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26.04.2016 um 19:30 Uhr

Die Spitze des Eisberges

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es war nur die Spitze des Eisberges gestern, heute erfuhr ich den Rest. Ich hatte gestern schon Whatsapp Kontakt mit Nine. Sie war, was ungewöhnlich ist, relativ gesprächig. Meist meldet sie sich nicht, ruft nicht mal zurück, was ich schon das eine oder andere Mal kritisierte. Nicht nur, weil man seine „Schwiegermutter“ einfach zurückruft, ich bezahle auch noch die Telefonrechnung. Währenddessen berichtete ich ihr von der Vermisstenanzeige, sie war relativ aufgeschlossen.

Heute Morgen rief ich gleich bei der Polizei in L an. Ich könne natürlich eine Anzeige erstellen, das sogar hier machen, die wird dann weitergeleitet. Nach dem ich von der Physiotherapie kam, schrieb mir Nine die Kontaktdaten der Kumpels, bei denen sich Paulchen derzeit aufhalten könnte, soweit sie das weiß. 

Sie möchte mich aber nicht weiter belügen, ich habe ein Recht darauf, es zu erfahren. Da wird man schon hellhörig. Und dann: Sie ist nicht mehr im Mutter-Kind-Heim, dort ist sie raus geflogen. Da hier das dort alles so wenig gefiel, ist sie auch drogenabhängig geworden. Sie wohnt jetzt bei einem alten Kumpel von ihnen, von dem ich persönlich nicht viel halte. Da wo auch Paulchen eine Zeitlang wohnte, zusammen dann mit ihr. Die Kinder sind inzwischen untergebracht!

Man kann sich das in seinen schrecklichsten Träumen nicht ausmalen! Ja, ich wusste, sie ist mit zwei Kindern mehr als überfordert. Was ich nicht mal kritisiere, wahrscheinlich wäre ich das auch gewesen, hatte aber nur eins. Und gut hinbekommen hab ich das ja nun nicht. Aber sie hätten es halt, bei einem Kind belassen sollen. Vielleicht hätten sie das noch hinbekommen. Das Kind ist aber im Brunnen, da kann man nun sagen, was man will. Vorhaltungen nützen niemandem etwas. Was man den Kindern mal sagen soll, später, ich weiß es wirklich nicht. 

Warum die Kinder nicht bei den Omas sind? Das habe ich auch gefragt. Wäre ja naheliegend. Das Verhältnis Nine zu ihrer Mutter ist sehr gespalten, zumal Nine ja schon ein Kind in Obhut ihrer Mutter bzw. des Kindesvaters gegeben hatte. Paulchen wohnt offiziell bei mir, also kam das auch nicht in Frage.

Ich war dann bei der Polizei, habe eine Anzeige aufgegeben. Im Gefängnis ist er noch nicht. Gesucht wird er aber, die Gründe dafür konnte man mir aus Datenschutzgründen nicht sagen. Datenschutz hält ja immer her, aber das ist ein anderes Thema. Wenn er aufgegriffen wird, die Möglichkeit, dass das geschieht, schließlich hält er sich im einschlägigen Milieu auf, da wird man vielleicht sogar mal vorbei fahren, werde ich kontaktiert. Sollte U-Haft nötig sein, dann erfahre ich es nur, wenn er es will. Er ist ja lange volljährig. Ich denke mal, dagegen hätte er wohl nichts. Muss er doch nicht selbst sagen, was los ist, und ich erfahre es so. 

Nine besucht regelmäßig ihre Kinder, Paulchen war bisher nicht mit, da er sie sonst noch mehr vermissen würde. Kann ich nachvollziehen, Kontakt halten wäre aber sinnvoll. Sie arbeitet eng mit dem Jugendamt zusammen, sagt sie, sie solle eine Therapie mit Kind machen, danach könnte sie dann in eigenen Wohnraum ziehen, bestenfalls mit Paulchen, der natürlich auch eine Therapie machen soll.

Das klingt ganz vernünftig, aber ob das wirklich so läuft. Nun ja. Paulchen wird wohl erstmal wieder einsitzen, wer weiß wie lange. Wenn dem nicht so wäre, wäre natürlich eine Entgiftung und Therapie nötig. Schlimmeres will ich mir gar nicht vorstellen. 

Aber ob das alles wirklich so klappt, ob sie das durchhalten, ob….. Da gibt es vieles.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Habe auch nichts weiter gesagt. Was bringt das noch? Ich hoffe, dass Paulchen bald wieder auftaucht und dann es dann endlich…. Schlimmeres, wie gesagt, will ich mir nicht ausmalen. Wie ich damit weiter umgehe, das weiß ich noch nicht.

Im Übrigen habe ich heute eine alte Kollegin getroffen, eine Kollegin von Dany und mir. Sie war mit Dany zu meinem 50. Geburtstag. Ewigkeiten scheint es her zu sein. Sie war mit ihrem dreijährigen Enkel unterwegs, sagt deutlich, dass sie durch ihn Auftrieb gewonnen hat. Eine Aufgabe, Verantwortung. Püppi wird auch bald drei. Zu meinem 50. lag sie im Bett, war noch kein Jahr, wir haben uns damals köstlich amüsiert. - Ohne weitere Worte…

 

 

 


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