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16.07.2008 um 00:03 Uhr

Zweckpessimismus

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Zweckpessimismus ist die Form des Optimismus, alles negativ zu sehen und doch zu hoffen, es wird alles gut. Man erwartet es einfach. Ist sollte man mit seiner negativen Grundeinstellung doch recht behalten haben, ist man schockiert, irritiert, traurig, aggressiv. Was auch immer. Man hat immer die Möglichkeit vor sich und anderen, den Schein zu wahren: Ich habe es ja nicht anders erwartet.

Eine ganz einfache Möglichkei sich das Leben, so hinzubiegen wie man es gerne möchte.

Aber so einfach ist das halt nicht. Das Leben ist hart aber ungerecht. So ist das mit allen Erkenntnissen und auch mit der, dass selbst wenn man doch wußte, es kommt so, man doch hoffte, es kommt ganz anders. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Ob man sein Schäfchen dazu beigetragen, dass es so lief, wie es lief, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Wenn dem so ist, dann hat man unbewußt vielleicht dazu beigetragen, dass die negative Grundstimmung überwiegen konnte.

Ich glaube, es gibt nur ganz wenige Menschen, die im tiefsten Herzen Optimisten oder Pessimisten sind. Die meisten reden sich gern etwas schlecht oder gern etwas gut, immer haarscharf an der Realitätsgrenze vorbei. Wenn man von sich behaupten kann, man sieht die Dinge realistisch, das hätte doch was.

Die Realität ist grausam. Das Leben sollte einen doch überraschen, es sollte doch lebenswert sein.

Nicht ganz so einfach die Erkenntnis. Dabei ist sie doch nicht etwa neu. Sie ist so alt wie das Leben selbst. Und so ein- bis 42mal hat man diese Erkenntnis im Leben selbst schon einmal gehabt.

Ich mag Optimisten nicht, die immer himmelhochjauchzend das Gefühl verbreiten, alles ist wunderbar, die Welt ist gut, die Menschen sind edel. Die immer der Meinung sind, jeder ist seines Glückes Schmied und wer Unglück hat, muß das schon selbst verbockt haben, es verdient haben, ob durch göttliche Fügung oder charakterhaft bedingt. Die der Meinung sind, das alles kann mir nicht passieren. Die manchmal, aber wirklich auch nur manchmal, dann im Laufe der Zeit erfahren müssen, es ist nicht so. Die dann ggf. vor einem Scherbenhaufen stehen, die unglücklich sind, alle und jeden dafür verantwortlich machen. Unglück, Krankheit, Schicksalsschläge – davor kann man sich nicht unbedingt versichern.

Ich mag aber auch Pessimisten nicht, die genau das Gegenteil verbreiten. Die alles schlecht sehen, die alle für ihr Schicksal verantwortlich machen, die aufgeben. Die der Meinung sind, egal was ich tue und denke, es wird eh schlecht.

Mir ist das alles suspekt. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte. Das Leben ist vielleicht ausgewogen, vielleicht nicht. Glück ist halt manchmal doch nur die Abwesenheit von Unglück. Die Fähigkeit das Glück in kleinen Dingen zu sehen.

Es ist schön, wenn man die Fähigkeit hat, die Dinge real zu sehen. Das bedeutet nicht immer, dass es einem gefällt, das bedeutet nicht immer, dass es schön ist. Realität ist mir immer noch wichtiger, als das pure Festhalten an optimistischen Grundtendenzen, alles himmelhochjauchend oder im Gegenteil zu Tode betrübt. Die Fähigkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie sind und das Beste daraus zu machen. Das ist auch kein Zweckpessimismus. Das ist Realität. Vielleicht kann man das nur selten, vielleicht nie. Diese Aussage bezeichnet der Eine oder Andere aber schon wieder als zynisch.

Wir müssen es nicht anderen Recht machen. Wir müssen selbst mit dem, was wirdenken fühlen und tun einverstanden sein und sind auch nur uns selbst verpflichtet. Vielleicht ist das die Erkenntnis des Tages und die hat dann gar nichts mit Pessimimus, Optimismus, Zynismus zu tun. Sie ist einfach nur real.


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensternenschein schreibt am 16.07.2008 um 09:02 Uhr:Liebe Paulinchen,
    es stimmt, die menschen sind oft nicht edel oder gut.
    Es stimmt auch, dass das Schicksal oder was auch immer oftmals schlechte Dinge für uns bereit hält, und manchmal kann man auch solange und angestrengt schmieden wie man will, es kommt kein Glück dabei zustande.
    Ich würde mich auch nicht versichern wollen gegen jedwedes Unglück, habe übrigens nicht eine Privatversicherung. Nicht einmal gegen Feuer oder Haftpflicht. Bin ich deshalb ein Optimist.
    Ich sehe die Realität, auch mit ihren Schrecken.Und doch habe ich diese optimistische Grundtendenz. Erkennen was ist und das beste draus machen, so ähnlich drückst du es ja auch aus.
    Dein letzter Absatz birgt eine tiefe Wahrheit in sich.
    Liebe Grüsse
    sternenschein
  2. zitierenPaulinchen schreibt am 16.07.2008 um 22:29 Uhr:Hallo Sternenschein,

    keine Privatversicherung? Lt. Versicherungsexperten und unserem "Staat" sind ja einige Versicherungen unabdingbar, Rentenvorsorge, private Krankenversicherung (weil die gesetzliche lange nicht mehr reicht), priv. Haftpflicht usw. Viele haben keine davon, nicht, weil sie grenzenlose Optimisten sind, sondern weil sie sich nicht leisten können. Manche wollen auch nicht. Versicherung heißt ja nicht unbedingt, dass man im Ernstfall auch versichert ist. Das Thema könnte wieder ganze Bände sprengen, und macht es auch.
    Warum ich die grenzenlosen Optimisten nicht mag? Weil manche von ihnen denken, Krankheit, Tod der Angehörigen und alles was es so an Negativem gibt, passiert nur anderen. Mir natürlich nicht. Das ist nicht so!
    Ich mag aber auch die nicht, die sich ewig in ihrem Leid suhlen und um Mitleid haschen. Was bringt das?!
    Da bin ich schon lieber zynisch ;)

    LG Paulinchen
  3. zitierensternenschein schreibt am 17.07.2008 um 03:01 Uhr:Naja, Krankenversicherung, Rentenversicherung , eben die Pflichtversicherungen, die habe ich natürlich.
    Aber die ganzen anderen, z.B. Hausrat nicht.
    Da drücken sich die Versicherungen ja dann auch gerne, wenn ein Schadensfall eintritt. Dann ist dieses und jenes doch nicht mit versichert. Kostet alles nur viel Geld. Manche geben für ihre ganzen, angeblich unabdingbaren Versicherungen soviel aus, dass ihnen kaum was fürs Leben im Jetzt bleibt. Und das kann es ja nicht sein.
    Liebe Grüsse

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