Plateforme

27.04.2013 um 00:44 Uhr

Koloskopie usw.

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es regnet mal wieder. Macht aber nichts weiter, ist ein guter Grund, um morgen im Bett zu bleiben, oder so.

Viel passiert ist in den letzten Tagen. Und wenn ich meinen Vater zitieren darf, es gibt immer was Neues, nur nichts Gescheites.

Klingt sehr deprimierend, allerdings fällt mir wenig ein, was ich dagegen halten könnte. Ich jammere zwar selten (außer hier), das liegt mir nicht. Es bringt auch nichts. Meine Ärztin sagte zwar, sie müssen schon mal raus mit der Sprache, es nützt nichts, wenn sie immer alles in sich hineinfressen und behaupten, alles okay. Ein bissel mehr Information braucht sie schon. Anderseits kann man sich die Frage stellen, was nützt es, wenn sie die Informationen hat? 

Ich bin also immer noch krank. Es war auch nicht unbedingt meine Absicht, dies so schnell zu ändern. Ob es sich in der nächsten Woche ändert, werden wir sehen.

Das Thema ist aber nicht unbedingt Gesundheit, was mich antreibt. Auch wenn es, und das finde ich ganz schlimm, ein allgegenwärtiges Thema ist. Das Schlimme daran ist, dass ich mit damit natürlich nicht auseinandersetzen will. Aus mehreren Gründen. 

Ich bin recht intuitiv. Wenn man sich in irgendwelchen Talkshows die Frage stellt, ob ein Zwilling merkt, dass es dem anderen nicht gut geht, ob das wissenschaftlich begründet ist, ja möglich ist, dann  kann ich eindeutig sagen, es ist möglich. Ich bin zwar kein Zwilling, habe aber schon mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass man es merkt, wenn irgendwas nicht stimmt.

Die Bayern, die das Miststück besuchten, sind seit einiger Zeit wieder in Bayern. Sie waren ca. eine Woche hier. Das heißt eine Woche Besäufnis. Ich war in dieser Zeit nicht beim Miststück, was sollte ich auch drei Leuten beim Saufen zugucken? Ich habe nichts gegen Alkohol, ab und zu gerne mal. Meine speziellen Getränke. Nachdem die Bayern weg waren, war das Geld vom Miststück alle. Der Monat hatte noch 14 Tage. Er hatte eine gute Erklärung dafür, er hätte Geld irgendwo versteckt, findet es aber nicht wieder. Vielleicht haben es ja die Bayern gefunden und mitgenommen. Ich glaube allerdings, es ist einfach alle. Jedenfalls fehlt nun Geld, Geld für Schnaps, Tabak, Telefonkarten, Lebensmittel. Vorräte sind auch keine mehr vorhanden. Seine Lösung war, ich rufe meinen Bruder an. Der war natürlich wenig begeistert, hat ihm klipp und klar erklärt, von mir keinen Cent. Kann man verstehen, anderseits kann man sich fragen, was macht man denn nun. Lässt man seinen Bruder verhungern? So hatte ich Anfang der vorletzten Woche schon ein paar Sachen eingekauft und das Miststück hat sie sich dann geholt. Aber wie nun weiter? Das reicht nicht ewig. Schnaps war ohnehin nicht dabei. Ich bin auch nicht in der Lage, ihn durchzufüttern. Will es auch nicht mehr, ich kenne die Situation schon. Seine Nachbarin hat auch etwas ausgeholfen.

Also was macht das Miststück nun? Er hat erst mal aufgehört zu trinken, mehr oder weniger. Zwangsweise. Das ist natürlich keine gute Idee, so ein kalter Entzug. Da kann allerhand passieren. Am Montag sah es dann noch ganz gut aus, er sah zwar schlecht aus, hatte eindeutige Entzugserscheinungen, aber alles in allem hatte es den Anschein, er steckt es ganz gut weg. 

Am Dienstag meldete er sich dann bei mir. Er bräuchte wieder Tabak. Ich könnte ihm doch mal eine große Dose Tabak mitbringen, schließlich könnte ich allerhand von ihm mitnehmen. Ich war wirklich sauer. Was bildet er sich ein? Erstens um das Mitnehmen ging es nie wirklich. Zweitens gibt es nicht mehr viel zum Mitnehmen, alles was einigermaßen Wert hatte, haben alle Anderen schon gratis abgeholt. Die sich überhaupt nicht drum kümmern, dass er jetzt kein Geld hat.

Soweit so gut. Ich habe es nicht getan, den folgenden Tag habe ich nichts von ihm gehört. Die Nacht miserabel geschlafen, das Gefühl, irgendwas ist passiert. 

So habe ich mich am Donnerstag auf den Weg gemacht.  Ich habe ein paar Lebensmittel und Tabak eingepackt und mich auf den Weg gemacht. Gegen Abend. Es öffnete niemand. Habe mehrfach geklingelt, niemand öffnete. Ja, was nun? Ich hörte Nachbarn von ihm, also habe ich bei seiner Nachbarin, die ich auch etwas kenne, geklingelt. Als mir geöffnet wurde, wurde mir gleich eröffnet, ER ist nicht da. Man hat ihn abgeholt.

Fakt ist, dass er „durchgedreht“ ist. Er ist durch das ganze Haus halb nackt gelaufen, hat überall geklingelt, erzählt, hat CDs, Zigarettenhülsen, Werkzeug etc. aus dem Fenster geworfen. Irgendjemand, aber nicht direkt aus dem Haus, hat dann den Notruf gewählt, und er wurde eingesammelt. 

Seine Nachbarin machte sich auch ein paar Sorgen. Dazu muss man sagen, dass sie auch Erfahrung mit Drogensucht hat (ihr Sohn), mit dem Miststück zur Schule gegangen ist und, was wahrscheinlich das wichtigste Argument, die beste regionale Bild-Ausgabe ist. Die Frau kennt jeden, weiß alles. Es ist erstaunlich. Es spielt also auch Neugier eine große Rolle. Fakt ist aber auch, dass sie ihm geholfen hat, ihm Essen, Tabak gebracht hat. Wir haben uns dann geeinigt, dass ich erst mal raus finde, wo er sich befindet und dann weiter sehen. Es müssten ja Klamotten in die Klinik gebracht werden, im Grunde kenne ich mich ja in der Wohnung aus. Habe dieses ja mehr als einmal gemacht.

Es stellte sich heraus, er ist in der psychiatrischen Klinik am Ort, auf der Aufnahmestation. Ich habe mit der Schwester telefoniert, Auskünfte durfte sie mir ja keine erteilen. Ich hätte mit ihm reden können, aber er schlief. Am nächsten Tag also, wenn er dann nicht nach Hause will. Mir war klar, er will. 

Am anderen Tag erreichte ich ihn dann. Er erzählte mir eine wüste Story: Es wäre irgendeine Sekte bei ihm in der Wohnung gewesen, die ihn umbringen wollte, eine seiner Exen war auch da. Die liegt auch irgendwo verletzt im Krankenhaus. Ich konnte ihm dann schon verdeutlichen, dass dies wohl alles nicht so war. Er wollte aber ungedingt nach Hause, schließlich wartet auch die Mutter. Dass die nicht mehr zu Hause ist, schon seit zwei Monaten, war ihm nicht klar. Er muss auch nach der Wohnung gucken usw. Er hat die Klinik also zu Fuß (3 bis 4 Kilometer werden es sein) verlassen, da ja nun klar war, Mutti kann das Taxi nicht bezahlen, ich wollte es nicht, war dann zwischenzeitlich auch selbst noch mal beim Arzt und vorübergehend nicht erreichbar.

Nachmittags habe ich ihn dann kurz aufgesucht, mit ihm und seiner Nachbarin Kaffee getrunken. Was wirklich genau passiert ist und wie, weiß er natürlich nicht. Die Nachbarin weiß es auch nur ungefähr, da sie selbst auf Arbeit war. Die Wohnung sah auch wüst aus, ist aber zwischenzeitlich wieder okay. 

Wie es weitergeht, wird er nicht sagen. Natürlich ist mal wieder die Rede davon, dass er aufhört zu trinken, es wenigstens steuern will, was ihm nicht gelingen wird. Ein kontrolliertes Trinken wird ihm nicht möglich sein.

Das Wochenende hat er bei mir verbracht. Er hat nicht getrunken, obwohl meine Wohnung nicht alkoholfrei ist. Was ich schon oft sagte, er ist sehr anstrengend. Es mag sein, dass ich das nur so empfinde, was aber an der Tatsache für mich wenig ändert. Ich bin dann wirklich froh, wenn er mal wieder weg ist, und ich sage das auch. Was für ihn ungewohnt und sicher nicht schön ist. 

Montag früh hat er dann die Wohnung verlassen. Ich musste zum Vorgespräch wegen der Darmspiegelung ins Krankenhaus. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich, sollte ich etwas Zeit haben, seine Mutter besuche, die ja in der Nähe in einem Pflegeheim liegt.

Das war auch nicht weiter schwer. Im Heim angekommen, stellte ich fest, dass im Flur Tafeln mit den Zimmernummern der Bewohner hängen. Eine Schwester wies mir dann auch die Richtung, machte aber die Bemerkung, wenn das Zimmer dann offen ist. Ich stellte tatsächlich fest, dass Zimmer war verschlossen. Eine Mitarbeiterin öffnete mir dann das Zimmer, sagte mir, dass Zimmer müsse immer verschlossen sein, da ein Sohn der Frau sie nicht besuchen dürfe. Deswegen müssen sich alle im Schwesternzimmer den Schlüssel holen. Das schockte mich doch sehr. Ich machte zwar noch die flapsige Bemerkung, dass ich nicht der Sohn bin, sie öffnete mir auch. Lange hielt ich mich nicht auf. Die Mutter schlief. Sie liegt, näher nachgefragt habe ich bei den Schwestern nicht, wohl immer noch im Wachkoma, öffnet zwar zeitweise die Augen, erzählt sich auch mal ein paar Worte. Ich hatte sie Anfang des Jahres mal gesehen, sie ist sehr gealtert (83). Ich kam mir vor wie  ein Eindringling. Durfte ich überhaupt rein? Die Mitarbeiterin verschloss die Tür wieder. 

Mein erster Impuls war, jetzt rufst den Bruder vom Miststück an und fragst ihn, was das soll. Ich ließ es. Es geht mich nichts an. Ich erzählte es ihm, als wir abends telefonierten, allerdings nicht.

Zwischenzeitlich weiß er es aber. Ich hatte ihm, als er mich neulich besuchte, erzählt, dass ich dort war und ihm auch ein Foto seiner Mutter gezeigt. Er rief aus einem anderen Grund seinen Bruder an, deswegen war er ja hier, er benutzte dazu mein Telefon, dieser sagte ihm dann, dass er nicht ins Pflegeheim darf. 

Ich weiß, dass es dazu viele Meinungen geben wird. Als ich mit Peti telefonierte, weil ich für die Darmspiegelung ja eine Abholung brauchte, erklärte sie mir, es ist doch ganz einfach, er schütze seine Mutter. Schließlich würde das Miststück, wenn er die Möglichkeit hätte, noch das Taschengeld der Mutter nehmen und versaufen. Das mag so sein. Allerdings besteht dazu gar nicht die Möglichkeit, da die Mutter ja gar kein Geld hat, sie ist gar nicht ansprechbar, könne ihrem Lieblingssohn, was das Miststück ja ist, gar kein Geld zustecken. Es mag tatsächlich ein Problem sein, dass Angehörige die letzten Cent noch abgreifen. Das soll vorkommen. Das ist sicher nicht in Ordnung. Aber anderseits wird es oft der Wunsch der Eltern sein, ihren Kindern, wenn diese in Notlagen sind, zu helfen. Auch das muss man verstehen.

Überhaupt ist das Ganze ein Problem. Kaum jemand hat im Grund eine Ahnung davon, wie viel ein Pflegeheim kostet. Das Miststück hat mir schon mehrfach erklärt, meine Mutter hat doch eine Rente von 1.300 Euro. Das reicht doch aber nicht! Auch seine Nachbarin sagte neulich zu mir, dass der Bruder ja das ganze Geld hat und die Rente und überhaupt. Das stimmt alles. Allerdings werden Rente und Pflegegeld nicht für den Pflegeplatz reichen, zumal er ja noch die Miete für die Wohnung zahlt, Strom etc. Es ist zwar alles gekündigt, aber Kündigungsfristen müssen ja eingehalten werden. Er hat die Verwaltung über das Geld übernommen, weil er als Betreuer bestellt ist. Ob ihm klar ist, was das bedeutet, mag man auch bezweifeln. Die Macht gegenüber seinem Bruder hat er aber damit.

Für mich ist es erschreckend, wie sich Geschwister, Angehörige über das so genannte Vermögen streiten. Das habe ich noch nie verstanden. Ich werde auch nicht versehen, dass ihm sein Bruder, den Zutritt zu der Mutter verwehrt, dass er die Macht dazu hat, kann ich auch nicht nach vollziehen. Es scheint doch relativ einfach zu sein. Leute unter Generalverdacht zu stellen, ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur hier zu beobachten ist. 

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Sicher hat das Miststück viel von seiner Mutter bekommen, sie hat es freiwillig gemacht. Sein Bruder hat genauso profitiert, der eine oder andere 50 Euro Schein ist auch dort gelandet. Mir geht es ähnlich. Mein Vater steckt mir auch das Eine oder Andere zu. Das sichert mir das Überleben. Ich weiß, es wird mir ähnlich gehen wie dem Miststück. Ich weiß aber auch, das Miststück wird mir kaum eine Hilfe in derartigen Situationen sein. Das hat sich schon mehrfach gezeigt. Ich habe aber die Hoffnung, den Glauben, dass es nicht so massiv sein wird, dass es irgendwen geben wird, der hilft. Wie auch immer.

Zu der Darmspiegelung war ich dann heute. Eine Abholung konnte ich für mich nicht organisieren. Ich habe es auch aufgegeben. Verheiratet zu sein, bedeutet ja, man hat jemanden, der einen in die Klinik fährt oder zurück. Es hat jemand sozusagen die moralische Verpflichtung dazu. Das scheint auch in noch so miesen Ehen zu funktionieren. Wenn man Single ist, ist das schwierig. Ich habe mir dann einen Betreuungsverein organisiert, der Krankenfahrten übernimmt. Ein Taxi hätte es auch getan, aber ging ich davon aus, ein Taxifahrer würde vllt. im Krankenhaus die nötige Unterschrift des „Angehörigen“ nicht leisten. Die Fahrt kostete 8 Euro. Die Abholung ist nötig, da die Koloskopie ja unter Narkose gemacht wird. Man ist danach nicht verkehrsfähig. (ob man generell nicht verkehrsfähig ist, müsste Mann/Frau probieren). 

Den histologischen Befund gibt es erst nächste Woche. Festgestellt wurde eine Entzündung. Medikamente wurden der Hausärztin genannt, die erst einmal einzunehmen sind. Nach dem histologischen Befund wird dann weiter gesehen.

Ich habe natürlich alles gegoogelt. Ist heute ja einfach. Möglich ist vieles. Für mich mal wieder die Erkenntnis, dass viel auf die psychische Verfassung zurückzuführen ist.

Paulchen war diese Woche auch kurz hier. Auch hier ist Fakt, es ist nicht alles so, wie es sein sollte. Das ständige Aufeinander-Hocken tut nicht gut. Das ist nicht neu. Die genauen Vorfälle sind mir nicht bekannt, die Liebe ist trotzdem noch groß. Es wird ein Mädchen! 

Das Miststück habe ich heute kurz gesehen. Gestern hatte ja mein ehemaliger Nachbar (der Schwule) Geburtstag. Dieser hat dem Miststück was abgekauft, so dass er jetzt ein paar Cent hatte. Und natürlich gab es heute einen Flachmann!

 

11.04.2013 um 19:30 Uhr

Veränderung

von: Paulinchen   Kategorie: Kurios


09.04.2013 um 02:33 Uhr

Weiter im Text

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Das Blutdruckgerät ist mir dieses Mal nicht um die Ohren geflogen. Die Werte waren aber alles andere als okay. Ich habe nun Bluthochdruck. Es ist auch nicht das erste Mal. Ich hatte das schon mal vor einigen Jahren. Genau gesagt 2006. Das war eine schwierige Zeit, so hat man Körper darauf reagiert. Auch damals nahm ich Tabletten, setzte sie aber selbst wieder ab. Ich weiß, dass man das nicht tun soll. Aber ich hatte das Gefühl, es ist alles okay. Die Tabletten sind unnötig.

Ein paar Jahre später hatte ich dann mal wieder eine kurze Zeit Bluthochdruck. Immerhin auch so viel, dass die damalige Ärztin (Vertretung meiner Hausärztin) mich für einige Zeit aus dem Verkehr zog.

Es fing sich aber immer wieder.

Natürlich bin ich der Meinung, dass wäre jetzt auch so. Aber man weiß ja, Ärzte sehen das ganz anders. Die Risiken sind auch bekannt. Ich nehme also Medikamente, bisher ist der Blutdruck immer noch recht hoch, aber nicht mehr ganz so hoch. Da ich erkältet bin, die Erkältungen in diesem Jahr ja eine besondere Schärfe haben, geht es mir auch nicht so gut.

Dass ich zu Hause bin, stört mich momentan gar nicht. Ich genieße die Zeit sogar. Vllt. ist es paradox, aber vllt. ist es einfacher, krank zu sein als „arbeitslos“. Natürlich ist das Schwachsinn, ich habe schließlich keinen regulären Job, aber das Gefühl, egal.

Sowohl das Jobcenter als auch der Maßnahmeträger haben mir suggeriert, ich solle mir viel Zeit lassen. Das gedenke ich genauso zu tun, also solange mich meine Ärztin lässt. Man muss das verstehen, so wichtig, ist es keinem, dass ich dort wieder aufschlage. Keine Ahnung, was man denkt, was passiert. Früher wäre es so gewesen, schließlich habe ich auch mal in diesem Bereich gearbeitet, das Arbeitsamt (damals noch das Arbeitsamt und nicht das kommunale Jobcenter) wäre Sturm gelaufen, wäre bei einer Maßnahme etwas schief gegangen. Heute ist das allen Beteiligten egal. Hauptsache, es gibt ein paar Ein-Euro-Jobs, ein paar Leute werden untergebracht, was dort passiert oder nicht, ist eigentlich Jacke wie Hose. Auch damit wird Geld verdient. So einfach ist das halt. Beispiele dafür gibt es etliche. Sollte ich die hier etwa alle aufführen?!

Reguläre Jobs gibt es hier nicht. Erzieher, aber das war es dann halt.

Da schließt sich der Kreis irgendwie wieder.

Heute habe ich mich auch bei meinem „Arbeitgeber“ krank gemeldet. Auf die Frage, wann ich wieder erscheine, aber ich wahrheitsgemäß gesagt, ich wisse es nicht. Ich möchte es auch gar nicht wissen. Sorry, ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei.

Auch wenn mir das Geld natürlich leid tut. Ich hätte es natürlich gut gebrauchen können. Aber was nicht ist, ist nicht.

Alte Lebensweisheiten.

Und wenn denn von Bluthochdruck und schwierigen Lebensverhältnissen geredet wird, gehören zu dieser Thematik natürlich noch andere Dinge. Thema Paulchen.

Er hat mir vor ein paar Tagen auch einen ziemlichen Schock versetzt. Ich mische mich wenig in ihr Leben ein. Da hört man dann oft, wir wissen das, wir werden das schon machen. Und es ginge mich ja eigentlich nichts an.

Das ist alles ganz genauso. Natürlich gibt es mir schon zu denken, dass sie immer noch keine Wohnung haben. Da muss man echt hinterher sein. Natürlich sind die Angelegenheiten mit dem Jobcenter nicht geklärt.

Aber was soll man tun. Es ist so, wie es ist.

Meine alte Gelassenheit.

Meine Schwiegertochter in spe hat schon so ihre Problemchen. Das habe ich schon vor einiger Zeit bemerkt. Verlässlichkeit ist etwas anderes. Wenn man Termine macht und nicht erscheint, finde ich das nicht okay. Das war mehrmals der Fall. Alle Ausreden nützen da nichts. Klar, kann man MAL verschlafen. Wenn man nicht an das Telefon geht, wenn die „Schwiegermutter“ anruft, hat das System. Natürlich kann man es MAL übersehen. Sie hat nicht wirklich Eltern, das ist wohl das Problem an der Sache. Ihr Vater ist genauso unzuverlässig, ihre Mutter hat keinen Kontakt mit ihr, hat andere Interessen.

Aber sie ist schwanger. So richtig freuen kann ich mich nicht. Ich werde gerne Oma, aber ich habe so viele Befürchtungen.

Vergangene Woche hat mir dann Paulchen noch eröffnet, er kommt zurück. Es geht nicht mehr, er will nicht mehr. Die Gründe kenne ich nicht, ich sollte nicht fragen, ich habe nicht gefragt. Er kann dann nicht, es hat sich wohl vorläufig wieder eingerenkt.

Sie waren dann beide ab Ostersamstagabend bis Ostersonntag hier. Paulchen hatte mir vormittags eine SMS mit der Ankunftszeit nach 16.00 Uhr geschickt. Als die Zeit ran war, bekam ich dann nur eine SMS mit einem Google-Maps, woraus zu erkennen war, sie sind noch nicht mal los gefahren. Ich habe gesehen, er war sauer, als sie kamen. Ich habe auch nichts geäußert, aber die Sachen geben wirklich zu denken.

Und nun zum Thema Miststück, das nicht weniger Sprengstoff enthält.

Das Miststück wohnt ja nun seit einiger Zeit in der Wohnung seiner Mutter. Er hat sie gepflegt, als sie vergangenes Jahr eine schwere Operation hatte. Das war aber vor allem eine Phase, in der er trocken war. Es ist keine leichte Konstellation, sie ist nicht einfach. Als Außenstehender mag man darüber lachen, wenn der Kuchen mit der grünen Kuchengabel besser schmeckt als mit der goldenen, aber wenn man derartiges mehrfach erlebt, kann man schon verzweifeln.

Wir haben uns immer mal sporadisch gesehen, gesprochen.

Im Februar lernte das Miststück dann eine andere Frau kennen. Es war eine Zeitlang Ruhe, aber dann meldete er sich doch wieder. Ich habe die Frau kennen gelernt, es war nicht mein Wunsch, aber manchmal kommt man in unmögliche Situationen. Ich habe keine Ahnung, wie er zu ihr steht oder sie zu ihm, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich mit alldem, was das Miststück so bietet, auseinandersetzen will.

Ebenfalls im Februar erlitt seine Mutti einen Gehirnschlag. Sie lag einige Zeit in einem Krankenhaus in MD, dann hier im Krankenhaus, seit einiger Zeit liegt sie in einem Pflegeheim, unterbrochen von einigen Krankenhausaufenthalten. Erst lag sie in einem künstlichen Koma, jetzt im Wachkoma, sie wird wohl künstlich ernährt.

Das war natürlich ein Schock für das Miststück. Zwar ist laufend davon die Rede, wenn Mutti die Augen zumacht, aber wenn es dann fast soweit ist, stellt es sich als schwierig heraus.

Sein Bruder hat gleich die Kontrolle übernommen, vor allem über die Finanzen. Er hat die Wohnung gekündigt, die Wohnung teilweise geräumt. Er ist als Betreuer eingesetzt. Ursprünglich war geplant, dass das das Miststück macht, aber angesichts seines Alkoholkonsums wäre es wohl keine gute Idee gewesen. Wie dem auch sei, sein Bruder hat sich als Arsch aufgeführt. Sie mögen sich beide nicht besonders, das merkt man daran. Man muss dem Bruder zugute halten, dass durch die Alkoholsucht des Miststücks vieles wohl nötig war.

Es war noch ein bisschen Geld in der Wohnung, wovon der Bruder etwas abhaben wollte. Den Rest behielt das Miststück. Man könnte jetzt denken, da seine Mutter ihn immer unterstützt hat, wird er das gut einteilen, damit es eine Weile reicht. Das wäre vernünftig gewesen, aber Vernunft und Miststück harmonieren gar nicht.

Dieses Geld landete in einem Puff. Man kann das Leben auch mal genießen. Da fährt man halt abends/nachts mal mit dem Taxi in den Puff und genießt das Leben. Wobei es nicht mal Sex gegeben haben soll, aber bezahlen muss Mann ja trotzdem. Eine Stereoanlage landete auch noch dort, ein Vibrator, den er erst vor kurzem gekauft hatte. Natürlich telefoniert man ab und zu, jetzt kann es keine Besuche mehr geben, das Geld ist alle. Ob seitens der Damen Interesse bestünde, kann ich nicht beurteilen. Angeblich wäre dem so, auch ohne Geld.

Da sein Bruder einen Teil der Klamotten und Gegenstände der Mutter weg geholt hat, meinte das Miststück, ihm gleich tun zu müssen. Ich bezeichne es als Frevel, aber ich werde nicht gefragt. So verteilte er dann Klamotten an einige Damen, Schmuck, Mobiliar etc. Auch mein ehemaliger schwuler Nachbar hat mal vorbeigeschaut.

Den Weg zu seiner Mutter hat er bis heute nicht geschafft.

Natürlich, wenn ihn jemand an die Hand nimmt, wenn ich beispielsweise gesagt hätte, wir fahren mal hin, dann wäre das sicher gegangen. Allein ist er dazu nicht in der Lage. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht.

Aber das habe ich nicht getan. Aus gutem Grund.

Zurzeit hat er Besuch aus Bayern. In Bayern hatte er ja mehrere Bekannte, mit denen er öfter mal saufen konnte. Sie telefonieren halt regelmäßig. Eine Dame und ihr Freund sind nun auf Besuch hier. Beide alkoholabhängig. Sie ist sehr krank, hat eine Behinderung, kann dadurch kostenlos in Begleitung mit dem Zug fahren (bestimmt nur Nahverkehr). Seit vergangener Woche sind sie hier.

Natürlich habe ich kein großes Verlangen, diese Leute kennen zu lernen. Sie hat mir mal Vorträge darüber gehalten, wie ich mit dem Miststück umgehen müsse. Das ist schon eine Weile her, das Miststück reichte mir das Telefon. Ich solle mehr auf ihn achten, ihm keinen Alkohol besorgen oder doch, wenn er es nicht alleine schafft. Es war erstens schon ziemlich vermessen und zweitens recht widersprüchlich.

Heute hat das Miststück wieder angerufen, er fragt immer, warum ich nicht zu ihm gekommen sei. Davon war natürlich nie die Rede. Ich hörte im Hintergrund, dass die Beiden wohl nicht so zufrieden sind. Das Miststück liegt den ganzen Tag flach, säuft, raucht, telefoniert. Die Stadt hat er beiden natürlich auch nicht gezeigt. Sie waren am Freitag, ich sah sie zufällig, mit dem Taxi unterwegs, aber auch nur zum Einkaufen. Lebensmittel. Denn das Miststück kauft kaum noch Lebensmittel. Das Geld reicht nicht mehr. Er isst auch nichts. Ich hörte so im Hintergrund, verstand die Sprache zum Teil auch nicht, ich solle mich kümmern, dass er was isst, da wir ja befreundet sind. – Ich gebe in einem Nebensatz zu, dass ich die Dame schon gerne mal sehen würde, gerade weil sie in ihren Aussagen so widersprüchlich und so ganz Wessi (sorry) auch vermessen ist. Diese ehemalige Immobilienmaklerin (der Beruf ist nicht geschützt), die doch keine Vermögen mehr hat. -

Ich hatte das alles schon. Ich kenne die Situation, wenn er fast den ganzen Tag flach liegt, telefoniert mit Gott und die Welt, die Wenigsten sind davon begeistert, raucht, säuft und dummes Zeug erzählt. Nachts, wenn man selbst schlafen will, ist er dann wach. Er weiß nicht, was er tut, schon mehr als einmal wären die Buden fast abgebrannt (meine auch). In letzter Zeit habe ich ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass er sich einen Termin zur Entgiftung holen soll. Er macht es nicht, also lässt er es. Ich spiele nicht wieder Kindermädchen. Habe ich mehrfach, dazu fehlt mir die Kraft, die Zeit, die Energie. Ich habe auch nicht das Geld, ihn zu unterstützen. Und wenn er hier aufschlüge, wäre das so. Er hat ja keine eigene Wohnung, es wird ihm auch keine zufliegen.

Natürlich war ich zu seinem Geburtstag bei ihm. Da tauchte dann auch die andere Dame auf, die wenig begeistert war. Sie ging aber bald wieder. Es war ein schöner Abend. Und ja wir hatten sehr guten Sex. Das gebe ich zu. Aber ich bin dorthin gegangen, um nach ihm zu sehen und auch so, dass ich bald wieder gehen muss. Ich musste ja auf Arbeit. Natürlich weiß ich, es heißt, „in guten wie in schlechten Tagen“. Ich komme mir nicht gut dabei vor, wenn ich so reagiere. Frage mich aber, ist das so bis zur Selbstaufgabe? Wir sind nicht verheiratet, aber allein daran liegt es ja nicht. Das ist alles richtig. Egal, was ich sage oder tue, er negiert es eh. Er hat kein Interesse, sich eine Wohnung zu suchen, keine Interesse, seine Mutter zu besuchen, kein Interesse, sich um seinen Sohn zu kümmern, kein Interesse, sich um die Entgiftung zu kümmern. Es ist ihm alles egal. Wozu ist seine Meinung? Er macht auch die Augen bald zu, hat sein Leben gelebt. Also was sollte ich da tun? Zumal ich der Meinung bin, man könnte noch viel erleben.

Wie es wäre, würde ich mich darauf einlassen, das kenne ich schon.

Seine Schwägerin hat ihn gefragt, wenn er keine Wohnung auf die Schnelle bekäme, ob dann jemand aus seinem Bekanntenkreis bereite wäre, ihn kurzfristig vorübergehend aufzunehmen. Das hat er mir aus gutem Grund erzählt. Ich gab das zurück, ist denn die andere Dame bereit oder wer auch immer? Nein. Und was ist schon kurzfristig? Das würde ja bedeuten, dass langfristig eine Lösung erfolgt.

Besitze ich die Kraft, ihm die Tür zu weisen, wenn er dann davor steht. Keine Ahnung. Er kommt kaum noch aus dem Haus, er kann kaum laufen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann geht er los, nimmt sich ein Taxi, was auch immer. Kann man jemanden die Tür weisen, der in einer solchen Situation ist? Aber was wird dann aus mir?

Betreuung war schon einmal ein Thema. Das will er gar nicht. Ich sollte mal die Betreuung übernehmen, da ich ja in der Vergangenheit das Meiste eh für ihn regelte. Auch das war seinerseits nicht gewollt. Er könne das allein.

Was meine eigenen Eltern betrifft, meine Mutter war mehrere Tage nicht erreichbar. Sie hat wohl das Telefon nicht gehört oder keine Lust an dieses zu gehen. Mein Vater hat zurzeit mit der Gicht zu kämpfen.

Sehr viele Gründe für einen erhöhten Blutdruck! Aber das alles ist ja nichts Neues, also was uns nicht umbringt, macht uns härter. Oder so!

09.04.2013 um 00:40 Uhr

Betrug oder Mitleid?

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wenn Frau minutenlang probiert, einen Eintrag mit einem Link zu posten und sich dann wundert, warum es nicht geht, ja, ich habe es herausgefunden: Man mag das hier nicht mehr.

Dabei wäre es für mich mal eine Diskussionsgrundlage. Habe ich doch heute in der Welt einen Artikel gelesen, der über eine Frau berichtet, die freiwillig in Hartz IV lebt. Sie hat freiwillig 2004 ihren Job gekündigt, eine Weile von dem Erspartem gelebt und lebt nun von Hartz IV. Sie braucht nicht viel. Sie hat auch nicht viel. Natürlich muss sie sich wie alle anderen Arbeitslosen auch bewerben und ihrem Fallmanager das auch nachweisen, aber sie weiß zu verhindern, dass daraus eine Arbeitsstelle resultiert. Fehlende Zeugnisse bei den Bewerbungen, kleinere Fehler. Sie nimmt an den Maßnahmen teil, weil man ihr das Geld streichen würde. Aber ansonsten genießt sie die Freiheit.

Ist das nun Sozialbetrug? Oder empfindet man eher Mitleid? Ist sie sogar verrückt, sollte diese Person wirklich existieren?

Gut, mit Arbeit kann man sich den ganzen Tag versauen. Zeitiges Aufstehen, den ganzen Tag im Büro sitzen, sich mit Chefs und Kollegen auseinandersetzen. Das macht nicht immer Spaß.

Aber ist das, was sie als Freiheit bezeichnet, nicht arbeiten zu gehen, wirklich Freiheit?

Ich habe da echt meine Zweifel. Von Sozialbetrug spreche ich nicht, soll sie doch, wenn sie denn will. Das mit den fehlerhaften Bewerbungen kann sie auch lassen, einen Job wird sie wohl ohnehin nicht mehr bekommen.

Ist es nicht sogar so, dass man sich über die Anderen lustig macht? Sie müssen so leben, sie machen das nicht freiwillig. Sie sitzen nicht freiwillig auf der Couch oder gehen spazieren, um Flaschen zu sammeln. Sie geizen nicht freiwillig mit dem Geld. Und würden doch so gerne mehr haben, mehr Geld, mehr Bestätigung, mehr Luxus. Wer würde nicht gerne verreisen? Ist das Leben genießen nicht mehr, als nur nicht arbeiten gehen zu müssen?

Nun sie hat das Recht so zu leben, wenn sie das will. Jeder hätte das Recht, dies zu tun. Vielleicht gibt es solche Menschen, vielleicht auch nicht.

Das Thema ist immer wieder ein Medienereignis, es polarisiert, es spaltet. Das soll es auch.

Heute wird nun auch darüber berichtet, dass Arbeitlose, die sich öfter krank melden, Besuch vom Medizinischen Dienst im Auftrag der Jobcenter erhalten sollen. Kontrolle. Besuch ist immer okay, die Frage ist natürlich: Bringt der Besuch auch Kaffee und Kuchen mit?

Man darf nicht darüber nachdenken. Dann kann man leicht die Fassung verlieren. Sind Arbeitslose öfter krank? Sind die Krankmeldungen berechtigt oder schmarotzen sie? Das ist wohl ganz individuell zu sehen. Erwiesen ist wohl, Arbeitslosigkeit macht krank.

Das Thema polarisiert. Ich habe vor Wochen, Monaten, Jahren, gesagt, ich warte auf die Zeit, wenn es heißt: Der Unfallverursacher war HartzIV-Empfänger. Bei Kriminalitätsberichten ist das schon lange der Fall. Und siehe da, man hat mich sozusagen erhört. Jetzt soll es für HartzIV-Empfänger, für Leute mit wenig Geld, spezielle Kraftfahrzeugversicherungen geben (wahrscheinlich auch bald alle anderen, wartet es ab). Sie verursachen mehr Unfälle. Es wird wohl so sein. Leute, die wenig Geld haben, müssen noch mehr bezahlen. Ja, die Logik versteht sicher jeder.

03.04.2013 um 00:38 Uhr

Erkenntnisse

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Meine Oma hat immer gesagt, die Zeit vergeht so schnell. Mit zunehmendem Alter vergeht Zeit immer schneller. Und ich habe gedacht, was die redet. Zeit konnte gar nicht schnell genug vergehen.

Heute denke ich anders. Wenn ich meine letzten „Aufzeichnungen“ betrachte, dann ist viel Zeit vergangen und dann doch wieder nicht. Komisch, oder?

Erst mal ein bissel zur Selbsterkenntnis: Ich bin eine dumme Kuh und lerne nicht aus meinen Fehlern. Irgendwann sollte es Frau mal kapieren. Ist aber nicht so. Sollte einem wirklich zu denken geben, das trifft auf viele Lebenslagen zu.

Es ist immerhin so viel Zeit vergangen, dass ich die ärztlichen Untersuchungen im Jahre 2012 abgeschlossen habe. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, mit welchem Ergebnis. Eigentlich mit keinem, aber so ist es halt.

Die Zeit in der Jugendgruppe habe ich auch absolviert. Schön war es nicht, aber ich war ja oft krank. Also habe ich alles einfach so hingenommen, wie es kam. Die Damen und Herren waren wohl sehr zufrieden, mit den Jungs kam ich klar. Der Teamleiter bestätigte mir Engagement, allerdings durfte ich ihm dieses Wort erst buchstabieren, sonst könne er es nicht schreiben.

Bei Paulchen und dem Miststück ergaben sich keine gravierenden Änderungen im Jahr 2012.

Nun schreiben wir lange das Jahr 2013. Ich habe schon Ostersonntag gesagt, es riecht draußen wie Silvester. Irgendwo gab es ein Feuerwerk, es roch nach Schnee, es schneite. Es sah also wirklich so aus und wenn man es recht bedenkt, so lange ist es nicht mehr bis Silvester.

Das Wetter geht einem gelinde gesagt auf den nicht vorhandenen Sack. Aber ob das so ist oder nicht, dem Wetter ist das egal, es ändert sich nicht. Im Gegenteil sind für die nächsten Tage wieder Schneefälle angesagt.

Haben wir April? Waren in der vergangenen Jahren nicht die Heizungen schon abgedreht. Man darf sich also auf die Rechnung nächstes Jahr freuen.

Wie dem auch sei, ich bin eine dumme Kuh. Das bezieht sich natürlich immer auf das Miststück, denn da ändert sich nie wirklich was.

Aber es bezieht sich auch auf mein „berufliches“ Leben. Vor einigen Wochen traf ich einen alten Bekannten, der mir erzählte, dass in der Kirche wieder Leute gesucht werden. Für April. Und ich dachte, gute Idee. Kirche, da hast deine Ruhe. Ich habe diese Zeit damals sehr genossen. Fand sie z. T. idyllisch. Natürlich, wenn das Wetter kalt, regnerisch, stürmisch ist, ist die Zeit dort nicht angenehm. Aber das übersteht man.

Natürlich habe ich das meiner Fallmanagerin erzählt. Ich würde gerne in die Kirche. Und natürlich würde ich auch auf Nachfrage etwas anderes machen. Außerdem ergab es sich dann noch, dass in der Presse eine Ausschreibung zur Nichtschülerprüfung zum staatlich anerkannten Erzieher stand.

Wollte ich das nicht immer?

Also habe ich mir in einem Informationsgespräch das Ganze angehört. Ich war hin- und hergerissen. Der Bildungsträger hat diese Qualifizierung auf 2 Jahre reduziert, weil, wie öfter in der Presse zu lesen, hören war, Bund und Länder sich über die Jahre der Erzieherausbildung streiten. Nun dauert das Ganze zwei Jahre, inklusive Prüfung, diverser Praktika und des so genannten Anerkennungsjahres. Ich war ganz gut informiert, schließlich beschäftige ich mich schon seit einiger Zeit mit diesem Thema und kenne auch einige Erzieher, Leute, die im sozialen Bereich arbeiten etc. So stellte sich mir schnell die Frage, ist das noch zu schaffen. Die Durchfallquote liegt dann auch bei 90 %.

Ich habe lange darüber nachgedacht, machst du das, machst du das nicht, willst du dir in deinem Alter das noch antun? Es ist mit Sicherheit nicht einfach. Die Stunden in der Schule, die Fahrten, der lange Tag. Alles das. Es gibt so einige, die mich für komplett verrückt erklärten, dass ich das überhaupt in Erwägung zog. Andere waren sofort der Meinung, was denkst überhaupt nach, natürlich schaffst du das, und endlich was mit Perspektive. Deine Couch ist dich erst mal los, selbst, wenn du nicht als Erzieher arbeiten willst, kannst dann noch anderes im sozialen Bereich machen. Verständlich ist, dass du nicht unbedingt mit Babys arbeiten möchtest (Rücken).Da wird sich dann schon finden.

Es gab eine Menge zu bedenken, die Entscheidung fiel mir nicht leicht.

Das Jobcenter war mir natürlich keine Hilfe. Sie bekräftigte mich stark in meinen Bedenken und offerierte mir auch, es wird sicherlich in nächster Zeit ähnliche Angebote durch uns geben. Wir bedenken Sie dann. Aber vllt. gibt es auch keine neuen Angebote durch uns. Wir haben schließlich mehrere Erzieherhelfer „in Ausbildung“. Wir müssen erst mal sehen, wie das wird und wie die unterkommen.

Ich weiß, dass diese Maßnahme hier im Ort nicht besonders gut läuft, da ich dort eine Bekannte habe, die daran teilnimmt. Auch da sind die Praktika und die Finanzierung dieser nicht gewiss. Zum Anderen gibt es in jedem größeren Ort hier im Umkreis diese Lehrgänge.

Natürlich kann man darüber mit dem Jobcenter nicht sprechen. Die sind ihrem Arbeitgeber über loyal und müssen das sicher auch sein.

Der Eindruck, der aber bei allen anderen entsteht, ist der, dass mal wieder auf Grund einer gesellschaftlichen, politischen Nachfrage schnell was zusammengestrickt wurde, was nicht viel Sinn und Verstand hat. Könnte im Übrigen auch auf die Qualifizierung zum Erzieher zu treffen. Neu ist diese Erkenntnis ja nicht. Nur den Behörden ist diese Erkenntnis natürlich neu, ja sie ist sogar falsch.

So hat meine Fallmanagerin sich immer sehr bedeckt gehalten, ob überhaupt ein Bildungsgutschein erteilt wird.

Zu guter Letzt habe ich mich dann entschieden. Jawohl, ich mache das. Es ist vllt. die einzige Chance, die sich bietet, dies zu tun. Wer weiß, ob in naher Zukunft etwas stattfindet.

Meine Fallmanagerin wollte nun, dass ich bei meiner Hausärztin die Tauglichkeit prüfen lasse.

Ich hatte den Eindruck, dass dies ungewöhnlich ist und von den anderen Teilnehmern der Qualifizierung nicht verlangt wurde. Die Maßnahme findet ja in einem anderen Landkreis statt.

Dazu muss ich dann noch sagen: Da ich ja unbedingt in die Kirche wollte, meine Bereitschaft für einen 1-Euro-Job damit mal wieder erklärt habe, erhielt ich auch vor einigen Wochen einen. Natürlich nicht in der Kirche.

Es kam da zu mehreren Versuchen. Ich landete dann in einem Hort der Grundschule in meiner Nähe. Weit ist es also nicht.

Dies ist natürlich eine Maßnahme, die genau dem Profil entspricht: Arbeit mit Kindern. Ich hätte sie also nie ablehnen können.

Ich war auch gar nicht abgeneigt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Zeit bis zur Qualifizierungsmaßahme noch anders nutzen zu können, aber naja was soll es.

Bei dem Gespräch im Hort war dann gleich klar. Eine zusätzliche Erzieherin war nicht gesucht, eher ein Mädchen für alles, also jemand, der all das macht, was die Erzieherinnen nicht machen möchten. Mir wurde gleich gesagt, mit den Kindern hätte ich nicht viel zu tun. Ich solle mich darum kümmern, dass immer Tee zur Verfügung steht, die Teetassen abwaschen, Staub wischen, Obst- und Gemüse bereitstellen. Und die Buskinder zum Bus bringen.

Der Widerspruch in sich. Einerseits sollst du mit den Kindern nichts zu tun haben, dafür gibt es gut ausgebildete Fachkräfte, anderseits darfst du natürlich die Kinder zum Bus begleiten und die Verantwortung übernehmen. Nebenbei gesagt gibt es in dem Hort noch einen Bufdi, der also die gleichen Arbeiten übernimmt. Den Busdienst kann man sich also teilen. Den Abwasch auch.

Dass ich davon nicht begeistert war, kann man sich gut vorstellen. Wieder so eine Dienstmädchenmaßnahme. Davon habe ich wirklich genug. Nicht zuletzt ist derartiges auch gar nicht statthaft.

Ich habe das auch geäußert, aber mit wenig Erfolg. Da die zuständige Mitarbeiterin des Trägers der Maßnahme mir mehr oder weniger versicherte, man könne an der Zeit etwas drehen, war ich einverstanden. Die Arbeitszeiten im Hort sind alles andere als schön, der Dienst geht von morgens 6 bis 8 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Die Horterzieherinnen haben natürlich einen ähnlichen Dienst, können sich das aber wochenweise einteilen bzw. arbeiten stundenweise noch in der nahe gelegenen Kindertagesstätte, so dass dieser Nachmittagsdienst teilweise weg fällt.

Okay, ich ließ mich darauf ein, arbeitete von 12.30 bis 17 Uhr. Zufrieden war ich nicht. Aber mit dem Kompromiss konnte ich leben.

Hätte ich leben können.

Ein-Euro-Jobber, das muss man auch wissen, ist nicht in der Lage, seine Arbeitszeit einzuhalten. Er benötigt Hilfe. Das ist ein Fakt, kann man sicher irgendwo nachlesen. Deswegen wird schon seit Jahren erwartet, dass Stundenzettel geschrieben werden, Tätigkeitsnachweise erstellt werden. Märchenbücher sind sicher manchmal weniger märchenhaft. Natürlich schreib ich auch solche Zettel, hatte in der Vergangenheit auch damit keine Probleme, aber die Hortleiterin war damit nicht einverstanden. Wusste sie doch nicht, dass ich zwar nur ab mittags arbeite, mir aber dennoch 6 Stunden schreibe. Das geht nicht, das kann sie nicht unterschreiben.

Ich konnte daran nichts ändern, schließlich wurde mir das irgendwie so offeriert.

Die zuständige Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers sagte mir dann am Telefon, die solle sich nicht so haben und unterschreiben.

Es gingen ein paar Tage ins Land, bevor sich die Damen selbst unterhalten konnten.

Muss ich erwähnen, dass wir uns nicht besonders mögen? Liegt auf der Hand. Weder die Hortleiterin mag mich, noch ich sie. Auch die Dame des Maßnahmeträgers gehört nicht zu meinen Freundinnen, wir hatten schon mal das Vergnügen.

Das Ende vom Lied war, dass von dieser Absprache keiner was gewusst hat. Die gute Dame könnte doch nie gestatten, dass ich mir 6 Stunden schreibe, obwohl ich nur 4 arbeite, dass müsse ich verstehen. Das wäre ja Betrug. Das Jobcenter könnte das evtl. genehmigen, das müsste ich absprechen.

Natürlich möchte das Jobcenter das nicht, auch das liegt auf der Hand, schließlich jegliche Äußerungen, ich könnte das körperlich nicht schaffen, gehen nicht, weil ich die Qualifizierung möchte. Das wäre absurd (was verständlich ist). Persönliche Ressentiments wurden seitens der Hortleitung nicht geltend gemacht, warum sollten sie auch.

Das Ende vom Lied ist, die Arbeitszeit wurde nun aufgeteilt.

Soweit so gut.

In der Ferienzeit wird die Arbeitszeit nicht so aufgeteilt. Gründonnerstag hatte ich also Dienst von 9 bis 15 Uhr. Da ich aber das Formular zur Untersuchung bei meiner Hausärztin vom Jobcenter abholen wollte – das Jobcenter scheint Geld sprich Porto zu sparen, man muss sich neuerdings, man hat ja auch Zeit, immer alles abholen und danach noch zu meiner Ärztin wollte, das wäre dann nicht zu schaffen. Das Jobcenter hat nur von 9 bis 16.00 Uhr geöffnet, wie die Sprechzeiten bei der Ärztin zum Gründonnerstag waren, war mir unbekannt, konnte mir aber vorstellen, dass dies nicht lange sein würde. Also sprach ich die Hortleitung daraufhin an, ob es möglich wäre, meinen Dienst entsprechend zu verschieben. Im Übrigen gab ich keine Einzelheiten bekannt, nur dass ich zum Jobcenter müsse und dann in deren Auftrag zum Arzt. Das ging natürlich nicht, schließlich hätte ich das eher anmerken müssen. Dass ich das nicht eher wusste, spielte keine Rolle. Da meine Fallmanagerin selbst nicht mehr erreichbar war, sprach die Hortleitung bei einer anderen Mitarbeiterin des Jobcenters vor, die dann bestätigte, ich könne nach Dienstschluss zum Jobcenter und am Dienstag nach Ostern dann zum Arzt gehen.

Ja, was soll man da machen. Da bleibt einem keine andere Wahl.

Das Formular holte ich Gründdonnerstag, meine Hausärztin erreichte ich nicht mehr. Heute, Dienstag nach Ostern, machte ich dann von 6 bis 8 Dienst und ging dann zum Arzt.

Zwischenzeitlich war ich extrem erkältet.

Meine Ärztin störte das allerdings gar nicht so, was mich verwunderte. Zwar bin ich der Meinung man sollte seine Bazillen nicht auch noch verteilen, aber das sehe ich wohl nur so.

Und nun kommt es: Ich wurde untersucht, befragt, ob ich mir das zutraue usw. Sie hat natürlich nichts dagegen, wenn ich das möchte. Bei der Untersuchung hatte ich dann einen sehr hohen Blutdruck. Sie unterschreibt die Tauglichkeit nicht, erst, wenn das mit dem Bluthochdruck geklärt wird und mit diesem Blutdruck kann ich auch nicht arbeiten gehen.

Nun bin also wieder zu Hause, eine Erklärung für den Bluthochdruck habe ich schon, der liegt wohl ganz einfach in dieser Situation begründet.

Morgen bekomme ich dann das 24 Stunden Gerät, das letzte vor einem halben Jahr ist mir buchstäblich um die Ohren geflogen. Der Blutdruck war damals aber in Ordnung.

Einen Termin zur Darmspiegelung habe ich auch, weil da was nicht so ist, wie es sein sollte. Ich habe seit fast 14 Tagen meine Periode, und davor war auch nur eine Pause von 8 Tagen. Also medizinisch gesehen könnte da einiges passieren, was ich zum jetzigen Zeitpunkt so nicht unbedingt wollte.

Natürlich könnte ich etwas verspätet beginnen, vielleicht am 15. April. Die Maßnahme beginnt am 4. April. Das ganze Gezeter hat also eh lange gedauert.

Meine Fallmanagerin sagte, ich solle mich erst mal ausruhen, in Ruhe gesund werden und dann mal sehen.

Und mal ehrlich, es wäre schon so schwer, wenn man dann auch noch krankheitsbedingt später anfängt oder ausfällt, sich unter Druck setzt, was soll da dann raus kommen?

Die Qualifizierung ist als erst mal Geschichte. Und ich? Ich habe Zeit. Ich muss mir das nicht antun. Man hat seitens des Jobcenters kein Verständnis für mich gezeigt, mir war schon vorher klar, dass ich ähnlich auf die Situation reagiere. Natürlich ist die Maßnahme nicht so, wie sie sein sollte. Ist das nicht auch Betrug? Raus geschmissenes Steuergeld?

Ich würde es so sehen. Wichtig ist meine Tätigkeit im Hort nicht, das könnten die Erzieher durchaus selbst tun. Müssten sie auch, gäbe es keine 1-Euro-Jobber oder Bufdis. Zum Berufsbild eines Erziehers gehören durchaus auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Nicht zuletzt könnten bei einigen Tätigkeiten auch die Kinder hinzu gezogen werden, die sollen das ja auch lernen und wertschätzen.

Was vermitteln wir eigentlich den Kindern? Für niedere Arbeiten gibt es ja ein paar andere Dumme.

Ich setze mich vorläufig nun nicht mehr unter Druck. Und vllt. sollte man darüber nachdenken, ob es nicht nötig wäre, derartiges Mal publik zu machen.

Die Erkenntnis ist, die ich hoffentlich nie wieder vergessen werde, melde dich  nie wieder freiwillig für irgendwas. Es kommt nichts bei raus!

Was habe ich die 2 Stunden auf Arbeit gemacht? Ich habe Tee gekocht, Teetassen abgewaschen, Staub gewischt, Blumen gegossen. Die Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers wollte übrigens, nach Vorlage meiner Tätigkeitsnachweise, daraus vllt. noch eine zweite oder dritte machen. Je nachdem, was ich so zu tun habe. Deren Arbeitsplatz, der jährlich aufs Neue befristet wird, muss auch irgendwie erhalten bleiben. Das muss man auch verstehen.

Naütrlich muss ich mir eingestehen, dass es durchaus Frauen gab/gibt, die mit dieser Tätigkeit sehr glücklich waren. Die Dame, die zurzeit als Bufdi tätig ist, macht dies schon 10 Jahre. Meine Vorgängerin, ich lernte sie mal kurz kennen, war auch sehr zufrieden und freut sich, das bald wieder tun zu dürfen. Sie wird die Bufdi-Stelle übernehmen.

Das ändert nichts an meinen Gefühlen. Man kann halt nur schwer über seinen Schatten springen.

Die Themen Miststück und Paulchen vertage ich, denn auch die könnten umfangreich sein.