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05.03.2008 um 01:20 Uhr

Irgendwas ist immer

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Irgendwas ist immer, immer ist irgend was. Stammt nicht von mir, trifft es aber trotzdem oder gerade deswegen. Man kann jedenfalls sagen, es wird auf keinen Fall langweilig. Über Langeweile konnte ich mich noch nie beklagen, Menschen in meinem Umfeld auch nicht. Was will man mehr.

Was das Beklagen im Allgemeinen und Besonderen betrifft, mag ich es ja eh nicht. So ein allgemein gültiger Ausspruch meinerseits lautet dann auch: Mir geht’s gut, ich kann gar nicht genug klagen. Darauf folgt in der Regel eh Schweigen. Beklagt wird momentan wieder viel, zur Zeit auch mal wieder streikender Weise. Für meinen Begriff immer noch nicht genug. Aber wenn ich dann einige Leute höre, die Konsumverzicht proklamieren, dann geht mir irgendwie die Hutschnur hoch. Verzicht? Verzicht impliziert eine gewisse Freiwilligkeit. Freiwillig ist der „Konsumverzicht“ wohl bei vielem schon lange nicht (mehr). Andere mit regelmäßigem und für manche Begriffe gar nicht so kleinem Einkommen sprich Gehältern  – wobei das natürlich relativ und subjektiv gesehen ist -  stehen nach eigenen Aussagen kurz vor dem Verhungern. Jammern auf hohem Niveau.

Aber das nur am Rande, darum geht es gar nicht. Fiel mir nur spontan nach dem Lesen einiger Seiten hier ein und nach einem Telefonat mit einem langjährigen Chatfreund, jetzt ja eher Telefonfreund.

Worauf ich eigentlich kommen wollte, ist die Tatsache, dass sich doch so einiges „ereignet“ hat. Der Geburtstag Paulchen’s  verlief ganz harmonisch. Der Freitag danach dann eher weniger. Wie geplant, traf ich mich am Freitag Mittag mit Nessi bei einem Augenoptiker. Denn sie meinte, ich brauche nun endlich eine neue, der Sehstärke angemessene Brille. Ich meinte das weniger, schließlich kosten Brillen mehr Geld als mein Einkommen im Grunde zuläßt. Die Brillenmodelle sind laut Werbung „extrem günstig“, das kann man sehen wie man will. So preiswert wie ausgeschrieben sind sie eh nicht, schließlich gibt es Folgekosten. Wie dem auch sei, ich war dort, habe eine Brille in Auftrag gegeben, die ich dann irgendwann in den nächsten Tagen abholen kann. Eine Gleitsichtbrille, man gönnt sich ja sonst nichts. Eine Lesebrille, die nun langsam bei fortschreitendem Alter nötig war, ist also nicht extra vonnöten. Ob ich damit dann zurecht komme, wird sich zeigen. Eine neue Sonnenbrille steht schon seit Jahren auf der Liste, wird aber mal wieder verschoben. Der Aufenthalt beim Optiker war im Übrigen extrem lustig. Ich möchte nicht wissen was der gute Herr Optiker dachte. Weiber als alterndes Ehepaar. Okay.

Der Besuch bei einer alten Bekannten war auch wie erwartet, man hört Geschichten aus uralter Zeit, selbst muß man dazu nicht viel sagen.

Die Nachricht kam am Abend. Ich wunderte mich schon beim Eintreffen, dass Paulchen angerufen hatte. Das konnte nichts Gutes bedeuten, denn schließlich hatten wir uns am Tage zuvor erst gesehen. Der Hammer kam dann, er muß, auch das war im Grunde bekannt, nur die Hoffnung stirbt halt zuletzt, will sagen, man hat gehofft, dass die Behördenmühlen mal etwas vergessen oder anders sehen, für 100 Tage zurück ins Gefängnis. Was ich davon halte, muß ich wohl wirklich nicht erläutern. Bin damit auch nicht so ganz allein, das medizinische Personal der Klinik schließt sich meiner Meinung an. Es ist die eine Seite, die gerne in unserer ach so Mediengesellschaft vermittelt wird über Strafmaß und Bestrafung und wie wunderbar alles ist. Mag sich in den Medien oft so darstellen, bei Fällen, die durch die Medien gehen, mit Sicherheit. Die Realität sieht meist ganz anders aus. Die Therapie wird unterbrochen, was das im Einzelnen bedeutet wird erst die Zukunft zeigen. Und warum das Ganze -  wegen Ladendiebstahl als Beschaffungskriminalität. Unsere heile, schöne Welt.

Nun man kann es nicht ändern. Auch damit wird man sich abfinden. Wann es losgehen wird und vor allem wohin, steht noch nicht fest. Die Planung war im Eimer, ich plane ja extrem selten, genau aus diesem Grunde. So wurde nun für Montag noch ein Treffen ausgemacht. Schließlich wird nun noch Tabak gebraucht, den man vom Taschengeld der Justizanstalten nur schwer finanzieren kann (30 Euro im Monat). Zahlt übrigens der Steuerzahler. Gut.

Das Wochenende war ein Konzert einer Regionalband ansagt. Dieses fand im Club statt, in dem Nessi bis vor kurzem ja selbst arbeitete. War wirklich gut, die Musik war ok. Wegen Emma (Sturm) war es nicht so gut besucht, aber alles in allem war es ganz lustig. Nessi wird dort mächtig vermißt, natürlich vor allem von den Jugendlichen, womit ihre Ex-Chefin nur sehr wenig umgehen kann. Ein alt bekanntes Thema.

Der Montag war dann auch verplant. Vormittags das Vorgespräch bei der Frauenärztin wegen des geplanten Eingriffs. Dieses dauerte dann ungefähr 5 Minuten. Ich bin mir nicht ganz im Klaren, warum man dieses nicht am Tage des Eingriffes gemacht hat. Egal. Neue Erkenntnisse brachte es nicht. Die Unterlagen wurden mitgegeben, die dann zu lesen und zu unterschreiben sind. Bemerkenswert daran sind natürlich die Nebenwirkungen, was ja immer so ist, und die Tatsache, dass der Patient nicht nur vom ambulanten Eingriff abgeholt werden muß, sondern auch eine 24stündige Betreuung sicherstellen sollte. Das war mir neu. Ich frage mich natürlich, wie soll der Single das gewährleisten. Und was ist, wenn das nicht möglich ist. Da ich heute mit obigem Chatfreund aus Aschaffenburg telefonierte, weiß ich, dass dieses Problem gar nicht so gering ist. Denn auch er hat, natürlich hat er kein Frauenleiden, sondern ihm werden in den nächsten Tagen ambulant die Weißheitszähne gezogen, ein ähnliches Problem. Und nach seiner Aussage wird dann ein solcher Eingriff abgelehnt, wenn der Patient diese Betreuung nicht sicherstellen kann. Interssant.

Ich denke zwar, dass Nessi eh hier bleiben möchte. Ob ich dann nicht ggf. eher meine Ruhe haben will, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Der regierende Bürgermeister Berlins hat dann vor kurzem auch erst geäußert, dass sich in Berlin ca. 50 % Singlehaushalte befinden und man endlich darüber nachdenken muß angesichts der demographischen Entwicklungen, die Städte und das Zusammenleben anders zu gestalten. Wäre wohl tatsächlich an der Zeit. Allerdings haben wir ja andere Sorgen als diese.

Der Montag war dann noch nicht beendet. Nach dem Arztbesuch folgte dann der Anwaltbesuch, der zu keinem Ergebnis führte. Im Grunde habe ich mit meiner Ansicht sicherlich recht, rechtlich gesehen habe ich aber kaum eine Handhabe das auch durch zu setzen. Solange es noch freie Wohnungen gibt, die den Kriterien entsprechen, wird kaum ein Sozialgericht sich auf höhere Grenzen einlassen. Sparen ist angesagt. Mit anderen Worten: Ich kann zwar selbst Widerspruch einlegen, wer will mir das verweigern, an den Kaltmieten wird sich nichts ändern. Dass der Landkreis hier verschiedene Werte zu Grunde legt, die Festlegung wirklich extrem niedrig ist, steht dabei überhaupt nicht zur Debatte. Geändert hat man die Nebenkostengrenzen. Die liegen jetzt bei den Betriebskosten bei 1,10 pro m², 10 Cent mehr als bisher, die Heizkosten wurden verringert von 1,10 auf 1,05. Warum man die Heizkostenpauschale verringert wurde, weiß nur  der Landkreis selbst oder auch nicht, wie man eher vermuten darf. Wenn man sich recht erinnert, steigen momentan überall die Heizkosten. Alles in allem betragen die Nebenkosten jetzt 2,15 pro m², 5 Cent mehr als vorher. Diese hat man bei meinem Bescheid, der dann auch heute einging, nicht berücksichtigt.

Nachmittags habe ich dann wieder meinen Sohn besucht und ihm den gewünschten Tabak gebracht. Frei genommen hatte ich kurzfristig, hatte am Sonntag abend meinen Kollegen angerufen, dabei auch erfahren, dass sich am Dienstplan dann doch was ändert, ich werde zukünftig wohl i. d. R. von 14 bis 20 arbeiten. Ich hatte es erwartet. Aber okay.

Das Gespräch mit Paulchen war wie immer. Zur Zeit kann man wirklich von einem sehr guten Verhältnis ausgehen, wir können uns über alles unterhalten, wir unterhalten uns über alles. Er ist in vielen Dingen, das merke ich immer wieder, wirklich MEIN Sohn. Die Ansichten und Verhaltensweisen bin manchmal wirklich ICH. Ich hatte es schon mal gesagt, das Äußere ist ja schon ganz der Papa. Er hat es dann auch so formuliert, dass die negativen Dinge, wie z. B. die Migräne in der Jugendzeit und das Umgehen mit Konflikten, von mir sind. Ja, ja.

Auch das war vom Montag noch nicht alles. Es hat sich auch Harry gemeldet, er hätte mich gerne besucht. War wohl schon sauer, dass er mich so selten erreicht, woran ich nichts ändern kann. Aber nun ging es wieder nicht, ich besuchte meinen Sohn, was für mich erst mal wichtiger war. Paulchen meinte dann auch (ich sagte ja über alles), wenn mir dann der Sex so wichtig gewesen wäre, er hätte es verstanden. Schließlich hätte ich auch später kommen können oder so. Ja, ja.

Und nun zum Dienstag. Für diesen war ja nun diese obskure Kaffeefahrt geplant. Hieß dann auch, dass wir uns ganz zeitig, im Grunde vor dem Aufstehen, am Busbahnhof getroffen haben. Es wundert nicht wirklich, dass zwar noch ein paar Leute dort standen, aber der Bus nicht auftauchte. So gingen wir dann zu mir nach Hause, kauften Brötchen, etwas zum Frühstück, Mittag und Kaffeetrinken ein, was im Grunde für noch so ein paar Arbeitslose gereicht hätte.

Gemütlich auf der Couch liegend, klingelte dann das Telefon. Wer ruft mich schon vormittags an? Am Apparat war dann mein Vater, der mir dann erklärte, er hätte es schon mehrfach versucht. Kann ich nichts dran ändern, kann nichts dafür, dass sich so ganz nebenbei noch arbeite und nicht ständig am Telefon sitze. Und jetzt der Hammer: Er wollte mich darüber informieren, dass er nicht ins Heim geht, da das momentan nicht möglich ist und er ja auch noch die Katze versorgen muß. Er wurstelt so weiter vor sich hin. Wenn ich irgendwas aus dem Haushalt brauche, kann ich mich ja melden. Bitte? Erstens wußte ich gar nicht, dass er ins Heim gehen will, zweitens ist mir schon klar, dafür gibt es hier ja wohl Wartelisten, dass das nicht ganz so einfach ist und drittens klar wurstelt er so vor sich hin. Macht jeder wohl, was erwartet er?! Soll ich ihm jetzt den Haushalt führen? Hatte er erwartet, dass ich mich sofort wieder melde. Auch wenn es allgemein als Ausrede klingen wird, wann denn? Wann er dann Zeit hätte? Nun heute muß er zum Arzt, er ist auch nicht immer zu Hause. Ich gehe bekanntlich am Freitag zu dem ambulanten Eingriff, was wohl ausschließt, dass ich an folgenden Tagen so gut drauf bin, dass ich ihn aufsuchen kann. Ich könne mich melden. Boah!

Das passt dann wieder zu der allseits proklamierten, demographischen Entwicklung, alle Senioren werden immer älter, vitaler. Ich frage mich nur, wo sind die?! Meine Mutter hat ja schon ein eigenes Weltbild. Mein Vater nun auch? Oder was soll ich nun von all dem halten? Ich sage nur, sollte ich jemals die Züge entwickeln, möge man mich vorher erschießen.

Anschließend klingelte es noch und Ronald stand unangemeldet vor der Tür. Ich hatte keine Zeit, Nessi war da. Auch das ist nicht zu ändern!

Wie dem auch sei, das Telefonat stellt mich vor ein Rätsel, womit ich momentan auch noch nicht umgehen kann. Familie kann man sich nicht aussuchen. Die Mutter naiv und mit sich beschäftigt, der Vater zynisch, nihilistisch. Es wundert wohl niemanden, woher ich meine charakterlichen Grundzüge und meinen gesunden Zynismus, eine Mischung aus beiden, habe?!

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