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23.05.2009 um 01:14 Uhr

Tagebuch schreiben

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

So beim Lesen meiner eigenen Seite fiel mir auf: Es gefällt mir alles nicht, was da steht. Woran liegt das? Am Stil, am Geschriebenen. Ganz egal woran. Vordergründig ist es alles irgendwie Mist und überhaupt eine ewig durchdringende miese Stimmung. Eine Aufzählung irgendwelcher Ereignisse, die nicht wirklich erwähnenswert wären. Was soll das bringen? Interessiert es irgend jemanden? Interessiert es einen selbst? Manchmal. Manchmal liest man nach, wann dieses oder jenes passiert ist und was man empfunden hat.

Die handgeschriebenen Tagebücher aus der Jugendzeit sind die besten. Da steht auf jeder dritten Seite: Ich liebe Dich. Das waren noch Zeiten, da war noch was los. Und wenn man so gar nichts zu schreiben hatte, stand da nur das Datum mit z. H., was dann hieß, man war an diesem Tage zu Hause und natürlich ist nichts passiert. Herrlich.

Heute ist das anders. Heute möchte man am Liebsten lustige Geschichten schreiben, toll formuliert, lesenwert und überhaupt. Man macht es aber nicht. Man schreibt nur in den Kalender, was wichtig war. Termine, Ereignisse kurz umschrieben. Kann man verwenden, wenn man mal ein Alibi brauchen sollte. Dumm ist es dann nur, wenn an diesem betreffenden Tag gar nichts drin steht.

Die Erinnerungen und das Gedächtnis sind auch nicht mehr das Beste. Schon bei dem Gedanken., was man vorgestern im TV gesehen hat, kommt man in Schwulitäten. Am Besten man guckt in die TV-Zeitschrift und kann sich dann bestenfalls erinnern.

Ist es alles wirklich so langweilig? Alles eine Sache der eigenen oder der anderen Wertung. Alles ist relativ. Fehlen nur die Worte oder ist man einfach zu bequem? Von jedem etwas und alles zusammen. Das Leben halt.

Was gab es denn nun in den letzten Wochen? Was wäre erwähnenswert, was hat geprägt, wie kann man sich in Erinnerung rufen, was man selbst irgendwann mal wieder wissen will?

Die Gedanken, als man zum Gericht ging, um sich nach fast sieben Jahren der Trennung scheiden zu lassen. Das wäre so ein Ereignis. Es war eigenartig und doch wieder nicht. Es ist Geschichte. Passiert vor Wochen. Die Schlagzeilen von vorgestern sind uninteressant. Ist es wirklich so lange her? Es ist so lange her.

Das Leben ist vergänglich. Und auch das ist wieder so eine Weisheit, die so mißmutig klingt. Dabei soll sie gar nicht so klingen. Dabei will man das doch nicht. Interessant und lustig soll es sein.

Schon seit einiger Zeit sitze ich nun fast täglich in meiner Kirche. Ist das interessant? Wenn man die Kirche gesehen hat, sich dafür interessiert, die Gespräche, die Gedanken, die man zeitweilens hatte, kann es das durchaus sein.

Und doch empfinde ich es gerade als unwichtig. Selbst das Erlebte von heute ist unwichtig. Dabei hat es mich geprägt. Immer bei dem Gedanken, dass alle Leute, die einem begegnen, irgendwann sterben werden. Das ist der Lauf der Dinge. Das Alter spielt dabei keine Rolle, ob man sich dessen bewußt ist, auch nicht.

Hilft die Religion einem dabei? Ist es tröstlich zu wissen, dass es eine höhere Macht gibt? Die Erfahrung konnte ich noch nie machen, dass sich jemand getröstet fühlt.

Sehen wir uns alle irgendwo wieder? Der Gedanke mag tröstlich erscheinen. Mir erscheint er es im Moment nicht.......