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09.04.2013 um 02:33 Uhr

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von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Das Blutdruckgerät ist mir dieses Mal nicht um die Ohren geflogen. Die Werte waren aber alles andere als okay. Ich habe nun Bluthochdruck. Es ist auch nicht das erste Mal. Ich hatte das schon mal vor einigen Jahren. Genau gesagt 2006. Das war eine schwierige Zeit, so hat man Körper darauf reagiert. Auch damals nahm ich Tabletten, setzte sie aber selbst wieder ab. Ich weiß, dass man das nicht tun soll. Aber ich hatte das Gefühl, es ist alles okay. Die Tabletten sind unnötig.

Ein paar Jahre später hatte ich dann mal wieder eine kurze Zeit Bluthochdruck. Immerhin auch so viel, dass die damalige Ärztin (Vertretung meiner Hausärztin) mich für einige Zeit aus dem Verkehr zog.

Es fing sich aber immer wieder.

Natürlich bin ich der Meinung, dass wäre jetzt auch so. Aber man weiß ja, Ärzte sehen das ganz anders. Die Risiken sind auch bekannt. Ich nehme also Medikamente, bisher ist der Blutdruck immer noch recht hoch, aber nicht mehr ganz so hoch. Da ich erkältet bin, die Erkältungen in diesem Jahr ja eine besondere Schärfe haben, geht es mir auch nicht so gut.

Dass ich zu Hause bin, stört mich momentan gar nicht. Ich genieße die Zeit sogar. Vllt. ist es paradox, aber vllt. ist es einfacher, krank zu sein als „arbeitslos“. Natürlich ist das Schwachsinn, ich habe schließlich keinen regulären Job, aber das Gefühl, egal.

Sowohl das Jobcenter als auch der Maßnahmeträger haben mir suggeriert, ich solle mir viel Zeit lassen. Das gedenke ich genauso zu tun, also solange mich meine Ärztin lässt. Man muss das verstehen, so wichtig, ist es keinem, dass ich dort wieder aufschlage. Keine Ahnung, was man denkt, was passiert. Früher wäre es so gewesen, schließlich habe ich auch mal in diesem Bereich gearbeitet, das Arbeitsamt (damals noch das Arbeitsamt und nicht das kommunale Jobcenter) wäre Sturm gelaufen, wäre bei einer Maßnahme etwas schief gegangen. Heute ist das allen Beteiligten egal. Hauptsache, es gibt ein paar Ein-Euro-Jobs, ein paar Leute werden untergebracht, was dort passiert oder nicht, ist eigentlich Jacke wie Hose. Auch damit wird Geld verdient. So einfach ist das halt. Beispiele dafür gibt es etliche. Sollte ich die hier etwa alle aufführen?!

Reguläre Jobs gibt es hier nicht. Erzieher, aber das war es dann halt.

Da schließt sich der Kreis irgendwie wieder.

Heute habe ich mich auch bei meinem „Arbeitgeber“ krank gemeldet. Auf die Frage, wann ich wieder erscheine, aber ich wahrheitsgemäß gesagt, ich wisse es nicht. Ich möchte es auch gar nicht wissen. Sorry, ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei.

Auch wenn mir das Geld natürlich leid tut. Ich hätte es natürlich gut gebrauchen können. Aber was nicht ist, ist nicht.

Alte Lebensweisheiten.

Und wenn denn von Bluthochdruck und schwierigen Lebensverhältnissen geredet wird, gehören zu dieser Thematik natürlich noch andere Dinge. Thema Paulchen.

Er hat mir vor ein paar Tagen auch einen ziemlichen Schock versetzt. Ich mische mich wenig in ihr Leben ein. Da hört man dann oft, wir wissen das, wir werden das schon machen. Und es ginge mich ja eigentlich nichts an.

Das ist alles ganz genauso. Natürlich gibt es mir schon zu denken, dass sie immer noch keine Wohnung haben. Da muss man echt hinterher sein. Natürlich sind die Angelegenheiten mit dem Jobcenter nicht geklärt.

Aber was soll man tun. Es ist so, wie es ist.

Meine alte Gelassenheit.

Meine Schwiegertochter in spe hat schon so ihre Problemchen. Das habe ich schon vor einiger Zeit bemerkt. Verlässlichkeit ist etwas anderes. Wenn man Termine macht und nicht erscheint, finde ich das nicht okay. Das war mehrmals der Fall. Alle Ausreden nützen da nichts. Klar, kann man MAL verschlafen. Wenn man nicht an das Telefon geht, wenn die „Schwiegermutter“ anruft, hat das System. Natürlich kann man es MAL übersehen. Sie hat nicht wirklich Eltern, das ist wohl das Problem an der Sache. Ihr Vater ist genauso unzuverlässig, ihre Mutter hat keinen Kontakt mit ihr, hat andere Interessen.

Aber sie ist schwanger. So richtig freuen kann ich mich nicht. Ich werde gerne Oma, aber ich habe so viele Befürchtungen.

Vergangene Woche hat mir dann Paulchen noch eröffnet, er kommt zurück. Es geht nicht mehr, er will nicht mehr. Die Gründe kenne ich nicht, ich sollte nicht fragen, ich habe nicht gefragt. Er kann dann nicht, es hat sich wohl vorläufig wieder eingerenkt.

Sie waren dann beide ab Ostersamstagabend bis Ostersonntag hier. Paulchen hatte mir vormittags eine SMS mit der Ankunftszeit nach 16.00 Uhr geschickt. Als die Zeit ran war, bekam ich dann nur eine SMS mit einem Google-Maps, woraus zu erkennen war, sie sind noch nicht mal los gefahren. Ich habe gesehen, er war sauer, als sie kamen. Ich habe auch nichts geäußert, aber die Sachen geben wirklich zu denken.

Und nun zum Thema Miststück, das nicht weniger Sprengstoff enthält.

Das Miststück wohnt ja nun seit einiger Zeit in der Wohnung seiner Mutter. Er hat sie gepflegt, als sie vergangenes Jahr eine schwere Operation hatte. Das war aber vor allem eine Phase, in der er trocken war. Es ist keine leichte Konstellation, sie ist nicht einfach. Als Außenstehender mag man darüber lachen, wenn der Kuchen mit der grünen Kuchengabel besser schmeckt als mit der goldenen, aber wenn man derartiges mehrfach erlebt, kann man schon verzweifeln.

Wir haben uns immer mal sporadisch gesehen, gesprochen.

Im Februar lernte das Miststück dann eine andere Frau kennen. Es war eine Zeitlang Ruhe, aber dann meldete er sich doch wieder. Ich habe die Frau kennen gelernt, es war nicht mein Wunsch, aber manchmal kommt man in unmögliche Situationen. Ich habe keine Ahnung, wie er zu ihr steht oder sie zu ihm, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich mit alldem, was das Miststück so bietet, auseinandersetzen will.

Ebenfalls im Februar erlitt seine Mutti einen Gehirnschlag. Sie lag einige Zeit in einem Krankenhaus in MD, dann hier im Krankenhaus, seit einiger Zeit liegt sie in einem Pflegeheim, unterbrochen von einigen Krankenhausaufenthalten. Erst lag sie in einem künstlichen Koma, jetzt im Wachkoma, sie wird wohl künstlich ernährt.

Das war natürlich ein Schock für das Miststück. Zwar ist laufend davon die Rede, wenn Mutti die Augen zumacht, aber wenn es dann fast soweit ist, stellt es sich als schwierig heraus.

Sein Bruder hat gleich die Kontrolle übernommen, vor allem über die Finanzen. Er hat die Wohnung gekündigt, die Wohnung teilweise geräumt. Er ist als Betreuer eingesetzt. Ursprünglich war geplant, dass das das Miststück macht, aber angesichts seines Alkoholkonsums wäre es wohl keine gute Idee gewesen. Wie dem auch sei, sein Bruder hat sich als Arsch aufgeführt. Sie mögen sich beide nicht besonders, das merkt man daran. Man muss dem Bruder zugute halten, dass durch die Alkoholsucht des Miststücks vieles wohl nötig war.

Es war noch ein bisschen Geld in der Wohnung, wovon der Bruder etwas abhaben wollte. Den Rest behielt das Miststück. Man könnte jetzt denken, da seine Mutter ihn immer unterstützt hat, wird er das gut einteilen, damit es eine Weile reicht. Das wäre vernünftig gewesen, aber Vernunft und Miststück harmonieren gar nicht.

Dieses Geld landete in einem Puff. Man kann das Leben auch mal genießen. Da fährt man halt abends/nachts mal mit dem Taxi in den Puff und genießt das Leben. Wobei es nicht mal Sex gegeben haben soll, aber bezahlen muss Mann ja trotzdem. Eine Stereoanlage landete auch noch dort, ein Vibrator, den er erst vor kurzem gekauft hatte. Natürlich telefoniert man ab und zu, jetzt kann es keine Besuche mehr geben, das Geld ist alle. Ob seitens der Damen Interesse bestünde, kann ich nicht beurteilen. Angeblich wäre dem so, auch ohne Geld.

Da sein Bruder einen Teil der Klamotten und Gegenstände der Mutter weg geholt hat, meinte das Miststück, ihm gleich tun zu müssen. Ich bezeichne es als Frevel, aber ich werde nicht gefragt. So verteilte er dann Klamotten an einige Damen, Schmuck, Mobiliar etc. Auch mein ehemaliger schwuler Nachbar hat mal vorbeigeschaut.

Den Weg zu seiner Mutter hat er bis heute nicht geschafft.

Natürlich, wenn ihn jemand an die Hand nimmt, wenn ich beispielsweise gesagt hätte, wir fahren mal hin, dann wäre das sicher gegangen. Allein ist er dazu nicht in der Lage. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht.

Aber das habe ich nicht getan. Aus gutem Grund.

Zurzeit hat er Besuch aus Bayern. In Bayern hatte er ja mehrere Bekannte, mit denen er öfter mal saufen konnte. Sie telefonieren halt regelmäßig. Eine Dame und ihr Freund sind nun auf Besuch hier. Beide alkoholabhängig. Sie ist sehr krank, hat eine Behinderung, kann dadurch kostenlos in Begleitung mit dem Zug fahren (bestimmt nur Nahverkehr). Seit vergangener Woche sind sie hier.

Natürlich habe ich kein großes Verlangen, diese Leute kennen zu lernen. Sie hat mir mal Vorträge darüber gehalten, wie ich mit dem Miststück umgehen müsse. Das ist schon eine Weile her, das Miststück reichte mir das Telefon. Ich solle mehr auf ihn achten, ihm keinen Alkohol besorgen oder doch, wenn er es nicht alleine schafft. Es war erstens schon ziemlich vermessen und zweitens recht widersprüchlich.

Heute hat das Miststück wieder angerufen, er fragt immer, warum ich nicht zu ihm gekommen sei. Davon war natürlich nie die Rede. Ich hörte im Hintergrund, dass die Beiden wohl nicht so zufrieden sind. Das Miststück liegt den ganzen Tag flach, säuft, raucht, telefoniert. Die Stadt hat er beiden natürlich auch nicht gezeigt. Sie waren am Freitag, ich sah sie zufällig, mit dem Taxi unterwegs, aber auch nur zum Einkaufen. Lebensmittel. Denn das Miststück kauft kaum noch Lebensmittel. Das Geld reicht nicht mehr. Er isst auch nichts. Ich hörte so im Hintergrund, verstand die Sprache zum Teil auch nicht, ich solle mich kümmern, dass er was isst, da wir ja befreundet sind. – Ich gebe in einem Nebensatz zu, dass ich die Dame schon gerne mal sehen würde, gerade weil sie in ihren Aussagen so widersprüchlich und so ganz Wessi (sorry) auch vermessen ist. Diese ehemalige Immobilienmaklerin (der Beruf ist nicht geschützt), die doch keine Vermögen mehr hat. -

Ich hatte das alles schon. Ich kenne die Situation, wenn er fast den ganzen Tag flach liegt, telefoniert mit Gott und die Welt, die Wenigsten sind davon begeistert, raucht, säuft und dummes Zeug erzählt. Nachts, wenn man selbst schlafen will, ist er dann wach. Er weiß nicht, was er tut, schon mehr als einmal wären die Buden fast abgebrannt (meine auch). In letzter Zeit habe ich ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass er sich einen Termin zur Entgiftung holen soll. Er macht es nicht, also lässt er es. Ich spiele nicht wieder Kindermädchen. Habe ich mehrfach, dazu fehlt mir die Kraft, die Zeit, die Energie. Ich habe auch nicht das Geld, ihn zu unterstützen. Und wenn er hier aufschlüge, wäre das so. Er hat ja keine eigene Wohnung, es wird ihm auch keine zufliegen.

Natürlich war ich zu seinem Geburtstag bei ihm. Da tauchte dann auch die andere Dame auf, die wenig begeistert war. Sie ging aber bald wieder. Es war ein schöner Abend. Und ja wir hatten sehr guten Sex. Das gebe ich zu. Aber ich bin dorthin gegangen, um nach ihm zu sehen und auch so, dass ich bald wieder gehen muss. Ich musste ja auf Arbeit. Natürlich weiß ich, es heißt, „in guten wie in schlechten Tagen“. Ich komme mir nicht gut dabei vor, wenn ich so reagiere. Frage mich aber, ist das so bis zur Selbstaufgabe? Wir sind nicht verheiratet, aber allein daran liegt es ja nicht. Das ist alles richtig. Egal, was ich sage oder tue, er negiert es eh. Er hat kein Interesse, sich eine Wohnung zu suchen, keine Interesse, seine Mutter zu besuchen, kein Interesse, sich um seinen Sohn zu kümmern, kein Interesse, sich um die Entgiftung zu kümmern. Es ist ihm alles egal. Wozu ist seine Meinung? Er macht auch die Augen bald zu, hat sein Leben gelebt. Also was sollte ich da tun? Zumal ich der Meinung bin, man könnte noch viel erleben.

Wie es wäre, würde ich mich darauf einlassen, das kenne ich schon.

Seine Schwägerin hat ihn gefragt, wenn er keine Wohnung auf die Schnelle bekäme, ob dann jemand aus seinem Bekanntenkreis bereite wäre, ihn kurzfristig vorübergehend aufzunehmen. Das hat er mir aus gutem Grund erzählt. Ich gab das zurück, ist denn die andere Dame bereit oder wer auch immer? Nein. Und was ist schon kurzfristig? Das würde ja bedeuten, dass langfristig eine Lösung erfolgt.

Besitze ich die Kraft, ihm die Tür zu weisen, wenn er dann davor steht. Keine Ahnung. Er kommt kaum noch aus dem Haus, er kann kaum laufen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann geht er los, nimmt sich ein Taxi, was auch immer. Kann man jemanden die Tür weisen, der in einer solchen Situation ist? Aber was wird dann aus mir?

Betreuung war schon einmal ein Thema. Das will er gar nicht. Ich sollte mal die Betreuung übernehmen, da ich ja in der Vergangenheit das Meiste eh für ihn regelte. Auch das war seinerseits nicht gewollt. Er könne das allein.

Was meine eigenen Eltern betrifft, meine Mutter war mehrere Tage nicht erreichbar. Sie hat wohl das Telefon nicht gehört oder keine Lust an dieses zu gehen. Mein Vater hat zurzeit mit der Gicht zu kämpfen.

Sehr viele Gründe für einen erhöhten Blutdruck! Aber das alles ist ja nichts Neues, also was uns nicht umbringt, macht uns härter. Oder so!


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