Plateforme

30.01.2008 um 00:30 Uhr

Mutter

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Müde bin ich. Eigentlich wollte ich gar nicht schreiben, aber so beim Lesen einiger Dinge überkam es mich doch.

Natürlich nervt Blogigo. Mich auch manchmal. Bin davon überzeugt, dass es woanders nicht viel besser ist. Fehler gibt es überall. Die Schlichtheit macht es hier. Es ist ein Kommen und Gehen in solchen Momenten. Oft liest man es. Ich muss gestehen, ich fühle mich davon selten berührt. Warum auch? Die Distanz zwischen virtuell und real klingt halt grad noch so. Aber was mich wirklich schon oft genervt hat, sind diese Verabschiedungen, vorzugweise ausgesprochen (Klischee) von Männern, die zu gerne hören wollen, bitte bleib. Ich hab das schon dutzendfach erlebt, als dass ich mich darüber noch wundern würde. Ich nehme es mittlerweile einfach so hin. Hat schon manchen erstaunt. Mich manchmal sogar selbst. Manchmal ereignet sich dann ganz was Wundersames, nach kurzer Kontaktstille kehrt er zurück. Auch wenn man gar nichts gesagt hat, schon gar nicht, bitte bleib! Manchmal ist das Leben schon eigenartig. Manchmal soll man genau das aussprechen, manchmal ist es aber richtiger, man spricht es nicht aus. Man macht eher das Gegenteil. Besonders, wenn die Spanne zwischen virtuell und real nahtlos ist.

Hier stand gerade in einem Kommentar, ich soll es nicht so nah an mich herankommen lassen. Stimmt, momentan berührt mich etwas ziemlich. Auch das ist insofern eigenartig, als dass mir mein Ex-Therapeut doch immer gesagt hat, ich würde sehr sachlich über mich sprechen. Bin ich dann doch emotionaler als ich mir zugestehen will?

Ja, es berührt mich etwas. Womit ich gar nicht so einfach umgehen kann. Ausgelebte Aggressionen und Gewalt sind wirklich kein Mittel. Ich kann damit auch wenig umgehen. Ich habe es schon mal geäußert, ich hab einfach nur Angst (das Wort ist hart, aber richtig) um meine eigene Haut. Angst haben vor Kindern, die gerade mal 13 sind, ist schon eine Erfahrung, die man nicht machen möchte. Und doch ist es genau an dem. Man wird als Außenstehender nie verstehen, wie eine Frau, die 30 Jahre älter ist als die Kinder, vor diesen z. T. Angst hat. Und alle Angst hin und her, genau das ist paradox, es ist mehr als nur widersprüchlich, es ist nicht zu verstehen, mag ich genau diesen Jungen, von dem die größte Gewaltbereitschaft ausgeht. Weil er natürlich nicht nur gewalttätig ist, weil er auch ganz anders sein kann. Weil ich seine Aggression auch verstehe. Ich habe den Brief der Mutter gelesen und die Frau, die von sich behauptet, relativ gelassen und rational zu sein, standen die Tränen in den Augen. Sicher kann ich die Frau ein Stück weit verstehen. Sie wurde von ihrem Sohn beschlagen. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Ich will es gar nicht wissen. Aber diese Geschichte hat auch eine Vorgeschichte, die man gar nicht genau kennt. Die vielleicht in Gewalt gegen das Kind, gegen den ungeliebten Stiefvater, gegen das Abschieben zu suchen ist. Keine Ahnung! Aber wenn eine Mutter schreibt: Lebe Dein Leben. Ich habe damit nichts zu tun. Ich will Dich nie wieder sehen. Das ist hart. Es waren keine Worte, ausgesprochen in Wut. Es war ein Brief, ein Brief, an dem man überlegt. Tagelang, stundenslang.

Auch heute war es grenzwertig. Nach einem relativ ruhigen Nachmittag und Abend kam es abends fast noch zum Eklat. Dieser Junge, der mich den halben Tag geneckt, gezergelt und umarmt hat, der die Nähe sucht und doch damit nicht umgehen kann. Der keine Forderungen akzeptiert und keine Regeln. Ja, er mußte noch kurz zeigen, dass er es nicht tut. Dass er Krawall machen kann. Es wurde gehändelt. Er ging irgendwann ins Bett. Nach dem er mir noch mal gesagt hat, es liebt ihn ja keiner. Seiner Mutter ist er egal. Was soll man dazu sagen? Nein, er geht nächste Woche aus der Gruppe. Ich weiß, es geht nicht anders, er benutzt die jüngeren Kinder als Ventil. Er geht in eine Jugendgruppe, in der er die Nähe und die Beziehung zu Erwachsenen nie haben wird. Es ist traurig und wenn ich sein Zimmer ansehe, bei dem ich geneigt bin, es zu entrümpeln, weiß ich, wie die Seele aussieht. Ich werde es nicht entrümpeln, aber nur, weil er genau das nicht will. Seine persönliche Freiheit.

Heute hat er mir gesagt, er wird irgendwann Drogen nehmen. Zu diesem Thema könnte ich sehr viel sagen. Nein, ich habe mein Privatleben nicht offen gemacht. Es weiß niemand, dass ich einen drogensüchtigen Sohn habe. Ich habe aber gesagt, dass ich zu diesem Thema sehr viel sagen könnte, wenn er es möchte.

Und ob es nun jemand glaubt oder nicht. Am wenigsten wird es mein Sohn glauben, ich denke immer noch darüber nach, was war falsch. Ich weiß, er sagt, ich habe nichts falsch gemacht. Er weiß was er an mir hat. Ich war nie diese Mutter wie oben. Beispiele dafür könnte ich noch ein paar bringen.

Mutter ist man immer. Zu einer Mutter kann man immer kommen. Eine Mutter ist immer für einen da. Was beinhalten diese Sätze? Wann endet das? Und vor allem wann denken Mütter nicht so? Gibt es diese sprichwörtlichen Rabenmütter? Wann, wodurch, warum?

29.01.2008 um 00:12 Uhr

Es lebt!

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Blogigio lebt. Welch eine Freude! Einem erfahrenen Lycosuser kann zwar nichts erschüttern, die Spielchen sind diesem ja alle hinlänglich bekannt. Es war schon immer so, wenn man unbedingt will, will Lycos gerade nicht und Blogigo ist da nicht anders. Also was soll, bis zum nächsten Crash wird schon alles irgendwie gehen - wie im normalen Leben. Da sage noch einer mal, die virtuelle Welt unterscheidet sich von der realen. Nix ist!

Was gestern wichtig war, ist heute unwichtig. Auch gut. So fällt mir von dem, was ich gestern unbedingt los werden wollte, auch rein gar nichts mehr ein. Erledigt. Abgehakt. Nachrichten von gestern haben keinen Unterhaltungswert.

Gibt es was Neues? Ich denke darüber nach und gestehe nicht wirklich. Die Erde dreht sich noch.  

Der Dienst heute war hart. Aber vor allem deswegen, weil mich eines genervt hat: Die Erzieherin. Gab es nicht mal so einen Spruch, wer schreit hat Unrecht. Paßt irgendwie. Und die kleinen Monster profilieren sich gekonnt vor der jungen, attraktiven Frau. Klingt das jetzt resignierend, weil sie es vor mir nicht tun? Vielleicht?! Aber wenn an dem vielleicht auch was ist, es nervt, es nervt, es nervt tierisch.  Eines ist sicher, sie werden es auch demnächst wieder tun. Da bleibt die Hoffnung auf die älteren Semester, da muß sich niemand profilieren. Am wenigsten die Damen und Herren  selbst. Wir haben das nicht nötig. Oder?

19.01.2008 um 00:45 Uhr

Der freie Tag

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Habe hier gerade ein bißchen quer gelesen. Von Zeit zu Zeit mache ich das. Es ist schon eigenartig, wenn manche meinen, vieles sei langweilig. Es ist immer wieder dasselbe, wovon der Betreffende berichtet. Das stimmt mit Sicherheit, wenn ich mein Geschriebenes im Nachhinein betrachte, es ist wirklich immer der gleiche Mist. Berichte über meinen Sohn, meine Mutter, meine Freundinnen, Nessi, meinen stressigen "Job". Dabei ist es alles andere als langweilig, auch wenn es für die Leser so rüberkommt. Die Zeit zum Ausschmücken, zum Belegen mit Beispielen fehlt mir. Und im Grunde ist es dann auch wieder das Gleiche. Auch ich habe vor Wochen meine Favoriten ausgemistet und lese nur noch die, die mir wirklich am Herzen liegen. Favoriten, die nicht zu überladen sind, die interessant geschrieben sind. Was interessant ist, ist eh subjektiv. Mir fehlt momentan die Zeit, um ausführlicher zu lesen oder auch zu schreiben. Zumal ich feststellen mußte, meine Beiträge hätten editiert werden müssen. Selbst das wurde unterlassen, der Rechner ratterte beim Schreiben wie verrückt, mir war es egal, Hauptsache es ist so ungefähr zu verstehen.

Wie ich gestern schon vermutete, eine Erkältung ist im Anmarsch. Die Nacht war nicht gerade ruhig, ein Reizhusten plagte mich. Die Nächte vorher war ja nur der Hals etwas dick, die Nase etwas zu. Alles im Rahmen des Erträglichen.  Da hat man frei, könnte schlafen und kann es nicht. Das ist wirklich gemein.

Wie dem auch sein, irgendwann mußte ich aufstehen, um mein wöchentliches Gehalt abzuholen. Bevor jemand nachfragt, die Schubkarre nehme ich mit. Man könnte es sonst nicht tragen. Ursprünglich hatte ich vor, mal in die Gruppe rein zu schauen. Neuigkeiten erfahren, ob sich der Dienstplan verändert hat, wer die Stunden heute von 11 - 13.00 Uhr übernommen hat, denn schließlich hatte ich frei und Anke Urlaub. Aber ehrlich gesagt, war ich zu bequem, zwischen Waschmaschine, Spülmaschine fertig machen, verging die Zeit so schnell, dass ich gerade so bis zur Schließung der Verwaltung dort aufschlug. Danach hab ich mein wöchentliches Gehalt gleich umgesetzt und Medikamente gekauft. Prima. Im Supermarkt traf ich dann noch meine Uralt-Affäre, Bernd. Ihm geht es gut, er hat sich nicht verändert. Er lebt wohl in Scheidung, hat aber eine Neue. Eine Bulle, sozusagen das Wochenend-Elexier, war auch im Korb. Wie gesagt, keine Veränderungen. Angeblich war ihm auch ganz neu, wo ich jetzt wohne. Und da er es jetzt weiß, wird er demnächst mal klingeln. Vorstellen kann ich mir das, schließlich hat er im vergangenen Jahr mehrmals versucht, mit mir Kontakt auf zu nehmen. Ist aber an meinem Sohn am Telefon gescheitert. Böse war ich nicht. Manche Dinge muß man nicht wieder aufleben lassen, auch wenn das Sexualleben momentan nicht gerade rosig aussieht. Und wenn er jetzt klingelt, werde ich wohl  nicht zu Hause sein, schließlich bin ich mehr auf Arbeit als hier. Ist also nicht mal böser Wille oder so. 

Gegen 3 traf Peti zum Kaffeeklatsch ein. Manches ist einfach nur schön. Mit manchen Leuten ist man einfach auf einer Wellenlänge, auch wenn das selten ist. Manche Leute sind einfach so wertvoll, dass auch wenn man sich selten sieht, über manche Dinge kann man nur mit einem Menschen reden. 

Peti ist übrigens auch Erzieherin. Ich kenne einfach zu viele davon. Sie arbeitet bekanntlich in einem integrativen Kindergarten und kennt die Klientel der Kinder. Die Kinder, die jetzt bei ihr in der Gruppe sind, werden irgendwann mal in ähnlichen Einrichtungen wie die unsere sein. Nur, dass diese halt erst 5 Jahre ca. sind und man denen noch körperlich überlegen ist. Das Grundprinzip ist aber identisch.

Was sie mir noch sagte, hat mich etwas betroffen gemacht. Zwischen den Jahren waren sie in einer depressiven Phase und hätte sich jemanden gewünscht, der sie auffängt. Mann oder Frau. An mich hat sie wohl nicht gedacht, weil sie wohl der Meinung war, mir könne es ähnlich gehen. Dabei war ich ja Weihnachten mehr oder weniger in Hochform, was meine Stimmung betraf. Ich kann ihre Depression gut nach voll ziehen, auch ich kenn dieses, man liebt die Unabhängigkeit und fragt sich doch, ob es nicht einen Menschen gibt, mit dem man zu zweit unabhängig ist. Viele verstehen das nicht, diese Gefühlschwankung. Ich schon. Das ist ihr auch bewußt. Und doch hat sie es nicht geschafft, sich nicht getraut, das Telefon zu nehmen oder sich ins Auto zu setzen. Und ich hab gedacht, sie ist so beschäftigt.

Ich weiß, dass das jetzt etwas ungerecht klingt, für Peti hätte ich Zeit gehabt, für Dany hatte ich keine. Manche Dinge kann man nicht erklären, manche Dinge sind so, wie sie sind. Manche Personen sind einem wichtiger als andere, manche versteht man einfach besser. Manchen fühlt man sich näher.  Und genau diese Aussage müßte ich Peti nicht erkären, sie würde sie verstehen. Genau das ist der Unterschied!

18.01.2008 um 01:06 Uhr

Änderungen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Als erstes stelle ich fest, mir schmecken momentan die Zigaretten nicht. Ist das nun ein Zeichen, dass man endlich aufhören - so ganz glaube ich das nicht - oder ist dann doch irgendwie eine Erkältung zu erwarten. Bis jetzt habe ich sie ja erfolgreich bekämpft, könnte das so gar nicht gebrauchen. Man wird sehen.

Die Woche ist geschafft. Klar, morgen ist Freitag. Aber ich habe frei. Verdient sozusagen. Ehrlich gesagt, freue ich mich auf die paar freien Tage immer sehr. Auch wenn mir im Grunde dienstgradmäßig in diesem zwei Monat zustehen würden, die sogenannten X-Tage. Genommen habe ich sie nie.

Wie schon erwähnt, es war ganz erträglich. Fast wie Urlaub. Die Kids in der 5-Tages-Gruppe sind wirklich pflegeleichter, weniger aggressiv, weniger brutal. Natürlich ist dort auch nicht Eitel-Sonnenschein, gibt ja einen Grund warum die Kids dort sind, aber wenn man das andere gewöhnt ist. Wie dem auch sei, die Woche ist überstanden.  Heute war ich mit zwei der Weiber ihr Taschengeld ausgeben. Eine ganz neue Erfahrung. Hat mir aber ganz gut gefallen, auch wenn es zwischendurch schon mal Zickenkrieg gab. Könnte man sich daran gewöhnen. Den Weibsen hat es wohl auch sehr gut gefallen, ich wäre ja so nett. Das ist zwar die Eigenschaft, ich habe es schon mehrfach betont, immer wieder bestreite. Vor allem, weil sie so nichtssagend ist.

Weil ich gerade bei den Dienstgängen bin. Vergangene Woche war ich mit Carsten beim Arzt. Wenn hab ich getroffen? Dany. Sie hat, ich hatte schon das Gegenteil erwartet, mich doch gesehen und auf mich gewartet. Nun, es geht ihr gut. Blabla. Und als konkrete Aussage: "Ja, du hast ja nie Zeit für mich". Die Aussage ist ja nicht falsch. Meist bin ich wirklich verplant. Morgen zwar frei, aber Peti hat sich angesagt. Mal eine Runde quatschen. Haben wir ja ewig nicht. Ist für mich wegen der gleichen Wellenlänge auch ergibiger, länger kennen wir uns auch.  Aber darauf wollte ich nicht hinaus. Fakt ist, dass mich die Aussage geärgert hat. Ich habe zwar nichts gesagt, u. a. weil Carsten dabei war. Die Aussage suggeriert nämlich, dass ich mich um sie kümmern muss. Das ist mir neu, zumal es ja umgedreht nicht gilt. Oder hab ich in den letzen Jahren ihrer Beziehung viel von ihr gehört? Aber muß man einer Frau, die über 50 ist, sagen, dass man Beziehungen, welcher Art auch immer, pflegen muß, Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht.

Wieder zurück zum Job. Ich hatte schon im letzten Eintrag angedeutet, dass mich momentan der Job frustet. Es gibt viele konkrete Vorfälle, an denen man es benennen könnte. Ich vergesse leicht, dass ich halt nur der ein-Euro-Jobber bin, die gemeinhin als dumm, frech, faul  und gefrässig gelten (letzteres Attribut neulich im TV). Natürlich sind alle, die auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind, ich sage nicht, dass ich gerade dachte, untergebracht sind, sehr viel intelligenter, diplomatischer und was einem sonst noch an hervorragenden Eigenschaften einfallen mag. Wohl dem, der nie Arbeitslosigkeit und deren Folgen kennengelernt hat und nie kennlernen wird.  Ich habe schon immer gesagt, manchem wünsche ich es von ganzem Herzen. 

Wenn man dann in der Kantine sitzt, mit den anderen Kids von der Gruppe und die Kollegin einem bewußt ignoriert, damit kann ich umgehen, ich kann diese dann auch ignorieren. Wenn man dann ein Gespräch hört, was dummer Weise so laut geführt wird - ob nun beabsichtigt oder nicht, in dem gesagt wird, zu dem evtl. zukünftigen Kollegen, dass die Gruppe noch einen Praktikanten hat, die im Übrigen direkt neben dem Kollegen saß, und einen Ein-Euro-Jobber, dann darf man sich schon die Frage stellen, was befähigt eigentlich diese Frau, sich so zu äußern? Dass auch ich es gehört habe, hat ihr dann Alexis gesagt.

Heute gab es dann eine ganz neue Information. Schon beim Essen hörte die Kollegin von der Tagesgruppe (Steffi), dass obige Kollegin (Simone) krank ist. Nähere Infos gab es nicht. Wir hatten, als sie am Dienstag Dienst hatte, zwar ein paar mal Krach von oben gehört. Aber es war schon schlimmer. Welche Konflikte es gab, können wir also nicht sagen. Alles in allem fanden wir es ruhig. Auch am Mittwoch gab es keine Informationen. Bemerken möchte ich, dass die beiden anderen Kollegen mich sehr wohl in der Kantine wahr genommen haben. Gibt also schon ein paar Unterschiede. Andreas war dann nachmittags unten und berichtete, dass Simone krank ist und danach dauerhaft nicht wieder in die Gruppe zurück kommt. Es hat wohl am Abend noch einen Vorfall mit Martin gegeben, genaues weiß man nicht.  Dass sie Schwierigkeiten hatte, sich überfordert fühlte, hat sie mehrfach bekundet. Dazu kommt aber, dass sie aus privaten Grunden wohl keine Lust mehr hat, ihr Mann verdient gut, ihr Mann ist auf Montage. Sie möchte die Wochenenden mit ihrem Mann verbringen. Eine Basis für die Tätigkeit ist das nicht. Die Kinder alle als gestört, den dienst als Last zu betrachten, mit Sicherheit auch nicht. Es hat sich sicher auf die Kinder übertragen. Ich habe es ja immer gesagt, die Dienst mit ihr waren chaotisch, konfliktbeladen. Sie hat nicht selten aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Die Kritik, obwohl es nie eine war, mehr eine Feststellung, denn ich behaupte nicht, dass ich es besser kann, hat sie mir übel genommen. 

Ich habe kein Konzept dafür, wenn Kinder gewalttätig werden. Auch ich kann damit nicht umgehen. Was tut man? Ich bewundere die Kollegen, die sich der Gewalt stellen. Ich denke da auch mehr an meine eigene Haut. 

Und nun? Jetzt, so war die Ausage von Andreas, kommt die Kollegin von Freitag, die Vertretungskollegin. Wir wissen beide ihren Namen nicht, obwohl ich ja  mit ihr Dienst hatte. Ich habe mit den Augen gerollt, und leider hat es Andreas gesehen. Wir haben den gleiche Humor, liegen in vielen Dingen auf einer Welle. Was mir gut tut, denn es kommt bekanntlich nicht so oft vor. Darum weiß ich, dass er mein Augenrollen ganz gut deuten konnte und meine Bedenken teilt. Es ist richtig, sie hat Freitag den Dienst gemeistert, es gab auch nicht viel zu meistern. Im Grunde haben die Kids gemacht, was sie wollten. Sie wird sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, aber sie wird wohl nicht die mütterliche Aufgabe übernehmen können, die Kinder in den Arm nehmen, trösten. Sie hat klar deutlich gemacht, sie möchte in keine Kindergrupp, der ständige Krach, das Bespielen der Kinder, das zeitweise Anhängliche möchte sie nicht. Nessi hat es dann klar ausgedrückt, sie hat sie auch kurz gesehen, sie wird wohl versuchen, viel auf mich abzuwälzen. Am Schönsten stelle ich mir vor, wenn ich dann mit ihr und der Anke (Praktikantin) Dienst haben werde. An Minderwertigkeiteskomplexen leiden beide nicht, im Gegenteil. Auch das wird wohl eine Art Zickenkrieg geben, ich dann mitten drin. Ich kann es jetzt schon nicht  mehr erwarten. Wie es für die Kinder wird, wird sich zeigen. Sollte es nur ein Zwischenspiel sein, wird es nicht gut. 

16.01.2008 um 00:27 Uhr

Nichts Neues im Osten

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Eigentlich überlege ich gerade, ob ich hier schreibe. Es sollte schnell gehen, aber ich verlier mich ja so schnell in Gedanken, dass es ganz selten wirklich schnell geht.

Geändert hat sich nicht wirklich viel. Nach etwas über einer Woche "Job" fühle ich mich mehr oder weniger genauso geschlaucht wie vorher. Dabei wollte ich mich doch ausruhen, hatte mehr als 2 Wochen Zeit dazu. Habe ich im Grunde auch reichlich getan, eher zuviel als zu wenig. Aus den guten Vorsätzen, die da auch hießen, Kontakpflege und lesen, ist nicht viel geworden. Gesehen und gehört, geschweige geschrieben hab ich kaum. Und gelesen, naja wenn ein Buch viel ist. Mag ja für manche viel sein, aber für mich. Es hat sich also so rein gar nichts geändert, die Bücher, die ich lesen wollte, liegen immer noch da. Im Gegenteil haben sogar Zuwachs bekommen. Aber es ist halt nichts was man so eben mal zwischen Tür und Angel liest. Kontaktpflege gab es noch weniger. Ein großes Ruhebedürfnis. Wenig erstaunt hat mich dann die Aussage Paulchens, dass er zu den Feiertagen auch gleich mal 24 Stunden geschlafen hat. Er muß es von mir haben! Wundert also nicht wirklich.

Der gute Mathi hat mich auch versetzt, hat sich zwar zwischenzeitlich ein paar Mal kurz gemeldet, aber ich wüßte momentan nicht wann.

Man kann die Frage aufwerfen, ob das nun sinnvoll ist, sich so ausgelastet zu fühlen bei diesem Nebenjob. Von früh bis spät auf Arbeit zu sein. Wofür eigentlich? Des Geldes wegen kann es nicht sein. Es bleibt beim Salär. Selbstbestätigung? Auch da habe ich meine Lektion längst gelernt. Nein, auch das ist der Grund nicht. Ich denke eher darüber nach, ob ich nicht doch alles hinschmeiße. Wirklich bringen tut es für mich nichts. Ich weiß jetzt, dass ich diese Tätigkeit nie eigenverantwortlich leisten könnte. Ich erfülle für mich nicht die pädagogischen Anforderungen. Ich weiß nicht, ob sie andere erfüllen. Das erfordert eine Wertung, die ich nicht berechtigt bin, auszusprechen. Die Tätigkeit erfüllt auch nicht meinen Anspruch an Erziehung, manche Regeln, manche Zurechtweisungen, manche Sanktionen sind mir einfach suspekt. 

Man kann das alles mit Dutzenden Beispielen belegen. Mir fallen mehrere ein. Besonders in Erinnerung ist mir natürlich der letzte Freitag. Ich hatte schon vorher ziemlichen Bammel vor diesem Tag. Sollte doch an diesem Tag eine Vertretung die Gruppe übernehmen. Eine sehr junge Frau, ein Püppchen sozusagen.  Sie hatte auch Bedenken, schließlich hört man so einiges. Gelernt habe ich vor allem meine Lektion. Ich, dass man nicht Vorurteile haben sollte, wegen des Äußeren und vor allem, weil ich selbst nicht in der Lage war, die Dinge so zu meistern, wie sie hätten gemeistert werden sollen. Als ich kurz nach 11 an der Gruppe ankam, Carsten, dem die eigentlich Betreuung zu dieser Stunde gilt, traf ich schon auf dem Weg, waren schon drei andere aus der Gruppe da. Schule geschwänzt. Sie haben die Gunst der Stunde genutzt. Sie wußten wohl nur zu gut, dass ich nicht fähig oder willens bin, sie wieder in die Schule zu "brüllen". Carsten hat sich dann aus Angst vor evtl. körperlichen Übergriffen, deren ich sicherlich wirklich nicht Herr geworden wäre, für zwei Stunden verabschiedet und ist "spazieren gegangen". Ich hätte die drei natürlich nicht in die Gruppe lassen sollen. Nur wie hätte ich es verhindert, wäre es sinnvoller gewesen, sie draußen zu lassen. Sie wären mit Sicherheit eh nicht wieder in die Schule gegangen. Kann man von mir etwas verlangen, was die Lehrer und wahrscheinlich auch einige der Erzieher nicht leisten können. Vielleicht nicht. Aber mein Anspruch wäre ja doch ein anderer gewesen. Sie haben sich dann in der Gruppe bewegt, mehrere Streiche ausgedacht. Alles in allem was es ruhig, was aber auch daran lag, dass keine konkreten Forderungen gestellt wurden. Das änderte sich auch nicht, als die Kollegin eintraf. Nessi traf auch ein, ich hatte sie gebeten, zu kommen, um mein Bargeld in Empfang zu nehmen. Man kann ja nie wissen. Sie ist zwar voll und ganz der Meinung, ich mache das ganz gut. Ich habe den Kindern, als sie mal wieder im Besitz von Messern waren, die Messer abgeknöpft. Sie hat mich das erste Mal, seit dem wir uns kennen, die Stimme erheben hören. Es gibt viele Leute, die gar nicht wissen, dass ich auch brüllen kann. Das gehört bei mir halt nicht dazu. Ich habe gehört, dass ich großzügiger bin. Natürlich und das war auch meine Antwort, ich bin kein Erzieher. Und was die Süßigkeiten betrifft, bin ich wahrscheinlich wirklich am großzügigisten. Warum soll ich den Kindern nicht Süßigkeiten zugestehen? Für meine Begriffe essen die gar nicht viel davon, das sie ja immer unter Verschluß sind. Ich habe die Aussage eines Kids gehört, wo denn, die Kollegin kam etwas später, die Erzieherin ist. Schließlich soll doch eine Vertretungserzieherin anwesend sein. Meine Anwesenheit hat ihm offenbar auch nicht genügt. All diese und noch so einige andere Dinge geben einem schon zu denken und werfen die Frage auf, wozu soll es gut sein. Den Anspruch, den ich an eine Tätigkeit stelle, eigenverantwortliches, verantwortungsbewußtes Arbeiten kann ich nicht gewährleisten. Mir ist auch nicht so ganz klar wie.  Es ist einfach auch der Grund, dass man sich nicht für die paar Euro auf die Nase hauen lassen will. Auf die Nase hauen ist das eine, wenn jemand einen Hammer in der Hand hält, da kann man schon drüber nachdenken, ob man das noch überlebt. Auch wenn das einige Wochen her ist, längst nicht mehr Thema sein sollte, im Unterbewußtsein ist es halt immer noch. 

Die Woche ist ruhiger. Ich bin in der 5-Tages-Gruppe. Die Kinder sind pflegeleichter. Nicht so aggressiv, brutal. Aber dort ist es natürlich auch langweiliger und man fragt sich, was soll man da, das könnte sie ja auch allein. Jedenfalls war ich heute zur Abwechslung mal im Krankenhaus, ein Mädchen besuchen. Ich komme halt rum in meinem Job, befriedigt mich momentan alles nicht wirklich. Es bringt ein paar Euro in die Kasse und den "Genuß" täglich gegen Mittag aus dem Hause zu gehen und erst abends wieder zu kommen, selten zu Hause zu sein. Befriedigung oder Wertschätzung darf man halt nicht erwarten, das ist wohl ein Anspruch der ausgeschlossen ist. Man kriegt eher das Gegenteil (vermittelt).

03.01.2008 um 04:09 Uhr

2007

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Nun haben wir 2007 geschafft, 2008 steht nicht mehr vor der Tür, nein, es wurde sogar reingelassen. Ob bewußt, ist wohl eher fraglich. Die Stimmung ist allgmein nicht gerade gut. Irgendwie erwartet kaum jemand wirklich was Gutes von 2008. Komisch oder?

So ein Commedian hat es dann wie folgt formuliert: Das Jahr wird ein mittleres Jahr. Schlechter als 2007, besser als 2009.

Die  Bewertungen unserer Berufspolitiker sind durchweg gut: Der Aufschwung ist da. Hat ihn eigentlich jemand bemerkt? Okay, ich nicht, aber vielleicht versteckt er sich nur vor mir oder es ist ein regionales Problem. Die Arbeitslosenzahlen sinken auch. Siehe Aufschwung. Und überhaupt ist alles wunderbar in der Demokratie, in der Republik. Könnte man drüber streiten, Stammtischgespräche sozusagen. Die dann aber bitte ohne den blauen Dunst. Denn der ist ab 2008 fast überall verboten. Macht rein gar nichts, Nichtrauchen ist gesund. Obwohl natürlich auch Nichtraucher sterben. Die Kneipen sehen es gelassen, es wird wohl noch in so einigen gequalmt, man will ja die Kundschaft nicht verlieren. Aufregenswert an der Sache ist für mich, dass ein bekannter Radiosender schon Werbung ausstrahlt im Auftrag unserer Landesregierung mit einer Netzseite. Wir gönnen uns ja sonst nichts und so können wir Werbung machen. Irgendwer zahlt die Zeche.

Und mir fällt bei so manchen Dingen ein: Haben wir die DDR nun noch? Ist sie wirklich weg oder versteckt sie sich noch irgendwo, gerade in diesen unsinnigen Gesetzen und Vorschriften, die in der letzten Zeit das Licht der Welt erblickten.

Es ist schon eine Weile her. Da hat doch jemand tatsächlich geäußert, er hat in der DDR geraucht, weil in dieser wußte man ja nicht, dass es schädlich ist.  Ich habe natürlich schallend gelacht, denn m. E. gab es in der DDR jede Menge Nichtraucherzonen, keine Tabakwerbung. In jeder Kneipe/Gaststätte war zumindestens unter Mittag rauchen verboten. Wir haben es alle überlebt. Und ein kleines Cafe, ausschließlich von Jugendlichen genutzt, hat schon in den 70igern die Erfahrung gemacht, Nichtrauchen bringt gar nichts, wenn die Kundschaft ausbleibt. Es gab dann für die Stammgäste Aschenbecher auf Zuteilung, bis es ganz abgeschafft wurde. Das Fazit des Ganzen ist, man kann so einiges lernen aus vergangenen Zeiten. Vielleicht lernen wir es auch auf anderen Gebieten, denn wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erlangen, wird beides verlieren (frei nach B. Franklin).

Mein persönliches Fazit für das vergangene Jahr ist ähnlich durchwachsen. Ich habe mir so manches nicht träumen lassen, nichts ist so zynisch wie das Leben selbst. Vor einem Jahr hatte ich in bestimmten Dingen noch die Hoffnung, die sich dann als trügerisch herausstellte. Auch das habe ich überlebt, ja ich mußte und werde damit weiterleben. Ich kann mich momentan gar nicht beklagen, wenn es auch für andere unverständlich klingen mag, ich bin im Grunde zufrieden. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und genügsam. Er begnügt sich im Zweifelsfalle mit den kleinen Dingen, weil er weiß, die großen Dingen sind momentan nicht erreichbar. 

Vorsätze für das neue Jahr gibt es keine. Wir werden es nehmen, wie es kommt. Wahrscheinlich bleibt auch keine andere Wahl.

Der Jahresausklang war ähnlich gelassen wie die Stimmung allgemein. Nessi war seit Sonntag hier, eine neue Erfahrung. Zwei Tage. Und ich hab sie überstanden. Den Silvestermorgen verbrachte ich das erste Mal in meinem Leben beim Shoppen. Wahrscheinlich auch das letzte Mal, ich wußte nämlich nicht, dass die ganze Stadt auf den Beinen sein würde. Die Geschäfte waren voll, die Auslagen eher leer. Das gesteckte Ziel wurde aber erreicht, es gab ein silbernes Kreuz und eine Kette für Paulchen. Anstrengend war das Ganze. Amazon ließ sich auch nicht lumpen und lieferte vom Freitag auf Montag das gewünschte Buch und natürlich auch eines für mich. Konnte nicht widerstehen.

Eine neue Erfahrung gibt es auch noch zu vermelden. Ich habe das erste Mal in meinem Leben ein Hörbuch gehört. Und es hat mir gefallen, mag am Objekt gelegen haben. Ein satirisches Buch, gelesen in Mundart (sächsisch). Auf jeden Fall empfehlenswert für alle die, die sich dafür interessieren ("Ratloser Übergang" von Bernd-Lutz Lange).

Alles in allem waren Silvester und Neujahr ruhig und gelassen. Feuerwerk gab es viel zu bewundern. Das scheint der Aufschwung zu sein, die Leute haben genügend Geld für Silvesterböller. Geschneit hat es erst in der letzten Nacht, worauf ich natürlich hätte verzichten können, aber ich hab das Haus heute nicht verlassen, es war mir also egal.