Plateforme

24.11.2007 um 02:45 Uhr

Erwartungen und Flirtübungen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Überschriften sind gar nicht so einfach. Das mal nur so nebenbei feststelle.

Zum Ersten möchte ich mich mal über die Flirtcommunitys im Allgemeinen und Besonderen aufregen. Himmel noch mal, sind Frauen einfach?! Wie kann jemand eine einfache Frau suchen und bitteschön was ist eine einfache Frau? Was ist überhaupt einfach?

Egal.

Ich hatte zwei Tage frei. Zwei Tage ist natürlich reichlich übertrieben. Denn da Frau trotz bekannter Nummer ans Telefon ging, durfte sie heute dann doch antanzen, wenn auch nur für zwei Stunden. Selber schuld. Was solls, hat aber nichts damit zu tun, dass Frau so unentbehrlich und sooooo gut ist, wie es Nessi mal wieder darstellen wollte. Manchmal kann ich ihre Anflüge von Eifersucht nicht ertragen, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass irgendjemand ja den Dienst von 11 bis 13.00 Uhr machen mußte, und es niemand tun wollte. Das hat nichts mit Zynismus zu tun, sondern mit Realität. Oder auch: Zynismus ist die reale Sicht auf die Dinge. Frei nach Oscar Wilde.

Gestern konnte Frau dann ausschlafen und sich mal ausgiebig ihrer Wohnung widmen. Erwartet wurde ein Anruf. Schließlich hatte ich Harry schon am Dienstag gesagt, dass ich frei habe. Und irgendwann mußte es ja mal wieder klappen. Als er dann endlich anrief, hatte ich zwar alles andere als Lust, aber der Hunger kommt bekanntlich beim Essen, so kommt als die Lust beim Sex. Habe ich noch nicht darüber nachgedacht, scheint aber so zu sein. War dann ein sehr schöner, heißer, leidenschaftlicher und zur Entspannung dienender Nachmittag. Das braucht Mann und auch Frau ab und an oder noch viel öfter.

Heute dann dieser Kurzdienst. Wenn ich als erste auf Arbeit bin, lese ich nebenbei das Dienstbuch. Ist auch nichts verwerfliches dabei, manchmal ganz interessant. Beim Lesen fiel mir schon auf, dass es gestern mal wieder heiß her ging. Nicht ungewöhnlich, wenn die junge Kollegin Dienst hatte. Carsten hat mir, als er erschien, dann auch noch so einiges erzählt. Es ging wirklich heiß her. Die Nachricht brachte dann Michaela, Claudia ist ab dem heutigen Tage raus. Ob nun entlassen oder freiwillig gegangen, keine Ahnung. Aber auf die konkrete Frage, wie sie es sich weiter vorstellt bzw. ob sie Angst hat, hat sie bejaht und das machte den Wochenenddienst unmöglich. Es wird also eine neue Kollegin bzw. Kollege gesucht. Das ganze war zu erwarten. Irgendwie ist es schon traurig, wobei ich die Aussage jetzt nicht mal begründen kann. Schließlich war ich die Erste, die das vorausgesehen hat. Hatte auch den meisten Einblick, da ich ihr Vorgehen etc. immer hautnah erlebt habe.

Was macht man mit den angebrochenen Nachmittag. Ich habe Dany besucht. Ich wußte, sie ist seit Montag aus dem Krankenhaus und hat ihre Op gut überstanden. Sie hat sich auch sehr gefreut, als ich erschien. Sieht gut aus. Ich kann es nicht anders sagen, sie sieht wirklich gut aus. Irgendwelche negativen Gefühle oder Gedanken konnte man nicht erkennen. Obwohl ihr Liebster macht wohl (und bitte jetzt nicht denken, ja es stand schon vor Wochen hier) einen Rückzieher. Er hat es nicht mal geschafft, sie im Krankenhaus zu besuchen. Geschweige denn hat er die letzten Tage mit ihr telefoniert.

Ihr Nachbar war da. Wir hatten viel Spaß, und ich muß gestehen, auch ich habe es genoßen. Oben zu lesen, Frau konnte mal wieder etwas flirten. Nun das tun wir schon seit ewigen Zeiten und nein, es bahnt sich da nichts an. Erstens kann Frau nicht besonders gut mit jüngeren Männern und zweitens was entscheidender ist, ist es wirklich in keinstem Falle mein Beuteschema.

Manche Äußerungen fand ich dann doch köstlich, was obige Aussage dann doch entgegenkommt. Wenn ich jemanden attraktiv finde, was passiert dann? Also mal ganz ehrlich, man findet Männer oft attraktiv. Hat sich dieses Gefühl verändert, wenn Frau ihn nackt sah?! Habe nie die Erfahrung gemacht. Und darum beschäftigt mich die Aussage gerade. Nur wenn er sie nackt sieht, kann er entscheiden, ob oder ob nicht. Ist ja toll, kommt dann "Bitte, zieh Dich wieder an. Ich will nicht." Wie ein weibliches Wesen darauf reagiert, kann ich mir gut vorstellen. Nicht nur weibliche Wesen. Oder ist das dann die gute Ausrede, dass er gerade nicht kann?! Die Entscheidungsgewalt liegt weiter unten. Bei Frau auch? Ist doch mal eine interessante These, könnte man glatt zur Diskussion stellen.

Ich habe hier bei Blogigio gerade was über die sieben schmutzigsten Wörter gelesen. Ich arbeite an der Basis, könnte wahrscheinlich noch einige beisteuern. Entspricht nicht ungedingt meinem Jargon, aber was solls. Worauf ich hinauswill, ist auf das Wort Titten.

Nun sehen diese nicht nur gut aus, in der Regel zumindestens. Sie dienen auch zum Festhalten. Beim Sex dachte ich immer. Der Gedanke ist für mich reizvoller, als wenn jemand an den Haaren zieht.

Und nun weiß jeder, warum die Diskussion, worum sie sich vorzugsweise drehte, steht auch fest, zwar Spaß machte, aber für mich immer noch kein Beuteschema darstellt. Das erinnert mich viel zu sehr an Sex als Hochleistungssport. Dem Jargon selbst kann ich immer noch nichts abgewinnen, maximal beim Dirty Talk bei Sexspielen. Aber diese Erkenntnis und diese Begrifflichkeit fehlt dem Mann.....

Weil es gerade ins Bild passt, Harry hatte mal wieder einen Porno dabei. Habe ich nicht mehrmals erwähnt, dass ich es nicht gerade an- und erregend finde?! Scheint egal zu sein. Dieses Mal aus der SM-Schiene. Alles sehr gestellt, aber egal. Hatte mit BDSM im eigentlichen Sinne wohl wenig zu tun. Und nebenbei hat er mir wieder eröffnet, dass er fleißig sucht und natürlich fündig geworden ist. Mehrfach. Es macht ihm Spaß. Ich sehe das etwas gelassener, aber wurde nicht wirklich gefragt. Also: Wenn es ihm Spaß macht, soll er den Spaß haben. Denn es bleibt beim Schreiben, das ist wohl klar....

21.11.2007 um 00:08 Uhr

Gewohnheitstiere und andere Enttäuschungen?!

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Komisch ist das schon. Da hatte man tage-, ja wochenlang nur ein Thema und plötzlich erscheint es nicht mehr so wichtig. Wichtig in dem Sinne, dass man darüber nachdenkt.

Es gibt einfach nichts drüber nachzudenken, geschweige denn was ich hier momentan für erwähnenswert halte. Das heißt aber gar nicht, dass nichts passiert ist, beweist aber mal wieder, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und gewöhnt sich an alles.  Oder lieg es mal wieder am schlappen Gedächnis? Keine Ahnung. Fakt ist, ich hatte heute so das Gefühl,  diesbezüglich läuft es  rund. 

Andererseits natürlich nicht. Muß man nicht erwähnen. Will ich auch nicht drüber nachdenken. Zumal die Überraschung gelungen ist. Wobei eine Überraschung wäre es nur, wenn man es nicht erwartet hätte. Und was erwartet man - nichts Gutes. Das Wort Überraschung ist also falsch, Enttäuschung trifft es auch nicht, suggeriert ja auch, dass man es nicht erwartet hätte. Egal, Wortspielereien.  

Von der Sache her wüßte ich schon gerne, was da los ist. Was treibt ihn momentan? Nach der Post zu urteilen, die ich heute erhielt, läuft irgendwas nicht so, wie es sein sollte. Oder wie hat er es angestellt, irgendwelche Tricks und Kniffe, die Verpflichtungen nicht mehr zu erfüllen? Ich verfluche momentan die Frauen, denen Mann immer weißmachen kann, dass man an allem nicht schuld ist, sondern nur die Ex. Ach, ist das Leben einfach. Irgendwie kommt Mann immer durch und wer nicht?! Die Antwort auf die Frage erübrigt sich mal wieder.  Was bleibt ist, dass man sich selber durchschlagen muß. Mal wieder. Nichts Neues!

Die nächsten Tage habe ich frei. Das Gefühl ist schön, aber auch komisch. Eine Art Familiengefühl? Ist das möglich? So eine Art Ersatz für das, was man momentan nicht hat oder zumindest nicht empfindet?! 

Und weil ich gerade nichts anderes zu tun hatte oder mal wieder eine Persönlichkeitsanalyse erstellen wollte, habe ich auch dieses eigenartige graphologische Gutachten gemacht:

Paula ist ein impulsiver, unsteter, vielseitiger und unkonventioneller Typ.
Es fällt ihr nicht leicht, sich anzupassen.

Sie ist sinnlich, warmherzig, gemütlich und phantasievoll.
Im Großen und Ganzen wirkt sie gelassen bis uninteressiert,
wenn sie aber von einer Sache überzeugt ist, überrascht sie
ihre Umwelt durch ihr überschwängliches und begeisterungsfähiges Auftreten.

Sie ist lebhaft und kontaktfreudig.
Mit viel Verständnis für die Belange anderer.

Paula ist ein vernunftgesteuerter Mensch.
Sie versucht, ihre Gefühle zu verbergen und sich bei Entscheidungen nur vom Verstand leiten zu lassen.

Paula ist flexibel, anpassungsfähig und sehr agil.
Ab und zu wirkt ihr dynamisches Auftreten etwas überstürzt und haltlos.

Paula ist sehr stark um Gerechtigkeit bemüht.
Sie versucht stets, sich für andere einzusetzen.

Sie besitzt sehr viel Elan und Unternehmungsgeist,
allerdings neigt sie zu Widersprüchen und Rechthabereien.

Paula wirkt oft etwas nervös und wenig entspannt.

Falsch ist es nicht, richtig aber auch nicht. Ein echtes graphologisches Gutachten brächte wohl einige andere Ergebnisse oder auch nicht, vielleicht wäre es auch unmöglich, da die Schrift kein Schwein lesen kann.

 

 

 

19.11.2007 um 00:28 Uhr

Auf ein Neues

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Das wird wohl wieder so eine Art Marathon-Eintrag. Ich wüßte so viel zu sagen bzw. schreiben.

Zum Wochenende kann man mal wieder nur soviel sagen: Es war das Übliche inklusive der kleinen bzw. größeren Stimmungsschwankungen. Dieses Mal gab es einen ganz anderen Anlass. Nessi hat schon lange Zahnbürste etc. bei mir. Alles schön verstaut in einer Kosmetiktasche von mir. In dieser Kosmetiktasche ist noch eine Kosmetiktasche, eine männliche. Wobei sich mir unwillkürlich die Frage aufwirft, wann ist eine Kosmetiktasche männlich. Aber egal, man sieht es halt, sie gehört einem Herren. Diese Kosmetiktasche ist schon seit Jahr und Tag dort, denn sie gehört Sylvio. Wer hier mitliest, weiß, dass Sylvio im Grunde lange Geschichte ist. Er war schon fast zwei Jahre nicht mehr hier, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Gesehen haben wir uns das letzte Mal im März d. J. in MD in einem Hotel. Er möchte seine Kosmetiktasche noch immer,aber hat es bisher nicht geschafft, sie zu holen bzw. wann auch. Momentan wäre es zeitlich auch ziemlich schwierig, ich bin den ganzen Tag auf Arbeit. Wir haben uns uns auch online wenig gesehen. Also im Grunde ist Sylvio Geschichte. Ich trauere ihm nicht nach, er kämpft momentan wohl um seine Ehe und um andere Bettgeschichten. Wie dem auch sei. Diese Tasche war nun Stein des Anstoßes.  Die Frage war, gehört diese Tasche Paulchen und wenn ja, in dieser Tasche ist ja auch Bruno Banani drin, welches ich ihm ja in die Klinik mitgeben könnte. Ich habe erwidert, dass die Tasche Paulchen nicht gehört, und ich gar nicht so genau weiß, was darin enthalten ist. Sie gehört halt einem Bekannten von mir. Thema für mich beendet. Sie kennt weder Sylvio, noch kann sie mit dem Namen etwas anfangen. Dass er im Grunde Geschichte ist, tut dem gar keinen Abbruch. Ich rechtfertige mich nicht. Warum auch? Habe ich ein Hehl daraus gemacht, dass es dort ab und zu jemanden gibt? Wohl nicht.

Eingekriegt zu hat sich im Grunde erst Sonntag. Wohlwissend, dass es kurz vor einer klaren Ansage meinerseits war und die gefällt ihr mit Sicherheit nicht.

Sonntag waren wir dann bei Paulchen. D. h. Nessi hat mich nur dorthin begleitet und dann in einem Cafe auf micht gewartet. Wollte sie so. Paulchen selbst geht es ganz gut. Das Paket mit dem Radio, Künstlerbedarf, Parfüm (halt Bruno Banani, aber nicht das obige), Bettwäsche und Tasse hatte ich mit. Das war im Grunde Anlass des Besuches. Gequatscht haben wir trotzdem zwei Stunden. Hatten wir nach dem langen Telefonat am Freitag zwar nicht erwartet, aber irgendwas viel uns immer wieder ein.

Ich hatte gestern erst zu einem Chatfreund gesagt, im Leben dreht sich alles um Sex oder Geld. Der konnte und wollte mir nicht widersprechen, bemerkte aber, dass das eigentlich klingt wie im Puff. Egal, es ist einfach wahr. Wenn ich so über Paulchen nachdenke und über Äußerungen seinerseits, dann kriege ich das auch bestätigt. In seinem Leben drehte sich alles ums Geld. Geld für die Beschaffung der Drogen. Erstaunlich was im Nachhinein so alles raus kommt. Oder haben Nessi und ich bemerkt, dass er oder sein Kumpel öfter heimlich Nessi's Fahrrad benutzt haben, um nach Afrika zu fahren? Ich habe es nicht bemerkt, ob Nessi es vermutet hat, weiß ich gar nicht. Jedenfalls stand es abends ja immer wieder da. Was gewesen wäre wenn, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Heute weiß er nun, wie doof sein Verhalten war. Heute weiß er es, ob er es morgen noch weiß, wer weiß das schon.

Dass wir auch über Sex sprachen, liegt nahe. Vor allem da er ja diesbezüglich (auch) auf Entzug ist.  Für mich ist die Erkenntnis erstaunlich, dass er heute viel eher damit umbehen kann, dass ich ab und zu mal Besuch hatte. Ich kann das gar nicht so genau nach voll ziehen, liegt es am Alter oder an den Drogen. Im Grunde spricht er gerade über dieses jetzt viel offener als in seiner Drogenzeit. Da hatte ich immer das Gefühl, er könne gar nicht damit umgehen.

Ansonsten geht es im gut. Kleine und große Konflikte gibt es im MRV auch. Manchmal klingt das nach meinem Empfinden wie in der Stiftung. Sicherlich sind die Damen und Herren dort erwachsener und tragen die Konflikte i. d. R. nur verbal aus.  

Das war im Grunde das Wochenende. Dazu kommt noch, dass ich mich schon am Sonntag so gar nicht wohl fühlte. Eine Erkältung war im Anmarsch, mit großen Schritten. Nebenbei immer noch Herpes oder Folge dessen, keine Ahnung.

Vor der Arbeit hatte ich heute noch eine Therapiesitzung. Gesprächsinhalt waren natürlich die Ereignisse der vergangenen Woche. Er konnte sich gut in meine Situation hineinversetzen, er gab mir Tipps. Dass er etwas veraltete Ansichten hat, die mit meinen nicht unbedingt deckungsgleich sind, habe ich schon mehrfach festgestellt. Die Erkenntnis kam mir mal wieder bei der Bemerkung, dass die Jugendwerkhöfe der DDR doch ein viel besseres Konzept waren als die heutigen Methoden. Darüber kann man wohl tagelang und wochenlang diskutieren. Ich glaube kaum, dass eine Kasernierung der Jugendlichen eine Lösung war.  Auch wenn diese nur vorübergend und abhängig vom Verhalten war.

Er verabschiedete sich im Übrigen mit den Worten, dass wir ja noch einen Termin haben. Wir haben keinen Termin mehr, den haben wir auf nächste Woche erst später festgelegt. Die Bemerkung zielte wohl darauf, dass meine Behandlung abgeschlossen ist. Das war mir neu. Und ich frage mich ernsthaft, wie kann das sein. Kann damit zwar gut leben, da für mich der Zeitaufwand ziemlich hoch ist, aber dass die Behandlung abgeschlossen ist, ich frage mich inwiefern. 

Und die Erkenntnis reift, ich hatte Recht, es hat weder wirklich was gebracht noch hatte es irgendein Ziel. Das Ziel sollte sein, ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Schließlich bin ich auf Anraten mehrerer Personen zur Therapie gegangen. Weil man meinte, bei allem was in letzter Zeit auf mich einwirkte, wäre das ratsam.  Ich bin gespannt, wie er, wenn ich es die Äußerung richtig interpretiert habe, es mir nächste Woche verkauft. 

Auf Arbeit selbst war es wie immer. Das alltägliche Chaos. Meine jüngere Kollegin hatte Dienst und wurde von ihrer älteren Kollegin unterstützt. Ich muß sagen, ich mag die Art der Kollegin. Die Kinder haben vor ihr weitesgehend Respekt, man kann fast von einer harmonischen Atmosphäre sprechen. Bei der jüngeren Kollegin ist das ganz anders. Ich bekam von Michaela ein ziemlich großes Lob, dass ich viel besser mit den Kindern umgehen kann als Claudia, dass die Kids vor mir viel mehr Respekt haben etc. War mir gar nicht so Recht, zumal ich das kritischer betrache. Dass es Claudia nicht Recht war, muß ich nicht erwähnen. Sie fühlte sich gedemütigt, ihrem Selbstwertgefühl tat das alles andere als gut. Die Kids setzten dann später  noch eins drauf, bezweifelten ihre Fähigkeiten als Erzieherinnen und ihre hauswirtschaftlichen Fähigkeiten sowieso. Nun gut, man lernt in der Ausbildung nicht waschen und putzen. Niemand von uns ist in allem perfekt. Viele Dinge konnten wir mit 24 mit Sicherheit auch nicht. Ich nehme gerade diesen hauswirtschaftlichen Aspekt nicht so wichtig. Aber es hatte sie schon getroffen, dass die Kinder meinten, sie hätte keine Ahnung, weil sie nicht wußte, wie heiß die Jeans gewaschen werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich manchmal einfach aus Angst vor Fehlern zuviel fragt und nichts entscheidet. 

Passiert ist übrigens noch folgendes: Carsten hat nach einem Streit mit Robert in einer Tobsuchtphase das Regal des Hausaufgabenzimmers umgeschmissen. Ehrlich gesagt, war ich auch überrascht, dass dies so schnell fiel. Er wollte es mit Sicherheit nicht. Das ganze Zeug, sprich Spiele, Bücher, Zeitungen, Spielzeug und Pflanzen lag nun munter im Zimmer. Nach der Hausreinigung wohlgemerkt. Michaela war einkaufen. Claudia hat, auch wenn es arrogant und anmaßend klingt, für meine Begriffe nicht so toll reagiert. Sicher hatten beide schuld und mußten das aufräumen, dass sie die Anderen noch ein bißchen in ihrer Häme anstachelte, fand ich alles andere als okay. Mich veranlaßte das dazu, den Beiden zu helfen. Dieses Petzen finde ich sowieso furchtbar, vor allem es gibt dazu keinen Grund. Schaden haben alle anderen auch schon genug angerichtet. 

Was sagt uns das Ganze? Ich habe mal wieder den ganzen Tag geputzt. Auch wenn Martin so gut bemerkte, ich könne das so gut, weil ich das ja jeden Tag auch bei mir mache, muß ich leider sagen, meine Wohnung könnte ein Besengeschwader ganz gut vertragen.  Aber so lange ich nicht im Dreck umkomme oder so, geht es wohl noch. Oder auch nicht, egal. 

17.11.2007 um 02:19 Uhr

Ich lebe (noch)

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Schon schlimm, wenn man erst mal nachlesen muß, was man als letztes geschrieben hat. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, vor allem was war danach. Kurzzeitgedächtnis. Man gut, dass Frau keinen Beweis für ihr Tun und Handeln braucht (z. B. in Form eines Alibis).

Dabei wird mir ja immer ein gutes Gedächtnis bescheinigt. Liegt vielleicht auch an dieser bekannten Charakterschwäche, behaupte ja selbst, nachtragend zu sein. Ich kann mich immer gut an Gesagtes oder Nichtgesagtes erinnern.

Aber was passierte in den letzten Tagen? Keine Ahnung. Dabei hat Nessi noch gesagt, bei Dir passierte in den letzten 4 Wochen so viel, das würde ein Buch füllen. Kann ich dann aus allem anderen eine Serie machen?

Ein Buch füllen und eines schreiben sind zwei verschiedene Dinge. Letzters verlangt irgendwie Leser, wer will das alles schon wissen, wenn ich mich selbst kaum erinnere.

Konfuse Gedanken.

Ist aber alles wirklich egal, denn die Hauptaussage ist, ich lebe noch. Dürfte angesichts einiger Gedanken,  Vorkommnisse und Erwartungen nicht mehr so selbstverständlich sein. 

Die letzten Tage waren ohne hervorzuhebende Ereignisse, d. h. natürlich nicht, dass sie ruhig waren. Aber nach einem 13 Stunden Dienst gestern war ich zu keinen Gedankengang mehr fähig. Vorgestern war es nicht viel besser.

Fakt ist, der Dienst mit der älteren Kollegin war entspannt. Man könnte sogar behaupten, was heißt hier könnte, es hat Spaß gemacht. Meine hausfraulichen Erfahrungen (Kuchen backen, Kaffee kochen, Geb. vorbereiten etc.) wurden gefordet, und dass von der Person, die immer behauptet, diese nicht zu haben. Der Widerspruch in sich, man muß nur mal zu mir nach Hause kommen, da sieht man das alles bestätigt. Die Hausfrau hat alles andere als Zeit, Lust und Liebe nach dem Dienst noch einen Handschlag hier zu tun, sie fällt nur noch - ins Bett und das allein.  Wie es sich für die Hausfrau gehört.

Klingt das Sarkasmus durch?

Gut. Den vermisse ich ohnehin momentan. Schließlich lebe ich durch und mit meinem Humor, den ich so wenig einsetzen kann. Versteht halt keiner.

Der 13 Stunden Tag gestern war hart. Er war nicht geplant. Klar. Ich muß auch nicht rumjammern, denn alle anderen haben ja einen ähnlich langen Dienst. Ich war trotzdem total fertig. Man ist nicht mehr die Jüngste oder so.

Warum ich so lange Dienst hatte? Gute Frage - nächste. Zum einen war ja früh Teamberatung, die ich mehr oder weniger doch verpaßt habe, da ich mal wieder mit Alexis beim Kinderarzt war. Enrico hatte Geburtstag, der auch gefeiert wurde. Seine Eltern erschienen. Das lief auch ganz gut. Michaela hatte, es ist ohnehin ihr Kontaktkind, auch Dienst. Als sie verschwand, wurde es lustig. Claudia bat mich, doch so lange zu bleiben, bis Ruhe einkehrt. Das dauerte halt bis 22.00 Uhr. Es ist noch nicht ausgestanden, was ich schon lange behaupte. Und sie hat Angst. Ich kann es nach voll ziehen, sie hat mir erzählt, was dort abgelaufen ist. Ich hätte an ihrer Stelle nie wieder diese Räume betreten. Man kann da schon grausame Gedanken bekommen. Vorgefallen ist gestern abend im Grunde genommen nichts. Nur ein bißchen Gemecker und Gebrülle. Alexis hat es versucht, ist ca. 21.30 in den Toberaum gegangen, um sie zu provozieren. War aber so erstaunt, als ich aus dem Büro kam und ihn ganz freundlich auf die Nachtruhe hinwies, dass ihm erst mal die Worte fehlten.

Dany hat sich aus dem Krankenhaus gemeldet, ihr geht es gut, sie hat alles überstanden. Am Montag wird sie entlassen. Was danach folgt, ist noch nicht bekannt.

Paulchen habe ich heute angerufen. Der hatte eine Hiobsbotschaft. Er muß seine Bewährung "nachholen", sprich er muß noch einmal nach Halle. Wann und wie ist noch nicht bekannt, was das für die Therapie bedeutet ebensowenig. Ansonsten werde ich ihn am Sonntag besuchen - mit dem gewünschten Paket.

Eine Neuigkeit ist es nicht, aber ich habe mal wieder Herpes. Scheint momentan ein Dauerzustand zu sein. Aber da siehe oben momentan eh nichts läuft, kann es mir egal sein. Das Problem ist einfach wann? Ich hatte schon drüber nachgedacht, mir ein Bett dort hinzustellen. Gehe ja eh nur noch zum Schlafen nach Hause. Ändert sich erst nächste Woche, da ist planmäßig auch mal frei enthalten. Wie schön! 

 

12.11.2007 um 23:29 Uhr

Auf die Schnelle

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Ob ich das hinbekomme, weiß ich natürlich nicht. Bekanntlich geht bei mir alles schnell, nur eines nicht - das Schreiben. Nicht wegen der Fingerfertigkeit, sonderen man kommt so schnell vons Hunderste ins Tausendste. Egal.

Da ich grad mal so über den Tag nachdenke, muß ich gestehen, ich verstehe es nicht. Mir fehlt irgendwas, um es zu verstehen.  

Es war ja klar, dass der Tag nicht so reibungslos verläuft, wie man es gerne hätte. Ich hatte nicht wirklich Lust. Schon nicht heute morgen. Schlecht geschlafen ist noch untertrieben. Und die Nachteule ging 21.30 ins Bett. Hat dann auch geschlafen bis 0.30, aber danach. Naja.

Das Wetter ließ sich nicht lumpen und spiegelte meine Stimmung gleich wieder. Es regnete in Strömen. Bin mit dem Bus zu meinem Therapeuten gefahren. Was sollte es halt. Kam dort an, öffnete seine Frau und meinte: "Ach, Sie, mein Mann dachte bei dem Wetter und weil Sie sich verg. Woche nicht gefühlt hatten, erscheinen Sie heute nicht. Er ist nicht da. Aber kommen Sie rein!" Na prima, hätte ich mir also sparen können. Lange dauerte das Gespräch mit ihr nicht, im Grunde befragte sie mich nur zu Paulchen. Es gehört halt zu den Geschichten, die man doch nicht so oft hört und ist interessant. Mich wundert es nicht. Nächste Woche wird er dann da sein, sagte sie.

War noch kurz bei Nessi. Ist näher zu ihr und dann auf Arbeit. Das Wochenende war durchwachsen in Bezug auf ihre Gefühle. Man bedenke, ich bin mal wieder angerufen worden. Von Malu, hab auch eine Weile mit ihm geplauscht, schließlich ist er Soz.-Päd. Solche Dinge treiben mich im Grunde zur Weißglut, aber ich halte meine Klappe, schließlich ist das schon drei Mal ausdiskutiert worden, sie kennt meine Meinung.

Carsten kam mir unterwegs schon entgegen. Heute war ich wieder in seiner Gruppe. Ich war also pünktlich, er mußte nicht auf mich warten.  Irgendwie ist man das 5. Rad am Wagen. Beschreiben kann ich es nicht, es ist das Gefühl. Es bleibt auch so, hier liegt aber der Grund mehr darin, dass die Kids einen bewußt ignorieren. Emotinal läuft dort halt nicht viel.

Alexis kam mit meiner Erlaubnis eher von der Schule, die Schule hatte angerufen. Er fühlte sich nicht, sah auch nicht gut aus.  Essen gehen. Mittagsruhe. Hausaufgaben. Alles relativ ruhig, obwohl irgendwas in der Luft schwelte. Man bemerkte es intuitiv. Martin war sehr gereizt. 

War mit Alexis beim Kinderarzt. 2 Stunden gesessen. Ist für 2 Tage von der Schule befreit.  Als wir zurück kamen, bemerkte Alexis draußen Möbel von Martin und Glasscherben an einem Fenster der unteren Gruppe. Das war neu, ich hatte mittags mit der Kleinen noch erzählt. Er wußte gleich, dass war Martin.

Hausreinigung. Die Stimmung war irgendwie bedrückt, aber es war ruhig. Frau stand so gemütlich an der Tür, hatte Wäsche zusammen gelegt oder irgendwas in der Wäschekammer. Martin stand mit dem Besen vor mir. Und fuchtelte vor mir rum.

Wie reagierte ich? Man kann es sich denken, sehr gelassen. Es ist einfach meine Art, ich ticke nicht aus, gröle nicht rum, mache ein flapsige Bemerkung oder ignoriere es ganz. Es dauert etwas länger, bis ich heftiger reagiere. Der Zeitpunt war nicht gegeben.

Frau "Und soll ich nun zucken?" Ich zuckte nicht.

M.: "Ja, Sie sollten zucken!"

Eigentlich wäre die Situation nun beendet gewesen. Eigentlich. Meine Kollegin sah das, fragte Martin, ob das denn sein muß und dass das so nicht geht, schließlich gab es in letzer Zeit genug Vorfälle. Nahm ihm den Besen weg und fuchtelte auch. Traf ihn leicht an der Nase, entschuldigte sich auch gleich. Das wollte sie nicht, sie wollte ihm ja zeigen, dass man das selber nicht gut findet. Aber nun war es vorbei, er tickte aus. Schmiß mit Sachen rum, beschimpfte sie. Es hätte nicht viel gefehlt, sie hätte eine gefangen. Die anderen Kinder verhielten sich ruhig. Ich bin dann auch erst mal weg. Ich verstehe es einfach nicht. Mir ist dieses Verhalten eine Nummer zu hoch. Probleme mit den Eltern, klar. Verhaltensauffällig  - gut. Aber warum muß man wegen so einer Kleinigkeit so ausrasten? Irgendwann haute er ab, machte sich wohl noch am Auto der Kollegin zu schaffen. Ich sollte dann die Klinik anrufen oder die Polizei. Abwarten.

Er beruhigte sich nach einigen Malen. Angerufen wurde niemand. Es war etwas unruhig, es dauerte auch, bis alle im Bett waren. Sie hat sich bei mir bedankt, dass ich länger geblieben bin. Ich konnte ihr nicht helfen, man kann mit mir über alles reden. Aber wenn nicht zu reden ist, es tut mir leid, ich kann das Ganze nicht nachvollziehen. Ich war ihr dann wohl doch eine Hilfe, zumal ich im Falle des Falles Hilfe hätte rufen können.

Ich kann die Leute auch mit meiner Gelassenheit aus der Ruhe bringen. Das weiß ich. Der Robert machte dann noch die Bemerkung, dass ich bei all so etwas nicht reagiere. Wenn ein Zehnjähriger vor mir rumspringt und "Huch und Hach" schreit, bitte wie soll ich da reagieren. Ich reagiere gar nicht, im Zweifelsfalle halt wie oben. Ich kann doch nicht zucken, nicht ausrasten, nicht rumschreien.

Ich lebe schon lange nach der Devise: Vom Rumschreien und Aufregen gibt es graue Haare, die kriegt Frau von alleine. Außerdem steigt der Blutdruck, der ist von alleine hoch. Auf Arbeit kriegt man diesen Streß nicht mal gesondert bezahlt, also

WAS SOLL ES?

 

 

10.11.2007 um 14:10 Uhr

Am Ende des Tunnels wird es ......

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

dunkler. Ich mag den Spruch sowieso nicht. Er soll einem suggerieren, es wird irgendwann irgendwie alles besser. Selbst wenn dem so wäre, und ich sage bewußt wenn, dann bemerkt man diesen Zustand ja nicht. Ihn nimmt man für selbstverständlich. Man nimmt nur die Dinge bewußt war, die schlecht sind. Glückliche Zeiten und glückliche Umstände sind selbstverständlich. Wer beklagt sich schon über Glück und was ist das überhaupt.

Glück ist die Abwesenheit von Unglück.

Ich habe gerade eine SMS bekommen, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen geworfen hat. Geantwortet habe ich schon, über Netz, hab ja immer noch kein Guthaben auf dem Handy. Mir fehlten die Worte.

Was antwortet man schon auf:

Hallo Kleene! Alle Organe ok, rechte Brust wird abgenommen, jetzt der Hammer - in der linken Brust wurden auch kleine Unstimmigkeiten festgestellt, das wird im Dezember in Angriff genommen. Gruß Dany

Einfaches Blabla als Antwort, es wird schon. Usw. usw.

Sie hat die Nachrichte damals gut weggesteckt, sie hat die Chemo gut überstanden. Das Ziel war bis vor kurzem eine brusterhaltene Op. Alles andere war in Ordnung. Ihr Schatz hielt zu ihr. Das war ihre Hauptaussage, sie kann sich so glücklich schätzen, dass dem so ist.

Nun für mich wäre eine solche Aussage gar nicht möglich. Ich wäre davon ausgegangen, dass dem so ist. Ich hätte es wohl nie angezweifelt, ich hätte nie darüber nachgedacht, dass es auch anders sein könnte. In guten wie in schlechten Tagen.

Mir stellt sich die Frage zwar nicht. Da gibt es niemanden, der zur mir hätte halten müssen. Außer Nessi, deren Integrität ich nie anzweifeln würde.

Ich bin ganz anders als Dany. Das habe ich schon oft versucht, verständlich zu machen. Für mich wäre diese Nachricht mehr als nur der Hammer gewesen. Ich würde viel mehr über Sinn und Unsinn nachdenken. Wie sagt man so schön, ich bin viel brustfixierter. Mir ist diese Fraulichkeit sehr wichtig. Sex ohnehin. Wobei in dieser Situation wäre das vielleicht anders, dann würde vielleicht selbst ich die Lust verlieren. Oder meine angeborene, erworbene Lustbarkeit. Ich meide absichtlich das andere Wort.

Ich hab sie bewundert, dass sie das so weggesteckt. Ich hab sie nie verstanden, was ihren Schatz betrifft. Diese Kontaktanzeige nie verstanden, kein Vierteljahr nach der Trennung von Gerd. Und dieser jetzige Mann war so anders. Mir ist heute noch nicht klar, worin dieser Unterschied besteht. Was sie gesehen hat, was andere gesehen haben. Mir war dieser Typ immer irgendwie suspekt. Diese Aussage, ich halte zu ihr, diese Aussagen meine Frau und meine Tochter sind Schlampen. Dieser angeblich kontrollierte Alkohlkonsum. Der einzige Unterschied zu Gerd bestand m. E. darin, dass er arbeiten ging und noch über Führerschein und Auto verfügt. Alles andere war wohl er Schöndenken. Dany hat sich vollkommen reingesteigert in die Beziehung vom ersten Tag. Keine Zeit mehr für andere Dinge. Er hatte ein Haus in einem kleinen Kaff. Da waren sie ständig. Das Haus ist längst verkauft, er wollte und konnte es nicht mehr halten. Die Aussage war, er hat es gut gekauft, hat mehrere Tausend Euro unter der Hand bekommen. Ich zweifelte das damals Malu gegenüber an, wer kauft schon ein Haus über Marktwert. Wer zahlt mehr Geld als nötig und kann das Geld nicht mal irgendwo geltend machen? Wo ist das Geld jetzt? Vorige Woche konnte er nicht zu ihr kommen, weil er kein Geld hatte. Sie hat es nicht weiter ausgeführt, wer weiß, was da los ist. Diese Woche war keine Rede von ihm.

Beruhtigt es mich, dass ich schon vor zwei Jahren gesagt habe, das hat sicher keinen Bestand. Nein. Beruhigt es mich, dass sie nun wieder mehr Zeit für mich hätte? Wir haben früher die Wochenenden zusammen verbracht. Das lag auch an Gerd, er hatte gern Menschen um sich. Für mich hatte er im Laufe der Zeit einen Faible entwickelt, was mir nicht immer Recht war. Ich mochte ihn als Freund, aber auf keinen Fall als Liebhaber. Nach Gerd hatte sie noch mehr Zeit für mich, ich konnte die Trennung verstehen. Ich habe gesehen, dass zwischen beiden nicht viel ist. Der Alkohol, die fehlende Zuneigung, die Apathien. Was auch immer. Gerd lebt schon mehr als ein Jahr nicht mehr. Nach Ostern verg. Jahres wurde er in seiner Wohnung tot aufgefunden. Ich machte mir ein bißchen Vorwürfe, dass ich damals zu sehr mit mir beschäftigt war und mich bei ihm selten meldete. Meine Mutter hatten ihren Lebensgefährten verloren, Paulchen hatte Probleme. Ich war beschäftigt. Dany machte sich nie Vorwürfe, die Sache war für immer abgehakt.

Nun hat sie anscheinend wieder mehr Zeit. Sie ist traurig, dass ich so selten am Wochenende kann. Aber woher soll ich plötzlich wissen, dass sie mich dort haben will. Sonst hieß es immer, er kommt. Und wahrscheinlich hatte sie Angst, dass er einen ähnliches Interesse für mich entwickelte wie Gerd. Keine Ahnung. Sie kennt mich nicht sehr gut, wenn sie das jemals in Betracht gezogen hatte. Ich habe nie Trauer verspürt, habe es wahrscheinlich viel eher bemerkt als sie, dass sie keine Zeit mehr hatte. Ich habe mich schnell damit abgefunden, kann auch sehr gut mit mir alleine oder hab noch andere Interessen. Nessi kommt jetzt fast wöchentlich.

Trotzdem mache ich mir Gedanken über sie. Sie ist allein. Ihre Nachbarn sind noch da, etwas ältlich und schon langsam senil (nicht im Sinne der Krankheit, sonderen eher im Sinne der Ansichten).

Und ich mache mir Gedanken über meine Beziehung mit Nessi. Ich bin wieder mal der Ansicht, ich bin nicht gerecht zu ihr. Ich nehme sie zu sehr in Anspruch. Sie kommt natürlich gerne jedes WE, das ist keine Frage. Und auch ich habe nichts dagegen, wir haben Spaß. Sie ist auch da, wenn ich sie brauche. Wäre auch umgedreht so, sicherlich. Ich war auch bei Dany, als sie sich trennte, als sie damals wegen ihrer Galle im Krankenhaus lag. Das zeichnet Freunde aus. Aber bei Nessi ist der Gedankengang etwas anders, sie würde doch so gerne noch mehr. Und genau das ist es, was mir Angst macht. Ich suche momentan nicht DIE Beziehung. Ich habe Zweifel, dass es diese Beziehung überhaupt geben kann. Bin viel zu sehr frustriert über Beziehungen, Männer etc. Eine Beziehung mit einer Frau, das ist nicht neu, das weiß auch Nessi im Grunde, käme für mich dauerhaft nie in Frage.

Und ich frage mich immer wieder, wie soll man eigentlich den Menschen finden, für den es sich lohnt. Ich habe diesen Menschen im Grunde, ein Mensch, der mir alles geben würde, was ich möchte, der immer für mich da ist. Und ich bin nicht zufrieden, es ist der falsche Mensch, wahrscheinlich mit dem falschen Geschlecht. Wir haben den gleichen Humor, wir verstehen uns gut. Und doch gibt es ein Manko, ein großes Manko. Selbst der Sex, wenn es ihn denn mal gibt, ist gut. Aber.......

Ich möchte nicht drüber nachdenken, was wäre wenn, mir eine solche Botschaft zu gehen würde. Hätte ich dann noch Willen, weiter zu machen?

Am Sonntag geht Dany ins Krankenhaus, sie wollte sich gleich telefonisch melden, damit ich ihre Nummer habe. Lange soll der Aufenthalt nicht dauern. Nächste Woche ist auch bei mir wieder ausgeplant. Die Woche über gehe ich bis 20.00 Uhr arbeiten, am Sonntag zu Paulchen. Danach werde ich Dany besuchen und weiß immer noch nicht, was soll ich nun sagen. Vielleicht war es ja nur eine vorübergehende Unstimmigkeit mit ihrem Schatz. Die Hoffnung gibt es noch. Aber wenn nicht, ist sie am Boden zerstört. Die bösen Männer. Dabei kann man auch sagen, das falsche Beuteschema.

Wie dem auch sei, dass ich wahrscheinlich Recht hatte, befriedigt mich nicht. Dass am Ende des Tunnels bei ihr kein Licht ist, ist tragisch. Mir ist das nicht neu. Und wir hoffen mal, es wird nicht noch dunkler. Denn bisher ist man, wie man sieht, von einigem verschont geblieben, was auch so bleiben mag.

10.11.2007 um 02:27 Uhr

Statusbericht

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Man könnte es ja in kurze Worte fassen: Die Tage waren annehmbar. Die Kinder der Gruppe sind pflegeleichter als oben. Aber das wäre ja zu einfach.

Eigentlich sollte Frau die Zeit sinnvoller verbringen. Alles wäre sinnvoller als hier ins Grübeln zu verfallen. Und doch ist es manchmal recht wohltuend, das aufzuschreiben was gerade bewegend ist bzw. es nachlesen zu können.

Auch wenn die Kinder pflegeleichter sind, hat mich das Ganze nicht wirklich befriedigt. Kann nicht mal an konkreten Dingen festmachen, woran es liegen mag. Vielleicht bin ich übersensibel, allein diesen Charakterzug werden mir Dutzende Leute jetzt streitig machen.

Ich hab mich in der Gruppe nicht so ganz wohl gefühlt. Vielleicht trifft es der Ausdruck des 5 Rades am Wagen. So kommt man sich vor. Man ist da, ohne jegliche Kompetenz, ohne jegliches Einspruchsrecht und darf sich im Falle eines Falles seinen Teil denken.

Das mündet dann in solchen Aussagen wie "Wir sind hier oft empfindlicher als anderswo, bemängeln Dinge, die ansonsten nicht auffallen würden". Eine treffende Aussage, vielleicht auf Grund einer von mir ungewollten Gestik und Mimik. Ich habe keine Ahnung.

Tatsache ist das. Manchmal habe ich den Eindruck. Erzieher sein heißt auch, Macht ausüben zu können. In jeder Gruppe gibt es die Prügelknaben, die im Falle eines Falles schuldig sind. Das kennt man aus eigenem Erleben, aus seiner eigenen Jugend, aus den Beobachtungen anderer. Es ist einfach so. Irgendwer muß schuld sein. Einfach ist es, wenn von vorneherein jemand fest steht.

Was mich daran stört? Es entspricht nicht meinen Vorstellungen von Gerechtigkeit, geschweige denn irgendeiner Pädagogik.

Es ist nicht so, dass ich jemals in der Rolle des Prügelknaben war. Im Grunde kann mir dies vollkommen egal sein, es widerspricht aber halt doch meinem Gefühl von Gerechtigkeit. Und vor allem ist es so sinnlos.

Und selbst? Die Kinder sind dankbar, für jegliche Emotinalität. Wissen aber das genau für sich auszunutzen. Kleine Mädchen und Mädchen allgemein können das wahrscheinlich besser als Jungen. So sind sie ständig um einen und können damit gezielt ihren Wünschen Ausdruck verleihen. Sei es bei der Hilfe der Haushaufgaben und bei der Erfüllung ihrer täglichen Pflichten in der Wohngruppe. Erzieher sein heißt halt auch, viel zu putzen und zu waschen. Irgendwer muß es tun, die Kinder sind oft wirklich noch zu klein. Wer würde seinem 10jährigen Kind zumuten, die Wäsche zu waschen oder das Bad zu reinigen? Die kleinen Mädchen und auch die nicht mehr ganz zu kleinen nutzen den Umstand viel geschickter aus, dass man immer bereit ist, zu helfen. Warum eigentlich nicht die Jungen? Weil sie nicht so schön betteln und flehen können? Weil sie Komplimente und Liebesbekundungen nicht so gut verteilen können? Oder sind sie einfach selbständiger? Auch wenn Haushaltsarbeiten ja nicht unbedingt in das männliche Weltbild passen?!

Die Tage waren geruhsamer. Obwohl die Mädchen, das will ich damit aussagen, nerven können. Ich kann mich erinnern, dass man bei uns und vielleicht auch später, auf derartiges Verhalten gar nicht einging und schon gar nicht auf sogenanntes Petzen. Insofern habe ich die Tage viel mit derartigen Tätigkeiten verbracht, ein bißchen Hausaufgabenhilfe zwischendurch. Zugehört bei den Elterngesprächen, die Eltern dieser Kids sind z. T. ständig vor Ort. Sitzen im Büro, trinken Kaffee, erzählen und helfen ggf. ihrem Kinde bei den Pflichten. Darf ich sagen, dass ich das als nervend empfinde, diese Eltern immer vor Ort zu haben? Darf ich sagen, dass ich das Getue darum als nervend empfinde? Mir ist auch nicht ganz klar, warum um die Eltern so ein Getue gemacht wird, ich will ihnen nicht nachsagen, dass sie sich mangelhaft um ihre Kinder bemühen, das tun sie i. d. R. schon, aber manchmal merkt man schon wessen geistiges Kind der Nachwuchs ist. Klingt arrogant, ist mir bewußt. Ich betrachte die Aussage als nervend, dass die Eltern so viel anders sind als in anderen Gruppen. Mag sein. Fakt ist aber auch, dass diese aus der Region kommen und schnell mal vorbei kommen können. Ist für andere Eltern schon schwieriger, hat man mehrere Kinder in Einrichtungen über die Republik verteilt, wahrscheinlich unmöglich.

Vielleicht bin ich auch nur genervt, weil ich mir mehr als 5 Rad vorkomme. Man darf zwar zuhören, sich sein Urteil bilden, im Zweifelsfall den Kindern helfen bei ihren Aufgaben. Das wars aber. Vielleicht darf man auch die Pflegepläne der Erzieher auf Kommafehler untersuchen. Das kann man tun. Man hätte auch einiges betragen können zur Verbesserung der Stilistik oder des Aussehen des Schreiben. Hätte man, hat man aber nicht. Man drängelt sich nicht auf. Und vor allem möchte man niemandem seine Kompetenz abstreiten, dazu hat man nicht das Recht. Das 5. Rad am Wagen.

Die Kollegin vom Dienstag war dann ab Mittwoch krank. Nach dem kleinen Zusammenstoß mit dem 15jährigen Kevin wegen des Autoschlüssels war sie überfordert und reagiert mit Magenproblemen. Der Junge fand beim Telefonieren mit seinen Eltern den Autoschlüssel auf dem Schreibtisch, stellte fest, dass die Fernbedienung über die Entfernung funktioniert und probierte das unter Gejohle der 12jährigen Steffi mehrfach aus. Natürlich hat er es abgestritten, obwohl er ja mit der Fernbedienung in der Hand erwischt wurde und die Steffi sagte, dass er es getan hat. Petzen halt. Man hätte auch mich fragen können, ich war ja dabei. War selbst überrascht, dass die Fernbedienung funktionierte und habe mir aber erstens nicht so sehr viel dabei gedacht und zweitens ihn schon mal gebeten, es doch sein zu lassen. Den Vorfall find ich nicht so spektakulär, dass man ihn überbewerten müßte. Dass der Junge fortgelaufen ist, seine Mutter Krach geschlagen hat, ändert daran nicht viel. Schließlich stand er nur vor der Tür, kam als gleich wieder. Man muß sich dann auch nicht bei dem Jungen entschuldigen, falls er es doch nicht war. Bitte?!

In der anderen Gruppe kam es dann am Montag abend, als ich schon zu Hause war, zu der schon lange vorhergesagten Eskalation. Die junge Kollegin hatte Dienst und eine Praktikantin. Drei der Jungens sind völlig ausgetickt, haben Carsten mit dem Messer bedroht, sahen das als Spaß an. Die junge Kollegin war überfordert, holte den Erzieher von unten zur Hilfe. Im Nachhinein hat sie die Dinge beschönigt, so schlimm war es ja nicht. Es stimmt natürlich, mit den Messern kann man wirklich keinem was tun. Mit den Dingern kann man bis nach Rom reiten und zurück, man holt sich maximal eine Blutvergiftung. Die ganze Sache ist noch nicht ausgestanden. Sanktioniert wurde m. E. nicht, Krisensitzungen gab es. Mit den Kids wurde gesprochen. Die junge Kollegin, so erfuhr ich heute, macht in den nächsten 14 Tagen wieder mit den anderen Dienst. Eine Lösung wird das wohl nicht darstellen, dessen ist man sich bewußt. Die ganze Sache ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Es steckt schon viel Aggressions- und kriminelles Potential in Jungen, die einfach mal so jemandem mit dem Messer bedrohen, der nur schlafen will. Dass sie nichts getan haben, sprich nichts passiert ist und irgendwann ihren Fehler eingestanden haben, ändert daran wohl nicht viel.

Mittwoch abend hatte mich Harry auf Arbeit erreicht, leider hatte ich keine Zeit. Am Donnerstag bekam ich dann eine SMS von Roland, er wolle mich gegen Abend besuchen. Ich wurde sogar nach Hause geschickt, natürlich hab ich nicht gefragt, hab nur die SMS gelesen und für mich kommentiert, das geht leider nicht. Mein Kollege sagte gleich: "Da fragt wohl jemand, ob Sie heeme (ich hasse diesen Ausdruck) sind. Ich wollte Ihnen ohnehin den Vorschlag machen, dass Sie jetzt ins Wochenende starten können. Die Kinder sind nicht da, erscheinen erst nach 18.00 Uhr. Es wird nicht mehr viel passieren." Ich hatte nichts dagegen. Roland erschien dann nicht, aber nur weil ich zu dämlich war, ihm über das Netz eine SMS zu senden. Ich hab mein Handy immer noch nicht aufgeladen. Die SMS ist wohl in den SMS-Nirvana-Himmel gelandet, es fehlte eine Ziffer, bemerkte es zu spät.

Auch heute hatte ich frei. Hab mein Geld geholt. Dort noch die Steffi getroffen, die sich im Übrigen eine Kreuz-Kette von ihrem Taschengeld für 3 Euro gekauft hat. Ich trage bekanntlich eine goldene Kette um den Hals mit Kreuz. Wäre jetzt eine längere Geschichte, hab aber den Eindruck, sie ist etwas fixiert auf mich und überhaupt auf Frauen. Für eine sexuelle Orientierung ist es wohl zu früh, dürfte aber auf Frauen hinauslaufen. Sollte mich schwer wundern, wennn ich mich irren würde. Mein Mann hat auch angerufen, war aber ganz gelassen am Telefon, wollte nur etwas wissen. Paulchen hab ich angerufen, wollte eigentlich wissen, wann wir uns sehen. Nach langem Hin und Her möchte er dann doch nächste Woche Besuch haben und seine Anlage. Damit hat sich die oben erwähnte Handykarte wieder erledigt, schließlich kommen zu der Anlage noch einige andere Wünsche. Wie immer halt. Sie sahen dort gerade "Hostel", eine Filmempfehlung meinerseits übrigens. Waren vollkommen begeistert. Mir war das schon vorher klar. Mir gefiel der Film ja auch, was mir von Nessi wieder die Bemerkung einbrachte, ob ich mir denn immer so etwas Blutrünstiges ansehen müßte.

Und dann fällt mir noch etwas ein. Gestern nacht verbrachte ich mal im Messi. Mit Schumi gechattet und telefoniert, der nur im Messi war, weil er sich Sorgen wegen einer seiner Chatbekannten aus NRW machte, die er lange nicht online gesehen hat. Schließlich kennt er ihre ganze Lebensgeschichte (meine kannte er nie), sie hatte in letzter Zeit viel Pech mit Männern. Na toll, wann macht man sich mal Sorgen um mich?! Um mich macht man sich ja keine Sorgen, weil ich ja vorsichtig bin, mich nicht mit zweifelhaften Typen einlassen würde usw. Mal so zu Anmerkung, mein Lieber, ich lasse mich momentan auf niemanden ein, sie sind alle verheiratet. Sollte doch auch irgendwie zu denken geben oder?

06.11.2007 um 01:16 Uhr

Chaosline

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Schön wäre es ja, die Zeit würde immer so schnell vergehen. Vor allem, wenn man vor diesem Dinge hier sitzt. Habe ich alles erledigt, was ich hier tun wollte? Nein. Hatte ich vor, zeitiger ins Bett zu gehen? Ja. Wird dann wohl nichts werden.

Wo war ich die letzten Tage? Ja, die Chaosline, ich werde wohl mein Weblog umtaufen, passt irgendwie besser, hatte so ihr eigenes Chaos, wie immer also. Nicht, dass ich chaotisch als negativ bewerte. Nein, diese Eigenschaft ist bei mir durchaus positiv besetzt. Wie könnte es auch anders sein. Wer sagt schon schlechtes über sich - bewußt jedenfalls. Chaos ist immer gut, konstruktives Chaos. Menschen, die sich drei mal im Kreis drehen, Chaos verbreiten und so beschäftigt sind, gehören für mich eher zum destruktiven Part. Aber das nur am Rande.

Mein Chaos fing schon vergangene Woche an. Ich taufte mal wieder meine Tastatur, was der so gar nicht gut bekommen ist. Freitag sagte sie dann keinen Ton, nicht mal Anton wie man so schön sagt. Prima. Sie hat dann genau ein Jahr gehalten. Sollte mir mal ein paar Tastaturen auf Vorrat hinlegen, gebrauchen kann ich die mit Sicherheit. Bei Mäusen ist es ähnlich. Wobei hier hab ich schon eine auf Vorrat.

Und wenn man dann so eine Tastatur kaufen will, notgedrungen, man könnt sich ja sonst nichts, gibt es natürlich nichts Preiswertes. Am besten so für drei Euro fünfzig.

Aber was solls, wenn es dann nicht so ganz preiswert geht, geht auch der mittlere Preis. Teuer muß nicht sein, schließlich brauch ich spätestens in einem Jahr wieder eine. Vorausgesetzt der Rechner mag so lange, jedenfalls hab ich für den neuen Rechner nun schon eine neue Tastatur. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Ansonsten gab es noch mehr Chaos, was aber weniger mit dem Rechner zu tun hat als vie mehr mit mir und meiner Wohnung. Das nur am Rande, damit jeder weiß, chaotisch war es überhaupt. Ich hab mich dran gewöhnt und alle anderen müssen es dann zwangsläufig auch.

Erkältet war ich auch. Habe mich dann am gestrigen Tag mehr im Bett und auf der Couch aufgehalten. Mir war ja bewußt, heute mußte ich fit sein. Arzttermin hab ich heute morgen abgesagt, mein Therapeut hörte schon am Klang meiner Stimme, mir ging es gar nicht gut. Die OB-Stichwahl fiel für mich auch aus. Meine Stimme fehlte nicht, im Gegenteil. Gingen noch weniger zur Wahl als beim letzten Mal. Werden wohl nicht alle krank gewesen sein.  Nun hat unsere wunderschöne Stadt einen neuen OB, im Februar tritt er wohl seinen Dienst an. War eh nicht glücklich über die Stichwahl, hatte mich aber dann durchgerungen, unseren ehemaligen Landrat zu wählen. Die Alternative war für mich noch schlimmer, sahen die anderen Wähler ganz anders. Stelle hiermit also fest, ich wollte diesen OB nicht. Ist Teil der Demokratie, kann man so sagen.

Erfreulich für mich die Tatsache, dass meine Internetabstinenz bemerkt wurde. Ich erhielt tatsächlich am Freitag und Samstag einige Anrufe. Michel, meine Schweizer-Internetliebe, hat mich vermißt. Ist das nicht schön?! Es klingt nur ein bißchen sarkastisch, gefreut habe ich mich trotzdem. Ein langjähriger Chatfreund hat auch angerufen. Langjährig stimmt nur insofern, dass wir gut zwei Jahre keinen Kontakt hatten. Er hatte zwischenzeitlich eine Freundin. Sogar Harry hat sich gemeldet. Habe ich eigentlich erwähnt, dass er momentan für uns nach dem Dreier sucht? Glaub nicht, bin aber gespannt, was da rauskommt.

Donnerstag und Freitag hatte ich frei. Brauchte ich dringend. Ich war nach diesen Diensten wirklich vollkommen erledigt. War am Donnerstag sogar in der Stadt. Nach einem kurzen Besuch bei Rossmann und bei Aldi hat es mir aber gereicht. Von Shoppingtour also weit entfernt. Bei Aldi war ich immer geneigt, die Luft an zu halten. Es roch dort nicht angenehm. Dafür hab ich Donnerstag abend den Club besucht, die Jugend des Clubs hatte sich verzogen und die beiden Angestellten und ich konnten uns gemütlich unterhalten. Es gab Bowle (der Alkoholgehalt war mehr als gering).

Samstag hab ich seit langem mal wieder Paulchen besucht. Es geht im gut. Wir haben gemütlich im Besucherraum gesessen, es gab Kaffee und Kuchen und über Gott und die Welt geplauscht. Er wird in diesem Gebäude nur noch diesen Monat sein, sie ziehen um in das neu erbaute Objekt, das im November eröffnet wird. Bemerkenswert die Tatsache, dass man sich das wohl jetzt erst überlegt hat. Erinnere ich mich doch noch an ein Gespräch mit einem Pfleger, der mir sagte, sie hätten kein Personal für das Objekt. Scheint ja nun kein Problem zu sein, wenn eine ganze Station verlegt wird. Was habe ich Neues erfahren? Dass dortige Pfleger nicht unbedingt von Berufs wegen Pfleger sein müssen. Manche sind auch aus ganz anderen Branchen, Maurer, Schlosser, Gerüstbauer, was auch immer. Man staune, mal wieder. Eingeschränkt sind diese Pfleger dann in ihrer Kompetenz, dürfen beispielsweise keine Medikamente ausgeben.

Der heutige Dienst war eine Erholung zu den in den vergangenen Tagen. Ich war ja in einer anderen Gruppe. Die Kinder sind dort etwas pflegeleichter. Es ist eine gemischte Truppe, sprich Mädchen und Jungen. Das Alter ist auch hier so zwischen 9 und 15. Viel lag heute nicht an. Sauber machen wie immer. Die Tagesstruktur ist ähnlich wie in der anderen Kindergruppe, nur dass diese Kinder jede Woche nach Hause fahren. Sie sind auch alle aus der Region. Der Erzieher war recht locker. Erzieher ist auch übertrieben, denn er hat auch keinen Berufsabschluß als Erzieher. Ist Maurer und macht ab nächstes Jahr berufsbegleitend seinen Abschluß als Erzieher. Sein Auftretem mir gegenüber hat sich erst gelockert, als ich ihm eine Hausaufgabenfrage eines der Kids beantwortet habe. Wie heißt die Befehlsform auf latainisch, endet auf iv? - Imperativ. Hat vielleicht gedacht... Nein, diesen Satz verschluck ich jetzt mal. Fakt ist, er hat mich am Abend gefragt, ob ich Ahnung vom PC habe und schreiben kann - so richtig mit 10 Fingern. Ja, das kann ich gerade noch so.

Ahnung vom PC und vor allem mit dem PC? Da hatte ich doch vergangene Woche so die Idee, machst mal eine Excel-Tabelle über Deine Stunden. Sah mir am Dienstplan alles so chaotisch aus, die Zahlen meiner Minus- und Plusstunden erschienen mir astronomisch. Leicht gesagt und dann kam der Schock, ich wußte schon, dass man die Uhrzeiten addieren und subtrahieren kann. Hab ich schon gemacht, es mußte gehen. Nur wie? Nessi und ich sind dann dahinter gekommen. Es gibt eine Funktion. Die Funktion ist noch nicht ausgegoren, denn leider rechnet sie keine halben Stunden?! Noch eine kleine Wenn-Funktion einbauen? Es nervt tierisch, dass man da nicht auf Anhieb drauf gekommen ist. Aber man macht halt so wenig Excel-Tabellen zu Hause.  Und dabei hätte es Zeiten gegeben, da hätte man nicht mal überlegen müssen. Es tröstet mich nur wenig, dass es viele auch nicht können. Und viele sind davon berufstätig. 

Das Leben ist hart, aber ungerecht. 

 

01.11.2007 um 00:55 Uhr

Sozialer Brennpunkt?

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Beim Lesen hier fällt mir mal wieder auf, dass oft von sozialen Brennpunkten gesprochen wird, vom Teuro, von Inflation. Ich kann das schon nachempfinden. Bemerke nur für mich nicht selten, dass  dies nur einen Bruchteil der Bürger betrifft. Man schließt nur allzu leicht von sich auf andere. Es gibt noch immer Leute, die sich nicht als sozialen Brennpunkt sehen, die noch nie etwas von derartigem gehört haben (wollen) und die immer noch sehr gut mit ihrem Einkommen auskommen, am Ende des Monats ist Geld über, nicht umgedreht. Fraglich ist, ob diese Menschen es nun nicht sehen, weil sie das Problem nicht kennen oder einfach nicht sehen wollen, es ignorieren.

Zurück zum wirklichen Brennpunkt, meinem Brennpunkt und einem Brennpunkt der Gesellschaft, der mich erschreckt. Von dem ich wahrscheinlich auch nicht geglaubt hätte, dass es ihn gibt. Dass es ihn so gibt.

Wie stellt man es sich in einer geschlossenen Anstalt vor? Wie stellt es man sich in Heimen vor? Wie stellt man es sich  in "gestörten" Familien vor? Kaum jemand macht sich darüber Gedanken, es sei denn, man ist irgendwie involviert.  Ich habe auch keine Vorstellungen. Darüber Gedanken mach ich mir momentan.

Wenn jetzt jemand denkt, der Dienst heute war schlimmer als die letzten, der irrt. Es war, im Grunde mal wieder, der normale Wahnsinn. Begonnen wurde der Dienst mit dem Mittagessen, denn das war 12.00 Uhr schon fertig. Danach Mittagsruhe. Geplant hatte die Kollegin gar nichts, 17.00 Uhr sollte es Abendessen geben, danach Umzug.  Zwischendurch die üblichen Pflichten der Kids. Das war wohl etwas wenig für einen Nachmittag. Langeweile kam auf. Die Kids wußten nichts miteinander anzufangen, allein beschäftigen können die sich nicht. Die Lautstärke war nicht gerade angemessen, was mich nervte. Kopfschmerzen und dann nervt es noch mehr. Kleine und größere Streitereien der Kids. Und was mich am allermeisten nervt, meine Kollegin sitzt am Rechner und surft mit zwei ihrer Lieblinge im Netz. Sie suchen eine Anlage. Mal abgesehen davon, dass die Kids nur im Ausnahmefall im Büro etwas zu suchen haben, ist das für den Rest nicht gerade gerecht.

Die Krönung für mich war, dass sich erst Carsten und Robert prügelten, die ich kaum auseinanderbekam.  Ein anderer Junge (Andy) griff freundlicherweise für mich ein. Bei den anschließenden Reinigungsarbeiten durfte ich mir dann von einem der o. g. Lieblinge anhören, gesaugt wird mittwochs im Wohnzimmer nicht, auch wenn dort alles voll Chips liegt, das sieht er gar nicht ein. Nur montags wird die Couchgarnitur abgesaugt.  Er machte den Staubsauger aus. Ich wollte im Übrigen dort die Couchgarnitur absaugen. Mach ich mich damit rum? Sehe ich gar nicht ein, Staubsauger eingepackt und fertig.

Abendessen, Umzug mit den Kids zu Halloween. Nach langen Diskussionen zogen dann drei (davon die oben erwähnten Martin und Alexis und noch Andy) los und die anderen drei mit  uns, die machten übrigens ganz gute Geschäfte. Die Rucksäcke füllten sich. Es dauerte nicht lange, da tauchten die anderen drei auf und waren neidisch. Es kam, wie es kommen mußte, es wurde versucht, den drei Jüngeren das Zeug zu entreißen. Kleine Prügeleien. Eingriffe. Wir trugen die Rucksäcke, zogen wieder allein los, wurden verfolgt und Diskussionen. Meine Kollegin wurde schon hektisch, konnte nicht verstehen, dass "ihr" Alexis ihr sowas antut. Tat er aber, wundert mich irgendwie nicht. Der Martin, ein 13Jähriger Junge, ca. 70 kg schwer, viel größer als ich, war wohl auch schon ein Jahr in der geschlossenen Anstalt,  läßt sich gern von ihm beeinflussen, beeinflußt ihn wiederrum, sie wollen beide cool und die Stärkeren sein. Ist das nicht schön?! Fakt ist, meine Kollegin bat mich, aus Angst, dass noch mehr passiert, doch bis 21.00 Uhr im Dienst zu bleiben, falls es eskaliert. Wir könnten beide, würde es jemals dazu kommen, nicht viel tun. Ich frage mich, wer es könnte. Das SEK der Polizei?! Irgendwann entschuldigten sie sich, alles war wieder gut. Dass sie von ihrem Alexis als bekloppt beschimpft wurde, tat gar nichts. Ich würde mich auch nicht daran stören, nach dem Motto nicht jeder kann mich beleidigen. Wenn man versteht, was ich damit sagen will. Er hatte mit einem Teil seiner Beschuldigungen gar nicht Unrecht, sie hat wirklich mit mir geflüstert, weil sie Angst hatte. Konnte sie ihm so aber nicht sagen. Im Gegenteil ich soll ihm sagen, wir hätten uns privat unterhalten. Hab ich gesagt blonde Tussi? Das hab ich schon vor einigen Tagen. Und genauso ist es. Es gefällt ihr wohl irgendwie, dass sie von allen so lieb und nett angemacht wird, die liebe kleine Frau und noch ein Bonbon für sie. Im Gegenzug darf man sie dann halt auch mal bekloppt nennen und das Gegenteil von dem machen, was man ihr versprochen hat. "Das könnt ihr mir doch nicht antun?!" 

Irgendwann eskaliert es wirklich. Das muß es einfach. Wenn nicht klare Strukturen gesetzt werden, wird es eskalieren. Es sind Kinder, man kann doch nicht jetzt schon kapitulieren.  Das Schlimme ist, dass dort wirklich nicht viel ist. Wenn es auch hart klingt, es fehlt am Intellekt. Das Einzigste, was sie gut können, sind versaute Sprüche, Prügeleien. Dass Kinder, das Wort Dildo kennen und in den Mund nehmen, wird mir immer unverständlich bleiben. (Anmerkung: Ich halte Dildos nicht für versaut. Ich bin auch der Meinung, dass Kinder aufgeklärt werden sollten. Ob Dildos bei 10Jährigen schon dazugehören, ist fraglich, aber wenn dann doch als ganz normales Sex-Toy, was es auch ist.) Die restlichen Wörter kann ich nicht wiedergeben, die gehören nicht zu meinem Jargon (evtl. zum Dirty-Talk bei Sexspielen). 

Dass es irgendwann eskaliert, hab ich ihr auch gesagt. So ganz ruhig kann ich mir das dann doch nicht ansehen. Wie weit ich es mir noch ansehen kann, ohne mit anderen darüber zu reden, muß ich noch entscheiden. Ich kann und will mir nicht nach ein paar Tagen schon so ein Bild machen, vielleicht ändert es sich ja noch. Um es klar zu sagen, auch bei anderen Kollegen kommt es zu Konflikten. Nicht umsonst sind auch einige Türen etc. kaputt! Natürlich hab ich mit Nessi darüber gesprochen, die ja auch Erzieherin ist. Allerdings ist sie mir gegenüber etwas befangen oder?! Sie gibt mir natürlich Recht, sie hat sicher auch Recht, dass das Verhalten nicht korrekt ist.  

Und ich frage mich immer wieder: Wie sind die so geworden? Wer oder was ist schuld? 5 der 6 Kinder nehmen starke Medikamente. Wie wäre es ohne diese? Fast alle waren schon länger in Kliniken. Bei einem gestrigen Spiel der Kids wurde mir deutlich, dass sie alle wissen, wie Zwangsjacken funktionieren, wie Patienten, die ausrasten, still gestellt werden. Schon das Spiel fand ich erschreckend.  

Es beruhigte sich alles wieder. Die Kids gingen "nach Hause", teilten ihre Süßigkeiten untereinander auf, aßen viel, duschten und gingen so langsam ins Bett.  21.00 Uhr machte ich Feierabend.

Zu Hause dann, auch das mußte so sein, ein Anruf von Paulchen auf dem AB, ich solle mich dringend melden. Bis 21.00 Uhr kann man anrufen.  Ich tat es dann trotzdem, fragte wenigstens die Schwester, ob was Wichtiges wäre. Sie verneinte. Mal sehen, was dort anliegt!