Plateforme

08.01.2011 um 00:47 Uhr

Nachtrag zum kalten Entzug

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Vor etwa einer Stunde klingelte das Telefon. Ich hatte es erst gar nicht gehört. Fernseher? Es war Nessi, was mich wunderte und ihre Aussage war: "Es ist wieder alles beim Alten!"

Damit konnte ich auch erst mal gar nichts anfangen. Er war, sie hatte ja in dieser Zeit angerufen, bei Netto und hat sich ein Fläschchen geholt. Ich hatte schon den Eindruck an der Bushaltestelle, dass da irgendwas im Busche ist, wollte es nur nicht laut äußern. Er wird wohl so gewesen sein. Jedenfalls ist er nun wieder abgefüllt. Hat Nessi Vorwürfe gemacht, die mir alle bekannt sind. Aber sie hat nicht wirklich reagiert. Und siehe da, zwar gab es die Aussage wegen des Paar seins, aber Folgen hatte das keine. Er schlief mehr oder weniger doch allein und miteinander im wahrsten Sinne des Wortes schliefen sie gar nicht.

Sie hat dann noch mal konkret gesagt, noch mal geht das nicht. Sie kann damit nicht umgehen, wenn ER da ist. Ich kann das schon verstehen (ich muss jetzt mal erwähnen, hab auch leicht einen im Tee, scheint heute ansteckend zu sein.). Aber ich sollte es ja auch können. Wie dem auch sei, sie will ihn auf keinen Fall wieder rein lassen und wenn er zu mir kommt, will sie mit ihm keinen Kontakt und mit mir auch nicht, weil es dann wieder von vorn los geht.

Aber soweit ist es noch gar nicht. Wenn er jetzt wirklich, und davon kann man nun mal ausgehen, zumal Nessi morgen vormittag unterwegs (Auto ansehen) ist, wieder trinkt, dann kommt er auch weniger raus und kann gar nicht weg. Und warum und wohin auch? Solange sie das mitmacht, stört ihn das gar nicht. Ich kenn das. Bei mir gab es ja noch die Variante, Nessi anrufen und sich abholen lassen. Die gibt es bei mir nicht. Das würde ich nicht machen, und das weiß er. 

Und Conny? Nun das ist damit fast Geschichte. Die will ihn, wenn denn überhaupt, nur nüchtern.

Warum hat er heute getrunken? Das weiß nur er. Sicher stört ihn die Verbindung zwischen Nessi und mir, sie hat ihn immer gestört. Vor allem ist es aber so, im Grunde will er gar keine eigene Wohnung. Er hat Angst davor. Das weiß ich schon lange. Und dass er nächste Woche Termin beim Amt hat, Nessi ist arbeiten, ist auch das ein Problem. Es wäre keins, wenn man sagen würde: "Paulinchen kommst mit? usw." So funktioniert das aber bei ihm nicht, da kommt der Berg zum Propheten, und ich muss den Vorschlag machen.  Und will man das?

Nessi ist gespannt, wie das morgen weiter geht. Sie denkt, er redet nicht mit ihr. Aber der Zoff von gestern, da er ja getrunken hat, ist morgen längst vergessen. Vielleicht war es ja eine einmalige Sache, so recht glaubt das niemand. Für die Meisten, die ihn kennen (außer Mutti) ist es schon erstaunlich, dass er solange durchgehalten hat. Wird der nächste Entzug auch so relativ einfach? 

Mutti wird natürlich sauer sein. Es wird auch jemand schuld sein. Sicher die Weiber. Sie waren es immer. Gab schon eine Reihe Weiber, die schuld waren. Bin selbst Mutti, und mein Sohn hat, das weiß man hier, einen hohen Stellenwert bei mir, was normal ist, aber ganz so bin ich nicht. Ich weiß schon, dass so ab und an die Kinder schon selbst einen gehörigen Anteil an der Situation tragen. Sie wird jedenfalls enttäuscht sein, wieder weinen. Und ich habe Nessi schon erklärt, dass es an ihr ist, es ihr zu sagen. Er traut sich das nicht. War bei mir auch immer so. Ich mußte es dann schaukeln. 

Nessi fragte mich, warum ich ihn liebe. Wie man ihn eigentlich lieben kann? Das ist eine gute Frage. Darauf habe ich keine Antwort, es ist halt so. Sie mag ihn, er sie vielleicht auch. Aber mehr ist da nicht. Die Frage stellt sich, kann er überhaupt jemanden lieben außer sich?!

Mal sehen...

07.01.2011 um 22:44 Uhr

7. Jan. abends

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo Miststück,

wir haben uns heute gesehen. Natürlich kam Nessi alleine hoch, hatte es auch relativ eilig. Der Bus fuhr bald wieder. Ihr wart lange bei Deiner Mutti und anschließend auch noch einkaufen.

Nun was sagt sie? Es geht gut zwischen Euch. Du gibst Dir viel Mühe. Es ist anders geworden bei Dir. Und sie vermisst mich. Naja, das mag sein oder nicht. Ändert aber auch nicht viel.

Ich bin dann mit zur Bushaltestelle gegangen. Wollte Dich sehen, hatte es Dir zwar per SMS mitgeteilt, aber ohne Reaktion. Du siehst gut aus. Neue Hose gekauft. Und so einiges anderes. Du bemühst Dich wirklich. Wofür nie Geld da war, das ist jetzt möglich. Es ist anders, wenn Du nicht trinkst. Allerdings auch nicht wirklich einfacher, das bestätigt auch Nessi.

Vier Wochen sind es nun. Sicher bist Du noch lange nicht über den Berg, aber wer hätte das gedacht. Du hast ja selbst vor einigen Tagen am Telefon zu mir gesagt, Dir verlangt gar nicht danach.

Ansonsten tust natürlich alles, dass jeder sieht, vor allem natürlich ich, dass Nessi jetzt „Dein Schatz“ ist. Allerdings kennst ja meinen Spruch: Sag zu allen Schatz, kannst niemanden verwechseln.

Mich guckst wenig an. Ist mir das letzte Mal schon aufgefallen. Keine Ahnung woran es liegt. Für einen kurzen Moment dachtest Du allerdings, ich würde mit Euch mitkommen. Nicht zugehört. Das geht nicht! Und ob Dir das gefallen hätte und wie es hätte laufen sollen? Darauf weißt Du selbst nicht mal eine Antwort.

Ich vermisse Dich unsagbar. Selbst Nessi hat das gespürt. Sie meinte, hätte ich Dich doch niemals in mein / unser Leben gelassen. Aus dieser Sicht ist das sogar richtig. Ich hätte allerdings auch nie erfahren, zu welchen Gefühlen ich fähig bin. Wenn auch nur zu Dir, und das macht mir Angst.

Treue Seele – das hat schon so mancher zu mir gesagt. Dem ist wohl so. Man kommt nur schwer rein in mein Herz, aber wenn man einmal drin ist, auch nicht wieder raus.

Nessi sagt mir immer wieder, wer weiß, was nächste Woche ist. Vielleicht meldet er sich schon dann bei Dir. Aber tust Du das? Warum solltest Du? Es gibt dafür nicht wirklich einen Grund. Wie ich schon sagte, Du fühlst Dich wohl bei Nessi. Warum auch nicht? Du hast das erste Mal das Gefühl einer Beziehung. Wie liefen denn Deine anderen Beziehungen? Immer im Alkohol, immer unter gegenseitigen Vorhaltungen, Vertrauensverlusten, Kontrolle usw. Kaum Gemeinsamkeiten. Das ist doch jetzt anders. Und meiner bist Dir ohnehin sicher, das gibst sogar zu.

Abschließen, ein für alle Mal abschließen. Wie oft hab ich das schon gesagt? Richtig wäre und ist es trotzdem!

Ich vermisse Dich!

07.01.2011 um 13:22 Uhr

7. Jan. mittags

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo Miststück, hallo Nessi,

es kommt immer anders, als man denkt. Ich habe mir heute vorgenommen, mal etwas raus zu gehen, zu putzen. Und schon klingelt das Telefon und Nessi ist dran.

Da könnte man sich fast freuen, oder?

Ob ich das Weihnachtsgesteck schon auseinander genommen habe? Das habe ich. Dann kommt Nessi den Schmuck nachher abholen.

Wie kommt man da jetzt drauf? Und vor allem warum muss das jetzt sein? Mein erster Gedanke war, wieder was gefunden, um Dir weh zu tun.

Natürlich könnte es auch anders sein. Das wäre sogar schön. Das Miststück hat immer irgendwelche liegen gebliebene Sachen genutzt, um Kontakt aufzunehmen. Aber warum sollte das so sein? Der Recorder wurde geholt, das Fahrrad auch. Das war doch die Entscheidung. Und nun wird die Entscheidung mit irgendwelchen Krimskrams komplettiert.

Klar, würde ich mir wünschen, dass Nessi kommt und sagt, es war alles ganz anders. Ich habe gedacht, Du willst das hören. Wolltest ja auch. Es ist nicht so. Nimm Kontakt mit ihm auf, er wartet drauf. Und ich bin auch nicht verloren. Ich bin weiter für Dich da usw. usw. Vielleicht kommst mal mit rum usw.

Das wäre schön. Aber auch zu schön. So klang es gar nicht. Das würde auch voraussetzen, Ihr hättet darüber gesprochen. Über mich. Das glaub ich weniger und über die Gefühle. Das wäre gar nicht sein Stil.

Warum sollte ich auch kämpfen? Warum sollte ich das glauben? Ich weiß, es geht ihm gut bei Dir. Besser als es ihm je ging. Das ist doch Grund genug, für ihn zu bleiben. Er merkt das erste Mal, wie eine Beziehung auch sein kann. Keine gegenseitigen Vorwürfe, Vorhaltungen, Heimlichkeiten, sondern Gemeinsamkeiten. Das hatte er noch nie. Ich hätte es mir  für uns gewünscht, aber so war es nicht. Vielleicht sind die Gefühle noch nicht so stark bei Euch, aber das kann sich entwickeln. Wer weiß das schon? Und die Optik sollte sowieso keine Rolle spielen.

Ich kann gegen Nessi nur verlieren. Diese Gemeinsamkeiten haben wir nicht. Hatten wir nie. Da mag die Liebe noch so groß sein. Es muss mir reichen, dass es Euch gut geht. Das war ja fast immer so, Hauptsache, ihm geht es gut. Und das tut es. Es geht ihm gut. Und Dir, Nessi, auch.

Es geht Dir besser als mit mir. Ihr habt die Gemeinsamkeiten, ihr habt Gefühle füreinander, zu denen Ihr steht. Ihr habt, das ist das was Du ja immer sehr vermisst hast, Sex.

Was wollt Ihr mehr? Und ich muss das halt so hinnehmen. Mir bleibt keine andere Wahl.

Die Frage bleibt aber dann, warum musste es heute sein? Warum musstet Ihr es heute holen? Warum hatte das nicht noch Zeit? Der Abschied ist dann sozusagen perfekt. Das wird die Antwort sein.

Ich nehme auch fast an, dass er gar nicht mit hoch kommt. Er wird dieses Mal unten auf Dich warten. Es geht ja schnell.

Ich vermisse Euch beide!

06.01.2011 um 23:42 Uhr

6. Jan. abends

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo Miststück,

es ist schon komisch, wenn man so gar keinen Kontakt zu Euch hat. Gut, es gab es in letzter Zeit schon ein paar Mal. Und ich habe erst vor kurzem geschrieben, dass ich es Dir nicht so einfach machen würde.

Aber mir ist nicht danach. Ich komme mir dabei so komisch vor. Schäbig ist der falsche Ausdruck. Nein, ich denke eher, Du hast gewählt. Und warum auch immer, das hast Du. Und warum sollte ich das nicht akzeptieren. Es hat nichts mit Nessi zu tun. Wenn ich mir eine Chance ausrechnen würde, würde ich vielleicht sogar kämpfen. Aber ich glaube nicht mal, dass ich eine habe.

Wenn es jetzt nur um SIE gehen würde, Conny, dann wäre es auch noch anders. Aber Nessi. Ich versuche immer, mir das vorzustellen. Mir gelingt es nicht richtig.

Das ist auch gemein. Ich weiß. Nessi ist und war immer der Meinung, sie findet nie einen Mann. Dabei ist es gar nicht so. Und ich überlege die ganze Zeit, was Conny wohl dazu sagen würde. Sie konnte mit mir schon gar nicht umgehen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hast mir gesagt, ich sei Dir zu dick, und Nessi ist ja noch korpulenter. Zählt das nicht mehr?

Bei Dir überlegt man immer, ob was dahinter steckt. Dabei ist das manchmal gar nicht so. So tiefgründig bist Du gar nicht. Du entscheidest von jetzt auf gleich. Und wenn Dir halt grad danach ist, ist Dir danach.

Die Aussagen sind ein bisschen gemein. Ich weiß, aber ich denke da trotzdem drüber nach. Vor allem weil ich Dich auch kenne.

Als wir Silvester telefonierten, hast mich gefragt, wie es mit den Dreiern auszieht. Das mit Nessi war ja schon von ihrer Seite kein Thema mehr. Und Du hast mich auch nach Conny gefragt. Das würde ich nie wollen. Gibt eine Menge Gründe dafür. Aber Du sagtest darauf, Dir fehlen wohl die vielen Pfunde.

Das ist nicht nett. Und darum wundere ich mich jetzt.

Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Aus vielen Gründen nicht. Wie soll ich es erklären. Es geht dabei gar nicht nur um die Optik. Es geht auch um andere Dinge. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Dir das wirklich Ernst ist. Und das ist dann auch traurig. Ich glaube nicht mal, dass es Nessi wirklich Ernst ist. Das ganze Gerede das klang nicht danach.

Da schwingt immer irgendwie mit, dass es irgendwann zu Ende ist. Du suchst ja auch, nun endlich, eine Wohnung. Dass muss nicht dagegen sprechen, man kann ja trotzdem zusammen sein. Die Wohnung nur pro forma oder wenn es mal kriselt.

Ich zweifle immer noch. Was hat es auf sich damit? Und das ist nicht gut. Schließlich kann man sich verlieben und dann ist es halt so. Aber warum jetzt auf einmal? Bis vor kurzem wart Ihr Euch beide darüber im Klaren, dass Ihr keine Beziehung miteinander wollt. Es war eine Wohngemeinschaft in den letzten Wochen, vorher gab es natürlich den Sex, aber der ist ja kein Kriterium für eine Beziehung.

Was ist es nun? Die Gemeinsamkeiten, die Ihr offensichtlich habt. Ich habe schon, als wir telefonierten, überlegt, ob mir das alles so gefallen würde. Klar, wenn das Essen auf dem Tisch steht, ist das okay. Wenn der Kaffee fertig ist, eingekauft. Alles wunderbar. Die Bude sauber. Aber wenn jemand ständig meine Bude um- und aufräumt, und man ständig genötigt ist, da mitzumachen oder auch nicht, mir würde das nicht so toll gefallen.

Du bestimmst, wie es aussieht in der Wohnung und was gemacht wird. Ich sagte ja, Nessi ist pflegeleichter. Im Übrigen auch bei den gewissen Dingen. Einfacher für Dich jedenfalls. Das weiß ich.

Und Du weißt auch genau, dass Nessi sich nicht wirklich beschweren wird. Sie wird Dich nicht mal vor die Tür setzen, wenn sie merkt, dass Du wieder heimlich telefonierst. Das kann sie gar nicht.

Und das ist genau der Punkt. Wann hast Du Dich jemals von einer Frau getrennt? Das war sicher ab und an mal der Fall, aber in den letzten Jahren war es bis auf die Vorgängerin von Conny, die Du heimlich verlassen hast, niemals der Fall. Du wurdest rausgeschmissen, mehrmals in der Regel, weil sie es nicht mehr ertragen haben. Du kennst Dich damit also aus. Und es gab dann weiter irgendwelchen Kontakt. Weil noch Gefühle da waren. Man kann Dir nicht dauerhaft böse sein.

Natürlich war damals auch immer noch Alkohol im Spiel. Das ist ja nun anders. Obwohl niemand wirklich den Eindruck hat, ich auf keinen Fall, dass Deine Persönlichkeit wesentlich anders ist. Für meine Begriffe bist noch emotionsloser, noch eher eingeschnappt und auch übellaunig.

Das ist aber nur meine Sicht. Muss ja alles nicht so sein. Ich habe Dich zuwenig erlebt in den letzten Wochen. Das ist das, was ich sehr bedauere. Ich hatte die Chance dazu nicht. Oder habe sie nicht erkannt, nicht genutzt. Das ist wohl eher der Fall.

Sinnlose Gedanken, um hinter etwas zu kommen, was man nie erfahren wird. Vielleicht ist es sogar besser so.

Ich vermisse Dich!

Und ich vermisse Nessi, die bei Dir ist. Du wirst es nicht verstehen, aber meine Gedanken drehen sich oft darum, was wir beide erlebt haben. Das dies nun nicht mehr der Fall sein soll, kann ich mir nur schwer vorstellen…

 

 

 

 

06.01.2011 um 03:57 Uhr

6. Jan. nachts

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

obwohl mein kann ich ja nun nicht mehr sagen.

Wie das halt immer so ist. Man hat öfter Recht, als dass es einem lieb sein könnte. Über Motive will ich jetzt mal gar nicht reden.

Auch heute hab ich mit Dir telefoniert. Und Du warst wie immer abweisend, reserviert, distanziert. Alles zusammen trifft es nicht mal annährend. Nessi war ungefähr genauso. Irgendwann haben wir (Du und ich) auch angefangen zu schreiben, belanglos eigentlich.

 Nessi kam nach einem Anruf mit der Sprache raus. Ihr seid nun ein Paar. Woran man das Paar sein festmacht, lass ich mal dahin gestellt. Der Sex allein ist es nicht, aber Du hast Dich so geäußert. Ihr unternehmt viel miteinander, habt Pläne, wohnt zusammen. Das beinhaltet es ja.

Nun muss ich mir keine Gedanken machen, ob Du zu IHR gehst. Das ist hinfällig. Weder aus meiner Sicht, noch aus der Sicht von Nessi. Es geht mich nichts mehr an.

Man kann jetzt spekulieren, warum das so ist. Ob Du vor allem erreichen willst, was ich nicht für so unmöglich halte, dass Nessi und ich uns entzweien, oder ob es tiefere Gefühle sind, wer weiß das schon. Du hast mal gesagt, Du könntest Dich nie in sie verlieben. Paulchen hat mal was ähnliches gesagt. Aber im Grunde verliebt man sich in den Menschen und nicht in die Optik. Oder sollte man nicht. Fakt ist, Nessi ist, auch wenn das aus meiner Sicht jetzt zynisch klingt, ein liebenswerter Mensch und pflegeleicht.

Sie mag Dich auch. Sie ist glücklich. Natürlich möchte sie nicht, dass wir uns entzweien. Das muss nicht sein. Aber die Alternative dazu, kennt sie auch nicht.

Sie ist der Meinung, ich hab ihre Gefühle nicht erwidert. Womit sie sicher Recht hat. Aber gibt man deswegen die Liebe auf?

Retourkutsche?

Was nützt die Spekulation? Nur Resultate zählen.Und das Resultat ist, Ihr seid jetzt ein Paar. So empfindet Ihr Euch. Und wie lange es dauert, ob ein Monat, zwei, drei oder fünf Jahre, das spielt dabei nicht wirklich eine Rolle.

Es ist ein Klischee: Die beste Freundin nimmt einem den Freund weg. Nun wir waren, das kann man ja nicht anders sagen, nie wirklich ein Paar. Deswegen habe ich Dich trotzdem immer geliebt, und werde es wohl auch immer tun.

Natürlich bin ich neidisch auf sie. So wie Ihr jetzt seid, waren wir nie. Dazu warst Du damals nicht in der Lage, oder lag es an mir?

An uns? Sicher von jedem ein Bisschen.

Natürlich bin ich traurig, sauer, enttäuscht. Mehr auf sie als auf Dich. Auch das ist nicht unlogisch.

Die Dinge sind, das sagte ich schon oft, wie sie sind.

Glücklicherweise hab ich heute die Entscheidung getroffen, zu meinem Vater zu gehen. Ich hatte schon vor ein paar Tagen Nessi gefragt, ob sie nun meinen Schlüssel, den Du mir ja achtlos hingeworfen hast, daran erinnerte sie sich in unserem Telefonat vorhin nicht wirklich, wieder haben will. Dazu hatte sie sich nicht artikuliert, und ich hatte die Entscheidung getroffen, ihn meinem Vater zu bringen. Der war nicht wirklich begeistert. Kam zwar mit unlogischen Argumenten, denn er würde mir ja nie die Wohnung ausräumen. Er machte auch den Vorschlag, dass ihn doch besser Nessi haben sollte.

Und was Dich vielleicht nicht interessiert, womit Du nicht mal was anzufangen weißt: Meine Kumpeline, ich schrieb hier neulich über sie, hat Stress mit ihrem Schatz. Ich schrieb schon damals, dass ich Frauen bewundere, die sich von jetzt auf gleich verlieben können. Welche Art Streß, weiß ich nicht. Da ist wieder das Problem: Sie sagt, er spielt Kindergarten, er sagt, sie meckert nur. Jeder hat das Recht auf seine Wahrheit. Fakt ist, dass sie recht rigeros ist. Das hab ich hier in anderen Zusammenhängen schon öfter geschrieben.  Nun ja, der Schatz hat mich angerufen. Wir haben nur kurz telefoniert. Vor allem deshalb, weil er mir die Telefonnummer seines Bruders geben wollte, in den ich mal mit 14; ich kannte Dich damals noch nicht; sehr verliebt war. Der hat sich gefreut, von mir zu hören. Machte mir Komplimente wegen meiner Stimme. Welche Frau hört das nicht gern? Und auch wir wollen uns mal sehen. Zwanglos.

Nessi sagte auch noch was ganz Tolles. Wenn ich Dich denn so liebe, was ist denn mit den anderen Männern? Die Frage stelle ich mir gerade, warum geht eigentlich jeder immer davon aus, dass ich andere Männer habe? Das wird immer so vorausgesetzt. Dabei war es nie so und ist nicht so. Gut, den Taxifahrer hat es gegeben. Das war so eine Art Kurzschlussreaktion wegen Dir und Nessi. Das hab ich schon deswegen bereut, weil er mir ziemlich auf die Ketten ging. Er rief dauernd an. Und aus diesem Grunde, und vor allem, weil es auch an Euch erinnert, habe ich es beendet. Und welche anderen Männer?

Wäre schön, wenn mir die Frage mal beantwortet werden würde. Denn wüsste ich es nämlich selbst.

Wie dem auch sei. Monogamie war nie Dein Ding und ist auch nicht mein Ding. Deswegen war und bin ich trotzdem der Ansicht, dass wenn man richtig liebt, die Frage der Treue keine Rolle spielt. Und bei uns spielte sie schon deshalb keine Rolle, weil Du nicht wirklich hier warst. Erst warst bei Conny, dann wo auch immer. In Gedanken jedenfalls oft.

Ich wünsche Euch Glück!

Und das ist nicht zynisch gemeint. Ich wünsche es Euch!

Ich vermisse Dich! Ich vermisse Nessi!

Aber auch das spielt nicht mehr wirklich die Rolle….

Und weil es mir gerade einfällt: Sie sagte auch. Ich kann doch so viele Männer haben. Die stehen auf mich, ich wirke gut auf Männer. Das ist natürlich ein Trost. Sie kann Dich haben, weil ich doch so viele haben kann. Frauenlogik muss man auch nicht immer verstehen. Denn den Mann, den ich wollte, den bekomm ich nicht! Und wir passen gar nicht zusammen, Ihr passt besser zusammen. Hat sie natürlich Recht. Hab ich ja selbst auch schon gesagt. Klingt, wenn ich das jetzt so lese, wie auswendig gelernt. Als ob mir genau das um die Ohren gehauen werden soll. Naja...

 

05.01.2011 um 02:22 Uhr

5. Jan. nachts Teil 2

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo Nessi,

er wird Dir gesagt haben, davon gehe ich mal aus, dass ich angerufen habe, und dass ich auch ganz in der Nähe war. Vielleicht hat es Dich gewundert, vielleicht auch nicht. Er hat mich zum Kaffee rein gebeten,  aber das hielt ich für unpassend und er auch. Du hättest es mit Sicherheit alles andere als gut gefunden.

Du wirst es sowieso nicht gut finden, dass ich ihn anrufe. Warum, nun das weißt Du selbst am Besten. Deine Motive will niemand ergründen. Es reicht nur, dass es so ist.

Gemeldet hast Dich auf Grund dessen natürlich nicht. Du möchtest auch nicht hören, wenn wir telefonieren. Man könnte antworten, naja, wie oft musste ich das, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Es reicht mir vollkommen, wenn wir ab und an mal alleine telefonieren. Ich lass den Kontakt nicht abreißen zu ihm. Das hab ich mir vorgenommen, solange, es auch immer dauert, bis er bei der wohnt, ich werde mich immer mal wieder melden. Wenn er denn reagiert. Das ist ja auch nicht immer der Fall.

Es wundert Dich etwas, ich wollte das erst nicht. Ich wollte es beenden oder wollte das Gegenteil, dass er sich entschließt. Aber all das ist nun mehr oder weniger hinfällig. Ich habe mich entschlossen, es ihm nicht so einfach zu machen. Er wird sich nicht melden, er genießt erst einmal die Situation. Kann man niemandem verdenken.

Und Du?

Nun, man kann wohl sagen, ich habe lange gewollt, dass es nicht irgendwie endet. Ich wollte Dich nicht verlieren. Wir haben soviel erlebt, soviel durchgemacht, dass es nicht so einfach ist. Natürlich waren viele Dinge anders zwischen uns, das hast Du erst neulich wieder bekräftigt. Abstand war angesagt. Von mir aus. So bin ich. Auch das lässt sich nicht wirklich ändern.

Aber ich habe gekämpft, in der letzten Zeit mehr um Dich als um ihn. Weil es mir wichtig war. Trotz all der Dinge, die passiert sind. Und ich vermisse Dich, das ist wahr. So viele Dinge, die man über den Tag erlebt und denkt, das musst Nessi erzählen. Das fehlt schon Und viele andere Dinge auch.

Im Grunde hast Deine Wahl schon vor langer Zeit getroffen. Vielleicht wegen des Miststücks. Wie gesagt, Deine Motive hinterfrage ich nicht. Vielleicht in der Hoffnung, dass wenn er wieder raus ist bei Dir, dass es dann mit uns wieder „normal“ wird. Wer weiß das schon?

Fakt ist, dass Du Deine Wahl getroffen hast. Ich habe den Schlüssel wieder. Wir telefonieren selten. Du hast sonst täglich angerufen, manchmal öfter. Oder ich. Es war manchmal sicher auch störend, gerade in meinen Augen. Wir haben uns wöchentlich gesehen. Wir haben viel unternommen. Wir hatten Spaß. Das hat sich nun geändert. Ich habe es oft genug gesagt. Die täglichen SMS fehlen, das hast Du eingestellt. Es sind immer die Kleinigkeiten, an denen es auffällt. Mein Bild fehlt schon lange auf Deinem Nachtschrank. Die Bilder von mir in Deinem Portemonnaie fehlen auch. Der Teddy von mir sitzt nicht mehr auf Deiner Couch.

Du hattest irgendwelche Gründe. Ich weiß sie nicht genau. Du warst sauer auf mich. Ich kenne die genauen Gründe nicht. Der Teddy verschwand, als ich mit ihm mal von Dir gegangen bin. Und Du irgendwelche Dinge zu hören bekamst, die nicht stimmten. Du hattest mich gebeten, mit ihm weg zu sein. Es lag damals nicht an mir. Aber welche Gründe Du auch immer hattest, ich habe lange genug und oft genug versucht, dies zu ändern. Wie oft hab ich Dir geschrieben, Dich besucht, Dich aufgesucht, das Gespräch gesucht. Das hat alles nichts gebracht.

Man kann es so sagen, Du hast den Mann bei Dir, den ich liebe. Allein das ist doch eher der Grund für mich böse zu sein.

Und meinst Du wirklich, es wird sich ändern, wenn er nicht mehr bei Dir ist? Nein. Wir werden nicht an alten Dingen anknüpfen können. Dazu ist zu viel passiert. Und wahrscheinlich will das auch niemand. Und je mehr Zeit verstreicht, je schwieriger wird es sowieso.

Ich weiß nicht genau, ob ich sauer bin auf Dich, dass er bei Dir ist. Ich könnte es ja auch auf mich sein, dass ich es zugelassen habe. Oder auf ihn, dass er bei Dir bleibt. Aber auf die Situation bin ich ganz bestimmt sauer.

Und was soll dann auch passieren? Wollen wir beide mit ihm befreundet sein? Eine Fortsetzung dessen, wie es einmal war, willst Du ja überhaupt nicht, und ich, je mehr ich darüber nachdenke, auch nicht. Wenn er jemals wieder bei mir sein sollte oder irgendwas in der Art dann ohne Dich.

Das tut mir weh. So sollte es nie sein. Aber wir haben ja gesehen, dass es nicht anders geht.

Was ich Dir erzählen wollte? Ich habe heute einen kleinen Spaziergang gemacht und bin an dem Heim vorbei gegangen, in dem ich mal gearbeitet habe. Mit der Kollegin hab ich gesprochen, es geht ihr gut. Die Kollegen sind noch alle vollständig, die Kollegin, die im Babyjahr war, hat die Gruppe verlassen, die Vertretung der Kollegin ist in eine Jugendgruppe gegangen. Dafür ist nun die ehemalige Praktikantin dort beschäftigt. Sie hat ihr Bachelor-Studium beendet. Die Therapeutin hat sehr abgenommen. Die Kinder sind mir alle unbekannt. Die alten Kinder sind zum Teil zu Hause, in der Jugendgruppe oder kriminell geworden. Es ist viel vorgefallen dort in der letzten Zeit.

05.01.2011 um 01:57 Uhr

5. Jan. nachts

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

tatsächlich habe ich Dich heute erreicht. Ich war sogar ganz in der Nähe und Du sagtest, komm doch zum Kaffee rein. Das habe ich natürlich nicht gemacht. Gehört sich wohl irgendwie nicht, wenn die Wohnungsbesitzerin nicht anwesend ist. Wir haben eine Weile gesprochen. Du warst ziemlich beschäftigt mit dem Haushalt, hast schon das Kaffeetrinken vorbereitet, sogar Blumen besorgt.

Zu feiern gab es nichts. Das wünscht sich Frau doch. Der Freund kauft Kaffee, bereitet alles vor und besorgt sogar Blumen.

Ansonsten war Euer Tag verplant. Du wolltest Dich noch mit Nessi treffen, um einige Besorgungen zu machen, der Wohnungsantrag soll mal wieder gestellt werden.

Das hab ich auch schon mal alles gemacht. Damals erfolglos. Ich würde es auch wieder machen, gerne sogar. Aber leider…

Es ist eine himmlische Wohngemeinschaft, die Ihr da führt. Das betont Ihr ja beide mehr oder weniger immer wieder. Den Begriff benutzt Du zwar weniger, aber Nessi. Vielleicht wird es ja doch mehr.

Ich habe nicht weiter gefragt. Ich wollte Dich hören. Will den Kontakt nicht zu Dir abreißen lassen. Da bleibt nur das Telefon, ab und an mal. Und in aller Regel werde ich es auch sein, die anruft.

Ich war nicht umsonst dort oben. Ich hatte die Hoffnung, Dir über den Weg zu laufen. Wären wir uns auch fast, denn Du sagtest, Du bist gerade vom Einkaufen wieder rein. Ich wollte wissen, wie die Wohnung von außen aussieht. Fenster geöffnet? Wozu? Manchmal haben Frauen so eigenartige Ideen. Es bringt zwar nichts, rein gar nichts. Aber man ist erst mal beruhigt. Man weiß, wo er ist, weiß was er macht, wie er sich fühlt und das muss dann natürlich reichen.

Für eine Weile muss es reichen. Für lange muss es reichen. Für immer muss es reichen?

Ich vermisse Dich!

 

 

05.01.2011 um 01:39 Uhr

Änderung

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

In meinem Tagebuch auf dem Rechner hab ich gerade einen Eintrag gefunden, den ich aus welchem Grund auch immer, nie veröffentlicht habe.

Gerade hab ich ihn gelesen. Es stimmt so einiges, was darin steht. Einiges was genau heute noch Thema ist. Und einiges was sich total geändert hat.

Die Dinge über ihn stimmten noch weitestgehend. Wenn man mal vom Alkohol absieht. Was überhaupt nicht stimmt, sind die Dinge über Nessi. Es entspricht zwar immer noch der Wahrheit, dass wir im Grunde ganz gut zueinander passen, gepasst hätten. Allerdings ist es nicht mehr so, dass sie zu mir gehört, und das einfach so ist, so bleiben wird usw. Und die Dinge, die sie über ihn sagt, stimmen nicht mehr. Aus ihrer Sicht. Sie hat ihn lieb gewonnen, sie hat sich von seinem Charme betören lassen. Ob sie nicht vielleicht doch noch der Meinung ist, er ist ein Miststück, manchmal jedenfalls, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Dennoch ist sie im Großen und Ganzen über ihn anderer Meinung.

Etwas hat sich auch geändert. Ich habe von IHR geschrieben. Irgendwann in letzter Zeit nannte ich sie mal Conny. Das ist alles auch noch wahr. Aber ich muss auch feststellen, es hat so ein, zwei, drei Vorfälle gegeben, da habe ich auch leicht hysterisch reagiert. Ich habe zwar nicht mit Tellern geworfen, habe nichts aus dem Fenster geworfen. Das ist auch eine Sache der Bequemlichkeit. Aber Hysterie war auch hier der richtige Ausdruck. Das ist zu bedauern, nicht zu entschuldigen. Wie ich vorhin schon feststellte, man kann alles nur bis zu einem begrenzten Maß ertragen. Dann ist Schluss. Leider kann das zu hysterischen Kurzschlussreaktionen führen.

05.01.2011 um 01:38 Uhr

Ich (geschrieben, nicht veröffentlicht 22. Jan. 2010)

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Die meisten Menschen kennen sich selbst ganz gut. Sie wissen um ihrer Vorzüge und ihrer Nachteile, können sich gut einschätzen.

Jeder ist ein Produkt seiner Eltern, seiner Umgebung, seiner Erfahrungen.

Das ist einfach so.

Meine Eltern sind sehr unterschiedliche Menschen. Sie haben sich mal lieben gelernt, sie sind zusammen gekommen, weil ich unterwegs war. Haben sich jahrelang geliebt und gehasst, sind dann auseinander gegangen.

Meine Mutter ist nicht einfach. Sie trägt das Herz auf der Zunge, sie kann nicht wirklich alleine sein, auch wenn sie es heute aus bestimmten Gründen sein muss. Sie ist nicht organisiert, chaotisch teilweise. Viele behaupten, habe das jahrelang nicht so gesehen oder sehen wollen, sie kann nicht mit dem Leben umgehen. Heute ist sie allein. Das ist eine Folge einiger Entscheidungen ihrerseits, sie wohnt weit weg von mir. Sie kommt mit dem Leben nicht wirklich klar, mit dem Alleinsein. Ändern kann man das aber nicht. Wie? Ich kann es schon gar nicht, habe es vor Jahren versucht, erfolglos. Wir haben uns aus vielen Gründen, wenig zu sagen. Sie kennt mich nicht. Sie weiß eigentlich gar nicht, was ich bin, wie ich bin.

Mein Vater ist anders. Er ist sehr strukturiert, sehr organisiert, hat alles im Griff, ist cholerisch, von sich überzeugt, intolerant (zu einem gewissen Teil). Er ist beliebt. Er ist aber auch, seit er Witwer ist, allein, aber er hat sein Leben und sich im Griff. Natürlich wird er so einige seiner Entscheidungen anzweifeln, aber vor allem zweifelt er an anderen. Und auch er kennt mich nicht, wir hatten jahrelang keinen Kontakt.

Meine Eltern sind mir fremd, ich bin ihnen fremd. Das kann man auch nicht mehr ändern.

Ich bin das Produkt meiner Eltern. Ich liege in vielem genau dazwischen. Ich wollte nie so werden wie die Beiden. Nie so eine komplizierte Beziehung führen und habe bewusst Eigenschaften entwickelt, die genau dazwischen liegen. Ich bin nicht so strukturiert, teilweise chaotisch, aber dann wieder pragmatisch in Gefühlen und Handlungen. Ich bin verschlossen, nur schwer zu knacken, bin gern allein und gern in Gesellschaft. Der perfekte Zyniker. Die reale Sicht auf die Dinge.

Beziehungen zu führen, fällt mir sicher schwer. Ich bin seit Jahren Single und das gerne. Meine Beziehung zu meinem Mann ist aus vielen Gründen gescheitert, wir gingen die letzten Jahre unsere eigenen Wege. Das ist keine Kritik, das ist eine Feststellung. Es war so gewollt.

Als ich allein war, eine eigene Wohnung hatte, hätte das Leben ganz schön sein können. War es teilweise, aber man hat es nie so genießen können, wie man es gewollt hätte. Warum eigentlich? Zuerst gab es dann den Mann, der auf einmal interessiert war, an einer Frau, die er jahrelang nicht gesehen hatte. Wir haben uns in den ersten Monaten, ja Jahren unserer Trennung öfter gesehen als in unserer gemeinsamen Wohnung. Das war nicht unbedingt meine Wille, aber der meines Mannes.

Die Beziehungen prägen einen. Die Beziehung zu den Eltern, die Beziehung, die sie führten. Die eigene jahrelange Beziehung prägt umso mehr.

Natürlich weiß man im Grunde genau was man will. Der Mann der Träume ist klar definiert. Er soll vorzeigbar sein, er soll kommunikativ sein, er soll unternehmenslustig sein, er soll gut im Bett sein. Die Beziehung soll getragen sein von Loyalität, von Kommunikation, von Freiheit usw. Man will sich nicht rechtfertigen. Wer sich rechtfertigt klagt sich an. Eifersucht ist überhaupt kein Thema. Körperliche Treue existiert eh nicht. Körperliche Treue ist ein Zeichen mangelnder Gelegenheit. Aber der Mensch an der Seite soll zu einem halten, soll einen verstehen.

Gibt es das?

Wahrscheinlich nicht. Wenn man 17 ist, ist das Leben toll. Man findet den Mann toll, der einem über den Weg gelaufen ist. Er sieht vllt. gut aus, man kann mit ihm reden, man kann was unternehmen usw. Man verliebt sich und alles ist rosarot.

Ist man irgendwann über 40, hat viel gesehen und gehört, wird das Ganze schwierig. Man ist nicht wirklich kompromissbereit, warum sollte man sich mit kleinen Dingen zufrieden geben?

Auf der Suche nach Mr. Perfect.

Ich bewundere Frauen, ich kenne einige davon, die lernen auch im „hohen“ Alter noch einen Kerl kennen, über die Zeitung, über das Netz, beim Tanz und sind sofort Feuer und Flamme. Sie suchen nicht nach den Fehlern, die er haben könnte. Sie entdecken nicht, die Fehler, die er hat. Sie sind begeistert, und es läuft eine Weile. Mehr oder weniger.

So bin ich nicht. Ich bin gern allein, verschlossen. Ich brauche meinen Freiraum. Ich finde, niemand hat das Recht, einem etwas vorzuschreiben. Man will ihn nicht kontrollieren, man will nicht kontrolliert werden. Man rechtfertigt sich nicht, Entscheidungen, die man getroffen hat, sind so wie sie sind. Und natürlich entdecke ich sofort die kleinen Mängel des Anderen. Dass er eifersüchtig ist, intolerant, man mit ihm nicht das unternehmen kann, was einem Spaß macht, nicht den gleichen Geschmack hat etc.

Da ist das Ganze schwierig. Es gibt den alten Witz, dass eine Frau, drei Männer braucht, einen mit dem sie sich unterhalten kann, einem, mit dem sie shoppen, was unternehmen kann und einen, der gut im Bett ist. Sie hat nur dafür zu sorgen, dass sich diese Männer nie begegnen. 

Auf ihn trifft das alles nicht zu. Wir haben gar keine Gemeinsamkeiten, außer dass wir uns 30 Jahre kennen und Teile unserer Vergangenheit. Er ist nicht tolerant, er ist eifersüchtig. Wir haben nicht den gleichen Geschmack. Er liest nicht. Wir könnten nie über Literatur diskutieren, selbst der Musikgeschmack ist teilweise unterschiedlich. Politische Meinungen vertritt er gar nicht. Man kann nicht über Sinn und Unsinn des Lebens mit ihm diskutieren. Was eigentlich bindet mich? Wir können nichts gemeinsam unternehmen, er würde nie mit mir zu einem Konzert gehen oder zu einer Veranstaltung. Das interessiert ihn nicht. Und selbst beim Sex gibt es Differenzen.

Natürlich weiß ich das alles. Ich habe es erlebt, wenn er hier war. Selbst bei einem Werbeanruf kamen ihm Zweifel, ob das nicht vielleicht ein anderer Kerl war. Als ich den Müll runter brachte, ich hab nicht mal wen getroffen, habe ich da nicht mit wen erzählt? Es ist furchtbar. Ich hasse so was. Er versteht meinen Humor nicht, manche Aussagen kann er nicht nachvollziehen. Meine SMS sind ihm zu „hoch“. Tja, was bindet mich?

Das alles kann ich nicht beantworten. Genauso wenig, wie ich die Frage beantworten kann, ob ich suche. Den Mr. Perfect, den es ja nicht gibt. Oder vllt. doch, man ihn aber nicht trifft. Oder übersieht. Oder was auch immer.

Nessi ist im Grunde, genau die Person, die zu mir passt. Wir verstehen uns blind in vielen Dingen, haben in vielen Dingen einen ähnlichen Geschmack, können miteinander reden etc. Nur, dass ich sie halt nicht liebe und nicht ständigen lesbischen Sex  mag. Ich mag sie toll, und sie „gehört“ zu mir. Ohne sie geht gar nichts.

Das stört übrigens kaum jemanden, außer IHN natürlich. Er will nämlich nicht zwischen uns stehen. Es ist immer wieder ein Grund für ihn. Ich hab ja sie.

Dabei stand das natürlich gar nicht zur Debatte. Klar, sie mag ihn gar nicht. Er tut mir weh. Sie versteht nicht, dass ich bei ihm so anders bin, so inkonsequent. Er passt nicht zu mir, er ist nicht mein Niveau. Alles Gründe, warum sie ihn nicht mag, klar.  Aber sie hätte mir das Glück gewünscht, sie wäre Teil gewesen oder hätte sich zurückgezogen, ganz wie gewünscht.

Und was sagt mir das alles? Das ich auch schwierig bin. Dass ich gar nicht beantworten kann, warum ich IHN will. Es würde ja nie gut gehen. Aber wie habe ich es mal ausgedrückt:

Eine Illussion, die sich irgendwann mal der Wahrheit stellen muß, verblasst.
Eine Illussion, die nie die Chance dazu hat, wird eher stärker.

So ist es halt auch dieses Mal. Solange es nicht bewiesen ist, dass es nicht klappt und dazu gehört halt mehr als immer nur eine Woche Wohngemeinschaft, werde ich es nicht glauben. Und solange wird der Mr. Perfect auch nicht gefunden werden, weil er ja trotz des Perfektionismus den Mangel hat, er ist nicht ER. Sofern ich ihn finden will. Ich weiß gar nicht, ob ich mich einer wirklichen Beziehung, die auf gemeinsames Wohnen beruht, noch mal stellen will / kann?!

Bei IHM hat sich mir die Frage nicht gestellt. Er war da und gut. Er blieb auch. ER hat nie gefragt, ob er bleiben kann. Ist nicht gerade ein Positivium. Er hat es als selbstverständlich angesehen, hier zu bleiben. Ich hab für ihn gewaschen, gekocht, er hat nie auch nur einen Handschlag getan. Im Gegensatz dazu putzt und wäscht er bei ihr. ER hat die Wohnung selbstverständlich genutzt. Es gab sogar mehr als einmal den freudschen Versprecher: meine Wohnung. Oder zu seiner Mutter: Ich hab doch hier eine eingerichtete Wohnung.

Und das ist natürlich klar, hätte ich es akzeptiert, dass er öfter zu IHR geht, zum Kaffee oder Sex oder beidem, wäre das auch so gewesen, er wäre hier. Aber das konnte ich nicht, nicht weil ich so eifersüchtig war, ich bin nicht sehr eifersüchtig, ich kann diese Frau nur nicht akzeptieren. Ihre Art Beziehung, wie er war, wenn er bei ihr war. Wie er war, wenn er mit ihr sprach. Da lagen Welten zwischen. Er war ganz anders. Es war so, als ob ein Kind mit seiner Freundin telefoniert vor seiner Mutter. Wie sie mich bezeichnete, das kann man sowieso nicht wiedergeben. Sex ist genau  das Schlüsselwort. Er hatte mir ihr ganz anderen Sex, der zu ihrer Erfüllung führte. Meine Erfüllung war nicht immer das Thema. Wir hatten anderen Sex, der mehr seiner Erfüllung diente als meiner. Was mich zwar sehr anspricht, aber nicht nur. Ich kann das nur schwer beschreiben, das wühlt mich auf. Es ist auch schwer beschreibbar, man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Wenn man nur bedenkt, dass es bei ihnen fast immer in irgendwelche Beschuldigungen, Anschuldigungen und anschließendem Alkohol rauslief, versteht man es vielleicht. Das ist auch die Art Beziehung, die ich nie führen könnte. Diese ständige Kontrolle, Eifersucht, Rechtfertigung. Sie sind beide so.

Darum hätte ich sie nie akzeptieren können. Nie kann ich verstehen, was Mann dazu treibt, sich so gehen zu lassen, sich teilweise so demütigen zu lassen. Ich habe noch keine Sachen aus dem Fenster geworden. Allerdings kann man als Frau den Eindruck erlangen, dass Männern das oft gefällt. Manchen jedenfalls. Hab ich schon so ein- bis zweimal beobachten können.

Das ist dann wieder die Sache mit dem Niveau. Mit dem Erwachsenen.

Beziehungsunfähig kann man das wohl auch nennen. Jeder seine Wohnung, die ideale Kombination. Allerdings die Kosten. Nicht wenige leben so, ob sie gut leben, weiß ich nicht. Ob das immer dauerhaft so sein kann, muss, ich weiß es nicht.

Ist eine Beziehung nur eine, wenn man eine gemeinsame Wohnung hat?

Welche Kompromisse kann man eingehen, welche muss man eingehen?

Es fiel mir nicht schwer bei ihm, irgendwie. Aber vllt. lag der Grund auch darin, dass ich wusste, es ist nicht dauerhaft. Ich kenne ihn ja. Ich muss mich nicht dauerhaft umstellen, hab meine Wohnung, mein Leben wieder für mich. Mit der Konsequenz, dass es dann missfällt. Es nur zeitweise zu genießen ist. 

 

04.01.2011 um 00:23 Uhr

4. Jan. nachts

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

ich brauch nur beliebig einen Brief an Dich zu lesen und schon kommt alles wieder hoch. Es ändert sich nichts.

Es ist einfach so. Ich habe so oft versucht, Dich nicht zu kontaktieren, Dich zu kontaktieren, Dich zu ignorieren. Es gelingt mir nicht wirklich. Egal wie sehr ich es nicht versuche, ich denke ständig an Dich. Als ob es nicht Wichtigeres in der Welt geben würde.

Es hat sich zwar einiges verändert seit den ersten Briefen. Du bist jetzt nüchtern, schon eine Weile. Dafür für meine Begriffe noch emotionsloser. Und Du bist bei Nessi. Nun will ich über ihre Motive nicht nachdenken, das habe ich oft. Das ist mühsam. Du bist halt bei ihr. Du fühlst Dich wohl. Sie tut es oder auch nicht. Ich blicke da nicht durch. Ich will es auch nicht mehr.

Sie hat sich auch verändert. Wer hätte jemals gedacht, dass sie so handelt? Niemand. Aber irren ist menschlich, wie es so schön heißt. Sie habe ich natürlich verloren. Da gibt es, und das ist allen klar, kein zurück mehr. Sie weiß es, ich weiß es. Das ist nur noch ein Hin- und Hergeschiebe, ein paar Verbindungen, die man halt so hat. Vielleicht auch ein paar Empfindungen. Keine Ahnung, aber das tut wenig zur Sache.

Ich hatte Recht, Du hast nicht geantwortet. Sie auch nicht. Ich hatte ihr auch eine SMS geschrieben. Damit es nicht so aussieht, ich schreibe plötzlich nur Dir. Sie lag vielleicht auch schon im Bett. Keine Ahnung. Ich werde morgen noch mal versuchen, Dich anzurufen. Vielleicht habe ich ja Erfolg. Ich glaub es kaum. Du hast Deine Entscheidung getroffen. Dein Statement war perfekt: Du bist bei Nessi. Wie lange, weiß niemand. Auch das tut nichts zur Sache. Sie plant schon, Kellerschlüssel für Dich anzufertigen. Du planst schon die ersten Autotouren, wenn sie denn erst ihr Auto hat. Oder willst Du doch bald wieder zu IHR? Du sprachst von Wochen, Du überlegst noch. Wer weiß schon, was Du tun wirst. Das weißt in der Regel nicht mal Du selbst.

So ist das. Natürlich werde ich es irgendwann aufgeben, Dich zu kontaktieren. Das ist einfach so. Es tut mir Leid, sicher. Ändern kann ich es allerdings nicht. Das Leben ist kein Ponyhof. Und wahrscheinlich ist es für alle Beteiligte sogar das Beste. Wie sagte Nessi so schön, sie lässt mich nicht hängen, als sie am Samstag nicht hoch kommen wollte. Es ist jetzt einfach mal so und wird sich auch wieder ändern. Nun ja, wer das glaubt. Ich glaub es nicht. Es wird sich nicht wieder ändern zwischen ihr und mir. Wer will das schon?

Geb ich ihr die Schuld? Vielleicht. Vielleicht nicht. Die Dinge sind so gelaufen, wie sie gelaufen sind. Es mag sein, ich hätte sie von Anfang an raushalten sollen. Aber das wäre auch eine Erfahrung für uns weniger gewesen. Wir hatten auch Spaß zusammen.

Ich habe Dich zu oft rausgeworfen. Das mag sein. Es hatte immer seinen Grund. Auch das ist richtig. Vielleicht hätte man es aushalten sollen. Auch das ist möglich. Aber das, was man aushalten kann, ist immer begrenzt. Geht es mir jetzt besser? Sicher nicht. Sicher, ich hab auch mein Leben wieder. Ich kann tun und lassen was ich will. Das hat Vorteile, sicher. Es hat natürlich auch den Nachteil, dass Du nicht da bist. Vielleicht sollte ich froh sein. Wie würde es mir gehen, wenn Du Dich doch entschließt, wieder zu IHR zu gehen? Schlecht, noch schlechter als jetzt wahrscheinlich. Es würde mir noch mehr wehtun. Vielleicht, vielleicht hätte ich auch die Chance, mich von Dir zu verabschieden.

Nessi hat nicht die Kraft, Dich vor die Tür zu setzen. Das weißt Du, ich, das weiß sie. Sie würde es sicher das Eine oder Andere mal auch gern tun. Wenn Du Dich stundenslang mit anderen Dingen beschäftigst, heimlich telefonierst. Das muss halt momentan so sein. Keine Ahnung, ob es nun immer noch so ist. Oder ob es aufgehört hat, ob es aufhören wird.

Der Abschied ist es, der mir fehlt. Ich hätte Dich gern noch mal richtig gesprochen. Aber das weißt Du. Und darum versuchst es auch, mit allen Mitteln zu verhindern. Das weiß auch Nessi. Sie ist sich schon irgendwie im Klaren darüber, dass es nicht auf Dauer ist. Sie hat auch mal gesagt, es geht nicht dauerhaft. Aber das war nur so gesagt. Denn sie hat ja doch nicht die Kraft, es zu ändern. Sie will es vielleicht auch nicht. Sie genießt es auch ein Stück weit. Sicher, Du schläfst wohl mal wieder im Wohnzimmer. Zumindest war die Aussage ihrerseits gestern so. Das gefällt ihr nicht wirklich. Das hat was von Hotel, von Wohngemeinschaft. Aber auch eine Wohngemeinschaft kann gut sein.

Ich weiß nicht, was ich tun soll, wie ich Dich erreichen soll. Nessi möchte auch nicht, dass ich Dich erreiche. Sie hat auch ihre Motive dafür. Sie will nicht außen vor stehen, sie will, dass ich mich von Dir löse. Ob sie die Hoffnung hat, dass ich dann für sie frei bin? Nein, das ist es nicht. Sie weiß es genau. Das wird nie wirklich so sein. Darum kann man die Motive hinterfragen. Man könnte auch Rache annehmen. Oder hat sie doch die Hoffnung auf Dich ganz und gar? Das ist auch unsinnig. Du hast mehr als einmal bewiesen, dass es nicht so sein kann.

Aber das ist mühselig. Spekulationen über Motive anderer sind immer mühselig. Man kann vieles erahnen. Einiges davon wird stimmen. Manchmal ist es auch komplex. Und die Motivation tut nur wenig zur Sache. Das Resultat ist es, was zählt. Wie immer im Leben.

Aber egal, wie Du es nun planst. Bei Nessi, bei IHR? Es wird sich für Dich einiges ändern. Denn bei Nessi, ob Dich das nun so sehr stört oder nicht, ist die andere Sache, werde ich fehlen. Ob es sie stört, darüber kann man auch zweifeln. Es wird auf alle Fälle anders. Und wenn Du wirklich zu IHR gehst, wirst Du auch einiges aufgeben müssen. Mich sowieso. Du darfst dann mit mir keinen Kontakt mehr haben. Mit Nessi, gut, dass schon eher. Ob sie es dann noch möchte, ob ich das dann akzeptieren kann, ist eine ganz andere Sache. Einen Teil Deiner Freiheit wirst Du aufgeben müssen. Zwar hast immer behauptet, ich würde Dich kontrollieren. Nessi hat in ihrer berühmten Ansprache, dieses auch mal getan. Ich habe diese Aussagen noch immer gespeichert, von gestern kamen noch einige dazu. Aber die Beispiele dafür könnt Ihr beide nicht liefern. Es ist manchmal schneller etwas gesagt, als dass es bewiesen werden könnte. Wann hab ich Dich kontrolliert und womit? SIE wird es auf alle Fälle tun. SIE wird Dich viel mehr kontrollieren, SIE ist wesentlich eifersüchtiger als ich. Ein kleiner Blick auf der Straße, ein kurzer Flirt im Supermarkt, das geht alles nicht mehr.

Ich glaub auch, dass Du Dir dessen bewusst bist. Es mag schön für Dich sein, dass SIE immer noch Interesse hat. Du bist damit interessant, das Leben wird auch bunter mit IHR. Aber ob es das aufwiegt. Sicher Du hast Deine Zweifel, ich spüre sie förmlich.

Aber was wird es bringen?

Es gibt manchmal Dinge, die man vorher wissen möchte. Manchmal gelingt es einem ja. Mir sogar oft. Ich habe so das Eine oder Andere vorhergesagt. Nicht wegen der hellseherischen Fähigkeiten, die ich habe. Das ist Quatsch. Sehr viel Empathie über die Gefühle der Anderen, ein bissel weibliche Intuition, das genügt schon. Menschenkenntnis. Das ist eine Sache, die ich gern wissen möchte, wann triffst Du diese Entscheidung und welche?

Leider kann ich das nicht wirklich vorhersagen. Ich bin zwar fest der Meinung, dass Deine Entscheidung, zu ihr zu gehen, fest steht. Und ich bin auch fest der Meinung, dass dies nicht mehr so lange dauern wird. Aber in dieser Meinung stecken auch Zweifel. Hoffnung. Hoffnung vielleicht. Aber Hoffnung nur, wenn sie mich einbezieht. Und das bezweifle ich nun ganz stark.

Das würde ich tatsächlich gerne wissen. Das gebe mir ein Stück Sicherheit. Aber was ist im Leben schon sicher. Und da haben wir es wieder, das Leben ist kein Ponyhof….

Ich vermisse Dich!

 

 

03.01.2011 um 22:23 Uhr

3. Jan. abends

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

es ist wieder so ein eigenartiger Tag. Meine Gefühle purzeln so rum. Ich weiß nicht so richtig, was los ist. Ich bin unruhig. Was soll ich wovon halten?

Ich habe Dir heute schon zeitig eine SMS geschickt. Einfach mal so. Du hast natürlich nicht reagiert. Ich kann mich nicht mal wirklich beschweren, ich hab es auch oft genug nicht getan, obwohl Du es erwartet hättest. Irgendwann hab ich mit Nessi telefoniert, weil wir ja eine Verabredung hatten wegen einer Sache, die wir erledigen mussten.

Wir haben uns dann verabredet. Ich bin dort hoch, bin bei IHR vorbei. Die Fenster waren geöffnet. Ich habe überlegt, ob Du da bist. Man kann es nie wissen. Reagiert hast Du nicht. Nessi habe ich nicht wirklich nach Dir gefragt, sie mich schon nach Dir. Ich habe ihr gesagt, dass ich Dir geschrieben habe, Du aber nicht geantwortet hast.

Und als ich so auf Nessi warte, ich hatte schon die ganze Zeit dieses komische Gefühl, wir würden uns sehen, da kamt Ihr dann beide. Du hast sie vom Bahnhof abgeholt. Nessi und ich erledigten etwas, dann trafen wir uns wieder. Sie wusste angeblich nicht, dass Du das vor hattest. Du hättest lange geschlafen und hast sie dann halt abgeholt. Wir waren gemeinsam einen Kaffee trinken, Ihr seid dann ein paar Sachen erledigen gegangen, die Du eigentlich heute Vormittag alleine erledigen wolltest, ich bin nach Hause gegangen.

Eigenartig. Du schaust mich kaum an. Und ich weiß nicht genau, was der Grund dafür ist. Schlechtes Gewissen wegen IHR, wegen Nessi, bist enttäuscht? Hattest z. B. erwartet, ich würde mit zu Nessi gehen. Das geht nicht.

Nessi ist sehr zurückhaltend. Ich habe, für manche Dinge habe ich ein Auge, gesehen, dass sie meine ganzen Fotos nicht mehr in ihrem Portemonnaie hat. Spricht Bände. Ich habe es gesagt, aber ohne Wertung. Umgedreht ist es übrigens genauso.

Anschließend hab ich ihr wir üblich geschrieben, dass ich zu Hause bin, mich für die Erledigung des Weges und den Kaffee bedankt, den sie bezahlt hat.

Das war es.

Ich denke die ganze Zeit an Dich. Ich werde Dir nachher auch schreiben. Obwohl ich wieder sicher bin, Du wirst nicht antworten. Du wirst wahrscheinlich, ich hatte es Dir heute Morgen geschrieben, morgen auch nicht ans Telefon gehen. Es war so eine Art Statement von Dir, ich bin jetzt bei Nessi. Gut, das könnte man akzeptieren. Sollte ich vielleicht auch. Aber in diesem Falle ignoriere ich es. Ich habe keinen Grund, es ihr zu Liebe zu lassen. Und ich möchte es Dir nicht zu einfach machen.

Ich weiß nicht, warst Du wirklich die ganze Zeit bei Nessi heute Morgen? Hast Du geschlafen? Oder warst Du bei IHR? Möglich ist es alles. Das weiß ich.

Erfahren werde ich es wahrscheinlich nicht. Fakt ist nur eins, womit ich jeden meiner hier geschriebenen Briefe beende, die Du nie lesen wirst:

Ich vermisse Dich!

 

 

03.01.2011 um 00:06 Uhr

3. Jan. nachts

von: Paulinchen   Kategorie: Briefe

Hallo mein Miststück,

es fällt mir nicht so ganz leicht, Dir heute zu schreiben.

Wir haben uns auch heute wieder gesehen. Mehr oder weniger von weitem, auch wenn es ganz nah war.

Wir waren uns fast näher gekommen. Fast aber auch nur. Wir haben telefoniert und irgendwie war es wie früher. Nessi war ziemlich sauer. Nicht auf Dich, eher auf mich. Weil ich mit Dir Kontakt aufgenommen habe, obwohl Du zu ihr nicht gerade nett warst. Du warst 4 Stunden unterwegs – zum Zahnarzt. Und Du hattest Dein Handy aus. Was immer ein Zeichen ist. Ich kenne das Zeichen. Als Du dann irgendwann bei ihr aufgeschlagen bist, warst Du sauer. Das hat man sofort bemerkt. Es lief nicht nach Deinen Wünschen. Und bist Nessi wegen einer Kleinigkeit, die Dir wahrlich nicht zusteht, angegangen.

Aber ich wollte wissen, was los war. Wir haben telefoniert und Du warst gar nicht sauer.

Silvester haben wir nicht miteinander verbracht. Nessi war, auch mal wieder, sauer auf mich, weil ich etwas gesagt habe, was ihr nicht passte. Gut, es war etwas deftig. Das gebe ich zu. Es war nicht unbedingt unwahr. Sie wollte nicht, dass ich bei Euch aufschlage. Sie hält das für keine gute Idee, weil sie dann außen vor sein könnte. Das steht nicht unbedingt zur Debatte und mal abgesehen davon, war ich nicht oft außen vor? Ich habe nie so reagiert, und natürlich war ich sauer. Ich würde das auch nicht tun, weil ich weiß, wie weh es tut. Da habe ich eben gesagt, ich heiße nicht Nessi. Sie war nicht erreichbar, sie war verschwunden. Sie hat zu Dir keinen Ton gesagt und war weg.

Ich habe es Dir erklärt und zum ersten Mal hast Du wohl begriffen, dass es da auch um mich geht. Nessi ist (auch) eifersüchtig auf mich. Vielleicht sogar mehr. Ich werde ihre Motive nie verstehen. Jetzt, nach der heutigen Aktion, auch nicht.

Silvester war ich bei einer alten Kumpeline. Wenn Du eher gesagt hättest, dass wir uns sehen sollen, hätten wir das tun können. Aber das hast Du nicht, Du wolltest sogar hinkommen. Das bist Du auch nicht, weil Du mir vorher etwas gesagt hast, was ich schon wusste. Wer 4 Stunden beim Zahnarzt ist, obwohl er nach dem Zahnarzt eine SMS an Nessi geschrieben hat, dann unerreichbar, was mehr an Zufall war, dass wir es feststellten, da liegt auf der Hand, wo Du warst. Du hast es mir bestätigt, ihr werdet es noch einmal miteinander versuchen. Es wird erst mal abgewartet, wie es läuft. Es wird telefoniert, es wird gesimst. Und dann werdet ihr entscheiden, wie es läuft. Im Grunde steht die Entscheidung fest. Das weißt Du. Du kannst gar nicht anders. Du bist Dir zwar nicht so ganz sicher, weil Du Bedenken hast, dass es wieder schief geht und vllt. spielen Nessi und ich da auch eine Rolle, aber Du wirst es tun.

Du brauchst diese Bestätigung. Mal wieder etwas anderes.

Es ist sehr egoistisch von Dir. Das streitest Du nicht mal ab. Du wohnst solange bei Nessi, bis dieser Weg offen ist. Hotel sozusagen. Ich würde das nicht mitmachen. Nessi hat nicht die Kraft, Dich vor die Tür zu setzen. Wie gesagt, ihre Motive werde ich auch nie verstehen.

Gestern hast Du Deine letzten Sachen bei mir abgeholt. Nessi war mit, wollte aber nicht hoch kommen. Es dauerte nicht lange. Und war nicht einfach für mich. Sie hatte wohl noch die Illusion, dass alles gut wird, sie hat mir noch gesagt, es läuft toll zwischen Euch und mir unterstellt, ich wäre deswegen sauer. Das bin ich nicht. Natürlich wünschte ich mir, dass ich an Deiner Seite bin. Das streite ich auch nicht ab. Später hast Du ihr dann gezeigt, wie wichtig Du ihr bist. Du bist zum ersten Mal zum Telefonieren ins Schlafzimmer gegangen. Da war ihr wohl einiges klar. Und sie hat mich angerufen, wegen einer Kleinigkeit, da war es mir klar. Es war etwas im Busch zwischen Euch und als Du dann noch mit mir gesprochen hast, war sie eingeschnappt.

Ich hatte Dir versprochen, ihr es nicht zu sagen. Aber ich habe es ihr bestätigt. Mehr nicht. Es war nicht ganz richtig von mir. Aber ich wollte sie nicht ins offene Messer laufen lassen. Was sie mit der Information anfängt, liegt bei ihr. Weitere Informationen wird sie nicht bekommen. Ihre Loyalität mir gegenüber hielt und hält sich auch sehr in Grenzen.

Heute war ich nun zum Kaffee bei Euch. Ihr seid ein eingespieltes Team. Nessi behauptet immer noch platonisch, Du hast es mir irgendwie auch mal bestätigt. Und gleichzeitig gesagt, ich wüsste nicht, in welcher Lage Du bist. Das weiß ich schon. Du willst zu IHR zurück, hast Deine Zweifel und möchtest auf keinen Fall, dass dies etwas im Wege steht. Ich, Sex, Alkohol.

Nessi war ziemlich eigenartig. Über jedes Wort, was Du und ich gewechselt haben, war sie sauer. Sie hat immer noch die Befürchtung, wir würden wieder zusammen kommen, obwohl sie von IHR weiß. Da bin ich wohl der Grund. Aber ich bin zu einer Erkenntnis gekommen, die erstaunlich ist. Sie hat Recht. Es würde nicht funktionieren. Mit ihr nicht wieder. Sie kann es nicht, sie wird es nicht können. Das war immer so. Das wird immer so sein. Sie wollte, obwohl es gar nicht meine Absicht war, auch nicht, dass ich dort schlafe. Hätte ich so reagiert? Sei mal ehrlich, nein. Du hättest es auch nicht gewollt, weil Du morgen, wenn Nessi zur Arbeit ist, in Ruhe in die Stadt gehen willst, um Dich evtl. mit IHR zu treffen. Dem ist doch so? Vielleicht wird Dir jetzt auch bewusst, dass ich nicht immer der störende Part war. Ich musste viel mehr ertragen, stundenslange Telefonate zwischen Euch, Sex zwischen Euch, stundenslange Gespräche, Flirts. Vielleicht wolltest es mir auch beweisen. Keine Ahnung, ob dem so war, oder ob es mehr Zufall war.

Ich weiß es jetzt ganz sicher. Es wird nie funktionieren.

Ich hätte mich gern intensiver von Dir verabschiedet. Erotik kann was Eigenartiges sein. Erotik kann auch sein, dass man im TV sieht – heute mal wieder, wie eine Frau dem Mann die Hand streichelt und man denkt, genau das ist es, das fehlt Dir. Mir fehlt das. Die Chance dazu werde ich nicht mehr bekommen.

Das macht mich traurig. Sehr traurig.

Und daher weiß, solltest Du jemals wieder vor meiner Tür stehen, wird sie Dir offen stehen. Auch wenn es nicht meine klügste Entscheidung sein wird. Weil es dann wieder von vorn anfangen wird.

Man kann sich in einem sicher sein, Du bist genau das und Du bestreitest es nicht mal, Du bist das Miststück. Klar, Du bemühst Dich Nessi einigermaßen gut zu behandeln. Du kochst, Du bist im weitesten Sinne nett, Du putzt usw. Aber Du hälst sie auch auf Distanz, Du hast mehr Geheimnisse, obwohl Du ja immer so sehr dagegen bist. Und genau diese Dinge werden es sein, die immer wieder Beziehungen bei Dir kaputt machen. Ob Du das mal erkennst?

Ich wünsche es Dir. Du sollst Deine Chance haben, Deine Chance mit IHR. Ich weiß, Du wirst es erst einmal genießen. Die schönen Dinge des Lebens. Den Trubel bei ihr, sie hat auch drei Kinder. Die Kleine vor allem hat es Dir angetan. Du kannst mit ihr viel unternehmen, sie entspricht eher Deinem Geschmack. Vielleicht könnt ihr wirklich die Eifersucht, die kleinen Spiele, die ihr aber beide mögt, überwinden. Man wird es sehen.

Du hast mich sogar gefragt, ob es eine Möglichkeit zwischen Dir; IHR und mir geben würde. Das habe ich Nessi wirklich nicht erzählt. Die gibt es nicht. Ich kann Dich vielleicht teilen, sexuell gesehen, vielleicht, aber emotional nie. Und mit IHR niemals!

Ich werde Dich sehr vermissen!