Plateforme

30.01.2009 um 02:11 Uhr

Investitionen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Im Leben dreht sich immer alles um Sex und Geld. Das ist das, was Menschen bewegt und beflügelt. Sprechen wir über Geld, das ist das, was zwar die meisten Menschen nicht haben, aber doch gerne hätten und ggf. davon träumen genug zu haben. Ob das Leben besser wäre, steht auf einem ganz anderen Blatt. - Vllt. ist das gar kein Unterschied zum Thema Sex, aber darüber jetzt mal keinen Kommentar weiter!? -

Wie dem auch sei, wer ein bißchen Geld rumliegen hat, kann das investieren. nvestitionsmöglichkeiten gibt es mehr als genug. Man kann z. B. in Häuser investieren.

Was mich dazu bringt: Es war mal wieder Zwangsversteigerung meiner Wohnung und noch ein paar anderer Wohnungen. Zum Termin bin ich dann aus Neugier erschienen, will man doch wissen, ob sich nun jemand findet, diese Wohnungen (6 und ein gewerlich genutztes Teilobjekt) zu erwerben. Der Zuspruch war phänomenal, wenn man das mal so lakonisch ausdrücken kann. Also ich war da, dann kamen noch zwei Herren, eine Dame und zum Schluß erschien der Rechtspfleger. Die Dame war im Auftrag eines Immobilienmaklers vor Ort, der eine Herr war der Rechtsanwalt der Gläubigerbank, der andere Herr war mir bekannt, es war ein Mieter.

Geboten hat niemand, wer auch. Der Rechtspfleger und der Anwalt unterhielten sich die ganze Zeit über die momentane Situation, kein Objekt geht im ersten oder zweiten Anlauf weg. Nicht mal für Schnäppchenjäger ist das alles noch interessant. Der Gesetzgeber kümmert sich darum wenig, wissen sie doch nicht, wie die Lage aussieht.

Die Dame vom Immobilienmakler hat auch nicht geboten. Noch hat sich kein Interessent gefunden. Allen ist es noch zu teuer. Ist ja auch erst der zweite Termin. Irgendwann wird das Objekt schon weggehen, wenn es billiger wird. Denkt man.

Ich bin darüber gar nicht böse, schließlich bedeutet das auch, dass wir noch eine Weile Ruhe haben werden. Wer weiß, was ein neuer Eigentümer so für Vorstellungen hat. Der nächste Versteigerungstermin wird ca. in einem Jahr sein. 

Wer also noch ein bißchen Geld rumliegen hat, kann gerne investieren.

Anschließend bin ich dann zu Nessi gegangen. Ich war ja schon ewig nicht mehr da, sie beschwert sich darüber nicht selten. Sie wohnt ja (noch) am anderen Ende der Stadt. Hat vor einigen Tagen ihre Kündigung erhalten, die Wohnungen werden abgerissen. So geht man heute mit dem Wohnungsbauprogramm unseres verrehrten Herrn Honecker um. Man reißt die Wohnungen ab, niemand will dort wohnen. Die Wohungen sind nicht mehr so toll. Aber vorher war man froh, eine Neubauwohnung zu haben. Zeiten ändern sich. Und nicht zuletzt soviel Leute gibt’s auch nicht mehr hier. Es steht viel leer.

Man hat schon fleißig abgerissen dort oben. Freie Flächen, es stürmt darum auch ganz schön. Sieht schon seltsam aus. Was soll nun werden aus den freien Flächen? Ein neuer Park, ein neues Gewerbegebiet, ein neuer Parkplatz? Nach den Willen der Kommune soll dort Eigentum entstehen. Eigenheime. Bisher ist das Interesse wohl eher verhalten.

Und wieder: Wer also noch etwas Geld rumliegen hat, unterm Kopfkissen, auf dem Nummernkonto im Ausland oder vllt. demnächst im Lotto gewinnt, hier gibt es die Investitionsmöglichkeiten. Oder auch nicht.

Der Tag bei Nessi war ganz angenehm. Zurück bin ich dann mit dem Bus, eine kleine Stadtrundfahrt. Die Stadt verändert sich nicht, auch wenn man bestimmte Teile selten sieht. Will sagen, sie verändert sich nicht so, wie man das erhoffen würde. Viel Leerstand.

Paulchen hat dann auch noch angerufen. Er fährt ja morgen zu einem kurzen Ausflug zu seinem Vater, mit einem Pfleger und der Sozialtante. Irgendwann werden sie auch bei mir aufschlagen. Bevor die Patienten zum Urlaub fahren dürfen, wird das Umfeld abgeklopft. Jedenfalls möchte er eine CD haben. Hat ja immer irgendwelche Wünsche, ist also nicht wirklich neu. Die CD ist von den Zipfelbuben. „Was ist das eigentlich?“ Die CD hat wohl irgendwas mit dem Dschungelcamp zu tun. Ein Fun-Geschenk sozusagen. Ich hab sie mir dann bei Amazon angehört, sie ist grottenschlecht. Ich weiß schon, warum ich weder Dschungelcamp gucke, noch sonst irgendwas aus diesem Mainstreamformat. Ist ja kein Problem man kann die CD bestellen, und ich finde immer irgendwas bei Amazon. Außerdem hat Paulchen im Feburar ja auch Geburtstag. Aufpassen muß ich nur, dass sowas nicht in meine Empfehlungsliste gelangt, das muß ich wirklich nicht haben.


30.01.2009 um 02:11 Uhr

Vermieter

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wie es dazu kommt, dass Sachen versteigert, Menschen überschuldet werden, ist den Meisten von uns mehr oder weniger bekannt. Manchem aus eigener Erfahrung. Schön und vor allem gerecht finde ich es aber, wenn Leute betroffen sind, von denen man das nie gedacht hätte.

Vermieter zum Beispiel wie meiner: Rechtsanwalt, kleines Bauunternehmen, Vorsitzender beim örtlichen Verein Haus und Grund (das Gegenteil vom Mieterverein) usw.

Ich kannte meinen Vermieter schon lange. Er war immer im Gespräch. Zumal ging er vor Jahren mal bundesweit durch die Presse. Vllt. erinnert sich so mancher an die Sendung „Wie bitte?“, die mal von RTL ausgestrahlt wurde.

Dort fand man die Anzeige des Herrn sehr interessant. Er annoncierte nach einer Hilfskraft für seine Kanzlei, die ca. 10 Wochenstunden arbeiten sollte, der Lohn dafür war 10 DM/Stunde. Das ist alles noch nicht ungewöhnlich, aber was sollte sie tun:


  • Unterstützung bei den Kanzleiarbeiten

  • Kopieren

  • Diktate aufnehmen und schreiben

  • Termine vereinbaren, Telefondienst

  • Mandanten betreuen

  • Reinigungsarbeiten in der Kanzlei

  • Reinungsarbeiten bei der befreundeten Kanzlei

  • Hilfe im ambulanten Pflegeverein seiner Tochter

  • mal ein Hemd bügeln

  • Gerichtspost erledigen

  • Kleine Einkäufe erledigen

  • Reinigungsarbeiten in den Wohnungen

  • kleinere Gärtnerarbeiten

Das ist effiziente Zeiteinteilung. Ob sich jemals jemand gefunden hat für diesen Job, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß nur, dass das Arbeitsamt sich mal bei jemandem, der gerade einen Job dort hinschmeißen wollte: „Wir hätten nie gedacht, dass Sie das solange dort aushalten.“

Klingt doch interessant.

Ich fand ihn dann bei meiner Vorsprache nach einer Wohnung ganz nett. Die Kanzlei war nicht gerade modern, untergebracht sicher in seinem Haus. Viel Papier lag dort rum, die Frage stellte sich, findet sich da jemand raus. Gibt es diese gute geführte Kanzlei von früher, siehe oben, noch? Er zeigte mir bereitwillig alle Wohnungen, die er hatte, fuhr sie mit seinem PKW auch mit mir ab, stellte kaum Fragen zu meiner Person und schon gar nicht zur Bonität, wie ja bei privaten Vermietern nicht unüblich. Er machte nur darauf aufmerksam, dass er keine Lastschriften macht, diese gehen dann mangels Deckung zurück und man hat nur Ärger. Er möchte die Miete überwiesen haben, den Beitrag von der Hausverwaltung für die Betriebskosten sollen aber direkt an diese überwiesen werden. Ich bekam die Wohnung sofort. Er wußte schon was kommt, hat sich nicht viel gekümmert. Hat mir beim Einzug erklärt, in der Wohnung wohnte bis vor kurzem eine ältere Dame, die jetzt im Pflegheim ist, er bekommt für diese Wohnung noch drei Monate die Miete. Plus meine dann. Hab ich aber nur gedacht.

Gehört hab ich nie viel von ihm. Kurz bevor die Beschlagnahmung der Wohnungen seitens des Amtsgerichts erfolgte, erhielt ich noch einen Brief von ihm, dass ich für 12 Monate die Miete an ein Gebrauchtwagenhändler zu zahlen hätte. Er hat sie abgetreten. Dazu ist es dann nicht mehr gekommen.

Ein paar Jahre danach hatte er wohl noch seine Kanzlei und sein Bauunternehmen.

Ob er jetzt wieder „nach Hause“, Richtung Westen, gegangen ist, weiß niemand. Beim Versteigerungsverfahren verhält er sich sehr ruhig, man hat ihn lange nicht gesehen.


30.01.2009 um 01:35 Uhr

Warum werden wir geboren?

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Frage: Warum werden wir geboren

Antwort: Wegen Adam und Eva

(aus „Die Sopranos“)

Das ist doch mal ein Zitat, was mir wirklich gefällt. Das läß so überhaupt keine Fragen offen, ist logisch und überhaupt. Die armen Beiden, nicht nur dass sie für die Erbsünde verantwortlich gemacht werden, und Eva für alles Schlechte in der Welt, also Sex, nun sind sie also auch dafür noch verantwortlich. Ist das eigentlich Blasphemie? Ich habe schon immer gesagt, ich bewundere, tief gläubige Menschen. Sie brauchen sich nicht solch sinnlosen Fragen nach dem Sinn zu stellen, sie haben darauf eine Antwort, und wenn sie keine haben oder mal so gar nicht zufrieden mit den Entscheidungen, dann finden sie immer noch Trost oder Antworten. 


26.01.2009 um 22:37 Uhr

Jammerlappen

von: Paulinchen   Kategorie: Zitate

Die Hirnforschung hat neben dem Stirnlappen und dem Seitenlappen noch einen Jammerlappen entdeckt - der bei den Deutschen eben sehr ausgeprägt ist.
(Dr. med. E. Hirschhausen)

26.01.2009 um 09:37 Uhr

Sport und keine Freude dabei

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Es wurde sehr viel über Struktur im Leben geschrieben. Unterschiede zu „uns früher“ und heute. Es gibt viele Gründe, warum die Dinge so sind wie sie sind, warum man sich mit ihnen arrangieren muß, warum man nicht vermag sie zu ändern oder nicht will. All das ist sehr individuell.

Ich hab hier nicht zuletzt die Pioniergesetze und die 10 Gebote reingestellt, weil sie sich vllt. in einigen Dingen gleichen oder uns Ansporn waren, unser Leben zu leben. Ob wir das immer getan haben, ob wir damit einverstanden waren, ist eine ganze andere Sache.

Einige Dinge haben sich geändert. Das ist eine uralte Weisheit. Wir kennen alle den Spruch: „Früher war alles ganz anders“. Wir haben ihn gehasst und doch entdecken wir heute, dass wir ihn selbst benutzen.

Was war denn nun anders? Es sind viele Dinge, aber kommen wir auf eines ganz besonders zu sprechen. Eines, was ich gehasst habe, eines was ich nicht vermissen würde.Das ist das Pioniergesetz: Wir Thälmannpioniere halten unseren Körper sauber..., treiben Sport...“

Sport war es, was mir das Leben zur Hölle machte. Sport war wichtig, es war Hauptfach. Alle waren sportlich, nur ich nicht. Maximal so kleine Dicke, aber die gab es damals ja noch nicht so viel. Ich war nicht sportlich. Sport gab es immer und überall, in den Kindergärten, Schulen, Ferienlagern, in Arbeitsgemeinschaften, in der Ausbildung, im Studium, bei der NVA, in Betrieben.

Ich war schlank, neigte eher zu Untergewicht, aber ich war gelenkig wie ein Brechstange. Im Kindergarten war das noch gar nicht so aufgefallen, vielleicht wurde damals noch nicht so sehr viel Wert darauf gelegt. Aber in der Schule stellte es sich heraus, sie kann es nicht.

Die Schule machte Spaß - sicherlich. Außer Sport, hatte man die Möglichkeit, dann machte man nicht mit. Es gab so Fächer, die lagen einem nicht so. Ich habe erst neulich erklärt, von Physik habe ich keine Ahnung, Frauen müssen sowas nicht wissen. Ich erhielt darauf viel anerkennendes Gelächter, die Meisten waren wohl meiner Meinung – Frauen. Ich konnte auch nicht malen, basteln. Es lag mir nicht.

Meine Eltern waren da andes. Sie waren beide sportlich. Meine Mutter konnte auch ganz gut malen. Sie war zuständig für Hausaufgaben, wenn es dann hieß, malen. Und die Lehrer nun ja, da hieß es, streng Dich an, bemüh Dich. Man kann alles lernen. So war es dann auch so, wenn meine Mutter meine Zeichenaufgaben erledigte, dass ein Lehrer sagte. „Siehste, wenn Du Dich anstrengst, dann geht es auch. Dafür gibt es eine Eins.“ Und ich dachte: „Du Trottel, das hab ich überhaupt nicht gemacht, das war meine Mutter.“ Die Eins nahm ich und sagte dann zu ihr: „Du hast heute eine Eins bekommen.“

Sport lief aber anders, nicht nur, weil es Hauptfach war, es konnte auch keiner für einen erledigen. Kinder sind unbarmherzig, Eltern können es zuweilen auch sein. Ich erntete dann bei meinen sportlichen Aktivitäten immer viel Gelächter. Es gab Lehrer, z. B. In der Ausbildung: „Sie laufen nicht schön, aber elegant.“ Diese Lehrerin wurde dann irgendwann gefeuert, nicht weil sie unsportlich war, sondern weil sie in die Lehrlinge während des Unterrichts beklaute. Die trieben Sport, die Lehrerin beklaute sie unterdessen.

Es war immer ein Grauen. Meine Mitschüler, auch wenn sie mich teilweise lange kannten, hatten doch ihren Spaß daran. Andere Klassen natürlich noch viel mehr. So hörte ich mal, wie zwei meiner lieben Freundinnen zu einem coolen Kerl sagten: „Komm doch mal ans Fenster gucken, wenn wir Bockspringen machen, Du lachst Dich kaputt.“ Ich hätte ihn natürlich auch bestellen können, wenn sie ihre Ergüsse in Deutsch zeigen, aber das war nicht cool. Sport war cool.

Die Sportnote sah nicht gut aus auf dem Zeugnis. Mein Vater, natürlich bestrebt für seine Tochter das Beste zu wollen, meinte dann: „Studieren kannst (Direktstudium) Du nie, mit der Sportnote ist das einfach nicht möglich.“ Er hatte nicht Unrecht. Ich wäre gern Lehrerin geworden, Deutsch, Russisch, Geschichte. Aber mit dieser Note in Sport, das war wohl undenkbar.

Er unternahm auch viel dagegen. Er, hätte es das zu seiner Zeit gegeben, wäre gern auf eine Sportschule gegangen. Nun so einfach war das zwar nicht. Die Auswahlkriterien dafür waren hoch, außergewöhnliche sportliche Leistungen, olympiafähig waren Bedingung. Wer das nicht brachte, wurde schnell geschasst. Wie nachgeholfen wurde, wurde spätestens nach dem Zusammenbruch der DDR bekannt. Doping.

Ich wurde in allen möglichen und unmöglichen Sportgemeinschaften angemeldet. Ich mußte das lernen. Gebracht hatte es nicht viel, nur die Aussage der damaligen Lehrerin, heute Leiterin des Jugendamtes: „Warum bist Du eigentlich hier, hier sollen doch Kinder sein, die sehr gut im Sport sind, auf die kann man sich so nicht konzentrieren.“ Mein Vater selbst Übungsleiter nahm mich zu seinen Stunden mit, er trainierte eine Jungenkegelmannschaft. Bestandteil war natürlich auch das Sportabzeichen. Ich mußte dann teilnehmen, was bei seinen Jungs viel Freude auslöste. Das Sportabzeichen bekam ich dann in Bronze, wurde nachgeholfen sozusagen. Was zumindestens den Vorteil hatte, die Zensur verbesserte sich allein durch die Tatsache und dass man schwimmen konnte.

Einzig meine Oma hatte Verständnis und sagte mir, ich solle nicht traurig sein, manche Dinge kann man nicht lernen. In anderen Dingen bin ich doch gut und überhaupt kann sie das nachvollziehen, denn sie konnte nie singen und weiß wie es mir geht.

Gebracht hat diese ganze Treiberei nicht viel, irgendwann wollte ich überhaupt nicht mehr. Mein Vater sah ein, dass es nichts brachte. Man nahm die Zensur hin. Selbst einige Lehrer erkannten, es hat keinen Sinn, lieferten mich nicht mehr der Lächerlichkeit aus. Während der Lehre war ich dann auch die, die nicht am obligatorischen Sportfest teilnehmen mußte. Ich war nur anwesend. Meine Mutter war aktiv und teilte sich in ihrer Altersgruppe die vorderen Ränge abwechselnd mit der damligen Direktorin für Kader und Bildung.

Das änderte natürlich nichts an der Tatsache, dass die Zensur miserabel war. Ich war nicht sehr strebsam, ich war immer der Meinung, eine Zwei reicht durchaus. Mein Vater sagte dann auch immer: „Für eine Eins muss man im Grunde besser sein als der Lehrer.“ Das Ende vom Lied ist allerdings, ich wurde nie Lehrerin. Ob ich eine gute geworden wäre? Wer weiß das schon.

Unterrichtet habe ich in Jugendjahren viel.Nachhilfe, meine Oma in Russisch, was immer sehr lustig war. Ja, es wäre der Traumberuf gewesen.

Und man erlernte einen Büroberuf, weil meine Klassen- und Deutschlehrerin sagte, bei Deinem guten Deutsch, kannst das machen. Ja, was solls. Vorstellungen hatte man keine. Es hätte sicher viele Alternativen gegeben, aber wer weiß das schon mit 15,16.

Glücklich war ich nicht. Es war nicht mein Wunschberuf und gut war ich in den ersten Jahren auch nicht. Auf dem Ausbildungszeugnis schlägt die Sportnote auch negativ zu Buche.

Hätte die DDR länger gedauert, hätte ich sicher die Chance ergriffen, irgendwas in der Ausbildung zu machen. Zweiter Bildungsweg. Ich nahm kurz vor der Wende Anlauf, Paulchen war aus dem Gröbsten raus. Mein Mann war von dieser Idee sicher nicht so ganz begeistert, er wußte es nicht mal so richtig.

Es gab halt so Aussagen einer Kollegin, die ein Sonderstudium/Fernstudium absolvierte, mehr schlecht als recht: „Prozentrechnung oder Deutsch – sowas hatten wir während des Studiums nicht, das muß ich also nicht können.“ Aber wir hatten das 10 Jahre lang oder. Diese Aussage bekräftigte mich dann, wenn die das geschafft hat, dann Du doch erst recht.

Die Wende machte die Pläne unmöglich. Die Politik der Arbeitsagentur sowieso. Man hat alles umgeschult, vom Maurer zum Elektriker, vom Elektriker zum Maurer, vom Koch zur Anwaltsgehilfen. Man hatte Tausende Bürokaufleute ausgebildet, Tausende Bankkaufleute. Wozu weiß niemand? Gebraucht wurden sie nie. Aber ich hatte ja einen Beruf, für mich kam das nicht in Frage. Erst viel später erhielt ich die Möglichkeit, einen zweiten kaufmännischen Abschluß zu machen.

Natürlich hätte man vieles tun können. Hätte man das Geld gehabt, hätte man es bezahlen können. Eine meiner Kolleginnen, die 1997 noch ein Studium begann, sagte dann auch, warum machst Du das denn nicht. In erster Linie konnte ich natürlich meine Familie nicht im luftleeren Raum hängen lassen.

Es hat mir auch mal ein Dozent gesagt. „Warum unterrichten Sie kein EDV. Das wird gesucht.“ Damals jedenfalls. Nun, ich traute es mir nicht zu. Ich war der Meinung, EDV kann man nur unterrichten, wenn man davon allumfassend Ahnung hat. Wie irrsinnig meine Meinung war, erlebte ich in jahrelangen Weiterbildungen und Qualifizierungen, die alles in allem auch Spaß machten. Erwachsene in Ausbildung sind wie Kinder, benehmen sich wie Kinder, ihre Kinder würden sie was erzählen, benehmen die sich so wie man gerade selbst. Es war immer lustig!

Da gab es so einige Dozenten, die sich von jetzt auf gleich widersprachen, die noch im Unterricht ausprobierten, wie man dann Buchstaben in Word bunt macht. Eine wichtige Sache. Die während des Unterrichts aus dem Fenster guckten.

Den Dozentenschein, der dafür nötig wäre, den hab ich natürlich auch nicht. Bezahlt hat ihn das Amt nicht. Wie hätte man die 1000 DM dafür aufbringen sollen, wie es der Familie plausibel machen? Wäre es anders gelaufen? Wer weiß das schon.

Die Arbeitsamtpolitik war immer falsch. Es wurde ausgebildet, was nicht wirklich gebraucht wurde. Hätte man nicht, wie in den Nachkriegsjahren, Lehrer ausbilden können. Schnellbesohlung. Die werden doch immer mal händeringend gesucht, obwohl es viele arbeitslose Pädagogen gibt. Hätte man nicht im Sozialen ausbilden können? Altenpflegerinnen wurden viele ausgebildet, aber ansonsten?

Ich wollte immer unterrichten. Mir wurde auch nachgesagt, dass ich ganz gut bin darin. Viele Jahre habe ich selbst mit Arbeitslosen gearbeitet, ich habe sie betreut sozusagen. Meine Kolleginnen bewunderten immer meine Gelassenheit. Der etwas zurückgebliebene Kollege, der drei mal die Woche kam, um nach seinen Urlaub zu fragen, bekam eine Antwort, auch wenn ich nicht mehr in die Urlaubsliste schauen mußte, ich wußte es. Andere machten sich darüber lustig, ich nicht. Ich konnte ihm auch 20 mal sagen, wie er genau das machen soll. Ich verlor nicht die Ruhe.

Die Ruhe verlor ich erst im Kinderheim. Da habe ich gebrüllt, weil es manchmal nicht anders ging, weil der Ton, die Handlungen so abartig waren, dass sie gewöhnungsbedürftig waren und man sich manchmal einfach Luft verschaffen mußte. Aber selbst da verstanden manche meine Gelassenheit nicht, in manchen Situationen. Man kann sich nicht immer über alles aufregen, das gibt graue Haare. Warum hat Carsten seine Hausaufgaben so unkonventionell gemacht? Warum hab ich ihm alles vorgeschrieben, ganz ordentlich, ich hab mich wirklich bemüht, und er es nur abgeschrieben? Schließlich soll er schreiben. Weil er die Konzentration nicht hatte, weil sein Schriftbild dann unleserlich war, weil er so gezwungen war, mal richtig ordentlich und richtig zu schreiben. Nein, Pädagogen sehen das anders. Aber okay.

Wäre es für mich erfreulicher, wäre es anders gelaufen? Ich weiß es nicht, sowas weiß man nie. Irgendwann hab ich mich mit meinem Bürojob angefreundet.

Beruf ist nicht alles, was es an Freude gibt. Aber ein wichtiger Bestandteil. Es ist wichtig, weil es Selbstvertrauen gibt. Von der ganzen finanziellen Seite mal ganz zu schweigen.

Und was macht noch Freude im Leben? Freunde, Bücher, Sex, Filme, Hobbies, Reisen... Alles davon. Gesundheit nicht zu vergessen.

Die Erkenntnis: Die Freude am Leben sollte man sich bewahren, wo immer man sie findet. Man sollte sie auch suchen. Vllt. auch manchmal ganz unkonventionell. Sie ist wichtig. Und Struktur hat jeder von uns, sie wird einem durch irgendwelche Gesetzmäßigkeiten, irgendwelche Regeln aufgezwungen. Ob man sich dessen wirklich immer bewußt, ob vieles nur unbewußt ist, nun ja.

Was den Sport betrifft, das hat sich heute geändert. Heute ist Sport in den Schulen weniger wichtig, Arbeitsgemeinschaften gibt es kaum noch. Vereine buhlen teilweise um Nachwuchs. Die Kinder haben keine Lust, sind auch unsportlich, oder es fehlt am nötigen Kleingeld. Für die Gesundheit ist es sicherlich förderlich, gäbe es mehr Sport. Auch in meinem Leben. Wobei ich dann eine gewisse Sportart vorziehe.



26.01.2009 um 08:08 Uhr

Gebote

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

GESETZE DER THÄLMANNPIONIERE

Wir Thälmannpioniere
lieben unser sozialistisches Vaterland, die Deutsche Demokratische Republik.

In Wort und Tat ergreifen wir immer und überall Partei für unseren Arbeiter- und Bauern-Staat, der ein fester Bestandteil der sozialistischen Staatengemeinschaft ist.

Wir Thälmannpioniere
tragen mit Stolz unser rotes Halstuch und halten es in Ehren.

Unser rotes Halstuch ist Teil der Fahne der Arbeiterklasse. Für uns Thälmannpioniere ist es eine große Ehre, das rote Halstuch als äußeres Zeichen unserer engen Verbundenheit zur Sache der Arbeiterklasse und ihrer Partei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, zu tragen.

Wir Thälmannpioniere
lieben und achten unsere Eltern.

Wir wissen, daß wir unseren Eltern viel verdanken.
Wir befolgen ihren Rat und helfen ihnen immer. Wir wollen bewußte Gestalter der sozialistischen Gesellschaft werden.

Wir Thälmannpioniere
lieben und schützen den Frieden und hassen die Kriegstreiber.

Durch fleißiges Lernen und durch gute Taten stärken wir den Sozialismus und helfen den Friedenskräften der ganzen Welt. Wir treten immer und überall gegen die Hetze und die Lügen der Imperialisten auf.

Wir Thälmannpioniere
sind Freunde der Sowjetunion und aller sozialistischen Brudervölker und halten Freundschaft mit allen Kindern der Welt.

Die Freundschaft mit der Sowjetunion ist uns Herzenssache. Die Leninpioniere sind unsere besten Freunde. Wir arbeiten eng mit den Pionieren der sozialistischen Länder und allen fortschrittlichen Kinderorganisationen in der Welt zusammen. Wir üben aktive Solidarität mit allen um ihre Freiheit und nationale Unabhängigkeit kämpfenden Völkern.

Wir Thälmannpioniere
lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert.

Wir eignen uns gründliche Kenntnisse und Fertigkeiten an und treten überall für Ordnung, Disziplin und Sauberkeit ein.
Wir sorgen dafür, daß jeder ehrlich lernt, sein Wissen anwendet und daß bei ihm Wort und Tat übereinstimmen.
So bereiten wir uns auf das Leben und die Arbeit in der sozialistischen Gesellschaft vor.

Wir Thälmannpioniere
lieben die Arbeit, achten jede Arbeit und alle arbeitenden Menschen.

Wir lernen von den Arbeitern, Genossenschaftsbauern und den anderen Werktätigen und packen schon heute bei der Arbeit mit zu, wo immer es auf unsere Hilfe ankommt. Wir schützen das Volkseigentum.

Wir Thälmannpioniere
lieben die Wahrheit, sind zuverlässig und einander freund.

Wir streben immer danach, die Wahrheit zu erkennen, und treten für den Sozialismus ein. Wir erfüllen die von uns übernommenen Aufgaben und stehen zu unserem Pionierwort. Wir sorgen dafür, daß unsere Gruppe eine feste Gemeinschaft wird, und helfen kameradschaftlich jedem anderen Schüler.

Wir Thälmannpioniere
machen uns mit der Technik vertraut, erforschen die Naturgesetze und lernen die Schätze der Kultur kennen.

Wir interessieren uns für das Neue in Wissenschaft und Technik. Wir nehmen am naturwissenschaftlich-technischen Schaffen teil, betätigen uns künstlerisch, fördern die Talente und beweisen unser Können.

Wir Thälmannpioniere
halten unseren Körper sauber und gesund, treiben regelmäßig Sport und sind fröhlich.

Wir stählen unseren Körper bei Sport, Spiel und Touristik. Wir interessieren uns für die Schönheiten unserer Heimat und wandern gern. Wir rauchen nicht und trinken keinen Alkohol.

Wir Thälmannpioniere
bereiten und darauf vor, gute Mitglieder der Freien Deutschen Jugend zu werden.

Wir interessieren uns für die Geschichte des sozialistischen Jugendverbandes und die Taten der FDJ-Mitglieder. Ihre hervorragenden Leistungen sind uns Vorbild und Ansporn. Wir verwirklichen mit ihnen gemeinsame Vorhaben.

(Quelle: http://www.ddr-geschichte.de/Bildung/Schule/Pionierorganisation/Pionier-Gesetze/pionier-gesetze.html)

 

Der Vollständigkeit halber:und da sie sich im Einzelnen wahrscheinlich nur im Wortlaut unterscheiden:

Die 10 Gebote


  1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir

  2. Du sollst den Namen des Herren nicht missbrauchen.

  3. Du sollst den Feiertag heiligen.

  4. Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren.

  5. Du sollst nicht töten.

  6. Du sollst nich ehebrechen.

  7. Du sollst nicht stehlen.

  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.

  9. Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Haus.

  10. Du sollst nich begehren Deines Nächsten Weib.

(Quelle: http://www.mdr.de/kultur/647735-hintergrund-661112.html#absatz3)

 

Als 11. Gebot gilt, oft zitiert und doch nicht offiziell:

       Du sollst Dich nicht erwischen lassen.

Die Pioniergesetze habe ich auf der alten Plattform schon einmal veröffentlicht. Hintergrund ist gar nicht so sehr der nostalgische Gedanke, sondern vielmehr die Frage nach der Struktur und der Freude des Lebens.

26.01.2009 um 00:45 Uhr

Leben genießen

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Mancher wird sich daran erinnern. Unsere Jugend, auch wenn das jetzt sehr abgedroschen klingt, war sehr strukturiert. In der DDR ganz besonders, über den anderen Teil Deutschland weiß ich diesbezüglich nicht viel, gar nichts.

Es ist schon richtig. Man kam auf die Welt, irgendwann gingen die Meisten von uns dann in die Kinderkrippe (ich übrigens nicht, meine Mutter war solange zu Hause), damit die Mütter wieder arbeiten gehen konnten. Es dachten auch nur wenige darüber nach. Es war einfach so. Das Geld wurde gebraucht und was sollte Frau auch zu Hause? Danach kam der Kindergarten, die Schule, die Lehre (Studium, Armee), der Beruf. Spätestens nach Abschluß der Lehre oder des Studiums bekam Frau ein Kind, nicht wenige bekamen das Kind auch schon während der Ausbildung, des Studiums oder sogar während der Schule. Man heiratete dann vllt., es gab durchaus soziale Vorteile, wenn man unverheiratet blieb. Die Krankheit des Krippenkindes wurde so bezahlt (verheiratete Mutter bekamen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall der Kinder). Oder hat es vorher schon, mit 18, 19. Das Leben war einfach, aufgeteilt in Arbeit, die Kinder aus den Einrichtungen holen. Ein bißchen Urlaub im Jahr, mit viel Glück bekam man einen FDGB-Urlaubsplatz. Das kostete alles nicht die Welt, selbst von den kleinsten Löhnen oder Gehältern war das alles bezahlbar. Diese Einrichtungen kosten nur ein paar Mark im Monat, die Schulkinder konnten 3 Wochen in ein Ferienlager fahren. Vielleicht bekam man auch mehr Kinder, was vom Staat honoriert wurde, z. B. durch kürzere Arbeitszeiten. So ging das dann mehr oder weniger weiter bis zur Rente. Mancher wechselte vllt. zwischendurch mal den Arbeitsplatz, auch das war nicht so schwer. Frauen gingen mit 60, Männer mit 65 in Rente. Dann konnte man sterben oder bestenfalls das Land in Richtung Westen für immer verlassen. Rentner durften das.

Viel Zeit für Fragen blieb da nicht. Wer sich das doch zeitweise fragte, passte nicht ins System. Bestimmte Dinge gab es im Sozialismus offiziell nicht: Gewalt auf der Straße, Gewalt in der Familie. Das war alles mit den sozialistischen Persönlichkeiten nicht vereinbar. Man trug Verantwortung vom Kindergarten bis zur Rente/Tod. Wer nicht so dachte, passte nicht ins System.

Natürlich hat man sich, wenn man ehrlich ist, immer mal gefragt: War es das nun? Mir ging das manchmal so, wenn ich gegen halb 5 das Bett verließ, mein Kind kindergartenfertig machte und spätnachmittags nach Hause kam. Du würdest so gerne mal auschlafen, Ruhe haben. Ich wurde dann nicht selten krank, bekam dann z. B. Mal Windpocken, obwohl ich sie in der Kindheit schon hatte (medizinisch möglich).

Es passten einige nicht ins System, die irgendwann mal unpassende Bemerkung machten, die gehört wurden, Westverwandtschaft hatten oder auch nicht genug Verantwortung übernahmen. Natürlich gab es Kriminalität. Aber das war nicht die Mehrheit.

Die medizinische Versorgung war qualitativ nicht die Beste, aber sie war kostenlos. Die Krankenhäuser waren baulich nicht schön, die Apparate waren mit Sicherheit nie auf dem neuesten Stand der Technik, aber sie war kostenlos, was einem heute natürlich angesichts steigender Beiträge und Zuzahlungen bewußt wird.

Sicher möchte der Eine oder Andere diese Sicherheit wieder haben, diese klare Struktur. Das Leben stand mehr oder weniger von der Wiege bis zur Bahre fest. Sehr viel Eigenleben gab es dazwischen nicht unbedingt. Inwieweit jeder damit  zu Recht kam, inwieweit jemand mit dem System in Konflikt ging, ist ganz unterschiedlich.

Das das System nicht das Beste war, bemerkte ich beispielsweise ganz bewußt, als mein Opa in einem sehr maroden Krankenhaus lag, in dem ein Arzt nur mehrmals pro Woche für Stunden erschien. Die alten Damen und Herren waren in ein Zimmer gefercht. So sorgte die DDR also für die, die sie aufgebaut hatten. Das klang theoretisch doch ganz anders.

Das Leben war strukturiert. Ist es das heute noch?

Vor ein paar Tagen hatte ich eine Diskussion im Chat mit einem Mann, der seine Tochter rauswerfen wollte. Sie hat nur Partys und Sex im Kopf. Das Abitur wird sie nicht schaffen. Sie solle Verantwortung übernehmen. Den Satz kenne ich gut, bei uns war es noch sozialistische Verantwortung, sozialistische Persönlichkeiten übernehmen Verantwortung für sich und die Gesellschaft.

Ich kann ihn durchaus verstehen, er zahlt für das alles. Aber so ganz kann ich mich seiner Tochter nicht entziehen, die der Meinung ist, dann drehe sie halt noch mal eine Ehrenrunde.

Heute heiratet kaum noch jemand mit 18 oder 19. Die Scheidungsrate in der DDR war eh hoch. Die Wenigsten bekommen in diesem Alter schon Kinder. Waren wir wirklich weiter in der Entwicklung?

Hab ich nicht auch ein Kind bekommen, weil es einfach in dem Alter dazu gehörte. Hat man nicht geheiratet, weil man auch wußte, die Scheidung passiert schnell, ist kostengünsig und überhaupt gibt es noch einen Ehekredit (7000 Mark zur Anschaffung von Möbeln und Geräten, kostengünstig bei den Sparkassen, für jedes Kind wurden 1000 Mark abgezogen). Außerdem bekommt man nur so eine Wohnung, was auf mich durch besondere persönliche Umstände nicht zutraf.

Eine ähnliche Diskussion gab es heute mit Paulchen. Das Thema ist da in vielfacher Hinsicht akut. Er weiß recht gut, dass er keine Familienstruktur will. Er will kein Ehemann und Vater sein. Jetzt noch nicht. Ich kann das gut nachvollziehen. Und seine Püppi, die weiß noch nicht, was sie will. Will sie ihn oder will sie doch mit ihrem Freund zusammenziehen? Die Wohnung gibt es schon. Es ist eine schwierige Situation, entscheiden muß sie das selbst. Nur Beziehung, wie sie es beschreibt, hat es im Grunde nie gegeben. Kennt sie ihren Freund, deren Beziehung monatelang im Winken auf dem Gelände und später in einem Quickie auf dem Gelände bestand?! Oder werden die Beiden ein richtiges Paar, nicht ein so ganz heimliches. Eine verzwickte Situation, sie aufzuschlüsseln könnte Seiten füllen.

Es gibt Dutzende Beispiele. Ich erinnere mich gut an eine Kollegin, die vor ein paar Jahren ihren Lebensgefährten und Vater ihres Kindes geheiratet hat, obwohl die Beziehung alles andere als toll lief. Die Eltern wollten das, die Familie bezahlte. Sie wollte nie darüber reden, aber durch die Blume kam oft, was soll ich denn machen, ich kann nicht zurück. Auch wenn es dort jemanden gab, der  ihr Herz erobert hatte. Ich hab sie jahrelang nicht gehört, das Thema mit dem anderen Mann ist für sie keines mehr, sie hat sich für die Ehe entschieden und lebt damit. Wie ist sicher eine Frage, die sie sich nur selbst stellt, nie für andere beantworten möchte. Oder auch nicht. Wer kann schon reingucken in Beziehungen.

Das Thema ist alt, und wird es immer sein. Generationen vor uns haben sich noch früher zur Familienbildung entschlossen, manche heirateten schon mit 16.

Es lief heute ein Film im Fernsehen, „Das Beste kommt zum Schluß“ mit Morgan Freeman und Jack Nichelson. Das Fazit ist ganz einfach: Man soll die Freude am und im Leben nicht verlieren.

Heute schlag ich die Zeitung auf; es ist schlimm, wenn man ab einem Alter die Todesanzeigen liest und dann auch noch Leute entdeckt, die kürzlich verstarben, die man kannte und sogar jünger waren als man selbst. Ich weiß nicht woran der Herr verstorben ist, ich habe ihn zuletzt vor ca. 1,5 Jahren beim Psychologen getroffen, er sah nicht gut aus und wollte auch nicht reden. Nessi sah ihn vor ein paar Wochen und stellte schon fest, er sieht sehr krank aus.

Vorhin rief dann auch noch Dany an. Ihr geht es ja ganz gut. Sie hat ihren Krebs bekämpft, geht wieder arbeiten, denkt über einen Brustaufbau und eine Brustverkleinerung nach. Was sie belastet, und das habe ich vorher schon gesagt, ist die Arbeit. Die Arbeit nicht unbedingt an sich, sonderen der Streß, der damit einher geht. Sie ist ja täglich mehr als 13 Stunden unterwegs, steht um halb 4 früh auf, verlässt die Wohnung um 5, um dann außer freitags frühestens gegen 18.15 wieder zu Hause zu sein. Dass das belastet, dass das streßt, kann man gut nachvollziehen. Eine Wahl gibt es nicht unbedingt, wer möchte die Arbeit schon verlieren, das Geld wird gebraucht. Wen interessiert es schon, dass es nicht ungedingt gesundheitsfördernd ist? Sie kann noch froh sein, im öffentlichen Dienst zu arbeiten.

Die Freude am und im Leben nicht verlieren, das Leben solange zu genießen, wie es geht, das ist glaub ich, eine ganz wichtige Sache. Dany findest es momentan ganz toll, das ist etwas, was ich ja schon lange sage, manchmal allerdings angesichts irgendwelcher hirnrissiger Ideen und Männergespiensten vergesse, wie schön es ist, selbstständig zu sein, nur für sich Verantwortung zu haben, die Ruhe zu Hause zu genießen, alleine zu entscheiden, was man wann wie und wo macht oder auch nicht, keinen Beziehungsstreß zu haben.

Es hat alles Vor- und Nachteile. Anderseits ist natürlich kaum jemand da, der zuhört, der wartet, der sich sorgt, der hilft, der auffängt. Bei mir ist es Nessi, mein Sohn. Selbst das ist nicht ganz so einfach, denn man möchte auch niemandem zuviel Last aufhalsen. .

Leben – es ist komisch. Das Thema läßt mich momentan nicht wirklich los, das damit verbundene Thema Zeit.

Wir müssen alle irgendwann mal sterben. So ist es einfach. Angst davor, nein, das ist es gar nicht. Vielmehr ist es der Gedanke, dass die, die man liebt, die man braucht, auch mal gehen müssen. Das in unserer Gesellschaft schizoide ist der Gedanke nach dem Finanziellen dabei. Wer bezahlt die Miete weiter, wer bezahlt noch fällige Rechnungen, wer kann eigentlich die Beerdiung bezahlen? Für mich ist das gar kein Thema, nicht nur nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“, habe ich meinem Sohn schon immer eingeimpft, er soll das Erbe auf keinen Fall antreten. Soll doch der Staat oder von mir aus auch der dann amtierende Bundeskanzler/in dafür aufkommen. - Wer das jetzt mit dem Begriff Sozialschmarotzer abtun möchte, hat nicht ganz unrecht. Aber welche Alternative gibt es? -

Der Gedanke ist es viel mehr, der mich bewegt. Irgendwann wird es mal soweit sein und Du mußt für bestimmte Dinge sorgen, denn niemand lebt ewig und auch, die nach Deiner Meinung nach ewig leben sollten, werden es nicht tun, es sei dann, Du gehtst eher, aber wer will das schon. Ich will es nicht wirklich aussprechen, ausschreiben, ich weigere mich einfach. Ich weiß auch, dass viele darüber nachdenken, viele sich auch weigern, darüber nachzudenken. Es ist bequemer, einfacher. Man sollte es schon deshalb nicht, weil man ja die Freude am Leben nicht verlieren soll.

Warum habe ich schon vor Monaten abgelehnt, in einem Senioren/Pflegeheim zu arbeiten? Ich möchte wirklich nicht wissen, wie es zu Ende geht, wie schwer es sein kann und, das typische an unserer Gesellschaft, wie kostenintensiv.

Es gibt wenig Struktur in unserem Leben, die wichtigsten sind, dass wir geboren werden und sterben werden. Alles was dazwischen liegt, ist mehr oder weniger von einem selbst oder von gesellschaftlichen, familiären Umständen abhängig.

Ich bin nach all diesen Gedanken der Meinung: Die Jugend soll ihre Jugend solange genießen, wie es geht. Dass wir oft dazu neigen, zu meinen, wir wären verantwortungsvoller, wir hatten eher Familie, Beruf, Kinder, ist sicher richtig. Ob wir das wirklich so wollten, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ob wir nicht, hätten wir damals die Wahl gesehen, anders zu entscheiden, auch anders gehandelt hätten, wer weiß das schon. Wie die andere Handlungsweise augesehen hätte, auch das weiß niemand. Hätte man erst mit 30 ein Kind bekommen, hätte man auch mal eine Ehrenrunde in der Schule gedreht? Ich bedaure nicht, mit knapp 21 Mutter geworden zu sein. Zeitig Mutter zu sein, hat auch Vorteile. Man ist selbst noch jung, gelassen und ist noch jung genug, wenn die Kinder das Haus verlassen. Wobei letzters nicht mehr so ganz zutrifft, denn unsere Kinder (manche) sind halt länger zu Hause, weil es einfach so ist. Und diese Kinder können wirklich nicht behaupten, ihr Leben steht mehr oder weniger fest von der Wiege bis zur Bahre. Bei allen, vllt. auch negativen Gegebenheiten unserer Gesellschaft (Armut, Kriminalität, Rassismus, Süchte, Streß etc.)., ist das durchaus etwas positives.

Denn: Leben sollte man solange genießen, wie es geht. Auch das ist Verantwortung sich selbst gegenüber, den anderen gegenüber, nicht der Meinung zu sein, etwas verpaßt zu haben. Es schließt sich nicht aus. Wie das im Einzelnen aussieht, entscheidet man selbst. C'est la vie.


25.01.2009 um 03:03 Uhr

Alles Unmögliche

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Ein ganz anderes Wochenende mal. Ungewohnt. Ich sitze hier alleim am Rechner, war sogar mal im Chat, wo natürlich nicht wirklich was los ist. Oder anders gesagt, ich hatte nicht die richtige Lust dazu. Man kann die Zeit nutzvoller verbringen. Manchmal jedenfalls.

Das Wochenende ist anders, weil entgegen sonstiger Gewohnheit Nessi nicht hier ist. Sie ist krank, erkältet im Bett. Der Samstag lief auch ganz anders als sonst ab, denn ab sofort ist nicht mehr Samstag Besuchstag für Paulchen, sondern Sonntag. Er ist jetzt in der Hauptgruppe, 4 Monate dann ist die Therapie sozusagen beendet. Folgt noch REHA, Eingliederung. Alles in allem 6 Monate ca, wenn denn alles gut läuft.

Heute früh bin ich dann zeitig aus den Federn gesprungen, mein Vater wollte vorbei gucken. Im wahrsten Sinne des Wortes, es geht immer sehr schnell. Er hat bei der Durchsicht seines Inventars nun noch einige Schallplatten entdeckt und mir gebracht. Ja, was soll man damit. Ich weiß, Schallplatten sind voll retro und wieder im Kommen. Darum habe ich meine ganze Schallplattensammlung auch mehr oder weniger hier rumliegen, einen gängigen Plattenspieler hab ich nicht mehr. Ich wollte die Dinger ja schon mal irgendwie verscherbeln, hat mir natürlich jeder gesagt: „Spinnst Du, die sind wertvoll. Sowas wird gesucht.“ Hab ich dann auch gesehen auf'm Flohmarkt, da lagen sie rum, die teilweise in meinem Schrank liegen, für 25 Glocken. Gekauft hat sie aber auch keiner.

Das ist halt so typische Ossimentalität. Irgendwann kann man es ja noch mal gebrauchen, also hebt man es auf. Und überhaupt ist es zu schade, um es zu verscherbeln.

Mich nervt das ein Bißchen, denn eigentlich liegen die Dinger wirklich nur rum. Also sollte man sich nicht doch mal aufmachen, alles, was eigentlich nur rumliegt, unter die Leute zu werfen.

Anschließend habe ich mich dann auf die Socken gemacht. Paulchen wollte unbedingt für seine Püppi noch einen Kalender und da Nessi heute nicht aufschlägt, mußte ich wohl selber mal ran. Bin dann durch die halbe Stadt gelaufen, um nach schönen preiswerten Kalendern zu gucken. Fündig geworden. Da ich mich nun einmal, was nicht so oft vorkommt, aufgemacht habe, in die Stadt zu gehen, war ich noch nach Schuhen gucken. Und ob man es glaubt oder nicht, ich hab nichts gefunden, was ich hätte unbedingt haben wollen. Bei den Klamotten einer Discounterkette habe ich mich dann wieder köstlich amüsiert. Ich möchte doch wirklich mal den Designer kennenlernen. Glaubt wirklich jemand, dass diese kunterbunten Dinger in den Übergrößen einer anzieht?

Zuletzt war ich dann noch bei Penny. Es hat sich was geändert, der Discounter neben meiner Wohnung ist nicht mehr Plus, die wurden bekanntlich von Edeka aufgekauft, sondern Penny. Warum das nun Penny geworden ist, weiß ich nicht, in Pressemitteilungen war zu lesen, dass Edeka die Plusmärkt z. g. T. in Netto umwandelt oder aber verkauft. Das hat die Gruppe hier dann getan, und so gibt es zwei Penny-Märkte in der Straße, vier in der Stadt. Nachvollziehen muß man das natürlich nicht. Ich bin hellauf begeistert, vermisse meinen Plus und stelle fest, Penny ist ein Saftladen. Basta.

Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass ich nicht genug Geld los geworden bin. Das geht von alleine. Manchmal muß man dazu nicht mal das Haus verlassen. Hatten wir in der Vergangenheit ja schon des öfteren (siehe neuer Herd).

Paulchen hat dann auch angerufen. Seine Püppi ist im Urlaub zu Hause, ich sollte ihr eine SMS schicken. Dort sind ja keine Handys erlaubt. Hab ich dann getan, war eine sehr schöne, emotionale SMS. Die Antwort war dann weniger prickelnd. Sie hat ihm dann durch die Blume mitgeteilt, dass sie bei ihrem Freund ist. Nicht wörtlich, durch die -Blume. Wollte sich doch trennen, hatte sich getrennt?!

Wo das noch hinführen soll?

Überhaupt war die Woche relativ ruhig. Wie schon die vergangenen mehr oder weniger. Ronald war zu Besuch, wir hatten sehr schöne Stunden. Sex total.

Beim Amt mußte ich auch antanzen. Am Anfang des Jahres muß man ja die Eingliederungsvereinbarung unterschreiben, gilt dann immer gleich als Pflichtmeldung. Dort hat man mir dann eine Stelle als Kantinenkraft offeriert. Ist gerade in hier, alle bekomemn irgendwelche Küchenstellen angeboten. Angeblich in einer Großküche. Ob ich das mache würde und mir zutraue? Naja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Und wenn man das könnte, würde man lesen, dass ich schon im Verkauf gearbeitet habe. Nicht zuletzt vor Jahren bei McDoof. Was übrigens ein Kapitel für sich ist, genau wie die Zeit bei Penny.

Ich sollte dann eine Bewerbung abgeben. Was sollte ich denn nun tun? Sollte ich sagen, nein, will ich nicht, kann ich nicht mehr im hohen Alter wegen des Rückens und überhaupt will ich unbedingt zurück ins Büro oder ggf. sogar wieder als Erzieherin arbeiten?! Geht nicht. Ich konnte auch nicht sagen, klar mach ich, aber Bewerbung können Sie keine kriegen, ich habe keinen Drucker.

Den Drucker hatte ich damals nicht installiert, weil er eh keine gangbare Druckerpatrone mehr hatte. Nun habe ich das versucht, vllt. würde er mir ja noch eine Seite ausspucken, nur das Anschreiben. Ich war am Verzweifeln, aber der Drucker anscheinend nicht. Er ließ sich nicht installieren. Woran das liegt, weiß der Technikgott.

Und nun? Nessi hat auch einen Rechner - ohne Drucker. Das Leid aller. Zu guter Letzt habe ich ihr dann eine Mail geschickt, an die Mailaddy ihrer Kollegin. Sie hat das Teil dann ausgedruckt. Ich hab mich dann mit ihr beim Frauenarzt getroffen, sie hatte Termin, das Teil abgeholt und zum Amt geschafft.

Ich wurde beim Amt noch gefragt, ob ich noch einen 1-€-Job machen würde. Man wird immer gefragt, die Frage ist nur, ob mein Nein sagen darf. Aber egal, ich habe da gar nichts dagegen. Es wird Zeit, dass ich hier wieder raus komme Ständig zu Hause zu sein, bekommt mir nicht gerade gut.

Anderen Tags rief dann das Amt tatsächlich bei mir an, offerierte mir einen solchen Job. Führungen in der St. Johannis Kirche. Ob ich mir das zu trauen würde. Es wäre ein sehr anspruchsvoller Job, man muß sich einlesen, muß redegewandt sein, muß sich am PC auskennen, da man ja Flyer etc. erstellen muß, Öffentlichkeitsarbeit leisten muß. Ich liebe es, wenn das Amt sagt, diese Jobs sind anspruchsvoll. Findet sich auch nicht sofort jemand, zumal die Öffnungszeiten, das weiß ich privat, am Wochenende sind. Und wieder, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Hab ich nicht genau das jahrelang gemacht? Zwar nicht für die Kirche, aber an anderen Stellen, und habe ich mich nicht genau für diesen Job schon einmal beworben?

Aber warum werden diese anspruchsvollen Job, das ist eine Sache der Definition, dann nicht normal besetzt?! Klar, Geld.

Noch ist das nicht entschieden. Es wird erst mal vorgemerkt. Geht eh erst am 1. März los. Mir soll es recht sein.

Ja, das sind so die Eckdaten der Ereignisse. Was noch erwähnenswert für mich wäre. Dany hat angerufen, sie hat auf den AB gesprochen, als ich gerade mit Paulchen telefonierte. Wieder auf ihrer ziemlich penetranten Art, dass sogar Paulchen, der das hörte, sagte, man ist die nervig. Wenn man nicht ans Telefon geht, ist man entweder nicht da, telefoniert gerade oder hat gerade keine Lust. Ist alles möglich. Nur bei Dany halt nicht. Ich habe mich dann auch nicht weiter gemeldet. Hatte mir im Grunde schon vorgenommen, heute mal hin zu gehen, aber nach dieser Aktion hatte ich nicht wirklich Lust darauf.

Was fehlt in der Aufzählung? W.? Nicht wirklich. Ja, wir hatten noch ein paar mal telefoniert. Er hat ja sehr schnell festgestellt, er vermisse unsere Telefonate. Wir haben uns sogar Bilder geschickt, obwohl ihm das eigentlich nicht so unbekannt war, wie ich aussehe. Die Bilder waren etwas anders, vorsichtig ausgedrückt. Gut. Er war so begeistert, dass er sich in dieser Nacht gar nicht von mir trennen wollte. Es kam sowas wie, man bist Du ein Rasseweib. Sag ich das nicht immer?! Er wäre gerne am anderen Tag erschienen, aber ich hatte Termine (Amt). Das kann man ja auch nicht einfach so verschieben. So ging das also nicht, ich bekam dann noch eine Nachricht. Und seit dem ruht der See sozusagen.

Und das war es auch was das Kapitel Männer betrifft. Das Schlimme an der Sache ist, und darum muß ich unbedingt hier raus, dass ich momentan so in der Suchphase bin. Ich habe das Gefühl, es müsse unbedingt ein Kerl an meiner Seite sein. Was mir die letzten 6 Jahren überhaupt nicht eingefallen wäre?! Die 6 Jahre sind es dann wieder, die mich zweifeln lassen. Solange wohnst Du schon hier? Solange hast Du keine ernsthafte, feste Beziehung geführt? Stimmt da irgendwas nicht? Frauen zweifeln ja gerne. Die Kerle, die sich mehr oder weniger anbieten, will ich dann wieder nicht. Und so beißt sich die Katze in den Schwanz. Es nervt und meine Gedanken kreisen dann doch immer darum.

16.01.2009 um 00:51 Uhr

Abstruse Träume

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es gibt schon so verrückte Dinge. Ich will gar nicht groß ausholen, das hab ich irgendwann schon mal gemacht. Aber Träume sind doch was ganz eigenartiges. Psychologen können die auch nie wirklich erklären.

Die letzte Nacht war dann wirklich die Härte. Ich habe geträumt: Ich telefonierte mit einer guten Freundin, hier als Peti bekannt, erzählte ihr dann plötzlich: „Peti, das Wasser kommt.“ Ich stand am Fenster, wohlgemerkt im 2. OG, und sah eine Riesenwelle auf mich zu kommen. Peti sagt noch: „Wie jetzt Wasser? Gib es in den Wasserkocher oder so.“ Ich schloss den Rollladen und sah dann das Wasser kommen. Es kam irgendwie in einer kleinen, aber dauerhaften Fontäne durch die Wand. Guckte durch das Fenster und sah unten einen Fluß, auf dem schon Boote fuhren, allerdings weit unter mir, wie gesagt 2. OG. Es dauerte gar nicht lange, dann kam irgendwie der Katastrophenschutz oder was auch immer und wollte mich evakuieren. Ich sollte raus aus der Wohnung und wollte nicht, es kam mir so absurd vor. Gleichzeitig wurden aber zwei Frauen hier eingewiesen, die während der Katastrophe hier unter kommen sollten. Ich kannte die eine davon.

Ich stand dann hier so rum, jede Menge Leute um mich, weigerte mich standhaft, gehen zu wollen, erzählte mit den Damen. Die Männer wollten aber nicht weichen, sie bestanden darauf, ich solle gehen. Dabei mußte ich, wenn ich dann hätte gehen wollen, mich doch wenigstens anziehen. Wer hat mit sowas ein Problem? Ich natürlich nicht. Kann mich auch anziehen, wenn Leute dabei sind. Wer ist schon prüde? Ich zog dann demonstrativ einen Slip aus dem Schrank und wartete. Einer der Herren sagte noch: „Sie müssen gehen oder meinen Sie etwa Sie sind Herr Koch?“ Ich antworte: „Bin ich natürlich nicht, aber ich gehe nicht“ und wirbelte demonstrativ in meiner Wohnung rum, was Frauen halt so tun, räumen da, gucken da, gucken nach den Nachbarn, schließen irgendwelche Türen zu, die es gar nicht gibt, die auf irgendwelche Flure führen....

Dann wachte ich auf. Ich weiß also nicht, was mich wirklich interessiert hätte, ob ich nun die Wohnung verlassen habe und was aus dem mysteriösen Hochwasser hier geworden ist. Hochwasser ist zwar nun nicht so selten hier, aber hier und dann als Fluß auf der Straße und dann in einer Sintflut im 2. OG? Und wer bitte schön ist Herr Koch, gut den Namen hört man jetzt ab und an, aber wenn es denn um Politiker geht, die momentan krank sind und ständig in den Medien, den man bei solchen Dingen eine Sonderstellung zu schreiben kann, dann ist es doch wohl eher Herr Althaus?!

Die Wohnung war zum Teil eine ganze andere als die meine. Das Fenster stimmte noch, aber das Schlafzimmer, die eigenartigen Türen, die zu einem nicht vorhandenen Flur führen in Teile des Hauses, die es real gar nicht gibt, die ich aber wohlgemerkt aus anderen Träumen durchaus kenne?!

Träume, Phantasie hat man jedenfalls. Sollte man daraus Kapital schlagen und Horrorbücher schreiben?! Oder soll ich Traumdeuter befragen, was mich so bewegt. Naja.....



08.01.2009 um 02:42 Uhr

Ach ja

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Ach ja.

Und noch einmal „ach ja“, weil es so schön klingt. Es passt einfach zu allem, zu jeder Stimmung, zu jedem Ereignis. Stellt eines klar, man ist mal wieder so richtig – konfus oder so.

Die neuesten Erkenntnise zuerst. Ich hatte im letzten Eintrag geschrieben, Weihnachten, Schumi wäre verschollen. War er auch. Schon irgendwann im November hatte ich festgestellt, dass das Festnetz abgemeldet war und auf Handy keine Reaktion. Man denkt sich seinen Teil und gut. Nur eine Chatfreundin meinte, na vllt. geht es ihm nicht gut, schreib ihm doch mal. Ach ne und überhaupt bin ich schreibfaul.Und wer kann schon meine Sauklaue lesen. Und was etwa - eine Ansichtskarte?

Nun kann ich sagen, Schumi ist nicht mehr verschollen. Er tauchte heute im Chat auf, meinte er hatte eine viermonatige Beziehung, die sich dann wieder ihrem Ex zugewandt hat. Sie hatte Langeweile, schließlich muß er ja viel arbeiten und der Ex ist arbeitlos. Telfon hat er immer noch nicht.

Sie tauchen alle wieder auf. Fast alle.

Kurz vor Sylvester stand nun fest, ich feiere wie jedes Jahr bzw. die letzten Jahre mit Nessi. Es war nicht so ganz einfach. Im Grunde war mir einfach mehr nach auf die Couch, TV an und gar nichts weiter. Aber nun gut. Sylvester ist was Besonderes, da soll niemand allein sein. Warum man 364 Tage (evtl. abzüglich Weihnachten) im Jahr allein sein kann und Sylvester unbedingt in Gesellschaft verbringen muß, hab ich noch nie verstanden, aber muß ich wahrscheinlich auch nicht. Nessi war dann auch etwas angesäuert, weil ich so gar nicht dafür zu haben war, dass sie am 31. hier aufschlägt und erst zum Wochenende wieder verschwindet. Das war mir einfach zu lange und selbst die diplomatische Umschreibung, Du kannst ja Neujahr wieder nach Hause fahren, sagte im Grunde genau das halt.

Nun ja. Ich hatte das gerade geklärt, ging an meinen PC , öffnete meine Mail-Addy und fand eine E-Mail vor. Von wem wohl? Von W. Erst mal war ich verdattert, was will er denn nun und liest Du das überhaupt jetzt? Die Neugier hat gesiegt, ich habe sie gelesen mit dem ungefähren Inhalt: Es wäre schade, dass wir uns nicht mehr hören. Und was mache ich Sylvester?

Die Frage war nun leicht zu beantworten, hatte ich doch einige Minuten vorher mit Nessi ausgemacht, dass sie runter kommt.

Ach ja!

Sylvester war dann soweit ok. Wir haben gegessen, ein bissel TV gesehen (vor allem Musik), waren kurz bei einer Bekannten von Nessi. Haben uns auch dort gut unterhalten, war lustig sozusagen. Es war ziemlich kalt. Wieder zu Hause floß dann der Alkohol viel zu schnell und vor allem zu viel. Frauen, vor allem ich, sollten nicht trinken. Andere werden lustig, ich eher melancholisch. Es kamen dann so ein paar Sachen zur Sprache, die m. E. schon vorher geklärt waren. Männer halt. Dass es dort einen gibt, der realtiv regelmäßig zu mir kommt. Ronald. Den sie auch schon gesehen hat, von weitem zumindestens. Damals beim Erntefest. Das Ende vom Lied: Sie will mal. Was vorher wohl undenkbar erschien, jetzt möchte sie mal. Man erinnere sich, es war immer Ronald sein Traum. Ja, nun bin ich sozusagen am Zuge, ich weiß nicht so recht, was ich von halten soll. Erst recht weiß ich nicht, ob es wirklich eine so gute Idee ist. Schaun wir mal!

Neujahr selbst war dann vom Kater gezeichnet mit dem Fazit von mir: Vorläufig keinen Alkohol. Nessi hat es sehr gefallen, ich bin ja so niedlich, wenn ich betrunken bin, sie kannte das ja überhaupt nicht.

Sehe ich anders. Aber ok. Heute hat sie dann noch mal gefragt, warum ich nie wieder auf das Thema gekommen bin. Warum? Weil es für mich klar war.

Und W.? Ja, mit dem hab ich zwischenzeitlich zwei mal telefoniert. Natürlich hab ich angerufen. Am Freitag habe ich kurz durchgeklingelt und auch am Montag, nachdem ich eine Offline-Message im ICQ erhalten hatte.

Ich weiß nicht, wo das hinführen soll. Ehrlich nicht. Wird es eine Dauertelefonbekanntschaft? Gut irgendwann verliert sich das. Ich weiß es wirklich nicht, weil ich mir im Grunde ganz im Klaren drüber bin, dass es dauerhaft nicht funktioniert.Auf keinem Gebiet. Niemals!

Und doch.....

Am Freitag war dann dieser Herdmonteur hier. Man kann das Teil schon reparieren, wenn man unbedingt will, aber ob es sinnvoll ist?!. Am Montag kam dann der neue Herd, der auch sogleich angeschlossen wurde. Man gönnt sich ja sonst nichts, wir tun was für die Wirtschaft. Nessi im Übrigen auch. Ihr TV hat sich dann am Sonntag verabschiedet, angekündigt hatte er es schon lange. Nichts ging mehr. Sie hat jetzt einen neuen TV. Wir sind vorbildlich!

So ganz, wie ich es erst in einem TV-Beitrag gesehen habe, die Unterschicht wird von der Industrie, auch von der Werbeindustrie, entdeckt, sie geben ihr Geld aus. Feine Sache! Hatte ich eine Wahl?!

Mal abgesehen davon, dass meine berühmt berüchtigte „to by“-Liste immer noch exisitert, auf der niemals ein neuer Herd stand. Dafür aber neue Matratzen bzw. Lattenroste, die sich dann in Erinnerung gebracht haben – neulich Nacht. Prima!

Ansonsten nichts Neues im Osten. Oder doch, es ist sehr kalt. Die Saale ist wohl seit Jahren das erste Mal wieder zugefroren. Sieht sehr nach Sibirien aus.