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01.05.2012 um 21:15 Uhr

Wann ist genug?

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wann ist es eigentlich genug? Wann hat man selbst genug? Wann haben andere genug? Kann man denn alles mit Liebe begründen? Oder worin liegt der Grund? Einsamkeit?

Vor ein paar Tagen habe ich alte Tagebucheinträge von mir gelesen. Davon, wie gut es einem als Single geht. Man kann genüsslich vor dem TV sitzen, gucken was man will und überhaupt entscheidet man alles allein. Das hat seine Vorteile. Und ich habe das mehr oder weniger genossen. Ich gebe zu, ich habe es nicht immer so genossen, wie ich es hätte können. Warum? Aus vielen Gründen. Da spielten Finanzen eine Rolle, Bequemlichkeit.

Das Thema Miststück war noch lange nicht abgeschlossen. Die Frage ist, wann wird es das jemals sein?

Er war in der letzten Zeit ab und an mal hier. Ostern zum Beispiel. Und von Genuss kann wahrlich keine Rede sein. Genuss ist etwas anderes. Warum macht man es dann? Oder woran liegt es, dass man es nicht genießt?

Ich hatte mir fest vorgenommen, ihn nicht wieder rein zu lassen. Und hatte das an und für sich auch nicht. Auf die SMS habe ich selten geantwortet, angerufen hat er nicht, also war die letzte Woche grade große Ruhe.

Aber eine SMS hat mich berührt, wer weiß, ob wir uns noch mal wieder sehen. Das ganz Idiotische ist, dieser Gedanke treibt mir noch heute die Tränen in die Augen. Warum wird so was geschrieben? Wegen der Wirkung? Weil man selbst daran glaubt, weil es möglich ist?

Der Alkohol- und Tabakgenuss ist extrem gestiegen. Ich weiß nicht, wie viel er trinkt und wie viel er raucht.

Das Wetter war schön, also geht man spazieren genau in die Richtung. Man rechnet sich aus, dass man vielleicht mal bei ihm durchklingelt und wenn er abnimmt, sich mal kurz sieht. Nur kurz, damit man sich noch mal sieht, falls es dann doch das letzte Mal war. Man kann es ja schließlich nicht wissen. Obwohl man sich selbst natürlich schon sagt, es stirbt sich nicht so leicht und wer es so oft bekundet, bei dem dauert es noch länger.

Natürlich hat er sich gefreut, es war auch ganz angenehm. Er sieht furchtbar, er trinkt wohl auch mehr als genug. Der Lebensinhalt besteht aus schlafen, trinken, rauchen, quatschen. Das ist auch schon lange so. Schließlich ist das u. a. der Grund, warum man sich sagt, es geht nicht. Es gibt durchaus noch etwas anderes. Du kannst ihm nicht beim Schlafen zusehen oder weil er es gut findet mit schlafen, ihm beim Trinken zusehen, dir seine Geschichten zum 137. Mal anhören und diese Schlussfolgerungen, alle sind schuld.

Das hältst Du selber ja nicht durch.

Aber die Erkenntnis allein führt immer noch zu gar nichts. Ich weiß das, trotzdem wollte ich nach ihm sehen und wieder gehen, obwohl ich ihn kenne und weiß, so einfach wird dir das wieder gehen nicht gemacht. So war es dann auch. Natürlich wollte ich wieder gehen, aber eben so natürlich wollte er mit. Da nützt kein Gerede was, weder von mir, noch von seiner Mutter. Seine Mutter war nicht begeistert, sie ist es sowieso nicht, aus vielerlei Gründen. Sie hat es sich natürlich anders vorgestellt. Er setzt seinen Kopf durch und geht mit, auch wenn ich schon 100 m weg bin, holt er mich ein. Er bleibt dann auch und das Spiel beginnt wie immer von vorn. Von Gehen ist dann keine Rede. Seine Mutter ist so böse darüber dann auch wieder nicht, hat sie doch mal ihre Ruhe.

Wenn du dann irgendwann die Nase so richtig voll hast, wegen irgendwelcher Kleinigkeiten, weil er schläft, trinkt, raucht, quatscht und quatscht, so dass du selbst auch wenig zur Ruhe kommst, dann setzt ihn halt vor die Tür. Mal wieder!

Dann ruft er seine Mutter an, beschwert sich, dass du doch trollig bist und ihn mal wieder vor die Tür gesetzt hast, und er geht, auch wenn er sich kaum auf den Beinen halten kann, das gibt sozusagen Auftrieb, er geht nach Hause und schafft es auch.

Du sitzt hier und denkst, warum nur? Und eigentlich möchtest du heulen. Warum? Weil er weg ist? Weil Du jetzt dann doch deine Ruhe hast und diese dir wieder nicht gefällt? Weil es das Ende ist?

Dann ruft seine Mutter an, fragt dich, was er getrunken hat. Er ist ja so was von besoffen, kann sich kaum auf den Beinen halten, er macht bald das Letzte und warum lässt ihn immer wieder rein, er hat doch bei dir nichts zu suchen (!). Du darfst ihn nicht mehr rein lassen. Du sagst ihr, dass du das alles weißt und versuchen wirst. Aber das versteht sie nicht.

Warum hat er bei mir nichts zu suchen? Die Frage könnte auch noch geklärt werden.

Doch genau das ist sekundär, es geht doch nur darum, wie du dich fühlst, wie du weißt, dass es nicht gut ist. Für niemanden. Du hast ihm schon vor Wochen gesagt, er soll (mal wieder) was unternehmen. Er soll endlich zum Arzt gehen, nicht immer jammern, was alles weh tut etc. Du weißt auch, er will es nicht anders. Er will nichts unternehmen und mal ehrlich, was bringt der xte. Alkoholentzug, wenn man davon nicht lassen kann und will und wenn, auch das liegt ja auf der Hand, ohne Alkohol ja genau so wenig zu ertragen ist……