Plateforme

09.04.2013 um 00:40 Uhr

Betrug oder Mitleid?

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wenn Frau minutenlang probiert, einen Eintrag mit einem Link zu posten und sich dann wundert, warum es nicht geht, ja, ich habe es herausgefunden: Man mag das hier nicht mehr.

Dabei wäre es für mich mal eine Diskussionsgrundlage. Habe ich doch heute in der Welt einen Artikel gelesen, der über eine Frau berichtet, die freiwillig in Hartz IV lebt. Sie hat freiwillig 2004 ihren Job gekündigt, eine Weile von dem Erspartem gelebt und lebt nun von Hartz IV. Sie braucht nicht viel. Sie hat auch nicht viel. Natürlich muss sie sich wie alle anderen Arbeitslosen auch bewerben und ihrem Fallmanager das auch nachweisen, aber sie weiß zu verhindern, dass daraus eine Arbeitsstelle resultiert. Fehlende Zeugnisse bei den Bewerbungen, kleinere Fehler. Sie nimmt an den Maßnahmen teil, weil man ihr das Geld streichen würde. Aber ansonsten genießt sie die Freiheit.

Ist das nun Sozialbetrug? Oder empfindet man eher Mitleid? Ist sie sogar verrückt, sollte diese Person wirklich existieren?

Gut, mit Arbeit kann man sich den ganzen Tag versauen. Zeitiges Aufstehen, den ganzen Tag im Büro sitzen, sich mit Chefs und Kollegen auseinandersetzen. Das macht nicht immer Spaß.

Aber ist das, was sie als Freiheit bezeichnet, nicht arbeiten zu gehen, wirklich Freiheit?

Ich habe da echt meine Zweifel. Von Sozialbetrug spreche ich nicht, soll sie doch, wenn sie denn will. Das mit den fehlerhaften Bewerbungen kann sie auch lassen, einen Job wird sie wohl ohnehin nicht mehr bekommen.

Ist es nicht sogar so, dass man sich über die Anderen lustig macht? Sie müssen so leben, sie machen das nicht freiwillig. Sie sitzen nicht freiwillig auf der Couch oder gehen spazieren, um Flaschen zu sammeln. Sie geizen nicht freiwillig mit dem Geld. Und würden doch so gerne mehr haben, mehr Geld, mehr Bestätigung, mehr Luxus. Wer würde nicht gerne verreisen? Ist das Leben genießen nicht mehr, als nur nicht arbeiten gehen zu müssen?

Nun sie hat das Recht so zu leben, wenn sie das will. Jeder hätte das Recht, dies zu tun. Vielleicht gibt es solche Menschen, vielleicht auch nicht.

Das Thema ist immer wieder ein Medienereignis, es polarisiert, es spaltet. Das soll es auch.

Heute wird nun auch darüber berichtet, dass Arbeitlose, die sich öfter krank melden, Besuch vom Medizinischen Dienst im Auftrag der Jobcenter erhalten sollen. Kontrolle. Besuch ist immer okay, die Frage ist natürlich: Bringt der Besuch auch Kaffee und Kuchen mit?

Man darf nicht darüber nachdenken. Dann kann man leicht die Fassung verlieren. Sind Arbeitslose öfter krank? Sind die Krankmeldungen berechtigt oder schmarotzen sie? Das ist wohl ganz individuell zu sehen. Erwiesen ist wohl, Arbeitslosigkeit macht krank.

Das Thema polarisiert. Ich habe vor Wochen, Monaten, Jahren, gesagt, ich warte auf die Zeit, wenn es heißt: Der Unfallverursacher war HartzIV-Empfänger. Bei Kriminalitätsberichten ist das schon lange der Fall. Und siehe da, man hat mich sozusagen erhört. Jetzt soll es für HartzIV-Empfänger, für Leute mit wenig Geld, spezielle Kraftfahrzeugversicherungen geben (wahrscheinlich auch bald alle anderen, wartet es ab). Sie verursachen mehr Unfälle. Es wird wohl so sein. Leute, die wenig Geld haben, müssen noch mehr bezahlen. Ja, die Logik versteht sicher jeder.


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