Plateforme

23.09.2010 um 20:35 Uhr

Ignoranz

Bestätigung hab ich wohl erhalten. Auf die eine oder andere Weise. Nessi ist mehr oder weniger weg. Sie war am letzten WE noch einmal hier, es ging irgendwie gar nicht. ER und ich kriegten uns tierisch in die Wolle, selbst ich bin nicht so ganz ruhig geblieben. Das mir – die Gelassenheit in Person.

Dabei sollte man sich nie rechtfertigen, schon gar nicht auf haltlose Verdächtigungen. Das kann ja nur als Bestätigung dienen. Aber wenn man immer wieder so einen Schmarren hört. Ich weiß nicht, da flippt man schon mal aus (Beispiele dafür gibt es Dutzende). 

Er mischt sich auch zu sehr in die Verbindung zwischen mir und Nessi ein. Ich würde sie nicht genügend beachten. Richtig, aber so war es halt immer und wird es nun nicht wieder sein.

Ich habe sie eigentlich beide rausgeschmissen. Ich konnte nicht mehr. Sie ist dann nach einiger Zeit auch gegangen. Er ist noch da. Und es läuft gar nicht. Ignoranz hat so viele Gesichter und das beherrscht er perfekt. Er kann kochen, putzen und sonst was machen, das wiegt es alles nicht auf. Er hat mir auch gesagt, dass er mehr an Nessi hängt als an mir. Ob es so ist? Gut man kann viel sagen, schon um jemandem weh zu tun. Aber steckt nicht überall ein bissel Wahrheit drin? Allerdings warum ist er denn hier und nicht bei ihr? 

Wir wissen das alles nicht. Sie ist gegangen. Sie hat ihre Sachen mitgenommen. Wir haben noch sporadisch Kontakt, aber halt mehr sachlich als alles andere. Er schreibt mit ihr und sie wohl auch. Es ist nur eine halbe Sache. Meine Meinung. Wenn sie sich denn zurückziehen will, um uns in Ruhe zu lassen, sollte das wohl bleiben. Dabei liebt sie mich (eigene Aussage) und ich bin diejenige die den wenigsten Kontakt hat.

Nein, es läuft gar nicht. Über kurz oder lang kommt es zum großen Eklat. Wie lange der dauern wird, ist die andere Sache. Allerdings sollte ich nicht so schon daran gehen. Ich werde es durchziehen und dann auch den restlichen Kontakt mit Nessi unterbinden. Einfach weil dann sein Kontakt zu ihr noch häufiger wird. Das ertrage ich nicht. 

Ich ertrage die Situation gar nicht.

Ignoranz kann so wehtun. 

Und hilft gar nicht. Wer denkt, dass man damit was erreicht, der irrt. Nur mal so als Tipp!

13.09.2010 um 14:36 Uhr

Bestätigung

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Zynismus ist die reale Sicht auf die Dinge. Ich bin zynisch, ich bin pessimistisch, ich gehe im Allgemeinen immer vom Schlechten aus und würde mich gern überraschen lassen, dass es dann doch nicht so ist. Meistens folgt die Überraschung nicht, sondern eher die Bestätigung.

Nein, es ist nicht immer toll, sich bestätigt zu sehen, Recht zu haben. Das ist nachvollziehbar, wenn man in Dingen Recht hatte, die man sich anders gewünscht hätte. 

Ich hatte von der GEZ-Sache erfahren und habe mich Nessi gegenüber lautstark geäußert. Ich war sauer, enttäuscht und verletzt. Ich habe viele Dinge gesagt, die mir schon lange auf der Seele brannten. IHM habe ich sie auch gesagt, nur hat er sie nicht so zur Kenntnis genommen, weil er dazu nicht fähig war oder / und sie schlichtweg ignoriert.

Am letzten Freitag gab es dann gar keinen Nessi-Kontakt, denn sie war sauer, weil  ich mich wegen dieser Lappalie so aufgeregt habe oder aus einem anderen Grund, wer weiß das schon. Natürlich haben die beiden telefoniert. Wir kamen erst spät nach Hause, waren unterwegs, und er hat sie angerufen, sie haben bis in die Nacht telefoniert. 

Ich bin zeitweise aus dem Zimmer gegangen, wie ich das oft in letzter Zeit getan habe, weil ich mir das nicht antun wollte. Zeitweise habe ich auch zugehört, was dann belanglos war. Dann kam natürlich die Zeit, da wollte ER provozieren und man hat gemerkt, dass sie verschlüsselt reden. Man sollte es merken. Ich habe mich nur geäußert, dass sie offen reden können. Da platzte es dann heraus.

ER: „Du gehtst ja davon aus, dass wir uns heimlich getroffen haben. Nessi war am WE bei mir.“ 

Na also, ich hatte es doch geahnt, oder?

Was bedeutet das? Ich wundere mich nicht wirklich darüber, dass seine Mutter das mitgemacht hat. Nein, das wundert mich nicht. Ich weiß nicht, wie ihr WE verlief, ich habe nicht gefragt. Ich war trotz, dass ich es ja eigentlich wusste, entsetzt. Das hat sie mir angetan? Dann so getan, als ob sie wegen der GEZ-Sache und meiner Reaktion sauer war? Sie hat zugelassen, dass ich mir hier die Augen aus dem Kopf geheult habe? Sie hat mitbekommen, wie er mit mir getextet hat, sich mit mir verabredet hat, dann doch nicht erschienen ist? Sie hat gemerkt, wie seine Mutter ihn am Tele verleugnete? Sie sind dann am Sonntag sozusagen gemeinsam losgefahren, sie nach Hause und er zu mir? Sie hat sich dann nicht gemeldet. Und hat am Montag die herzzerreißende SMS geschrieben, dass sie meine Reaktionen nicht versteht? 

Das soll man verstehen? Das kann man wohl nicht, oder? Von ihm war ich weniger enttäuscht, da rechnet man mit solchen Spielchen. Aber den Vertrauensverlust können beide nicht wieder gut machen, das habe ich auch gesagt.

Nun natürlich war der Freitagabend für mich gelaufen. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich hatte ihm und ihr SMS geschrieben, ungefähr in dem Wortlaut, sie sollen sich nun entscheiden, was sie wollen. Ich würde mich der Entscheidung stellen. Sicher wäre ein Neuanfang wünschenswert, aber ob er möglich ist. Alles andere ist nicht praktikabel. Sie kann sich nicht zurückziehen, dass will niemand. Ich nicht, er nicht, sie auch nicht. Wie soll das auch funktionieren? Kontakt gibt es ja eh. 

Die praktikabelste Lösung wäre, ich würde mich von beiden zurückziehen. Klar, ist das nicht einfach. Aber sie werden vorerst den Kontakt ja doch nicht aufgeben, selbst wenn er nur freundschaftlicher Natur ist. Und ich könnte auch nicht wieder ertragen, wenn er geht, dass sie weiter Kontakt haben. Dass es an dem ist, wurde ja mehr als einmal bewiesen.

Das ist immer noch mein Standpunkt, und ich gehe mal davon aus, dass früher oder später es genauso kommen wird. 

So ungefähr habe ich das Beiden geschrieben, Nessi habe ich separat noch geschrieben, etwas wortreicher.

Sie will natürlich die Entscheidung nicht fällen und sich zurückziehen. 

Am Samstag passierte dann praktisch gar nichts. Natürlich wollte er nicht darüber reden, blockte das Thema eh ab.

Ich hielt es für eine gute Idee. Nessi wollte ja Samstag tanzen gehen, sie dort zu besuchen. Sie war nicht erfreut, uns zu sehen. Das konnte man sehen, ER sah es genauso. 

Am Sonntag gingen doch mehrere SMS zwischen beiden hin und her. Um was es ging, weiß ich nicht. Belanglosigkeiten zum Teil. Zum Teil hat er mir davon berichtet. Ich habe ihr irgendwann geschrieben, dass ich gemerkt habe, dass sie nicht erfreut war und dass sie sich ja bei mir nicht meldet. Als wir dort waren, machte sie noch spitze Bemerkungen, ich hätte mich entschieden, dass sieht man, und ich will es so, dass sie sich zurückzieht.

Manche wissen mehr als man selbst. 

Wir haben dann telefoniert, sie war aufgelöst, hat geweint, sie will das nicht, sie hat ja bewiesen, dass es nicht funktioniert, sie kann das nicht. Etc. Etc. Ich hatte sie zum Nachmittag zu mir gebeten, das wollte sie auch nicht. Es würde eh nicht gehen usw. Dabei hätte ich das als notwenig empfunden, um vllt. doch mal zu reden. Wir waren dann nachmittags bei seiner Mutter, die genauso geschockt war. Sie konnte mich kaum angucken.

Natürlich hat sie nicht ganz Unrecht, wenn sie hergekommen wäre, wäre es vllt. genauso gelaufen wie die letzten Mal, mich hätte etwas gestört und hätte sie dieses Mal beide vor die Tür gesetzt. Das ist nicht unmöglich, sogar in jedem Falle, auch wenn es am nächsten WE so sein sollte, wahrscheinlich. 

Allerdings ist die Situation so auch unerträglich. Ich würde gern mit ihr reden, kann es aber nicht. Sie auch nicht. Mit ihm gab es abends auch noch eine Auseinandersetzung, dass er das nicht mehr will und am Besten geht. Hat er nicht. Was sollte es auch bringen?

Ich halte meine Lösung immer noch für die praktikabelste. Ich bereue, dass ich die Abschieds-SMS vom letzten Samstag, als sie bei ihm war, revidiert habe. Es wäre die richtige Entscheidung gewesen. Sie wird es irgendwann auch wieder sein. Davon bin ich leider überzeugt. 

Und sie meldet sich nach wie vor nicht bei mir. Schlechtes Gewissen? Ich habe keine Ahnung.

Ich werde sie beide vermissen. Das steht fest. Ich vermisse sie schon jetzt. Denn eigentlich ist die Situation jetzt nicht zu ertragen. Es fehlt was.

11.09.2010 um 00:31 Uhr

Vertrauensverlust

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Das Thema Loyalität gab es ja schon. Man würde sich wünschen, es wäre einfacher. Aber wenn die Karre in Dreck gefahren ist, ist es halt zu spät.

Gestern stellte es sich heraus, dass es, für mich gesehen, viel schlimmer ist, als ich jemals gedacht hatte. Seine Mutter rief mich an, ob ich etwas von der GEZ wüsste. Nein, ich wusste es nicht. Nessi sollte das erledigen. Ja, es ist eine Lappalie. Ist es auch. Aber darum geht es nicht, es geht um das Prinzip. Sie hat sich mit ihm getroffen und diesen Bescheid entgegen genommen, um das für ihn zu erledigen. Hätte sie mir das sagen können? Ja, ich habe von ihm nichts anderes erwartet. Er steht auf solche Spielchen, und natürlich weiß er, wie es mich verletzt. Hätte sie auch wissen müssen, hat sie auch. Aber ich sollte es nicht wissen, habe es aber trotzdem erfahren. 

Ich bin mehr als nur verletzt. Es kommt zu viel zusammen. Dieses ganze Getue, dieses ewigen Spiele, Geheimnisse. Ich telefoniere auch heimlich, sicher es gibt Dinge, die müssen einfach nicht offen gesagt werden. Telefonate mit der Sparkasse, mit dem Kind, mit dem Vater und ja auch mal mit einer Freundin, bei der man mal alles los werden muss.

Es sind noch mehr Dinge, die mit der Freundin, dieses geheime Wochenende, die Gespräche mit ihr über mich. Ich mag es nun mal nicht, wenn andere in der dritten Person über mich reden. Ich werde es nie mögen. Das ist für mich Vertrauensverlust. War ich nicht die Familie und Paulchen, auf einmal waren sie es. Das Tanzen, was ich gerne getan hätte. Ach, es ist einfach zu viel. 

Nein, es wird nie wieder zu kitten sein. Nie wieder, dessen bin ich mir mehr als bewusst. Ja, ich hätte mir von ihr Loyalität erwartet, aber nein, sie hat die Spiele mitgespielt. Dass er auf so was steht, das weiß ich. Ich bin aus dem Alter schon lange raus. Ich war es nie.

Ich bin nicht intrigant genug und sicher ist es auf das Einzelne gesehen alles nur Lappalien, aber die Gesamtheit macht es. Ehrlichkeit ist ein Zauberwort. O, es gibt sicher Dinge, die man nicht so ohne Weiteres erzählen will, die man verheimlichen will. Jeder hat so seine Geheimnisse, braucht seinen Freiraum. Wer weiß das nicht besser als ich. Aber weil es sich immer um Lappalien handelt, ist es so unverständlich. Ich brauche auch meinen Freiraum, ich will auch meinen Freiraum. Den brauch ich auch. 

Und noch was: Nein, Nessi war am letzten Wochenende nicht bei ihrer Freundin, sie hat sich mit ihm getroffen. Soll ich noch was sagen?

 

 

08.09.2010 um 15:55 Uhr

Loyalität

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Einer der Grundpfeiler von Beziehungen, Freundschaften etc. ist Loyalität. Wenn sie nicht mehr vorhanden ist, ist das irgendwie das Ende vom Anfang.

Loyalität mit Treue zu übersetzen wäre zu einfach. Ich behaupte sogar, es ist mehr als nur das. Körperliche Treue verstehen viele nicht darunter, man hat gelernt Sex, Liebe, Beziehungen usw. auseinander zu halten. Das ist gar nicht verkehrt, sogar evolutionär. 

Loyalität hat was damit zu tun, dass man sich aufeinander verlassen kann, Vertrauen kann, dass man weiß, jemand hält bedingungslos zu einem, verletzt und verrät einen nicht.

Es ist sicher nicht ganz einfach, dem gerecht zu werden. Wir sind alle nur Menschen, haben Fehler und Gefühle, die man nicht immer so kontrollieren kann. 

Mir ist Loyalität ungeheuer wichtig. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann ihm / ihr nicht mehr vertrauen, bin ich ziemlich verletzt, auch wenn ich das natürlich nicht so zeigen werde. Körperliche Treue hingegen ist etwas, was vllt. schön ist, aber noch illusionärer als alles andere. Hat man doch in mehr als 40 Jahren gelernt, dass das selten der Fall ist. Männer betrügen ihre Frauen, Frauen ihre Männer.

Und es ist wahrscheinlich was dran, dass das Männchen gehalten ist, seine Gene zu verbreiten und die Weibchen, so viele Kinder wie möglich mit den unterschiedlichsten Genen zu bekommen. Ist zwar heute relativ unwichtig, die Welt ist schon überbevölkert, die Menschen müssen ihre Art nicht mehr so erhalten. Aber wer kann schon gegen seine Natur. 

Ich sage das oft, wenn Männer behaupten, meine Frau will nicht mehr. Woher will er das wissen? Vllt. will sie bloß mit ihm nicht, weil sich alles so eingespielt hat, vllt. lebt sie sich anders aus. Das will natürlich selten jemand hören.

Ich bin schon relativ lange im Netz und habe schon einiges hier erlebt. Das Netz ist die Kontaktbörse schlechthin. Fremdgehen war nie so einfach wie heute. Früher müsste man den/die noch im realen Leben erst mal treffen, was natürlich auch mühelos möglich war. Heute reicht ein Klick oder zwei und man  kann schon, wenn man dann die Schuhe anbekommt, fremdgehen. 

Bei Frauen ist das genauso, es klappt nicht mehr so, hat sich eingespielt, man fühlt sich unglücklich, will noch mal was erleben und dann passiert ist. An Konsequenzen denkt selten jemand. Frauen so heißt es, haben nicht mal ein schlechtes Gewissen, werden auch selten erwischt, weil sie einfach etwas weg geben, was der Mann gar nicht mehr will, so denken sie.

Aber wenn zu dieser körperlichen Untreue noch der im wahrten Sinne des Wortes der Loyalitätsverlust hinzu kommt, ist es wohl ganz vorbei. Wer hat nicht schon erlebt, wenn Partner über ihrer Partner schlecht reden usw. Wenn sie Geheimnisse haben, die sie mit anderen teilen. Wenn sie Spiele spielen, bewusst verletzten, ausnutzen…  Das ist dann der Punkt, an dem es richtig schmerzt und an dem das Ende sozusagen vorprogrammiert ist.

08.09.2010 um 15:50 Uhr

Nessi

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Nessi, ich weiß gar nicht, ob ich jemals geschrieben habe, wie ich Nessi kennengelernt habe. Und wenn dann war das in meinem alten Blog Plattform (deutsch).

Wir kennen uns schon einige Jahre, haben uns mal auf einer Arbeit, wenn man das so sagen darf kennen gelernt. Einfach war das Ganze nicht. 

Ich habe schon sehr schnell gemerkt, dass sie sich in mich verliebt hat. Natürlich fand ich das spannend, interessant,  wer würde das nicht so empfinden. Ich habe nichts gegen Frauen und so war das für mich auch nicht so ganz unmöglich, allerdings war ich nicht so sehr an Beziehungen interessiert, da ziehe ich, ich bezeichne mich deshalb auch immer noch so heterosexuell, Männer vor. Ich war also schon interessiert.

Irgendwann hat es sich ergeben und da hab ich ihr auf den Kopf zugesagt, dass sie in mich verliebt ist, wir näherten uns langsam an und seitdem hatten wir eine doch vertrauenswürdige, loyale, ehrliche, tolerante Beziehung. Oder Freundschaft. Das hat sich entwickelt und war für beide nicht einfach. 

Ich habe mich oft abgrenzen müssen, damit es nicht so nah, zu intensiv wird. Ich wollte das nicht, ich wollte meine Freiheit.

Es hat sich ein bisschen was geändert. Das liegt nicht nur am Miststück, aber es ist ein Punkt, der sich geändert hat. 

Ich zweifle an ihrer Loyalität, Ehrlichkeit. Ob ich da immer Grund zu habe, mag richtig sein, aber das Zweifeln ist schon allein ein Grund, dass es einen Riss gibt.

Das Miststück, übrigens nenne ich ihn zeitweise wirklich so, wenn ich ihn mit Vornamen anrede, ist das eher ein Negativzeichen, spielt so seine Spielchen. Ich habe keine Ahnung, was er für Gefühle ihr gegenüber hat, das weiß man bei ihm ja nie. Ich glaube nicht, dass sie sexueller Natur, Begehren oder Liebe sind. Allerdings hat er so seine Geheimnisse mit ihr, die sie täglich per SMS oder am Telefon austauschen. Er fässt sie, auch das hab ich schon mal erwähnt,  anders an. Er ist lockerer im Umgang mit ihr. Was ich natürlich insofern nachvollziehen kann, dass sie es wahrscheinlich auch ist. 

Ich hätte mir gewünscht, sie grenzt sich da mehr ab. Ist loyaler und zeigt ihm, dass sie keine Geheimnisse mit ihm teilen kann, keine heimlichen Kontakte hegen etc. Das tut sie nicht. Sie fühlte sich auch wichtig. Vllt. kann man das nachvollziehen, vllt. ginge es mir ähnlich. Aber es verletzt natürlich ungemein.

Auch wenn ich ihm mal wieder raus geschmissen habe, weil mir das so auf den Keks geht, halten sie weiter Kontakt. 

Sie redet mit ihm anders als mit mir. Mir gibt sie zu verstehen, dass sie mich nicht versteht, weil ich ihn ja immer wieder hole.

Ich verstehe das ehrlich nicht. 

Hinzu kommt, dass sie eine Freundin hat, mit der sie das alles ausdiskutiert. Mehr oder weniger. Ich weiß es nicht. Sie hatte sich ja am Wochenende eine Auszeit genommen, sie war nicht erreichbar. Hat gelogen, dass sie bei ihren Eltern ist und gar nicht gemeldet. Erst später, als ich logischerweise annahm, dass sie sich ganz verabschieden möchte und sie per SMS noch einmal darauf hinwies, hat sie nach Tagen geantwortet und war entsetzt.

Ich würde mit ihren Gefühlen spielen. Er sowieso. Ich sehe das im Grunde ganz anders. 

Nun mag ich die Freundin nicht besonders. Auch das ist so ein Prozess gewesen, von Nicht-Mögen bis Antipathie und nun zur totalen Ablehnung. Ich halte sie von eine intrigante, herablassende, arrogante, prüde, hinterlistige Person. Natürlich sieht das Nessi anders, ist klar. Aber ob ich falsch liege? Wir werden das wahrscheinlich nie wirklich erfahren, aber täuschen  mich meine Intuitionen? Das ist doch eher selten der Fall.

Insofern gibt es grade den Prozess, der gar nicht zu stoppen ist, der Entfernung. Der Riss ist einmal da und nicht so schnell, ja im Grunde gar nicht mehr, zu kitten. 

Ich habe natürlich den Kardinalfehler schlechthin gemacht und mein Leben viel zu sehr auf ihre (und auch auf seine) Existenz ausgerichtet. Ich bin demzufolge wesentlich abhängiger von ihr als sie von mir. Ich muss mich langsam daran gewöhnen, dass sie nicht selbstverständlich ist. Zwar behauptet sie das Gegenteil, möchte mich und ihn und natürlich Paulchen, dem es übrigens ganz gut geht, er hat eine neue Freundin, nicht missen. Dennoch merkt man, wie sie sich abgrenzt. Sie tut das auch u. a., um mir einen Gefallen zu tun. Nur möchte er das gar nicht. Er möchte ja dieses Dreiecksverhältnis und ist wenig bereit, davon abzurücken.

Ich hätte auch nichts gegen alte Zeiten. An den Spaß, den wir hatten. Aber bestimmte Dinge kann man nun mal nicht zurückholen. 

Und so bin ich jetzt in der Lage, mit ihm allein zu sein. Er ist natürlich wieder da, wer hätte jemals daran gezweifelt. Der erste Tag war auch himmlisch, die nächsten Tage waren es dann schon nicht mehr so. Irgendwas fehlt, irgendwas stört. Die Frage ist natürlich, was es ist. Der Loyalitätsverlust? Der Zweifel am Begehren? Die Geheimnisse? Die Spiele? All das ist wieder da, aber ich habe es natürlich so gewollt. Ich fühlte mich allein, allein gelassen. Und war es auch. Aber ob sich daran wirklich was geändert hat?

04.09.2010 um 20:24 Uhr

4. Sept. abends

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

ja die Tage waren anders. Ganz anders als gewohnt. Nessi war nicht da und ist auch nicht erreichbar. Sie hat gesagt, was ich ihr von Anfang an nicht glaubte, sie wäre bei ihren Eltern. Irgendwann hab ich da mal angerufen, dort war sie nicht. War kurz bei ihr, hab Geld auf den Tisch gelegt, was ich ihr ohnehin vorgeschlagen hatte. 

Du hast den halben Nachmittag mit mir SMS geschrieben, wolltest 20.00 Uhr hier sein. Bist Du natürlich nicht. Auch das war klar. An Dein Handy gehst Du nicht, ist sicher lautlos. Zu Hause bist Du auch nicht, bist schon seit Stunden weg, sagt Mutti.

Ich hatte alles vorbereitet, so wie gewünscht, nun räum ich es wieder weg. Ich sollte es doch mal lernen.

Samstag abend…..

 

03.09.2010 um 20:24 Uhr

3. Sept abends

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

vielleicht hat mich ja gestern die Hoffnung getrieben, als Du gingst, Dich bald wieder zu sehen. Ein bissel Angst war auch dabei, sonst hätte ich nicht abwehrend reagiert. Die Gewissheit, dass ja doch nicht laufen wird. 

Aber wie dem auch sei. Du bist heute nicht erschienen. Ich habe von Dir nichts gehört oder gesehen.

Nun bin ich natürlich genauso schlau wie vorher. Wo bist Du? Bei Mutti ist zum Freitagabend nicht anzunehmen. Bei der Saufkumpeline? Möglich. Bei IHR? Auch das ist nicht so ganz abwegig. 

Ich bin schon ganz schön enttäuscht, dachte ich doch nach dem Abschied, Du würdest ganz schnell wieder auftauchen. Nein, ich sollte Dich besser kennen. Ich weiß es jetzt auch. Die Gewissheit zu haben, hier her kommen zu können, wenn es mal nötig ist, reicht Dir vollkommen aus. Du verschwendest keine Gedanken an mich.

Nessi ist übrigens auch nicht da, obwohl Freitagabend ist. Nun ich hatte zu verstehen gegeben, dass ich Freitag nicht so die Lust dazu hatte. Wir hatten uns ja früher auch erst immer samstags getroffen. Und nun ist sie heute bei ihren Eltern, sagt sie und telefonisch nicht erreichbar. Was morgen sein wird, entscheidet sie morgen. Ist eine korrekte Aussage, könnte von mir stammen. 

Ich war grade noch mal Zigaretten holen und noch ein bissel an der Luft. Abreagieren nennt sich das wohl. Dass man dann Freitag nach Hause kommt und allein ist, bin ich nicht mehr gewohnt. Komisch oder? Vorige Woche hätte ich es mir noch gewünscht.

Sei vorsichtig mit Deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen. 

War heute auch bei meinem Arbeitgeber, war eine Akkordaktion. Das Ganze hat keine 20 Minuten gedauert, den Zug, der knapp 25 Minuten später fuhr, erreichte ich nämlich. Deine Ex (?) habe ich auch getroffen, sie hat mich dieses Mal gar nicht so böse angesehen….

Morgen kommt mein Vater, mal sehen, wie ich mich morgen so über Wasser halte. Wird nicht so ganz einfach sein zum Samstag. Aber ist nicht zu ändern 

…….

Die Punkte bedeuten eigentlich nur, dass mir die Worte fehlen….

02.09.2010 um 22:58 Uhr

2. Sept. abends

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

es ist noch nicht so lange her. So gegen 20.00 Uhr klingelt es plötzlich. Und Du stehst vor der Tür. Abgefüllt. Genau das bist Du! 

Viel erzählt hast Du nicht. Du warst heute in der Stadt, hast SIE gesehen, auch wenn ihr aneinander vorbei gegangen seid. Das hat Dich wohl doch bewegt. Danach warst Du, wie schon öfter in den letzten Tagen, bei Deiner Saufkumpeline. Du wolltest auch wieder zu hier, hattest Dein Fahrrad und Dein Handy, ohne das bekanntlich nichts geht, noch bei ihr. Sie hat auch hier angerufen und gesagt, es hätte geklingelt. Deine Vermutung SIE könnte es sein. Schon möglich. Du hast sogar ein Schlüssel von Deiner Kumpeline. Das versteht nur, wer Dich kennt und wer sie kennt. Aber ungewöhnlich ist das wohl nicht.

Ich weiß nun, wo Du warst. Ich weiß nun, wie es Dir geht. Ich weiß nun, dass Du, was mich nicht wirklich wundert, irgendwie zu recht kommst. Ich weiß auch, dass Du bezüglich Wohnungen nichts unternommen hast. Auch das wundert mich nicht. 

Als ich mit Nessi telefoniert habe, wurde mal wieder klar, ihr hattet die letzten Tage Kontakt. Tja, ich weiß nicht, was ich davon halten soll oder nicht.

Sie hat angerufen, als Du gerade gingst. Sie war nicht erbaut davon, wundert Dich das jetzt?, dass Du wieder HIER bist. Dieses ewige Hin und Her. Sie hat sich nicht geäußert, ob sie am Wochenende erscheint, ich hatte ihr eine SMS diesbezüglich geschrieben. Finde ich auch ganz ok, ich bin nicht der Gesprächspartner und Du bist nicht gerade unser Thema. Warum wohl? 

Es ist kompliziert. Ich sagte es.

Oder könnte es einfacher sein? Hast Du heute was gesagt? Was Frau gerne hätte hören wollen? Nein. 

Ich habe vorhin alte Tagebucheintragungen gelesen und darin stand, ich habe Dich zum Abschied umarmt. Ist schon eine Weile her. War mir damals ein Bedürfnis. Das habe ich nun nachgeholt. Ich habe Dich umarmt, wir lagen uns lange in den Armen. Ich brauchte das einfach.

Und nun bist Du wieder weg. Vllt. kommst Du heute noch, hast Du gesagt. Nein, das wollte ich nicht. Wir werden uns mal wieder sehen, hab ich gesagt. Du hast mir noch was zu erzählen. 

Ich kann einfach nicht anders. Ich kann nicht, obwohl ich es besser wissen müsste, die Finger von Dir lassen. Ich vermisse Dich, obwohl ich noch vor einer Stunde sagte, heute nicht.

Man wird sehen, ob und wann….. 

Man wird sehen…..

02.09.2010 um 17:32 Uhr

2. Sept. nachmittags

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

die letzte Nacht hab ich auch geschafft. Ich bin auch wieder zu Hause, ich hatte ja Termin beim Amt. 

Dabei fiel mir dann ein, das letzte Mal waren wir gemeinsam dort. Auch bei Nessi war ich, auch dort waren wir das letzte Mal gemeinsam. Auch wenn es alles andere als erfreulich war.

Ich hatte irgendwie gehofft, Dich zu treffen. Zufällig. Beabsichtigt, weil Du ja weißt, dass ich dorthin musste. Nun das würdest Du nicht tun. Das ist Dir nicht so wichtig. Wahrscheinlich würdest Du nicht mal im Entferntesten auf die Idee kommen. 

Ich bin nun wieder zu Hause, höre Depri-Mucke, die mich gut an Dich erinnert und versuche, nicht allzu viel an Dich zu denken oder gar Dich auf irgendeine Art zu kontaktieren, um dann doch enttäuscht zu werden.

Ich weiß noch immer nicht, wo Du bist. Bist Du wieder bei Ihr? Ich kann es mir gut vorstellen. Ich glaube nicht so ganz daran, dass Du solange bei Mutti bist. Und warum solltest Du nicht zu Ihr gehen? 

Ich konnte es nicht in Erfahrung bringen. Wie auch!

Vielleicht ist es ganz gut so, dass ich es nicht weiß. Würde es mich noch mehr runterziehen? Anderseits wüsste ich dann wenigstens, wo Du bist. 

Es macht alles für mich momentan wenig Sinn. Ich kann nachvollziehen, was Du meinst, wenn Du sagst: Für mich ist es gelaufen. Ich habe momentan auch das Gefühl.

Die Sonne scheint gerade, hat sie lange nicht. Besser wäre es auch, es würde regnen. Es würde passender sein für mich. 

Ich vermisse Dich so sehr!

Wenn ich nur wüsste, wie ich das ändern kann. Wenn ich nur wüsste, wie ich endlich genießen kann, dass nicht ständig alles hinterfragt wird, ignoriert wird. Ach was auch immer. 

Ich war gute 4 Stunden heute unterwegs. Hätte ich nie gekonnt, wenn Du noch bei mir wärest. Vier Monate sind gar nicht solange, komisch, dass man sich trotzdem dran gewöhnt.

Man schließt die Tür auf und Du bist nicht da. Hat es mich nicht immer gestört? Es ist nicht einfach. Ich mag es ja ohnehin kompliziert. 

Ich vermisse Dich so!

Wenn ich Dich nicht so lieben würde, vllt. immer geliebt habe, wäre es wirklich einfacher. Welchen Sinn soll es haben? Wer kann den Platz einnehmen? Du willst ihn doch nicht wirklich. 

…………………..

01.09.2010 um 23:10 Uhr

1. September abend

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

nun habe ich den Tag überstanden, ohne Dich zu sehen oder zu hören. Fast jedenfalls. 

Ich habe heute mit Peti telefoniert, an die Du Dich allerdings nicht mehr erinnerst, obwohl Du sie aus früheren Zeiten schon kennst. Ich musste mal reden, natürlich hatte sie wenig Zeit. Das war mir vorher klar, ich melde mich auch nur bei ihr, wenn es mir nicht so gut geht, was ihr klar ist. Aber wohl nicht so schlimm. Sie hat mir das gesagt, was ich schon wusste. „Du weißt doch vom Kopf her, dass es besser ist, wenn es aus ist!“

Oh, ich weiß das. Natürlich. Aber was ändert es? 

Ich weiß nicht, wo Du bist. Bist Du wieder bei Ihr? Bist Du noch „zu Hause“? Wie geht es Dir? Warst Du wegen der Wohnung?

Ich weiß das alles nicht. Es interessiert mich, aber ich könnte es nur erfahren, würde ich Dich fragen oder Nessi, die weiß das vielleicht auch. Auch das weiß ich nicht, ich weiß nicht, ob ihr noch Kontakt habt. Ich habe sie nicht gefragt, ich konnte es nicht. 

Es ist ganz schrecklich, nicht mehr reden zu können. Unsere Gespräche sind betont freundlich und sachlich. Eigentlich könnte man es ganz bleiben lassen.

Aber ich will mir nicht im Nachhinein sagen lassen, ich würde sie aushorchen. 

Heute war ich Deine Flaschen wegbringen, hatte sich ja wieder eine Menge angesammelt. Bin bei Ihr vorbeigegangen, in der Hoffnung, Bestätigung zu erhalten. War aber nicht so, weder Sie noch Du waren zu sehen. Wäre auch zu schön gewesen oder zu schrecklich, kommt auf die Betrachtungsweise an.

Anschließend war ich im Kurpark. Da hab ich vor 1,5 Wochen samstags schon einmal gesessen, als ich Hals über Kopf das Haus verließ, weil mir alles zu viel wurde, weil ich mal raus musste, weil ich sonst durchgedreht wäre. Verstanden hast Du das nicht wirklich und Nessi naja, ich weiß es nicht. Wir hatten ja nächtens noch lange geredet, Du hast zugehört, so getan, als ob Du schläfst. Gebracht hat das alles nichts. 

Im Gegensatz zu damals habe ich heute was anderes gedacht. Heute habe ich Dich vermisst. Damals habe ich Euch zum Teufel gewünscht, festgestellt, dass ich das alles nicht mehr ertrage, nicht mehr ertragen will, und es besser wäre, Du würdest wieder gehen. Nun ist es an dem und natürlich, welch Wunder, gefällt mir das gar nicht.

Außerdem hab ich heute TV gesehen, Sachen, die ich mit Dir nie hätte sehen können. Du brauchst 150 % Aufmerksamkeit und magst es gar nicht, wenn man sich nicht um Dich kümmert und man etwas macht, was Dir nicht gefällt. Du hast in vielen Dingen einen anderen Geschmack als ich. Sollte ich nicht froh sein, diese Dinge tun zu können? 

Sollte ich es nicht von der Seite sehen? Das Leben wieder genießen zu können?

Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. 

Aber leider ist es halt komplizierter.

Ich würde gerne wissen, wo Du jetzt bist. Ich würde gerne wissen, was Du gerade machst. Vielleicht gefällt mir es dann gar nicht, wenn ich es erfahre. Mag sein. Aber die Ungewissheit ist nicht so einfach zu ertragen. 

Ich vermisse Dich sehr!

 


01.09.2010 um 15:52 Uhr

1. Sept. nachmittags

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

es ist Nachmittag. Natürlich hab ich genauso viel von Dir gehört wie Du von mir. 

Ich glaube, Du bist wieder bei IHR. Es war ja irgendwie immer klar. Ihr passt zueinander. Mit niemandem kannst Du Deine Spielchen so gut spielen wie mit ihr. Ich hab sie gestern gesehen, sie sieht nicht gut aus und, das wird Dich erstaunen, sie hat auch ein paar Kilo zugelegt. Aber das wirst Du mittlerweile schon wissen. Sie ist wieder Single, ich dachte mir schon so was und naja ich hab es herausgefunden. Und ich denke mal, sie hat Dich ja immer kontaktiert, wenn sie mich gesehen, sie wird es auch gestern getan haben. Wenn Du es nicht vorher getan hast. Es geht bei Euch gar nicht anders!

Nun kannst Du glücklich mit ihr werden oder auch nicht. Ich habe ja schon mal gesagt, ich bewundere ja die Frauen, die es jahrelang mit Dir durchgestanden haben. Einfach war das mit Sicherheit nicht. Das hast Du mir mehr als einmal bewiesen und mehr als einmal einfach nur erzählt. 

Es gibt so was wie eine Pro- und Contra-Liste. Was spricht dafür und was dagegen? Es spricht mehr als nur eine Menge dagegen. Aber dafür spricht ganz einfach, dass ich Dich unsagbar vermisse. Ich hab meine Wohnung wieder für mich allein. Aber Du fehlst trotzdem. Ich kann tun und lassen, was ich will. Aber Du fehlst trotzdem.

So was ist einfach nicht zu verstehen. 

Ich wusste es vorher, wie sehr ich Dich vermissen würde. Ich wusste es. Und doch konnte ich nicht anders. Es tat mir alles nur noch weh.

Zu wissen, dass Du jetzt wahrscheinlich wieder bei ihr bist, macht es nicht einfacher. Sie stand immer irgendwo. Sie ist es, die Du willst, die Du begehrst. Es ist einfach so. Ihr könnt auch nicht miteinander und ohneeinander erst recht nicht. So ist das halt. 

Beziehungen.

Ich sollte Dir Glück wünschen, aber kann ich das?

01.09.2010 um 00:15 Uhr

1. Sept. 2010 nachts

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

es fällt mir schwer, Dir zu schreiben. Du wirst es zwar nie lesen, aber das ändert daran nichts. Es fällt mir schwer, Dich nicht an zu rufen. So manchmal denke ich, was soll’s. 

Aber ich weiß, Du rechnest damit. Das wäre Wasser auf Deine Mühle. Du kannst es nicht selbst tun. Das kannst Du nicht. Dann müsstest Du eigene Entscheidungen treffen. Das machst Du nie. Du lässt für Dich entscheiden, auch wenn Du selten mit den Ergebnissen einverstanden bist.

Ich denke viel an Dich. Sogar das viel ist zu wenig. Ich denke immer an Dich. Meine Gedanken kreisen ständig darum, was Du wohl machst, wie es Dir geht. Bist Du unterwegs, konntest Du es? 

Ich weiß das alles nicht. Woher auch. Ich könnte es ganz einfach erfahren, wenn ich anrufen würde. Natürlich würdest Du geziert tun, Dich zuerst verleugnen lassen. Und auch am Telefon mehr als nur abweisend sein.

Diese Spiele liegen Dir. Diese kleinen, kindlichen Spiele, die ich so verabscheue. Aus deren Alter ich glaubte, raus zu sein. Und doch sehe ich mich in ihnen gefangen. 

Ich habe mich total verändert. Ich hätte nie gedacht, dass das noch möglich ist. Ich bin unsicher geworden. Du hast mich tatsächlich verunsichert. Zu sehen, dass Dir das alles egal ist, macht mich unsicher.

Ich war es schon lange nicht mehr gewöhnt, ignoriert zu werden. Das kannst Du perfekter als ich. Das muss man Dir lassen. Ich kann das auch gut, nur im Unterschied zu Dir, mir tut es weh. 

Darum ist es eine kluge Entscheidung, wenn wir uns NIE mehr sehen. Aber wem fällt das von uns beiden schwer? Mir. Dir weniger. Du wirst Dich irgendwie weiter durchs Leben und durch die Betten der Damen mogeln. Irgendwann wird das auch wieder gehen. Irgendwann wirst Du Dich schon aus diesem Grund entschließen, einen Entzug zu machen. Auch wenn das mit Sicherheit nicht dauerhaft sein wird. Es wird eine vorübergehende Besserung geben, die reicht doch schon.

Ich bin diejenige, die darunter leidet, dass wir uns nicht sehen können. Die darunter leidet, Dich nicht zu hören. Die darunter leidet, Dich nicht berühren zu können. 

Dir ist das egal.

Das hast Du mehr als einmal deutlich gemacht. 

Du bezeichnest es nicht selten als Provokation. Es ist keine Provokation. Es ist einfach nur schmerzhaft.

Ich habe mich viele Jahre gefragt, ob ich fähig bin, mich noch einmal richtig zu verlieben. Diese Frage ist nun beantwortet. Ich war so gelassen geworden, konnte alles so perfekt trennen. Ich hatte nicht genug Sex, dazu fehlte trotz allem die Gelegenheit. Aber ich hatte Sex, der sehr befriedigend war. 

Selbst das hat sich geändert.

Alkohol ist Dein geringstes Problem. Das weißt Du auch. Du kannst Dich darauf auch perfekt ausruhen. Kaum jemand, der Alkoholiker ist, versteht das so gut wie Du. Außerdem weiß ich aus Erfahrung, dass Du nüchtern noch weniger zu ertragen bist. So kann man Dein Handeln noch mit Alkohol begründen. 

Ich werde auch morgen versuchen, standhaft zu bleiben. Und wenn Du denkst, ich bin sowieso perfekt durch Nessi informiert, irrst Du. Ich weiß zwar, dass Du sie heute kontaktiert hast. Das war es aber auch. Ich habe nicht nachgefragt, sie hat nichts gesagt. Unsere Gespräche sind einsilbig geworden. Über das, was wichtig ist, will und kann ich nicht reden. Also lass ich es ganz. Auch das tut mir weh. Zum anderen versteh ich sie nicht so ganz. Einerseits begrüßt sie es, wenn ich mich von Dir trenne, anderseits kann sie sich mit Dir unterhalten, schreiben.

Sicher ist sie nicht in diesen Gefühlschaos mit Dir, aber sie mag Dich. Sie würde es auch bedauern. All das weiß ich. 

Das macht es alles nicht leichter.

Beziehungen sind nicht einfach. Hatten wir eine? Ich würde es nicht als solche bezeichnen. Aber wie dem auch sei, ich bin wahrscheinlich geheilt. 

Es wird nie jemanden geben, der Deinen Platz einnehmen wird. Das ist eine Tatsache, mit der ich mich abfinden muss. Das habe ich gelernt. Es hat wahrscheinlich nie jemanden gegeben, der Deinen Platz innehatte. Die Erkenntnis ist hart.

Wir kennen uns über 30 Jahre und doch nicht. Oder ich kenne Dich zu gut…