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30.08.2011 um 23:27 Uhr

Familie

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Familie, so heißt es, kann man sich nicht aussuchen. Oder auch: Familie ist, wie nach Hause kommen. Wer hilft Dir, wenn nicht die Familie.

Es gibt viele Ansichten zum Problem Familie. Die Meisten haben eine, die, die keine (mehr) haben, vermissen sie. Die, die eine haben, ärgern sich mit ihr rum. Oft jedenfalls.

Man möchte meinen, Familie ist was Schönes. Die kleinste demokratische Zelle. Der Staat kann nur funktionieren, wenn die Familien funktionieren.

Was sind Familien? Vater, Mutter, Kind? Vater, Mutter, Kinder, Großeltern, Tanten, Onkel?

Die Frage kann ich gar nicht beantworten. Und momentan liegt sie mir schwer auf der Seele. Sollte Familie immer für einen da sein, auch wenn man Mist gebaut hat? So möchte man meinen, viele würden das sofort unterstreichen. Sie würden sagen, wer ist für Dich da, wenn Du Mist gebaut hast, wenn nicht die Familie.

Mancher wird dem energisch widersprechen. Grade die Familie bereitet die Probleme. Wer ist mit seiner zufrieden?

Wir sind das Produkt unserer Eltern. Wir sind wie unsere Eltern? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist alles angeboren, anerzogen.

Es gibt keine Rezepte für Familie. Jeder kann, sofern er will und biologisch dazu in der Lage ist, so viele Kinder in die Welt setzen, wie er will. Mit allen möglichen Partnern, Partnerinnen, wenn man das möchte. Notfalls kann man ins Privatfernsehen zu einschlägigen Sendungen, als Hartz-4-Fernsehen bekannt, verschrien, gehen, und feststellen lassen, wer der Vater ist. Und was macht man mit den Kindern anstellt, das bringt einem sowieso keiner bei. Jeder macht das mehr oder weniger nach bestem Wissen und Gewissen. Oder auch nicht. Auch das soll vorkommen.

Machen die Kinder Fehler, so sollte man sie auffangen. Wie denn? Und was für Fehler? Ist man Schuld an den Fehlern?

Wer kann das zweifelsfrei bejahen oder verneinen? Was hätte man wie und wann anders machen sollen, können? Und wäre es dann wirklich anders gekommen?

Was bringen einem diese Spekulationen? Gar nichts.

Ich habe oft gehört, gerade in Bezug auf meinen Sohn, auf die Drogen und die damit einhergehenden Probleme: Mir wäre das nicht passiert. Das waren nicht selten Leute, man könnte sich im Nachhinein darüber freuen, denen es später dann genauso ging. Komisch oder?

Man hat doch eigentlich geglaubt, alles anders gemacht zu haben, und doch ist es passiert.

Es bringt mir überhaupt nichts, wenn ich darüber nachdenke, was Paulchen wann und wo gemacht hat. Das ist für mich Geschichte. Ich muss mich nicht nach Jahren noch über diese oder jene Sachen aufregen. Im Grunde hab ich mich selten aufgeregt. Wozu? Passiert ist es, ungeschehen kann man es nicht machen. Also weitermachen. Das Beste draus.

Natürlich sind viele Fehler passiert. Ich bestreite das gar nicht. Und wahrscheinlich habe ich den einen oder anderen Fehler auch gemacht. Ich kann nicht sagen, was ich hätte wann anders machen können. Wenn ich das wüsste, wäre mir vielleicht wohler, vielleicht aber auch nicht. Es würde ja nichts ändern.

Aber wenn ich dann so fehlerhaft bin, so viele Fehler gemacht habe, woher kommen denn meine Fehler? Wenn ich daran schuld bin, wie mein Kind geworden ist, war, wer ist dann schuld bei mir?

Kann man die Frage so stellen, kann man so kontern?

Nein, Paulchen geht es gut. Er hat eine eigene Wohnung, hat eine Freundin, die bei ihm lebt und macht eine Ausbildung. Eigentlich alles in Ordnung, alles schick.

Problemlos ist das nicht. Denn eine Ausbildung bedeutet Ausbildungsvergütung und die beträgt nun mal nur ein paar Euro. Davon kann niemand leben. Und warum seine Liebste keinen Job hat, das weiß ich nicht. Auch sie hat eine Lehre abgeschlossen, so meine Info. Vielleicht liegt es am Arbeitsmarkt. So kennt man das ja selbst.

Da ist das große Problem. Das ganz Große. Es ist, wie nicht selten in unserer Gesellschaft, alles eine Frage des Geldes. Wer kennt das nicht, wer hat davon schon genug?!

Ändern kann ich das nicht. Ich kann eine Bank überfallen, unsere Bundeskanzlerin nach mehr Geld und Gerechtigkeit anbetteln. Das wird auch nichts helfen.

Die Gesetze sind in unserem schönen Land klar geregelt. Und Auszubildende bekommen Geld von ihren Eltern. Die sind dafür zuständig. Soweit so gut. Von der Sache her habe ich damit überhaupt kein Problem, wenn ich es hätte gerne, aber ich habe es nicht, und ich brauch auch gar nicht. Nein, ich muss für meinen Sohn (eigentlich) nichts zahlen. Aber woher soll er es denn nun nehmen? Es gibt ja nicht nur einen Elternteil, jawohl. Und dieser welcher Elternteil soll es tun. So steht es im Gesetz. Und wenn er es nicht will oder kann, kann man und sollte man, ihn verklagen oder was auch immer.

Dieser Elternteil hat sich das so nicht vorgestellt. Er hat nie gedacht, dass er mit seinem schmalen Lohn für seinen Sohn noch Unterhalt zahlen muss. Das war eine Überraschung. Er hat es schwarz auf Weiß bekommen, er muss zahlen. Und er hat sich bereit erklärt, es zu tun. Die Miete.

Mehr muss man nicht sagen. Es war klar, dass dies nicht lange gut geht.

Kann ich da was dafür? Nein. Ich kann nichts dafür. Ich habe das erwartet. Dieses Verhalten war mir lange bekannt. Den Satz: Das kriegen wir schon hin, das machen wir schon. Den kenn ich. Paulchen kann ihn nun auch nicht mehr hören. Hingekriegt hat man es dann, im wahrsten Sinne des Wortes.

Er ist zur Zeit wohl nicht auffindbar. Nicht nur Paulchen hat mit diesem Verhalten seine Erfahrungen auf’s Neue machen müssen, sondern auch die Mutter von ihm. Natürlich kann ich sie gut verstehen, wer möchte im „hohen“ Alter für seine Kinder sorgen, sich den Problemen der Kinder annehmen etc. Ich habe das, glaub ich, vor langer Zeit schon einmal im Zusammenhang mit meinem Nachbarn erwähnt oder im Bezug auf das Miststück, der ja auch bei seiner Mutter lebt und nicht nur Freude verbreitet.

Und was habe ich damit zu tun? Wenn ich das erwähne, was kann ich dafür? Was hätte ich da wann ändern können?

Natürlich weiß ich das lange, sehr lange. Ich habe damit Jahre mehr oder weniger leben müssen. Einfach war das nicht. Aber irgendwie hat man versucht, das Ganze zusammen zu halten.

Und es gab mehr als nur einen Rückschlag.

Der Mensch ändert sich nicht. Und wenn dieser nun so ist, sind seine Eltern dann daran schuld? Vielleicht.

Keiner von denen würde das bejahen. Im Gegenteil.

Im Alter wird man vielleicht alterstarrsinnig. So sagt man. Null Toleranz.

Man möchte es schön und einfach. So ist das Leben nicht. Es ist nichts schwarz-weiß. Es gibt viele Grautöne.

Und sind denn die Eltern zufrieden mit ihrem Leben? Haben sie alles richtig gemacht?

Soll ich darüber jetzt urteilen?

Mit Sicherheit sind sie nicht zufrieden. Vielleicht ist es die Unzufriedenheit mit dem Eigenen, was sie so intolerant macht.

Und so höre ich mir das und sage nicht dazu. Was soll ich sagen? Mir ist klar, dass sein Geld hinten und vorne nicht reichen kann, ich tue was ich kann, das zu ändern. Natürlich sie sind jung, sie wollen leben. Das ist in Ordnung. Wie sie leben, das müssen sie selber entscheiden. Und wenn das nicht die letzte Freundin ist, wenn das mal wechselt, ist das okay. Man muss sich nicht binden, wenn man das nicht will oder kann, wenn es nicht stimmt.

Ich finde es viel schlimmer, wenn man nach 50 Jahren, in dem man die ersten Jahre, Jahrzehnte, von seinem Mann durch den Bau geprügelt wurde, der das Geld regelmäßig versoffen oder verhurt hat, sagt, wie treu sorgend und fürsorglich doch dieser Mann war. Natürlich, als er das Geld versoffen, die Mutter und Kinder verprügelt hat, war er fürsorglich. Das ist nicht selten. Genau dieses Verhalten hat man oft. Die Vergangenheit verklärt sich mit der Zeit.

Familie ist nicht einfach. Ich habe keine große Familie. Auch das ist angelerntes, anerzogenes Verhalten. Als Kind bestand meine Familie aus den Großeltern, Eltern. Die Großeltern konnten sich untereinander nicht riechen. Und an den Partner des Kindes ließen sie auch nicht wirklich ein gutes Haar. Mehr oder weniger.

Und mein anderer Elternteil? Das genaue Gegenteil. Aber Probleme sind da schon lange kein Thema mehr, weil das Ohr dafür fehlt. Sie ist mit sich beschäftigt, allein. Viel zu allein. Ihr Arzt hat ihr erst gesagt, sie solle zu der Tochter ziehen. Das hatten wir schon. Vor einigen Jahren, auf der alten Plattform war das öfter Thema, sollte sie hierher ziehen. Ich besorge eine Wohnung und dann. Nur darauf konnte sie sich nicht einlassen. Heute sagt sie, ich hätte ja nie eine Wohnung besorgt. Doch das habe ich. Die war teuer, für meine Begriffe zu teuer, aber die Möbel passten rein. Das war damals wichtig, sehr wichtig. Alle Schränke, Puppen, Elefanten und was man sonst noch so besitzt, musste rein. Billiger war diese Wohnung dann in der Gegend. Eine kleinere Wohnung kam nicht in Frage. Und was ihr sonst noch wichtig ist und die Lösung der Probleme per se, ist ein Mann.

Tja, wenn man denn meint….

Mich hat das ziemlich aufgewühlt. Natürlich hätte ich auch lieber einen tollen Job mit ganz viel Geld. Ich hab ihn nicht. Auch hier kann ich nicht beantworten, woran es lag. An fehlender Motivation, Eignung mit Sicherheit nicht. Ob sich das ändert? Wer weiß das schon. Zur Zeit mache mal wieder eine Weiterbildung. Es ist nicht einfach im hohen Alter. Aber die jungen Frauen, die dort auch mitmachen, haben auch so ihre Probleme. Und was ist mit denen? Warum sind sie nicht irgendwo in Amt und Würden? Woran liegt es nun? Wird es sich bei denen ändern, sie haben vielleicht noch viel Zeit. Aber das dachten WIR auch mal.

Es gibt viele, die sich damit gut arrangieren. Vielleicht sollte man das.

Denn egal worum es geht, um den fehlenden Job, um die missratene eigene Person, um den missratenen Ex oder Geld oder um die Kinder, die nicht den Wünschen der Großeltern entsprechen, ändern kann man es nicht mehr. Passiert ist passiert. Und solange es, grade den Kindern gut geht, sollte man zufrieden sein. Und wenn es einem selbst dann auch noch gut geht, sollte man noch zufriedener sein.

Man sollte froh sein, Familie zu haben. Sie hört zu. Vielleicht. Sie hilft. Das ist viel Wert. Was würde ich tun, wenn das nicht möglich wäre. Insofern bin ich dankbar. Sehr dankbar, aber auf die alten Sprüche kann man gut verzichten.


 

29.08.2011 um 19:24 Uhr

Besser geeignet zum Kuscheln :P

von: Paulinchen   Kategorie: Kurios

29.08.2011 um 19:22 Uhr

Die Neuen zum Kuscheln

von: Paulinchen   Kategorie: Kurios