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15.11.2013 um 00:46 Uhr

Oma

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Gefühlte Jahre habe ich hier nichts geschrieben. Woran merkt man, dass man alt ist? Das man solche Sätze sagt: Wo ist nur das Jahr geblieben? Die Zeit vergeht so schnell. – Das hat doch Oma früher immer gesagt.

Deswegen ist es aber trotzdem richtig. Wenn man Tagebuch führt, für sich, möchte man trotzdem so einen kleinen Abriss der letzten Zeit geben. Was passierte eigentlich? Ich habe neulich hier mal alte Einträge von mir gelesen und dachte so: Boah, wie lange das her ist. Und überhaupt das ist wirklich passiert.

Im Grunde gibt es nicht wirklich was Neues. Denn wenn ich jetzt anfange mit Miststück und Co., dann hat das alles einen meterlangen Bart. Darum lasse ich jetzt erst mal, weil es wirklich nicht relevant ist.

Die wichtigste Neuerung überhaupt ist: Ich bin seit 10. August diesen Jahres Oma. Und was habe ich die letzten Jahre immer wieder gesagt, ich freue mich mal darauf, Oma zu werden. Es ist so eine süße kleine Maus. So eine kleine Püppi. Ich könnte sie den ganzen Tag knuddeln und herzen. Wie eine Oma halt. Da sie nicht in der Stadt wohnt, sondern immer noch in L, was gute 100 km weit weg ist, sehe ich sie natürlich selten und freue mich jedes Mal, sie zu sehen.

Meine Püppi.

Was mich heute so antreibt, ist etwas ganz anderes. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel nachgedacht, über so viele Dinge und doch wieder über gar nichts. Ich bin immer noch so dermaßen unzufrieden und überhaupt, dass es mich mehr als nur stört. Mir fehlt der innere Antrieb. Ich bewundere viele, viele Leute, die so ganz von sich aus, aktiv sind. Ich habe keinen Grund zur Aktivität.

Ich lasse mich viel zu oft treiben. Der Tag vergeht, vergeht, vergeht. Man kann unendlich viel Zeit mit Nichtstun verbringen, das würde niemand wirklich glauben. Es ist aber so. Man beschäftigt sich mit vielen Dingen und doch wieder mit nichts. Schlimm.

Dann gibt es so Tage, da klingelt das Telefon ununterbrochen. Man ist so gefragt, während es ansonsten tagelang keinen Ton von sich gibt. Dann steht Ronald vor der Tür und wundert sich, dass man sich so gar nicht meldet und kann gar nicht nachvollziehen, dass man einfach mit Nichtstun beschäftigt ist. Ich würde das auch nicht verstehen. Gleichzeitig ruft Bea an und man hat die perfekte Ausrede, man hat ja schon Besuch. Und wir haben uns auch nicht wieder verabredet, ich kann gar nicht sagen, wann ich Zeit habe. Morgen? Übermorgen? Diese Aussage ist mir, ehrlich gesagt, schon zuviel.

Dabei hätte ich gar nichts gegen ein Treffen. Sex wäre eine willkommene Abwechslung. Man kann doch nicht so faul sein.

Und dann meldet sich die kleine Püppi an, natürlich kann sie noch nicht sprechen, das heißt dann Paulchen kommt mit seiner Verlobten zu Besuch, und ich bin den ganzen Tag am rotieren.

Es geht also.

Das Miststück stand natürlich in den letzten Wochen auch ab und an mal vor der Tür. Manchmal hat er es geschickt ausgenutzt, hat irgendwo anders geklingelt, an anderen Tagen ist er mit der Bemerkung, er müsse mal reden, erschienen. Da sag ich nicht nein. Das Reden war dann aus meiner Sicht nicht wirklich wichtig. Ändern wird sich in seiner Umgebung eh nichts. Er ist obdachlos und lebt genauso vor sich hin. Wahrscheinlich aus dieser Situation aktiver als ich. Meist bin ich froh, wenn er wieder geht. Weil ich die Geschichten aus 1001 Nacht nicht mehr hören kann und will. Das Thema ist irgendwie abgehakt. Er trinkt immer dann, wenn er Geld hat, also am Anfang des Monats. In der Mitte bis zum Ende des Monats ist er dann meist nüchtern. Das Geld fehlt, dann taucht er für gewöhnlich am Ehesten auf.

Ich würde nicht behaupten, dass meine Gefühle wirklich weg sind. Man klammert sich immer daran. Wahrscheinlich werde ich das auch immer, aber diesen Mann, den ich zu lieben glaubte oder liebe, den gibt es nicht (mehr).

Das eigentlich Frustrierende an der Situation ist, dass ich nicht weiß, mit wem ich reden soll. Da gibt es die Situation, dass ich merke, dass es bei Paulchen und seiner Liebsten Stress gibt, ich möchte mich bei denen nicht einmischen und sage dazu nichts, aber mit wem rede ich denn über die Situation? Mit dem Miststück geht das nicht, der würde das nicht verstehen. Mit Dany ist das genauso. Natürlich haben wir Kontakt, sie kann mir alles erzählen, was sie bewegt, aber umgedreht, geht das gar nicht.

Natürlich gab es mal Nessi. Aber das möchte ich nun auch nicht. Ich weiß gar nicht, wie sie dazu steht. Sie war neulich hier, als Paulchen und seine kleine Familie hier war, sie hielt sich sehr zurück. Sie wusste auch vorher nicht, dass es so sein würde. Ich hatte es ihr nicht gesagt, sie erschien, weil sie mir einen Gefallen tun wollte.

Heute erschien mein ehemaliger Nachbar. Ich hatte mich grade aus dem Bett erhoben, es war am späten Vormittag. Natürlich wollte ich nicht wirklich, aber abwimmeln ließ er sich nicht. Er müsse mal reden. Mir war intuitiv klar, worum es ging. Bei denen steht auch eine Trennung an. Es ist das dritte Gespräch in den letzten Wochen, das ich dazu führe. Was soll ich dazu sagen?

Wenn sich jemand trennen will, kann man selbst schlecht was dagegen tun. Was will man tun? Und wie soll man den Anderen aufbauen? Auch das ist schwierig.

Detlef meinte dann auch, sein Leben ist der Andere. Er kennt ja auch kaum andere Leute. Ich habe mich schon immer gefragt, was die Beiden verbindet. Sein Partner ist sehr aktiv, er fährt viel weg, zu irgendwelchen Konzerten, Bekannten, Familie. Ich kann das gut verstehen, man möchte einen aktiven Partner. Und wenn der denkt, er verpasst was, ist eine Trennung für ihn nahe liegend.

Es ist wahrscheinlich der falsche Grund zu denken, man verpasst etwas. Ich kenne diesen Grund. Bei der Trennung meiner Eltern habe ich viel forciert. Ich habe gedacht, Leute, die so verschieden sind, sich so angiften, ist eine Trennung das Beste, was ihnen passieren kann. Ob ich heute noch so denke, kann ich gar nicht sagen. Ich glaube kaum, dass meine Mutter das noch immer so sieht. Was gewesen wäre wenn, wer weiß das schon. Ich habe kaum Kontakt zu meiner Mutter, sie wohnt immer noch 500 km weit weg, sie ist telefonisch seit Wochen nicht mehr erreichbar. Das Handy ist aus, das Festnetz funktioniert nicht. Ja, ich mache mir Gedanken, aber ich habe keine Lösung.

Wer hat schon Lösungen.

Detlef möchte sein Leben, wenn sein Partner auf die Trennung besteht, am Liebsten beenden. Er hat keinen Grund zu leben. Was sagt man? Ich verstehe das gut. Er ist sehr krank, hat kaum Geld. Er bräuchte eine neue Wohnung, Möbel. Wer würde da nicht verzweifeln? Mit Geld ist das kein Problem, aber ohne.

Ein bisschen Schadenfreude ist dabei. Schließlich ist Detlef auch derjenige, dem nun auffällt, dass es ja hier gar keine bezahlbaren Wohnungen gibt. Dass Geld als HartzIV-Empfänger endlich ist. Mit Partner ist das etwas anders. Da ist so einiges möglich.

Wir haben alle mal gedacht: Mir passiert das nicht. Ich werde nicht dick. Ich werde irgendwo was finden. So große finanzielle Probleme werde ich mal nicht haben. Ich werde nicht einsam und allein.

Die Zeiten ändern sich. Ich bin davon nicht mehr so überzeugt, dass wir nicht alle unter der Brücke landen. Wie soll das alles noch weiter funktionieren? Das Kartenhaus bricht irgendwann zusammen.

Ich werde sehen, wie sich das entwickelt. Aber ich habe keine Antworten. Für mich nicht, für ihn nicht, für alle Anderen, die sich in letzter Zeit getrennt haben, trennen wollen.

Soll man zusammen bleiben, damit man sich nicht einsam und allein führt, aus finanziellen Gründen? Ich weiß es nicht.

Diesen Schritt bedaure ich nicht. Ich bedaure meine Trennung / Scheidung nicht. Das war richtig. Ich hätte viel eher, diesen Entschluss fassen sollen. Auch wenn nicht die große Erwartung kam, die große Aktivität, die große Liebe oder was man sich auch immer so erhofft.

Ich bedaure nicht die Zeit mit dem Miststück. Es war auch eine schöne Zeit. Es hat auch viele Tiefen gegeben, aber ich weiß, es war eine tiefe und innige Liebe zu ihm. Manchmal reicht das halt nicht.

Ich bedaure die Zeit mit Nessi nicht unbedingt, wir hatten viel Spaß. Es war etwas, was erstrebenswert wäre. Jemanden zu haben, mit dem man lachen, weinen, reden, was unternehmen kann. Wir lagen in vielen Dingen auf einer Wellenlänge. Sie hat sich anders orientiert, das muss ich akzeptieren. Sie hat mich mehr geliebt als ich sie. Ich wusste immer, dass es mal vorbei geht, dass ich sie vermissen würde, Recht zu haben, befriedigt meist gar nicht. Hätte ich mich ihr gegenüber weniger geöffnet, das wünsche ich mir manchmal. Sie hat die verletzliche Seite gesehen, die niemand sehen soll.

Auch mit dem Miststück ist das so. Ich wusste immer, es geht irgendwann mal vorbei. Wir können keine dauerhafte Beziehung führen.

So ist die Situation. Es hat sich nicht wirklich viel verändert. Ich habe mal kurz gearbeitet und mich dort sehr unwohl gefühlt. Die Folge war, dass ich Bluthochdruck bekam und nun  Tabletten nehme. Ist nicht ungewöhnlich in meinem Alter. Geärgert hat es mich, weil es vermeidbar gewesen wäre. Es war eine Ämterentscheidung. Ich habe kurzzeitig versucht, eine Qualifizierung zur Erzieherin zu machen. Das wurde nichts, weil Behörden ihre eigenen Vorstellungen haben und der Bluthochdruck machte die Teilnahme erst mal unmöglich.

 

14.11.2013 um 23:37 Uhr

Trennungen

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken


 

Zur Zeit allgemeines Trennen. Schon das dritte Gespräch in kurzer Zeit dazu. Die Frage ist nur, mit wem redet man selbst, wenn Bedarf ist?

Weswegen trennt man sich? Neue Verliebtheit? Mangelnde Liebe? Das Gefühl, sich nicht mehr zu verstehen? Das Gefühl etwas zu verpassen?

Und welcher dieser vielen Gründe ist der Beste? Der Eigentliche? Und was kommt nach der Trennung? Die Besinnung? Das Neue?

Niemand weiß es. 

 

14.11.2013 um 23:25 Uhr

Loyalität

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Loyalität gibt es nur ganz oder gar nicht.
Meistens gar nicht.
Eine wichtige Eigenschaft, wenn nicht die wichtigste überhaupt ist Loyalität.