Plateforme

28.07.2008 um 00:40 Uhr

Ende

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Es gibt Nachrichten, die hauen einen erst mal vom Stuhl. Keine Ahnung, warum es einem so nahe geht, aber es ist einfach so.

Schon seit vielen Jahren bin ich online. Ich habe viele Menschen virtuell und real getroffen. Einige Spinner waren darunter, aber es waren auch Menschen darunter, die einen berührten, mit denen man sich verbunden fühlte, mit denen man lachen, weinen und was auch immer konnte. Solche Menschen trifft man nicht so häufig im Leben.

Den Begriff Globalisierung hören wir fast täglich. Trotz dieser grenzenlosen Freiheit sind wir aber nicht in der Lage, mal eben einige hundert Kilometer zu überwinden. Ursachen dafür gibt es viele.

Darüber zu schwadronieren ist müßig. Online-Kontakte sind schnelllebiger als andere. Das ist alles eine Tatsache. Genau wie die Tatsache, dass man sich nie wirklich kennt.

Darum ist es für mich umso schwieriger, zu verstehen, dass nach mehr als 7 Jahren dieser Kontakt nun vorbei sein soll. Über 8 Jahre haben wir uns geschrieben, wir haben öfter telefoniert (vor allem in der ersten Zeit), wir haben uns einmal getroffen.

Es ist eigenartig, wie das Ganze zu stande kam. Ich war lange Zeit offline, hatte wenig Interesse und Gelegenheit, zu chatten oder zu mailen. Natürlich litt auch dieser Kontakt darunter. Und nun, da ich mich bei ihm wieder meldete, kommt nach einigen Mails hin und her die Nachricht: Ich werde alle Verbindungen abbrechen. Muß zu mir selber finden. Durch eine harmlose SMS bekam meine Frau alles raus...

Ich weiß nicht, wie harmlos die SMS war. Ich weiß auch nicht, was alles bedeutet. Heißt alles, dass sie weiß, dass es die eine oder andere Affäre seinerseits gab? Es spielt auch keine Rolle.

Schon viel wurde über Monogamie geschrieben. Dieses Thema des Fremdgehens füllt Bücher, füllt Blogs. Was soll man dazu sagen? Soll man ihr sagen, dass alles harmlos war? Soll man ihm sagen, dass die Affären Fehler waren? Im Grunde prägt die Zeit den Menschen. Menschen, die einen umgeben, prägen einen. Ist es dann immer noch ein Fehler?

War unser kurzes Techtelmechtel ein Fehler? War es ein Fehler, dass wir trotz oder gerade wegen des Techtlemechtels eine freundschaftliche Beziehung hatten (online)? War es ein Fehler, dass er mir durch eine schwere Zeit geholfen hat? War es ein Fehler, dass ich ihm gezeigt habe, dass man sein Leben genießen soll?

Offene Beziehungen, ich kenne einige. Im Grunde funktionieren sie auch nicht. Irgendwie kommt die Eifersucht durch, irgendwann. Man hört ihn sagen: Meine Frau fährt in Urlaub, sie hat einen ganzen Karton Kondome eingepackt. Erfreut klingt das nicht. Man hört ihn sagen, meine Frau hat mit unserem „Pärchen“ sich heimlich getroffen. Gleichzeitig bekennt er, dass er sich mit der Dame daraus getroffen hat.

Es ist schizoid zu glauben, offene Beziehungen funktionieren. Es ist aber genauso schizoid zu glauben, es gibt eine ewige Treue.

Den goldenen Mittelweg hat noch niemand gefunden.

Ich bedauere es zu tiefst, wenn dieser Kontakt nun den Bach runtergeht. Dass er seit Jahren nur noch in regelmäßigen Mails bestand, spielt dabei keine Rolle. Wir haben uns viel geschrieben, über uns, über Belangloses. Es ist schade, wenn es vorbei sein sollte. Es hat mir und sicher auch ihm, immer gut getan.

Was ich ihr raten würde, weiß ich. Was ich ihm raten würde auch. Ich habe es mir in der Antwortmail verkniffen, ich habe nur darum gebeten, sich dieses Ende zu überlegen. Es wäre schade.

Zurück bleibt eine Gefühl der Traurigkeit, ein Gefühl, einen weit entfernten Freund verloren zu haben. Dieses Gefühl ist immer wieder bedrückend und überschattet im Moment alles....

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensternenschein schreibt am 28.07.2008 um 01:55 Uhr:Ja, das ist es. Wenn memschliche Beziehungen abbrechen ist es immer traurig. Und dieses schien eine von Menschlichkeit geprägte Beziehung gewesen zu sein.
    Für offene Beziehungen scheinen wir nicht reif zu sein. Wie du so treffend schreibst, kommt da doch meistens die Eifersucht ins Spiel. Alleinanspruch. Und dazu dann noch, dass Menschen bei dem anderen, dem Partner, andere Massstäbe anlegen als sie es bei sich selbst tun.
    Es gibt wohl viele Männer, die 'fremdgehen' und dabei immer denken, ihre Frau macht so etwas nicht. Wenn sie es dann aber doch bemerken, dann ist es etwas ganz schlimmes. Wie kann sie ihn nur betrügen. Anstatt sich selbst zu fragen, was sie denn gemacht haben.
    Ja, und Paarbeziehungen, da sagen die Scheidungsraten, bzw. Trennungsstatistiken auch so einiges drüber aus.
    Aber dennoch schade, wenn so eine Onlinebeziehung nach 8 Jahren beendet wird. Zumal, wie du sagst, ihr euch gegenseitig gutgetan habt.
    Liebe Grüsse

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