Plateforme

26.02.2010 um 19:25 Uhr

Spaziergang

Es wird Zeit, dass es hier andere Themen gibt als ER. Insofern kann man ja erfreut auf nächste Woche sein, dann habe ich endlich einen Chef über den ich mich auslassen kann. Ist mal was ganz Neues, gab es so auch noch nie. Aber es wird so kommen, sofern ich dann Interesse daran haben sollte, das auch zu Papier bzw. zu Rechner zu bringen.

Ich hatte gestern noch mit einer ehemaligen Kollegin telefoniert, die am Mittwoch Geburtstag hatte und nicht erreichbar war. Irgendwie kamen wir auch auf „meine“ Kirche zu sprechen, und dass ich doch froh sein müsste, dass das vorbei ist. Das Neue wird  mir mehr liegen. Nah so ganz ist es nicht. Ich war gern in meiner Kirche. Es hatten zwar viele was zu meckern, meine Kollegen, eine ehemalige Kollegin, die auch mal eine Gastnummer gab. Ab ich fühlte mich da relativ wohl. Es gab nicht viel tun, das stimmt wohl. Es kamen immer mal ein paar Leute, die sich das Kirchlein ansehen wollten. Meist kamen sie zum unmöglichsten Zeitpunkt, das Buch war gerade so spannend, man hatte sich gerade was zu essen genommen, man hatte gleich Feierabend und am Besten fand ich es, wenn sie schon vor der Tür standen, wenn ich erschien bzw. kurz nach mir erschienen. Dann hatte man nicht mal Zeit zum Luft holen. Aber so richtig gestört hat mich das alles nicht. Ich hatte meine Ruhe, kam mit meinen Kollegen weitestgehend gut klar. Der Pfarrer war unmöglich, sein Stellvertreter war schwierig. Unsere eigentliche Chefin war auch nicht einfach. Aber wann sah man die? Den Pfarrer und die Chefin hab ich wohl keine fünfmal gesehen. Also was gab es zu meckern? Ich hatte immer was lesen, wir waren i. d. R. lustig drauf. Man konnte die Stille und Ruhe genießen. Ach, wie schön ich das fand. Man fühlte sich manchmal so ganz allein auf der Welt. Nur Ruhe, Vogelgezwitscher, mal ein paar Katzen, ein paar Hunde, die man bellen hörte. Menschen, die man vorbeigehen sah, ein Flugzeug, das einen überflog. Es war so himmlisch ruhig. Ich habe das oft genossen. Die Gäste waren größtenteils nett und wissbegierig, mit manchen konnte man sich gut unterhalten. Es gab ein paar Mängel, wenn das Wetter nicht mitspielte, es regnete oder kalt war. Die Toilettensituation war unmöglich. Aber ich würde es wieder machen.

Da wird mir jetzt schon banger ums Herz. Ich habe nicht wirklich Angst vor der Arbeit, das werde ich schon packen oder vor den Jugendlichen. Aber ich kenne das Unternehmen so einigermaßen, obwohl ich selbst noch nie da war, und weiß, das Geschäftsgebaren, der Umgang, der mit den Jugendlichen gepflegt wird, ist alles andere als einfach und gut. Es wird so einiges geben, was mir im besten Falle missfällt, und ich hab nicht viel zu sagen!

Heute war wieder so ein Tag. Da ging einem das alles durch den Kopf. Die Probleme, die man so hat mit sich und dem Leben. Man will nicht meckern, es geht vielen viel schlechter, aber dass es einem wirklich gut geht, man zufrieden ist, wäre wirklich geprahlt. Dabei liegt mir so eine Meckerarie gar nicht. Es ist so wie es ist und nicht zu ändern. Mit manchen Dingen sollte man sich abfinden. Aber manchmal ist das nicht so einfach. Ich war  mies drauf, ich bin es noch. Alles war schwarz und ist schwarz. Die Post ließ zu wünschen übrig. Meine Nachbarin sagte so schön, man bekommt eh nur Rechnungen und Werbung. Aber was soll man auch sonst kriegen. Einen Liebesbrief will sie nicht, ihr reicht ihr Mann. Ich hätte nichts dagegen. Aber die Zeiten der Liebesbriefe sind vorbei. Heute gibt es so was maximal per SMS oder Mail.

Und dann gibt es natürlich noch IHN. Ich telefonierte kurz mit Nessi, sie mag es so gar nicht, wenn ich mies drauf bin. Aus einem kühlen Grunde tränten meine Augen. Morgen wäre Tanzen angesagt, aber so richtig ist mir nicht danach. Nessi wird gehen, ich fühlte mich das letzte Mal schon nicht so richtig wohl dort. Begründen kann ich es nicht. Wenn nicht der Franzose aufgetaucht wäre, wäre ich sehr zeitig gegangen. Und der ist nicht da, er ist in Frankreich, kommt laut Auskunft des Hoteliers erst im März wieder.

Ich konnte hier nicht sitzen bleiben, ich wollte auch nicht unbedingt in die Stadt. Geld zum Ausgeben hat man eh nie genug. Und vor allem wollte ich in keine Richtung, in der ich hätte ihn treffen können.

Ich ging also los, so ein Stündchen durch die Gegend. Nicht an ihrer Wohnung vorbei, aber fast in die Nähe seiner Mutter, überlegte mir noch, dass es wohl nicht die Zeit wäre, dass er dort wäre oder sie. Schließlich müsste er sich bei seiner Mutter ja mal melden. Es war nicht viel los unterwegs. Ihren Sohn traf ich, der mich natürlich nicht grüßt, klar. Der Schnee taut so langsam, stellenweise liegt aber noch eine Menge. Es war nicht kalt, fast frühlingshaft. Viele Menschen traf ich nicht, keine Bekannten. Ich wäre gern mal auf den Friedhof oder in den Park gegangen, aber da war es mir zu matschig. Das musste ich nun nicht haben. Ich hätte eine Gegend bevorzugt, wo ich ganz allein bin oder zumindestens im Großen und Ganzen, aber es waren trotz allem noch zu viele Menschen und Autos. Ein kleines Mädchen winkte mir zu, niedlich. – Meine Exkollegin behauptete ja mal, ich hätte wohl was mütterliches, weil die Kids so auf mich stehen. – Die Saale tritt so langsam über die Ufer. Ich hab den kurzen Spaziergang genossen und mich ein bisschen abreagiert.

Schon auf dem Weg nach Hause, kurz vor der Pennytür, wo ich auch noch war, rief mich auf einmal jemand. Eine gemeinsame Bekannte von mir und IHM. Ich kenne sie auch schon seit Jahrzehnten, sie war früher, als ich noch Jugendliche war, so was wie cool. Von ihr gekannt und gegrüßt zu werden, zählte was. Heute ist das wohl nicht mehr ganz so, keine Ahnung. Natürlich fragte sie mich gleich, was los sei. Sie hätte IHN mit IHR auf dem Weg zu seiner Mutter getroffen. Na die wird sich freuen. Das kann ich mir gut vorstellen, denn an und für sich, sollte sie ja nie wieder die Wohnung betreten. Aber so sicher bin ich mir da nicht, es bleibt ihr auch keine andere Wahl, aber irgendwie kommt mir das Ganze immer etwas gestellt vor. Und wie gesagt meine Intuitionen sind selten falsch.  Die Gutste war auch bestens informiert, sie wusste, dass ich in die Klinik brachte usw. Sie frage, ob die Zeit schon um war. Ist sie nicht. Er sieht nicht besonders gut aus, das stimmt. Durch die dunkel gefärbten Haare (Machte er am Freitag vor der Klinik, bevor er zu ihr ging. Ohne Handschuhe. Die Hände waren schön blau. Aber ich ließ ihn dann so ziehen, jawohl!) wirkt er noch blasser und sein anders gefärbter Schnauzer, den ich (und nicht nur ich) eh unmöglich finde, und er ihn dann abrasieren muss, sieht es einfach nur furchtbar aus. Wichtig ist aber, dass sie das gut findet. Und ich habe ihn wieder reingelassen, durfte ich mir einhören, und ich werde ihn wohl auch wieder reinlassen.

Ich mag so was ganz toll! Rechtfertigungen vor anderen liegen mir gar nicht, das Gespräch dauerte auch nicht so lange. Sie hatte ihre kurzen Informationen, ich mag so ein Getratsche eh nicht. Man möge mich mal nach etwas über meine Nachbarn fragen, ich weiß gar nichts. Interessiert mich auch nicht. Ich hätte auf die Information verzichten können. Aber daran denken die Leute selten, wenn sie sich das Maul zerreißen und einem alles brühwarm berichten müssen. Man muss auch keiner Ehefrau sagen, dass ihr Mann sie betrügt. Das weiß sie meistens selbst und wenn sie es nicht weiß, ist es auch gut und geht einem selbst nichts an. Ich würde so was nie tun. Hab aber schon die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute da ganz toll fühlen, wenn sie einen informieren!

Sie machen auf Familie, das war mir klar. Es muss auch niemand spekulieren oder mir sagen, dass es nicht gut geht. Das ist sehr wahrscheinlich. Nur ob ich ihn wieder reinlasse oder nicht, es ginge mit uns auch nie gut. Schließlich kann ich mit der Art auch nicht umgehen, mit den Eifersüchteleien, mit den Vorhaltungen, Zurechtweisungen, die er gerade ihr gegenüber und umgedreht, insofern passen sie perfekt zusammen, ausspricht, ihren Kindern gegenüber. Ich würde mir das nicht gefallen lassen, aber sie ist auch 17 Jahre jünger als er.

Bin also bestens informiert, wo er war. Hatte ich noch Glück, dass sie mir nicht direkt über den Weg liefen.

Nun kann man gespannt sein, wann das Thema endlich abgeschlossen ist. Ich hoffe mal!

25.02.2010 um 22:28 Uhr

Dummheit

Dummheit ist nicht ansteckend, dagegen gibt es aber auch keine Medikamente. Das betrübt mich gerade. Wenn dem so wäre, könnte ich ja mal beim Arzt vorbeischauen, sollte ich zwar tatsächlich mal, aber, wie ich heute schon mal zu jemandem sagte, wenn man nicht geht, kann nichts festgestellt werden und man ist auch nicht krank. Einfache Vogel-Straußpolitik.

Gestern konnte ich mich gerade so davon abhalten zu telefonieren. Ich sagte mir, es bringt nichts. Es ist nur wieder ein Zeichen, dass es Dich interessiert und Gegeninteresse gibt es ja nicht. Der Tag ging auch so rum, irgendwie beschäftigt man sich ja. Zumal es die letzte Woche ist. Ab nächste Woche geht es ja „anders rum“.

Heute früh wurde ich zeitig geweckt. Ein guter Freund meldete sich nach langem mal wieder. Es geht ihm nicht so gut, er muss demnächst in die Klinik wegen Depressionen. Ja, Depressionen, wer weiß nicht, was das ist. Allerdings zieht man sich i. d. R. wieder selber raus. Was soll’s auch! Wenn man lange arbeitslos ist, kann einem der Tagesablauf schon zu schaffen machen. Das geht den Meisten so. Ich nehme mich davon nicht aus, bin eine Nachteule, wie es im Buche steht. Mir fällt das zeitige Aufstehen auch schwer. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Insofern darf ich an nächste Woche nicht denken. Ich gewöhn mich auch nicht dran, so bald zwei Tage zu Hause falle ich in den alten Trott. Irgendwann  und irgendwo habe ich mal gelesen, es gibt Eulen und Lerchen. Und eigentlich sollte man auf seinen Biorhythmus Rücksicht nehmen. Das geht natürlich nicht wirklich. Aber das nur am Rande.

Nun war ich wach. Mir fiel es gestern schon schwer. Ich war aufgedreht, irgendwie war ich unruhig. Meine Intuitionen. Ich kann mich  immer auf sie verlassen. Jedenfalls rief ich seine Mutter an, die mir dann erklärte, er ist im Krankenhaus, er muss heute in die Röhre (Zyste im Kopf). Dieser Gedankengang ging mir vor ein paar Tagen schon durch den Kopf. Sie könnten ihn ja mal untersuchen, dass das dort möglich ist, weiß ich ja schon von Paulchen. Sie meldet sich dann abends und sagt mir Bescheid. Ihm geht es nicht besonders, sein Kreislauf macht ihm zu schaffen. Nicht der Alkohol zur Zeit, aber danach solle er Tabletten nehmen.

Dass seine Liebste vormittags online war, konnte ich auch sehen. Wie sag ich jetzt nicht, so!

So kontaktierte ich Nessi wegen seiner Telefonnummer, ich hatte sie ja nicht mehr. Ich wollte ihm nur eine SMS schicken. Sie meinte noch, kannst ihn ja auch anrufen. Ich bin nicht der SMS-Freund. Das tat ich dann, bekam ihn auch sofort an die Strippe.

Er war erstaunt, dass ich mich überhaupt mal melde. Was ich natürlich nicht verstehen konnte, ich hatte ihn nicht nur rein gebracht, sondern auch besucht. Befund hat er noch keinen, der wird zu seiner Ärztin geschickt. Sonst ist alles soweit in Ordnung. Er kommt erst Montag nach Hause, die lassen ihn ja nicht eher gehen, und natürlich bekommt er heute auch Besuch.

Ich war schon sauer, das Gespräch dauerte keine 5 Minuten, genau 4 Minuten und ein paar Sekunden. Dann hatte er keine Zeit mehr, jetzt gibt es Kaffee. Gegen 14.00 Uhr gibt es allerdings keinen Kaffee, aber egal.

Ich beschäftigte mich noch zu Hause, klingelte bei Nessi durch, aber sie reagierte nicht gleich. Ging ins Bad, und wie immer wenn man dort ist, klingelt das Telefon. Es war aber nicht Nessi, es war seine Mutter, die mich fragte, ob ER bei mir sei. Ich war völlig konsterniert, wieso ist er jetzt nicht mehr in der Klinik. Er hat die Klinik verlassen, und sie weiß natürlich nicht wo er ist. Dann kann er nur bei ihr sein. Sie reagieren nicht auf ihre Anrufe.

Ich machte mich fertig, ich musste noch ein paar Besorgungen machen. Der Weg führt an ihrer Wohnung vorbei, aber ich sah nichts. Auf dem Rückweg dachte ich auf einmal, das sind doch die Beiden. Ich ging etwas schneller und siehe da, vor mir ging ER mit Ihr. Er hatte eine Jacke an, die ich noch nicht kannte.

Ich tippelte dann hinter den Beiden her, wollte sie ja nicht überholen. Natürlich drehte er sich um und sah mich. Dann musste ich doch überholen, überquerte die Straße, ging zu Schlecker und anschließend zu Penny. Dort waren die Beiden. Prima!

In einem Gang kam er mir dann entgegen, war sichtlich erschrocken und wollte nicht wirklich hoch gucken. Ein kurzes Hallo, und dann war es das.Sie schaute finster.

Ich telefonierte mit Nessi, deren Wortschatz ich hier besser nicht wiedergebe. Aber Recht hat sie trotzdem. Mein schwuler Nachbar informierte sie auch, dass er ihn bei Penny getroffen hat, auch er war sichtlich erschrocken.

Die Zeit ist ja eigentlich noch nicht um. Und was wird nun? Gehen sie zum Hausarzt, holen sie den Befund und die Medikamente? Wird das was mit der Langzeit?

Man braucht kein Abitur, um die Fragen zu beantworten.

Ich bin sauer, aber auf mich. Stocksauer. Und trotzdem habe ich mir vorhin fast die Augen aus dem Kopf geheult. Ich! Allein das ist schon wundersam. Ich sah mir seine Bilder an und konnte es  nicht fassen: Vorbei.

Wenn es einen Grund dafür gibt, dass ich ihm noch an ihn denke, dann möge mir der sofort einfallen. Ich weiß es nicht wirklich. Aber irgendwann kann ich nicht anders. Er liegt mir zu sehr am Herzen, umgedreht ist das nicht so.

Und wenn ich sie so angucke, weiß ich nicht mal warum. Okay, sie ist jünger und schlanker, aber attraktiv find ich sie nicht wirklich. Aber ich bin subjektiv. Obwohl so ein- bis zweimal hab ich das auch gehört.

Sie machten einen auf Familie, ihre kleine Tochter war mit (3).

Tja, auch damit kann ich nicht mithalten. Bei mir ist immer Ruhe, ich bin ein gelassener Mensch, der weder Stress noch Hysterie mag.

Ich sollte es abhaken. Keiner weiß, wie lange es nun dauert. Keiner weiß, ob es gut geht. Keiner weiß, ob und wann er vor der Tür steht. Es ist alles möglich. Ich bin zumindestens ab nächste Woche vormittags und nachmittags nicht zu Hause. Es hat alles seine guten und schlechten Seiten. Oder auch nicht!

Er hatte immer einen besonderen Stellenwert. Immer. Leider!!!

23.02.2010 um 02:33 Uhr

ER

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Es geht schon seit ein paar Tagen so: Ich denke sehr viel nach. Ich muss mir sehr oft missbilligende Blicke gefallen lassen oder missbilligende Äußerungen wegen IHN halt. Ich muss mir sagen lassen, dass ich anders bin. Ungewöhnlich. Dass man ganz neue Seiten an mir entdeckt hat.

Ich weiß es nicht. Das ist das Problem.

Ehrlich gesagt, als er nach mehreren Jahren Bayernaufenthalt wieder hier auftauchte, hätte ich das nie für möglich gehalten. Wir hatten auch während dessen ab und an Kontakt, der aber zu 100 % von ihm ausging. Er rief an, wir telefonierten.  Manchmal ging mir das auf den Keks, und ich beendete das Gespräch schnell.

Das letzte Mal gesehen hatten wir uns 2002. Ich war frisch getrennt, ich weiß nicht, wie weit das hier in der Stadt schon verbreitet war. Ich hörte meinen Namen, als ich über den Markt lief , und er stürmte aus dem Dönerladen. Er erklärte mir, wo er wohnte, ich könne ihn mal besuchen, er gab mir sogar seine Handy-Nr., aber ich war nicht interessiert. Das hätte nur Probleme gegeben.

Und auf einmal  dieses Jahr taucht er hier wieder auf, meldet sich, dass er besuchsweise hier ist, dass er vllt. sogar hier bleibt, weil er eine Freundin hat bzw. hier praktischerweise besser zur Entgiftung gehen kann, kommt nach Wochen zum Kaffee vorbei und alles ist okay. Das war in Ordnung, das hätte so bleiben sollen. Erst beim zweiten Treffen landeten wir in der Kiste, und es war passiert. Ich entdeckte mich schon in meiner Kirche dabei; ich war dort allein, dass ich nur an IHN dachte. Dabei habe ich ihm noch erklärt, wir sehen uns irgendwann wieder – zum SEX. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn er alle 14 Tage oder so hier zum Sex aufgetaucht wäre. Hat es ja anfangs. Kritisch wurde die Sache erst, nach der 26. Trennung oder so, als er hier auftauchte und tagelang blieb. Ich hatte die ganze Zeit darüber nachgedacht, ob ich das wirklich will, will ich diese Beziehung und hatte mich wahrscheinlich gerade damit abgefunden, als er wieder zu ihr zurückging. Das war am 5. Dezember, ich werde das Datum nie vergessen.

Er ging früh zu ihr, sie hatte extra frei genommen, um seine Sachen zu holen. Er wollte Regale abbauen, in den Keller schaffen, ein bissel was in Keller bringen, damit es mit dem Auto die Tage darauf geholt werden kann. Und er kam nicht wieder. Ich hörte von seiner Mutter, dass sie ihm dort hysterische Szenen macht (die Kombination passt), und er entschloss sich zu bleiben. Ich bekam dann eine SMS, die sie diktierte, er bleibe bei ihr, ist mit ihr glücklich und will keinen Kontakt mehr.

Ich war eine Woche nicht Ich selbst. Ich konnte weder schlafen, noch denken. Obwohl man sich abzulenken versuchte, drehte sich alles nur um ihn. Und als ich so langsam zu mir kam, tauchte er wieder auf, und es begann wieder von vorn. Und wieder von vorn und wieder vorn. Ich habe nicht mitgezählt, ich müsste in den Kalender schauen, wie oft das eigentlich so war. Aber ich war neulich schon mal erschreckt, wie der Januar aussah.

Und jetzt war es ähnlich. Er kam am 3. Februar, blieb bis zum Wochenende vor seiner Entgiftung, und ich sagte ihm, es ist vorbei. Jetzt ist endgültig schluss, er soll sich nie wieder melden und geht auch alleine in die Klinik. Nein, er setzte es durch mit Macht, und ich ließ mich wieder auf dieses Spiel ein.

Ich weiß nicht, wie viel Plan dahinter stecke. Ich habe keine Ahnung, ob das so geplant war – von Beiden vllt. sogar. Aber schon seit Montag in der Klinik, obwohl Sonntag noch von ihr seiner Mutter gegenüber erklärt wurde, sie wolle mit ihm nichts mehr zu tun haben, er hat sich unmöglich bei ihr aufgeführt, wird wieder fleißig geschrieben und telefoniert.

Unmöglich aufgeführt hat er sich hier auch. Er hat sich standhaft geweigert, am Samstag zu gehen, er ist sogar Sonntag Nacht nach dem Sturmklingeln bei meinem Nachbarn wieder hier aufgetaucht, ist nicht gegangen und hat es einfach erreicht, was er wollte. Ich sollte ihn in die Klinik bringen. Ich kann das ja besser als sie. Wenn man sie sieht, weiß man warum.

Nein, sie ist eine attraktive Frau. Sie ist schlank, blond. Das war es dann schon. Ich halt sie nicht für attraktiv, aber ich bin da nicht objektiv. Nessi auch nicht. Es ist schon ein Trauma, dass sie mir vorgezogen wird. Ehrlich!

Sie muss Qualitäten haben, die erstaunlich sind. Er hat ihr mal geschrieben, und sie mir über eine Internetplattform, bei der wir beide angemeldet waren – ich nun nicht mehr -, dass es ihm bei mir zu langweilig ist. Das kann natürlich durchaus sein, zu solch Szenen bin ich nicht fähig. Man kann mit mir nicht tagelang Belanglosigkeiten oder Vorwürfe diskutieren und schon gar nicht per SMS. Ich habe keine drei Kinder, die in der Gegend rumwuseln. Ich bin ein gelassener Mensch, selten hektisch oder stressig und nie hysterisch. Persönlich find ich das gut, allerdings kann es schon sein, dass ER darauf steht. Muss er ja.

Und was den Sex betrifft, nun ja sie ist schlanker als ich, jünger als ich. Da macht das wohl mehr Spaß. Ich habe keine Ahnung, ich bin kein Mann und hab das noch nie von jemandem gehört.

Irgendwie, und das hat er mal bejaht, war es dann so, dass er wenn er bei ihr war, mich vermisste und wenn er bei mir war, sie vermisste.

Wird das jetzt anders? Ich hatte neulich den Eindruck, und wie gesagt, ich kenne ihn zwar 30 Jahre, aber ich habe mal krampfhaft überlegt, ob ich ihn überhaupt nüchtern kenne, ich glaube nicht wirklich, er ist nüchtern noch schwerer zu ertragen als betrunken.

Bin ich nun anders geworden? Mag sein, ich hab es ja selbst bemerkt. Ich war nicht konsequent, das bin ich doch sonst. Ich war nicht pragmatisch. Meinen Kopf hab ich ausgeschalten, gesagt hat er mir das schon alles, aber ich hab das Herz sprechen lassen.

Was ist es nun – Liebe? Habe ich ihn immer geliebt? Ich weiß es nicht, ich hatte eigentlich in den Jahren, also vor Bayern, als wir uns immer noch mal über den Weg liefen, nie den Eindruck. Eher hatte ich immer den Gedankengang, man gut, dass es nicht mit uns geklappt hat. Es wäre nie was geworden.

Warum war das auf einmal anders? Habe ich es genossen, für ihn zu sorgen? Florence Nightingale-Syndrom? Find ich es schön, wenn jemand von mir abhängig ist? Suche ich Nähe? Will ich beweisen, dass Beziehungen nicht funktionieren und such IHN mir deshalb aus?

Vielleicht von allem etwas, macht mich nicht gerade sympathisch, find ich.

Seine Nähe hab ich genossen. Es war schon beruhigend, wenn ich meinen Kopf auf seine Schulter legen konnte, auf seine Brust, seine Brusthaare kraulen und dann vllt. weiter unten… Ich kann von ihm nicht die Finger lassen. Das ist eine ganz neue Seite an mir. Ich war nie der Kuscheltyp.

Und wenn er sauer ist, traurig, kann ich ihn in die Arme nehmen, ihn trösten. Das sind alles Sachen, die mir im Normalfall schwer fallen.

Ich hab gestern schon ganz viel über mich geschrieben. Das sind derartige konfuse Gedankengänge, dass ich da selber kaum durchsteige. Genauso fühle ich mich aber. Konfus.

Jeder ist sich auch darüber im Klaren – im Grunde, dass ich ihn wieder reinlasse. ER ist davon erst recht überzeugt. Er weiß genau, wie meine Gefühle für ihn sind. Das macht ihn alles andere als sympathisch, er nutzt sie aus.

Heute bekam ich im Übrigen eine SMS, die klang ungefähr so: Hey bestell doch mal…. (meinen schwulen Nachbarn) einen schön Gruß und sag ihm, die Kleine im Rollstuhl ist wieder da, die er geschoben hat. Er weiß schon, wen ich meine. Gruß

Direkte Kommunikation. Wenn man jemandem was sagen will, sollte man ihn kontaktieren. Zum anderen bezweifle ich, dass meinen Nachbarn das interessiert. Und was hab ich damit zu tun? Warm halten? Immer mal belanglose SMS, um Kontakt zu halten.

Ich hab geantwortet: Schreib ihm das selbst. Paulinchen

Es geht, wenn ich will. Wenn ich sauer genug bin, auch am Sonntag Nacht hätte ich ihn nach Hause schicken können, aber nach dem theatralischen Auftritt am Telefon mit seiner Ex aus Bayern über Suizide etc., konnte ich das nicht. Ich hätte mir im Zweifelsfall ja ewig Vorwürfe gemacht, wäre ihm was passiert, es war ja auch glatt und kalt, und er betrunken, oder er hätte was gemacht. Taktik.

Das ist es ja, womit ich nicht klar komme. Ich genieße meine Unabhängigkeit. Es mag Zeiten geben, da will man nicht allein sein. Das kann schon sein und vllt. will ich auch nicht dauerhaft allein bleiben. Ich freue mich, wenn ich nach Hause komme und find alles so da, wie ich es verlassen habe. Ich mag keine Vorwürfe hören, wo kommst du her, wo gehst du hin. Warum dauerte das solange? Etc.

Mir ist klar, dass Beziehungen so nicht laufen müssen. Sie laufen aber oft so. Nenne mir mal jemand eine Beziehung, die wirklich funktioniert.

Der Rechner ist sowieso ein Dorn im Auge. Auch bei ihr. Sie hat ja seit Anfang Dezember einen. Und nutzt die Flirtbörsen rege. Ich bin da ja weniger aktiv, chatte aber doch ab und an. Warum auch nicht? Ich würde mir doch nie etwas verbieten lassen. Allerdings wenn er da war, blieb das Teil meist aus. Es sei denn, ich wolle mich mal für das viele Gesimse revanchieren, dann kann man ihn schon anschalten.

Es ist und bleibt konfus. Vllt. brauch ich nur Zeit, um es abzuhaken. Irgendwann wird es mir vllt. zu bunt, und ich kann einen Schlussstich ziehen. Aber wie lange das dauert, und wie viele Nerven ich dabei lasse, ist die Frage. Nerven, die ich für wichtigere Dinge verwenden könnte.

  

21.02.2010 um 23:48 Uhr

Traurig

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Man hat immer Grund, traurig zu sein. Die Welt ist schlecht. Mehr oder weniger. Und selten weiß man so ganz genau, warum man traurig ist.

Die Traurigkeit ist gar nicht so einfach zu definieren. Eine innere Unruhe spannt ungeheuer an. Das ist so eine Art Sonntagskrankheit geworden. Ich weiß nicht mal genau, warum das so ist.

Die Sonntage werden begleitet von Herzklopfen, innerer Unruhe, tiefer Traurigkeit.

Nächste Woche würde ich das ja verstehen. Am folgenden Montag beginnt mal wieder ein neuer Lebensabschnitt. Aber heute?

Gestern war es sehr unruhig hier. Ich hab wie immer lange geschlafen. Seine Mutter rief an, wollte wissen,  ob ich mit fahre, wenn sie ihn besuchen gehen. Ich grüßte ihn noch freundlich, hatte nicht wirklich Lust, irgendwelche Aufklärungsarbeit zu leisten. Zumal mir ja unterstellt wurde, ich würde immer in den Sachen rumrühren und seine Mutter aufhetzen. Das lag mir fern, liegt mir fern. Ich war sehr höflich. Irgendwann kam Nessi, die sich ihre Haare hat schneiden lassen. Sie eröffnete mir auch gleich, irgendwann kommt dann unser bester Freund und Kumpel, mein schwuler Nachbar. Ich war mehr als nur entzückt. Wenn jemand behauptet, Schwule sind nette Zeitgenossen, den werde ich bei Gelegenheit erschlagen. Gleich nach meinem Nachbarn, der sein Werkzeug schon seit Tagen nicht aus der Hand legen kann und immer dann rumhämmert, wenn ich schlafen will.

Ich war nicht wirklich gut drauf. Und hatte schon gar keine Lust, seine Mutter zu empfangen. Ich war unruhig, zog mich aber irgendwann etwas solonfähiger an, jemanden nur im Slip und Shirt zu empfangen, dürfte nicht ladylike sein. Schminkte mich noch, und ich war noch nicht richtig fertig, da klingelte es. Nessi meinte: „;Mach auf, dann hast es hinter Dir.“

So hörte ich auf sie, öffnete die Tür und kurz darauf erschien dann der Lebensgefährte der Mutter. Er wollte die Sachen holen. Mal wieder. Es war ihm sichtlich peinlich, aber warum das so sein sollte, wusste er nicht. Er dachte, es läge an mir. ER hatte gesagt, ich wünsche, dass die Sachen geholt werden. Ich konnte mir nicht ganz verkneifen zu sagen, dass es mehr an IHM und natürlich an IHR läge. Ich hätte ihn nie „verlassen“, während er in der Klinik ist. Seine Mutter blieb im Auto sitzen. So richtig wusste sie ja nicht, was los ist. Irgendwann haben die natürlich die Nase voll von diesem ständigen Hin und Her. Und wer badet es aus? Nicht ER.

So würden noch Grüße ausgetauscht, die Hoffnung ausgedrückt, dass ER es nun schafft. Wobei ich mir nicht verkneifen konnte, dies  angesichts der Tatsache, dass SIE wieder die Rolle spielt, zu bezweifeln.

Mein Nachbar erschien dann irgendwann gegen 21.00 Uhr, wobei er sich für 18.00 Uhr angekündigt hatte. Es war wie immer schon angetrunken, obwohl er ja nie trinkt und kein Alkoholiker ist und ganz anders als ER. Er trank dann noch mehr. Nessi und ich hielten uns auch nicht zurück. Zwei Flaschen Kräuter zu zweit sprechen eine gute Sprache, wobei wir beide nicht betrunken waren. Mein Nachbar hingegen schon. Was ihm wieder Gelegenheit gab, uns so richtig schön zu beleidigen. Wir sind halt niveaulos wegen unseres Geschmacks (in allen Dingen: Mode, Musik, Einrichtung  etc.) und Nessi schreibt keine richtigen SMS, sie verweigert die Groß- und Kleinschreibung etc. Ganz wichtig dabei, was ich gegen ihn habe. Kann man sich ganz schnell ausrechnen, ich hasse seine herablassende, arrogante Art. Der Mensch hat einfach kein Benehmen, obwohl er sich ja für so gebildet und kultiviert hält, ständig deswegen andere kritisiert. Er hat Kommunikationstherorie studiert und kennt eine Menge einflussreicher Leute. Nützt aber alles nichts, wenn die einflussreichen Leute nicht mehr anrufen und vor allem, man trotzdem ALGII bezieht.

Es dauert dann gar nicht lange und war auch nicht das erste Mal, dass ich ihm das dann gesagt habe. Nützt natürlich rein gar nichts, weil am anderen Tag hat man es vergessen. Und man will sich wortreich entschuldigen, weil man gar nicht glauben will, dass man zu solchen Gemeinheiten fähig ist, da man uns doch mag.

Die Entschuldigungen hab ich heute ignoriert, ich hatte wirklich keinen Bock darauf, muss mir das nicht laufend antun. Nessi hat ihm noch mal geschrieben, allerdings ist sie sich auch klar darüber, dass es nichts bringt.

ER hatte sich kurz vor Mitternacht mit einer SMS gemeldet, die besagte: Ich solle am Sonntag nicht erscheinen, da sie ihn besuchen wird. Wie um alles in der Welt kommt ER auf die Idee, dass ich diese Absicht hatte. Noch so einer, der denkt, er wäre der Nabel der Welt. Ich hatte an und für sich nicht die Absicht zu antworten, Nessi meinte aber, darauf passe sein Spruch: Sorry, mir egal. Das antwortete ich dann. Gegen 4.00 Uhr und einer Flasche Kräuter fiel mir dann ein, dass es doch sinnvoll wäre, ihm zu schreiben: „ Übrigens heute ist von 12.00 bis 17.30 Besuchszeit. Vllt. hätten wir ja da noch eine Stunde. *rofl*“

Gegen 8.30 Uhr wurde ich vom Telefon geweckt. Nessi meinte, ich hätte früh schon eine SMS erhalten, die hatte ich gar nicht gehört. Auf dem AB war dann auch eine SMS. Der Inhalt dieser beiden SMS lautete dann: “Lass es einfach. Sie kommt von 12.00 bis 17.30.“

Sie hat auch nichts weiter zu tun. Ich ging wieder ins Bett. Ich hatte nie die Absicht, dort heute hin zu gehen. Natürlich hat er die Nachricht nicht verstanden, die Angst, dass er sich mit uns beiden auseinandersetzen müsse, war groß. Wie kann man sich nur so wichtig nehmen? Hatte ich nicht mehrfach erklärt, dass ich mir ihr nichts zu tun haben will, mit ihr nicht in Konkurrenz trete, und wenn sie wirklich da wäre und ich auch, dann würde ich sofort gehen?!

Danach folgten die o. g. Entschuldigungen meines Nachbarn. Nessi ging gegen Abend nach Hause. Ich hänge meinen Gedanken nach und grüble darüber nach, warum um alles in der Welt, ich nicht von diesem Mann lassen kann?! Wenn er heute geklingelt hätte, hätte ich sicher geöffnet. Meine Stimmung ist so mies, so traurig, so niedergeschlagen.

Auch wenn ich weiß, dass ER es nicht Wert ist; sein Benehmen spricht dafür, denke ich doch immer wieder, wie es ihm wohl geht und was wohl so wird. Wie bescheuert das ist, weiß ich auch, ich weiß auch, dass er nur solche Beziehungen wie mit ihr führen kann. Eine richtige, erwachsene, fundierte Beziehung, wie man sie normalerweise führt, oder wie ich sie führen wollte, dazu wäre er gar nicht fähig. Und auch wenn ich das immer wieder erlebe, wenn er dann mal eine Zeit da ist und auch merke, reicht es nicht aus, diese Gedanken in die Zukunft zu retten. Dazu ist die Zeit wohl zu kurz. Keine Ahnung!

 

 

 

21.02.2010 um 22:40 Uhr

Traurigkeit

von: Paulinchen   Kategorie: Zitate

 

Die Traurigkeit ist das Los der tiefen Seelen und der starken Intelligenzen.

(Alexandre Vinet)

21.02.2010 um 22:20 Uhr

Melancholie

von: Paulinchen   Kategorie: Zitate

 

 

Melancholie ist das Vergnügen traurig zu sein.

(Victor Hugo)

 

19.02.2010 um 22:57 Uhr

Vermissen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es hat mal jemand, d. h. vor allem ER gesagt, ich solle Lotto spielen. Ich weiß immer genau, was und wann etwas passiert. Hat aber nichts mit Wahrsagung zu tun, wenn dem so wäre, würde ich tatsächlich Lotto spielen. Es hat viel mehr damit etwas zu tun, dass man Menschenkenntnis hat, Beobachtungsgabe und 1 + 1 zusammenzählen kann. So weiß ich halt Dinge, die ER noch nicht wusste. Oder ich weiß sie, obwohl man sie mir gar nicht gesagt hat.

Das ist auch nicht immer ganz angenehm.

So bekam ich dann gestern Vormittag mehrere SMS, was ich so mache heute, was ich vorhabe, und ob ich ihn am Nachmittag besuche. Ich wollte, wie gesagt, zu meinem Vater. Das gefiel ihm gar nicht. Er beschwerte sich mehrmals, irgendwann kam dann: Dann bleib halt weg und überhaupt kommt SIE morgen ja auch, entscheidet sie operativ. Meine Worte, ich entscheide operativ, wann ich komme.

Ich hatte meinem Vater schon längst telefonisch gratuliert und mich dann irgendwann fertig gemacht. Ich wusste, dass es nicht viel Sinn hatte, aber nun hatte ich abgesagt, also siehe mal was da so kommt.

Nein, es kam gar nichts. Er kam mir entgegen, brachte mir einen Kaffee, gab mir ein Küsschen, und wir unterhielten uns. Nichts Konkretes, nur Belangloses. Nein,  wir diskutierten nicht. Ich wollte anfangs noch was sagen, aber was hätte es für einen Wert. Er sagte mir dann auch, dass sie morgen (also heute) kommen würde. Dass er sich wundert, schließlich hat sie wortreich mehrfach erklärt, sie wolle nichts mit ihm zu tun haben. Dass man schon seit Montag gesimst hat, ist auch eine Kontaktaufnahme. Woher ich das wohl weiß. Wer weiß es nicht, wen würde es wirklich wundern. Vllt. seine Mutter, vllt. sogar die Beiden. Letzteres bezweifle ich auch. Also verabschiedete ich mich, stellte klar, dass ich nun nicht wiederkommen würde. Nicht sehr wortreich, mehr durch die Blume.

Ich bekam noch den Vorwurf, dass ich seiner Mutter nichts sagen soll, denn wenn ich das täte, drehe sie am Rad. Wird sie auch ohne meine Worte. Falsch ist das schon deshalb, weil sie nach meinen Eröffnungen eher gelassen reagiert. Wer hatte ihr sonst vom letzten Abbruch erzählt, wer hat ihr vor Monaten klar gemacht, dass er wieder in die Klinik muss? Ist sie da ausgerastet? Nein.

Ich hab ihm noch erklärt, dass seine Mutter und ihr Freund dann seine Sachen Samstag Nachmittag abholen können. Sie könnten das ja auf dem Rückweg von ihm  tun; sie besuchen ihn das erste Mal. Ob das so sein wird, wird sich zeigen. Ich bezweifle, dass er das so weitergibt. Schließlich sind die Sachen hier ein Garant dafür, dass man sie mal holen kann. Es sei denn, sie besteht darauf.

Heute bekam ich dann früh eine SMS. Eine ganz wichtige: Ich solle mal auf meiner Anlage nachsehen, da müssten noch CDs von ihm liegen und evtl. was in meinem DVD-Player. Was ich damit dann machen soll, ließ die SMS offen. Geantwortet habe ich nicht. Auf meiner Anlage lagen keine CDs von ihm, in meinem DVD-Player lag auch nichts von ihm. Das ist schon vor Tagen in seinen Beutel gelandet. Das Leben von ihm, so sagte er selbst, besteht nur aus Tüten und Beuteln. Richtig. – Ich hab übrigens keinerlei Telefonnummern mehr von ihm.

Es hat also gar nicht lange gedauert, bis sie wieder zueinander fanden. Wie gesagt, sie können nicht mit- und auch nicht ohne einander. Sie passen auch perfekt zusammen, sie führen eine Beziehung, wie sie nur die Beiden führen können. Andere sind erwachsener.

Nessi hat es dann so formuliert, gewundert hat es sie natürlich auch nicht, dass die Sache nun zum Scheitern verurteilt ist. Das sehe ich auch so. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass er nun mit ihr, wegen ihr, durch sie die Klinik verlässt und irgendwelche Nachbehandlungen (Substitute, Langzeittherapie etc.) wird es dann nicht geben. Wer sollte das organisieren, managen? Wer hat daran Interesse? Sie hatte schon das letzte Mal erklärt, sie packen das alleine.

Warum also das Ganze? Keine Ahnung. Man hätte es sich sparen können. Alles. Ich hätte auch ruhiger gelebt. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Damit mein ich vor allem mich selbst. Ich habe es gewusst und dennoch so gehandelt.

Und wie werde ich zukünftig handeln? Was  muss mir der „Kerl noch alles antun, bis Du es kapierst (0-Ton Nessi)“? Ich weiß es nicht, ich bin aber auch nicht wirklich davon überzeugt, dass sich das nächste Mal anders reagiere, dass ich ihn wirklich vor der Tür lasse.

Angebracht wäre es.

Ich war nicht lange in der Klinik. Eine Diskussion wollte ich nicht führen, so tun als ob, wollte ich auch nicht. Abschiedsküsschen gab es auch noch, er nahm mich in die Arme, stellte fest, dass ich gut rieche (das tu ich immer). Und wir sehen uns bestimmt. Klar!

Kurz entschlossen fuhr ich noch zu meinem Vater, der sich wunderte, dass ich abends noch auftauchte. Sein Kumpel, mein Patenonkel, war dort. Wir tranken etwas, aßen etwas, erzählten. Ich war ziemlich angesäuselt.

Mit dem Taxi fuhr ich nach Hause, flirtete wild mit dem Taxifahrer, der nicht wirklich wusste, was los ist. Ich kannte ihn, beim vorletzten Tanzabend tanzte ich mit ihm und war nicht wirklich willig ;-).

Was soll ich sagen / schreiben? Dass ich es wusste, beruhigt mich nicht. Dass ich genau weiß, es würde nie mit uns funktionieren, beruhigt mich noch weniger. Dass es mit den Beiden nicht funktioniert, könnte mich beruhigen, beruhigt mich vllt. sogar, obwohl es besser für mich wäre, es würde klappen. Ich vermisse ihn. Es ist eine Ruhe hier. Das was ich vorher so kritisiert habe, das ständige Gebimmel des Telefons, das Gesimse fehlt nun doch. Selbst seine Mutti hat nicht angerufen, wahrscheinlich ist sie informiert, wahrscheinlich ahnt sie, oder er hat dem vorgebeugt und sie zumindestens über seinen Gesundheitszustand informiert.

Es geht ihm soweit ganz gut. Kreislaufprobleme. Auf Grund dessen braucht er an den meisten „Therapieveranstaltungen“ nicht teilzunehmen, wenn sie denn außerhalb stattfinden. Das nutzt er natürlich aus und macht gar nichts.

 Das ist nun mal wieder das Ende. Wie lange dauert es? Ewig? Ein paar Tage, ein paar Wochen, Monate, Jahre? Mal sehen….

Freundschaftlich geht übrigens gar nicht, das tut mir nur weh!

 

18.02.2010 um 00:03 Uhr

Zerrissen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Man sollte ja denken, es wird irgendwann mal einfacher. Aber ich stand wohl immer auf kompliziert. Einfacher wurde nichts, wird es auch nicht werden. Im Gegenteil. Es wurde erst mal noch komplizierter.

Es ist schon komisch, man beklagt sich, dass man ihn vermisst. Und siehe da, als ob es jemand gehört hat, meldet er sich. Und alle guten Vorsätze oder auch schlechten waren dahin. Ich war eh mies drauf an diesem Tag. Es kam eine SMS, ob er erscheinen darf und ich antwortete schlicht und einfach mit: „JA!“ So war er dann ab 3. Februar um 19.00 Uhr wieder hier. Es gab wieder richtigen Krach in dieser anderen Beziehung, die Einzelheiten weiß ich nicht wirklich. Es ist mir alles zu kitschig, zu kindisch. Immer dieselbe Leier.

Und er blieb natürlich auch eine Weile. Er holte zwischenzeitlich seine ganzen Sachen von ihr. Sie diskutierten mal wieder mehrmals per Telefon und SMS ihre Beziehung. Das nervt gewaltig, es ist ungefähr das 300.000 Mal oder so.

Wir waren bei seiner Mutter, er packte seine Koffer, denn schließlich sollte es am 15. Februar in die Klinik gehen. Dazwischen war natürlich noch ein Wochenende und obwohl es dieses Mal „richtig aus“ war und die Sachen längst von ihr geholt, ging er natürlich am Freitag wieder zu ihr. Die können nicht ohne einander, sie können auch nicht miteinander. Irgendwann in der Nacht tauchte er auf und blieb dann auch hier. Er hätte eh nicht weiter gehen können, der Zustand ließ das nicht zu. Gebracht hatte das gar nichts, außer dass er nun wieder einen Grund zum Trinken hatte. Nein, ich habe Unrecht. Aus mir spricht nur die Eifersucht, sie hat daran keinen Anteil. Er wird es nie verstehen.

Und obwohl das am Freitag schon schief ging, ging er am Samstag Abend wieder zu ihr. Vormittags tauchten hier noch seine Mutter und ihr Freund auf. Eigentlich wollte sie ihm was bringen, ich wollte allerdings, dass sie seine Sachen und ihn mitnimmt. Er sträubte sich hartnäckig. Er wollte nicht gehen, seine Sachen sollten hier bleiben und dass ich am Montag ihn nicht in die Klinik bringen wollte, verstand er auch nicht. Trotzdem ging er am Samstag Abend zu ihr. Ich stellte meine Klingeln ab, mein Telefone und natürlich stand er auch gegen 1.00 Uhr vor der Tür. Ich ließ ihn nicht rein. Ich hatte Ausdauer, die Klingel war ja aus, die Telefone auch. Ich sah es nur, wenn er anrief. Ich hatte es ihm gesagt. Aber das war nur die Eifersucht, die aus mir sprach. Schließlich was sollte passieren, es passiert auch nichts. Dass ich diese ganzen Spiele einfach nur kindisch finde, dieses ewige Hin und Her zu nichts führt. Sie ihm alles andere als gut tut, nein, das ist nur meine Eifersucht. Und einen Kontrollzwang hab ich auch. Wer mich wirklich kennt, wird sich eher kaputt lachen.

Sie hat es auch fertig gebracht, mir zu schreiben. Sie musste mir seine SMS inhaltlich mitteilen. Und nun kommt natürlich der Vorwurf, ich würde mit ihr kommunizieren. Das Wort kennt sie gar nicht. Dass ich mit der Frau gar nichts zu tun haben will, ist für ihn nicht erkennbar.

Es dauerte gar nicht lange, und es klingelte oben. Ich wusste nicht, wer ihn ins Haus gelassen hat (Das stellte sich erst später raus. Er hat bei meinem schwulen Nachbarn Sturm geklingelt)  Bald darauf  klingelte es oben Sturm. Komisch ist nur, wenn ich mal selbst die Klingel betätige oder mal Nessi, funktioniert sie nie. Und es würde noch klingeln. Irgendwann wurde es mir zu bunt, ich öffnete die Tür. Ich erwartet auch noch Paulchen in der Nacht, der war zu Disco und hätte ihn ansonsten vor der Tür vorgefunden. Musste auch nicht sein. Er wollte nur seine Sachen holen, erklärte mir wortreich, was ich weniger verstand, dass es nun wirklich aus ist. Es hat ziemlich gekracht aus einem nichtigen (für mich) Grund. Natürlich nahm er nicht gleich seine Sachen, erst mal eine rauchen, mir berichten, was mich nicht interessierte und dann noch seine Ex anrufen. Mit ihr sprach er dann lange, drückte auf die Tränendrüse, wie es kaum zu ertragen war. Ich konnte es nicht ertragen, ich sprach mit ihr. Und wir beschlossen, ich leg ihn also bei mir ins Bett. - Suizidgefährdet ist er ja auch. -

Er hatte gesiegt. Am Sonntag ging es ihm sehr schlecht. Er hatte seit Tagen nur getrunken, nichts gegessen. Wie sollte es anders sein. Seine Mutter suchte ihn, erreichte mich dann irgendwann. Meine Telefone waren abgestellt, schließlich wollte Paulchen seine Ruhe, wir hatten auch noch was zu bequatschen. Und sie stellte dann die Frage, ob ich ihn nicht doch in die Klinik bringen kann. Er kann mich nicht fragen, weil es gäbe stundenslange Diskussionen mit mir. Mit mir! Ah ja!

Er hatte gesiegt!

Er blieb auch am Sonntag hier. Am Montag ging es ihm sehr, sehr schlecht. Den letzten Alkohol gab es gegen 22.00 Uhr. Man sah es. Wir machten uns fertig, seine Mutter tauchte mit ihrem Freund schon gegen 8.30 auf. Er kam kaum die Treppe runter, ich führte ihn. Sie waren entsetzt.

In der Klinik schickte ich die Beiden dann nach Hause, ich übernahm die ganze Anmeldung. Ich blieb bis zum Mittagessen dort, man forderte mich dann auch zum Gehen auf. Ich saß an seinem Bett, bewachte ihn, ging mit rauchen, besorgte ihm Wasser.

Später telefonierten wir. Seine Mutter rief auch an. Sie war ganz froh, dass ich die Sache übernommen  habe. Wie sagte seine Liebste so schön, und damit hat sie wirklich mal recht: „Ich will Dir Deine Zweckbeziehung nicht kaputt machen!“ Am späten Abend rief mich dann noch seine EX aus Bayern an. Sie berichtete mir, dass sie von ihm SMS erhielt wegen seiner Liebsten. Sie hatten mal wieder ein Problem miteinander, in das er sich natürlich voll einbrachte. Und mal wieder hatte sie eine Möglichkeit gefunden, Kontakt zu suchen. Mich hat es nicht wirklich interessiert, ich war auch recht abweisend am Telefon. Es ist nervend, es ist infantil.

Gestern besuchte ich ihn. Er sah gut aus, im Verhältnis. Da er am Tage seiner Aufnahme keinen Atemalkohol hatte (0,0 Promille), wurde er schon auf ein normales Zimmer verlegt und erhielt vom ersten Tag an Medikamente. Entzugserscheinungen hatte er aber mächtige, er froh, zitterte und man merkte, wie er sich ganz vorsichtig bewegte.

Heute habe ich ihn nicht besucht. Ich sprach kurz mit ihm, auch mit seiner Mutter. Seit ca. 16.00 Uhr habe ich nichts  von ihm gehört. Ob das einem zu denken geben sollte, lasse ich dahin gestellt. Ich hatte von Anfang an gesagt, ich besuche ihn nicht jeden Tag. Ich kenne den Weg durch Paulchen zwar sehr gut, aber ihn habe ich auch nicht täglich besuchen wollen / können / dürfen. Er muss da eh allein durch.

Auch morgen werde ich ihn nicht besuchen, mein Vater hat Geburtstag. Es stört ihn sicher, sie besuchte ihn damals täglich. Sie hat trotz ihrer drei Kinder auch nicht wirklich was zu tun. Ich hingegen kann darüber nicht wirklich klagen. Meine Wohnung sieht nicht toll aus, er war ja schließlich eine Woche hier. Die hat es nötig. Ab 1. März gehe ich arbeiten, da wäre noch so einiges zu erledigen. Führungszeugnis beantragen, Fahrtkosten etc. Paulchen geht ab 1. März in eine Ausbildung als Koch (es ist der 3. Anlauf).

Ich hab wirklich keine Ahnung, wie das weitergeht. Ich habe mehr als nur Zweifel. Wir haben vor 30 Jahren nicht zusammen gepasst und tun es jetzt auch nicht. Aber es liegt mir viel an ihm, sehr viel. Das war auch immer so.

Nessi ist auf mich auch nur sauer. Sie versteht mich gar nicht. Warum ich mir das antue. Er ist es nicht Wert, er tritt meine Gefühle mit Füssen usw.

Ich kenne diese Äußerungen noch aus der Zeit mit Paulchen. Damals verstand mich auch keiner. Man kann nicht über seinen Schatten springen. Ich konnte es bei Paulchen nicht, ich kann es jetzt nicht. Manche Dinge muss man genauso machen, wie man es will. Keine Rechtfertigungen für andere, einfach durchziehen. Ob es richtig ist, ob es anders gehen würde, ob es für das eigene Seelenheil auch nötig ist, ist alles sekundär. Ich wollte es damals so und jetzt auch!

Natürlich werde ich der Strecke bleiben, da bin ich mir ziemlich sicher. Er wird zu ihr gehen. Und erst, sorry, wenn ich das so klar formuliere, wenn er wieder angefangen hat zu saufen, wird er meine Klingel wieder finden. Das ist eine Tatsache.

Ich versteh ihn auch nicht. Was zieht ihn zu ihr? Im Grunde schimpft er nur über sie, nichts ist dort nach seinem Geschmack. Der Sex vielleicht, ich habe keine Ahnung. Ich kann da schon deshalb nicht mitreden, weil ich in der Beziehung eindeutig zu kurz komme. Auch ein Zeichen dafür, dass es mit uns nicht klappen kann.

Wie dem auch sei. Noch ist er in der Klinik. Wie lange wird sich herausstellen, wie sehr er danach an sich arbeiten wird auch.

Heute hatte sich auch Ronald kurz gemeldet. Er wollte vorbei kommen. Hätte mir gefallen. Ich fühle mich momentan notorisch unterv…… Leider hat er dann doch abgesagt, es kam ihm was dienstliches dazwischen. Nein, ich hatte keine Bedenken wegen IHM. Er ist zwar sehr eifersüchtig, aber was soll es. Wir haben weder Exklusivverträge miteinander, noch hat er Grund eifersüchtig zu sein, schließlich geht er laufend zu ihr, oder?

Aber selbst das hat nicht geklappt!

 

03.02.2010 um 00:26 Uhr

Winter usw.

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Der Winter hat uns alle im Griff. Die Einen sind krank, die Anderen sind winterdepressiv. Eines möchte wohl jeder: Endlich wieder schneefrei, Sonne und Frühling. Wird wohl noch eine Weile dauern, bis es soweit ist. Die Wenigsten genießen das Wetter, Kinder vielleicht. Aber auch nur die ganz Kleinen, die mit Schneemannbauern und Schneeballschlachten noch was anfangen können, es vllt. das erste Mal überhaupt tun können.

Wie dem auch sei, mir macht das Wetter momentan zwar nicht soviel aus. Ich muss nicht unbedingt raus. Das ist mal ein glücklicher Umstand, obwohl das zu Hause sitzen und in den Tag rein schlafen auch nicht wirklich produktiv ist und nur zu unangenehmen Gedanken führt.

Ich habe IHN seit dem 19. Januar nicht wieder gesehen. Ich weiß nicht genau, wie es ihm geht, was er so macht. Es würde mich schon interessieren, das gebe ich gern zu. Der Gedanke liegt nahe, einfach mal durchklingeln und nachfragen. Aber was hätte das für einen Sinn. Sie schweben gerade auf Wolke 7, 8 oder 9 oder sind schon wieder in den tristen Alltag abgetaucht. Egal wie es ist, mich sollte es nicht interessieren. Es geht mich nämlich wirklich nichts an.

Ich denke oft daran, wie es so war, wie es hätte sein können. Die Gedanken drehen sich im Kreis. Was wäre wenn?

Eine Antwort findet man nie auf solche Fragen. In diesem speziellen Fall erst recht nicht. Das Schlimme an der Sache ist, ich denke immer, sie handeln nach einem Plan, egal welche Nachrichten mich erreichen, was passiert oder auch nicht passiert, ich vermute immer einen Plan dahinter. Das ist nahezu paranoid und doch nicht unbegründet. Irgendwie lief immer alles nach IHREM Plan. Es stellt sich jedenfalls oft so dar.

Seine Ex hat mich angerufen. Sie war ganz erstaunt, dass sie von ihm eine SMS bekam mit der Nachfrage nach ihrem Web-Radio. Dann hörten die Beiden ihr zu, sandten per SMS (obwohl das natürlich auch im Chat gehen würde) Musikwünsche und Grüße. Sollte mich diese Nachricht von ihm erreichen? Er hat nach mir gefragt, ob wir noch Kontakt hätten.

Die Wolke 7 halt. Es interessiert mich wirklich, ob dort alles so anders ist. Ist er dort fit, trinkt er weniger? Hat er nicht diese Kreislaufprobleme? Liegt er nicht fast den ganzen Tag und ist kaum fähig, sich zu erheben? Doch das interessiert mich. Mich interessiert es, wie es so abgeht in der Familie. Komisch!

Und wie steht seine Mutter nun dazu? Nein, sie hat mich nicht wieder angerufen. Und aus irgendeinem Grund denk ich auch, sie hat sich so gut mit der neuen Situation arrangiert, dass ich auch nicht nachfrage.

Zuviel Interesse bekunden ist nicht gut.

Dieses Mal bin auch felsenfest davon überzeugt, dass er sich nicht wieder bei mir melden wird. Er wird wohl nicht nachfragen, ob er mal vorbei kommen kann, zum Reden. Er wird mir wohl nicht sein Leid mit ihr klagen. Dieses Mal und irgendwann wird es soweit sein, das steht wirklich felsenfest, wird er es wohl allein mit sich und seiner Mutter ausmachen und wer sonst noch so bleibt. Ich weiß nicht, ob das ein Segen für mich ist. Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Irgendwann gehen sie sich auf den Keks, irgendwann schlägt die Eifersucht zu, irgendwann wird IHR es mit IHM zuviel oder umgedreht. Wann das so ist, sie werden sich bemühen. Sie müssen beweisen, dass sie es können. Keiner glaubt es.

Nein, ich habe es nicht artikuliert, ich habe ihm Glück mit ihr gewünscht. Es steht mir nicht zu, es nicht zu tun. Es steht mir nicht zu, Prophezeiungen auszusprechen. Das wäre kleingeistig. Selbst wenn man davon überzeugt ist.

Ich wünsche ihm auch das Glück. Wenn er zufrieden ist, kann ich es doch aus sein. Oder? Hatte ich wirklich angenommen, wie wären das neue Paar für immer? Das hatte ich nie. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich das wirklich selbst gewollt hätte.

Ich hab mein Leben zwar vollkommen auf ihn umgestellt, aber irgendwie war es immer befristet. 

Und nun hab ich mein Leben zurück. Es ist ruhig, sehr ruhig. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt. Die ersten Tage war ich noch stocksauer, ich konnte gut damit umgehen, ihn zu ignorieren, mehr oder weniger. Dann folgten die Tage, da hätte ich ihn am Liebsten hergezaubert. Es war mir zu ruhig, er hat mir gefehlt.

Jetzt? Er fehlt mir immer noch. Gestern war es auch sehr ruhig, also schlief ich den ganzen Tag. Heute hat wenigstens ab und zu mal das Handy oder Telefon  geklingelt (Nessi, Paulchen, Werbeanrufe). Mein Nachbar stand auch vor der Tür, allerdings war ich gerade nackt und mit Gesichtsmaske, ich konnte nicht öffnen.

Am Wochenende waren wir tanzen. Zuerst fühlte ich mich ja mehr als nur deplaciert. Die Musik war bescheiden, die Stimmung nicht anders. Irgendwann begann ich mit einem Mann zu tanzen, der vorher immer Solonummern geschoben hat und somit für Gelächter gesorgt hat. Mir war gleich klar, der ist nicht von hier, der ist nicht aus Deutschland.

Er fragte mich dann auch gleich, ob ich englisch spreche. Naja, ich und englisch. Es stellte sich nach ein paar Sätzen raus, er ist Franzose. Es war anstrengend mit ihm zu tanzen, zusammen ging gar nicht. Die Unterhaltung war beschwerlich, er suchte nach Vokabeln, ich verstand ihn zwar meistens, aber mir fiel nicht das einfachste ein. Aber wir haben den ganzen Abend miteinander getanzt. Mangelende Verfügbarkeit – von beiden Seiten.

Er hätte mich sicherlich sehr gern mitgenommen, aber, so ist das halt bei den Frauen, die Biologie stand im Wege. Ich hätte gar nichts gegen Sex mit ihm gehabt, wie ihm aber klar machen, dass es heute nun gar nicht geht. Keine Ahnung, was heißt Periode auf Englisch und wie erklärt man sich?!

Wäre eine Abwechslung gewesen. Wann hat Frau das letzte Mal wen abgeschleppt? Dürfte ewig her sein, oder?!

Ich könnte, wenn ich denn unbedingt wollte, mal in sein Hotel gehen. Aber so sicher bin ich mir da nicht, ob das nun wieder klug wäre.

Enttäuscht war er schon, als ich mich verabschiedete. Und tomorrow war auch nichts, höchstens Mitte der Woche. Es tat ganz gut, umworben zu werden und für reichlich Gesprächsstoff haben wir auch geliefert, für alle anderen. Das Tanzen war nie so wie die Musik, das war eindeutig….

Es ist das ewige Lied. Sex. Ich habe mich in letzter Zeit oft gefragt, ob ich überhaupt noch zu etwas anderem fähig bin. Beziehungen, Zärtlichkeiten. Mir war das nie wichtig. Es drehte sich  mehr oder weniger nur um den animalischen Akt. Nicht fraulich, schon gar nicht damenhaft. Aber doch wahr. Bei ihm war das anders. Da war ich durchaus romantisch veranlagt, zärtlich, alles, was man sonst gar nicht ist.

Ob das sich ändert? Ob jemand den Platz einnehmen kann? Ich bezweifle das sehr, wenn ich darüber nachdenke. Leider!

Er hat tiefe Wunden gerissen, sehr tiefe. Die müssen sehr langsam verheilen. Nach 30 Jahren bin ich nicht klüger geworden. Eine schmerzhafte Erkenntnis. Tut es mir leid? Nein, ich habe es genossen – mit ihm.

Insofern hat alles seinen Preis, alles seinen Sinn. Manche Fragen sind beantwortet, manche werden es nie. Die Liebe bleibt ein Geheimnis mit 7 Siegeln……