaliger, schwuler Nachbar, ist nicht mehr mein Nachbar. Sein Lebensgefährte hatte irgendwann die Nase voll und hat sich getrennt. Detlef war am Boden zerstört, tief erschüttert, suizidgefährtet (mit Ankündigung). Er wohnt nicht mehr im Ort, ist weggezogen, einfach mal so, weil er in dieser Stadt nicht mehr wohnen wollte. In dieser Stadt fühlt er sich nicht sehr wohl, sagt er. Er vermisst unser kleines Städtchen, die paar Bekannten, die er hatte. Wir haben sporadisch Kontakt.

Meiner Püppi, meiner Enkelin, geht es hoffentlich gut. Ich sehe sie selten. Ob das nun immer an der Entfernung liegt, an den fehlenden finanziellen Mitteln ihrer Eltern, ich kann es nicht beurteilen. Sie wird auch ein Geschwisterchen bekommen. Im Herbst. Die Entscheidung kann ich persönlich nur schwer nachvollziehen. Ich war immer die Ein-Kind-Mutter und wollte auch die Ein-Kind-Oma bleiben. Zumal ich der Meinung bin, wenn man mehr oder weniger mit einem Kind schon überfordert ist, wie soll das mit zwei Kindern sein? Mit zwei Kindern wäre ich wahrscheinlich auch überfordert gewesen. Das war auch der Grund. Es ist aber so, wie es ist. Ich muss das auch nicht verstehen. Das ist die andere Seite.

Was mich am Meisten umtreibt in den letzten Tagen, ist aber eine ganz andere Tatsache. Ich habe es schon 2013 geschrieben. Diese Inaktivität. Die ist einfach so. Warum es so ist, wie es ist, dafür gibt es vielleicht Gründe oder auch nicht, man kann das auch psychologisch untersuchen, was aber nicht wirklich was ändert. Man kann auch mit dem Nichtstun beschäftigt sein. Diese Unzufriedenheit.

Ich wundere mich darüber nicht. Warum sollte ICH auch zufrieden sein? Was wäre ein Grund zufrieden zu sein? Ich bin lange in einem Alter,  da möchte man etabliert sein, angekommen. Das bin ich nicht. Die Meisten werden von sich gedacht haben, sie werden mal was ganz Großes. Erfinden das Fahrrad neu, entdecken ein Wundermittel, komponieren ein tolles Musikstück. Was auch immer. Den Wenigsten gelingt das wirklich. Ja. Ist das beruhigend? Für mich nicht. Wenn jetzt jemand antwortet, dann mach doch. Dann hat er Recht, die Frage ist dann aber, was? Ich habe immer gedacht, irgendwann wird es schon mal DAS geben, die andere Karriere, die Geld, Einfluss; Macht bringt. Nein. Was man falsch gemacht hat, wenn man das wüsste, könnte man es beantworten.

Euphemistisch gesagt, ich bin Hausfrau. Diese Aussage ist eine glatte Lüge, denn wenn ich was nicht bin, ist es Hausfrau. Es mag Frauen geben, die sind vollkommen zufrieden damit. Ich war es nie, werde es nie sein.

Ich war mal wieder ein paar Tage arbeiten. Anfang des Jahres. Eine sogenannte zusätzliche pädagogische Tätigkeit in einer Kindergruppe. Kenne ich ja schon. Allerdings hätte man in dieser Einrichtung gern gesehen, dass diese pädagogische Tätigkeit nicht stattgefunden hätte, sondern mehr eine Reinigungstätigkeit. Was ich  ablehnte. Es ist nichts Schlimmes daran, wenn geputzt wird, das muss so sein, darin ist nichts Ehrenrühriges. Aber ich finde darin keine Befriedigung.

Ich hatte dort die tollsten Erlebnisse, die zum Teil auch lustig waren oder auch traurig, je nach Betrachtung. Wir haben uns  ganz gut verstanden. Mir ist es gesundheitlich nicht immer leicht gefallen. Das habe ich gemerkt. So wie ich auch gelernt habe, dass es mir fehlt, dieser Termindruck. Warum ist der Bericht noch nicht fertig, das Telefon klingelt und gleichzeitig muss man Besucher koordinieren, Kinder beruhigen, was auch immer. Das was die Anderen bemängeln, hätte ich gerne mal.

Das es mir dann nicht unbedingt gefallen würde, dass ich es vielleicht auch nicht mehr schaffen würde, das bezweifle ich gar nicht.

Und dann die familiäre Situation. Die hat sich nicht verändert. Der Sohn meldet sich, wie gesagt, sehr selten. Man selbst möchte nicht stören und lässt sie natürlich in Ruhe. Das wollten wir ja auch so. Ist also nicht ungewöhnlich. Nessi ist beschäftigt, mit Job, Personalrat, Förderverein, Weiterbildung, Eltern, Kumpels etc. Das Miststück mit seinen Frauen, mit Alkohol.

Ich bin mit nichts beschäftigt und dazu noch zu faul!

Das Allerschlimmste ist, dass die "älteren Leute" ein Leben haben. Meine Ex-Schwiegermutter ist in den letzten Jahren aufgeblüht. Mein Vater ist telefonisch nur schwer erreichbar. Es geht nur noch die T-Net-Box ran, weil er telefoniert. Mit wem? Keine Ahnung.

Die haben tatsächlich ein Leben.

Ich kann das nicht wirklich fassen.

Es gab da mal so was wie Liebhaber. Gab es mal. Ronald war vor kurzem mal da, ich hatte aber einen Termin, ich sollte mich melden. Dabei blieb es. Da muss man sich ja duschen, fertig machen, aufräumen und überhaupt.

Schrecklich. Klar.

 

 

 

 

15.11.2013 um 00:46 Uhr

Oma

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Gefühlte Jahre habe ich hier nichts geschrieben. Woran merkt man, dass man alt ist? Das man solche Sätze sagt: Wo ist nur das Jahr geblieben? Die Zeit vergeht so schnell. – Das hat doch Oma früher immer gesagt.

Deswegen ist es aber trotzdem richtig. Wenn man Tagebuch führt, für sich, möchte man trotzdem so einen kleinen Abriss der letzten Zeit geben. Was passierte eigentlich? Ich habe neulich hier mal alte Einträge von mir gelesen und dachte so: Boah, wie lange das her ist. Und überhaupt das ist wirklich passiert.

Im Grunde gibt es nicht wirklich was Neues. Denn wenn ich jetzt anfange mit Miststück und Co., dann hat das alles einen meterlangen Bart. Darum lasse ich jetzt erst mal, weil es wirklich nicht relevant ist.

Die wichtigste Neuerung überhaupt ist: Ich bin seit 10. August diesen Jahres Oma. Und was habe ich die letzten Jahre immer wieder gesagt, ich freue mich mal darauf, Oma zu werden. Es ist so eine süße kleine Maus. So eine kleine Püppi. Ich könnte sie den ganzen Tag knuddeln und herzen. Wie eine Oma halt. Da sie nicht in der Stadt wohnt, sondern immer noch in L, was gute 100 km weit weg ist, sehe ich sie natürlich selten und freue mich jedes Mal, sie zu sehen.

Meine Püppi.

Was mich heute so antreibt, ist etwas ganz anderes. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel nachgedacht, über so viele Dinge und doch wieder über gar nichts. Ich bin immer noch so dermaßen unzufrieden und überhaupt, dass es mich mehr als nur stört. Mir fehlt der innere Antrieb. Ich bewundere viele, viele Leute, die so ganz von sich aus, aktiv sind. Ich habe keinen Grund zur Aktivität.

Ich lasse mich viel zu oft treiben. Der Tag vergeht, vergeht, vergeht. Man kann unendlich viel Zeit mit Nichtstun verbringen, das würde niemand wirklich glauben. Es ist aber so. Man beschäftigt sich mit vielen Dingen und doch wieder mit nichts. Schlimm.

Dann gibt es so Tage, da klingelt das Telefon ununterbrochen. Man ist so gefragt, während es ansonsten tagelang keinen Ton von sich gibt. Dann steht Ronald vor der Tür und wundert sich, dass man sich so gar nicht meldet und kann gar nicht nachvollziehen, dass man einfach mit Nichtstun beschäftigt ist. Ich würde das auch nicht verstehen. Gleichzeitig ruft Bea an und man hat die perfekte Ausrede, man hat ja schon Besuch. Und wir haben uns auch nicht wieder verabredet, ich kann gar nicht sagen, wann ich Zeit habe. Morgen? Übermorgen? Diese Aussage ist mir, ehrlich gesagt, schon zuviel.

Dabei hätte ich gar nichts gegen ein Treffen. Sex wäre eine willkommene Abwechslung. Man kann doch nicht so faul sein.

Und dann meldet sich die kleine Püppi an, natürlich kann sie noch nicht sprechen, das heißt dann Paulchen kommt mit seiner Verlobten zu Besuch, und ich bin den ganzen Tag am rotieren.

Es geht also.

Das Miststück stand natürlich in den letzten Wochen auch ab und an mal vor der Tür. Manchmal hat er es geschickt ausgenutzt, hat irgendwo anders geklingelt, an anderen Tagen ist er mit der Bemerkung, er müsse mal reden, erschienen. Da sag ich nicht nein. Das Reden war dann aus meiner Sicht nicht wirklich wichtig. Ändern wird sich in seiner Umgebung eh nichts. Er ist obdachlos und lebt genauso vor sich hin. Wahrscheinlich aus dieser Situation aktiver als ich. Meist bin ich froh, wenn er wieder geht. Weil ich die Geschichten aus 1001 Nacht nicht mehr hören kann und will. Das Thema ist irgendwie abgehakt. Er trinkt immer dann, wenn er Geld hat, also am Anfang des Monats. In der Mitte bis zum Ende des Monats ist er dann meist nüchtern. Das Geld fehlt, dann taucht er für gewöhnlich am Ehesten auf.

Ich würde nicht behaupten, dass meine Gefühle wirklich weg sind. Man klammert sich immer daran. Wahrscheinlich werde ich das auch immer, aber diesen Mann, den ich zu lieben glaubte oder liebe, den gibt es nicht (mehr).

Das eigentlich Frustrierende an der Situation ist, dass ich nicht weiß, mit wem ich reden soll. Da gibt es die Situation, dass ich merke, dass es bei Paulchen und seiner Liebsten Stress gibt, ich möchte mich bei denen nicht einmischen und sage dazu nichts, aber mit wem rede ich denn über die Situation? Mit dem Miststück geht das nicht, der würde das nicht verstehen. Mit Dany ist das genauso. Natürlich haben wir Kontakt, sie kann mir alles erzählen, was sie bewegt, aber umgedreht, geht das gar nicht.

Natürlich gab es mal Nessi. Aber das möchte ich nun auch nicht. Ich weiß gar nicht, wie sie dazu steht. Sie war neulich hier, als Paulchen und seine kleine Familie hier war, sie hielt sich sehr zurück. Sie wusste auch vorher nicht, dass es so sein würde. Ich hatte es ihr nicht gesagt, sie erschien, weil sie mir einen Gefallen tun wollte.

Heute erschien mein ehemaliger Nachbar. Ich hatte mich grade aus dem Bett erhoben, es war am späten Vormittag. Natürlich wollte ich nicht wirklich, aber abwimmeln ließ er sich nicht. Er müsse mal reden. Mir war intuitiv klar, worum es ging. Bei denen steht auch eine Trennung an. Es ist das dritte Gespräch in den letzten Wochen, das ich dazu führe. Was soll ich dazu sagen?

Wenn sich jemand trennen will, kann man selbst schlecht was dagegen tun. Was will man tun? Und wie soll man den Anderen aufbauen? Auch das ist schwierig.

Detlef meinte dann auch, sein Leben ist der Andere. Er kennt ja auch kaum andere Leute. Ich habe mich schon immer gefragt, was die Beiden verbindet. Sein Partner ist sehr aktiv, er fährt viel weg, zu irgendwelchen Konzerten, Bekannten, Familie. Ich kann das gut verstehen, man möchte einen aktiven Partner. Und wenn der denkt, er verpasst was, ist eine Trennung für ihn nahe liegend.

Es ist wahrscheinlich der falsche Grund zu denken, man verpasst etwas. Ich kenne diesen Grund. Bei der Trennung meiner Eltern habe ich viel forciert. Ich habe gedacht, Leute, die so verschieden sind, sich so angiften, ist eine Trennung das Beste, was ihnen passieren kann. Ob ich heute noch so denke, kann ich gar nicht sagen. Ich glaube kaum, dass meine Mutter das noch immer so sieht. Was gewesen wäre wenn, wer weiß das schon. Ich habe kaum Kontakt zu meiner Mutter, sie wohnt immer noch 500 km weit weg, sie ist telefonisch seit Wochen nicht mehr erreichbar. Das Handy ist aus, das Festnetz funktioniert nicht. Ja, ich mache mir Gedanken, aber ich habe keine Lösung.

Wer hat schon Lösungen.

Detlef möchte sein Leben, wenn sein Partner auf die Trennung besteht, am Liebsten beenden. Er hat keinen Grund zu leben. Was sagt man? Ich verstehe das gut. Er ist sehr krank, hat kaum Geld. Er bräuchte eine neue Wohnung, Möbel. Wer würde da nicht verzweifeln? Mit Geld ist das kein Problem, aber ohne.

Ein bisschen Schadenfreude ist dabei. Schließlich ist Detlef auch derjenige, dem nun auffällt, dass es ja hier gar keine bezahlbaren Wohnungen gibt. Dass Geld als HartzIV-Empfänger endlich ist. Mit Partner ist das etwas anders. Da ist so einiges möglich.

Wir haben alle mal gedacht: Mir passiert das nicht. Ich werde nicht dick. Ich werde irgendwo was finden. So große finanzielle Probleme werde ich mal nicht haben. Ich werde nicht einsam und allein.

Die Zeiten ändern sich. Ich bin davon nicht mehr so überzeugt, dass wir nicht alle unter der Brücke landen. Wie soll das alles noch weiter funktionieren? Das Kartenhaus bricht irgendwann zusammen.

Ich werde sehen, wie sich das entwickelt. Aber ich habe keine Antworten. Für mich nicht, für ihn nicht, für alle Anderen, die sich in letzter Zeit getrennt haben, trennen wollen.

Soll man zusammen bleiben, damit man sich nicht einsam und allein führt, aus finanziellen Gründen? Ich weiß es nicht.

Diesen Schritt bedaure ich nicht. Ich bedaure meine Trennung / Scheidung nicht. Das war richtig. Ich hätte viel eher, diesen Entschluss fassen sollen. Auch wenn nicht die große Erwartung kam, die große Aktivität, die große Liebe oder was man sich auch immer so erhofft.

Ich bedaure nicht die Zeit mit dem Miststück. Es war auch eine schöne Zeit. Es hat auch viele Tiefen gegeben, aber ich weiß, es war eine tiefe und innige Liebe zu ihm. Manchmal reicht das halt nicht.

Ich bedaure die Zeit mit Nessi nicht unbedingt, wir hatten viel Spaß. Es war etwas, was erstrebenswert wäre. Jemanden zu haben, mit dem man lachen, weinen, reden, was unternehmen kann. Wir lagen in vielen Dingen auf einer Wellenlänge. Sie hat sich anders orientiert, das muss ich akzeptieren. Sie hat mich mehr geliebt als ich sie. Ich wusste immer, dass es mal vorbei geht, dass ich sie vermissen würde, Recht zu haben, befriedigt meist gar nicht. Hätte ich mich ihr gegenüber weniger geöffnet, das wünsche ich mir manchmal. Sie hat die verletzliche Seite gesehen, die niemand sehen soll.

Auch mit dem Miststück ist das so. Ich wusste immer, es geht irgendwann mal vorbei. Wir können keine dauerhafte Beziehung führen.

So ist die Situation. Es hat sich nicht wirklich viel verändert. Ich habe mal kurz gearbeitet und mich dort sehr unwohl gefühlt. Die Folge war, dass ich Bluthochdruck bekam und nun  Tabletten nehme. Ist nicht ungewöhnlich in meinem Alter. Geärgert hat es mich, weil es vermeidbar gewesen wäre. Es war eine Ämterentscheidung. Ich habe kurzzeitig versucht, eine Qualifizierung zur Erzieherin zu machen. Das wurde nichts, weil Behörden ihre eigenen Vorstellungen haben und der Bluthochdruck machte die Teilnahme erst mal unmöglich.

 

14.11.2013 um 23:37 Uhr

Trennungen

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken


 

Zur Zeit allgemeines Trennen. Schon das dritte Gespräch in kurzer Zeit dazu. Die Frage ist nur, mit wem redet man selbst, wenn Bedarf ist?

Weswegen trennt man sich? Neue Verliebtheit? Mangelnde Liebe? Das Gefühl, sich nicht mehr zu verstehen? Das Gefühl etwas zu verpassen?

Und welcher dieser vielen Gründe ist der Beste? Der Eigentliche? Und was kommt nach der Trennung? Die Besinnung? Das Neue?

Niemand weiß es. 

 

14.11.2013 um 23:25 Uhr

Loyalität

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Loyalität gibt es nur ganz oder gar nicht.
Meistens gar nicht.
Eine wichtige Eigenschaft, wenn nicht die wichtigste überhaupt ist Loyalität.
 

23.09.2013 um 01:28 Uhr

Wahl

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Ich habe gewählt und gebe zu, mit dem Ergebnis habe ich nichts zu tun.

Man muss sich schon rechtfertigen, wenn man wählen geht. Du gehst wählen? Na selbstverständlich. Da kam dann nichts mehr. Dabei ist es ganz einfach:

1989 sind die Ostdeutschen für mehr Demokratie auf die Straße gegangen. Die Meisten von uns sind froh, dass es die DDR nicht mehr gibt. Natürlich gibt es ein paar, die das irgendwie anders sehen. Ein simples Beispiel gab es neulich beim Weiberabend: Es wurden Bilder auf Facebook gepostet, die aus der DDR stammen. Es sah wirklich schrecklich aus. Niemand von uns weiß eigentlich mehr, wie schrecklich es wirklich aussah und war. Wir stellten wirklich fest, wir können froh sein, dass die Wende kam. Denn wie wäre es sonst? Würde es sonst noch so schrecklich aussehen? Nein, die Häuser, die damals so schrecklich aussahen , würden heute nicht mehr stehen, sie wären Neubauten gewichen. Neubauten, die heute abgerissen werden, weil sie alles andere als neu waren. Weil schon beim Neubau der Neubauten gepfuscht wurde. Wir hatten ja nüscht.

Vergessen!

Die Ostdeutschen sind 1989 auf die Straße gegangen, um Demokratie zu leben. Ob wir sie nun haben, okay, darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber sie zu ignorieren und zu sagen, es nützt ja sowieso alles nichts, ist das die Lösung?

Ich habe gewählt. Aber ich gebe zu, mir fällt das immer schwerer. Ich wähle Protest. Denn was bleibt:

CDU – nun die kann ich nicht wählen. Das ist für mich eine Partei, die ich nicht wählen kann. Wenn ich die führenden Politiker dieser Partei sehe, dann kann ich die nicht für voll nehmen. Das C, das für christlich im Parteinnamen steht, ist für mich vollkommen falsch: Christliche Werte – wo? Eine Kanzlerin, die nichts hört, nichts sieht. Eine Arbeitsministerin, die ihr Handwerk gar nicht versteht. Eine Verbraucherministerin mit 10 Punkte Plänen auf dem Papier. Ein Innenminister, der die Aufgabe nicht verstanden hat usw.

FDP – die Partei der Besserverdienenden, die Liberalen. Liberal zu sein, ist an und für sich nicht mal schlecht. Aber was bezeichnet die FDP als liberal? Die FDP sind für mich nicht Fisch und Fleisch, bestenfalls eine Zwischenlösung, die für nichts steht.

SPD – mein Herz hat immer für diese Partei geschlagen. Ich habe noch gehört und gelernt, das Volk wählt SPD. Aber wenn ich mit die Leute so angucke, wofür stehen die? Ist das sozial? Hat die Partei nicht ihre sozialdemokratischen Werte verloren und verleugnet? Und hat man nicht Herrn Steinbrück aufgestellt, weil man eigentlich nicht gewinnen wollte? Das muss doch so sein.

AFD – darüber muss man kein Wort verlieren. Eine Partei, die am rechten Rand fischt. Eine gefährliche Wahl.

Rechter als AFD ist gar keine Alternative.

Piraten – das wäre eine Wahl gewesen. Aber wo sind sie? Irgendwie sind sie nicht mehr da. Die waren so mit sich beschäftigt, sie sind untergegangen.

Grüne – für mich ehrlich gesagt, überhaupt keine Wahl. Eine Partei der Besserverdienenden, eine Partei mit dem Zeigefinger, auch wenn sie es abstreiten, es kommt halt so rüber. Eine Partei, die für Umwelt steht. Wie ist das mit der EEG-Umlage? Fleischloser Tag? Ich kann damit wenig anfangen. Vieles kann man unterstreichen, aber bei näherer Betrachtung sage ich für mich – nein danke!

LINKE – die Partei steht für alles, was das Volk wählen kann. Sie sind gegen alles und für alles, was das Volk bewegt. Gegen Hartz4, gegen die Rente mit 67, gegen Auslandseinsätze, für mehr Kinderbetreuung, für mehr soziale Teilhabe. Es ist wie ein Wunschkatalog. Wähle Dir was aus, wir machen es. Komisch, dass sie nicht von allen gewählt wurden. Viele möchten das anscheinend nicht. Aber diese Partei hat, und auch wenn das von einem Ossi schrecklich klingt und heute niemand mehr hören will, eine Vergangenheit. Sie ist aus der SED hervor gegangen. Und das ist deswegen eine Tatsache, wenn man sich die Klientel und viele der Abgeordneten einmal näher betrachtet. Da sind so einige, die haben noch nicht wirklich erkannt, dass die DDR nicht mehr existiert und die DDR auch keine Alternative mehr bietet. Und dann gibt es in dieser Partei noch die West-Fraktion, die generell von den Anderen als Spinner bezeichnet werden, kommunistische Plattformen. Ich weiß darüber wenig bis gar nichts.

Ich habe die LINKE gewählt, weil sie zumindest die Themen anspricht, die mir wichtig sind. Dass sie von den anderen Parteien ignoriert werden, eine Koalition mit ihnen für niemanden in Frage kommt (anscheinend) finde ich arrogant. Damit wird dem Wählerwillen widersprochen, was nicht demokratisch ist. Außerdem könnte die LINKE bei Regierungsverantwortung mal zeigen, was aus ihren Wahlversprechen denn werden würde.

Ich selbst habe mich gegenüber einem LINKEN mit der Äußerung, dass ich der LINKE keine Führungsverantwortung zu traue, mal tief in die Nesseln gesetzt. Herr Gysi ist ein sympathischer, eloquenter Mann, aber was noch? Und wen gibt es da überhaupt noch?

Außerdem muss ich gestehen, dass ich auf Bundesebene gerne die LINKE wähle, aber bei Kommunalwahlen das bisher eher vermieden habe. Wenn ich mir die Hanseln da betrachte, kommt das für mich nicht wirklich in Frage.

Das ist schizoid. Ich gebe es zu. Das ist natürlich das Dilemma, in dem sich viele befinden. Man entscheidet sich dann, nicht zu wählen. Damit verraten wir aber Ideale, für die wir selber mal eingetreten sind. Wie viele Länder auf der Welt gibt es, deren Bevölkerungen für freie Wahlen kämpfen? Wir dienen damit unserer eigenen Demokratie nicht, wie sollen unsere Volksvertreter erkennen, dass wir mit ihnen dann doch nicht so einverstanden sind?!

Politik ist vielen egal. Die machen da oben doch, was sie wollen. Man kann gegen dieses Argument nur schwer vorgehen. Jetzt kann sich unsere Kanzlerin, nichts können Politiker so gut, sich selbst beweihräuchern. Das machen alle, egal , wie das Ergebnis ist.

Darum habe ich gewählt. Wenn es für mich auch eine Wahl zwischen Pest und Cholera war. Ich wäre gerne überzeugter. Ob das mal noch möglich ist?

In den nächsten vier Jahren habe ich zumindest die Gewissheit, ich habe das nicht gewählt. Diesen Stillstand, diese Ignoranz, diese Arroganz. Das ist auch was Wert!

Eine gute Opposition ist für eine Demokratie wichtig und die LINKE ist da sicher sehr gut!

Verschwörungstheorien könnte man auch noch spinnen, aber das lasse ich mal.

 

 

 

 

03.07.2013 um 05:17 Uhr

Wie soll es weitergehen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich gar keine Lust irgendwas zu schreiben. Ich weiß, worauf das hinaus läuft. Aber ich werde eh nicht schlafen können, was soll ich denn, auch wenn es fast schon Zeit ist, wieder aufzustehen, im Bett.

Es ist lange her, dass ich mir Notizen zu meinem Leben machte. Daran merkt man auch, wie die Zeit vergeht. Es liegt nicht daran, dass ich nichts zu berichten oder zu jammern hätte. Da findet sich immer was. Ich wollte einfach nicht, wo anfangen, wo aufhören.

Ich hatte eine ziemlich euphorische Zeit, als ich noch dachte, vielleicht wird es ja was mit der Vorbereitung zur Erzieherinnenprüfung. Danach bin ich wohl ziemlich tief gefallen. Und kann mich momentan zu rein gar nichts aufraffen. Selbst in der Zeit des Hochwassers, und es war dieses Mal wirklich schlimm, konnte ich mich fangen. Da hielt mich praktisch nichts zu Hause, musste gucken, wie es aussieht, habe fotografiert. Zum Sandsäcke füllen, fühlte ich mich nicht wirklich geeignet. Was nützt es irgend jemanden, wenn man neben dem Sandsack zusammen bricht. Auch wenn mich diese Gedanke, ja fast wütend gemacht hat, konnte ich mich damit trösten, dass man gucken geht, viele Menschen sieht, die das Gleiche machen. Und die Hoffnung zu haben, dass das Wasser dann nicht bis hierher kommt. Es blieb dann tatsächlich ca. 100 m vor der Haustür stehen, es stand in der anderen Richtung ein paar Meter vor der Tiefgarage. Hier war nur im Keller Wasser. Selbst das hätte niemand gedacht. Hier im Keller war noch nie Wasser, solange das Haus steht.

Auch Paulchen war während der Zeit mal hier, wollte gucken, ob seine Mutter kurz vor dem Absaufen ist, sozusagen. Dany hat mir sogar den Vorschlag gemacht, wenn ich denn aus meiner Wohnung raus müsste, es hätte ja so kommen können, kann ich solange zu ihr ziehen.

Während des Hochwassers hatte ich dann noch ein Erlebnis, was mich sehr schockiert, hat. Es war peinlich, für mich. Wenn neben dir ein Auto hält, dessen Autonummer du kennst, an den Menschen du auch irgendwie gerade gedacht hast, nimmst du mit Sicherheit an, dass dieser Mensch wegen dir hält. Dann die Erfahrung zu machen, dass es nicht so ist, ist schon ein großer Schock. Nessi hielt genau neben mir auf der Straße, natürlich dachte ich, sie wollte hallo sagen, fragen, wie es mir geht, wie es mit dem Hochwasser aussieht. Sie wohnt ja in einer Gegend der Stadt die davon nicht betroffen ist. Und ich habe neben dem Auto gewartet, dass sie aussteigt. Sie stieg aus, ihre Mutter auch. Die haben mich dann aber mehr oder weniger ignoriert. Ich habe dann nur gegrüßt und mich schnell davon gemacht. Es war peinlich. Ich konnte es nicht ganz lassen, hab sie dann später angerufen. Sie hätte mich nicht gesehen, nur ihre Mutter (die mich, wie man unschwer erkennen kann, nie mochte) und die hat ohnehin gerade etwas genervt und dann war ich ja auch weg. Man sieht schon, die ganze Sache ist mehr als nur Geschichte.

Das hat mich auch runter gezogen. Klar, wenn man bedenkt, was wir alles erlebt, gemacht, getan haben. Was sie mir immer sagte, was ich ihr bedeute. Auch wenn es das Eine oder Andere mal mir weniger gefiel, weil es zu eng war. Es ist schon ein ziemlicher Schock.

Das Miststück selbst habe ich seit dem Hochwasser nicht gesehen. Und das ist schon eine Weile her. Davor war er ein paar Mal hier, hat die Wochenenden hier verbracht. Ich habe mir das schlechte Gewissen von Detlef gekonnt einreden lassen. Es war auch nicht weiter schlimm, das Miststück war nüchtern. Er hat hier viel für mich gemacht, was ich gar nicht wollte. Hat mal wieder meine Kammer aufgeräumt (Abstellkammer). Ich bin ihm auch dankbar dafür, aber nötig wäre es nicht gewesen. Allerdings kann ich ihm sehr dankbar sein, dass er vor einiger Zeit mal meinen Keller aufgeräumt hat. So war es gar nicht schwer, ein paar Dinge, die nicht nass werden sollten, einfach hoch zu stellen. Ich weiß gar nicht, was ich gemacht hätte, hätte er den Keller nicht aufgeräumt. Dann hätte ich das auf die Schnelle machen müssen. So hätte ich das gar nicht vermocht. Er sagte ja auch immer, er hat schließlich im Lager gearbeitet, kennt sich mit Lagerverwaltung, Logistik aus. Ja, das ist schon viel Wert gewesen.

Was er momentan macht, weiß ich gar nicht. Er hat sich sicher ein paar Mal gemeldet, hat auch ein paar Mal geklingelt. Aber ich wollte nicht. Ich habe erstaunlicherweise sogar ein paar Euro bekommen. Das war noch im Juni, also vor dem Hochwasser. Er hatte natürlich wieder getrunken. Nein, ich wollte und ich konnte es nicht. Wie er den letzten Monat überstanden hat, ich habe keine Ahnung.

Nessi hatte mal kurz eine SMS geschrieben, dass sie ihn gesehen hat. Er war sehr, sehr betrunken, konnte gar nicht laufen.

Was auch immer komisch ist, ab und an meldet sie sich dann doch. Meist allerdings per SMS. Es ist ja bekannt, dass ich keine SMS-Schreiberin bin. Vielleicht deswegen…

Man kann Frauen halt nicht verstehen.

Detlef hat mich natürlich auch ein paar Mal deswegen kontaktiert. Das er so gar nicht verstehen kann, dass ich mich nicht um das Miststück kümmere. Er hätte das doch gedacht. Was hätte ich denn tun sollen? Er hatte dann auch noch eine Neuigkeit zu erzählen, er wurde von einer unbekannten, jungen Frau angerufen, die mit ihm auch noch geflirtet hat. Diese hat wohl ein Handy vom Miststück geschenkt bekommen / gekauft, was auch immer, die Nummer stand noch im Telefonspeicher. Ob ich diese denn kenne. Ich wusste so ungefähr, wer die Mutter der Dame ist, auch wenn ich sie nur aus den Erzählungen des Miststücks kenne. Er sprach immer von der Nymphomanin. Hat auch nie verstanden, dass ich immer sagte, Nymphomanie ist für mich kein erstrebenswertes Ziel, ich bin lieber befriedigt.

Sicher wird sich jeder wundern, dass ER sich nun so gar nicht mehr bei mir meldet. Aber wahrscheinlich hat er es dann doch kapiert, ich habe es ja mehrfach gesagt, ich will dieses ganze Gesaufe etc. nicht (mehr). Auch wenn er es nicht versteht, wie es viele nicht verstehen.

Für mich war schon immer eines klar: Sicher ich hätte nie gedacht, dass ich das Miststück noch einmal wieder sehe. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich noch mal die Chance haben würde, in seinen Armen zu liegen. Nachdem wir beide verheiratet waren, er dann nach der Scheidung nach Bayern ging, wer hätte das gedacht. Ich will die Zeit nicht missen. Es war auch eine schöne Zeit. Mir war aber immer klar, das war es mir schon früher, es wird nie dauerhaft sein. Heute liegt es nicht nur an ihm, auch an mir. Aber eines steht halt fest, das Miststück hat eine Fähigkeit, die vielleicht sogar gut ist, wer will das schon beurteilen, er wird jede Situation so annehmen, wie sie ist. Er wird sich nie widersetzen. Man bezeichnet es auch als labil. In manchen Situationen ist es sicher Einsicht in die Notwendigkeit, Realitätssinn haben.

Was ich damit sagen will, er hat sich mit der Obdachlosigkeit, dem Wohnheim abgefunden. Er wird selbst dagegen nichts unternehmen. Ob er es überhaupt kann, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Sollte nicht jemand ihn an die Hand nehmen und alles erledigen, wird sich nichts ändern. Das war im Großen und Ganzen schon immer so. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es wieder eine Frau gibt. Er hat irgendwas von einer ehemaligen Schulfreundin erzählt, die auch Alkoholikerin ist. Vielleicht ist es auch die Nymphomanin. Oder was auch immer. Es würde so einiges dafür sprechen. Warum sollte ich das denn ändern? Wenn es denn eine Frau in seinem Leben gibt, die das so mitmacht oder die vllt. willens und fähig ist, was daran zu ändern? Wer weiß es?! Und wenn eine Frau da ist, dann ist ganz klar, dann muss er sich gar nicht mehr bei mir melden, dann will er das nicht mehr, dann hat er sich damit abgefunden. So einfach ist das dann auch wieder.

Für mich kann das ja eigentlich gut sein. Ich wollte das ja schließlich nicht. Es gibt immer so Tage, da denke ich aber ganz anders. Samstags beispielsweise. Hier war früher samstags viel los. Das Miststück war da, Nessi. Als das Miststück noch in Bayern war, war nur Nessi hier. Bevor ich Nessi kannte, war ich meistens bei Dany. Oder sie bei mir. Und davor war ich ja auch mal verheiratet. Zwar war mein Mann nie da, er hatte ja schließlich immer diverse Verpflichtungen und Frauen, aber man konnte sich doch immerhin einreden, man ist ja immerhin verheiratet, demzufolge nicht allein.

Jetzt klingelt das Telefon manchmal tagelang nicht. Es gibt keine SMS, von niemandem. Auch wenn ich die des Miststücks eh nie beantwortete, kamen sie doch. Jetzt ist es still hier.

Ich behaupte immer von mir, ich bin gerne Single. Das stimmt auch weitestgehend. Am Singledasein gibt es ein paar Vorteile, man ist niemandem Rechenschaft schuldig, man kann tun oder lassen was man will oder nicht will. So wie man die Wohnung aussehen lässt, so sieht sie aus. Wenn man was macht, dann okay, wenn nicht, bleibt es halt. Geht man weg, ist es okay, bleibt man im Bett, ist es auch okay. Guckt man lange TV, ist es egal. Es stört niemanden.

Aber wenn das Telefon tagelang nicht klingelt, gefällt es einem auch nicht. Wenn einem bewusst wird, dass es eigentlich so niemandem interessiert, wie es einem geht oder nicht geht. Wenn man niemanden hat, den man mal anrufen kann, dann hinterfragt man so manches. Natürlich telefoniere ich ab und zu mit Dany, auch mein Vater meldet sich mal, Paulchen. Ich telefoniere ab und an auch mal mit der Truppe, mit der ich ab und an mal in die Kneipe gehe. So einmal im Monat. Wobei es letzten Monat ausgefallen ist, und ob wir uns wieder zusammen finden, wird sich zeigen. Auch Beate (Holland) war ja irgendwann mal hier. Das war auch eigenartig. Sie hat mit mir Wein getrunken, an dem Tag stand mein Handy nicht still, ich war sehr gefragt. Das mit dem Miststück war noch neu, Nessi meldete sich, Detlef. Man hätte den Eindruck bekommen können, ich bin sehr gefragt. Naja… Aber Beate verschwand dann recht schnell. Es hat ihr irgendwas nicht gepasst. Vielleicht war meine Wohnung nicht genug aufgeräumt. Sie hat sich überhaupt gefragt, ob ich hier den ganzen Tag verbringe und was ich denn so mache. Es ist alles so klein hier. Sie haben ja ein Riesengrundstück und jede Menge Arbeit. Ich fragte mich immer, wenn ich bei den Holländern war, ob mir das gefallen würde, die nicht enden wollende Arbeit, das spartanische Leben. Mir war klar, dass sie sich nicht wieder meldet. Ich wusste es schon, als sie ging, obwohl sie ihren Schal hier vergessen hat, der noch hier liegt.

Ronald hat sich dann auch mal gemeldet. Er würde doch gerne mal vorbei kommen. Im Prinzip habe ich da gar keine Einwände, auch wenn ich bezweifle, dass ihm das nach meiner körperlichen Veränderung, ich habe doch sehr zugelegt, gefällt. Aber das muss geplant, so von jetzt auf gleich, klappt das überhaupt nicht. Da bin ich gerade nicht in der Stimmung auf Besuch, es ist nicht gerade aufgeräumt….

Psychologen werden jetzt sagen, das klingt nach einer depressiven Phase. Phlegmatisch, kann sich zu nichts aufraffen. Da ist auch was dran. Es ist einfach so. Ich bin nur noch genervt, das was gerade passiert, will ich auf keinen Fall, das was nicht passiert, will ich. Ich habe heute schon zu Dany gesagt, die es so ähnlich empfindet, wenn ich auch mit ihr darüber nicht wirklich reden kann, wir sind schon schwierig.

Es gibt einfach nichts für was sich das Aufstehen wirklich lohnt. Mit dem Jobangeboten – da hat man sich abgefunden, da wird wohl nicht wirklich was Gutes kommen. Würde ich Lotto spielen, im Lotto gewinnen, wüsste ich, ich würde Fett absaugen lassen und dann eine Weltreise unternehmen. Auch dazu wird es nicht kommen. Ansonsten weiß ich gar nicht, was schön ist. Ich will nicht jammern, ich weiß es wirklich nicht.

Ich werde Oma. Das ist schön. Aber auch da fehlt mir gleich das fehlende Geld ein. Was könnte man machen, wenn. Irgendwann, und das ist genau der Punkt, wird es mir gehen wie dem Miststück, das ganze Kartenhaus wird zusammen brechen. Paulchen geht es ganz gut. Sie freuen sich auf die Kleine. Ich will gar nicht behaupten, dass wir früher wussten, was wir taten. Wir wussten es auch nicht. Was man alles braucht, was alles kostet. Nein, wir wussten es auch nicht. Es hat sich irgendwie geregelt. Es waren meine Eltern da, die Eltern meines Mannes, meine Oma. Und bei Paulchen? Seinen Vater, dazu muss ich nicht viel sagen, das Thema könnte ein Roman werden. Meine Mutter hat mit sich zu tun, das wäre Roman Teil 2. Mein Vater hilft, wo er kann. Wenn er mal nicht mehr kann, was ist eigentlich dann? Dann – siehe Miststück. Die „Schwiegereltern“ meines Sohnes sind wie mein Ex-Mann. Zu seiner anderen Oma, die Mutter meines Ex-Mannes, hat Paulchen keinen Kontakt mehr. Das könnte dann der 3. Teil des Romans werden.

Leider glaube ich nicht daran, dass sich alles schon finden wird. Das muss es nämlich nicht. Dass es vielen so geht, das es vielen schlechter geht, ist kein Trost. Das sollte man zwar bedenken, aber trösten wird es nicht. Für Menschen mit einem tiefen Glauben, die bewundere ich oft, ist das vielleicht ein Trost.

Was tröstet einen?

Manchmal denke ich, raffe dich auf, suche dir einen Liebhaber/ eine Liebhaberin. Das würde mir sogar gefallen. Momentan wäre mir mal nach einer Frau. Aber die wird hier auch nicht klingeln? Da haben wir dann schon wieder das Dilemma. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wo lernt man schon jemanden kennen, wenn man eigentlich nicht raus geht? In meinem Alter ist das mit dem Kennen Lernen auch nicht mehr so einfach. Und Frauen, die hier bisexuell sind, wer outet sich schon. Ich würde das auch nicht tun. Ich mag dieses Wort nicht mal. Mit Männern ist das gar nicht so einfach, mir schwirrt das Miststück noch zu sehr im Kopf rum. Der Sex war nicht immer so berauschend, ich hatte schon besseren. Animalische Anziehungskraft war es dann auf jeden Fall. Natürlich gibt es immer noch das Neuland. Da soll das ja möglich sein. Die Holländer kenne ich ja auch daher. Aber da müsste man Termine machen, da haben wir das Dilemma schon wieder.

Ich denke viel über Beziehungen nach. Wie sollte sie dann aussehen? Es ist wirklich so, ich hatte nie den Gedanken, dass das Miststück und ich bis ins hohe Alter zusammen sind. Ich wusste immer, dass ich das gar nicht könnte. Ich bin auch kompliziert, brauche meine Freiheit, brauche meinen Freiraum. Will mal allein sein. Usw. Irgendwann würde sich das Miststück anderen Dingen widmen.

Wer will schon bis ins hohe Alter allein sein? Aber was ist der Preis für eine Bindung? Muss man da doch Kompromisse eingehen! Und wie stellt man das an?

Es ist nicht so ganz einfach. Ich werde darauf auch heute keine Antwort finden, wie es für mich weitergehen soll. Was ich will. Vor allem was ich kann. Die Frage zu stellen, was man hätte anders machen können, die stellt man sich zwar ab und zu, aber darauf findet man nie eine Antwort. Die gibt es auch nicht.

Fakt ist aber, man muss sich aufraffen. Daran muss ich arbeiten. Ob ich nun die Chance auf den guten Job habe oder nicht, ob ich mich mit der Situation abfinde, wie sie ist, finanziell und ohne Job, ob ich mir einen Liebhaber oder Liebhaberin suchen werde oder vielleicht doch mal darüber nachdenke, ob es nicht mal was Festes sein sollte. Ich weiß es nicht wirklich. Ich weiß nur eines, so dürfte es nicht weiter gehen. Irgendwas sollte passieren, dass ich mich aus dem Tief befreie. Es wird auch niemand anders tun. Ich war da sicher schon ein bis zwei Mal drin, aber so aussichtslos empfand ich es halt nie. Es ist schon deshalb wichtig, weil Aufraffen auch bedeutet, dass es mir gesundheitlich besser geht. Der Blutdruck besser wird. Eine Gewichtsreduzierung wäre nicht schlecht. Denn wenn es so weitergeht, werde ich auf meiner Couch noch jahrelang sitzen. Das ist kein erstrebenswertes Ziel. Und irgendwann kann man dann nicht mehr aufstehen…

Es tat mal gut, das genauso und nur für mich zu formulieren. Ich würde nie darüber sprechen, mit wem auch. Wer würde es auch verstehen?! Wer würde es auch so direkt formulieren?!.....

Meine Beschäftigung im Hort, das nur am Rande, hat sich erledigt. Das war auch gut so. Denn auch diese trug zu alldem hier bei.

 

 

18.05.2013 um 02:48 Uhr

Morgen?

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Heute war wieder so ein Tag, an dem ich echt genervt war/bin. Mein Vater erschien und wollte eine Unterschrift zur Kontovollmacht, falls er mal nicht verfügbar ist. Das sind Gedankengänge, die Frau lieber nicht hat. Paulchen wollte einen Lebenslauf. Es gab dann hier noch einen. Ansonsten ist in L alles beim Alten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich hatte heute Besuch von meinem ehemaligen Nachbarn, Detlef. Er hat sich ein neues Handy gekauft, und da ich schon Smartphone-Erfahrung habe, hatte er ein paar Fragen. Außerdem war er hier einkaufen. Jedenfalls fragte er nach dem Miststück. Der „wohnt“ ja immer noch im Wohnheim für Männer. Ich habe mir das heute von weitem mal angesehen, es war gerade Tafel-Ausgabe, viele Menschen. Das Miststück war nicht zu sehen. Und ob ich ihn sehen wollte, war mir auch nicht wirklich klar. Jedenfalls geht es ihm nicht so gut. Er trinkt mal wieder nicht, zwangsweise, denn er hat kein Geld. Deswegen hat er natürlich auch kein Geld für Tabak, Telefon (er telefoniert nicht mehr, schreibt nur SMS, das ist preiswerter im Tarif). Und Lebensmittel fehlen natürlich auch. Selbst im Obdachlosenheim kostet das Essen - 1 Euro. Wenn man kein Geld hat, hat man auch keinen Euro.

Ich hatte ihm gestern schon am Telefon gesagt, dann soll er mit der Leiterin mal sprechen. Das sind doch Sozialarbeiter, es ist deren Job zu helfen. Natürlich war deren erster Gedanke, dann soll er zum Sozialamt bzw. Jobcenter gehen. Einen Vorschuss gibt es aber aus nahe liegenden Gründen nicht. Wäre ungerecht allen anderen gegenüber, außerdem fehlt es dann ja in nächsten Monat. Und Tabak gehört sowieso nicht zum Bedarf, der in der Regelleistung enthalten ist. Die Dame hat ihm dann gestattet, dass er ab nächster Woche wieder mit essen kann. Die Kosten muss er dann im nächsten Monat erstatten. Am Ende der nächsten Woche kann er sich auch was von der Tafel holen. Es gibt im Wohnheim ja nur Mittagessen, am Wochenende wird gar nicht gekocht.

Und schon gestern meinte er, er würde dann am Samstag mal vorbei kommen, damit er mal was essen kann. Sein Rasierzeug liegt ja auch noch hier.

Das ist alles ganz selbstverständlich. Schließlich wird Frau doch Mitleid haben.

Den ganzen Tag drückte er dann in den SMS auf die Tränendrüse, wenigstens etwas Tabak möchte er, er hatte heute auch nichts zu essen, nur Obst. Heute galt das Angebot wohl noch nicht. Ein Kaffee wäre auch mal schön. Er bleibt doch nur kurz.

Genau das bezweifle ich stark. Schließlich ist Montag auch noch Feiertag.

Der gute Detlef redete mir dann auch noch ein schlechtes Gewissen ein. Man muss ihm doch helfen, so tief im Schlamassel hat er doch noch nie gesteckt. Man möchte doch, dass Einem auch jemand hilft, wenn es Einem mal selbst so geht.

Die Frage ist nur, wenn man selbst in der Situation  ist, wer hilft dann. Das Miststück doch bestimmt nicht. Klar Detlef hat noch einen Lebensgefährten, er hat auch noch gute Bekannte, die wohl gut situiert sind.

Wie oft hab ich nicht schon geholfen?! Im vergangenen Monat war er noch nicht obdachlos, aber das Geld war Mitte des Monats auch alle. Wie ging das nur vorher? Vorher war da noch seine Mutter, und wenn er hier „gewohnt“ hat, gab es auch was auf den Teller. Schließlich ließ ich ihn nicht zugucken, zumal essen für Alkoholiker sehr wichtig ist. Geld hab ich selten gesehen, in der entsprechenden Größenordnung nie.

Ich habe da echt die Nase voll. Weil ich das alles schon 100 Mal erlebt habe. Zum Anderen gebe ich auch gerne zu, das Geld, wenn ich was zu verschenken hätte/habe, dann mein Sohn bekommt. Die sind jung, die brauchen das Geld für Wohnung, Kind und Kegel. Paulchen hat jetzt auch schon festgestellt, wie teuer eigentlich Kinderwagen und Kinderbetten sind. So hat er das nie gedacht.

Das schlechte Gewissen hab ich mir gut einreden lassen. Habe das Miststück angerufen, Detlef würde sich ja auch mit 10 - 15 Euro beteiligen. Vllt. dann morgen. Eine wirkliche Zusage habe ich nicht gegeben.

Dann ruft mich doch Detlef an, er hätte gerade mit dem Miststück telefoniert, und ist nun stinksauer. Er könne ihn mal am A…. lecken. Er hätte doch nur gesagt, ob er dann zwischenzeitlich bei der Beratung des Jobcenters war wegen eines Zimmers. Die hätten dort ganz bestimmt sofort ein Zimmer. Er kennt den Herrn und ob er denn endlich rasiert ist. Schließlich wäre der Rasierer bei mir nur eine Ausrede etc. Das Ende vom Lied: Die haben sich angezofft. Das Miststück hat aufgelegt. Von Mitleid und die Hälfte dazugeben, ist nun keine Rede mehr.

Wer da nun was im Einzelnen gemacht hat, ist uninteressant. Das Resultat zählt. Außerdem heißt es so schön: Niedrig schwellige Angebote, man muss die Betroffenen da abholen, wo sie sind. Da mein guter Nachbar ja Akademiker ist, darauf legt er ja größten Wert und so gebildet, müsste er das eigentlich wissen. Es nützt gar nichts, alten Kaffee auf zu wärmen.

Das Miststück selbst hat das so verbissen sicher nicht gesehen. Ich bekam dann eine SMS, wenn er dann morgen zu mir kommt und Detlef da ist, könnte der ja was für ihn mitbringen.

Wieso bekomm ich die SMS? Zumal ich seine SMS ohnehin schon seit mehr als einem halben Jahr nicht beantworte, ich telefoniere lieber und habe kein SMS-Paket mehr. Kann man die SMS dann nicht gleich zu Detlef schicken?

Das ist so typisch für das Miststück, irgendwer wird es schon regeln. ER ist ja so beliebt, da wird sich jemand finden. Dass sich keiner findet, ist ihm immer noch nicht klar. Dass alle die Verflossenen, zu denen er noch vor Wochen Kontakt hatte, denen er Tabak, Telefone, Schmuck etc schenkte, sich nicht dafür interessieren, kapiert er nicht wirklich.

Heute hat er dann Nessi gesehen, bei ihr eine Zigarette geschlaucht. Eigentlich könnte die ihm ja immer mal was eine Suppe oder so bringen, schließlich wohnt sie in der Nähe. Ob sie das kann, weiß ich nicht, ob sie das will, bezweifle ich. Er hätte sie halt fragen müssen. Ich werde es nicht tun, zumal, das weiß er nicht, ich mir fest vorgenommen habe, Nessi nicht mehr zu behelligen. Wir hatten immer mal sporadisch Kontakt, manchmal war es telefonisch wie in alten Zeiten. Sehr häufig ging die Kontaktaufnahme von mir aus, aber ich hatte immer den Eindruck, es war hier nicht unangenehm, im Gegenteil. Es gab sogar mal die Aussage, hätte sie in dem Moment nicht getrunken, würde sie sofort vorbei kommen, aber sie konnte ja nicht fahren. Seit einiger Zeit ist wieder alles still, mir drängt sich der Eindruck auf, dass sie bei ihrer Freundin war, die ihr dann gesagt hat, sie solle es lassen, schließlich weiß sie, wo das hin führt. Ich nutze sie aus usw. Das kenne ich alles. Ich habe für diese These keine Beweise. Fakt ist aber, dass immer sehr abrupt wieder der Kontakt abgebrochen wird, meistens wenn sie irgendwo war (sie sagt nicht wo, weiß auch, was ich von der Dame halte). Wenn sie das so sieht, dann muss sie es halt so sehen. So einfach ist das. Natürlich stört mich das, macht mich das traurig. Ich werde es aber überleben.

Die ehemalige Nachbarin des Miststücks habe ich auch angerufen Mich hat einfach mal interessiert, ob der Bruder nun die Wohnung vollständig ausgeräumt hat. Davon war nichts bekannt, der Sperrmüll steht aber immer noch auf der Straße. Also die zerkloppten Möbel etc. Der Bruder hat dem Miststück ja Klamotten ins Wohnheim gebracht, aber nicht alles. Was mit dem Rest ist, weiß niemand. Er sollte ja irgendwo untergestellt werden, entweder bei mir, bei Rosi, bei Undine. Aber er hat wohl mit niemandem Kontakt aufgenommen. Sind die Sachen nun auf dem Sperrmüll gelandet?

Was die Undine betrifft, die hat sich beim Miststück nicht gemeldet. Die ganze Geschichte mit dem Treppensturz war ja schon sehr suspekt, keiner glaubt daran. Das Fahrrad, das er dort stehen ließ, ist übrigens verschwunden.

Ist vielleicht ein Beweis für meine These, dass da etwas nicht stimmt. Allerdings, wenn er denn morgen bei mir ist, kann er ja dort mal vorbei fahren. Meint er. Mit der Nachbarin kann er denn auch Kontakt aufnehmen, die könne ihm ja Essen vorbei bringen. Wenn sie denn aus dem Restaurant was mitbringt, hat sie ja früher auch gemacht.

Das setzt man so voraus. Ob die das auch so voraus setzen, hat sich für mich ganz anders angehört. Was weiß ich schon?! Schließlich ist man beliebt.

Was den Alkohol betrifft, so nehmen wir mal wieder Tabletten. Nächste Woche geht Mann dann ganz bestimmt zum Arzt. Im nächsten Monat wird nicht mehr getrunken, Schulden bezahlt und jede Menge Tabak gekauft. Ja, ja….

Für mich stellt sich nun die Frage: Was mache ich morgen?

Die Leiterin des Obdachlosenheimes kenne ich übrigens, was es mir nicht einfacher macht. Bis sie mich vor Monaten mal mit dem Miststück bei Penny sah, grüßten wir uns auch. Sie war früher in der Drogenberatung tätig, kennt daher Paulchen. Sie ist Erzieherin, wohnt hier gegenüber, der Lebensgefährte ist Pfleger im psychiatrischen Krankenhaus. Sie kennt sich also ganz gut mit der Thematik aus und hat auch keine Hemmschwelle.

 

 

10.05.2013 um 00:40 Uhr

Obdachlos

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich dachte, ob du das könntest? Könntest Du in einer solchen Situation die Tür weisen?

Ich kann mich gut erinnern, als Dany ihren damaligen Freund die Tür wies. Es war ungefähr die gleiche Situation wie beim Miststück. Er war auch alkoholkrank, unbelehrbar. Sie schmiss ihn raus, und es war vorbei. Er wusste nicht wohin, egal. Bei ihr kam er nicht mehr rein. Als Sozialarbeiter anriefen, lehnte sie ab. Das Thema war für sie erledigt. Ich bewunderte das fast. Kann man das so einfach?

Nie soll man nie sagen. Nie weiß man, was einen noch so erwartet. Wer denkt, dass passiert mir nicht, muss vielleicht irgendwann man einsehen, es passiert doch. Unglück haben doch nur die Anderen. Krankheit trifft nur die Anderen.

Das ist vermessen und betrifft doch uns alle.

Ich weiß nicht, aber wir leben in einer Gesellschaft, in der es den Meisten relativ egal ist, wie es Anderen geht. Solange es einen nicht selbst betrifft, ist das egal.

Oft hört man, das kann man doch nicht tun. Das können DIE doch nicht tun. Da wird Familien mit Kindern der Strom abgestellt, egal. Das Wasser, egal. Ja, es ist traurig, aber was will man machen, schließlich haben die doch nicht bezahlt. Die Versorgungsunternehmen müssen doch im Interesse der zahlenden Kunden handeln. Es kann einem natürlich nicht passieren, dass man selbst mal in die Lage kommt, nicht zahlen zu können.

Es geht schneller als man denkt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Das Miststück ist jetzt obdachlos.

Letzte Woche nächtigte er noch bei irgendeinem Kumpel, betrank sich, es war egal, was der Bruder zwischenzeitlich in der Wohnung trieb. Er räumte den Rest raus. Tags darauf, das Miststück hat sich mehrfach bei der Polizei erkundigt, ob er denn seinen Bruder in die Wohnung lassen muss. Natürlich muss er nicht. So handelte er am Freitag dann wohl auch. Er ließ ihn vor der Tür, der Bruder holte einen Schlüsseldienst, die Polizei. Es wurde das Schloss gewechselt. Ihm wurde die Tür gewiesen, er musste die alten Schlüssel abgeben. Die anderen Mieter wurden informiert, dass er nicht mehr ins Haus darf. Klar sagte die Polizei: „Das dürfen Sie eigentlich nicht. Wenn die Wohnung erst zum 31. Mai gekündigt ist, können Sie Ihren Brüder nicht heute schon aus der Wohnung werden.“ Das war es dann auch. Er macht das trotzdem und gut.

Aus der Sicht des Bruders ist das auch nachvollziehbar. Das Miststück hat auf Zeit gespielt und nicht unternommen. Sie haben sich gegenseitig darin übertroffen, das Mobiliar unter die Leute zu bringen oder wegzuwerfen. Was der Eine nicht kaputt machte, machte halt der Andere. Die Wohnung ist nun wahrscheinlich geräumt, alles, aber auch alles steht auf dem Sperrmüll. Um viele der Möbelstücke ist es wirklich schade. Es haben sich keine neuen Nutzer gefunden bzw. hat das Miststück denn das eine oder andere Stück noch zerstört, damit es sein Bruder nicht bekommen konnte.

Er stand auf der Straße. Es war ihm wohl gar nicht bewusst, was dort passierte. Er sagte am Wochenende zu mir, irgendwann würde es sein Bruder schon bedauern, da würde die Einsicht schon kommen. Warum? Ich habe da meine Zweifel.

An diesem bewussten Freitag telefonierten wir zwar, aber ich ließ ihm klar wissen, ich habe keine Lust, ihn rein zu lassen. Und natürlich hatte er getrunken, mehr als genug. War er die Woche davor nicht trocken? Bestand nicht da die feste Absicht, nie mehr Alkohol? Er hätte noch so viel zu tun und möchte sich nicht mehr selbst „einschließen“.

Er nächtigte diese Nacht dann wieder bei einem Kumpel, der mir nicht bekannt ist. Im gleichen Hause wohnt auch die Dame, die ich zu seinem Geburtstag kennen lernte.

Am Samstag rief mich dann mein ehemaliger Nachbar an. Da er schwul ist, nenne ich ihn dem Klischee entsprechend mal Detlef. Er hat das Miststück gesehen, der sähe furchtbar aus. Er hat ganz  viele Wunden auf dem Kopf, die auch ärztlich versorgt wurden, die noch bluten. Er kann kaum laufen. Er sieht aus, als ob ihn jemand jämmerlich verprügelt hätte. Das bestritt er aber.

Wie dem auch sei. Ich rief ihn an, er kam vorbei und war das Wochenende hier. Er sah wirklich so aus, als ob er jämmerlich verprügelt wurde. Er hatte, ich bin kein Mediziner, bestimmt eine Gehirnerschütterung. Er hatte Schmerzen. Überall am Kopf, auf dem Kopf, an den Händen  Risswunden (?), von einem Sturz mit dem Fahrrad Wunden am Knie- Es war ihm schlecht, Schmerzen am Halswirbel.

Er sei bei dem Kumpel die Steintreppe runter gefallen. Das hat ihm der Arzt wohl nicht wirklich geglaubt, Detlef und ich auch nicht. Die Dame rief an, sie bestätigte dann, dass er wohl eine Steintreppe runter gefallen sei. Das war nachts, gegen morgen bekamen der Kumpel und sie das mit und riefen den Notarzt. Im Krankenhaus bleiben wollte das Miststück natürlich nicht!

Noch einmal könne er aber bei dem Kumpel nicht übernachten.

Am Montag musste ich zur Arbeit. Und er musste gehen. Ich habe ihm nicht erlaubt, hier zu bleiben. Er hat auch nicht gefragt, ging wohl aber davon aus, dass ich es ihm nicht verwehren würde. Meine Gründe dafür habe ich. Detlef hat sogar gesagt (sicher nur zu mir), ich müsse mich nicht rechtfertigen. Das ist Selbstschutz. Ich hätte auch genug für ihn getan.

Es gibt hier in der Nähe ein so genanntes Nachbarschaftszentrum. Dort kann man sich u. a. in Notlagen beraten lassen. Dort war das Miststück, denn ich hatte die Telefonnummer auf meinem Display und dort zurück gerufen. Die Dame, ich erreichte sie erst am Dienstag, wollte wissen, ob ich eine Bleibe für das Miststück habe. Ansonsten bliebe nur das Obdachlosenheim (Wolfgangsstift).

Dort ist er nun. Am Dienstag hat er sich polizeilich umgemeldet, Detlef hat ihn zufällig in der Stadt getroffen. Auch Nessi hat ihn gesehen, denn in der Nähe ist der Friseur, bei dem Nessi nebenbei arbeitet. Wir haben telefoniert. Es geht ihm nicht gut. Sein Bruder (!) hat ihm Klamotten gebracht. Er möchte, dass ich ihn besuche oder umgedreht. Ich lehne beides ab. Endstation?

Heute hat er mir gesagt, er möchte unbedingt zum Entzug. Man staune. Er hat sogar Polizei, Notruf und die Station angerufen, aber niemand wollte ihn dort hinbringen. Warum auch? Das sind ja keine Taxiunternehmen. Das Geld ist alle, man ahnte es. Am Ende des Geldes ist soviel Monat über, das kennen wir ja (fast) alle.

Es ist traurig. Mir ist das nicht einerlei. Aber was hätte ich machen sollen? Wenn ich darüber nachdenke, dass es wahrscheinlich gar keine Lösung gibt, weil das Geld für Wohnung, Kaution, Möbel gar nicht zur Verfügung steht, wird mir angst und bange.

Ist ihm die Situation nun bewusst? Nun ja, er versteht auf jeden Fall nicht, dass ich ihm nicht mehr geholfen habe. Ich war nicht bereit, ihn auf zu suchen, nicht bereit ihn auf zu nehmen. Das waren seine Worte, wenn auch nicht zu mir.

Und wenn man es wörtlich nimmt, hat er ja Recht.

Am Dienstag hatte ich dann unverhofften Besuch. Bea, meine holländische Bekannte, rief an und kam auf ein Glas Wein vorbei. Sie verabschiedete sich aber schnell wieder. Weswegen darüber kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Sie hat einen Teil dieser ganzen Telefonate, mit Nessi, mit Detlef mit bekommen. Ich habe ihr dann den Sachverhalt erklärt. Im Übrigen kann sie gar nicht nachvollziehen, wie ich hier in der kleinen Wohnung lebe, was ich dort den ganzen Tag mache. Das wäre ihr nichts.

Ich bin gespannt, ob ich wieder von ihr höre.

Als Randnotiz: Mein Blutdruck war trotz Medikamente zu hoch. Ich war beim Arzt wegen der Befunde der Darmspiegelung. Diese haben dann eine Entzündung ergeben, das wusste ich ja schon. Ich erhielt einen Krankenschein. Es wurde noch eine Untersuchung vorgenommen, den Befund gibt es dann nächste Woche. Die Maßnahme des Jobcenters wurde beendet, da ich ja länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bin. Ich war 1,5 Tage auf „Arbeit“ und bin nicht böse darüber, dass es vorbei ist. Das Geld hätte ich allerdings gut gebrauchen können. Mein Staubsauger gab den Geist auf, das Miststück hat erst einen entsorgt. Aber ob das wenige Geld den Aufwand, die Nerven rechtfertigen würde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Außerdem erfuhr ich aus der Zeitung, dass die Kirche geschlossen sei. Man hat anscheinend niemanden gefunden, der es machen wollte. Ich sollte ja bekanntlich nicht! Den Verantwortlichen Kirchenvorstand traf ich dann zufällig vor dem Hort, der mir das bestätigte, aber zwischenzeitlich sei alles in Sack und Tüten. Ich stand ja leider nicht zur Verfügung. Kann man so sehen!

Weiterhin: Das Miststück war natürlich nicht beim Anwalt wegen seines Bruders. 

 

 

08.05.2013 um 22:56 Uhr

Männertag

von: Paulinchen   Kategorie: Kurios

Die besten Wünsche zum Männertag und
 
 

27.04.2013 um 00:44 Uhr

Koloskopie usw.

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es regnet mal wieder. Macht aber nichts weiter, ist ein guter Grund, um morgen im Bett zu bleiben, oder so.

Viel passiert ist in den letzten Tagen. Und wenn ich meinen Vater zitieren darf, es gibt immer was Neues, nur nichts Gescheites.

Klingt sehr deprimierend, allerdings fällt mir wenig ein, was ich dagegen halten könnte. Ich jammere zwar selten (außer hier), das liegt mir nicht. Es bringt auch nichts. Meine Ärztin sagte zwar, sie müssen schon mal raus mit der Sprache, es nützt nichts, wenn sie immer alles in sich hineinfressen und behaupten, alles okay. Ein bissel mehr Information braucht sie schon. Anderseits kann man sich die Frage stellen, was nützt es, wenn sie die Informationen hat? 

Ich bin also immer noch krank. Es war auch nicht unbedingt meine Absicht, dies so schnell zu ändern. Ob es sich in der nächsten Woche ändert, werden wir sehen.

Das Thema ist aber nicht unbedingt Gesundheit, was mich antreibt. Auch wenn es, und das finde ich ganz schlimm, ein allgegenwärtiges Thema ist. Das Schlimme daran ist, dass ich mit damit natürlich nicht auseinandersetzen will. Aus mehreren Gründen. 

Ich bin recht intuitiv. Wenn man sich in irgendwelchen Talkshows die Frage stellt, ob ein Zwilling merkt, dass es dem anderen nicht gut geht, ob das wissenschaftlich begründet ist, ja möglich ist, dann  kann ich eindeutig sagen, es ist möglich. Ich bin zwar kein Zwilling, habe aber schon mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass man es merkt, wenn irgendwas nicht stimmt.

Die Bayern, die das Miststück besuchten, sind seit einiger Zeit wieder in Bayern. Sie waren ca. eine Woche hier. Das heißt eine Woche Besäufnis. Ich war in dieser Zeit nicht beim Miststück, was sollte ich auch drei Leuten beim Saufen zugucken? Ich habe nichts gegen Alkohol, ab und zu gerne mal. Meine speziellen Getränke. Nachdem die Bayern weg waren, war das Geld vom Miststück alle. Der Monat hatte noch 14 Tage. Er hatte eine gute Erklärung dafür, er hätte Geld irgendwo versteckt, findet es aber nicht wieder. Vielleicht haben es ja die Bayern gefunden und mitgenommen. Ich glaube allerdings, es ist einfach alle. Jedenfalls fehlt nun Geld, Geld für Schnaps, Tabak, Telefonkarten, Lebensmittel. Vorräte sind auch keine mehr vorhanden. Seine Lösung war, ich rufe meinen Bruder an. Der war natürlich wenig begeistert, hat ihm klipp und klar erklärt, von mir keinen Cent. Kann man verstehen, anderseits kann man sich fragen, was macht man denn nun. Lässt man seinen Bruder verhungern? So hatte ich Anfang der vorletzten Woche schon ein paar Sachen eingekauft und das Miststück hat sie sich dann geholt. Aber wie nun weiter? Das reicht nicht ewig. Schnaps war ohnehin nicht dabei. Ich bin auch nicht in der Lage, ihn durchzufüttern. Will es auch nicht mehr, ich kenne die Situation schon. Seine Nachbarin hat auch etwas ausgeholfen.

Also was macht das Miststück nun? Er hat erst mal aufgehört zu trinken, mehr oder weniger. Zwangsweise. Das ist natürlich keine gute Idee, so ein kalter Entzug. Da kann allerhand passieren. Am Montag sah es dann noch ganz gut aus, er sah zwar schlecht aus, hatte eindeutige Entzugserscheinungen, aber alles in allem hatte es den Anschein, er steckt es ganz gut weg. 

Am Dienstag meldete er sich dann bei mir. Er bräuchte wieder Tabak. Ich könnte ihm doch mal eine große Dose Tabak mitbringen, schließlich könnte ich allerhand von ihm mitnehmen. Ich war wirklich sauer. Was bildet er sich ein? Erstens um das Mitnehmen ging es nie wirklich. Zweitens gibt es nicht mehr viel zum Mitnehmen, alles was einigermaßen Wert hatte, haben alle Anderen schon gratis abgeholt. Die sich überhaupt nicht drum kümmern, dass er jetzt kein Geld hat.

Soweit so gut. Ich habe es nicht getan, den folgenden Tag habe ich nichts von ihm gehört. Die Nacht miserabel geschlafen, das Gefühl, irgendwas ist passiert. 

So habe ich mich am Donnerstag auf den Weg gemacht.  Ich habe ein paar Lebensmittel und Tabak eingepackt und mich auf den Weg gemacht. Gegen Abend. Es öffnete niemand. Habe mehrfach geklingelt, niemand öffnete. Ja, was nun? Ich hörte Nachbarn von ihm, also habe ich bei seiner Nachbarin, die ich auch etwas kenne, geklingelt. Als mir geöffnet wurde, wurde mir gleich eröffnet, ER ist nicht da. Man hat ihn abgeholt.

Fakt ist, dass er „durchgedreht“ ist. Er ist durch das ganze Haus halb nackt gelaufen, hat überall geklingelt, erzählt, hat CDs, Zigarettenhülsen, Werkzeug etc. aus dem Fenster geworfen. Irgendjemand, aber nicht direkt aus dem Haus, hat dann den Notruf gewählt, und er wurde eingesammelt. 

Seine Nachbarin machte sich auch ein paar Sorgen. Dazu muss man sagen, dass sie auch Erfahrung mit Drogensucht hat (ihr Sohn), mit dem Miststück zur Schule gegangen ist und, was wahrscheinlich das wichtigste Argument, die beste regionale Bild-Ausgabe ist. Die Frau kennt jeden, weiß alles. Es ist erstaunlich. Es spielt also auch Neugier eine große Rolle. Fakt ist aber auch, dass sie ihm geholfen hat, ihm Essen, Tabak gebracht hat. Wir haben uns dann geeinigt, dass ich erst mal raus finde, wo er sich befindet und dann weiter sehen. Es müssten ja Klamotten in die Klinik gebracht werden, im Grunde kenne ich mich ja in der Wohnung aus. Habe dieses ja mehr als einmal gemacht.

Es stellte sich heraus, er ist in der psychiatrischen Klinik am Ort, auf der Aufnahmestation. Ich habe mit der Schwester telefoniert, Auskünfte durfte sie mir ja keine erteilen. Ich hätte mit ihm reden können, aber er schlief. Am nächsten Tag also, wenn er dann nicht nach Hause will. Mir war klar, er will. 

Am anderen Tag erreichte ich ihn dann. Er erzählte mir eine wüste Story: Es wäre irgendeine Sekte bei ihm in der Wohnung gewesen, die ihn umbringen wollte, eine seiner Exen war auch da. Die liegt auch irgendwo verletzt im Krankenhaus. Ich konnte ihm dann schon verdeutlichen, dass dies wohl alles nicht so war. Er wollte aber ungedingt nach Hause, schließlich wartet auch die Mutter. Dass die nicht mehr zu Hause ist, schon seit zwei Monaten, war ihm nicht klar. Er muss auch nach der Wohnung gucken usw. Er hat die Klinik also zu Fuß (3 bis 4 Kilometer werden es sein) verlassen, da ja nun klar war, Mutti kann das Taxi nicht bezahlen, ich wollte es nicht, war dann zwischenzeitlich auch selbst noch mal beim Arzt und vorübergehend nicht erreichbar.

Nachmittags habe ich ihn dann kurz aufgesucht, mit ihm und seiner Nachbarin Kaffee getrunken. Was wirklich genau passiert ist und wie, weiß er natürlich nicht. Die Nachbarin weiß es auch nur ungefähr, da sie selbst auf Arbeit war. Die Wohnung sah auch wüst aus, ist aber zwischenzeitlich wieder okay. 

Wie es weitergeht, wird er nicht sagen. Natürlich ist mal wieder die Rede davon, dass er aufhört zu trinken, es wenigstens steuern will, was ihm nicht gelingen wird. Ein kontrolliertes Trinken wird ihm nicht möglich sein.

Das Wochenende hat er bei mir verbracht. Er hat nicht getrunken, obwohl meine Wohnung nicht alkoholfrei ist. Was ich schon oft sagte, er ist sehr anstrengend. Es mag sein, dass ich das nur so empfinde, was aber an der Tatsache für mich wenig ändert. Ich bin dann wirklich froh, wenn er mal wieder weg ist, und ich sage das auch. Was für ihn ungewohnt und sicher nicht schön ist. 

Montag früh hat er dann die Wohnung verlassen. Ich musste zum Vorgespräch wegen der Darmspiegelung ins Krankenhaus. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich, sollte ich etwas Zeit haben, seine Mutter besuche, die ja in der Nähe in einem Pflegeheim liegt.

Das war auch nicht weiter schwer. Im Heim angekommen, stellte ich fest, dass im Flur Tafeln mit den Zimmernummern der Bewohner hängen. Eine Schwester wies mir dann auch die Richtung, machte aber die Bemerkung, wenn das Zimmer dann offen ist. Ich stellte tatsächlich fest, dass Zimmer war verschlossen. Eine Mitarbeiterin öffnete mir dann das Zimmer, sagte mir, dass Zimmer müsse immer verschlossen sein, da ein Sohn der Frau sie nicht besuchen dürfe. Deswegen müssen sich alle im Schwesternzimmer den Schlüssel holen. Das schockte mich doch sehr. Ich machte zwar noch die flapsige Bemerkung, dass ich nicht der Sohn bin, sie öffnete mir auch. Lange hielt ich mich nicht auf. Die Mutter schlief. Sie liegt, näher nachgefragt habe ich bei den Schwestern nicht, wohl immer noch im Wachkoma, öffnet zwar zeitweise die Augen, erzählt sich auch mal ein paar Worte. Ich hatte sie Anfang des Jahres mal gesehen, sie ist sehr gealtert (83). Ich kam mir vor wie  ein Eindringling. Durfte ich überhaupt rein? Die Mitarbeiterin verschloss die Tür wieder. 

Mein erster Impuls war, jetzt rufst den Bruder vom Miststück an und fragst ihn, was das soll. Ich ließ es. Es geht mich nichts an. Ich erzählte es ihm, als wir abends telefonierten, allerdings nicht.

Zwischenzeitlich weiß er es aber. Ich hatte ihm, als er mich neulich besuchte, erzählt, dass ich dort war und ihm auch ein Foto seiner Mutter gezeigt. Er rief aus einem anderen Grund seinen Bruder an, deswegen war er ja hier, er benutzte dazu mein Telefon, dieser sagte ihm dann, dass er nicht ins Pflegeheim darf. 

Ich weiß, dass es dazu viele Meinungen geben wird. Als ich mit Peti telefonierte, weil ich für die Darmspiegelung ja eine Abholung brauchte, erklärte sie mir, es ist doch ganz einfach, er schütze seine Mutter. Schließlich würde das Miststück, wenn er die Möglichkeit hätte, noch das Taschengeld der Mutter nehmen und versaufen. Das mag so sein. Allerdings besteht dazu gar nicht die Möglichkeit, da die Mutter ja gar kein Geld hat, sie ist gar nicht ansprechbar, könne ihrem Lieblingssohn, was das Miststück ja ist, gar kein Geld zustecken. Es mag tatsächlich ein Problem sein, dass Angehörige die letzten Cent noch abgreifen. Das soll vorkommen. Das ist sicher nicht in Ordnung. Aber anderseits wird es oft der Wunsch der Eltern sein, ihren Kindern, wenn diese in Notlagen sind, zu helfen. Auch das muss man verstehen.

Überhaupt ist das Ganze ein Problem. Kaum jemand hat im Grund eine Ahnung davon, wie viel ein Pflegeheim kostet. Das Miststück hat mir schon mehrfach erklärt, meine Mutter hat doch eine Rente von 1.300 Euro. Das reicht doch aber nicht! Auch seine Nachbarin sagte neulich zu mir, dass der Bruder ja das ganze Geld hat und die Rente und überhaupt. Das stimmt alles. Allerdings werden Rente und Pflegegeld nicht für den Pflegeplatz reichen, zumal er ja noch die Miete für die Wohnung zahlt, Strom etc. Es ist zwar alles gekündigt, aber Kündigungsfristen müssen ja eingehalten werden. Er hat die Verwaltung über das Geld übernommen, weil er als Betreuer bestellt ist. Ob ihm klar ist, was das bedeutet, mag man auch bezweifeln. Die Macht gegenüber seinem Bruder hat er aber damit.

Für mich ist es erschreckend, wie sich Geschwister, Angehörige über das so genannte Vermögen streiten. Das habe ich noch nie verstanden. Ich werde auch nicht versehen, dass ihm sein Bruder, den Zutritt zu der Mutter verwehrt, dass er die Macht dazu hat, kann ich auch nicht nach vollziehen. Es scheint doch relativ einfach zu sein. Leute unter Generalverdacht zu stellen, ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur hier zu beobachten ist. 

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Sicher hat das Miststück viel von seiner Mutter bekommen, sie hat es freiwillig gemacht. Sein Bruder hat genauso profitiert, der eine oder andere 50 Euro Schein ist auch dort gelandet. Mir geht es ähnlich. Mein Vater steckt mir auch das Eine oder Andere zu. Das sichert mir das Überleben. Ich weiß, es wird mir ähnlich gehen wie dem Miststück. Ich weiß aber auch, das Miststück wird mir kaum eine Hilfe in derartigen Situationen sein. Das hat sich schon mehrfach gezeigt. Ich habe aber die Hoffnung, den Glauben, dass es nicht so massiv sein wird, dass es irgendwen geben wird, der hilft. Wie auch immer.

Zu der Darmspiegelung war ich dann heute. Eine Abholung konnte ich für mich nicht organisieren. Ich habe es auch aufgegeben. Verheiratet zu sein, bedeutet ja, man hat jemanden, der einen in die Klinik fährt oder zurück. Es hat jemand sozusagen die moralische Verpflichtung dazu. Das scheint auch in noch so miesen Ehen zu funktionieren. Wenn man Single ist, ist das schwierig. Ich habe mir dann einen Betreuungsverein organisiert, der Krankenfahrten übernimmt. Ein Taxi hätte es auch getan, aber ging ich davon aus, ein Taxifahrer würde vllt. im Krankenhaus die nötige Unterschrift des „Angehörigen“ nicht leisten. Die Fahrt kostete 8 Euro. Die Abholung ist nötig, da die Koloskopie ja unter Narkose gemacht wird. Man ist danach nicht verkehrsfähig. (ob man generell nicht verkehrsfähig ist, müsste Mann/Frau probieren). 

Den histologischen Befund gibt es erst nächste Woche. Festgestellt wurde eine Entzündung. Medikamente wurden der Hausärztin genannt, die erst einmal einzunehmen sind. Nach dem histologischen Befund wird dann weiter gesehen.

Ich habe natürlich alles gegoogelt. Ist heute ja einfach. Möglich ist vieles. Für mich mal wieder die Erkenntnis, dass viel auf die psychische Verfassung zurückzuführen ist.

Paulchen war diese Woche auch kurz hier. Auch hier ist Fakt, es ist nicht alles so, wie es sein sollte. Das ständige Aufeinander-Hocken tut nicht gut. Das ist nicht neu. Die genauen Vorfälle sind mir nicht bekannt, die Liebe ist trotzdem noch groß. Es wird ein Mädchen! 

Das Miststück habe ich heute kurz gesehen. Gestern hatte ja mein ehemaliger Nachbar (der Schwule) Geburtstag. Dieser hat dem Miststück was abgekauft, so dass er jetzt ein paar Cent hatte. Und natürlich gab es heute einen Flachmann!

 

11.04.2013 um 19:30 Uhr

Veränderung

von: Paulinchen   Kategorie: Kurios


09.04.2013 um 02:33 Uhr

Weiter im Text

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Das Blutdruckgerät ist mir dieses Mal nicht um die Ohren geflogen. Die Werte waren aber alles andere als okay. Ich habe nun Bluthochdruck. Es ist auch nicht das erste Mal. Ich hatte das schon mal vor einigen Jahren. Genau gesagt 2006. Das war eine schwierige Zeit, so hat man Körper darauf reagiert. Auch damals nahm ich Tabletten, setzte sie aber selbst wieder ab. Ich weiß, dass man das nicht tun soll. Aber ich hatte das Gefühl, es ist alles okay. Die Tabletten sind unnötig.

Ein paar Jahre später hatte ich dann mal wieder eine kurze Zeit Bluthochdruck. Immerhin auch so viel, dass die damalige Ärztin (Vertretung meiner Hausärztin) mich für einige Zeit aus dem Verkehr zog.

Es fing sich aber immer wieder.

Natürlich bin ich der Meinung, dass wäre jetzt auch so. Aber man weiß ja, Ärzte sehen das ganz anders. Die Risiken sind auch bekannt. Ich nehme also Medikamente, bisher ist der Blutdruck immer noch recht hoch, aber nicht mehr ganz so hoch. Da ich erkältet bin, die Erkältungen in diesem Jahr ja eine besondere Schärfe haben, geht es mir auch nicht so gut.

Dass ich zu Hause bin, stört mich momentan gar nicht. Ich genieße die Zeit sogar. Vllt. ist es paradox, aber vllt. ist es einfacher, krank zu sein als „arbeitslos“. Natürlich ist das Schwachsinn, ich habe schließlich keinen regulären Job, aber das Gefühl, egal.

Sowohl das Jobcenter als auch der Maßnahmeträger haben mir suggeriert, ich solle mir viel Zeit lassen. Das gedenke ich genauso zu tun, also solange mich meine Ärztin lässt. Man muss das verstehen, so wichtig, ist es keinem, dass ich dort wieder aufschlage. Keine Ahnung, was man denkt, was passiert. Früher wäre es so gewesen, schließlich habe ich auch mal in diesem Bereich gearbeitet, das Arbeitsamt (damals noch das Arbeitsamt und nicht das kommunale Jobcenter) wäre Sturm gelaufen, wäre bei einer Maßnahme etwas schief gegangen. Heute ist das allen Beteiligten egal. Hauptsache, es gibt ein paar Ein-Euro-Jobs, ein paar Leute werden untergebracht, was dort passiert oder nicht, ist eigentlich Jacke wie Hose. Auch damit wird Geld verdient. So einfach ist das halt. Beispiele dafür gibt es etliche. Sollte ich die hier etwa alle aufführen?!

Reguläre Jobs gibt es hier nicht. Erzieher, aber das war es dann halt.

Da schließt sich der Kreis irgendwie wieder.

Heute habe ich mich auch bei meinem „Arbeitgeber“ krank gemeldet. Auf die Frage, wann ich wieder erscheine, aber ich wahrheitsgemäß gesagt, ich wisse es nicht. Ich möchte es auch gar nicht wissen. Sorry, ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei.

Auch wenn mir das Geld natürlich leid tut. Ich hätte es natürlich gut gebrauchen können. Aber was nicht ist, ist nicht.

Alte Lebensweisheiten.

Und wenn denn von Bluthochdruck und schwierigen Lebensverhältnissen geredet wird, gehören zu dieser Thematik natürlich noch andere Dinge. Thema Paulchen.

Er hat mir vor ein paar Tagen auch einen ziemlichen Schock versetzt. Ich mische mich wenig in ihr Leben ein. Da hört man dann oft, wir wissen das, wir werden das schon machen. Und es ginge mich ja eigentlich nichts an.

Das ist alles ganz genauso. Natürlich gibt es mir schon zu denken, dass sie immer noch keine Wohnung haben. Da muss man echt hinterher sein. Natürlich sind die Angelegenheiten mit dem Jobcenter nicht geklärt.

Aber was soll man tun. Es ist so, wie es ist.

Meine alte Gelassenheit.

Meine Schwiegertochter in spe hat schon so ihre Problemchen. Das habe ich schon vor einiger Zeit bemerkt. Verlässlichkeit ist etwas anderes. Wenn man Termine macht und nicht erscheint, finde ich das nicht okay. Das war mehrmals der Fall. Alle Ausreden nützen da nichts. Klar, kann man MAL verschlafen. Wenn man nicht an das Telefon geht, wenn die „Schwiegermutter“ anruft, hat das System. Natürlich kann man es MAL übersehen. Sie hat nicht wirklich Eltern, das ist wohl das Problem an der Sache. Ihr Vater ist genauso unzuverlässig, ihre Mutter hat keinen Kontakt mit ihr, hat andere Interessen.

Aber sie ist schwanger. So richtig freuen kann ich mich nicht. Ich werde gerne Oma, aber ich habe so viele Befürchtungen.

Vergangene Woche hat mir dann Paulchen noch eröffnet, er kommt zurück. Es geht nicht mehr, er will nicht mehr. Die Gründe kenne ich nicht, ich sollte nicht fragen, ich habe nicht gefragt. Er kann dann nicht, es hat sich wohl vorläufig wieder eingerenkt.

Sie waren dann beide ab Ostersamstagabend bis Ostersonntag hier. Paulchen hatte mir vormittags eine SMS mit der Ankunftszeit nach 16.00 Uhr geschickt. Als die Zeit ran war, bekam ich dann nur eine SMS mit einem Google-Maps, woraus zu erkennen war, sie sind noch nicht mal los gefahren. Ich habe gesehen, er war sauer, als sie kamen. Ich habe auch nichts geäußert, aber die Sachen geben wirklich zu denken.

Und nun zum Thema Miststück, das nicht weniger Sprengstoff enthält.

Das Miststück wohnt ja nun seit einiger Zeit in der Wohnung seiner Mutter. Er hat sie gepflegt, als sie vergangenes Jahr eine schwere Operation hatte. Das war aber vor allem eine Phase, in der er trocken war. Es ist keine leichte Konstellation, sie ist nicht einfach. Als Außenstehender mag man darüber lachen, wenn der Kuchen mit der grünen Kuchengabel besser schmeckt als mit der goldenen, aber wenn man derartiges mehrfach erlebt, kann man schon verzweifeln.

Wir haben uns immer mal sporadisch gesehen, gesprochen.

Im Februar lernte das Miststück dann eine andere Frau kennen. Es war eine Zeitlang Ruhe, aber dann meldete er sich doch wieder. Ich habe die Frau kennen gelernt, es war nicht mein Wunsch, aber manchmal kommt man in unmögliche Situationen. Ich habe keine Ahnung, wie er zu ihr steht oder sie zu ihm, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich mit alldem, was das Miststück so bietet, auseinandersetzen will.

Ebenfalls im Februar erlitt seine Mutti einen Gehirnschlag. Sie lag einige Zeit in einem Krankenhaus in MD, dann hier im Krankenhaus, seit einiger Zeit liegt sie in einem Pflegeheim, unterbrochen von einigen Krankenhausaufenthalten. Erst lag sie in einem künstlichen Koma, jetzt im Wachkoma, sie wird wohl künstlich ernährt.

Das war natürlich ein Schock für das Miststück. Zwar ist laufend davon die Rede, wenn Mutti die Augen zumacht, aber wenn es dann fast soweit ist, stellt es sich als schwierig heraus.

Sein Bruder hat gleich die Kontrolle übernommen, vor allem über die Finanzen. Er hat die Wohnung gekündigt, die Wohnung teilweise geräumt. Er ist als Betreuer eingesetzt. Ursprünglich war geplant, dass das das Miststück macht, aber angesichts seines Alkoholkonsums wäre es wohl keine gute Idee gewesen. Wie dem auch sei, sein Bruder hat sich als Arsch aufgeführt. Sie mögen sich beide nicht besonders, das merkt man daran. Man muss dem Bruder zugute halten, dass durch die Alkoholsucht des Miststücks vieles wohl nötig war.

Es war noch ein bisschen Geld in der Wohnung, wovon der Bruder etwas abhaben wollte. Den Rest behielt das Miststück. Man könnte jetzt denken, da seine Mutter ihn immer unterstützt hat, wird er das gut einteilen, damit es eine Weile reicht. Das wäre vernünftig gewesen, aber Vernunft und Miststück harmonieren gar nicht.

Dieses Geld landete in einem Puff. Man kann das Leben auch mal genießen. Da fährt man halt abends/nachts mal mit dem Taxi in den Puff und genießt das Leben. Wobei es nicht mal Sex gegeben haben soll, aber bezahlen muss Mann ja trotzdem. Eine Stereoanlage landete auch noch dort, ein Vibrator, den er erst vor kurzem gekauft hatte. Natürlich telefoniert man ab und zu, jetzt kann es keine Besuche mehr geben, das Geld ist alle. Ob seitens der Damen Interesse bestünde, kann ich nicht beurteilen. Angeblich wäre dem so, auch ohne Geld.

Da sein Bruder einen Teil der Klamotten und Gegenstände der Mutter weg geholt hat, meinte das Miststück, ihm gleich tun zu müssen. Ich bezeichne es als Frevel, aber ich werde nicht gefragt. So verteilte er dann Klamotten an einige Damen, Schmuck, Mobiliar etc. Auch mein ehemaliger schwuler Nachbar hat mal vorbeigeschaut.

Den Weg zu seiner Mutter hat er bis heute nicht geschafft.

Natürlich, wenn ihn jemand an die Hand nimmt, wenn ich beispielsweise gesagt hätte, wir fahren mal hin, dann wäre das sicher gegangen. Allein ist er dazu nicht in der Lage. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht.

Aber das habe ich nicht getan. Aus gutem Grund.

Zurzeit hat er Besuch aus Bayern. In Bayern hatte er ja mehrere Bekannte, mit denen er öfter mal saufen konnte. Sie telefonieren halt regelmäßig. Eine Dame und ihr Freund sind nun auf Besuch hier. Beide alkoholabhängig. Sie ist sehr krank, hat eine Behinderung, kann dadurch kostenlos in Begleitung mit dem Zug fahren (bestimmt nur Nahverkehr). Seit vergangener Woche sind sie hier.

Natürlich habe ich kein großes Verlangen, diese Leute kennen zu lernen. Sie hat mir mal Vorträge darüber gehalten, wie ich mit dem Miststück umgehen müsse. Das ist schon eine Weile her, das Miststück reichte mir das Telefon. Ich solle mehr auf ihn achten, ihm keinen Alkohol besorgen oder doch, wenn er es nicht alleine schafft. Es war erstens schon ziemlich vermessen und zweitens recht widersprüchlich.

Heute hat das Miststück wieder angerufen, er fragt immer, warum ich nicht zu ihm gekommen sei. Davon war natürlich nie die Rede. Ich hörte im Hintergrund, dass die Beiden wohl nicht so zufrieden sind. Das Miststück liegt den ganzen Tag flach, säuft, raucht, telefoniert. Die Stadt hat er beiden natürlich auch nicht gezeigt. Sie waren am Freitag, ich sah sie zufällig, mit dem Taxi unterwegs, aber auch nur zum Einkaufen. Lebensmittel. Denn das Miststück kauft kaum noch Lebensmittel. Das Geld reicht nicht mehr. Er isst auch nichts. Ich hörte so im Hintergrund, verstand die Sprache zum Teil auch nicht, ich solle mich kümmern, dass er was isst, da wir ja befreundet sind. – Ich gebe in einem Nebensatz zu, dass ich die Dame schon gerne mal sehen würde, gerade weil sie in ihren Aussagen so widersprüchlich und so ganz Wessi (sorry) auch vermessen ist. Diese ehemalige Immobilienmaklerin (der Beruf ist nicht geschützt), die doch keine Vermögen mehr hat. -

Ich hatte das alles schon. Ich kenne die Situation, wenn er fast den ganzen Tag flach liegt, telefoniert mit Gott und die Welt, die Wenigsten sind davon begeistert, raucht, säuft und dummes Zeug erzählt. Nachts, wenn man selbst schlafen will, ist er dann wach. Er weiß nicht, was er tut, schon mehr als einmal wären die Buden fast abgebrannt (meine auch). In letzter Zeit habe ich ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass er sich einen Termin zur Entgiftung holen soll. Er macht es nicht, also lässt er es. Ich spiele nicht wieder Kindermädchen. Habe ich mehrfach, dazu fehlt mir die Kraft, die Zeit, die Energie. Ich habe auch nicht das Geld, ihn zu unterstützen. Und wenn er hier aufschlüge, wäre das so. Er hat ja keine eigene Wohnung, es wird ihm auch keine zufliegen.

Natürlich war ich zu seinem Geburtstag bei ihm. Da tauchte dann auch die andere Dame auf, die wenig begeistert war. Sie ging aber bald wieder. Es war ein schöner Abend. Und ja wir hatten sehr guten Sex. Das gebe ich zu. Aber ich bin dorthin gegangen, um nach ihm zu sehen und auch so, dass ich bald wieder gehen muss. Ich musste ja auf Arbeit. Natürlich weiß ich, es heißt, „in guten wie in schlechten Tagen“. Ich komme mir nicht gut dabei vor, wenn ich so reagiere. Frage mich aber, ist das so bis zur Selbstaufgabe? Wir sind nicht verheiratet, aber allein daran liegt es ja nicht. Das ist alles richtig. Egal, was ich sage oder tue, er negiert es eh. Er hat kein Interesse, sich eine Wohnung zu suchen, keine Interesse, seine Mutter zu besuchen, kein Interesse, sich um seinen Sohn zu kümmern, kein Interesse, sich um die Entgiftung zu kümmern. Es ist ihm alles egal. Wozu ist seine Meinung? Er macht auch die Augen bald zu, hat sein Leben gelebt. Also was sollte ich da tun? Zumal ich der Meinung bin, man könnte noch viel erleben.

Wie es wäre, würde ich mich darauf einlassen, das kenne ich schon.

Seine Schwägerin hat ihn gefragt, wenn er keine Wohnung auf die Schnelle bekäme, ob dann jemand aus seinem Bekanntenkreis bereite wäre, ihn kurzfristig vorübergehend aufzunehmen. Das hat er mir aus gutem Grund erzählt. Ich gab das zurück, ist denn die andere Dame bereit oder wer auch immer? Nein. Und was ist schon kurzfristig? Das würde ja bedeuten, dass langfristig eine Lösung erfolgt.

Besitze ich die Kraft, ihm die Tür zu weisen, wenn er dann davor steht. Keine Ahnung. Er kommt kaum noch aus dem Haus, er kann kaum laufen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann geht er los, nimmt sich ein Taxi, was auch immer. Kann man jemanden die Tür weisen, der in einer solchen Situation ist? Aber was wird dann aus mir?

Betreuung war schon einmal ein Thema. Das will er gar nicht. Ich sollte mal die Betreuung übernehmen, da ich ja in der Vergangenheit das Meiste eh für ihn regelte. Auch das war seinerseits nicht gewollt. Er könne das allein.

Was meine eigenen Eltern betrifft, meine Mutter war mehrere Tage nicht erreichbar. Sie hat wohl das Telefon nicht gehört oder keine Lust an dieses zu gehen. Mein Vater hat zurzeit mit der Gicht zu kämpfen.

Sehr viele Gründe für einen erhöhten Blutdruck! Aber das alles ist ja nichts Neues, also was uns nicht umbringt, macht uns härter. Oder so!

09.04.2013 um 00:40 Uhr

Betrug oder Mitleid?

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wenn Frau minutenlang probiert, einen Eintrag mit einem Link zu posten und sich dann wundert, warum es nicht geht, ja, ich habe es herausgefunden: Man mag das hier nicht mehr.

Dabei wäre es für mich mal eine Diskussionsgrundlage. Habe ich doch heute in der Welt einen Artikel gelesen, der über eine Frau berichtet, die freiwillig in Hartz IV lebt. Sie hat freiwillig 2004 ihren Job gekündigt, eine Weile von dem Erspartem gelebt und lebt nun von Hartz IV. Sie braucht nicht viel. Sie hat auch nicht viel. Natürlich muss sie sich wie alle anderen Arbeitslosen auch bewerben und ihrem Fallmanager das auch nachweisen, aber sie weiß zu verhindern, dass daraus eine Arbeitsstelle resultiert. Fehlende Zeugnisse bei den Bewerbungen, kleinere Fehler. Sie nimmt an den Maßnahmen teil, weil man ihr das Geld streichen würde. Aber ansonsten genießt sie die Freiheit.

Ist das nun Sozialbetrug? Oder empfindet man eher Mitleid? Ist sie sogar verrückt, sollte diese Person wirklich existieren?

Gut, mit Arbeit kann man sich den ganzen Tag versauen. Zeitiges Aufstehen, den ganzen Tag im Büro sitzen, sich mit Chefs und Kollegen auseinandersetzen. Das macht nicht immer Spaß.

Aber ist das, was sie als Freiheit bezeichnet, nicht arbeiten zu gehen, wirklich Freiheit?

Ich habe da echt meine Zweifel. Von Sozialbetrug spreche ich nicht, soll sie doch, wenn sie denn will. Das mit den fehlerhaften Bewerbungen kann sie auch lassen, einen Job wird sie wohl ohnehin nicht mehr bekommen.

Ist es nicht sogar so, dass man sich über die Anderen lustig macht? Sie müssen so leben, sie machen das nicht freiwillig. Sie sitzen nicht freiwillig auf der Couch oder gehen spazieren, um Flaschen zu sammeln. Sie geizen nicht freiwillig mit dem Geld. Und würden doch so gerne mehr haben, mehr Geld, mehr Bestätigung, mehr Luxus. Wer würde nicht gerne verreisen? Ist das Leben genießen nicht mehr, als nur nicht arbeiten gehen zu müssen?

Nun sie hat das Recht so zu leben, wenn sie das will. Jeder hätte das Recht, dies zu tun. Vielleicht gibt es solche Menschen, vielleicht auch nicht.

Das Thema ist immer wieder ein Medienereignis, es polarisiert, es spaltet. Das soll es auch.

Heute wird nun auch darüber berichtet, dass Arbeitlose, die sich öfter krank melden, Besuch vom Medizinischen Dienst im Auftrag der Jobcenter erhalten sollen. Kontrolle. Besuch ist immer okay, die Frage ist natürlich: Bringt der Besuch auch Kaffee und Kuchen mit?

Man darf nicht darüber nachdenken. Dann kann man leicht die Fassung verlieren. Sind Arbeitslose öfter krank? Sind die Krankmeldungen berechtigt oder schmarotzen sie? Das ist wohl ganz individuell zu sehen. Erwiesen ist wohl, Arbeitslosigkeit macht krank.

Das Thema polarisiert. Ich habe vor Wochen, Monaten, Jahren, gesagt, ich warte auf die Zeit, wenn es heißt: Der Unfallverursacher war HartzIV-Empfänger. Bei Kriminalitätsberichten ist das schon lange der Fall. Und siehe da, man hat mich sozusagen erhört. Jetzt soll es für HartzIV-Empfänger, für Leute mit wenig Geld, spezielle Kraftfahrzeugversicherungen geben (wahrscheinlich auch bald alle anderen, wartet es ab). Sie verursachen mehr Unfälle. Es wird wohl so sein. Leute, die wenig Geld haben, müssen noch mehr bezahlen. Ja, die Logik versteht sicher jeder.

03.04.2013 um 00:38 Uhr

Erkenntnisse

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Meine Oma hat immer gesagt, die Zeit vergeht so schnell. Mit zunehmendem Alter vergeht Zeit immer schneller. Und ich habe gedacht, was die redet. Zeit konnte gar nicht schnell genug vergehen.

Heute denke ich anders. Wenn ich meine letzten „Aufzeichnungen“ betrachte, dann ist viel Zeit vergangen und dann doch wieder nicht. Komisch, oder?

Erst mal ein bissel zur Selbsterkenntnis: Ich bin eine dumme Kuh und lerne nicht aus meinen Fehlern. Irgendwann sollte es Frau mal kapieren. Ist aber nicht so. Sollte einem wirklich zu denken geben, das trifft auf viele Lebenslagen zu.

Es ist immerhin so viel Zeit vergangen, dass ich die ärztlichen Untersuchungen im Jahre 2012 abgeschlossen habe. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, mit welchem Ergebnis. Eigentlich mit keinem, aber so ist es halt.

Die Zeit in der Jugendgruppe habe ich auch absolviert. Schön war es nicht, aber ich war ja oft krank. Also habe ich alles einfach so hingenommen, wie es kam. Die Damen und Herren waren wohl sehr zufrieden, mit den Jungs kam ich klar. Der Teamleiter bestätigte mir Engagement, allerdings durfte ich ihm dieses Wort erst buchstabieren, sonst könne er es nicht schreiben.

Bei Paulchen und dem Miststück ergaben sich keine gravierenden Änderungen im Jahr 2012.

Nun schreiben wir lange das Jahr 2013. Ich habe schon Ostersonntag gesagt, es riecht draußen wie Silvester. Irgendwo gab es ein Feuerwerk, es roch nach Schnee, es schneite. Es sah also wirklich so aus und wenn man es recht bedenkt, so lange ist es nicht mehr bis Silvester.

Das Wetter geht einem gelinde gesagt auf den nicht vorhandenen Sack. Aber ob das so ist oder nicht, dem Wetter ist das egal, es ändert sich nicht. Im Gegenteil sind für die nächsten Tage wieder Schneefälle angesagt.

Haben wir April? Waren in der vergangenen Jahren nicht die Heizungen schon abgedreht. Man darf sich also auf die Rechnung nächstes Jahr freuen.

Wie dem auch sei, ich bin eine dumme Kuh. Das bezieht sich natürlich immer auf das Miststück, denn da ändert sich nie wirklich was.

Aber es bezieht sich auch auf mein „berufliches“ Leben. Vor einigen Wochen traf ich einen alten Bekannten, der mir erzählte, dass in der Kirche wieder Leute gesucht werden. Für April. Und ich dachte, gute Idee. Kirche, da hast deine Ruhe. Ich habe diese Zeit damals sehr genossen. Fand sie z. T. idyllisch. Natürlich, wenn das Wetter kalt, regnerisch, stürmisch ist, ist die Zeit dort nicht angenehm. Aber das übersteht man.

Natürlich habe ich das meiner Fallmanagerin erzählt. Ich würde gerne in die Kirche. Und natürlich würde ich auch auf Nachfrage etwas anderes machen. Außerdem ergab es sich dann noch, dass in der Presse eine Ausschreibung zur Nichtschülerprüfung zum staatlich anerkannten Erzieher stand.

Wollte ich das nicht immer?

Also habe ich mir in einem Informationsgespräch das Ganze angehört. Ich war hin- und hergerissen. Der Bildungsträger hat diese Qualifizierung auf 2 Jahre reduziert, weil, wie öfter in der Presse zu lesen, hören war, Bund und Länder sich über die Jahre der Erzieherausbildung streiten. Nun dauert das Ganze zwei Jahre, inklusive Prüfung, diverser Praktika und des so genannten Anerkennungsjahres. Ich war ganz gut informiert, schließlich beschäftige ich mich schon seit einiger Zeit mit diesem Thema und kenne auch einige Erzieher, Leute, die im sozialen Bereich arbeiten etc. So stellte sich mir schnell die Frage, ist das noch zu schaffen. Die Durchfallquote liegt dann auch bei 90 %.

Ich habe lange darüber nachgedacht, machst du das, machst du das nicht, willst du dir in deinem Alter das noch antun? Es ist mit Sicherheit nicht einfach. Die Stunden in der Schule, die Fahrten, der lange Tag. Alles das. Es gibt so einige, die mich für komplett verrückt erklärten, dass ich das überhaupt in Erwägung zog. Andere waren sofort der Meinung, was denkst überhaupt nach, natürlich schaffst du das, und endlich was mit Perspektive. Deine Couch ist dich erst mal los, selbst, wenn du nicht als Erzieher arbeiten willst, kannst dann noch anderes im sozialen Bereich machen. Verständlich ist, dass du nicht unbedingt mit Babys arbeiten möchtest (Rücken).Da wird sich dann schon finden.

Es gab eine Menge zu bedenken, die Entscheidung fiel mir nicht leicht.

Das Jobcenter war mir natürlich keine Hilfe. Sie bekräftigte mich stark in meinen Bedenken und offerierte mir auch, es wird sicherlich in nächster Zeit ähnliche Angebote durch uns geben. Wir bedenken Sie dann. Aber vllt. gibt es auch keine neuen Angebote durch uns. Wir haben schließlich mehrere Erzieherhelfer „in Ausbildung“. Wir müssen erst mal sehen, wie das wird und wie die unterkommen.

Ich weiß, dass diese Maßnahme hier im Ort nicht besonders gut läuft, da ich dort eine Bekannte habe, die daran teilnimmt. Auch da sind die Praktika und die Finanzierung dieser nicht gewiss. Zum Anderen gibt es in jedem größeren Ort hier im Umkreis diese Lehrgänge.

Natürlich kann man darüber mit dem Jobcenter nicht sprechen. Die sind ihrem Arbeitgeber über loyal und müssen das sicher auch sein.

Der Eindruck, der aber bei allen anderen entsteht, ist der, dass mal wieder auf Grund einer gesellschaftlichen, politischen Nachfrage schnell was zusammengestrickt wurde, was nicht viel Sinn und Verstand hat. Könnte im Übrigen auch auf die Qualifizierung zum Erzieher zu treffen. Neu ist diese Erkenntnis ja nicht. Nur den Behörden ist diese Erkenntnis natürlich neu, ja sie ist sogar falsch.

So hat meine Fallmanagerin sich immer sehr bedeckt gehalten, ob überhaupt ein Bildungsgutschein erteilt wird.

Zu guter Letzt habe ich mich dann entschieden. Jawohl, ich mache das. Es ist vllt. die einzige Chance, die sich bietet, dies zu tun. Wer weiß, ob in naher Zukunft etwas stattfindet.

Meine Fallmanagerin wollte nun, dass ich bei meiner Hausärztin die Tauglichkeit prüfen lasse.

Ich hatte den Eindruck, dass dies ungewöhnlich ist und von den anderen Teilnehmern der Qualifizierung nicht verlangt wurde. Die Maßnahme findet ja in einem anderen Landkreis statt.

Dazu muss ich dann noch sagen: Da ich ja unbedingt in die Kirche wollte, meine Bereitschaft für einen 1-Euro-Job damit mal wieder erklärt habe, erhielt ich auch vor einigen Wochen einen. Natürlich nicht in der Kirche.

Es kam da zu mehreren Versuchen. Ich landete dann in einem Hort der Grundschule in meiner Nähe. Weit ist es also nicht.

Dies ist natürlich eine Maßnahme, die genau dem Profil entspricht: Arbeit mit Kindern. Ich hätte sie also nie ablehnen können.

Ich war auch gar nicht abgeneigt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Zeit bis zur Qualifizierungsmaßahme noch anders nutzen zu können, aber naja was soll es.

Bei dem Gespräch im Hort war dann gleich klar. Eine zusätzliche Erzieherin war nicht gesucht, eher ein Mädchen für alles, also jemand, der all das macht, was die Erzieherinnen nicht machen möchten. Mir wurde gleich gesagt, mit den Kindern hätte ich nicht viel zu tun. Ich solle mich darum kümmern, dass immer Tee zur Verfügung steht, die Teetassen abwaschen, Staub wischen, Obst- und Gemüse bereitstellen. Und die Buskinder zum Bus bringen.

Der Widerspruch in sich. Einerseits sollst du mit den Kindern nichts zu tun haben, dafür gibt es gut ausgebildete Fachkräfte, anderseits darfst du natürlich die Kinder zum Bus begleiten und die Verantwortung übernehmen. Nebenbei gesagt gibt es in dem Hort noch einen Bufdi, der also die gleichen Arbeiten übernimmt. Den Busdienst kann man sich also teilen. Den Abwasch auch.

Dass ich davon nicht begeistert war, kann man sich gut vorstellen. Wieder so eine Dienstmädchenmaßnahme. Davon habe ich wirklich genug. Nicht zuletzt ist derartiges auch gar nicht statthaft.

Ich habe das auch geäußert, aber mit wenig Erfolg. Da die zuständige Mitarbeiterin des Trägers der Maßnahme mir mehr oder weniger versicherte, man könne an der Zeit etwas drehen, war ich einverstanden. Die Arbeitszeiten im Hort sind alles andere als schön, der Dienst geht von morgens 6 bis 8 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Die Horterzieherinnen haben natürlich einen ähnlichen Dienst, können sich das aber wochenweise einteilen bzw. arbeiten stundenweise noch in der nahe gelegenen Kindertagesstätte, so dass dieser Nachmittagsdienst teilweise weg fällt.

Okay, ich ließ mich darauf ein, arbeitete von 12.30 bis 17 Uhr. Zufrieden war ich nicht. Aber mit dem Kompromiss konnte ich leben.

Hätte ich leben können.

Ein-Euro-Jobber, das muss man auch wissen, ist nicht in der Lage, seine Arbeitszeit einzuhalten. Er benötigt Hilfe. Das ist ein Fakt, kann man sicher irgendwo nachlesen. Deswegen wird schon seit Jahren erwartet, dass Stundenzettel geschrieben werden, Tätigkeitsnachweise erstellt werden. Märchenbücher sind sicher manchmal weniger märchenhaft. Natürlich schreib ich auch solche Zettel, hatte in der Vergangenheit auch damit keine Probleme, aber die Hortleiterin war damit nicht einverstanden. Wusste sie doch nicht, dass ich zwar nur ab mittags arbeite, mir aber dennoch 6 Stunden schreibe. Das geht nicht, das kann sie nicht unterschreiben.

Ich konnte daran nichts ändern, schließlich wurde mir das irgendwie so offeriert.

Die zuständige Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers sagte mir dann am Telefon, die solle sich nicht so haben und unterschreiben.

Es gingen ein paar Tage ins Land, bevor sich die Damen selbst unterhalten konnten.

Muss ich erwähnen, dass wir uns nicht besonders mögen? Liegt auf der Hand. Weder die Hortleiterin mag mich, noch ich sie. Auch die Dame des Maßnahmeträgers gehört nicht zu meinen Freundinnen, wir hatten schon mal das Vergnügen.

Das Ende vom Lied war, dass von dieser Absprache keiner was gewusst hat. Die gute Dame könnte doch nie gestatten, dass ich mir 6 Stunden schreibe, obwohl ich nur 4 arbeite, dass müsse ich verstehen. Das wäre ja Betrug. Das Jobcenter könnte das evtl. genehmigen, das müsste ich absprechen.

Natürlich möchte das Jobcenter das nicht, auch das liegt auf der Hand, schließlich jegliche Äußerungen, ich könnte das körperlich nicht schaffen, gehen nicht, weil ich die Qualifizierung möchte. Das wäre absurd (was verständlich ist). Persönliche Ressentiments wurden seitens der Hortleitung nicht geltend gemacht, warum sollten sie auch.

Das Ende vom Lied ist, die Arbeitszeit wurde nun aufgeteilt.

Soweit so gut.

In der Ferienzeit wird die Arbeitszeit nicht so aufgeteilt. Gründonnerstag hatte ich also Dienst von 9 bis 15 Uhr. Da ich aber das Formular zur Untersuchung bei meiner Hausärztin vom Jobcenter abholen wollte – das Jobcenter scheint Geld sprich Porto zu sparen, man muss sich neuerdings, man hat ja auch Zeit, immer alles abholen und danach noch zu meiner Ärztin wollte, das wäre dann nicht zu schaffen. Das Jobcenter hat nur von 9 bis 16.00 Uhr geöffnet, wie die Sprechzeiten bei der Ärztin zum Gründonnerstag waren, war mir unbekannt, konnte mir aber vorstellen, dass dies nicht lange sein würde. Also sprach ich die Hortleitung daraufhin an, ob es möglich wäre, meinen Dienst entsprechend zu verschieben. Im Übrigen gab ich keine Einzelheiten bekannt, nur dass ich zum Jobcenter müsse und dann in deren Auftrag zum Arzt. Das ging natürlich nicht, schließlich hätte ich das eher anmerken müssen. Dass ich das nicht eher wusste, spielte keine Rolle. Da meine Fallmanagerin selbst nicht mehr erreichbar war, sprach die Hortleitung bei einer anderen Mitarbeiterin des Jobcenters vor, die dann bestätigte, ich könne nach Dienstschluss zum Jobcenter und am Dienstag nach Ostern dann zum Arzt gehen.

Ja, was soll man da machen. Da bleibt einem keine andere Wahl.

Das Formular holte ich Gründdonnerstag, meine Hausärztin erreichte ich nicht mehr. Heute, Dienstag nach Ostern, machte ich dann von 6 bis 8 Dienst und ging dann zum Arzt.

Zwischenzeitlich war ich extrem erkältet.

Meine Ärztin störte das allerdings gar nicht so, was mich verwunderte. Zwar bin ich der Meinung man sollte seine Bazillen nicht auch noch verteilen, aber das sehe ich wohl nur so.

Und nun kommt es: Ich wurde untersucht, befragt, ob ich mir das zutraue usw. Sie hat natürlich nichts dagegen, wenn ich das möchte. Bei der Untersuchung hatte ich dann einen sehr hohen Blutdruck. Sie unterschreibt die Tauglichkeit nicht, erst, wenn das mit dem Bluthochdruck geklärt wird und mit diesem Blutdruck kann ich auch nicht arbeiten gehen.

Nun bin also wieder zu Hause, eine Erklärung für den Bluthochdruck habe ich schon, der liegt wohl ganz einfach in dieser Situation begründet.

Morgen bekomme ich dann das 24 Stunden Gerät, das letzte vor einem halben Jahr ist mir buchstäblich um die Ohren geflogen. Der Blutdruck war damals aber in Ordnung.

Einen Termin zur Darmspiegelung habe ich auch, weil da was nicht so ist, wie es sein sollte. Ich habe seit fast 14 Tagen meine Periode, und davor war auch nur eine Pause von 8 Tagen. Also medizinisch gesehen könnte da einiges passieren, was ich zum jetzigen Zeitpunkt so nicht unbedingt wollte.

Natürlich könnte ich etwas verspätet beginnen, vielleicht am 15. April. Die Maßnahme beginnt am 4. April. Das ganze Gezeter hat also eh lange gedauert.

Meine Fallmanagerin sagte, ich solle mich erst mal ausruhen, in Ruhe gesund werden und dann mal sehen.

Und mal ehrlich, es wäre schon so schwer, wenn man dann auch noch krankheitsbedingt später anfängt oder ausfällt, sich unter Druck setzt, was soll da dann raus kommen?

Die Qualifizierung ist als erst mal Geschichte. Und ich? Ich habe Zeit. Ich muss mir das nicht antun. Man hat seitens des Jobcenters kein Verständnis für mich gezeigt, mir war schon vorher klar, dass ich ähnlich auf die Situation reagiere. Natürlich ist die Maßnahme nicht so, wie sie sein sollte. Ist das nicht auch Betrug? Raus geschmissenes Steuergeld?

Ich würde es so sehen. Wichtig ist meine Tätigkeit im Hort nicht, das könnten die Erzieher durchaus selbst tun. Müssten sie auch, gäbe es keine 1-Euro-Jobber oder Bufdis. Zum Berufsbild eines Erziehers gehören durchaus auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Nicht zuletzt könnten bei einigen Tätigkeiten auch die Kinder hinzu gezogen werden, die sollen das ja auch lernen und wertschätzen.

Was vermitteln wir eigentlich den Kindern? Für niedere Arbeiten gibt es ja ein paar andere Dumme.

Ich setze mich vorläufig nun nicht mehr unter Druck. Und vllt. sollte man darüber nachdenken, ob es nicht nötig wäre, derartiges Mal publik zu machen.

Die Erkenntnis ist, die ich hoffentlich nie wieder vergessen werde, melde dich  nie wieder freiwillig für irgendwas. Es kommt nichts bei raus!

Was habe ich die 2 Stunden auf Arbeit gemacht? Ich habe Tee gekocht, Teetassen abgewaschen, Staub gewischt, Blumen gegossen. Die Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers wollte übrigens, nach Vorlage meiner Tätigkeitsnachweise, daraus vllt. noch eine zweite oder dritte machen. Je nachdem, was ich so zu tun habe. Deren Arbeitsplatz, der jährlich aufs Neue befristet wird, muss auch irgendwie erhalten bleiben. Das muss man auch verstehen.

Naütrlich muss ich mir eingestehen, dass es durchaus Frauen gab/gibt, die mit dieser Tätigkeit sehr glücklich waren. Die Dame, die zurzeit als Bufdi tätig ist, macht dies schon 10 Jahre. Meine Vorgängerin, ich lernte sie mal kurz kennen, war auch sehr zufrieden und freut sich, das bald wieder tun zu dürfen. Sie wird die Bufdi-Stelle übernehmen.

Das ändert nichts an meinen Gefühlen. Man kann halt nur schwer über seinen Schatten springen.

Die Themen Miststück und Paulchen vertage ich, denn auch die könnten umfangreich sein.

 

 

27.08.2012 um 00:14 Uhr

Keine Langeweile

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Die letzten Wochen waren wirklich nicht langweilig. Ich werde mir große Mühe geben, dass es jetzt nicht wieder sieben Seiten werden. Versprechen werde ich es nicht.

Ich hatte mir ja vorgenommen, mal einen Arzt aufzusuchen. Dieses Vorhaben gab es ja schon länger, wurde aber immer wieder aufgeschoben. Was man nicht weiß, macht einen bekanntlich nicht heiß. Ich habe dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt, bekam eine Reihe von Überweisungen und hatte von Stund an, genug zu tun. Ich suchte einen Physiotherapeuten auf, bekam Massagen, leider nicht genug, um wirklich was zu bewirken. Meine Schilddrüse wurde untersucht. Andere Untersuchungen, so was dauert ja, stehen noch aus. Das Ergebnis ist bisher also dürftig. Eine Anämie wurde diagnostiziert, womit sich auch eine Reihe der Symptome erklären lassen, aber woher diese kommt, ist noch unklar.

Es hat irgendwie den Anschein, es ist so ein Ärzte-Beschäftigungs-Programm. Mein Vater beobachtet das auch, und als ich im Wartezimmer der Internistin saß, hörte ich, dass eine andere Patientin identische Überweisungen erhielt. Der Gedanke ist also nicht so abwegig.

Obwohl ich mich nun entschlossen hatte, zum Arzt zu gehen, nichtswissend, was auf mich zukommen würde, gehe ich ja arbeiten. Wenn man denn das so nennen kann. Ehrlich gesagt, bin ich eine doofe Kuh. Warum reiße ich mich immer wieder danach, etwas zu machen? Gibt es dafür einen vernünftigen Grund? Geld? Gut, das könnte einer sein, das Geld kann man wirklich gebrauchen, aber max. 120 Euro im Monat rechtfertigen das als Grund dann auch nicht. Man könnte doch seine Tage besser gestalten, als arbeiten zu gehen. Ich könnte gemütlich auf meiner Couch liegen, Dallas gucken, das auf einem Programm immer um die Mittagszeit läuft, schlafen, meine Termine für die Ärzte sortieren, sondieren und wahr nehmen, spazieren gehen, wenn mir danach ist, das reicht doch eigentlich, was um Himmels Willen bringt mich immer wieder auf diese Schnapsidee, arbeiten zu gehen?

Aber nein, ich kam auf die Idee, versuch es mal wieder mit ein paar Stunden Arbeit. Schließlich ist es die Trägheit, die die Ärzte ja mit der Anämie begründen, die mir missfällt. Vielleicht hilft einem ja die Tätigkeit auf andere Gedanken zu kommen. Auch wenn es einem ja so schwer fällt, weil man sich nun einmal immer kaputt fühlt, ausgelaugt, man nicht mehr lange laufen und stehen kann (und was bin ich immer gelaufen). Man hat Schweißausbrüche, auch wenn es gar nicht so heiß ist, dass es peinlich ist, irgendwohin zu gehen. All diese Dinge könnten ja daran liegen, dass man sich wirklich zu wenig bewegt. Dem ist doch so. Also versucht man es mit Arbeit. Der Gedanke war sicher gar nicht so schlecht, aber dann doch irgendwie falsch.

Besser geht es mir nämlich nicht. Ich bin davon überzeugt, dass mir auch eine Aufgabe fehlt, dass eine Aufgabe einiges ändern würde. So bekommt man von seiner Fallmanagerin, die hat auf nichts anderes gewartet, natürlich sofort eine Zuweisung für einen Ein-Euro-Job. Wir dürfen nicht vergessen, viele wollen das aus nahe liegenden Gründen wirklich nicht. Ich habe es wirklich begrüßt und gedacht, vielleicht hilft es ja. Habe zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass auch jede Menge Termine beim Arzt auf mich zukommen werden, aber irgendwie würde ich das schon in den Griff bekommen.

Es hatte ja auch alles noch Zeit, die Zuweisung hatte ich in der Tasche, aber da es sich um eine Stelle in einer Jugendeinrichtung handelt, fehlte ja noch das Führungszeugnis. Das dauerte auch einige Tage. Eine ganze Reihe von Terminen war also schon abgearbeitet. Es hörte sich auch gar nicht schlecht an, ich würde mal wieder bei diesem Träger arbeiten, bei dem ich schon vor einigen Jahren arbeitete, in einem Kinderheim zur Betreuung der Kinder. Mir hat das damals durchaus Spaß gemacht, obwohl, wer hier schon länger liest, ich durchaus an meine Grenzen gekommen bin.

Ich lass das also ganz in Ruhe auf mich zukommen, habe ja genug zu tun. Und wie immer das mit den Plänen so ist, es kommt auch etwas dazwischen.

Das Miststück natürlich. Ich hatte ja wenig Kontakt zu ihm, immer mal telefonisch, mal ganz kurz persönlich, aber so richtig halt nicht. Man hat immer mal so Stunden, da vermisst man etwas und dann ruft man halt an, und er kommt auch, man unterhält sich und irgendwie ist alles ganz in Ordnung. Beim Erzählen kommt dann raus, dass seine Mutter beim Arzt war, sie war ja gestürzt und hatte Beschwerden, und nun wahrscheinlich in eine Klinik nach MD muss. Natürlich sucht Frau über Internet die Telefonnummer der Klinik raus, es wird Kontakt aufgenommen und schwups ist Mutter im Krankenhaus. Manchmal geht es auch schnell. Sie wird - mit 82 - an der Wirbelsäule operiert. Das Miststück nistet sich sozusagen solange ein. Natürlich sagt man zu Anfang, aber nicht, dass Du denkst, Du kannst solange hier bleiben. Aber irgendwie kommt es doch dazu. Es ist auch ambivalent, hat gute und schlechte Seiten. Frau wird bekocht, er geht einkaufen. Das hat auch was Gutes, wenn man nach Hause kommt, gibt es was zu essen. Frauen sind damit aber nicht zufrieden, sie wollen mehr. Mehr gibt es aber nicht. Es ist wie das Zusammenleben alternder Ehe-Paare oder Geschwister, man versteht sich, emotional, sexuell läuft aber rein gar nichts.

Zwischenzeitlich ist die Mutter wieder aus dem Krankenhaus, er ist also wieder zu Hause, denn er muss sie natürlich versorgen, bekochen, einkaufen, ins Bett bringen usw. Ab und an erscheint er hier - auf einen Kaffee. Mir reicht das nicht. So ist es halt. Da die Mutter demnächst in eine Reha-Einrichtung gehen soll/darf, könnte es sein, dass er das Spiel wiederholen möchte. Ich möchte es nicht?!

Während dieser Zeit kam dann die Post vom Jobcenter, dass ich die Beschäftigung antreten kann. Von heute auf morgen, ich hatte wohl den ersten Tag keine weiteren Termine, ich freute mich also. Die Gruppe, für die ich gedacht war, war eine Woche nicht da, die Kinder fuhren zu ihren Eltern. Also verbrachte ich die Zeit im Büro. Man kennt mich ja dort, schließlich hatte ich von Januar bis März ein kaufmännisches Praktikum absolviert.

Man kann es nur mit einem Wort beschreiben. Es war herrlich. Ich saß dort an dem Schreibtisch, an dem die Kollegin sitzt, die im Praktikum meine Mit-Praktikantin betreute. Ich mochte sie sehr, also die Kollegin, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Nun sie war aber in Urlaub, ich hatte für eine Dame aus dem Büro Listen zu vervollständigen. Listen, die meine Mit-Praktikantin erstellt hatte. Es ging um Schüler der 7. Klassen der Sekundarschulen, die sich zur Berufsorientierung informieren sollten. Das war eine stupide Arbeit, aber ich hatte zu tun.

Wie das so in einem Büro ist, andere Kollegen kommen ins Büro, man unterhält sich. Da kann es durchaus passieren, dass ein Kollege ins Zimmer kommt, seinen zwei Kollegen die Hand gibt, und dieser anderen Dame, die dort nicht hingehört, einfach ignoriert. Schließlich ist diese Dame nur im Rahmen eines Ein-Euro-Jobes dort. Sie merkt das gar nicht, oder? Wie dem auch sei, ich habe es zwar bemerkt, aber nicht kommentiert. Mir wirft sich die Frage auf, wie diese Leute, Kinder erziehen/ausbilden sollen?

Ein andere Kollege kommt ins Büro und stellt die Frage, wie es denn nun sein, er hat dort einen Betrieb, der sich an diesem Programm beteiligen will und ausbilden will. (Diese Betrieb, der sich in mehrere Gesellschaften aufgliedert, u. a. auch eine Stiftung ist, betreut nicht nur Kinder und Jugendliche in therapeutischen Wohngruppen, sondern ist auch aktiv in der Freizeitgestaltung (Jugendklub), betreut Migranten, unterhält Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche, beteiligt sich gemeinsam mit Schulen an der Berufsorientierung, bildet in bestimmten Berufen gemeinsam mit dem Jobcenter und Betrieben Jugendliche aus etc.) Und nun die Frage des Kollegen, der Betrieb, ein Malerbetrieb, wo der Inhaber nicht über eine Meisterausbildung verfügt, kann er denn ausbilden? Die Frage ist natürlich berechtigt, die Frage, die sich mir stellt, wie kann man, wenn man das nicht weiß, jahrelang dort arbeiten, ausbilden etc. Die Kollegin hat die Frage beantwortet, ich hätte es auch können.

Man muss sich schon sehr zurückhalten, wenn man dort im Büro sitzt. Glücklicherweise kann ich das. Vielleicht sollte man es nicht, aber wem bringt es was, wenn man es nicht kann. Die Gedanken sind schließlich frei. Und ich frage mich dann, warum eigentlich sitzt du hier und hast keine feste Anstellung?

In der letzten Woche habe ich dann auch die Gruppe kennen gelernt. Die Kinder sind wie sie sind. Man merkt schon, dass sie Probleme haben, sie sind nicht umsonst in einer solchen Einrichtung. Es ist allerdings bisher wesentlich ruhiger als ich es aus der Kindergruppe damals gewöhnt bin. Derartiges Gefahrenpotential um Leib und Leben gab es bisher nicht. Im Grunde benötigt man mich dort nicht, die Jugendlichen sind relativ selbstständig. In den Ferien ist eh nicht viel los. Ob es im Schulalltag anders wird, wird sich zeigen. Die Erzieher sind im Großen und Ganzen in Ordnung. Es sind halt Erzieher, die haben, das behaupte ich ja gern und erhalte da oft Kritik, ihr eigenes Verständnis für Realitäten. Fakt ist, dass mich der Teamkoordinator mehr oder weniger darauf hingewiesen hat, dass man jemanden sucht, der den Haushalt schmeißt. Sein Kollege wies mich vor einiger Zeit im Gegensatz dazu hin, dass ich nicht die Putzfrau der Jugend bin. Auch die Verantwortliche der Einrichtung wies genau darauf hin.

Wie sich das entwickelt, wird sich zeigen. Ich habe meinen Standpunkt klar gemacht, dass ich keine Putzfrau bin. Natürlich gehört Putzen dazu, es ist eine ganz normale Wohngruppe, wie Familienleben, da wird halt öfter mal geputzt. Aber es sollte nicht meine alleinige Aufgabe sein. Dazu bin ich auch nicht bereit, ob das nun Gefallen findet oder nicht. Dem ist so!

 

30.06.2012 um 18:07 Uhr

Ohne Worte

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken