Plateforme

14.03.2008 um 03:30 Uhr

Wahrheit über das Leben

von: Paulinchen   Kategorie: Zitate

Das Leben ist eine Krankheit, die durch Geschlechtsverkehr übertragen wird und immer tödlich endet.
(G. Fischer)

14.03.2008 um 03:00 Uhr

Blühend

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Als kleinen Nachtrag zu der Demo muss ich mich wohl korrigieren. Der Regionalsender bezifferte die Anzahl der Teilnehmer auf 900 Damen und Herren. Ist mir sowieso immer schleierhaft, wie sich so was errechnet, aber gut. Interessant an dem Beitrag, der erst einen Tag später über den Bildschirm flimmerte, der Regionalsender braucht immer etwas länger (ich meine nicht den MDR), wobei die Qualität und Quantität der Beiträge schon oft kritisiert wurde, aber wie gesagt, interessant war, dass man diese Geschäftsstelle in einem sanierungsbedürftigen, historisch trächtigen Haus beschrieb, welches nur die Geschäftsstelle und nur den „rechten“ Shop beherbergt – seit Herbst. Irgendwie ist bei der Recherche was schief gegangen, dem sanierungsbedürftig wage ich nicht zu widersprechen, aber das Haus war und ist immer noch ein Ärztehaus und nebenbei ist dort auch noch ein Kopiershop, der Laden mit dem Label eines rechten Shops ist auch schon seit über einem Jahr dort. Mir ist schon lange aufgefallen, dass dieses Haus dringend einer Grundsanierung bedarf, die Frage stellt sich, ob nun die Eigentümer nicht genug einnehmen, denn gerade die Mieter müßten doch Interesse daran haben, zumindestens behaupte ich das mal von den Ärzten, der jungen NPD mag es wohl egal sein, passt zum Image. Was mal wieder meinem Eindruck widerspiegelt, ich habe noch nie so viele leere Geschäfte in der Innenstadt gesehen wie seit diesem Jahr. Der Aufschwung hat eigenartige Wurzeln und Blüten. Blühende Landschaften!

Blühend kann man noch zu etwas anderem sagen. Blühende Familienbande. Am gestrigen Tage rief dann mein Vater mal wieder an. Er wollte nun ganz konkret wissen, wann ich erscheine. Ich habe dann für den nächsten, also den heutigen Tag, zugesagt. Für mich als Randnotiz: Als Zyniker par excellence kann ich mich wohl nicht beschreiben, meinen Lehrer scheine ich wohl in meinem Vater gefunden zu haben oder mein Vorbild?!

Es war schon eigenartig, diese Fahrt nach Hause. Seit vielen Jahren bin ich diesen Weg heute zum ersten Mal gegangen. Ein ganz eigenartiges, nicht zu beschreibendes Gefühl. Schon beim Klingeln zitterten mir dann doch die Knie. Mein Vater öffnete, und ich war erschrocken. Er wohl auch, wobei er das auf das heftige Stürmen schob. Alt ist er geworden, abgenommen hat er. Es war erst, als ob sich Fremde begegnen. Er kochte mir Kaffee, es war wohl auch unpassend, dass ich nach Jahren in die Küche stürme, und es ihm abnahm. Eigenartig, wenn einem der Vater Kaffee kocht. Er kann das, er hat, und das hat er mir in Folge dann auch berichtet, schon seit langem hausfrauliche Tätigkeiten übernehmen müssen. Seine Frau war lange krank, schwer krank. Das Haus hat sich verändert, mit den Kindheitserinnerungen hat es wenig gemeinsam. Man spürt die Gegenwart seiner Frau. Ihren eigenen Geschmack, ihre Hobbies, ihren Einrichtungsstil. Er hat sich viel von ihr abgeguckt, ihre Zwang zur Ordnung und zum Putzen, irgendwie ist er noch immer erkennbar. Es hat so gar nichts mit dem gemeinsam, was ich bei meiner Mutter beobachtete.

Das Leid, was sie im letzten Jahr, durchleben mußte, ist wahrlich nicht in Worte zu fassen. Viele Monate in den verschiedensten Kliniken, zuletzt in der Uniklinik Leipzig, wo sie auch verstarb. Leukämie. Ein Knochenspender wurde weltweit gesucht, gefunden und trotzdem hat es nichts genützt. Es ist schon bedrückend, das zu hören und auch die sprachliche Gewandtheit mit der er die medizinischen Vorgänge beschrieb.

Sicher er hat sich verändert. Er möchte sicher so einiges anders machen, auch er fühlt sich allein. In letzter Zeit sind so einige aus der unmittelbaren Verwandtschaft verstorben. Ich habe das nicht mitbekommen, obwohl ich es mir dachte. Tanten und Onkel von ihm, man kann sagen, es war an der Zeit. Und genauso drückt er es auch aus.

Es steht nicht fest, inwieweit wir den Kontakt weiter pflegen werden. Er hat mir verschiedenste Dinge angeboten, die ich auch nehmen werden. Haushaltsgeräte, die er nicht gebrauchen kann, ich z. T. nicht habe (zum Beispiel schon lange von meinem Sohn bemängelt – einen Toaster) oder die ich für Paulchen aufheben werde. Platz habe ich zwar auch nicht unbedingt, aber der wird sich finden. Wenn er mir diese Geräte in der nächsten Woche bringen wird, werden wir uns sehen. Ansonsten bin ich mir nicht im Klaren, wie wir uns weiter begegnen werden. Es ist schwer, sehr schwer nach so langer Zeit!

Von seinem Plan, in ein Heim zu ziehen, ist er abgekommen. Zum Einen ist das nicht einfach, eine Pflegestufe hat er (noch) nicht. Das Haus in absehbarer Zeit zu verkaufen, ist auch nicht unbedingt sein Plan. Sollte er in ein Heim gehen, wird das nötig sein. Das Geld würde, und auch das hat er in letzter Zeit wohl herausgefunden, dazu gerade so reichen. Er will es sich so einigermaßen wohnlich machen, das Beste aus der Situation machen. Macht das eigentlich heute irgend jemand anders heutzutage?

Es ist schwer, bestimmte Dinge auszusprechen. Ich bin viel zu lange auf mich gestellt, um jetzt plötzlich zu sagen:  „Vater ich könnte dies und jenes gebrauchen, bei diesem und jenem Hilfe gebrauchen.“ Und vielleicht ist es auch umgedreht. Ich kann das wirklich nicht einordnen.

Klar haben wir über Vergangenes erzählt. Auch Paulchen war Thema. Sein Unverständnis. Sein Ignoranz bei dem Thema, dass irgendwann mal bei Paulchen eine Legasthenie diagnostiziert wurde. Es muss doch einfach so sein, dass sich die Eltern dann nicht richtig kümmern?! Anders kann eine Legasthenie doch gar nicht möglich sein. Lesen hat Paulchen in der Zwischenzeit gelernt, seine eigene Rechtschreibung hat er immer noch, aber wer hat die nicht, und ich kann sie lesen. Er hat zwischenzeitlich sogar seinen Realschulabschluß. Nein, er ist nicht minderintelligent. Aber doch nicht schlau genug, um die Drogen zu lassen. Kann man es so sagen? Ist es so einfach? Für meinen Vater ist es so einfach.

Solche Dingen könnten zum Streitpunkt werden, aber da ist Frau dann schlau oder dumm genug, ist eine Sache der Betrachtung, den Mund zu halten. Zumal es meinem Sohn gar nichts bringen würde, wenn ich so denke und das rüberbringe.

Ehrlich gesagt, bin ich in so einigen Dingen am Zweifeln. So einige meiner letzten Berufsstationen kennt er ja, wir waren fast mal Kollegen. Aber dennoch sagt ihm das Wort HartzIV nichts. Und ich frage mich, wie kann jemandem dieser Begriff nichts sagen, den kann man doch nicht überhören, überlesen.

Es war schön, mal wieder den Vater zu sehen, mit ihm zu sprechen. Für mich ist das besonders wichtig, in letzter Zeit vermisse ich männliche Bezugspersonen. Ich habe momentan kaum Männer um mich, mit denen ich richtig quatschen kann, um es mal umgangssprachlich auszudrücken. Die Erkenntnis ist mir nicht so ganz neu. Das war früher anders. Ich hatte immer einige Kollegen, einige Telefon- oder Chatfreunde. Das hat sich stark reduziert, was ich wirklich vermisse. Die männliche Sichtweise und Sprache fehlt mir. Mag für viele jetzt nicht einleuchtend klingen, behaupten, dass Männer und Frauen doch die gleiche Sprache sprechen. Mag für einige so sein, für mich nicht. Ich kann das auch nicht erklären, ich weiß jedenfalls was ich meine.

Mit Paulchen habe ich anschließend telefoniert. Ich hab ihm davon berichtet, dass ich seinen Opa getroffen habe. Er hat mir gleich aufgetragen, diesen Kontakt weiter zu pflegen. Wenn auch so mancher einer sagen wird, dass ist in seinem eigenen Interesse, so kenne ich meinen Sohn doch gut genug, um zu wissen, dass es nicht an dem ist.

Ja, Paulchen. Ihm geht es gut. Er hat ein bißchen Streß wegen der Situation auf der Station und vor allem mit seiner Therapeutin, die ihm eigentlich einreden möchte, dass es ihm gar nicht gut gehen kann, weil erstens seine Mutter eine ambulante Op hatte (!), zweitens seine Ex-Freundin Mandy nicht mehr kommt und drittens er ja wieder in die JVA muß. Sind halt Psychologen. Und das habe ich auch so zu ihm gesagt, die Familie, seine und auch die meine lassen sich von solchen Dingen nicht wirklich entmutigen und wenn dann recht zynisch oder?

Diese Erkenntnis hatte ich heute auf alle Fälle.



12.03.2008 um 01:05 Uhr

Du sollst dich schonen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Du mußt Dich noch schonen. Den Satz kann ich momentan singen, höre ihn laufend. Nichtsdestotrotz beherzige ich ihn, dient ja fast als passende Ausrede für das Nichtstun.

Wie man daraus hört, ich habe die Op gut überstanden. Am schwersten fiel mir wohl früh das Nichtrauchen, aber es ging. Fällt früh viel Zeit weg, wenn man nur duschen und anziehen muss. Kein Kaffee, keine Zigarette, nicht schminken. Sollte man wohl zur Gewohnheit machen.

Ging auch alles ratzfatz. Es war noch eine Patientin zugegen, die, wie es sich herausstellte, Angestellte der Sparkasse ist. Kurz nach der Op waren wir beide hellwach und unterhielten uns über Gott und die Welt. Nessi holte mich ab, das war für die Mitarbeiter und Angestellten wohl die Sensation: Eine Frau holt eine Frau ab. Ich weiß gar nicht, was daran so sensationell ist. Selbst wenn wir dieses lesbische Pärchen wären, wo leben wir eigentlich? Gaben dann auch Nessi genaue Instruktionen – wie einem Ehemann, wie sie auf mich aufpassen soll. Hat sie dann mehr oder weniger getan, schließlich tut sie das immer oder ;-) Gegen Abend ist sie dann abgehauen und hat mich auf meiner Couch belassen.

Montag war dann die Nachsorgeuntersuchung. Auch da fiel dieser, o. g. Satz. Bei meinem Arbeitgeber im Übrigen auch.

Das Wetter war heute phantastisch. So benutzte ich obiges dann nicht als Ausrede, an der Demo für Demokratie, gegen Rechts nicht teilzunehmen. Man soll für seine Gesinnung einstehen. Selbst mein Herr Sohn meinte, ich würde da hin gehören.

Von Natur aus faul und langsam, bin ich dann allerdings erst los, als diese Demo schon in vollem Gange war. Traf dann kurz vor der Haustür noch einen Bekannten, der beim Katastrophenschutz tätig ist, der mir erklärte, es sähe übel aus. Aber so langsam wären sie alle auf dem Markt, ich solle aufpassen.

Als ich auf dem Markt eintraf, war ich echt erstaunt. Es haben sich doch ein paar Bürger aufgemacht und an dieser Demo teilgenommen. Zwar muß man gerechter Weise sagen, es waren darunter viel kommunale Polit – Prominenz und natürlich die Medien. Hintergrund des Ganzen ist die Tatsache, dass sich seit Oktober letzten Jahres hier eine Bundesgeschäftsstelle der jungen NPD befindet. Am Montag wurde diese Geschäftsstelle von der Polizei auf Grund Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und Verbreitung verfassungsfeindlicher Schriften schon durchsucht. Vorsitzender ist ein Sachsen-Anhalter, 50 – 60 Mitglieder soll diese „Vereinigung“ haben.

Einige Reden wurden gehalten, u. a. natürlich vom Landrat. Anschließend sollte eine Menschenkette gebildet werden, die ein Fass mit Saalewasser füllt. Symbolisch: Das Fass ist voll.

Das Fass wurde gefüllt. Ich stand auch in der Kette, bewegte aber nur die leeren Eimer. Credo: Ich soll mich ja ausruhen!

Ca. 600 Leute waren zugegen, wobei die meisten „normale“ Bürger waren, weder den Ultralinken noch den Rechten zuzuordnen sind. Beide anderen Gruppierungen waren auch vertreten, so richtig kam aber bis zum Ende der Demonstration die rechte Propagandamaschinerie nicht zum Tragen, die einzelnen Reden verhallten mehr oder weniger ungehört. Lag auch an der Polizeipräsenz.

600 Leute sind natürlich nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass die Stadt mehr als 30.000 Einwohner hat. Vom Landkreis gar nicht zu reden. Erstaunt war ich persönlich trotzdem, ich hatte angenommen, ich wäre dort fast allein mit den Organisatoren. Ein paar Leute scheinen sich dann doch Gedanken zu machen. Oder es lag nur an dem Gedanken, hier ist mal was los und vielleicht passiert ja was. Mancher blieb sicher auch aus Angst zu Hause. Es hätte eskalieren können. Vermißt habe ich aber einige der Bekannten. Andere hätten wohl eher zum anderen Lager gepaßt. Ein Zeichen wurde gesetzt, aber es war nur ein Zeichen. Ändern an den Gesinnungen der Menschen wird sich erst was, wenn sich die Politik ändert. Und daran glaube ich und sicherlich viele mit mir momentan gar nicht – Soziale Gerechtigkeit ist das Schlagwort!

05.03.2008 um 01:20 Uhr

Irgendwas ist immer

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Irgendwas ist immer, immer ist irgend was. Stammt nicht von mir, trifft es aber trotzdem oder gerade deswegen. Man kann jedenfalls sagen, es wird auf keinen Fall langweilig. Über Langeweile konnte ich mich noch nie beklagen, Menschen in meinem Umfeld auch nicht. Was will man mehr.

Was das Beklagen im Allgemeinen und Besonderen betrifft, mag ich es ja eh nicht. So ein allgemein gültiger Ausspruch meinerseits lautet dann auch: Mir geht’s gut, ich kann gar nicht genug klagen. Darauf folgt in der Regel eh Schweigen. Beklagt wird momentan wieder viel, zur Zeit auch mal wieder streikender Weise. Für meinen Begriff immer noch nicht genug. Aber wenn ich dann einige Leute höre, die Konsumverzicht proklamieren, dann geht mir irgendwie die Hutschnur hoch. Verzicht? Verzicht impliziert eine gewisse Freiwilligkeit. Freiwillig ist der „Konsumverzicht“ wohl bei vielem schon lange nicht (mehr). Andere mit regelmäßigem und für manche Begriffe gar nicht so kleinem Einkommen sprich Gehältern  – wobei das natürlich relativ und subjektiv gesehen ist -  stehen nach eigenen Aussagen kurz vor dem Verhungern. Jammern auf hohem Niveau.

Aber das nur am Rande, darum geht es gar nicht. Fiel mir nur spontan nach dem Lesen einiger Seiten hier ein und nach einem Telefonat mit einem langjährigen Chatfreund, jetzt ja eher Telefonfreund.

Worauf ich eigentlich kommen wollte, ist die Tatsache, dass sich doch so einiges „ereignet“ hat. Der Geburtstag Paulchen’s  verlief ganz harmonisch. Der Freitag danach dann eher weniger. Wie geplant, traf ich mich am Freitag Mittag mit Nessi bei einem Augenoptiker. Denn sie meinte, ich brauche nun endlich eine neue, der Sehstärke angemessene Brille. Ich meinte das weniger, schließlich kosten Brillen mehr Geld als mein Einkommen im Grunde zuläßt. Die Brillenmodelle sind laut Werbung „extrem günstig“, das kann man sehen wie man will. So preiswert wie ausgeschrieben sind sie eh nicht, schließlich gibt es Folgekosten. Wie dem auch sei, ich war dort, habe eine Brille in Auftrag gegeben, die ich dann irgendwann in den nächsten Tagen abholen kann. Eine Gleitsichtbrille, man gönnt sich ja sonst nichts. Eine Lesebrille, die nun langsam bei fortschreitendem Alter nötig war, ist also nicht extra vonnöten. Ob ich damit dann zurecht komme, wird sich zeigen. Eine neue Sonnenbrille steht schon seit Jahren auf der Liste, wird aber mal wieder verschoben. Der Aufenthalt beim Optiker war im Übrigen extrem lustig. Ich möchte nicht wissen was der gute Herr Optiker dachte. Weiber als alterndes Ehepaar. Okay.

Der Besuch bei einer alten Bekannten war auch wie erwartet, man hört Geschichten aus uralter Zeit, selbst muß man dazu nicht viel sagen.

Die Nachricht kam am Abend. Ich wunderte mich schon beim Eintreffen, dass Paulchen angerufen hatte. Das konnte nichts Gutes bedeuten, denn schließlich hatten wir uns am Tage zuvor erst gesehen. Der Hammer kam dann, er muß, auch das war im Grunde bekannt, nur die Hoffnung stirbt halt zuletzt, will sagen, man hat gehofft, dass die Behördenmühlen mal etwas vergessen oder anders sehen, für 100 Tage zurück ins Gefängnis. Was ich davon halte, muß ich wohl wirklich nicht erläutern. Bin damit auch nicht so ganz allein, das medizinische Personal der Klinik schließt sich meiner Meinung an. Es ist die eine Seite, die gerne in unserer ach so Mediengesellschaft vermittelt wird über Strafmaß und Bestrafung und wie wunderbar alles ist. Mag sich in den Medien oft so darstellen, bei Fällen, die durch die Medien gehen, mit Sicherheit. Die Realität sieht meist ganz anders aus. Die Therapie wird unterbrochen, was das im Einzelnen bedeutet wird erst die Zukunft zeigen. Und warum das Ganze -  wegen Ladendiebstahl als Beschaffungskriminalität. Unsere heile, schöne Welt.

Nun man kann es nicht ändern. Auch damit wird man sich abfinden. Wann es losgehen wird und vor allem wohin, steht noch nicht fest. Die Planung war im Eimer, ich plane ja extrem selten, genau aus diesem Grunde. So wurde nun für Montag noch ein Treffen ausgemacht. Schließlich wird nun noch Tabak gebraucht, den man vom Taschengeld der Justizanstalten nur schwer finanzieren kann (30 Euro im Monat). Zahlt übrigens der Steuerzahler. Gut.

Das Wochenende war ein Konzert einer Regionalband ansagt. Dieses fand im Club statt, in dem Nessi bis vor kurzem ja selbst arbeitete. War wirklich gut, die Musik war ok. Wegen Emma (Sturm) war es nicht so gut besucht, aber alles in allem war es ganz lustig. Nessi wird dort mächtig vermißt, natürlich vor allem von den Jugendlichen, womit ihre Ex-Chefin nur sehr wenig umgehen kann. Ein alt bekanntes Thema.

Der Montag war dann auch verplant. Vormittags das Vorgespräch bei der Frauenärztin wegen des geplanten Eingriffs. Dieses dauerte dann ungefähr 5 Minuten. Ich bin mir nicht ganz im Klaren, warum man dieses nicht am Tage des Eingriffes gemacht hat. Egal. Neue Erkenntnisse brachte es nicht. Die Unterlagen wurden mitgegeben, die dann zu lesen und zu unterschreiben sind. Bemerkenswert daran sind natürlich die Nebenwirkungen, was ja immer so ist, und die Tatsache, dass der Patient nicht nur vom ambulanten Eingriff abgeholt werden muß, sondern auch eine 24stündige Betreuung sicherstellen sollte. Das war mir neu. Ich frage mich natürlich, wie soll der Single das gewährleisten. Und was ist, wenn das nicht möglich ist. Da ich heute mit obigem Chatfreund aus Aschaffenburg telefonierte, weiß ich, dass dieses Problem gar nicht so gering ist. Denn auch er hat, natürlich hat er kein Frauenleiden, sondern ihm werden in den nächsten Tagen ambulant die Weißheitszähne gezogen, ein ähnliches Problem. Und nach seiner Aussage wird dann ein solcher Eingriff abgelehnt, wenn der Patient diese Betreuung nicht sicherstellen kann. Interssant.

Ich denke zwar, dass Nessi eh hier bleiben möchte. Ob ich dann nicht ggf. eher meine Ruhe haben will, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Der regierende Bürgermeister Berlins hat dann vor kurzem auch erst geäußert, dass sich in Berlin ca. 50 % Singlehaushalte befinden und man endlich darüber nachdenken muß angesichts der demographischen Entwicklungen, die Städte und das Zusammenleben anders zu gestalten. Wäre wohl tatsächlich an der Zeit. Allerdings haben wir ja andere Sorgen als diese.

Der Montag war dann noch nicht beendet. Nach dem Arztbesuch folgte dann der Anwaltbesuch, der zu keinem Ergebnis führte. Im Grunde habe ich mit meiner Ansicht sicherlich recht, rechtlich gesehen habe ich aber kaum eine Handhabe das auch durch zu setzen. Solange es noch freie Wohnungen gibt, die den Kriterien entsprechen, wird kaum ein Sozialgericht sich auf höhere Grenzen einlassen. Sparen ist angesagt. Mit anderen Worten: Ich kann zwar selbst Widerspruch einlegen, wer will mir das verweigern, an den Kaltmieten wird sich nichts ändern. Dass der Landkreis hier verschiedene Werte zu Grunde legt, die Festlegung wirklich extrem niedrig ist, steht dabei überhaupt nicht zur Debatte. Geändert hat man die Nebenkostengrenzen. Die liegen jetzt bei den Betriebskosten bei 1,10 pro m², 10 Cent mehr als bisher, die Heizkosten wurden verringert von 1,10 auf 1,05. Warum man die Heizkostenpauschale verringert wurde, weiß nur  der Landkreis selbst oder auch nicht, wie man eher vermuten darf. Wenn man sich recht erinnert, steigen momentan überall die Heizkosten. Alles in allem betragen die Nebenkosten jetzt 2,15 pro m², 5 Cent mehr als vorher. Diese hat man bei meinem Bescheid, der dann auch heute einging, nicht berücksichtigt.

Nachmittags habe ich dann wieder meinen Sohn besucht und ihm den gewünschten Tabak gebracht. Frei genommen hatte ich kurzfristig, hatte am Sonntag abend meinen Kollegen angerufen, dabei auch erfahren, dass sich am Dienstplan dann doch was ändert, ich werde zukünftig wohl i. d. R. von 14 bis 20 arbeiten. Ich hatte es erwartet. Aber okay.

Das Gespräch mit Paulchen war wie immer. Zur Zeit kann man wirklich von einem sehr guten Verhältnis ausgehen, wir können uns über alles unterhalten, wir unterhalten uns über alles. Er ist in vielen Dingen, das merke ich immer wieder, wirklich MEIN Sohn. Die Ansichten und Verhaltensweisen bin manchmal wirklich ICH. Ich hatte es schon mal gesagt, das Äußere ist ja schon ganz der Papa. Er hat es dann auch so formuliert, dass die negativen Dinge, wie z. B. die Migräne in der Jugendzeit und das Umgehen mit Konflikten, von mir sind. Ja, ja.

Auch das war vom Montag noch nicht alles. Es hat sich auch Harry gemeldet, er hätte mich gerne besucht. War wohl schon sauer, dass er mich so selten erreicht, woran ich nichts ändern kann. Aber nun ging es wieder nicht, ich besuchte meinen Sohn, was für mich erst mal wichtiger war. Paulchen meinte dann auch (ich sagte ja über alles), wenn mir dann der Sex so wichtig gewesen wäre, er hätte es verstanden. Schließlich hätte ich auch später kommen können oder so. Ja, ja.

Und nun zum Dienstag. Für diesen war ja nun diese obskure Kaffeefahrt geplant. Hieß dann auch, dass wir uns ganz zeitig, im Grunde vor dem Aufstehen, am Busbahnhof getroffen haben. Es wundert nicht wirklich, dass zwar noch ein paar Leute dort standen, aber der Bus nicht auftauchte. So gingen wir dann zu mir nach Hause, kauften Brötchen, etwas zum Frühstück, Mittag und Kaffeetrinken ein, was im Grunde für noch so ein paar Arbeitslose gereicht hätte.

Gemütlich auf der Couch liegend, klingelte dann das Telefon. Wer ruft mich schon vormittags an? Am Apparat war dann mein Vater, der mir dann erklärte, er hätte es schon mehrfach versucht. Kann ich nichts dran ändern, kann nichts dafür, dass sich so ganz nebenbei noch arbeite und nicht ständig am Telefon sitze. Und jetzt der Hammer: Er wollte mich darüber informieren, dass er nicht ins Heim geht, da das momentan nicht möglich ist und er ja auch noch die Katze versorgen muß. Er wurstelt so weiter vor sich hin. Wenn ich irgendwas aus dem Haushalt brauche, kann ich mich ja melden. Bitte? Erstens wußte ich gar nicht, dass er ins Heim gehen will, zweitens ist mir schon klar, dafür gibt es hier ja wohl Wartelisten, dass das nicht ganz so einfach ist und drittens klar wurstelt er so vor sich hin. Macht jeder wohl, was erwartet er?! Soll ich ihm jetzt den Haushalt führen? Hatte er erwartet, dass ich mich sofort wieder melde. Auch wenn es allgemein als Ausrede klingen wird, wann denn? Wann er dann Zeit hätte? Nun heute muß er zum Arzt, er ist auch nicht immer zu Hause. Ich gehe bekanntlich am Freitag zu dem ambulanten Eingriff, was wohl ausschließt, dass ich an folgenden Tagen so gut drauf bin, dass ich ihn aufsuchen kann. Ich könne mich melden. Boah!

Das passt dann wieder zu der allseits proklamierten, demographischen Entwicklung, alle Senioren werden immer älter, vitaler. Ich frage mich nur, wo sind die?! Meine Mutter hat ja schon ein eigenes Weltbild. Mein Vater nun auch? Oder was soll ich nun von all dem halten? Ich sage nur, sollte ich jemals die Züge entwickeln, möge man mich vorher erschießen.

Anschließend klingelte es noch und Ronald stand unangemeldet vor der Tür. Ich hatte keine Zeit, Nessi war da. Auch das ist nicht zu ändern!

Wie dem auch sei, das Telefonat stellt mich vor ein Rätsel, womit ich momentan auch noch nicht umgehen kann. Familie kann man sich nicht aussuchen. Die Mutter naiv und mit sich beschäftigt, der Vater zynisch, nihilistisch. Es wundert wohl niemanden, woher ich meine charakterlichen Grundzüge und meinen gesunden Zynismus, eine Mischung aus beiden, habe?!