Plateforme

26.04.2016 um 19:30 Uhr

Die Spitze des Eisberges

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es war nur die Spitze des Eisberges gestern, heute erfuhr ich den Rest. Ich hatte gestern schon Whatsapp Kontakt mit Nine. Sie war, was ungewöhnlich ist, relativ gesprächig. Meist meldet sie sich nicht, ruft nicht mal zurück, was ich schon das eine oder andere Mal kritisierte. Nicht nur, weil man seine „Schwiegermutter“ einfach zurückruft, ich bezahle auch noch die Telefonrechnung. Währenddessen berichtete ich ihr von der Vermisstenanzeige, sie war relativ aufgeschlossen.

Heute Morgen rief ich gleich bei der Polizei in L an. Ich könne natürlich eine Anzeige erstellen, das sogar hier machen, die wird dann weitergeleitet. Nach dem ich von der Physiotherapie kam, schrieb mir Nine die Kontaktdaten der Kumpels, bei denen sich Paulchen derzeit aufhalten könnte, soweit sie das weiß. 

Sie möchte mich aber nicht weiter belügen, ich habe ein Recht darauf, es zu erfahren. Da wird man schon hellhörig. Und dann: Sie ist nicht mehr im Mutter-Kind-Heim, dort ist sie raus geflogen. Da hier das dort alles so wenig gefiel, ist sie auch drogenabhängig geworden. Sie wohnt jetzt bei einem alten Kumpel von ihnen, von dem ich persönlich nicht viel halte. Da wo auch Paulchen eine Zeitlang wohnte, zusammen dann mit ihr. Die Kinder sind inzwischen untergebracht!

Man kann sich das in seinen schrecklichsten Träumen nicht ausmalen! Ja, ich wusste, sie ist mit zwei Kindern mehr als überfordert. Was ich nicht mal kritisiere, wahrscheinlich wäre ich das auch gewesen, hatte aber nur eins. Und gut hinbekommen hab ich das ja nun nicht. Aber sie hätten es halt, bei einem Kind belassen sollen. Vielleicht hätten sie das noch hinbekommen. Das Kind ist aber im Brunnen, da kann man nun sagen, was man will. Vorhaltungen nützen niemandem etwas. Was man den Kindern mal sagen soll, später, ich weiß es wirklich nicht. 

Warum die Kinder nicht bei den Omas sind? Das habe ich auch gefragt. Wäre ja naheliegend. Das Verhältnis Nine zu ihrer Mutter ist sehr gespalten, zumal Nine ja schon ein Kind in Obhut ihrer Mutter bzw. des Kindesvaters gegeben hatte. Paulchen wohnt offiziell bei mir, also kam das auch nicht in Frage.

Ich war dann bei der Polizei, habe eine Anzeige aufgegeben. Im Gefängnis ist er noch nicht. Gesucht wird er aber, die Gründe dafür konnte man mir aus Datenschutzgründen nicht sagen. Datenschutz hält ja immer her, aber das ist ein anderes Thema. Wenn er aufgegriffen wird, die Möglichkeit, dass das geschieht, schließlich hält er sich im einschlägigen Milieu auf, da wird man vielleicht sogar mal vorbei fahren, werde ich kontaktiert. Sollte U-Haft nötig sein, dann erfahre ich es nur, wenn er es will. Er ist ja lange volljährig. Ich denke mal, dagegen hätte er wohl nichts. Muss er doch nicht selbst sagen, was los ist, und ich erfahre es so. 

Nine besucht regelmäßig ihre Kinder, Paulchen war bisher nicht mit, da er sie sonst noch mehr vermissen würde. Kann ich nachvollziehen, Kontakt halten wäre aber sinnvoll. Sie arbeitet eng mit dem Jugendamt zusammen, sagt sie, sie solle eine Therapie mit Kind machen, danach könnte sie dann in eigenen Wohnraum ziehen, bestenfalls mit Paulchen, der natürlich auch eine Therapie machen soll.

Das klingt ganz vernünftig, aber ob das wirklich so läuft. Nun ja. Paulchen wird wohl erstmal wieder einsitzen, wer weiß wie lange. Wenn dem nicht so wäre, wäre natürlich eine Entgiftung und Therapie nötig. Schlimmeres will ich mir gar nicht vorstellen. 

Aber ob das alles wirklich so klappt, ob sie das durchhalten, ob….. Da gibt es vieles.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Habe auch nichts weiter gesagt. Was bringt das noch? Ich hoffe, dass Paulchen bald wieder auftaucht und dann es dann endlich…. Schlimmeres, wie gesagt, will ich mir nicht ausmalen. Wie ich damit weiter umgehe, das weiß ich noch nicht.

Im Übrigen habe ich heute eine alte Kollegin getroffen, eine Kollegin von Dany und mir. Sie war mit Dany zu meinem 50. Geburtstag. Ewigkeiten scheint es her zu sein. Sie war mit ihrem dreijährigen Enkel unterwegs, sagt deutlich, dass sie durch ihn Auftrieb gewonnen hat. Eine Aufgabe, Verantwortung. Püppi wird auch bald drei. Zu meinem 50. lag sie im Bett, war noch kein Jahr, wir haben uns damals köstlich amüsiert. - Ohne weitere Worte…

 

 

 

25.04.2016 um 17:18 Uhr

Ergänzung

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Für mich als kleine Ergänzung, weil ich gerade einen älteren Eintrag über 2015 etc. gelesen habe. Die Zeit in der pädagogischen Tagesgruppe ist vorbei, ich bin jetzt in einer Förderschule. Die Zeit dort, vielleicht sollte ich irgendwann mal darauf eingehen, hat durchaus auch ihre positiven Aspekte. Wenn es auch nicht viel bringt, aber ich hatte so das Eine oder Andere zu lachen. Das ist für mich natürlich gut, man hat so wenig Grund dazu, ist aber nicht immer unbedingt positiv zu sehen. Aber darauf wollte ich hier gar nicht eingehen. Dass Dany Krebs hatte, hatte ich schon geschrieben. Ich hatte sie kurz vor ihrem Tod noch besucht, in einem Pflegeheim hier in der Nähe. Da hat man es gesehen und sie wußte es zu diesem Zeitpunkt auch. Eine Beerdigung fand nicht statt, ihre Eltern, die schon seit Jahren keinen Kontakt mit ihr hatten, wollten das nicht. Ihre Tochter hat es über Umwege erfahren, sie lebt ja in Österreich. Die Wohnung ist bis dato nicht geräumt. Das Erbe wurde  nicht angegtreten. Die Bemerkungen seitens Nachbarn, Bekannten usw. darüber waren schon, mir fällt jetzt gar kein Wort ein, eigenartig.

Detlef wohnt immer noch in Lübeck. Und die Holländer haben sich getrennt. Es gibt dazu unterschiedliche Geschichten, ich will sie nicht beurteilen. Sie ist jedenfalls nach einer Weile zurück nach Holland, obwohl sie mir in einem Gespräch, wir trafen uns zufällig vor Penny, etwas anderes sagte und Kontakt halten wollte. Mit ihm habe ich auch keinen Kontakt mehr. Ich war sowieso mehr an ihr interessiert. Ist halt so.

Was den Sex betrifft, bin ich sehr faul. Das glaubt man kaum. Und wie man sieht, habe ich momentan auch niemanden, weder männlich, noch weiblich. Mir würde es deutlich besser gehen, wäre das anders. Aber zur Suche fehlt mir momentan der Antrieb. Mir ist schon klar, dass die Suche nach Sex im Grunde nicht so schwer sein dürfte, eigenltich sollte sich dafür jemand finden. Mehr will ich ja nicht. Ich habe auch mal wieder zugelegt. Ich nehme mir immer wieder vor, dieses Kapital mal wieder in Angriff zu nehmen. Vielleicht klappt es ja irgendwann tatsächlich.

25.04.2016 um 17:02 Uhr

Manche Dinge ändern sich nie

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Manches ändert sich nie

Manche Dinge ändern sich nicht. Menschen ändern sich. Änderungen sind manchmal nicht erwünscht. Manche Dinge sollten sich aber unbedingt ändern, die tun es dann für gewöhnlich nicht.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich dieses Lied schon gesungen habe. Ewig habe ich kein Tagebuch geführt. Das lag nicht unbedingt daran, dass es nichts Berichtenswertes gab, sondern einfach, dass man nicht wollte.

Es ist dem Tagebuch schon bekannt, dass ich zwischenzeitlich Oma geworden bin. Sogar zweifach. Der Kleine wurde im letzten Oktober geboren. Gesehen habe ich ihn erst einmal. Und damit beginnt das ganze Dilemma. Man würde es wohl nicht glauben, wenn es einen nicht selbst beträfe.

Der Kleine ist im Oktober geboren. So richtig verstanden habe ich es nicht, aber natürlich, kann und soll jeder so viele Kinder bekommen, wie er möchte. Man sollte voraus setzen, dass man mit diesen Kindern auch klar kommt. Nun gut. Dem ist nicht unbedingt so. Denn kurz bevor dieser Junge zur Welt kam, stand mein Sohn auf der Matte, drogenabhängig. Das glaubt man nicht wirklich. Die Mutter seiner Tochter und sie selbst waren seit einigen Tagen im Mutter-Kind-Heim. Da fällt man echt aus allen Wolken und so gleich kam auch niemand mit der Sprache raus.

Die Mutter (Nine) seiner Kinder hatte es wohl nicht einfach mit ihren Eltern. Da gab es, und gibt es einige Probleme. Daraus resultiert wohl eine gewisse soziale Unfähigkeit, eine Agoraphobie war einige Zeit ausgebrochen, das Haus wurde nicht verlassen, jetzt oder seit einiger Zeit war es „nur“ eine Unfähigkeit oder die Angst, Termine wahr zu nehmen. Daraus folgten dann vergessene Termine bei Behörden und Ärzten etc. Auf Grund dessen wurde durch die Mutter veranlasst, dass Nine betreut wird. Da mein Sohn zwischenzeitlich drogenabhängig war, nach meiner Erkenntnis ging das los, als das mit dem 2. Kind bekannt wurde, war für Nine und ihrer Tochter ein Mutter-Kind-Heim angeraten.

Wie die Dinge wirklich zusammenhängen, ob es wirklich so besser war, das will ich gar nicht beurteilen. Fakt ist, sie bezog mit ihrer Tochter das Heim, mein Sohn verblieb in der Wohnung, die aber sehr schnell seitens des Jugendamtes gekündigt wurde, die Folge dessen, er wurde zum Anfang des Jahres obdachlos.

Im vergangenen Jahr verbrachte er einige Woche bei mir. Er telefonierte regelmäßig mit seiner Familie, sie sahen sich oft. Er machte einen Entzug mit Medikamenten bei mir, es lief alles mehr oder weniger. Zu Weihnachten war die Familie auch versammelt.

Zum neuen Jahr wurde er dann obdachlos. Es sollte so laufen, dass er einige Zeit bei Kumpels unterkommt, bis der Rest seiner Familie dann aus dem Heim entlassen wird und Wohnraum bekommt. Das sollte im Februar soweit sein, dann, wenn der Kleine ein halbes Jahr wird. Heute habe ich mit ihr telefoniert und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Jugendamt möchte wohl am liebsten, dass sie dort noch länger verweilt, sie möchte sich deswegen evtl. um andere Möglichkeiten kümmern (Anwalt z. B.).

Und Paulchen? Der kam einige Zeit bei Kumpels unter, sie haben sich regelmäßig gesehen. Aber seit einiger Zeit klappt das alles nicht mehr. Er ist nicht erreichbar! Er wollte eigentlich wieder zu mir kommen, das hat er mehrfach in den letzten Wochen angekündigt. Am letzten Freitag war noch davon die Rede, er käme am Samstag, und er denkt darüber nach, wieder hierher zu ziehen, was natürlich aus mehreren Gründen auch nicht einfach ist. Jobcenter etc. Aber er kam am Samstag nicht, er war Samstag, Sonntag nicht erreichbar. Auch heute nicht. Telefon ist aus. Auch seine Freundin weiß nicht, wo er ist. Sie sagte mir dann auch, dass sie seit Dienstag keinen Kontakt zu ihm hatte. Und so selten ist das wohl nicht. Vor nicht allzu langer Zeit bekam ich auch einen Anruf der Polizei L, die ihn suchten. Auch in dieser Beziehung scheint wieder etwas los zu sein. Es gibt wohl nach ihrer Auskunft einige, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind.

Ich habe die Polizei in L angerufen, leider ist Montag Nachmittag da wohl nicht viel los. Mir ist auch nicht bekannt, ob man eine Vermisstenanzeige machen kann, wenn jemand ohne Wohnraum ist. Natürlich werde ich es wieder versuchen, Ich kann nicht anders, ich muss doch wissen, wo er ist. Und Nine sagte noch, das wäre sicher das Beste, bevor er tot ist.

Ich habe erst mal eine halbe Stunde geheult.

Ich mag mir gar nicht ausdenken, was da los ist. Sämtliche Bilder der kleinen Püppi, habe ich schon weggeräumt. Die restlichen Sachen werde ich auch noch wegräumen. Ich mag einfach nicht daran erinnert werden, dass es dort eine kleine Püppi gibt. Wir hatten so schöne Zeiten. Jetzt sehe ich sie kaum noch und wer weiß, wie das weitergeht, ich werde sie wohl auch nicht wieder sehen. Nine wird sich trennen, das wird so kommen. Und dann darf man doch nicht annehmen, dass sie mich mit den Kindern besucht oder umgedreht. Nein, das wird wohl nicht so sein.

Ich verstehe überhaupt nicht, wie das passieren konnte. Warum passiert es? Man denkt doch, das Kind ist in einem Alter, über 30, das wird langsam. Und dann? Natürlich kann ich mit niemanden darüber reden, wer würde das verstehen. Es hat sowieso nie jemand verstanden, dass ich das mitmache. Mein Vater sagte neulich noch, als Paulchen hier für einige Zeit war, warum machst das, weil du früher dich nicht gekümmert hast? Sicher nicht, weder so noch so. Ich weiß auch nicht, wann ich mich nicht gekümmert haben soll. Es ist mein Sohn. Das geht doch gar nicht anders. Ich liebe meinen Sohn, ich liebe die kleine Püppi. Und es erschüttert mich bis ins Mark, was da alles passiert. Natürlich kann ich das nicht ändern, ich bin auch nicht in der Nähe. Und selbst wenn…

Ich kann einfach auch nicht mehr.

Und was was das Reden betrifft, dann ist da auch niemand mehr. Das Miststück ist in ähnlicher Situation, er wohnt abwechselnd bei verschiedenen Frauen, würde die Situation weder erfassen, noch verstehen. Mit Nessi habe ich, wenn überhaupt, nur oberflächlichen Kontakt. Meine Eltern sind weit über 70, verstehen es auch nicht, belasten will ich sie damit auch nicht wirklich. Meine Kollegen, ich „arbeite“ derzeit in einer Förderschule und betreue Kinder, insbesondere ein Kind mit Down Syndrom, sind auch wenig geeignet. Das Verhältnis ist auch nicht so privat. Dany ist im Januar 2016 verstorben. Sie hatte wieder Krebs.

In diesen Punkten möchte ich wirklich eine Veränderung. Ich möchte so gern, dass sich die Situation klärt, dass es meinem Sohn mit seiner Familie gut geht, und wir ein gutes Verhältnis haben, uns besuchen etc. Ist das nur ein frommer Wunsch? Wird sich dieser jemals erfüllen? Ich bezweifle es momentan stark. Was die anderen Veränderungen betrifft, weiß ich, dass es meist keine positiven sind. Wenn ich an meinen Schützling aus der Schule denke, mag sie gar keine Veränderungen. Auch das kann man verstehen.

Ich weiß nur, ich schaffe das alles nicht mehr. Seit mehr als einem Jahr rauche ich nicht mehr, ich habe auch keine zu Hause, aber mir ist heute stark danach….

Ich kenne jemanden, einen Skatkumpel meines Vaters, dessen Sohn war einige Jahre verschollen. Er tauchte dann irgendwann wieder auf. Ich selbst kenne den Mann aus meiner Schulzeit. Ich mag mir nicht vorstellen,wie das ist. Ich mag mir nicht vorstellen, wie ich das aushalten sollte. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn er wieder in Knast geht und was dann mit der Familie wird. Was soll man der Püppi sagen? Oder ..... Natürlich hat man immer die Hoffnung... Oder?


04.07.2015 um 02:36 Uhr

2015

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wir haben das Jahr 2015. Und selbst das ist bald wieder vorbei. Irgendwie. Ich war richtig schockiert, als ich las, der letzte Eintrag 2013. Wirklich solange?

Dann liest man da so, und ist gleich noch mehr schockiert. Womit man sich so beschäftigt hat in den letzten Jahren. Das ist ja grauenvoll. Briefe an das Miststück. War man das wirklich?

Davon mal abgesehen, hat sich nicht viel geändert. Die Gedanken, die antrieben, treiben immer noch. Werden sie es mal nicht tun, das ist wohl die Frage.

Was das Miststück betrifft, ich sage mal so, es gibt ihn noch, vielleicht. So genau kann man das auch wieder nicht wissen. Er hat da so ein paar Frauen oder auch nicht. Es ist mir wirklich egal. Mit Nessi habe ich WhatsApp Kontakt. Das ist aber auch so ziemlich alles. Eigentlich.

Dany hat wieder Krebs. Und allein, wenn ich das schreibe, denke ich, so ein Mist, womit DU Dich beschäftigst. Sie hat doch wirkliche Sorgen.

Detlef, mein ehemaliger, schwuler Nachbar, ist nicht mehr mein Nachbar. Sein Lebensgefährte hatte irgendwann die Nase voll und hat sich getrennt. Detlef war am Boden zerstört, tief erschüttert, suizidgefährtet (mit Ankündigung). Er wohnt nicht mehr im Ort, ist weggezogen, einfach mal so, weil er in dieser Stadt nicht mehr wohnen wollte. In dieser Stadt fühlt er sich nicht sehr wohl, sagt er. Er vermisst unser kleines Städtchen, die paar Bekannten, die er hatte. Wir haben sporadisch Kontakt.

Meiner Püppi, meiner Enkelin, geht es hoffentlich gut. Ich sehe sie selten. Ob das nun immer an der Entfernung liegt, an den fehlenden finanziellen Mitteln ihrer Eltern, ich kann es nicht beurteilen. Sie wird auch ein Geschwisterchen bekommen. Im Herbst. Die Entscheidung kann ich persönlich nur schwer nachvollziehen. Ich war immer die Ein-Kind-Mutter und wollte auch die Ein-Kind-Oma bleiben. Zumal ich der Meinung bin, wenn man mehr oder weniger mit einem Kind schon überfordert ist, wie soll das mit zwei Kindern sein? Mit zwei Kindern wäre ich wahrscheinlich auch überfordert gewesen. Das war auch der Grund. Es ist aber so, wie es ist. Ich muss das auch nicht verstehen. Das ist die andere Seite.

Was mich am Meisten umtreibt in den letzten Tagen, ist aber eine ganz andere Tatsache. Ich habe es schon 2013 geschrieben. Diese Inaktivität. Die ist einfach so. Warum es so ist, wie es ist, dafür gibt es vielleicht Gründe oder auch nicht, man kann das auch psychologisch untersuchen, was aber nicht wirklich was ändert. Man kann auch mit dem Nichtstun beschäftigt sein. Diese Unzufriedenheit.

Ich wundere mich darüber nicht. Warum sollte ICH auch zufrieden sein? Was wäre ein Grund zufrieden zu sein? Ich bin lange in einem Alter,  da möchte man etabliert sein, angekommen. Das bin ich nicht. Die Meisten werden von sich gedacht haben, sie werden mal was ganz Großes. Erfinden das Fahrrad neu, entdecken ein Wundermittel, komponieren ein tolles Musikstück. Was auch immer. Den Wenigsten gelingt das wirklich. Ja. Ist das beruhigend? Für mich nicht. Wenn jetzt jemand antwortet, dann mach doch. Dann hat er Recht, die Frage ist dann aber, was? Ich habe immer gedacht, irgendwann wird es schon mal DAS geben, die andere Karriere, die Geld, Einfluss; Macht bringt. Nein. Was man falsch gemacht hat, wenn man das wüsste, könnte man es beantworten.

Euphemistisch gesagt, ich bin Hausfrau. Diese Aussage ist eine glatte Lüge, denn wenn ich was nicht bin, ist es Hausfrau. Es mag Frauen geben, die sind vollkommen zufrieden damit. Ich war es nie, werde es nie sein.

Ich war mal wieder ein paar Tage arbeiten. Anfang des Jahres. Eine sogenannte zusätzliche pädagogische Tätigkeit in einer Kindergruppe. Kenne ich ja schon. Allerdings hätte man in dieser Einrichtung gern gesehen, dass diese pädagogische Tätigkeit nicht stattgefunden hätte, sondern mehr eine Reinigungstätigkeit. Was ich  ablehnte. Es ist nichts Schlimmes daran, wenn geputzt wird, das muss so sein, darin ist nichts Ehrenrühriges. Aber ich finde darin keine Befriedigung.

Ich hatte dort die tollsten Erlebnisse, die zum Teil auch lustig waren oder auch traurig, je nach Betrachtung. Wir haben uns  ganz gut verstanden. Mir ist es gesundheitlich nicht immer leicht gefallen. Das habe ich gemerkt. So wie ich auch gelernt habe, dass es mir fehlt, dieser Termindruck. Warum ist der Bericht noch nicht fertig, das Telefon klingelt und gleichzeitig muss man Besucher koordinieren, Kinder beruhigen, was auch immer. Das was die Anderen bemängeln, hätte ich gerne mal.

Das es mir dann nicht unbedingt gefallen würde, dass ich es vielleicht auch nicht mehr schaffen würde, das bezweifle ich gar nicht.

Und dann die familiäre Situation. Die hat sich nicht verändert. Der Sohn meldet sich, wie gesagt, sehr selten. Man selbst möchte nicht stören und lässt sie natürlich in Ruhe. Das wollten wir ja auch so. Ist also nicht ungewöhnlich. Nessi ist beschäftigt, mit Job, Personalrat, Förderverein, Weiterbildung, Eltern, Kumpels etc. Das Miststück mit seinen Frauen, mit Alkohol.

Ich bin mit nichts beschäftigt und dazu noch zu faul!

Das Allerschlimmste ist, dass die "älteren Leute" ein Leben haben. Meine Ex-Schwiegermutter ist in den letzten Jahren aufgeblüht. Mein Vater ist telefonisch nur schwer erreichbar. Es geht nur noch die T-Net-Box ran, weil er telefoniert. Mit wem? Keine Ahnung.

Die haben tatsächlich ein Leben.

Ich kann das nicht wirklich fassen.

Es gab da mal so was wie Liebhaber. Gab es mal. Ronald war vor kurzem mal da, ich hatte aber einen Termin, ich sollte mich melden. Dabei blieb es. Da muss man sich ja duschen, fertig machen, aufräumen und überhaupt.

Schrecklich. Klar.

 

 

 

 

15.11.2013 um 00:46 Uhr

Oma

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Gefühlte Jahre habe ich hier nichts geschrieben. Woran merkt man, dass man alt ist? Das man solche Sätze sagt: Wo ist nur das Jahr geblieben? Die Zeit vergeht so schnell. – Das hat doch Oma früher immer gesagt.

Deswegen ist es aber trotzdem richtig. Wenn man Tagebuch führt, für sich, möchte man trotzdem so einen kleinen Abriss der letzten Zeit geben. Was passierte eigentlich? Ich habe neulich hier mal alte Einträge von mir gelesen und dachte so: Boah, wie lange das her ist. Und überhaupt das ist wirklich passiert.

Im Grunde gibt es nicht wirklich was Neues. Denn wenn ich jetzt anfange mit Miststück und Co., dann hat das alles einen meterlangen Bart. Darum lasse ich jetzt erst mal, weil es wirklich nicht relevant ist.

Die wichtigste Neuerung überhaupt ist: Ich bin seit 10. August diesen Jahres Oma. Und was habe ich die letzten Jahre immer wieder gesagt, ich freue mich mal darauf, Oma zu werden. Es ist so eine süße kleine Maus. So eine kleine Püppi. Ich könnte sie den ganzen Tag knuddeln und herzen. Wie eine Oma halt. Da sie nicht in der Stadt wohnt, sondern immer noch in L, was gute 100 km weit weg ist, sehe ich sie natürlich selten und freue mich jedes Mal, sie zu sehen.

Meine Püppi.

Was mich heute so antreibt, ist etwas ganz anderes. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel nachgedacht, über so viele Dinge und doch wieder über gar nichts. Ich bin immer noch so dermaßen unzufrieden und überhaupt, dass es mich mehr als nur stört. Mir fehlt der innere Antrieb. Ich bewundere viele, viele Leute, die so ganz von sich aus, aktiv sind. Ich habe keinen Grund zur Aktivität.

Ich lasse mich viel zu oft treiben. Der Tag vergeht, vergeht, vergeht. Man kann unendlich viel Zeit mit Nichtstun verbringen, das würde niemand wirklich glauben. Es ist aber so. Man beschäftigt sich mit vielen Dingen und doch wieder mit nichts. Schlimm.

Dann gibt es so Tage, da klingelt das Telefon ununterbrochen. Man ist so gefragt, während es ansonsten tagelang keinen Ton von sich gibt. Dann steht Ronald vor der Tür und wundert sich, dass man sich so gar nicht meldet und kann gar nicht nachvollziehen, dass man einfach mit Nichtstun beschäftigt ist. Ich würde das auch nicht verstehen. Gleichzeitig ruft Bea an und man hat die perfekte Ausrede, man hat ja schon Besuch. Und wir haben uns auch nicht wieder verabredet, ich kann gar nicht sagen, wann ich Zeit habe. Morgen? Übermorgen? Diese Aussage ist mir, ehrlich gesagt, schon zuviel.

Dabei hätte ich gar nichts gegen ein Treffen. Sex wäre eine willkommene Abwechslung. Man kann doch nicht so faul sein.

Und dann meldet sich die kleine Püppi an, natürlich kann sie noch nicht sprechen, das heißt dann Paulchen kommt mit seiner Verlobten zu Besuch, und ich bin den ganzen Tag am rotieren.

Es geht also.

Das Miststück stand natürlich in den letzten Wochen auch ab und an mal vor der Tür. Manchmal hat er es geschickt ausgenutzt, hat irgendwo anders geklingelt, an anderen Tagen ist er mit der Bemerkung, er müsse mal reden, erschienen. Da sag ich nicht nein. Das Reden war dann aus meiner Sicht nicht wirklich wichtig. Ändern wird sich in seiner Umgebung eh nichts. Er ist obdachlos und lebt genauso vor sich hin. Wahrscheinlich aus dieser Situation aktiver als ich. Meist bin ich froh, wenn er wieder geht. Weil ich die Geschichten aus 1001 Nacht nicht mehr hören kann und will. Das Thema ist irgendwie abgehakt. Er trinkt immer dann, wenn er Geld hat, also am Anfang des Monats. In der Mitte bis zum Ende des Monats ist er dann meist nüchtern. Das Geld fehlt, dann taucht er für gewöhnlich am Ehesten auf.

Ich würde nicht behaupten, dass meine Gefühle wirklich weg sind. Man klammert sich immer daran. Wahrscheinlich werde ich das auch immer, aber diesen Mann, den ich zu lieben glaubte oder liebe, den gibt es nicht (mehr).

Das eigentlich Frustrierende an der Situation ist, dass ich nicht weiß, mit wem ich reden soll. Da gibt es die Situation, dass ich merke, dass es bei Paulchen und seiner Liebsten Stress gibt, ich möchte mich bei denen nicht einmischen und sage dazu nichts, aber mit wem rede ich denn über die Situation? Mit dem Miststück geht das nicht, der würde das nicht verstehen. Mit Dany ist das genauso. Natürlich haben wir Kontakt, sie kann mir alles erzählen, was sie bewegt, aber umgedreht, geht das gar nicht.

Natürlich gab es mal Nessi. Aber das möchte ich nun auch nicht. Ich weiß gar nicht, wie sie dazu steht. Sie war neulich hier, als Paulchen und seine kleine Familie hier war, sie hielt sich sehr zurück. Sie wusste auch vorher nicht, dass es so sein würde. Ich hatte es ihr nicht gesagt, sie erschien, weil sie mir einen Gefallen tun wollte.

Heute erschien mein ehemaliger Nachbar. Ich hatte mich grade aus dem Bett erhoben, es war am späten Vormittag. Natürlich wollte ich nicht wirklich, aber abwimmeln ließ er sich nicht. Er müsse mal reden. Mir war intuitiv klar, worum es ging. Bei denen steht auch eine Trennung an. Es ist das dritte Gespräch in den letzten Wochen, das ich dazu führe. Was soll ich dazu sagen?

Wenn sich jemand trennen will, kann man selbst schlecht was dagegen tun. Was will man tun? Und wie soll man den Anderen aufbauen? Auch das ist schwierig.

Detlef meinte dann auch, sein Leben ist der Andere. Er kennt ja auch kaum andere Leute. Ich habe mich schon immer gefragt, was die Beiden verbindet. Sein Partner ist sehr aktiv, er fährt viel weg, zu irgendwelchen Konzerten, Bekannten, Familie. Ich kann das gut verstehen, man möchte einen aktiven Partner. Und wenn der denkt, er verpasst was, ist eine Trennung für ihn nahe liegend.

Es ist wahrscheinlich der falsche Grund zu denken, man verpasst etwas. Ich kenne diesen Grund. Bei der Trennung meiner Eltern habe ich viel forciert. Ich habe gedacht, Leute, die so verschieden sind, sich so angiften, ist eine Trennung das Beste, was ihnen passieren kann. Ob ich heute noch so denke, kann ich gar nicht sagen. Ich glaube kaum, dass meine Mutter das noch immer so sieht. Was gewesen wäre wenn, wer weiß das schon. Ich habe kaum Kontakt zu meiner Mutter, sie wohnt immer noch 500 km weit weg, sie ist telefonisch seit Wochen nicht mehr erreichbar. Das Handy ist aus, das Festnetz funktioniert nicht. Ja, ich mache mir Gedanken, aber ich habe keine Lösung.

Wer hat schon Lösungen.

Detlef möchte sein Leben, wenn sein Partner auf die Trennung besteht, am Liebsten beenden. Er hat keinen Grund zu leben. Was sagt man? Ich verstehe das gut. Er ist sehr krank, hat kaum Geld. Er bräuchte eine neue Wohnung, Möbel. Wer würde da nicht verzweifeln? Mit Geld ist das kein Problem, aber ohne.

Ein bisschen Schadenfreude ist dabei. Schließlich ist Detlef auch derjenige, dem nun auffällt, dass es ja hier gar keine bezahlbaren Wohnungen gibt. Dass Geld als HartzIV-Empfänger endlich ist. Mit Partner ist das etwas anders. Da ist so einiges möglich.

Wir haben alle mal gedacht: Mir passiert das nicht. Ich werde nicht dick. Ich werde irgendwo was finden. So große finanzielle Probleme werde ich mal nicht haben. Ich werde nicht einsam und allein.

Die Zeiten ändern sich. Ich bin davon nicht mehr so überzeugt, dass wir nicht alle unter der Brücke landen. Wie soll das alles noch weiter funktionieren? Das Kartenhaus bricht irgendwann zusammen.

Ich werde sehen, wie sich das entwickelt. Aber ich habe keine Antworten. Für mich nicht, für ihn nicht, für alle Anderen, die sich in letzter Zeit getrennt haben, trennen wollen.

Soll man zusammen bleiben, damit man sich nicht einsam und allein führt, aus finanziellen Gründen? Ich weiß es nicht.

Diesen Schritt bedaure ich nicht. Ich bedaure meine Trennung / Scheidung nicht. Das war richtig. Ich hätte viel eher, diesen Entschluss fassen sollen. Auch wenn nicht die große Erwartung kam, die große Aktivität, die große Liebe oder was man sich auch immer so erhofft.

Ich bedaure nicht die Zeit mit dem Miststück. Es war auch eine schöne Zeit. Es hat auch viele Tiefen gegeben, aber ich weiß, es war eine tiefe und innige Liebe zu ihm. Manchmal reicht das halt nicht.

Ich bedaure die Zeit mit Nessi nicht unbedingt, wir hatten viel Spaß. Es war etwas, was erstrebenswert wäre. Jemanden zu haben, mit dem man lachen, weinen, reden, was unternehmen kann. Wir lagen in vielen Dingen auf einer Wellenlänge. Sie hat sich anders orientiert, das muss ich akzeptieren. Sie hat mich mehr geliebt als ich sie. Ich wusste immer, dass es mal vorbei geht, dass ich sie vermissen würde, Recht zu haben, befriedigt meist gar nicht. Hätte ich mich ihr gegenüber weniger geöffnet, das wünsche ich mir manchmal. Sie hat die verletzliche Seite gesehen, die niemand sehen soll.

Auch mit dem Miststück ist das so. Ich wusste immer, es geht irgendwann mal vorbei. Wir können keine dauerhafte Beziehung führen.

So ist die Situation. Es hat sich nicht wirklich viel verändert. Ich habe mal kurz gearbeitet und mich dort sehr unwohl gefühlt. Die Folge war, dass ich Bluthochdruck bekam und nun  Tabletten nehme. Ist nicht ungewöhnlich in meinem Alter. Geärgert hat es mich, weil es vermeidbar gewesen wäre. Es war eine Ämterentscheidung. Ich habe kurzzeitig versucht, eine Qualifizierung zur Erzieherin zu machen. Das wurde nichts, weil Behörden ihre eigenen Vorstellungen haben und der Bluthochdruck machte die Teilnahme erst mal unmöglich.

 

03.07.2013 um 05:17 Uhr

Wie soll es weitergehen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich gar keine Lust irgendwas zu schreiben. Ich weiß, worauf das hinaus läuft. Aber ich werde eh nicht schlafen können, was soll ich denn, auch wenn es fast schon Zeit ist, wieder aufzustehen, im Bett.

Es ist lange her, dass ich mir Notizen zu meinem Leben machte. Daran merkt man auch, wie die Zeit vergeht. Es liegt nicht daran, dass ich nichts zu berichten oder zu jammern hätte. Da findet sich immer was. Ich wollte einfach nicht, wo anfangen, wo aufhören.

Ich hatte eine ziemlich euphorische Zeit, als ich noch dachte, vielleicht wird es ja was mit der Vorbereitung zur Erzieherinnenprüfung. Danach bin ich wohl ziemlich tief gefallen. Und kann mich momentan zu rein gar nichts aufraffen. Selbst in der Zeit des Hochwassers, und es war dieses Mal wirklich schlimm, konnte ich mich fangen. Da hielt mich praktisch nichts zu Hause, musste gucken, wie es aussieht, habe fotografiert. Zum Sandsäcke füllen, fühlte ich mich nicht wirklich geeignet. Was nützt es irgend jemanden, wenn man neben dem Sandsack zusammen bricht. Auch wenn mich diese Gedanke, ja fast wütend gemacht hat, konnte ich mich damit trösten, dass man gucken geht, viele Menschen sieht, die das Gleiche machen. Und die Hoffnung zu haben, dass das Wasser dann nicht bis hierher kommt. Es blieb dann tatsächlich ca. 100 m vor der Haustür stehen, es stand in der anderen Richtung ein paar Meter vor der Tiefgarage. Hier war nur im Keller Wasser. Selbst das hätte niemand gedacht. Hier im Keller war noch nie Wasser, solange das Haus steht.

Auch Paulchen war während der Zeit mal hier, wollte gucken, ob seine Mutter kurz vor dem Absaufen ist, sozusagen. Dany hat mir sogar den Vorschlag gemacht, wenn ich denn aus meiner Wohnung raus müsste, es hätte ja so kommen können, kann ich solange zu ihr ziehen.

Während des Hochwassers hatte ich dann noch ein Erlebnis, was mich sehr schockiert, hat. Es war peinlich, für mich. Wenn neben dir ein Auto hält, dessen Autonummer du kennst, an den Menschen du auch irgendwie gerade gedacht hast, nimmst du mit Sicherheit an, dass dieser Mensch wegen dir hält. Dann die Erfahrung zu machen, dass es nicht so ist, ist schon ein großer Schock. Nessi hielt genau neben mir auf der Straße, natürlich dachte ich, sie wollte hallo sagen, fragen, wie es mir geht, wie es mit dem Hochwasser aussieht. Sie wohnt ja in einer Gegend der Stadt die davon nicht betroffen ist. Und ich habe neben dem Auto gewartet, dass sie aussteigt. Sie stieg aus, ihre Mutter auch. Die haben mich dann aber mehr oder weniger ignoriert. Ich habe dann nur gegrüßt und mich schnell davon gemacht. Es war peinlich. Ich konnte es nicht ganz lassen, hab sie dann später angerufen. Sie hätte mich nicht gesehen, nur ihre Mutter (die mich, wie man unschwer erkennen kann, nie mochte) und die hat ohnehin gerade etwas genervt und dann war ich ja auch weg. Man sieht schon, die ganze Sache ist mehr als nur Geschichte.

Das hat mich auch runter gezogen. Klar, wenn man bedenkt, was wir alles erlebt, gemacht, getan haben. Was sie mir immer sagte, was ich ihr bedeute. Auch wenn es das Eine oder Andere mal mir weniger gefiel, weil es zu eng war. Es ist schon ein ziemlicher Schock.

Das Miststück selbst habe ich seit dem Hochwasser nicht gesehen. Und das ist schon eine Weile her. Davor war er ein paar Mal hier, hat die Wochenenden hier verbracht. Ich habe mir das schlechte Gewissen von Detlef gekonnt einreden lassen. Es war auch nicht weiter schlimm, das Miststück war nüchtern. Er hat hier viel für mich gemacht, was ich gar nicht wollte. Hat mal wieder meine Kammer aufgeräumt (Abstellkammer). Ich bin ihm auch dankbar dafür, aber nötig wäre es nicht gewesen. Allerdings kann ich ihm sehr dankbar sein, dass er vor einiger Zeit mal meinen Keller aufgeräumt hat. So war es gar nicht schwer, ein paar Dinge, die nicht nass werden sollten, einfach hoch zu stellen. Ich weiß gar nicht, was ich gemacht hätte, hätte er den Keller nicht aufgeräumt. Dann hätte ich das auf die Schnelle machen müssen. So hätte ich das gar nicht vermocht. Er sagte ja auch immer, er hat schließlich im Lager gearbeitet, kennt sich mit Lagerverwaltung, Logistik aus. Ja, das ist schon viel Wert gewesen.

Was er momentan macht, weiß ich gar nicht. Er hat sich sicher ein paar Mal gemeldet, hat auch ein paar Mal geklingelt. Aber ich wollte nicht. Ich habe erstaunlicherweise sogar ein paar Euro bekommen. Das war noch im Juni, also vor dem Hochwasser. Er hatte natürlich wieder getrunken. Nein, ich wollte und ich konnte es nicht. Wie er den letzten Monat überstanden hat, ich habe keine Ahnung.

Nessi hatte mal kurz eine SMS geschrieben, dass sie ihn gesehen hat. Er war sehr, sehr betrunken, konnte gar nicht laufen.

Was auch immer komisch ist, ab und an meldet sie sich dann doch. Meist allerdings per SMS. Es ist ja bekannt, dass ich keine SMS-Schreiberin bin. Vielleicht deswegen…

Man kann Frauen halt nicht verstehen.

Detlef hat mich natürlich auch ein paar Mal deswegen kontaktiert. Das er so gar nicht verstehen kann, dass ich mich nicht um das Miststück kümmere. Er hätte das doch gedacht. Was hätte ich denn tun sollen? Er hatte dann auch noch eine Neuigkeit zu erzählen, er wurde von einer unbekannten, jungen Frau angerufen, die mit ihm auch noch geflirtet hat. Diese hat wohl ein Handy vom Miststück geschenkt bekommen / gekauft, was auch immer, die Nummer stand noch im Telefonspeicher. Ob ich diese denn kenne. Ich wusste so ungefähr, wer die Mutter der Dame ist, auch wenn ich sie nur aus den Erzählungen des Miststücks kenne. Er sprach immer von der Nymphomanin. Hat auch nie verstanden, dass ich immer sagte, Nymphomanie ist für mich kein erstrebenswertes Ziel, ich bin lieber befriedigt.

Sicher wird sich jeder wundern, dass ER sich nun so gar nicht mehr bei mir meldet. Aber wahrscheinlich hat er es dann doch kapiert, ich habe es ja mehrfach gesagt, ich will dieses ganze Gesaufe etc. nicht (mehr). Auch wenn er es nicht versteht, wie es viele nicht verstehen.

Für mich war schon immer eines klar: Sicher ich hätte nie gedacht, dass ich das Miststück noch einmal wieder sehe. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich noch mal die Chance haben würde, in seinen Armen zu liegen. Nachdem wir beide verheiratet waren, er dann nach der Scheidung nach Bayern ging, wer hätte das gedacht. Ich will die Zeit nicht missen. Es war auch eine schöne Zeit. Mir war aber immer klar, das war es mir schon früher, es wird nie dauerhaft sein. Heute liegt es nicht nur an ihm, auch an mir. Aber eines steht halt fest, das Miststück hat eine Fähigkeit, die vielleicht sogar gut ist, wer will das schon beurteilen, er wird jede Situation so annehmen, wie sie ist. Er wird sich nie widersetzen. Man bezeichnet es auch als labil. In manchen Situationen ist es sicher Einsicht in die Notwendigkeit, Realitätssinn haben.

Was ich damit sagen will, er hat sich mit der Obdachlosigkeit, dem Wohnheim abgefunden. Er wird selbst dagegen nichts unternehmen. Ob er es überhaupt kann, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Sollte nicht jemand ihn an die Hand nehmen und alles erledigen, wird sich nichts ändern. Das war im Großen und Ganzen schon immer so. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es wieder eine Frau gibt. Er hat irgendwas von einer ehemaligen Schulfreundin erzählt, die auch Alkoholikerin ist. Vielleicht ist es auch die Nymphomanin. Oder was auch immer. Es würde so einiges dafür sprechen. Warum sollte ich das denn ändern? Wenn es denn eine Frau in seinem Leben gibt, die das so mitmacht oder die vllt. willens und fähig ist, was daran zu ändern? Wer weiß es?! Und wenn eine Frau da ist, dann ist ganz klar, dann muss er sich gar nicht mehr bei mir melden, dann will er das nicht mehr, dann hat er sich damit abgefunden. So einfach ist das dann auch wieder.

Für mich kann das ja eigentlich gut sein. Ich wollte das ja schließlich nicht. Es gibt immer so Tage, da denke ich aber ganz anders. Samstags beispielsweise. Hier war früher samstags viel los. Das Miststück war da, Nessi. Als das Miststück noch in Bayern war, war nur Nessi hier. Bevor ich Nessi kannte, war ich meistens bei Dany. Oder sie bei mir. Und davor war ich ja auch mal verheiratet. Zwar war mein Mann nie da, er hatte ja schließlich immer diverse Verpflichtungen und Frauen, aber man konnte sich doch immerhin einreden, man ist ja immerhin verheiratet, demzufolge nicht allein.

Jetzt klingelt das Telefon manchmal tagelang nicht. Es gibt keine SMS, von niemandem. Auch wenn ich die des Miststücks eh nie beantwortete, kamen sie doch. Jetzt ist es still hier.

Ich behaupte immer von mir, ich bin gerne Single. Das stimmt auch weitestgehend. Am Singledasein gibt es ein paar Vorteile, man ist niemandem Rechenschaft schuldig, man kann tun oder lassen was man will oder nicht will. So wie man die Wohnung aussehen lässt, so sieht sie aus. Wenn man was macht, dann okay, wenn nicht, bleibt es halt. Geht man weg, ist es okay, bleibt man im Bett, ist es auch okay. Guckt man lange TV, ist es egal. Es stört niemanden.

Aber wenn das Telefon tagelang nicht klingelt, gefällt es einem auch nicht. Wenn einem bewusst wird, dass es eigentlich so niemandem interessiert, wie es einem geht oder nicht geht. Wenn man niemanden hat, den man mal anrufen kann, dann hinterfragt man so manches. Natürlich telefoniere ich ab und zu mit Dany, auch mein Vater meldet sich mal, Paulchen. Ich telefoniere ab und an auch mal mit der Truppe, mit der ich ab und an mal in die Kneipe gehe. So einmal im Monat. Wobei es letzten Monat ausgefallen ist, und ob wir uns wieder zusammen finden, wird sich zeigen. Auch Beate (Holland) war ja irgendwann mal hier. Das war auch eigenartig. Sie hat mit mir Wein getrunken, an dem Tag stand mein Handy nicht still, ich war sehr gefragt. Das mit dem Miststück war noch neu, Nessi meldete sich, Detlef. Man hätte den Eindruck bekommen können, ich bin sehr gefragt. Naja… Aber Beate verschwand dann recht schnell. Es hat ihr irgendwas nicht gepasst. Vielleicht war meine Wohnung nicht genug aufgeräumt. Sie hat sich überhaupt gefragt, ob ich hier den ganzen Tag verbringe und was ich denn so mache. Es ist alles so klein hier. Sie haben ja ein Riesengrundstück und jede Menge Arbeit. Ich fragte mich immer, wenn ich bei den Holländern war, ob mir das gefallen würde, die nicht enden wollende Arbeit, das spartanische Leben. Mir war klar, dass sie sich nicht wieder meldet. Ich wusste es schon, als sie ging, obwohl sie ihren Schal hier vergessen hat, der noch hier liegt.

Ronald hat sich dann auch mal gemeldet. Er würde doch gerne mal vorbei kommen. Im Prinzip habe ich da gar keine Einwände, auch wenn ich bezweifle, dass ihm das nach meiner körperlichen Veränderung, ich habe doch sehr zugelegt, gefällt. Aber das muss geplant, so von jetzt auf gleich, klappt das überhaupt nicht. Da bin ich gerade nicht in der Stimmung auf Besuch, es ist nicht gerade aufgeräumt….

Psychologen werden jetzt sagen, das klingt nach einer depressiven Phase. Phlegmatisch, kann sich zu nichts aufraffen. Da ist auch was dran. Es ist einfach so. Ich bin nur noch genervt, das was gerade passiert, will ich auf keinen Fall, das was nicht passiert, will ich. Ich habe heute schon zu Dany gesagt, die es so ähnlich empfindet, wenn ich auch mit ihr darüber nicht wirklich reden kann, wir sind schon schwierig.

Es gibt einfach nichts für was sich das Aufstehen wirklich lohnt. Mit dem Jobangeboten – da hat man sich abgefunden, da wird wohl nicht wirklich was Gutes kommen. Würde ich Lotto spielen, im Lotto gewinnen, wüsste ich, ich würde Fett absaugen lassen und dann eine Weltreise unternehmen. Auch dazu wird es nicht kommen. Ansonsten weiß ich gar nicht, was schön ist. Ich will nicht jammern, ich weiß es wirklich nicht.

Ich werde Oma. Das ist schön. Aber auch da fehlt mir gleich das fehlende Geld ein. Was könnte man machen, wenn. Irgendwann, und das ist genau der Punkt, wird es mir gehen wie dem Miststück, das ganze Kartenhaus wird zusammen brechen. Paulchen geht es ganz gut. Sie freuen sich auf die Kleine. Ich will gar nicht behaupten, dass wir früher wussten, was wir taten. Wir wussten es auch nicht. Was man alles braucht, was alles kostet. Nein, wir wussten es auch nicht. Es hat sich irgendwie geregelt. Es waren meine Eltern da, die Eltern meines Mannes, meine Oma. Und bei Paulchen? Seinen Vater, dazu muss ich nicht viel sagen, das Thema könnte ein Roman werden. Meine Mutter hat mit sich zu tun, das wäre Roman Teil 2. Mein Vater hilft, wo er kann. Wenn er mal nicht mehr kann, was ist eigentlich dann? Dann – siehe Miststück. Die „Schwiegereltern“ meines Sohnes sind wie mein Ex-Mann. Zu seiner anderen Oma, die Mutter meines Ex-Mannes, hat Paulchen keinen Kontakt mehr. Das könnte dann der 3. Teil des Romans werden.

Leider glaube ich nicht daran, dass sich alles schon finden wird. Das muss es nämlich nicht. Dass es vielen so geht, das es vielen schlechter geht, ist kein Trost. Das sollte man zwar bedenken, aber trösten wird es nicht. Für Menschen mit einem tiefen Glauben, die bewundere ich oft, ist das vielleicht ein Trost.

Was tröstet einen?

Manchmal denke ich, raffe dich auf, suche dir einen Liebhaber/ eine Liebhaberin. Das würde mir sogar gefallen. Momentan wäre mir mal nach einer Frau. Aber die wird hier auch nicht klingeln? Da haben wir dann schon wieder das Dilemma. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wo lernt man schon jemanden kennen, wenn man eigentlich nicht raus geht? In meinem Alter ist das mit dem Kennen Lernen auch nicht mehr so einfach. Und Frauen, die hier bisexuell sind, wer outet sich schon. Ich würde das auch nicht tun. Ich mag dieses Wort nicht mal. Mit Männern ist das gar nicht so einfach, mir schwirrt das Miststück noch zu sehr im Kopf rum. Der Sex war nicht immer so berauschend, ich hatte schon besseren. Animalische Anziehungskraft war es dann auf jeden Fall. Natürlich gibt es immer noch das Neuland. Da soll das ja möglich sein. Die Holländer kenne ich ja auch daher. Aber da müsste man Termine machen, da haben wir das Dilemma schon wieder.

Ich denke viel über Beziehungen nach. Wie sollte sie dann aussehen? Es ist wirklich so, ich hatte nie den Gedanken, dass das Miststück und ich bis ins hohe Alter zusammen sind. Ich wusste immer, dass ich das gar nicht könnte. Ich bin auch kompliziert, brauche meine Freiheit, brauche meinen Freiraum. Will mal allein sein. Usw. Irgendwann würde sich das Miststück anderen Dingen widmen.

Wer will schon bis ins hohe Alter allein sein? Aber was ist der Preis für eine Bindung? Muss man da doch Kompromisse eingehen! Und wie stellt man das an?

Es ist nicht so ganz einfach. Ich werde darauf auch heute keine Antwort finden, wie es für mich weitergehen soll. Was ich will. Vor allem was ich kann. Die Frage zu stellen, was man hätte anders machen können, die stellt man sich zwar ab und zu, aber darauf findet man nie eine Antwort. Die gibt es auch nicht.

Fakt ist aber, man muss sich aufraffen. Daran muss ich arbeiten. Ob ich nun die Chance auf den guten Job habe oder nicht, ob ich mich mit der Situation abfinde, wie sie ist, finanziell und ohne Job, ob ich mir einen Liebhaber oder Liebhaberin suchen werde oder vielleicht doch mal darüber nachdenke, ob es nicht mal was Festes sein sollte. Ich weiß es nicht wirklich. Ich weiß nur eines, so dürfte es nicht weiter gehen. Irgendwas sollte passieren, dass ich mich aus dem Tief befreie. Es wird auch niemand anders tun. Ich war da sicher schon ein bis zwei Mal drin, aber so aussichtslos empfand ich es halt nie. Es ist schon deshalb wichtig, weil Aufraffen auch bedeutet, dass es mir gesundheitlich besser geht. Der Blutdruck besser wird. Eine Gewichtsreduzierung wäre nicht schlecht. Denn wenn es so weitergeht, werde ich auf meiner Couch noch jahrelang sitzen. Das ist kein erstrebenswertes Ziel. Und irgendwann kann man dann nicht mehr aufstehen…

Es tat mal gut, das genauso und nur für mich zu formulieren. Ich würde nie darüber sprechen, mit wem auch. Wer würde es auch verstehen?! Wer würde es auch so direkt formulieren?!.....

Meine Beschäftigung im Hort, das nur am Rande, hat sich erledigt. Das war auch gut so. Denn auch diese trug zu alldem hier bei.

 

 

18.05.2013 um 02:48 Uhr

Morgen?

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Heute war wieder so ein Tag, an dem ich echt genervt war/bin. Mein Vater erschien und wollte eine Unterschrift zur Kontovollmacht, falls er mal nicht verfügbar ist. Das sind Gedankengänge, die Frau lieber nicht hat. Paulchen wollte einen Lebenslauf. Es gab dann hier noch einen. Ansonsten ist in L alles beim Alten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich hatte heute Besuch von meinem ehemaligen Nachbarn, Detlef. Er hat sich ein neues Handy gekauft, und da ich schon Smartphone-Erfahrung habe, hatte er ein paar Fragen. Außerdem war er hier einkaufen. Jedenfalls fragte er nach dem Miststück. Der „wohnt“ ja immer noch im Wohnheim für Männer. Ich habe mir das heute von weitem mal angesehen, es war gerade Tafel-Ausgabe, viele Menschen. Das Miststück war nicht zu sehen. Und ob ich ihn sehen wollte, war mir auch nicht wirklich klar. Jedenfalls geht es ihm nicht so gut. Er trinkt mal wieder nicht, zwangsweise, denn er hat kein Geld. Deswegen hat er natürlich auch kein Geld für Tabak, Telefon (er telefoniert nicht mehr, schreibt nur SMS, das ist preiswerter im Tarif). Und Lebensmittel fehlen natürlich auch. Selbst im Obdachlosenheim kostet das Essen - 1 Euro. Wenn man kein Geld hat, hat man auch keinen Euro.

Ich hatte ihm gestern schon am Telefon gesagt, dann soll er mit der Leiterin mal sprechen. Das sind doch Sozialarbeiter, es ist deren Job zu helfen. Natürlich war deren erster Gedanke, dann soll er zum Sozialamt bzw. Jobcenter gehen. Einen Vorschuss gibt es aber aus nahe liegenden Gründen nicht. Wäre ungerecht allen anderen gegenüber, außerdem fehlt es dann ja in nächsten Monat. Und Tabak gehört sowieso nicht zum Bedarf, der in der Regelleistung enthalten ist. Die Dame hat ihm dann gestattet, dass er ab nächster Woche wieder mit essen kann. Die Kosten muss er dann im nächsten Monat erstatten. Am Ende der nächsten Woche kann er sich auch was von der Tafel holen. Es gibt im Wohnheim ja nur Mittagessen, am Wochenende wird gar nicht gekocht.

Und schon gestern meinte er, er würde dann am Samstag mal vorbei kommen, damit er mal was essen kann. Sein Rasierzeug liegt ja auch noch hier.

Das ist alles ganz selbstverständlich. Schließlich wird Frau doch Mitleid haben.

Den ganzen Tag drückte er dann in den SMS auf die Tränendrüse, wenigstens etwas Tabak möchte er, er hatte heute auch nichts zu essen, nur Obst. Heute galt das Angebot wohl noch nicht. Ein Kaffee wäre auch mal schön. Er bleibt doch nur kurz.

Genau das bezweifle ich stark. Schließlich ist Montag auch noch Feiertag.

Der gute Detlef redete mir dann auch noch ein schlechtes Gewissen ein. Man muss ihm doch helfen, so tief im Schlamassel hat er doch noch nie gesteckt. Man möchte doch, dass Einem auch jemand hilft, wenn es Einem mal selbst so geht.

Die Frage ist nur, wenn man selbst in der Situation  ist, wer hilft dann. Das Miststück doch bestimmt nicht. Klar Detlef hat noch einen Lebensgefährten, er hat auch noch gute Bekannte, die wohl gut situiert sind.

Wie oft hab ich nicht schon geholfen?! Im vergangenen Monat war er noch nicht obdachlos, aber das Geld war Mitte des Monats auch alle. Wie ging das nur vorher? Vorher war da noch seine Mutter, und wenn er hier „gewohnt“ hat, gab es auch was auf den Teller. Schließlich ließ ich ihn nicht zugucken, zumal essen für Alkoholiker sehr wichtig ist. Geld hab ich selten gesehen, in der entsprechenden Größenordnung nie.

Ich habe da echt die Nase voll. Weil ich das alles schon 100 Mal erlebt habe. Zum Anderen gebe ich auch gerne zu, das Geld, wenn ich was zu verschenken hätte/habe, dann mein Sohn bekommt. Die sind jung, die brauchen das Geld für Wohnung, Kind und Kegel. Paulchen hat jetzt auch schon festgestellt, wie teuer eigentlich Kinderwagen und Kinderbetten sind. So hat er das nie gedacht.

Das schlechte Gewissen hab ich mir gut einreden lassen. Habe das Miststück angerufen, Detlef würde sich ja auch mit 10 - 15 Euro beteiligen. Vllt. dann morgen. Eine wirkliche Zusage habe ich nicht gegeben.

Dann ruft mich doch Detlef an, er hätte gerade mit dem Miststück telefoniert, und ist nun stinksauer. Er könne ihn mal am A…. lecken. Er hätte doch nur gesagt, ob er dann zwischenzeitlich bei der Beratung des Jobcenters war wegen eines Zimmers. Die hätten dort ganz bestimmt sofort ein Zimmer. Er kennt den Herrn und ob er denn endlich rasiert ist. Schließlich wäre der Rasierer bei mir nur eine Ausrede etc. Das Ende vom Lied: Die haben sich angezofft. Das Miststück hat aufgelegt. Von Mitleid und die Hälfte dazugeben, ist nun keine Rede mehr.

Wer da nun was im Einzelnen gemacht hat, ist uninteressant. Das Resultat zählt. Außerdem heißt es so schön: Niedrig schwellige Angebote, man muss die Betroffenen da abholen, wo sie sind. Da mein guter Nachbar ja Akademiker ist, darauf legt er ja größten Wert und so gebildet, müsste er das eigentlich wissen. Es nützt gar nichts, alten Kaffee auf zu wärmen.

Das Miststück selbst hat das so verbissen sicher nicht gesehen. Ich bekam dann eine SMS, wenn er dann morgen zu mir kommt und Detlef da ist, könnte der ja was für ihn mitbringen.

Wieso bekomm ich die SMS? Zumal ich seine SMS ohnehin schon seit mehr als einem halben Jahr nicht beantworte, ich telefoniere lieber und habe kein SMS-Paket mehr. Kann man die SMS dann nicht gleich zu Detlef schicken?

Das ist so typisch für das Miststück, irgendwer wird es schon regeln. ER ist ja so beliebt, da wird sich jemand finden. Dass sich keiner findet, ist ihm immer noch nicht klar. Dass alle die Verflossenen, zu denen er noch vor Wochen Kontakt hatte, denen er Tabak, Telefone, Schmuck etc schenkte, sich nicht dafür interessieren, kapiert er nicht wirklich.

Heute hat er dann Nessi gesehen, bei ihr eine Zigarette geschlaucht. Eigentlich könnte die ihm ja immer mal was eine Suppe oder so bringen, schließlich wohnt sie in der Nähe. Ob sie das kann, weiß ich nicht, ob sie das will, bezweifle ich. Er hätte sie halt fragen müssen. Ich werde es nicht tun, zumal, das weiß er nicht, ich mir fest vorgenommen habe, Nessi nicht mehr zu behelligen. Wir hatten immer mal sporadisch Kontakt, manchmal war es telefonisch wie in alten Zeiten. Sehr häufig ging die Kontaktaufnahme von mir aus, aber ich hatte immer den Eindruck, es war hier nicht unangenehm, im Gegenteil. Es gab sogar mal die Aussage, hätte sie in dem Moment nicht getrunken, würde sie sofort vorbei kommen, aber sie konnte ja nicht fahren. Seit einiger Zeit ist wieder alles still, mir drängt sich der Eindruck auf, dass sie bei ihrer Freundin war, die ihr dann gesagt hat, sie solle es lassen, schließlich weiß sie, wo das hin führt. Ich nutze sie aus usw. Das kenne ich alles. Ich habe für diese These keine Beweise. Fakt ist aber, dass immer sehr abrupt wieder der Kontakt abgebrochen wird, meistens wenn sie irgendwo war (sie sagt nicht wo, weiß auch, was ich von der Dame halte). Wenn sie das so sieht, dann muss sie es halt so sehen. So einfach ist das. Natürlich stört mich das, macht mich das traurig. Ich werde es aber überleben.

Die ehemalige Nachbarin des Miststücks habe ich auch angerufen Mich hat einfach mal interessiert, ob der Bruder nun die Wohnung vollständig ausgeräumt hat. Davon war nichts bekannt, der Sperrmüll steht aber immer noch auf der Straße. Also die zerkloppten Möbel etc. Der Bruder hat dem Miststück ja Klamotten ins Wohnheim gebracht, aber nicht alles. Was mit dem Rest ist, weiß niemand. Er sollte ja irgendwo untergestellt werden, entweder bei mir, bei Rosi, bei Undine. Aber er hat wohl mit niemandem Kontakt aufgenommen. Sind die Sachen nun auf dem Sperrmüll gelandet?

Was die Undine betrifft, die hat sich beim Miststück nicht gemeldet. Die ganze Geschichte mit dem Treppensturz war ja schon sehr suspekt, keiner glaubt daran. Das Fahrrad, das er dort stehen ließ, ist übrigens verschwunden.

Ist vielleicht ein Beweis für meine These, dass da etwas nicht stimmt. Allerdings, wenn er denn morgen bei mir ist, kann er ja dort mal vorbei fahren. Meint er. Mit der Nachbarin kann er denn auch Kontakt aufnehmen, die könne ihm ja Essen vorbei bringen. Wenn sie denn aus dem Restaurant was mitbringt, hat sie ja früher auch gemacht.

Das setzt man so voraus. Ob die das auch so voraus setzen, hat sich für mich ganz anders angehört. Was weiß ich schon?! Schließlich ist man beliebt.

Was den Alkohol betrifft, so nehmen wir mal wieder Tabletten. Nächste Woche geht Mann dann ganz bestimmt zum Arzt. Im nächsten Monat wird nicht mehr getrunken, Schulden bezahlt und jede Menge Tabak gekauft. Ja, ja….

Für mich stellt sich nun die Frage: Was mache ich morgen?

Die Leiterin des Obdachlosenheimes kenne ich übrigens, was es mir nicht einfacher macht. Bis sie mich vor Monaten mal mit dem Miststück bei Penny sah, grüßten wir uns auch. Sie war früher in der Drogenberatung tätig, kennt daher Paulchen. Sie ist Erzieherin, wohnt hier gegenüber, der Lebensgefährte ist Pfleger im psychiatrischen Krankenhaus. Sie kennt sich also ganz gut mit der Thematik aus und hat auch keine Hemmschwelle.

 

 

10.05.2013 um 00:40 Uhr

Obdachlos

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich dachte, ob du das könntest? Könntest Du in einer solchen Situation die Tür weisen?

Ich kann mich gut erinnern, als Dany ihren damaligen Freund die Tür wies. Es war ungefähr die gleiche Situation wie beim Miststück. Er war auch alkoholkrank, unbelehrbar. Sie schmiss ihn raus, und es war vorbei. Er wusste nicht wohin, egal. Bei ihr kam er nicht mehr rein. Als Sozialarbeiter anriefen, lehnte sie ab. Das Thema war für sie erledigt. Ich bewunderte das fast. Kann man das so einfach?

Nie soll man nie sagen. Nie weiß man, was einen noch so erwartet. Wer denkt, dass passiert mir nicht, muss vielleicht irgendwann man einsehen, es passiert doch. Unglück haben doch nur die Anderen. Krankheit trifft nur die Anderen.

Das ist vermessen und betrifft doch uns alle.

Ich weiß nicht, aber wir leben in einer Gesellschaft, in der es den Meisten relativ egal ist, wie es Anderen geht. Solange es einen nicht selbst betrifft, ist das egal.

Oft hört man, das kann man doch nicht tun. Das können DIE doch nicht tun. Da wird Familien mit Kindern der Strom abgestellt, egal. Das Wasser, egal. Ja, es ist traurig, aber was will man machen, schließlich haben die doch nicht bezahlt. Die Versorgungsunternehmen müssen doch im Interesse der zahlenden Kunden handeln. Es kann einem natürlich nicht passieren, dass man selbst mal in die Lage kommt, nicht zahlen zu können.

Es geht schneller als man denkt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Das Miststück ist jetzt obdachlos.

Letzte Woche nächtigte er noch bei irgendeinem Kumpel, betrank sich, es war egal, was der Bruder zwischenzeitlich in der Wohnung trieb. Er räumte den Rest raus. Tags darauf, das Miststück hat sich mehrfach bei der Polizei erkundigt, ob er denn seinen Bruder in die Wohnung lassen muss. Natürlich muss er nicht. So handelte er am Freitag dann wohl auch. Er ließ ihn vor der Tür, der Bruder holte einen Schlüsseldienst, die Polizei. Es wurde das Schloss gewechselt. Ihm wurde die Tür gewiesen, er musste die alten Schlüssel abgeben. Die anderen Mieter wurden informiert, dass er nicht mehr ins Haus darf. Klar sagte die Polizei: „Das dürfen Sie eigentlich nicht. Wenn die Wohnung erst zum 31. Mai gekündigt ist, können Sie Ihren Brüder nicht heute schon aus der Wohnung werden.“ Das war es dann auch. Er macht das trotzdem und gut.

Aus der Sicht des Bruders ist das auch nachvollziehbar. Das Miststück hat auf Zeit gespielt und nicht unternommen. Sie haben sich gegenseitig darin übertroffen, das Mobiliar unter die Leute zu bringen oder wegzuwerfen. Was der Eine nicht kaputt machte, machte halt der Andere. Die Wohnung ist nun wahrscheinlich geräumt, alles, aber auch alles steht auf dem Sperrmüll. Um viele der Möbelstücke ist es wirklich schade. Es haben sich keine neuen Nutzer gefunden bzw. hat das Miststück denn das eine oder andere Stück noch zerstört, damit es sein Bruder nicht bekommen konnte.

Er stand auf der Straße. Es war ihm wohl gar nicht bewusst, was dort passierte. Er sagte am Wochenende zu mir, irgendwann würde es sein Bruder schon bedauern, da würde die Einsicht schon kommen. Warum? Ich habe da meine Zweifel.

An diesem bewussten Freitag telefonierten wir zwar, aber ich ließ ihm klar wissen, ich habe keine Lust, ihn rein zu lassen. Und natürlich hatte er getrunken, mehr als genug. War er die Woche davor nicht trocken? Bestand nicht da die feste Absicht, nie mehr Alkohol? Er hätte noch so viel zu tun und möchte sich nicht mehr selbst „einschließen“.

Er nächtigte diese Nacht dann wieder bei einem Kumpel, der mir nicht bekannt ist. Im gleichen Hause wohnt auch die Dame, die ich zu seinem Geburtstag kennen lernte.

Am Samstag rief mich dann mein ehemaliger Nachbar an. Da er schwul ist, nenne ich ihn dem Klischee entsprechend mal Detlef. Er hat das Miststück gesehen, der sähe furchtbar aus. Er hat ganz  viele Wunden auf dem Kopf, die auch ärztlich versorgt wurden, die noch bluten. Er kann kaum laufen. Er sieht aus, als ob ihn jemand jämmerlich verprügelt hätte. Das bestritt er aber.

Wie dem auch sei. Ich rief ihn an, er kam vorbei und war das Wochenende hier. Er sah wirklich so aus, als ob er jämmerlich verprügelt wurde. Er hatte, ich bin kein Mediziner, bestimmt eine Gehirnerschütterung. Er hatte Schmerzen. Überall am Kopf, auf dem Kopf, an den Händen  Risswunden (?), von einem Sturz mit dem Fahrrad Wunden am Knie- Es war ihm schlecht, Schmerzen am Halswirbel.

Er sei bei dem Kumpel die Steintreppe runter gefallen. Das hat ihm der Arzt wohl nicht wirklich geglaubt, Detlef und ich auch nicht. Die Dame rief an, sie bestätigte dann, dass er wohl eine Steintreppe runter gefallen sei. Das war nachts, gegen morgen bekamen der Kumpel und sie das mit und riefen den Notarzt. Im Krankenhaus bleiben wollte das Miststück natürlich nicht!

Noch einmal könne er aber bei dem Kumpel nicht übernachten.

Am Montag musste ich zur Arbeit. Und er musste gehen. Ich habe ihm nicht erlaubt, hier zu bleiben. Er hat auch nicht gefragt, ging wohl aber davon aus, dass ich es ihm nicht verwehren würde. Meine Gründe dafür habe ich. Detlef hat sogar gesagt (sicher nur zu mir), ich müsse mich nicht rechtfertigen. Das ist Selbstschutz. Ich hätte auch genug für ihn getan.

Es gibt hier in der Nähe ein so genanntes Nachbarschaftszentrum. Dort kann man sich u. a. in Notlagen beraten lassen. Dort war das Miststück, denn ich hatte die Telefonnummer auf meinem Display und dort zurück gerufen. Die Dame, ich erreichte sie erst am Dienstag, wollte wissen, ob ich eine Bleibe für das Miststück habe. Ansonsten bliebe nur das Obdachlosenheim (Wolfgangsstift).

Dort ist er nun. Am Dienstag hat er sich polizeilich umgemeldet, Detlef hat ihn zufällig in der Stadt getroffen. Auch Nessi hat ihn gesehen, denn in der Nähe ist der Friseur, bei dem Nessi nebenbei arbeitet. Wir haben telefoniert. Es geht ihm nicht gut. Sein Bruder (!) hat ihm Klamotten gebracht. Er möchte, dass ich ihn besuche oder umgedreht. Ich lehne beides ab. Endstation?

Heute hat er mir gesagt, er möchte unbedingt zum Entzug. Man staune. Er hat sogar Polizei, Notruf und die Station angerufen, aber niemand wollte ihn dort hinbringen. Warum auch? Das sind ja keine Taxiunternehmen. Das Geld ist alle, man ahnte es. Am Ende des Geldes ist soviel Monat über, das kennen wir ja (fast) alle.

Es ist traurig. Mir ist das nicht einerlei. Aber was hätte ich machen sollen? Wenn ich darüber nachdenke, dass es wahrscheinlich gar keine Lösung gibt, weil das Geld für Wohnung, Kaution, Möbel gar nicht zur Verfügung steht, wird mir angst und bange.

Ist ihm die Situation nun bewusst? Nun ja, er versteht auf jeden Fall nicht, dass ich ihm nicht mehr geholfen habe. Ich war nicht bereit, ihn auf zu suchen, nicht bereit ihn auf zu nehmen. Das waren seine Worte, wenn auch nicht zu mir.

Und wenn man es wörtlich nimmt, hat er ja Recht.

Am Dienstag hatte ich dann unverhofften Besuch. Bea, meine holländische Bekannte, rief an und kam auf ein Glas Wein vorbei. Sie verabschiedete sich aber schnell wieder. Weswegen darüber kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Sie hat einen Teil dieser ganzen Telefonate, mit Nessi, mit Detlef mit bekommen. Ich habe ihr dann den Sachverhalt erklärt. Im Übrigen kann sie gar nicht nachvollziehen, wie ich hier in der kleinen Wohnung lebe, was ich dort den ganzen Tag mache. Das wäre ihr nichts.

Ich bin gespannt, ob ich wieder von ihr höre.

Als Randnotiz: Mein Blutdruck war trotz Medikamente zu hoch. Ich war beim Arzt wegen der Befunde der Darmspiegelung. Diese haben dann eine Entzündung ergeben, das wusste ich ja schon. Ich erhielt einen Krankenschein. Es wurde noch eine Untersuchung vorgenommen, den Befund gibt es dann nächste Woche. Die Maßnahme des Jobcenters wurde beendet, da ich ja länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bin. Ich war 1,5 Tage auf „Arbeit“ und bin nicht böse darüber, dass es vorbei ist. Das Geld hätte ich allerdings gut gebrauchen können. Mein Staubsauger gab den Geist auf, das Miststück hat erst einen entsorgt. Aber ob das wenige Geld den Aufwand, die Nerven rechtfertigen würde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Außerdem erfuhr ich aus der Zeitung, dass die Kirche geschlossen sei. Man hat anscheinend niemanden gefunden, der es machen wollte. Ich sollte ja bekanntlich nicht! Den Verantwortlichen Kirchenvorstand traf ich dann zufällig vor dem Hort, der mir das bestätigte, aber zwischenzeitlich sei alles in Sack und Tüten. Ich stand ja leider nicht zur Verfügung. Kann man so sehen!

Weiterhin: Das Miststück war natürlich nicht beim Anwalt wegen seines Bruders. 

 

 

27.04.2013 um 00:44 Uhr

Koloskopie usw.

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es regnet mal wieder. Macht aber nichts weiter, ist ein guter Grund, um morgen im Bett zu bleiben, oder so.

Viel passiert ist in den letzten Tagen. Und wenn ich meinen Vater zitieren darf, es gibt immer was Neues, nur nichts Gescheites.

Klingt sehr deprimierend, allerdings fällt mir wenig ein, was ich dagegen halten könnte. Ich jammere zwar selten (außer hier), das liegt mir nicht. Es bringt auch nichts. Meine Ärztin sagte zwar, sie müssen schon mal raus mit der Sprache, es nützt nichts, wenn sie immer alles in sich hineinfressen und behaupten, alles okay. Ein bissel mehr Information braucht sie schon. Anderseits kann man sich die Frage stellen, was nützt es, wenn sie die Informationen hat? 

Ich bin also immer noch krank. Es war auch nicht unbedingt meine Absicht, dies so schnell zu ändern. Ob es sich in der nächsten Woche ändert, werden wir sehen.

Das Thema ist aber nicht unbedingt Gesundheit, was mich antreibt. Auch wenn es, und das finde ich ganz schlimm, ein allgegenwärtiges Thema ist. Das Schlimme daran ist, dass ich mit damit natürlich nicht auseinandersetzen will. Aus mehreren Gründen. 

Ich bin recht intuitiv. Wenn man sich in irgendwelchen Talkshows die Frage stellt, ob ein Zwilling merkt, dass es dem anderen nicht gut geht, ob das wissenschaftlich begründet ist, ja möglich ist, dann  kann ich eindeutig sagen, es ist möglich. Ich bin zwar kein Zwilling, habe aber schon mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass man es merkt, wenn irgendwas nicht stimmt.

Die Bayern, die das Miststück besuchten, sind seit einiger Zeit wieder in Bayern. Sie waren ca. eine Woche hier. Das heißt eine Woche Besäufnis. Ich war in dieser Zeit nicht beim Miststück, was sollte ich auch drei Leuten beim Saufen zugucken? Ich habe nichts gegen Alkohol, ab und zu gerne mal. Meine speziellen Getränke. Nachdem die Bayern weg waren, war das Geld vom Miststück alle. Der Monat hatte noch 14 Tage. Er hatte eine gute Erklärung dafür, er hätte Geld irgendwo versteckt, findet es aber nicht wieder. Vielleicht haben es ja die Bayern gefunden und mitgenommen. Ich glaube allerdings, es ist einfach alle. Jedenfalls fehlt nun Geld, Geld für Schnaps, Tabak, Telefonkarten, Lebensmittel. Vorräte sind auch keine mehr vorhanden. Seine Lösung war, ich rufe meinen Bruder an. Der war natürlich wenig begeistert, hat ihm klipp und klar erklärt, von mir keinen Cent. Kann man verstehen, anderseits kann man sich fragen, was macht man denn nun. Lässt man seinen Bruder verhungern? So hatte ich Anfang der vorletzten Woche schon ein paar Sachen eingekauft und das Miststück hat sie sich dann geholt. Aber wie nun weiter? Das reicht nicht ewig. Schnaps war ohnehin nicht dabei. Ich bin auch nicht in der Lage, ihn durchzufüttern. Will es auch nicht mehr, ich kenne die Situation schon. Seine Nachbarin hat auch etwas ausgeholfen.

Also was macht das Miststück nun? Er hat erst mal aufgehört zu trinken, mehr oder weniger. Zwangsweise. Das ist natürlich keine gute Idee, so ein kalter Entzug. Da kann allerhand passieren. Am Montag sah es dann noch ganz gut aus, er sah zwar schlecht aus, hatte eindeutige Entzugserscheinungen, aber alles in allem hatte es den Anschein, er steckt es ganz gut weg. 

Am Dienstag meldete er sich dann bei mir. Er bräuchte wieder Tabak. Ich könnte ihm doch mal eine große Dose Tabak mitbringen, schließlich könnte ich allerhand von ihm mitnehmen. Ich war wirklich sauer. Was bildet er sich ein? Erstens um das Mitnehmen ging es nie wirklich. Zweitens gibt es nicht mehr viel zum Mitnehmen, alles was einigermaßen Wert hatte, haben alle Anderen schon gratis abgeholt. Die sich überhaupt nicht drum kümmern, dass er jetzt kein Geld hat.

Soweit so gut. Ich habe es nicht getan, den folgenden Tag habe ich nichts von ihm gehört. Die Nacht miserabel geschlafen, das Gefühl, irgendwas ist passiert. 

So habe ich mich am Donnerstag auf den Weg gemacht.  Ich habe ein paar Lebensmittel und Tabak eingepackt und mich auf den Weg gemacht. Gegen Abend. Es öffnete niemand. Habe mehrfach geklingelt, niemand öffnete. Ja, was nun? Ich hörte Nachbarn von ihm, also habe ich bei seiner Nachbarin, die ich auch etwas kenne, geklingelt. Als mir geöffnet wurde, wurde mir gleich eröffnet, ER ist nicht da. Man hat ihn abgeholt.

Fakt ist, dass er „durchgedreht“ ist. Er ist durch das ganze Haus halb nackt gelaufen, hat überall geklingelt, erzählt, hat CDs, Zigarettenhülsen, Werkzeug etc. aus dem Fenster geworfen. Irgendjemand, aber nicht direkt aus dem Haus, hat dann den Notruf gewählt, und er wurde eingesammelt. 

Seine Nachbarin machte sich auch ein paar Sorgen. Dazu muss man sagen, dass sie auch Erfahrung mit Drogensucht hat (ihr Sohn), mit dem Miststück zur Schule gegangen ist und, was wahrscheinlich das wichtigste Argument, die beste regionale Bild-Ausgabe ist. Die Frau kennt jeden, weiß alles. Es ist erstaunlich. Es spielt also auch Neugier eine große Rolle. Fakt ist aber auch, dass sie ihm geholfen hat, ihm Essen, Tabak gebracht hat. Wir haben uns dann geeinigt, dass ich erst mal raus finde, wo er sich befindet und dann weiter sehen. Es müssten ja Klamotten in die Klinik gebracht werden, im Grunde kenne ich mich ja in der Wohnung aus. Habe dieses ja mehr als einmal gemacht.

Es stellte sich heraus, er ist in der psychiatrischen Klinik am Ort, auf der Aufnahmestation. Ich habe mit der Schwester telefoniert, Auskünfte durfte sie mir ja keine erteilen. Ich hätte mit ihm reden können, aber er schlief. Am nächsten Tag also, wenn er dann nicht nach Hause will. Mir war klar, er will. 

Am anderen Tag erreichte ich ihn dann. Er erzählte mir eine wüste Story: Es wäre irgendeine Sekte bei ihm in der Wohnung gewesen, die ihn umbringen wollte, eine seiner Exen war auch da. Die liegt auch irgendwo verletzt im Krankenhaus. Ich konnte ihm dann schon verdeutlichen, dass dies wohl alles nicht so war. Er wollte aber ungedingt nach Hause, schließlich wartet auch die Mutter. Dass die nicht mehr zu Hause ist, schon seit zwei Monaten, war ihm nicht klar. Er muss auch nach der Wohnung gucken usw. Er hat die Klinik also zu Fuß (3 bis 4 Kilometer werden es sein) verlassen, da ja nun klar war, Mutti kann das Taxi nicht bezahlen, ich wollte es nicht, war dann zwischenzeitlich auch selbst noch mal beim Arzt und vorübergehend nicht erreichbar.

Nachmittags habe ich ihn dann kurz aufgesucht, mit ihm und seiner Nachbarin Kaffee getrunken. Was wirklich genau passiert ist und wie, weiß er natürlich nicht. Die Nachbarin weiß es auch nur ungefähr, da sie selbst auf Arbeit war. Die Wohnung sah auch wüst aus, ist aber zwischenzeitlich wieder okay. 

Wie es weitergeht, wird er nicht sagen. Natürlich ist mal wieder die Rede davon, dass er aufhört zu trinken, es wenigstens steuern will, was ihm nicht gelingen wird. Ein kontrolliertes Trinken wird ihm nicht möglich sein.

Das Wochenende hat er bei mir verbracht. Er hat nicht getrunken, obwohl meine Wohnung nicht alkoholfrei ist. Was ich schon oft sagte, er ist sehr anstrengend. Es mag sein, dass ich das nur so empfinde, was aber an der Tatsache für mich wenig ändert. Ich bin dann wirklich froh, wenn er mal wieder weg ist, und ich sage das auch. Was für ihn ungewohnt und sicher nicht schön ist. 

Montag früh hat er dann die Wohnung verlassen. Ich musste zum Vorgespräch wegen der Darmspiegelung ins Krankenhaus. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich, sollte ich etwas Zeit haben, seine Mutter besuche, die ja in der Nähe in einem Pflegeheim liegt.

Das war auch nicht weiter schwer. Im Heim angekommen, stellte ich fest, dass im Flur Tafeln mit den Zimmernummern der Bewohner hängen. Eine Schwester wies mir dann auch die Richtung, machte aber die Bemerkung, wenn das Zimmer dann offen ist. Ich stellte tatsächlich fest, dass Zimmer war verschlossen. Eine Mitarbeiterin öffnete mir dann das Zimmer, sagte mir, dass Zimmer müsse immer verschlossen sein, da ein Sohn der Frau sie nicht besuchen dürfe. Deswegen müssen sich alle im Schwesternzimmer den Schlüssel holen. Das schockte mich doch sehr. Ich machte zwar noch die flapsige Bemerkung, dass ich nicht der Sohn bin, sie öffnete mir auch. Lange hielt ich mich nicht auf. Die Mutter schlief. Sie liegt, näher nachgefragt habe ich bei den Schwestern nicht, wohl immer noch im Wachkoma, öffnet zwar zeitweise die Augen, erzählt sich auch mal ein paar Worte. Ich hatte sie Anfang des Jahres mal gesehen, sie ist sehr gealtert (83). Ich kam mir vor wie  ein Eindringling. Durfte ich überhaupt rein? Die Mitarbeiterin verschloss die Tür wieder. 

Mein erster Impuls war, jetzt rufst den Bruder vom Miststück an und fragst ihn, was das soll. Ich ließ es. Es geht mich nichts an. Ich erzählte es ihm, als wir abends telefonierten, allerdings nicht.

Zwischenzeitlich weiß er es aber. Ich hatte ihm, als er mich neulich besuchte, erzählt, dass ich dort war und ihm auch ein Foto seiner Mutter gezeigt. Er rief aus einem anderen Grund seinen Bruder an, deswegen war er ja hier, er benutzte dazu mein Telefon, dieser sagte ihm dann, dass er nicht ins Pflegeheim darf. 

Ich weiß, dass es dazu viele Meinungen geben wird. Als ich mit Peti telefonierte, weil ich für die Darmspiegelung ja eine Abholung brauchte, erklärte sie mir, es ist doch ganz einfach, er schütze seine Mutter. Schließlich würde das Miststück, wenn er die Möglichkeit hätte, noch das Taschengeld der Mutter nehmen und versaufen. Das mag so sein. Allerdings besteht dazu gar nicht die Möglichkeit, da die Mutter ja gar kein Geld hat, sie ist gar nicht ansprechbar, könne ihrem Lieblingssohn, was das Miststück ja ist, gar kein Geld zustecken. Es mag tatsächlich ein Problem sein, dass Angehörige die letzten Cent noch abgreifen. Das soll vorkommen. Das ist sicher nicht in Ordnung. Aber anderseits wird es oft der Wunsch der Eltern sein, ihren Kindern, wenn diese in Notlagen sind, zu helfen. Auch das muss man verstehen.

Überhaupt ist das Ganze ein Problem. Kaum jemand hat im Grund eine Ahnung davon, wie viel ein Pflegeheim kostet. Das Miststück hat mir schon mehrfach erklärt, meine Mutter hat doch eine Rente von 1.300 Euro. Das reicht doch aber nicht! Auch seine Nachbarin sagte neulich zu mir, dass der Bruder ja das ganze Geld hat und die Rente und überhaupt. Das stimmt alles. Allerdings werden Rente und Pflegegeld nicht für den Pflegeplatz reichen, zumal er ja noch die Miete für die Wohnung zahlt, Strom etc. Es ist zwar alles gekündigt, aber Kündigungsfristen müssen ja eingehalten werden. Er hat die Verwaltung über das Geld übernommen, weil er als Betreuer bestellt ist. Ob ihm klar ist, was das bedeutet, mag man auch bezweifeln. Die Macht gegenüber seinem Bruder hat er aber damit.

Für mich ist es erschreckend, wie sich Geschwister, Angehörige über das so genannte Vermögen streiten. Das habe ich noch nie verstanden. Ich werde auch nicht versehen, dass ihm sein Bruder, den Zutritt zu der Mutter verwehrt, dass er die Macht dazu hat, kann ich auch nicht nach vollziehen. Es scheint doch relativ einfach zu sein. Leute unter Generalverdacht zu stellen, ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur hier zu beobachten ist. 

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Sicher hat das Miststück viel von seiner Mutter bekommen, sie hat es freiwillig gemacht. Sein Bruder hat genauso profitiert, der eine oder andere 50 Euro Schein ist auch dort gelandet. Mir geht es ähnlich. Mein Vater steckt mir auch das Eine oder Andere zu. Das sichert mir das Überleben. Ich weiß, es wird mir ähnlich gehen wie dem Miststück. Ich weiß aber auch, das Miststück wird mir kaum eine Hilfe in derartigen Situationen sein. Das hat sich schon mehrfach gezeigt. Ich habe aber die Hoffnung, den Glauben, dass es nicht so massiv sein wird, dass es irgendwen geben wird, der hilft. Wie auch immer.

Zu der Darmspiegelung war ich dann heute. Eine Abholung konnte ich für mich nicht organisieren. Ich habe es auch aufgegeben. Verheiratet zu sein, bedeutet ja, man hat jemanden, der einen in die Klinik fährt oder zurück. Es hat jemand sozusagen die moralische Verpflichtung dazu. Das scheint auch in noch so miesen Ehen zu funktionieren. Wenn man Single ist, ist das schwierig. Ich habe mir dann einen Betreuungsverein organisiert, der Krankenfahrten übernimmt. Ein Taxi hätte es auch getan, aber ging ich davon aus, ein Taxifahrer würde vllt. im Krankenhaus die nötige Unterschrift des „Angehörigen“ nicht leisten. Die Fahrt kostete 8 Euro. Die Abholung ist nötig, da die Koloskopie ja unter Narkose gemacht wird. Man ist danach nicht verkehrsfähig. (ob man generell nicht verkehrsfähig ist, müsste Mann/Frau probieren). 

Den histologischen Befund gibt es erst nächste Woche. Festgestellt wurde eine Entzündung. Medikamente wurden der Hausärztin genannt, die erst einmal einzunehmen sind. Nach dem histologischen Befund wird dann weiter gesehen.

Ich habe natürlich alles gegoogelt. Ist heute ja einfach. Möglich ist vieles. Für mich mal wieder die Erkenntnis, dass viel auf die psychische Verfassung zurückzuführen ist.

Paulchen war diese Woche auch kurz hier. Auch hier ist Fakt, es ist nicht alles so, wie es sein sollte. Das ständige Aufeinander-Hocken tut nicht gut. Das ist nicht neu. Die genauen Vorfälle sind mir nicht bekannt, die Liebe ist trotzdem noch groß. Es wird ein Mädchen! 

Das Miststück habe ich heute kurz gesehen. Gestern hatte ja mein ehemaliger Nachbar (der Schwule) Geburtstag. Dieser hat dem Miststück was abgekauft, so dass er jetzt ein paar Cent hatte. Und natürlich gab es heute einen Flachmann!

 

09.04.2013 um 02:33 Uhr

Weiter im Text

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Das Blutdruckgerät ist mir dieses Mal nicht um die Ohren geflogen. Die Werte waren aber alles andere als okay. Ich habe nun Bluthochdruck. Es ist auch nicht das erste Mal. Ich hatte das schon mal vor einigen Jahren. Genau gesagt 2006. Das war eine schwierige Zeit, so hat man Körper darauf reagiert. Auch damals nahm ich Tabletten, setzte sie aber selbst wieder ab. Ich weiß, dass man das nicht tun soll. Aber ich hatte das Gefühl, es ist alles okay. Die Tabletten sind unnötig.

Ein paar Jahre später hatte ich dann mal wieder eine kurze Zeit Bluthochdruck. Immerhin auch so viel, dass die damalige Ärztin (Vertretung meiner Hausärztin) mich für einige Zeit aus dem Verkehr zog.

Es fing sich aber immer wieder.

Natürlich bin ich der Meinung, dass wäre jetzt auch so. Aber man weiß ja, Ärzte sehen das ganz anders. Die Risiken sind auch bekannt. Ich nehme also Medikamente, bisher ist der Blutdruck immer noch recht hoch, aber nicht mehr ganz so hoch. Da ich erkältet bin, die Erkältungen in diesem Jahr ja eine besondere Schärfe haben, geht es mir auch nicht so gut.

Dass ich zu Hause bin, stört mich momentan gar nicht. Ich genieße die Zeit sogar. Vllt. ist es paradox, aber vllt. ist es einfacher, krank zu sein als „arbeitslos“. Natürlich ist das Schwachsinn, ich habe schließlich keinen regulären Job, aber das Gefühl, egal.

Sowohl das Jobcenter als auch der Maßnahmeträger haben mir suggeriert, ich solle mir viel Zeit lassen. Das gedenke ich genauso zu tun, also solange mich meine Ärztin lässt. Man muss das verstehen, so wichtig, ist es keinem, dass ich dort wieder aufschlage. Keine Ahnung, was man denkt, was passiert. Früher wäre es so gewesen, schließlich habe ich auch mal in diesem Bereich gearbeitet, das Arbeitsamt (damals noch das Arbeitsamt und nicht das kommunale Jobcenter) wäre Sturm gelaufen, wäre bei einer Maßnahme etwas schief gegangen. Heute ist das allen Beteiligten egal. Hauptsache, es gibt ein paar Ein-Euro-Jobs, ein paar Leute werden untergebracht, was dort passiert oder nicht, ist eigentlich Jacke wie Hose. Auch damit wird Geld verdient. So einfach ist das halt. Beispiele dafür gibt es etliche. Sollte ich die hier etwa alle aufführen?!

Reguläre Jobs gibt es hier nicht. Erzieher, aber das war es dann halt.

Da schließt sich der Kreis irgendwie wieder.

Heute habe ich mich auch bei meinem „Arbeitgeber“ krank gemeldet. Auf die Frage, wann ich wieder erscheine, aber ich wahrheitsgemäß gesagt, ich wisse es nicht. Ich möchte es auch gar nicht wissen. Sorry, ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei.

Auch wenn mir das Geld natürlich leid tut. Ich hätte es natürlich gut gebrauchen können. Aber was nicht ist, ist nicht.

Alte Lebensweisheiten.

Und wenn denn von Bluthochdruck und schwierigen Lebensverhältnissen geredet wird, gehören zu dieser Thematik natürlich noch andere Dinge. Thema Paulchen.

Er hat mir vor ein paar Tagen auch einen ziemlichen Schock versetzt. Ich mische mich wenig in ihr Leben ein. Da hört man dann oft, wir wissen das, wir werden das schon machen. Und es ginge mich ja eigentlich nichts an.

Das ist alles ganz genauso. Natürlich gibt es mir schon zu denken, dass sie immer noch keine Wohnung haben. Da muss man echt hinterher sein. Natürlich sind die Angelegenheiten mit dem Jobcenter nicht geklärt.

Aber was soll man tun. Es ist so, wie es ist.

Meine alte Gelassenheit.

Meine Schwiegertochter in spe hat schon so ihre Problemchen. Das habe ich schon vor einiger Zeit bemerkt. Verlässlichkeit ist etwas anderes. Wenn man Termine macht und nicht erscheint, finde ich das nicht okay. Das war mehrmals der Fall. Alle Ausreden nützen da nichts. Klar, kann man MAL verschlafen. Wenn man nicht an das Telefon geht, wenn die „Schwiegermutter“ anruft, hat das System. Natürlich kann man es MAL übersehen. Sie hat nicht wirklich Eltern, das ist wohl das Problem an der Sache. Ihr Vater ist genauso unzuverlässig, ihre Mutter hat keinen Kontakt mit ihr, hat andere Interessen.

Aber sie ist schwanger. So richtig freuen kann ich mich nicht. Ich werde gerne Oma, aber ich habe so viele Befürchtungen.

Vergangene Woche hat mir dann Paulchen noch eröffnet, er kommt zurück. Es geht nicht mehr, er will nicht mehr. Die Gründe kenne ich nicht, ich sollte nicht fragen, ich habe nicht gefragt. Er kann dann nicht, es hat sich wohl vorläufig wieder eingerenkt.

Sie waren dann beide ab Ostersamstagabend bis Ostersonntag hier. Paulchen hatte mir vormittags eine SMS mit der Ankunftszeit nach 16.00 Uhr geschickt. Als die Zeit ran war, bekam ich dann nur eine SMS mit einem Google-Maps, woraus zu erkennen war, sie sind noch nicht mal los gefahren. Ich habe gesehen, er war sauer, als sie kamen. Ich habe auch nichts geäußert, aber die Sachen geben wirklich zu denken.

Und nun zum Thema Miststück, das nicht weniger Sprengstoff enthält.

Das Miststück wohnt ja nun seit einiger Zeit in der Wohnung seiner Mutter. Er hat sie gepflegt, als sie vergangenes Jahr eine schwere Operation hatte. Das war aber vor allem eine Phase, in der er trocken war. Es ist keine leichte Konstellation, sie ist nicht einfach. Als Außenstehender mag man darüber lachen, wenn der Kuchen mit der grünen Kuchengabel besser schmeckt als mit der goldenen, aber wenn man derartiges mehrfach erlebt, kann man schon verzweifeln.

Wir haben uns immer mal sporadisch gesehen, gesprochen.

Im Februar lernte das Miststück dann eine andere Frau kennen. Es war eine Zeitlang Ruhe, aber dann meldete er sich doch wieder. Ich habe die Frau kennen gelernt, es war nicht mein Wunsch, aber manchmal kommt man in unmögliche Situationen. Ich habe keine Ahnung, wie er zu ihr steht oder sie zu ihm, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich mit alldem, was das Miststück so bietet, auseinandersetzen will.

Ebenfalls im Februar erlitt seine Mutti einen Gehirnschlag. Sie lag einige Zeit in einem Krankenhaus in MD, dann hier im Krankenhaus, seit einiger Zeit liegt sie in einem Pflegeheim, unterbrochen von einigen Krankenhausaufenthalten. Erst lag sie in einem künstlichen Koma, jetzt im Wachkoma, sie wird wohl künstlich ernährt.

Das war natürlich ein Schock für das Miststück. Zwar ist laufend davon die Rede, wenn Mutti die Augen zumacht, aber wenn es dann fast soweit ist, stellt es sich als schwierig heraus.

Sein Bruder hat gleich die Kontrolle übernommen, vor allem über die Finanzen. Er hat die Wohnung gekündigt, die Wohnung teilweise geräumt. Er ist als Betreuer eingesetzt. Ursprünglich war geplant, dass das das Miststück macht, aber angesichts seines Alkoholkonsums wäre es wohl keine gute Idee gewesen. Wie dem auch sei, sein Bruder hat sich als Arsch aufgeführt. Sie mögen sich beide nicht besonders, das merkt man daran. Man muss dem Bruder zugute halten, dass durch die Alkoholsucht des Miststücks vieles wohl nötig war.

Es war noch ein bisschen Geld in der Wohnung, wovon der Bruder etwas abhaben wollte. Den Rest behielt das Miststück. Man könnte jetzt denken, da seine Mutter ihn immer unterstützt hat, wird er das gut einteilen, damit es eine Weile reicht. Das wäre vernünftig gewesen, aber Vernunft und Miststück harmonieren gar nicht.

Dieses Geld landete in einem Puff. Man kann das Leben auch mal genießen. Da fährt man halt abends/nachts mal mit dem Taxi in den Puff und genießt das Leben. Wobei es nicht mal Sex gegeben haben soll, aber bezahlen muss Mann ja trotzdem. Eine Stereoanlage landete auch noch dort, ein Vibrator, den er erst vor kurzem gekauft hatte. Natürlich telefoniert man ab und zu, jetzt kann es keine Besuche mehr geben, das Geld ist alle. Ob seitens der Damen Interesse bestünde, kann ich nicht beurteilen. Angeblich wäre dem so, auch ohne Geld.

Da sein Bruder einen Teil der Klamotten und Gegenstände der Mutter weg geholt hat, meinte das Miststück, ihm gleich tun zu müssen. Ich bezeichne es als Frevel, aber ich werde nicht gefragt. So verteilte er dann Klamotten an einige Damen, Schmuck, Mobiliar etc. Auch mein ehemaliger schwuler Nachbar hat mal vorbeigeschaut.

Den Weg zu seiner Mutter hat er bis heute nicht geschafft.

Natürlich, wenn ihn jemand an die Hand nimmt, wenn ich beispielsweise gesagt hätte, wir fahren mal hin, dann wäre das sicher gegangen. Allein ist er dazu nicht in der Lage. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht.

Aber das habe ich nicht getan. Aus gutem Grund.

Zurzeit hat er Besuch aus Bayern. In Bayern hatte er ja mehrere Bekannte, mit denen er öfter mal saufen konnte. Sie telefonieren halt regelmäßig. Eine Dame und ihr Freund sind nun auf Besuch hier. Beide alkoholabhängig. Sie ist sehr krank, hat eine Behinderung, kann dadurch kostenlos in Begleitung mit dem Zug fahren (bestimmt nur Nahverkehr). Seit vergangener Woche sind sie hier.

Natürlich habe ich kein großes Verlangen, diese Leute kennen zu lernen. Sie hat mir mal Vorträge darüber gehalten, wie ich mit dem Miststück umgehen müsse. Das ist schon eine Weile her, das Miststück reichte mir das Telefon. Ich solle mehr auf ihn achten, ihm keinen Alkohol besorgen oder doch, wenn er es nicht alleine schafft. Es war erstens schon ziemlich vermessen und zweitens recht widersprüchlich.

Heute hat das Miststück wieder angerufen, er fragt immer, warum ich nicht zu ihm gekommen sei. Davon war natürlich nie die Rede. Ich hörte im Hintergrund, dass die Beiden wohl nicht so zufrieden sind. Das Miststück liegt den ganzen Tag flach, säuft, raucht, telefoniert. Die Stadt hat er beiden natürlich auch nicht gezeigt. Sie waren am Freitag, ich sah sie zufällig, mit dem Taxi unterwegs, aber auch nur zum Einkaufen. Lebensmittel. Denn das Miststück kauft kaum noch Lebensmittel. Das Geld reicht nicht mehr. Er isst auch nichts. Ich hörte so im Hintergrund, verstand die Sprache zum Teil auch nicht, ich solle mich kümmern, dass er was isst, da wir ja befreundet sind. – Ich gebe in einem Nebensatz zu, dass ich die Dame schon gerne mal sehen würde, gerade weil sie in ihren Aussagen so widersprüchlich und so ganz Wessi (sorry) auch vermessen ist. Diese ehemalige Immobilienmaklerin (der Beruf ist nicht geschützt), die doch keine Vermögen mehr hat. -

Ich hatte das alles schon. Ich kenne die Situation, wenn er fast den ganzen Tag flach liegt, telefoniert mit Gott und die Welt, die Wenigsten sind davon begeistert, raucht, säuft und dummes Zeug erzählt. Nachts, wenn man selbst schlafen will, ist er dann wach. Er weiß nicht, was er tut, schon mehr als einmal wären die Buden fast abgebrannt (meine auch). In letzter Zeit habe ich ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass er sich einen Termin zur Entgiftung holen soll. Er macht es nicht, also lässt er es. Ich spiele nicht wieder Kindermädchen. Habe ich mehrfach, dazu fehlt mir die Kraft, die Zeit, die Energie. Ich habe auch nicht das Geld, ihn zu unterstützen. Und wenn er hier aufschlüge, wäre das so. Er hat ja keine eigene Wohnung, es wird ihm auch keine zufliegen.

Natürlich war ich zu seinem Geburtstag bei ihm. Da tauchte dann auch die andere Dame auf, die wenig begeistert war. Sie ging aber bald wieder. Es war ein schöner Abend. Und ja wir hatten sehr guten Sex. Das gebe ich zu. Aber ich bin dorthin gegangen, um nach ihm zu sehen und auch so, dass ich bald wieder gehen muss. Ich musste ja auf Arbeit. Natürlich weiß ich, es heißt, „in guten wie in schlechten Tagen“. Ich komme mir nicht gut dabei vor, wenn ich so reagiere. Frage mich aber, ist das so bis zur Selbstaufgabe? Wir sind nicht verheiratet, aber allein daran liegt es ja nicht. Das ist alles richtig. Egal, was ich sage oder tue, er negiert es eh. Er hat kein Interesse, sich eine Wohnung zu suchen, keine Interesse, seine Mutter zu besuchen, kein Interesse, sich um seinen Sohn zu kümmern, kein Interesse, sich um die Entgiftung zu kümmern. Es ist ihm alles egal. Wozu ist seine Meinung? Er macht auch die Augen bald zu, hat sein Leben gelebt. Also was sollte ich da tun? Zumal ich der Meinung bin, man könnte noch viel erleben.

Wie es wäre, würde ich mich darauf einlassen, das kenne ich schon.

Seine Schwägerin hat ihn gefragt, wenn er keine Wohnung auf die Schnelle bekäme, ob dann jemand aus seinem Bekanntenkreis bereite wäre, ihn kurzfristig vorübergehend aufzunehmen. Das hat er mir aus gutem Grund erzählt. Ich gab das zurück, ist denn die andere Dame bereit oder wer auch immer? Nein. Und was ist schon kurzfristig? Das würde ja bedeuten, dass langfristig eine Lösung erfolgt.

Besitze ich die Kraft, ihm die Tür zu weisen, wenn er dann davor steht. Keine Ahnung. Er kommt kaum noch aus dem Haus, er kann kaum laufen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann geht er los, nimmt sich ein Taxi, was auch immer. Kann man jemanden die Tür weisen, der in einer solchen Situation ist? Aber was wird dann aus mir?

Betreuung war schon einmal ein Thema. Das will er gar nicht. Ich sollte mal die Betreuung übernehmen, da ich ja in der Vergangenheit das Meiste eh für ihn regelte. Auch das war seinerseits nicht gewollt. Er könne das allein.

Was meine eigenen Eltern betrifft, meine Mutter war mehrere Tage nicht erreichbar. Sie hat wohl das Telefon nicht gehört oder keine Lust an dieses zu gehen. Mein Vater hat zurzeit mit der Gicht zu kämpfen.

Sehr viele Gründe für einen erhöhten Blutdruck! Aber das alles ist ja nichts Neues, also was uns nicht umbringt, macht uns härter. Oder so!

03.04.2013 um 00:38 Uhr

Erkenntnisse

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Meine Oma hat immer gesagt, die Zeit vergeht so schnell. Mit zunehmendem Alter vergeht Zeit immer schneller. Und ich habe gedacht, was die redet. Zeit konnte gar nicht schnell genug vergehen.

Heute denke ich anders. Wenn ich meine letzten „Aufzeichnungen“ betrachte, dann ist viel Zeit vergangen und dann doch wieder nicht. Komisch, oder?

Erst mal ein bissel zur Selbsterkenntnis: Ich bin eine dumme Kuh und lerne nicht aus meinen Fehlern. Irgendwann sollte es Frau mal kapieren. Ist aber nicht so. Sollte einem wirklich zu denken geben, das trifft auf viele Lebenslagen zu.

Es ist immerhin so viel Zeit vergangen, dass ich die ärztlichen Untersuchungen im Jahre 2012 abgeschlossen habe. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, mit welchem Ergebnis. Eigentlich mit keinem, aber so ist es halt.

Die Zeit in der Jugendgruppe habe ich auch absolviert. Schön war es nicht, aber ich war ja oft krank. Also habe ich alles einfach so hingenommen, wie es kam. Die Damen und Herren waren wohl sehr zufrieden, mit den Jungs kam ich klar. Der Teamleiter bestätigte mir Engagement, allerdings durfte ich ihm dieses Wort erst buchstabieren, sonst könne er es nicht schreiben.

Bei Paulchen und dem Miststück ergaben sich keine gravierenden Änderungen im Jahr 2012.

Nun schreiben wir lange das Jahr 2013. Ich habe schon Ostersonntag gesagt, es riecht draußen wie Silvester. Irgendwo gab es ein Feuerwerk, es roch nach Schnee, es schneite. Es sah also wirklich so aus und wenn man es recht bedenkt, so lange ist es nicht mehr bis Silvester.

Das Wetter geht einem gelinde gesagt auf den nicht vorhandenen Sack. Aber ob das so ist oder nicht, dem Wetter ist das egal, es ändert sich nicht. Im Gegenteil sind für die nächsten Tage wieder Schneefälle angesagt.

Haben wir April? Waren in der vergangenen Jahren nicht die Heizungen schon abgedreht. Man darf sich also auf die Rechnung nächstes Jahr freuen.

Wie dem auch sei, ich bin eine dumme Kuh. Das bezieht sich natürlich immer auf das Miststück, denn da ändert sich nie wirklich was.

Aber es bezieht sich auch auf mein „berufliches“ Leben. Vor einigen Wochen traf ich einen alten Bekannten, der mir erzählte, dass in der Kirche wieder Leute gesucht werden. Für April. Und ich dachte, gute Idee. Kirche, da hast deine Ruhe. Ich habe diese Zeit damals sehr genossen. Fand sie z. T. idyllisch. Natürlich, wenn das Wetter kalt, regnerisch, stürmisch ist, ist die Zeit dort nicht angenehm. Aber das übersteht man.

Natürlich habe ich das meiner Fallmanagerin erzählt. Ich würde gerne in die Kirche. Und natürlich würde ich auch auf Nachfrage etwas anderes machen. Außerdem ergab es sich dann noch, dass in der Presse eine Ausschreibung zur Nichtschülerprüfung zum staatlich anerkannten Erzieher stand.

Wollte ich das nicht immer?

Also habe ich mir in einem Informationsgespräch das Ganze angehört. Ich war hin- und hergerissen. Der Bildungsträger hat diese Qualifizierung auf 2 Jahre reduziert, weil, wie öfter in der Presse zu lesen, hören war, Bund und Länder sich über die Jahre der Erzieherausbildung streiten. Nun dauert das Ganze zwei Jahre, inklusive Prüfung, diverser Praktika und des so genannten Anerkennungsjahres. Ich war ganz gut informiert, schließlich beschäftige ich mich schon seit einiger Zeit mit diesem Thema und kenne auch einige Erzieher, Leute, die im sozialen Bereich arbeiten etc. So stellte sich mir schnell die Frage, ist das noch zu schaffen. Die Durchfallquote liegt dann auch bei 90 %.

Ich habe lange darüber nachgedacht, machst du das, machst du das nicht, willst du dir in deinem Alter das noch antun? Es ist mit Sicherheit nicht einfach. Die Stunden in der Schule, die Fahrten, der lange Tag. Alles das. Es gibt so einige, die mich für komplett verrückt erklärten, dass ich das überhaupt in Erwägung zog. Andere waren sofort der Meinung, was denkst überhaupt nach, natürlich schaffst du das, und endlich was mit Perspektive. Deine Couch ist dich erst mal los, selbst, wenn du nicht als Erzieher arbeiten willst, kannst dann noch anderes im sozialen Bereich machen. Verständlich ist, dass du nicht unbedingt mit Babys arbeiten möchtest (Rücken).Da wird sich dann schon finden.

Es gab eine Menge zu bedenken, die Entscheidung fiel mir nicht leicht.

Das Jobcenter war mir natürlich keine Hilfe. Sie bekräftigte mich stark in meinen Bedenken und offerierte mir auch, es wird sicherlich in nächster Zeit ähnliche Angebote durch uns geben. Wir bedenken Sie dann. Aber vllt. gibt es auch keine neuen Angebote durch uns. Wir haben schließlich mehrere Erzieherhelfer „in Ausbildung“. Wir müssen erst mal sehen, wie das wird und wie die unterkommen.

Ich weiß, dass diese Maßnahme hier im Ort nicht besonders gut läuft, da ich dort eine Bekannte habe, die daran teilnimmt. Auch da sind die Praktika und die Finanzierung dieser nicht gewiss. Zum Anderen gibt es in jedem größeren Ort hier im Umkreis diese Lehrgänge.

Natürlich kann man darüber mit dem Jobcenter nicht sprechen. Die sind ihrem Arbeitgeber über loyal und müssen das sicher auch sein.

Der Eindruck, der aber bei allen anderen entsteht, ist der, dass mal wieder auf Grund einer gesellschaftlichen, politischen Nachfrage schnell was zusammengestrickt wurde, was nicht viel Sinn und Verstand hat. Könnte im Übrigen auch auf die Qualifizierung zum Erzieher zu treffen. Neu ist diese Erkenntnis ja nicht. Nur den Behörden ist diese Erkenntnis natürlich neu, ja sie ist sogar falsch.

So hat meine Fallmanagerin sich immer sehr bedeckt gehalten, ob überhaupt ein Bildungsgutschein erteilt wird.

Zu guter Letzt habe ich mich dann entschieden. Jawohl, ich mache das. Es ist vllt. die einzige Chance, die sich bietet, dies zu tun. Wer weiß, ob in naher Zukunft etwas stattfindet.

Meine Fallmanagerin wollte nun, dass ich bei meiner Hausärztin die Tauglichkeit prüfen lasse.

Ich hatte den Eindruck, dass dies ungewöhnlich ist und von den anderen Teilnehmern der Qualifizierung nicht verlangt wurde. Die Maßnahme findet ja in einem anderen Landkreis statt.

Dazu muss ich dann noch sagen: Da ich ja unbedingt in die Kirche wollte, meine Bereitschaft für einen 1-Euro-Job damit mal wieder erklärt habe, erhielt ich auch vor einigen Wochen einen. Natürlich nicht in der Kirche.

Es kam da zu mehreren Versuchen. Ich landete dann in einem Hort der Grundschule in meiner Nähe. Weit ist es also nicht.

Dies ist natürlich eine Maßnahme, die genau dem Profil entspricht: Arbeit mit Kindern. Ich hätte sie also nie ablehnen können.

Ich war auch gar nicht abgeneigt. Natürlich hätte ich mir gewünscht, die Zeit bis zur Qualifizierungsmaßahme noch anders nutzen zu können, aber naja was soll es.

Bei dem Gespräch im Hort war dann gleich klar. Eine zusätzliche Erzieherin war nicht gesucht, eher ein Mädchen für alles, also jemand, der all das macht, was die Erzieherinnen nicht machen möchten. Mir wurde gleich gesagt, mit den Kindern hätte ich nicht viel zu tun. Ich solle mich darum kümmern, dass immer Tee zur Verfügung steht, die Teetassen abwaschen, Staub wischen, Obst- und Gemüse bereitstellen. Und die Buskinder zum Bus bringen.

Der Widerspruch in sich. Einerseits sollst du mit den Kindern nichts zu tun haben, dafür gibt es gut ausgebildete Fachkräfte, anderseits darfst du natürlich die Kinder zum Bus begleiten und die Verantwortung übernehmen. Nebenbei gesagt gibt es in dem Hort noch einen Bufdi, der also die gleichen Arbeiten übernimmt. Den Busdienst kann man sich also teilen. Den Abwasch auch.

Dass ich davon nicht begeistert war, kann man sich gut vorstellen. Wieder so eine Dienstmädchenmaßnahme. Davon habe ich wirklich genug. Nicht zuletzt ist derartiges auch gar nicht statthaft.

Ich habe das auch geäußert, aber mit wenig Erfolg. Da die zuständige Mitarbeiterin des Trägers der Maßnahme mir mehr oder weniger versicherte, man könne an der Zeit etwas drehen, war ich einverstanden. Die Arbeitszeiten im Hort sind alles andere als schön, der Dienst geht von morgens 6 bis 8 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Die Horterzieherinnen haben natürlich einen ähnlichen Dienst, können sich das aber wochenweise einteilen bzw. arbeiten stundenweise noch in der nahe gelegenen Kindertagesstätte, so dass dieser Nachmittagsdienst teilweise weg fällt.

Okay, ich ließ mich darauf ein, arbeitete von 12.30 bis 17 Uhr. Zufrieden war ich nicht. Aber mit dem Kompromiss konnte ich leben.

Hätte ich leben können.

Ein-Euro-Jobber, das muss man auch wissen, ist nicht in der Lage, seine Arbeitszeit einzuhalten. Er benötigt Hilfe. Das ist ein Fakt, kann man sicher irgendwo nachlesen. Deswegen wird schon seit Jahren erwartet, dass Stundenzettel geschrieben werden, Tätigkeitsnachweise erstellt werden. Märchenbücher sind sicher manchmal weniger märchenhaft. Natürlich schreib ich auch solche Zettel, hatte in der Vergangenheit auch damit keine Probleme, aber die Hortleiterin war damit nicht einverstanden. Wusste sie doch nicht, dass ich zwar nur ab mittags arbeite, mir aber dennoch 6 Stunden schreibe. Das geht nicht, das kann sie nicht unterschreiben.

Ich konnte daran nichts ändern, schließlich wurde mir das irgendwie so offeriert.

Die zuständige Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers sagte mir dann am Telefon, die solle sich nicht so haben und unterschreiben.

Es gingen ein paar Tage ins Land, bevor sich die Damen selbst unterhalten konnten.

Muss ich erwähnen, dass wir uns nicht besonders mögen? Liegt auf der Hand. Weder die Hortleiterin mag mich, noch ich sie. Auch die Dame des Maßnahmeträgers gehört nicht zu meinen Freundinnen, wir hatten schon mal das Vergnügen.

Das Ende vom Lied war, dass von dieser Absprache keiner was gewusst hat. Die gute Dame könnte doch nie gestatten, dass ich mir 6 Stunden schreibe, obwohl ich nur 4 arbeite, dass müsse ich verstehen. Das wäre ja Betrug. Das Jobcenter könnte das evtl. genehmigen, das müsste ich absprechen.

Natürlich möchte das Jobcenter das nicht, auch das liegt auf der Hand, schließlich jegliche Äußerungen, ich könnte das körperlich nicht schaffen, gehen nicht, weil ich die Qualifizierung möchte. Das wäre absurd (was verständlich ist). Persönliche Ressentiments wurden seitens der Hortleitung nicht geltend gemacht, warum sollten sie auch.

Das Ende vom Lied ist, die Arbeitszeit wurde nun aufgeteilt.

Soweit so gut.

In der Ferienzeit wird die Arbeitszeit nicht so aufgeteilt. Gründonnerstag hatte ich also Dienst von 9 bis 15 Uhr. Da ich aber das Formular zur Untersuchung bei meiner Hausärztin vom Jobcenter abholen wollte – das Jobcenter scheint Geld sprich Porto zu sparen, man muss sich neuerdings, man hat ja auch Zeit, immer alles abholen und danach noch zu meiner Ärztin wollte, das wäre dann nicht zu schaffen. Das Jobcenter hat nur von 9 bis 16.00 Uhr geöffnet, wie die Sprechzeiten bei der Ärztin zum Gründonnerstag waren, war mir unbekannt, konnte mir aber vorstellen, dass dies nicht lange sein würde. Also sprach ich die Hortleitung daraufhin an, ob es möglich wäre, meinen Dienst entsprechend zu verschieben. Im Übrigen gab ich keine Einzelheiten bekannt, nur dass ich zum Jobcenter müsse und dann in deren Auftrag zum Arzt. Das ging natürlich nicht, schließlich hätte ich das eher anmerken müssen. Dass ich das nicht eher wusste, spielte keine Rolle. Da meine Fallmanagerin selbst nicht mehr erreichbar war, sprach die Hortleitung bei einer anderen Mitarbeiterin des Jobcenters vor, die dann bestätigte, ich könne nach Dienstschluss zum Jobcenter und am Dienstag nach Ostern dann zum Arzt gehen.

Ja, was soll man da machen. Da bleibt einem keine andere Wahl.

Das Formular holte ich Gründdonnerstag, meine Hausärztin erreichte ich nicht mehr. Heute, Dienstag nach Ostern, machte ich dann von 6 bis 8 Dienst und ging dann zum Arzt.

Zwischenzeitlich war ich extrem erkältet.

Meine Ärztin störte das allerdings gar nicht so, was mich verwunderte. Zwar bin ich der Meinung man sollte seine Bazillen nicht auch noch verteilen, aber das sehe ich wohl nur so.

Und nun kommt es: Ich wurde untersucht, befragt, ob ich mir das zutraue usw. Sie hat natürlich nichts dagegen, wenn ich das möchte. Bei der Untersuchung hatte ich dann einen sehr hohen Blutdruck. Sie unterschreibt die Tauglichkeit nicht, erst, wenn das mit dem Bluthochdruck geklärt wird und mit diesem Blutdruck kann ich auch nicht arbeiten gehen.

Nun bin also wieder zu Hause, eine Erklärung für den Bluthochdruck habe ich schon, der liegt wohl ganz einfach in dieser Situation begründet.

Morgen bekomme ich dann das 24 Stunden Gerät, das letzte vor einem halben Jahr ist mir buchstäblich um die Ohren geflogen. Der Blutdruck war damals aber in Ordnung.

Einen Termin zur Darmspiegelung habe ich auch, weil da was nicht so ist, wie es sein sollte. Ich habe seit fast 14 Tagen meine Periode, und davor war auch nur eine Pause von 8 Tagen. Also medizinisch gesehen könnte da einiges passieren, was ich zum jetzigen Zeitpunkt so nicht unbedingt wollte.

Natürlich könnte ich etwas verspätet beginnen, vielleicht am 15. April. Die Maßnahme beginnt am 4. April. Das ganze Gezeter hat also eh lange gedauert.

Meine Fallmanagerin sagte, ich solle mich erst mal ausruhen, in Ruhe gesund werden und dann mal sehen.

Und mal ehrlich, es wäre schon so schwer, wenn man dann auch noch krankheitsbedingt später anfängt oder ausfällt, sich unter Druck setzt, was soll da dann raus kommen?

Die Qualifizierung ist als erst mal Geschichte. Und ich? Ich habe Zeit. Ich muss mir das nicht antun. Man hat seitens des Jobcenters kein Verständnis für mich gezeigt, mir war schon vorher klar, dass ich ähnlich auf die Situation reagiere. Natürlich ist die Maßnahme nicht so, wie sie sein sollte. Ist das nicht auch Betrug? Raus geschmissenes Steuergeld?

Ich würde es so sehen. Wichtig ist meine Tätigkeit im Hort nicht, das könnten die Erzieher durchaus selbst tun. Müssten sie auch, gäbe es keine 1-Euro-Jobber oder Bufdis. Zum Berufsbild eines Erziehers gehören durchaus auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Nicht zuletzt könnten bei einigen Tätigkeiten auch die Kinder hinzu gezogen werden, die sollen das ja auch lernen und wertschätzen.

Was vermitteln wir eigentlich den Kindern? Für niedere Arbeiten gibt es ja ein paar andere Dumme.

Ich setze mich vorläufig nun nicht mehr unter Druck. Und vllt. sollte man darüber nachdenken, ob es nicht nötig wäre, derartiges Mal publik zu machen.

Die Erkenntnis ist, die ich hoffentlich nie wieder vergessen werde, melde dich  nie wieder freiwillig für irgendwas. Es kommt nichts bei raus!

Was habe ich die 2 Stunden auf Arbeit gemacht? Ich habe Tee gekocht, Teetassen abgewaschen, Staub gewischt, Blumen gegossen. Die Mitarbeiterin des Maßnahmeträgers wollte übrigens, nach Vorlage meiner Tätigkeitsnachweise, daraus vllt. noch eine zweite oder dritte machen. Je nachdem, was ich so zu tun habe. Deren Arbeitsplatz, der jährlich aufs Neue befristet wird, muss auch irgendwie erhalten bleiben. Das muss man auch verstehen.

Naütrlich muss ich mir eingestehen, dass es durchaus Frauen gab/gibt, die mit dieser Tätigkeit sehr glücklich waren. Die Dame, die zurzeit als Bufdi tätig ist, macht dies schon 10 Jahre. Meine Vorgängerin, ich lernte sie mal kurz kennen, war auch sehr zufrieden und freut sich, das bald wieder tun zu dürfen. Sie wird die Bufdi-Stelle übernehmen.

Das ändert nichts an meinen Gefühlen. Man kann halt nur schwer über seinen Schatten springen.

Die Themen Miststück und Paulchen vertage ich, denn auch die könnten umfangreich sein.

 

 

27.08.2012 um 00:14 Uhr

Keine Langeweile

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Die letzten Wochen waren wirklich nicht langweilig. Ich werde mir große Mühe geben, dass es jetzt nicht wieder sieben Seiten werden. Versprechen werde ich es nicht.

Ich hatte mir ja vorgenommen, mal einen Arzt aufzusuchen. Dieses Vorhaben gab es ja schon länger, wurde aber immer wieder aufgeschoben. Was man nicht weiß, macht einen bekanntlich nicht heiß. Ich habe dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt, bekam eine Reihe von Überweisungen und hatte von Stund an, genug zu tun. Ich suchte einen Physiotherapeuten auf, bekam Massagen, leider nicht genug, um wirklich was zu bewirken. Meine Schilddrüse wurde untersucht. Andere Untersuchungen, so was dauert ja, stehen noch aus. Das Ergebnis ist bisher also dürftig. Eine Anämie wurde diagnostiziert, womit sich auch eine Reihe der Symptome erklären lassen, aber woher diese kommt, ist noch unklar.

Es hat irgendwie den Anschein, es ist so ein Ärzte-Beschäftigungs-Programm. Mein Vater beobachtet das auch, und als ich im Wartezimmer der Internistin saß, hörte ich, dass eine andere Patientin identische Überweisungen erhielt. Der Gedanke ist also nicht so abwegig.

Obwohl ich mich nun entschlossen hatte, zum Arzt zu gehen, nichtswissend, was auf mich zukommen würde, gehe ich ja arbeiten. Wenn man denn das so nennen kann. Ehrlich gesagt, bin ich eine doofe Kuh. Warum reiße ich mich immer wieder danach, etwas zu machen? Gibt es dafür einen vernünftigen Grund? Geld? Gut, das könnte einer sein, das Geld kann man wirklich gebrauchen, aber max. 120 Euro im Monat rechtfertigen das als Grund dann auch nicht. Man könnte doch seine Tage besser gestalten, als arbeiten zu gehen. Ich könnte gemütlich auf meiner Couch liegen, Dallas gucken, das auf einem Programm immer um die Mittagszeit läuft, schlafen, meine Termine für die Ärzte sortieren, sondieren und wahr nehmen, spazieren gehen, wenn mir danach ist, das reicht doch eigentlich, was um Himmels Willen bringt mich immer wieder auf diese Schnapsidee, arbeiten zu gehen?

Aber nein, ich kam auf die Idee, versuch es mal wieder mit ein paar Stunden Arbeit. Schließlich ist es die Trägheit, die die Ärzte ja mit der Anämie begründen, die mir missfällt. Vielleicht hilft einem ja die Tätigkeit auf andere Gedanken zu kommen. Auch wenn es einem ja so schwer fällt, weil man sich nun einmal immer kaputt fühlt, ausgelaugt, man nicht mehr lange laufen und stehen kann (und was bin ich immer gelaufen). Man hat Schweißausbrüche, auch wenn es gar nicht so heiß ist, dass es peinlich ist, irgendwohin zu gehen. All diese Dinge könnten ja daran liegen, dass man sich wirklich zu wenig bewegt. Dem ist doch so. Also versucht man es mit Arbeit. Der Gedanke war sicher gar nicht so schlecht, aber dann doch irgendwie falsch.

Besser geht es mir nämlich nicht. Ich bin davon überzeugt, dass mir auch eine Aufgabe fehlt, dass eine Aufgabe einiges ändern würde. So bekommt man von seiner Fallmanagerin, die hat auf nichts anderes gewartet, natürlich sofort eine Zuweisung für einen Ein-Euro-Job. Wir dürfen nicht vergessen, viele wollen das aus nahe liegenden Gründen wirklich nicht. Ich habe es wirklich begrüßt und gedacht, vielleicht hilft es ja. Habe zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass auch jede Menge Termine beim Arzt auf mich zukommen werden, aber irgendwie würde ich das schon in den Griff bekommen.

Es hatte ja auch alles noch Zeit, die Zuweisung hatte ich in der Tasche, aber da es sich um eine Stelle in einer Jugendeinrichtung handelt, fehlte ja noch das Führungszeugnis. Das dauerte auch einige Tage. Eine ganze Reihe von Terminen war also schon abgearbeitet. Es hörte sich auch gar nicht schlecht an, ich würde mal wieder bei diesem Träger arbeiten, bei dem ich schon vor einigen Jahren arbeitete, in einem Kinderheim zur Betreuung der Kinder. Mir hat das damals durchaus Spaß gemacht, obwohl, wer hier schon länger liest, ich durchaus an meine Grenzen gekommen bin.

Ich lass das also ganz in Ruhe auf mich zukommen, habe ja genug zu tun. Und wie immer das mit den Plänen so ist, es kommt auch etwas dazwischen.

Das Miststück natürlich. Ich hatte ja wenig Kontakt zu ihm, immer mal telefonisch, mal ganz kurz persönlich, aber so richtig halt nicht. Man hat immer mal so Stunden, da vermisst man etwas und dann ruft man halt an, und er kommt auch, man unterhält sich und irgendwie ist alles ganz in Ordnung. Beim Erzählen kommt dann raus, dass seine Mutter beim Arzt war, sie war ja gestürzt und hatte Beschwerden, und nun wahrscheinlich in eine Klinik nach MD muss. Natürlich sucht Frau über Internet die Telefonnummer der Klinik raus, es wird Kontakt aufgenommen und schwups ist Mutter im Krankenhaus. Manchmal geht es auch schnell. Sie wird - mit 82 - an der Wirbelsäule operiert. Das Miststück nistet sich sozusagen solange ein. Natürlich sagt man zu Anfang, aber nicht, dass Du denkst, Du kannst solange hier bleiben. Aber irgendwie kommt es doch dazu. Es ist auch ambivalent, hat gute und schlechte Seiten. Frau wird bekocht, er geht einkaufen. Das hat auch was Gutes, wenn man nach Hause kommt, gibt es was zu essen. Frauen sind damit aber nicht zufrieden, sie wollen mehr. Mehr gibt es aber nicht. Es ist wie das Zusammenleben alternder Ehe-Paare oder Geschwister, man versteht sich, emotional, sexuell läuft aber rein gar nichts.

Zwischenzeitlich ist die Mutter wieder aus dem Krankenhaus, er ist also wieder zu Hause, denn er muss sie natürlich versorgen, bekochen, einkaufen, ins Bett bringen usw. Ab und an erscheint er hier - auf einen Kaffee. Mir reicht das nicht. So ist es halt. Da die Mutter demnächst in eine Reha-Einrichtung gehen soll/darf, könnte es sein, dass er das Spiel wiederholen möchte. Ich möchte es nicht?!

Während dieser Zeit kam dann die Post vom Jobcenter, dass ich die Beschäftigung antreten kann. Von heute auf morgen, ich hatte wohl den ersten Tag keine weiteren Termine, ich freute mich also. Die Gruppe, für die ich gedacht war, war eine Woche nicht da, die Kinder fuhren zu ihren Eltern. Also verbrachte ich die Zeit im Büro. Man kennt mich ja dort, schließlich hatte ich von Januar bis März ein kaufmännisches Praktikum absolviert.

Man kann es nur mit einem Wort beschreiben. Es war herrlich. Ich saß dort an dem Schreibtisch, an dem die Kollegin sitzt, die im Praktikum meine Mit-Praktikantin betreute. Ich mochte sie sehr, also die Kollegin, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Nun sie war aber in Urlaub, ich hatte für eine Dame aus dem Büro Listen zu vervollständigen. Listen, die meine Mit-Praktikantin erstellt hatte. Es ging um Schüler der 7. Klassen der Sekundarschulen, die sich zur Berufsorientierung informieren sollten. Das war eine stupide Arbeit, aber ich hatte zu tun.

Wie das so in einem Büro ist, andere Kollegen kommen ins Büro, man unterhält sich. Da kann es durchaus passieren, dass ein Kollege ins Zimmer kommt, seinen zwei Kollegen die Hand gibt, und dieser anderen Dame, die dort nicht hingehört, einfach ignoriert. Schließlich ist diese Dame nur im Rahmen eines Ein-Euro-Jobes dort. Sie merkt das gar nicht, oder? Wie dem auch sei, ich habe es zwar bemerkt, aber nicht kommentiert. Mir wirft sich die Frage auf, wie diese Leute, Kinder erziehen/ausbilden sollen?

Ein andere Kollege kommt ins Büro und stellt die Frage, wie es denn nun sein, er hat dort einen Betrieb, der sich an diesem Programm beteiligen will und ausbilden will. (Diese Betrieb, der sich in mehrere Gesellschaften aufgliedert, u. a. auch eine Stiftung ist, betreut nicht nur Kinder und Jugendliche in therapeutischen Wohngruppen, sondern ist auch aktiv in der Freizeitgestaltung (Jugendklub), betreut Migranten, unterhält Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche, beteiligt sich gemeinsam mit Schulen an der Berufsorientierung, bildet in bestimmten Berufen gemeinsam mit dem Jobcenter und Betrieben Jugendliche aus etc.) Und nun die Frage des Kollegen, der Betrieb, ein Malerbetrieb, wo der Inhaber nicht über eine Meisterausbildung verfügt, kann er denn ausbilden? Die Frage ist natürlich berechtigt, die Frage, die sich mir stellt, wie kann man, wenn man das nicht weiß, jahrelang dort arbeiten, ausbilden etc. Die Kollegin hat die Frage beantwortet, ich hätte es auch können.

Man muss sich schon sehr zurückhalten, wenn man dort im Büro sitzt. Glücklicherweise kann ich das. Vielleicht sollte man es nicht, aber wem bringt es was, wenn man es nicht kann. Die Gedanken sind schließlich frei. Und ich frage mich dann, warum eigentlich sitzt du hier und hast keine feste Anstellung?

In der letzten Woche habe ich dann auch die Gruppe kennen gelernt. Die Kinder sind wie sie sind. Man merkt schon, dass sie Probleme haben, sie sind nicht umsonst in einer solchen Einrichtung. Es ist allerdings bisher wesentlich ruhiger als ich es aus der Kindergruppe damals gewöhnt bin. Derartiges Gefahrenpotential um Leib und Leben gab es bisher nicht. Im Grunde benötigt man mich dort nicht, die Jugendlichen sind relativ selbstständig. In den Ferien ist eh nicht viel los. Ob es im Schulalltag anders wird, wird sich zeigen. Die Erzieher sind im Großen und Ganzen in Ordnung. Es sind halt Erzieher, die haben, das behaupte ich ja gern und erhalte da oft Kritik, ihr eigenes Verständnis für Realitäten. Fakt ist, dass mich der Teamkoordinator mehr oder weniger darauf hingewiesen hat, dass man jemanden sucht, der den Haushalt schmeißt. Sein Kollege wies mich vor einiger Zeit im Gegensatz dazu hin, dass ich nicht die Putzfrau der Jugend bin. Auch die Verantwortliche der Einrichtung wies genau darauf hin.

Wie sich das entwickelt, wird sich zeigen. Ich habe meinen Standpunkt klar gemacht, dass ich keine Putzfrau bin. Natürlich gehört Putzen dazu, es ist eine ganz normale Wohngruppe, wie Familienleben, da wird halt öfter mal geputzt. Aber es sollte nicht meine alleinige Aufgabe sein. Dazu bin ich auch nicht bereit, ob das nun Gefallen findet oder nicht. Dem ist so!

 

26.06.2012 um 03:43 Uhr

Sieben Seiten

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wenn ich an Deutschland denke in der Nacht…. Irgendwann hab ich das schon einmal geschrieben, und ich meine jetzt nicht in der Schule, weil es da zum Stoff gehörte. Es ist nicht so lange her, aber ich finde es einfach nicht. Vielleicht wollte ich es auch nur, weil ich es so passend fand.

Es passt immer. Aus meiner Sicht.

Natürlich, ich weiß, es ist grade EM, wir sind alle happy. Hab ich schon erwähnt, dass ich mich so gar nicht für Fußball interessiere, und ich diesen Hype darum eher als abstoßend empfinde? Bei all den Fahnen, die einen so entgegen wedeln, frage ich mich, gehen die Leute damit anderen Tags zum Jobcenter? Oder ist das jetzt zynisch? Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun?!

Das Schlimme an der ganzen Sache ist: Ich habe neulich in einer TV-Serie, die in England Ende des 19. Jahrhunderts spielt, einen Satz gehört, der mir nur wieder bestätigte: Wollten wir das alles nicht mal ändern? Diese Klassengesellschaften? Es ging in diesem Falle um 300 Rosen, die die Frau des Gutsbesitzerin aus London hat einfliegen lassen, um ihren Saal für ein Fest zu schmücken und jemand sagte: Unser ganzes Dorf hätte für dieses Geld eine ganze Weile leben können.

Vielleicht sehe ich es wirklich falsch. Schließlich gehört Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt. Wir haben viele Millionäre, die auch mehr oder mehr werden, einige aus den Top Ten haben ihr Vermögen angesichts der Krise oder trotz der Krise sogar vermehrt. Geht es uns nicht gut?

Vielleicht bin ich nur zynisch oder habe Sozialneid? Möglich. Schließlich bekam ich Post vom Jobcenter. Das lässt nie was Gutes ahnen. So war es auch. Ich war zwar erst persönlich dort, wie das bei uns und vor allem bei uns im Landkreis üblich und gewollt ist, um meinen Folgeantrag zu beantragen, mir einen Termin für diesen geben zu lassen. Ich habe das auch getan, habe meine Kontoauszüge treu und brav drei Monate nachgewiesen und bestätigt, es gäbe keine Änderungen. Dem ist auch so. Das hat aber nicht wirklich gereicht. Schließlich kommt es immer mal vor, dass Leute etwas verheimlichen, heimlich im Lotto gewinnen, heimlich eine Erbschaft antreten, eine Bank überfallen, Geld auf der Straße finden, also zu Vermögen kommen und dies verheimliche. Da muss man schon nachhaken. Schließlich hat man die Zeit, die Macht, die Gelegenheit. Nun möchte man die restlichen Kontoauszüge auch noch haben. Das hat man mir gleich in 2 Briefen mitgeteilt. Einen Termin festgesetzt, in dem diese Unterlagen postalisch nachzureichen sind. Nicht persönlich. Das ist dann wieder nicht gewollt. Man könnte fragen, man könnte die Geduld verlieren. Außerdem hat man die Zeit dazu und das Geld dafür hat man selbstverständlich.

So habe ich wieder die Kontoauszüge kopiert, die geforderten Betriebskostenabrechnungen der letzten zwei Jahre, mehr Jahre standen nicht mehr zu Verfügung und habe dieses eingereicht. Nicht über die Post, ich habe es in den Briefkasten dort geworfen. Und harre der Dinge, die da kommen.

Ja, ich bin stinksauer deswegen. Ich würde am Liebsten A… laufen, Autos anzünden. Wobei es fraglich wäre, würde ich die richtigen Autos finden? Wirkliche Luxuskarossen sind in der Gegend eher die Ausnahme als die Regel und dann stadtbekannt.

Und weswegen bin ich stinksauer? Einfach aus Prinzip. Was will man erreichen, was will man sehen auf den Auszügen? Oh ja, ich hätte in diesem Jahr Betriebskosten in Höhe von 75 Euro zurückbekommen. Ich hätte. Aber ich habe im vergangenen Jahr und in den Vorjahren meine Nebenkostenabrechnungen nie eingereicht. Ja, man soll das tun. Aber im vergangenen Jahr musste ich 80 Euro nachzahlen. Ja, ich hab es einfach so getan.

Ich bin es einfach leid. Diese Schnüffelei, diesen Generalverdacht. Man soll mich einfach in Ruhe lassen. Ich habe keine Lust dort ständig anzutanzen, darüber Rechenschaft abzulegen, wie was und wo. Ich bin es leid, mehr als nur leid.

Es interessiert doch eh keinen, wie man das macht. Wie man davon lebt. Sollte man nachweisen, dass es nicht funktioniert, bekommt man doch nicht mehr Geld. Also was soll es?!

Ich stelle den Antrag, weil ich muss. Ich weise nach, was ich muss. In der Zwischenzeit möge man mich in ruhe lassen. Wenn ich könnte, würde ich es lassen. Aber es geht leider nicht.

Ich lebe vom Staat und muss mir daher diese Gängelei gefallen lassen? Das tun Andere auch? Wer bezieht seine Gehälter, Pensionen, Zahlungen, Schmiergelder etc. nicht alles vom Staat?

Es gibt irgendwo ein Urteil, dass ich speziell dieses Geld nicht zu 100 % angerechnet bekommen darf. Dies gibt es. Ich bekomme nämlich nicht die ganze Miete vom Staat bezahlt, weil meine Wohnung zu teuer ist, meine Nebenkosten als unangemessen gelten  und daher selbst etwas bezahlen darf. Das bestimmt natürlich die Kommune selbst, was als angemessen gilt.

Nein, ich könnte umziehen. Unter der Brücke sollen noch Plätze frei sein. Wohnungen zu diesen Konditionen gibt es nämlich nicht. Oder nur sehr vereinzelt, ab und an findet sich irgendwo eine solche Bruchbude. Für den ganzen Umzug kommen dann die Mitarbeiter des Jobcenters und packen meine Sachen ein, tragen das zum Auto, renovieren, tragen es in die neue Wohnung und richten sie dann ein. Nein? Ach, wenn ich das nicht finanzieren und bewerkstelligen kann, kann ich natürlich ein Darlehen dafür bekommen. Das ist doch hilfreich.

Für die Kaution oder die Cortage kann man dann auch ein Darlehen bekommen. Wie viele Darlehen kann man eigentlich erhalten und zu welcher Laufzeit? Wäre doch mal interessant zu wissen, wovon man das dann alles abzahlen soll. Irgendwer wird es wissen.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit. Ich könnte es endlich mal mit Arbeit versuchen. Das wäre hilfreich. Ich müsste keinem mehr Rechenschaft ablegen. Das ist doch endlich mal eine gute Idee. Hätte ich früher drauf kommen sollen. Aber für Dummheit kann man wohl nichts, mir ist es anscheinend nicht eingefallen.

Das Problem ist nur wieder. Es gibt wohl wirklich wenig Arbeit in der Gegend und selten wird sie so gut bezahlt, dass man wirklich das Jobcenter los ist.

Und das eigentliche Problem: Ich weiß nicht mehr, als was ich arbeiten soll?! Das ist der wirkliche Grund, ich weiß es nicht mehr. Darauf werde ich von niemandem eine Antwort erhalten, am Wenigsten vom Jobcenter selbst. Da heißt es nur, Sie müssen Ihre Eigenaktivitäten nachweisen.

Ja, als was. Casus knaxus.

Ich habe darauf keine Antwort. Das Jobcenter führt mich als Verkäuferin (habe ich nie gelernt, aber mal teilzeitmäßig ausgeübt) und als Verwaltungsfachangestellte.

Und das bedeutet genau was?

Ich habe keine Ahnung mehr.

Das mit der Verkäuferin hat sich mehr oder weniger erledigt. Warum bin ich nie auf die Idee gekommen, diesen Beruf zu ergreifen? Weil ich nicht so lange stehen kann. Das war schon vor 30 Jahren so, ist jetzt nicht besser geworden. Im Gegenteil.

Verwaltungsfachangestellte? Was ist das eigentlich? Was gehört heute noch dazu? Mein letzter Büroausflug im Praktikum ist nicht wirklich gut ausgegangen. Ich habe mich weder wohl gefühlt, noch hat man sich mit mir wohl gefühlt. Es passte einfach nicht. Zum Kopieren, Aufräumen, Ordner Beschriften bin ich denkbar ungeeignet. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, und er fällt auch mit ihnen.

Es mag ja sein, dass da eine gewisse Arroganz dahinter steckt. Ich bestreite das gar nicht, ich bin aus dem Alter raus, Befehle auszuführen, das Dienstmädchen zu sein. Mich fragen zu lassen, ob ich von diesem oder jenem schon mal was gehört habe. Vielleicht sollte man das ablegen. Dem widerspreche ich auch nicht. Ich kann aber schlecht aus meiner Haut.

Ja, mich hat diese ganze Geschichte verunsichert. Und Stellenangebote? Nun ich spreche kein spanisch. Viele Stellenangebote, tatsächlich mit ganz speziellen Kenntnissen.

Das hätte man alles Mal lernen können. Wie oft habe ich gesagt, man bräuchte mal wieder eine Weiterbildung? Die hatte ich erst, und was habe ich gelernt? Ich habe eigentlich all das wieder gelernt, was ich schon mehr oder weniger wusste. Es war nicht schlecht, nein, es war interessant, viele Dinge waren verschüttet, es war schön von alldem mal wieder zu hören, seine grauen Zellen anzustrengen, nur gebracht hat es nicht. Das berühmt berüchtigte SAP, was wohl wirklich immer mal gebraucht und gefragt ist, stand nur auf dem Papier, gelernt hat man es nicht. Und dafür Geld ausgegeben. Denn diese Weiterbildung kostete. Wie jede einzelne dieser Maßnahmen, die am Markt vorbei weiterbilden, Geld kosten. Trainingsmaßnahmen, bei denen man lernt, wie der Rechner angeschalten wird, kosten Geld. Und was bringen sie? Die Antwort gebe ich jetzt mal nicht.

Wenn man es genauer betrachtet, da diese Weiterbildung nun einige Zeit her ist, man das alles nicht wieder angewendet hat, könnte man eigentlich wieder eine machen, denn wirklich wissen, wird man davon nicht mehr viel. Es ist praktisch wieder verschüttet.

Ja, man findet sich wieder rein, wenn es denn erforderlich ist.

Jede einzelne Bewerbung, die ich mache, mache ich, weil ich es muss. Ich erwarte nicht wirklich, darauf Antwort zu erhalten. Man kann sich genau vorstellen, was der Personalchef denkt. Meistens sind es irgendwelche Personalanbieter.

Man muss sich nicht fragen, warum ich die Nase voll habe. Das liegt wohl auf der Hand. Ich weiß genau, dass das eigentlich nicht so weitergehen kann. Aber uneigentlich geht es genauso weiter. Wahrscheinlich bis zur Rente. Das soll nicht frustrierend sein? Wie die Rente auszieht, rein zahlenmäßig, kann man sich leicht ausrechnen.

Ich habe sogar gesagt, ich würde umschulen. Natürlich muss es passen. Ich werde kein Altenpfleger. Das kann und will ich nicht. Die Aussage war genau: Da komme ich ganz schnell von allein und selber hin. Die Dame vom Jobcenter hat entsprechend geguckt.

Soll ich in meinem Alter noch umschulen? Hat das noch Sinn? Rein rechnerisch schon. Nur ist das auch nicht wirklich gewollt. Das kostet Geld. Wenn man bedenkt, wie die Weiterbildungen/Umschulungen der Arbeitsagenturen aussehen, bildet man auch hier erfahrungsgemäß am Markt vorbei.

Darum habe ich wirklich die Nase voll. Man möge mich einfach in Ruhe lassen. Das macht man aber nicht. Wenn es konkrete, ich betone konkrete, Vorschläge wären, könnte man sich darauf ja einlassen, würden sie irgendwann auch mal was bringen. Es sind leider immer nur Plattitüden. Nach dem Motto: Wir haben zwar keine konkreten Stellenangebote, aber weisen Sie mal Ihre Eigenaktivitäten nach!

Zu diesem Thema noch mal etwas ganz Verrücktes, was wirklich niemand, nicht mal ein beauftragter Rechtsanwalt versteht: Meine Kumpeline Dany ist seit mehr als einem Jahr krank geschrieben. Sie hatte Krebs und einige Folgeerkrankungen. Sie wird, auch das ist von einem Amtsarzt (Medizinischer Dienst) bestätigt, nicht mehr arbeiten können. Trotzdem wurde der Rentenantrag abgelehnt, weil der für diese Behöre zuständige Amtsarzt, ohne die Patientin gesehen zu haben, bestätigt hat, sie wäre voll arbeitsfähig. Natürlich war sie damit nicht einverstanden, die eigentlichen Ärzte auch nicht, man ging in Widerspruch, der nun bearbeitet wird. Sie wird weiter krankgeschrieben: Nach einer gewissen Zeit gibt es keinen Anspruch mehr auf Krankengeld, also kann man ein Übergangsgeld bei der Arbeitsagentur beantragen. Das wird auch gezahlt. ABER: Sie muss sich vierteljährlich bei der Agentur melden und ihre Bewerbungsaktivitäten nachweisen. Sie ist krank geschrieben, sie ist auch nicht gekündigt. Sie hat einen Arbeitgeber (öffentlicher Dienst, der schon wegen der erforderlichen Abfindungen nicht kündigen wird). Die Dame der Arbeitsagentur hat ihr auch bestätigt, dass das sicherlich unverständlich sei, aber es müsse genauso gehandhabt werden, sonst müsse ihr das Geld gestrichen werden. Sie müsse also auf ihr Formular aufschreiben, wo sie sich wann beworben hat, das wird auch nicht überprüft! – Auch hier Eigenaktivitäten, von jemandem, der krank ist und in ungekündigter Stellung.

Was meine Gesundheit betrifft, so ist das etwas, was ich persönlich, wie so einige andere Dinge vor mich her schiebe. Was ich nicht weiß…

Ich habe auch hier nicht wirklich Lust, mich dem auseinander zu setzen. Wenn man es genauer betrachtet, würde so einige Dinge davon auch Geld kosten. Ich weiß auch nicht wozu? Wozu das alles?

Zwar hatte ich mir vorgenommen, dies mal in Angriff zu nehmen. Da aber zu erwartender Ärger mit dem Jobcenter ins Haus steht, werde ich mir das wohl überlegen.

Was soll auch bei rauskommen? Für alles gibt es sicherlich eine klare Aussage: Ich habe zugenommen, keine Ahnung warum. So viel essen, dass es die Gewichtszunahme rechtfertigt, kann man gar nicht. Ich habe Probleme, wie schon seit langem, mit den Knochen, Rücken, Beine, Halswirbel, Lendenwirbel. Dagegen oder dafür mache ich sogar täglich ein paar Übungen, was nur bedingt erfolg brachte. Der Kreislauf haut nicht hin. Usw.

Es könnte helfen, dass man mal wieder zur Massage geht. Geld und die Ärzte verschreiben dies ungern. Neue Matratzen würden mir auch was bringen. Geld. Ab und an mal Bauchschmerzen (rechts oben). Gallenblase ist nicht mehr möglich.

Weil ich grade mal so schön beim Jammern bin, über das ungerechte, harte Leben, mache ich einfach weiter.

Da gibt es dann noch Paulchen. So toll ist das auch alles nicht. Seine Liebste geht in der Regel nicht ans Telefon, wenn ich anrufe. Ich muss da Geduld haben, sagt er, es ginge ihr nicht so gut. Mir wohl? Dass ich darüber sauer bin, kann man gut verstehen, aber okay ich lasse mal das Thema. Das ist auch nur frustrierend.

Dann gibt es noch das Thema Miststück.

Wir haben uns in der letzten Zeit wenig gesehen. Das lag daran, dass ich ihn nicht mehr bei mir haben wollte. Natürlich kommt mir dabei der Gedanke, in guten wie in schlechten Zeiten, ich fühle mich dabei nicht wohl, aber auf der anderen Seite, es ging nicht mehr. Er hat dann auch nur noch zu Hause gelegen, gesoffen, geraucht, sich mit seiner Mutter mehr oder weniger auseinander gesetzt. Ihr gefiel das nicht, sie rief von Zeit zu Zeit den Notarzt, der ihn auch mitgenommen hätte, was er dann wieder nicht wollte. Es war das altbekannte Lied.

Irgendwann wurde dann doch mal eine Entgiftung in Angriff genommen. Mein Vorschlag war das schon Wochen vorher, aber nach einiger Zeit setzte seine Mutter das dann bei ihm auch durch. Natürlich wurde ich angerufen, ob ich das übernehmen könnte. Ich hab es getan. Ich habe ihn wieder ins Krankenhaus gebracht. Es ging ihm sehr schlecht, es war 5 vor 12. Er lag tagelang am Tropf, um ihn zu ernähren, weil er natürlich tagelang kaum gegessen und etwas anderes außer Schnaps getrunken hat. Tagelang lag er flach, konnte sich kaum bewegen. Ich habe ihn mehrfach besucht. Es dauerte nicht lange, er konnte kaum wieder krauchen, entließ er sich. Was auch nicht neu ist. Ich kann es nicht wirklich verstehen, ein längerer Aufenthalt wäre nötig, eine Reha. Aber das ist nicht gewollt.

Seiner Mutter geht es auch nicht gut. Sie ist 82. Da ist das logisch, sie hatte im vergangenen Jahr eine Rücken-Operation und sich davon nicht wieder ganz erholt. Hat Schmerzen usw.

Nun ist er seit einiger Zeit wieder aus der Klinik. Er ist natürlich zu seiner Mutter gegangen. Anders hätte ich das auch nicht gewollt. Dachte ich mir doch, wie soll das werden, wenn es ihm nicht gut geht, wenn er eigentlich nicht wirklich kann, wie ist es, wenn er dann doch wieder anfängt zu trinken etc.

Noch trinkt er nicht. Es geht ihm gut. Er meldet sich bei mir nicht, seine Mutter natürlich auch nicht. Ich habe dann mal angerufen, wichtig war das nicht, aus seiner Sicht.

Wenn man das Spiel nicht so mitspielt, wie es gewollt ist, wird man ausgetauscht. Oder so. Ich weiß es nicht. Ich bin gefragt worden, ob ich emotional darüber weg bin. Ich bin es nicht. Natürlich will ich das ganze Spiel nicht mehr mit machen. Das ist der Vernunft.

Aber das Herz? Das sagt etwas ganz anderes.

Ich denke oft an ihn. In den ungeeigneten Momenten. Man sieht im TV ein Paar beim Sex, da guckt die Frau den Partner in die Augen. Ich erinnere mich, ich habe beim Sex gern in seine Augen gesehen.

Vor einigen Monaten, nach dem Diebstahl meines Portemonnaie bei Lidl, habe ich, da ich ja eh neue Ausweise brauchte, die Gunst der Stunde genutzt, das Ärgerliche mit dem Nützlichen verbunden und meinen Namen gewechselt. Ich trage wieder meinen Mädchennamen. Eine Art Abschluss, immer von mir gewollt.

Ein Freund fragte mich, woher ich denn zu meinem kleinen, süßen, neuen Namen komme. Ich antworte: Nein, ich habe nicht geheiratet. Es ist mein Mädchenname. Sein Kommentar war, hatte ich nicht erwartet, bei deinem offenen Lebenswandel.

Mein offener Lebenswandel? Schön wäre es. Das mit den Holländern ist nicht so einfach, habe ich doch die Vermutung und im Grunde den Beweis, so ganz gefällt ihr das nicht, wenn ER eine Rolle spielt. Er möchte aber gerne. Mir ist das persönlich egal, ich brauch das mit IHM nicht. Es geht auch ohne ihn. Sie hat mir, vielleicht wegen des Sex, keine Ahnung, gesagt, sie liebe mich (ihn auch). Ich konnte es nicht erwidern. Wen liebe ich wohl?! Ich fand es auch wenig glaubhaft.

Ich gehe gerne mal zu ihnen, oft kann ich mich aber nicht aufraffen.  Manchmal habe ich die Vermutung, vielleicht möchten sie auch gar nicht so richtig. Vielleicht stört man, sie haben viel zu tun.

Es ist immer noch alles sehr spartanisch, ungefähr so, bevor Tine Wittler kommt. Sie arbeiten rund um die Uhr. Für deutsche Verhältnisse würde ich sagen, eine halbe Millionen Euro und viele, viele Arbeiter würden es schnell richten. Sie richten es auch, alleine, mit dem Geld, was sie kurz vorher verdient haben. Das dauert. Er ist zufrieden, glücklich. Was will man mehr, ein tolles Grundstück, Garten als Hobby, eine tolle Frau, viel zu tun. Und sie? So ganz glücklich ist sie nicht. Sie war auch erst, obwohl das Geld knapp ist, eine Woche an der Ostsee, um abzuschalten. Würde ich mir auch mal wünschen. Es ist eine ganz andere Mentalität, Einstellung, als man sie hier hat. Vielleicht liegt es daran, dass sie Holländer sind.

Ansonsten gibt es gar nichts mehr mit dem offenen Lebenswandel. Weder Ronald war in letzter Zeit hier, noch habe ich einen anderen Liebhaber. Ich habe einfach keine Lust. Auch dazu nicht.

Wie sagte Peti? Wenn Du keine Lust auf Sex hast, bist Du wirklich krank.

Keine Lust auf Sex kann ich gar nicht sagen, ich kann mich nur nicht aufraffen, irgendwo zusagen, mich zu verabreden, einen Termin zu machen.

Das ist traurig. Ich sollte mir wirklich mal einen jugendlichen Liebhaber suchen, das würde sicher ablenken und aufmuntern.

Weil es mir grad einfällt, ich fast vergessen hätte. Ich habe mich auf eine Stelle beworben, die ich eigentlich fast gerne gemacht hätte. Es wurden Honorarkräfte für die Euthanasie-Ausstellung der Landesklinik gesucht. Ich habe mir im Zuge dessen einen Vortrag eines Zivi angehört, der sehr interessant war. Hätte ich das auch so gekonnt? Ich war mir nicht ganz sicher, ich habe es nicht unbedingt mit den öffentlichen Reden vor vielen Leuten (ausgenommen Schule, da ging das immer). Ich hätte auch stundenslang stehen müssen. Das ist, wie gesagt, auch gar nicht mein Ding. War es noch nie. Habe mich als Kind schon beim Abwaschen usw. immer hingesetzt. So habe ich das sausen lassen, ob ich wirklich in Frage gekommen wäre, weiß ich nicht. Kurz danach kam das Miststück in die gleiche Klinik übrigens, ich hatte also Beschäftigung. Genug Bewerbungen gab es, es sollte eh ein Pool aus allen Kräften gebildet wäre. Oft wäre es nicht gewesen.

Wenn ich diese sieben Seiten jetzt betrachte, es hat sich nichts geändert. Die Probleme sind die gleichen wie immer. Keine Änderungen im Osten. Man hätte sich diese sieben Seiten auch sparen können. Irgendwann war alles schon mal da. Aber es musste, sollte wohl doch alles mal wieder und auf einmal raus. Es muss ja niemand anders lesen, ist auch nicht wirklich wichtig. Viel zu viel. Und überhaupt…


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01.05.2012 um 21:15 Uhr

Wann ist genug?

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wann ist es eigentlich genug? Wann hat man selbst genug? Wann haben andere genug? Kann man denn alles mit Liebe begründen? Oder worin liegt der Grund? Einsamkeit?

Vor ein paar Tagen habe ich alte Tagebucheinträge von mir gelesen. Davon, wie gut es einem als Single geht. Man kann genüsslich vor dem TV sitzen, gucken was man will und überhaupt entscheidet man alles allein. Das hat seine Vorteile. Und ich habe das mehr oder weniger genossen. Ich gebe zu, ich habe es nicht immer so genossen, wie ich es hätte können. Warum? Aus vielen Gründen. Da spielten Finanzen eine Rolle, Bequemlichkeit.

Das Thema Miststück war noch lange nicht abgeschlossen. Die Frage ist, wann wird es das jemals sein?

Er war in der letzten Zeit ab und an mal hier. Ostern zum Beispiel. Und von Genuss kann wahrlich keine Rede sein. Genuss ist etwas anderes. Warum macht man es dann? Oder woran liegt es, dass man es nicht genießt?

Ich hatte mir fest vorgenommen, ihn nicht wieder rein zu lassen. Und hatte das an und für sich auch nicht. Auf die SMS habe ich selten geantwortet, angerufen hat er nicht, also war die letzte Woche grade große Ruhe.

Aber eine SMS hat mich berührt, wer weiß, ob wir uns noch mal wieder sehen. Das ganz Idiotische ist, dieser Gedanke treibt mir noch heute die Tränen in die Augen. Warum wird so was geschrieben? Wegen der Wirkung? Weil man selbst daran glaubt, weil es möglich ist?

Der Alkohol- und Tabakgenuss ist extrem gestiegen. Ich weiß nicht, wie viel er trinkt und wie viel er raucht.

Das Wetter war schön, also geht man spazieren genau in die Richtung. Man rechnet sich aus, dass man vielleicht mal bei ihm durchklingelt und wenn er abnimmt, sich mal kurz sieht. Nur kurz, damit man sich noch mal sieht, falls es dann doch das letzte Mal war. Man kann es ja schließlich nicht wissen. Obwohl man sich selbst natürlich schon sagt, es stirbt sich nicht so leicht und wer es so oft bekundet, bei dem dauert es noch länger.

Natürlich hat er sich gefreut, es war auch ganz angenehm. Er sieht furchtbar, er trinkt wohl auch mehr als genug. Der Lebensinhalt besteht aus schlafen, trinken, rauchen, quatschen. Das ist auch schon lange so. Schließlich ist das u. a. der Grund, warum man sich sagt, es geht nicht. Es gibt durchaus noch etwas anderes. Du kannst ihm nicht beim Schlafen zusehen oder weil er es gut findet mit schlafen, ihm beim Trinken zusehen, dir seine Geschichten zum 137. Mal anhören und diese Schlussfolgerungen, alle sind schuld.

Das hältst Du selber ja nicht durch.

Aber die Erkenntnis allein führt immer noch zu gar nichts. Ich weiß das, trotzdem wollte ich nach ihm sehen und wieder gehen, obwohl ich ihn kenne und weiß, so einfach wird dir das wieder gehen nicht gemacht. So war es dann auch. Natürlich wollte ich wieder gehen, aber eben so natürlich wollte er mit. Da nützt kein Gerede was, weder von mir, noch von seiner Mutter. Seine Mutter war nicht begeistert, sie ist es sowieso nicht, aus vielerlei Gründen. Sie hat es sich natürlich anders vorgestellt. Er setzt seinen Kopf durch und geht mit, auch wenn ich schon 100 m weg bin, holt er mich ein. Er bleibt dann auch und das Spiel beginnt wie immer von vorn. Von Gehen ist dann keine Rede. Seine Mutter ist so böse darüber dann auch wieder nicht, hat sie doch mal ihre Ruhe.

Wenn du dann irgendwann die Nase so richtig voll hast, wegen irgendwelcher Kleinigkeiten, weil er schläft, trinkt, raucht, quatscht und quatscht, so dass du selbst auch wenig zur Ruhe kommst, dann setzt ihn halt vor die Tür. Mal wieder!

Dann ruft er seine Mutter an, beschwert sich, dass du doch trollig bist und ihn mal wieder vor die Tür gesetzt hast, und er geht, auch wenn er sich kaum auf den Beinen halten kann, das gibt sozusagen Auftrieb, er geht nach Hause und schafft es auch.

Du sitzt hier und denkst, warum nur? Und eigentlich möchtest du heulen. Warum? Weil er weg ist? Weil Du jetzt dann doch deine Ruhe hast und diese dir wieder nicht gefällt? Weil es das Ende ist?

Dann ruft seine Mutter an, fragt dich, was er getrunken hat. Er ist ja so was von besoffen, kann sich kaum auf den Beinen halten, er macht bald das Letzte und warum lässt ihn immer wieder rein, er hat doch bei dir nichts zu suchen (!). Du darfst ihn nicht mehr rein lassen. Du sagst ihr, dass du das alles weißt und versuchen wirst. Aber das versteht sie nicht.

Warum hat er bei mir nichts zu suchen? Die Frage könnte auch noch geklärt werden.

Doch genau das ist sekundär, es geht doch nur darum, wie du dich fühlst, wie du weißt, dass es nicht gut ist. Für niemanden. Du hast ihm schon vor Wochen gesagt, er soll (mal wieder) was unternehmen. Er soll endlich zum Arzt gehen, nicht immer jammern, was alles weh tut etc. Du weißt auch, er will es nicht anders. Er will nichts unternehmen und mal ehrlich, was bringt der xte. Alkoholentzug, wenn man davon nicht lassen kann und will und wenn, auch das liegt ja auf der Hand, ohne Alkohol ja genau so wenig zu ertragen ist……

 

 

 

 

 

 

08.04.2012 um 01:19 Uhr

Paranoia

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Es gibt so Lebensweisheiten, die gelten immer. Man soll nie, nie sagen. Kaum hat man es ausgesprochen, schon ändert es sich.

Heute war mein Vater kurz hier. Er brachte mir u. a. ein paar Zigarren, die schon 30 Jahre alt sind. Von der Goldenen Hochzeit meiner Großeltern. Er kam nicht mehr dazu, sie zu rauchen. Es galt ja immer, was gut ist, wird für besondere Anlässe aufgehoben. In den letzten Jahren hat er nicht mehr geraucht. Gehe jetzt nicht näher darauf ein.

Jedenfalls meinte der Papa, vllt. hast ja jemanden, der Zigarren raucht. Zigarren sollen ja alt sein, je älter, je besser. Paulchen raucht mal ab und an eine Zigarre. Sein Vater, ja mit dem hab ich ja keinen Kontakt mehr.

Warum hab ich das nur ausgesprochen?

Mittags hab ich mich noch mal hingelegt. Irgendwann werde ich durch ein Klingeln geweckt. Man schreckt sofort hoch, wer könnte das sein. Die Zeiten, dass jemand ohne sich anzumelden, vor der Tür steht, sind ja im Grunde vorbei. Das gab es früher mal. Ich praktiziere das von Zeit zu Zeit bei Leuten, bei denen ich weiß, sie freuen sich dann auch.

So wer ist das nun? Ich hatte, das ist im Bett wohl so üblich, nicht viel an. Also erst an die Gegensprechanlage, meldete sich aber niemand. Keiner sagte was. Ich weiß, das Gerät ist ziemlich leise, wissen aber die Meisten. Das klingeln war auch untypisch. Es klingelte noch zwei Mal, aber es meldete sich auf das „Hallo“ immer noch niemand.

Was soll es, wer was will, meldet sich irgendwann wieder. Ich bin davon ausgegangen, war bestimmt das Miststück. Wir haben zwar eine Weile nichts voneinander gehört, aber man kann bei ihm nie wissen. In meiner Nostalgielaune hab ich sogar bedauert, nicht einfach geöffnet zu haben.

Also ging ich an den PC, schrieb auch 2 – 3 Osternachrichten. Da klingelte das Telefon, der Gedanke war, vllt. jemand, dem Du grade geschrieben hast.

Aber die Nr., eine Handy-Nr. mit einer Vorwahl, die kannte ich, da war es schon mal der Ex. Da wird man sofort paranoid. Nein, mit ihm wollte ich nicht sprechen. Ich habe das  Ganze natürlich kontrolliert, werden doch sämtliche Anruflisten auf dem PC automatisch vom Router gespeichert. Irgendwann hatte er doch mal angerufen, die Nummer muss noch irgendwo sein. Nein, diese war es nicht. Was nichts heißen mag, man ändert seine Telefonnummern öfter. Es gibt Sachen, die lassen einen nicht in Ruhe. Im Grund ist es doch egal, wer es war. In diesem speziellen Fall ist es das aber nicht, zu Paulchen habe ich neulich noch gesagt, nö, er hat sich auch bei mir nicht gemeldet. Dabei muss er doch vom Gericht Post bekommen haben, denn die Rentenklärung wird nun nach Jahren vorgenommen. Das wurde bei der Scheidung wegen Gesetzesänderung nicht getan. Also habe ich die Nummer unterdrückt angerufen, und ich glaube, er war es wirklich. Ich kann mir gut vorstellen, dass er auch geklingelt hatte. Vllt. will er mal wieder was wissen wegen Paulchen oder ist nur erschüttert, weil er nun Rentenpunkte abgeben soll. Das kann doch alles nicht in Ordnung sein. Und wieso habe ich eigentlich wieder meinen Mädchennamen angenommen?

Zwischenzeitlich habe ich mich wieder beruhigt. Es fallen einem  Horrorszenarien ein, die man irgendwo schon mal gehört oder gelesen hat. Und bin immer noch der Meinung, egal, was ihn bewogen hat, wenn er es denn war, er soll mich nach 10 Jahren Trennung einfach in Ruhe lassen!

Ja, die Nostalgiestimmung, ergreift mich in letzter Zeit öfter. Ich weiß, es geht einigen so. Heute habe ich im MDR sogar die „Frank Schöbel-Show“ gesehen. Nostalgie pur, die Lieder habe ich als Kind immer vor dem Eltern-Großeltern-Verwandten-Publikum gesungen. Mit dem Hopsestrick als Mikrofon. Ja, ich konnte singen, gut sogar. Wie der kleine Heintje. Nur mit der richtigen Amtung hat es damals schon nicht geklappt. Hätte man üben sollen, sagte auch die Musiklehrerin. Allerdings habe ich das nie getan. Warum weiß ich heute nicht mehr. Später war das auch nicht mehr so wichtig. Über das hätte-man- vllt.-Tun sollen, kann man heute nur noch spekulieren. Die Stimme ist auch nicht mehr so hoch, Stimmwechsel, Rauchen. Egal.

Nostalgie? Woran liegt es, dass so viele nostalgisch werden? Am Alter? Ich bin nur beruhigt, dass wohl einige die Phase durchmachen.

Neulich war ich bei meinen holländischen Freunden/Bekannten. Wir haben uns lange nicht gesehen. Es war Winter, ich hatte wenig Lust, irgendwohin zu gehen. Mancher kann das nicht verstehen, aber es gibt Situationen, da muss man alleine sein, da kann man sich nicht unter Menschen begeben. Viele verstehen das nicht, Kontakte muss man pflegen usw. Das ist alles richtig. Erklären kann man das nur schwer, es ist einfach so. Es gibt Zeiten, da möchte man das nicht.

Jedenfalls hat sich bei den Holländern nicht viel verändert. Ich bewundere sie immer noch. Ein Grundstück, ich weiß nicht, wie viele Fußballfelder, aber es sind bestimmt 2 oder 3. Es lässt sich schlecht schätzen. Gebäude, die seit Jahrzehnten nicht bewohnt sind. Seit der Wende. Mit 1 Mio. Euro und vielen, vielen Bauarbeitern könnte man da  irgendwann was erreichen. Aber zu zweit mit ein paar Euro? Immer so nach und nach. Ich weiß es nicht. Sie sind von früh bis spät auf den Beinen und arbeiten und arbeiten. Leben immer noch sehr, sehr spartanisch.

Ich war nicht angemeldet, als ich bei ihnen aufkreuzte. Hatte meinen Vater besucht und auf dem Rückweg diesen kleinen Umweg gemacht. Sie haben mich schon von weitem gesehen. Freuten sich auch, aber bei ihr hatte ich sofort den Eindruck, ob da nicht vllt. doch was mit ihm sein könnte. Er hat mich sofort umarmt und geküsst  (ohne), hat sich dann auch gleich verzogen, so dass ich mit ihr alleine war. Wir haben uns gut unterhalten, sie braucht ab und zu mal jemanden, dem sie ihr Herzeleid ausschütten kann. Um die Liebe geht es nicht, sie liebt ihn. Aber die ganze Arbeit, das fehlende Geld und dann etwas, was ich nur zu gut kenne:

Wir werden älter. Es hupen keine LKW-Fahrer mehr, wenn wir über die Straße gehen, es pfeifen keine Bauarbeiter, wenn Frau an einer Baustelle vorüber geht. Die Zeiten sind vorbei. Sie sieht immer noch klasse aus, keine Frage, ist schlank. Letzteres kann ich von mir ja schon lange nicht mehr behaupten. Es fehlt. Man fragt sich, ich kann das nur bestätigen, war es das? Wenn man im Leben, beruflich, finanziell etabliert ist, hat man das Gefühl vllt. nicht so sehr. Aber das ist bei uns nicht so.

Wir werden nur älter. Und was kommt dann noch? Was soll noch kommen? Die große Liebe? Das wird bei mir wohl nur schwer möglich sein. Der gute Job mit dem großen Verdienst? Die Wahrscheinlichkeit ist genauso gering. Also was bleibt?

Die große Liebe. Ich weiß es, ich wusste es immer. Egal, ob es funktioniert oder nicht. Ich liebe das Miststück. Es wurde mir vor ein paar Tagen nur zu deutlich. Als ich Bilder betrachtete, fielen mir Fotos von Eddy und mir in die Hand. In Eddy war ich 1996/97 sehr verliebt. Er war mein Kollege, ich war seine Vorgesetzte. Es war schwierig, vllt. deshalb, vllt. aus anderen Gründen. Ich war verheiratet, gut, das hat meinen Mann nicht wirklich gestört – bei ihm. Es war nie etwas zwischen uns, obwohl er in mich auch sehr verliebt war.

Mir sind die Bilder in die Hände gefallen. Ich dachte nur, ach Eddy, da warst verliebt, ihr saht auch gut zusammen aus. So Arm in Arm in einer Feierrunde, ich sah etwas spröde aus, öffentliche Bekundungen liegen mir gar nicht!

Als ich Bilder vom Miststück sah, wusste gar nicht, dass ich diese besaß, ging sofort ein Stich durchs Herz.

Das ist der kleine Unterschied.

Ich gehe dem Miststück aus dem Weg, reagiere nicht auf seine Anrufe, wenn ich weiß, er ist es. Ich öffne die Tür nicht. Fast jedenfalls. Ein bis zwei Mal hab ich das schon getan, Nostalgie oder was auch immer. Keine Ahnung. Manchmal geht es dann auch ganz gut, eine Zeit jedenfalls, Oft merke ich aber gleich, es geht gar nicht. Ich kann es nicht ertragen, ich kann ihn nicht lange ertragen. Es ist einfach zu schwierig, zu kompliziert. Das versteht er natürlich erst recht nicht. Was soll ich ihm sagen? Er würde es auch nicht verstehen, würde ich versuchen, es ihm zu erklären.

Das ist auch der Grund, warum ich viel mit mir allein bin. Natürlich ist das nicht gut. Wem kann ich aber erklären, warum es so schwierig ist, warum ich mit ihm einfach nicht kann. Liebe reicht manchmal nicht aus?

Nessi hat sich ganz von ihm zurückgezogen. Von mir mehr oder weniger auch. Sie versteht es schon, sie kennt ihn ja, sie weiß, wie schwer er es einem machen kann.

Es ist nichts etabliert, rein gar nichts. Und das in meinem Alter?

Die Frage, die man sich immer stellt: Was kann man wann und wo ändern?

Darauf habe ich eben keine Antwort.

Es gibt vllt. auch keine.

Der letzte Flirt, immerhin, war am Mittwoch, als ich Paulchen besuchte. Schon auf dem Bahnsteig wurde ich angesprochen. – Habe gelesen, dass heute gesellschaftlich wieder der männliche Typ und der frauliche Typ gefragt sind, ganz schlank ist out. Sogar die Dicken werden „nachgefragt“ - von den Afrikanern. Immerhin – Von einem Afrikaner wurde ich dann auch angesprochen. Er sprach gut deutsch. Wir haben ein bissel gequatscht, warum auch nicht. Im Zug habe ich allerdings gelesen, er telefonierte. Dann kam doch die Nachfrage, ob wir uns nicht mal treffen, er möchte mich wenigstens noch einmal sehen, Telefon-Nummern austauschen. Und ich? Habe abgelehnt. War es latenter Rassismus? Was willst in unserer Stadt erklären, wenn Du mit einem Afrikaner durch die Gegend rennst? Willst, obwohl es ja wirklich toll und erfahrungswert sein soll, mit ihm in die Kiste? Worüber wollt ihr euch unterhalten? Egal, was der Grund war, ich wollte es nicht. Natürlich wurden wir beobachtet, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Als er ausstieg, eine Station vor mir, wurde ich angesprochen: „Endlich sind Sie ihn los.“

So beißt sich die Katze immer noch in den Schwanz. Nichts Neues im Osten. Eigentlich. Uneigentlich auch.

22.01.2012 um 02:26 Uhr

So dies und das

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Eine Woche ist vergangen. Es war sehr ruhig. Bin ich gar nicht mehr gewöhnt. Und hat es mich gestört?

Ja, das hat es schon. Die Menschen sind eigenartig, erst sich beschweren, und dann ist es auch wieder falsch. Klar möchte ich wissen, wie es ihm geht, was er macht. Das Telefon zu nehmen oder zu schreiben, wäre einfach. Würde aber wohin führen?

Wenn man sich über 30 Jahre kennt, kann man nicht so einfach abhaken. Das war es. Wir haben immer miteinander geredet. Nun gut, ich bin eher selten zu Wort gekommen.

Von Nessi habe ich erfahren, dass die Mutter wohl wieder im Krankenhaus ist. Er hat es ihr geschrieben. Ich bekam auch ein paar SMS die letzten Tage wegen des DVD-Players, wegen einiger CDs. Heute, ob ich zu Hause bin, wenn es klingelt, ist er es. Ich habe nicht reagiert, es hat nicht geklingelt.

Wozu hätte es geführt?

Ich bin momentan eh nicht zufrieden. Das hat viele Gründe, ganz viele. Da ist nicht nur ER oder Paulchen oder die stille Ignoranz meines Vaters, der mit allem überhaupt nicht zufrieden ist, was er so sieht.

Mir gefällt es auch nicht. Vieles nicht. Mein Praktikum zum Beispiel. Macht es Spaß? Wenn man in dem Alter noch ein Praktikum macht, macht es wahrscheinlich per se keinen Spaß.

Ich bin in einem Betrieb, in dem ich schon vor Jahren war. In einem Kinderheim. Dort hat sich einiges verändert und auch wieder nicht. Einige Kollegen sind neu, einige Kinder sind neu. Einige habe ich wieder getroffen, Carsten beispielsweise, der mich auch erkannt hat. Die Arbeit dort ist für die Mitarbeiter mit Sicherheit nicht leichter geworden. Ich bewundere die Erzieher immer noch, die Meisten jedenfalls, wie sie das so weg stecken, wie sie mit den Kindern umgehen.

Aber Erzieher sind auch eine besondere Gattung Mensch. Das sage ich schon seit Jahren. Ich kenne einige und bis auf ein paar Ausnahmen sind die meisten fern der Realität.

Und nicht nur die sind fern der Realität. Es sind einige neue Mitarbeiter eingestellt worden. Nach welchen Kriterien? Ich weiß es nicht mehr genau, ob ich damals von dieser speziellen Erzieherin geschrieben habe. Sie war/ist schon eine Nummer für sich. Eine taffe Frau hat der Bereichsleiter gesagt. Ich möchte das nicht in Abrede stellen. Sie wusste jedenfalls, wie sie sich geben musste. Wichtig ist heute vor allem, dass man sich richtig verkauft. Schon damals kamen Gerüchte von Alkohol auf, natürlich, wer glaubt schon einem Kind, wenn es das sagt. Irgendwie hatte ich und vor allem Nessi, die mich besuchte, schon damals das Gefühl, die hatte doch getrunken. Heute ist sie nicht mehr dort, weil sie während ihrer Nachtschicht zur Tankstelle gefahren ist, um sich Zigaretten zu holen und in eine Polizeikontrolle kam mit 1,7 Promille. Lappen weg, der Kollege, der dann einspringen musste, war sicher begeistert. Irgendwann folgt die Kündigung.

Davon gibt es so einige Beispiele. Ich weiß nicht, ob andere es besser gemacht hätten. Aber Zweifel an der Auswahl dürfen doch aufkommen, zumal wenn man die nicht ausgewählten Bewerbungen sieht.

Und die Damen im Büro? Meine Kollegin und Vorgesetzte ist 32. Ich habe rausgehört, dass sie ihre Schwierigkeiten hatte/hat mit den Aufgaben. Bürokauffrau ist sie. Ist schon eine Weile im Unternehmen, gewechselt wird dort ja oft. Sie ist nett, keine Frage. Sieht gut aus. Ist immer in Bewegung. Was wichtig ist, sieht ja nach Arbeit aus. Kommt  mir bekannt vor.

Sie hat nun eine Praktikant, die ihr hilft, die ihr die unliebsamen Arbeiten abnimmt, die sie nicht schafft. Ablage, Mal dieses oder jenes kopieren, schreiben. Das Übliche halt.

Das ist nicht schlimm. Gut, vielleicht gäbe es Leute, die das besser organisierten, die Arbeit allein schaffen würden, das will ich aber hier nicht beurteilen. Kann ich auch gar nicht, bin ja erst eine Woche dort.

Wir sprechen über meine Mit-Praktikantin (Andrea). Sie ist 31, Wirtschaftsassistentin. Momentan schwanger, so dass ein Arbeitsplatz für sie nicht zur Debatte steht. Manchmal hat sie, um es höflich auszudrücken, eine große Klappe. Respekt fehlt. Haben wir schon während der Weiterbildung bemerkt. Sie vergreift sich manchmal im Ton. Meine  „Chefin wunderte sich, warum Andrea heute so komisch ist. Ich erwiderte, sie ist halt manchmal zickig, vielleicht liegt es ja an den Hormonen, schließlich ist sie schwanger. Und was sagt diese Dame da? Sie hat das auch schon bemerkt, sie waren ja schnell per Du (ist dort eh üblich, es gibt ganz wenige Leute, die sich in dieser Institution siezen), als sie das letzte Mal dort Praktikum machte (während ihrer Ausbildung), da kam schnell eher eine freundschaftliche Situation auf. Sie musste da schon zeigen, wer hier wer ist.

Bitte?

Es war das zwischen den Zeilen, was mich störte. Worauf ich auch nichts mehr zu sagen hatte. Wer ist der Praktikant? Wer ist der Chef? So einfach ist das.

Mit meiner Mit-Praktikantin duze ich mich schon seit unserer Weiterbildung. Habe damit auch kein Problem. Glücklicherweise bin ich viel älter als meine „Chefin“ und muss ihr das Du anbieten. Das lass ich wohl lieber. Das könnte nämlich dahin führen, dass ich sie eher als meine Praktikantin betrachte….


15.01.2012 um 04:23 Uhr

Flittchen

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Lange hab ich überlegt, ob ich überhaupt jetzt noch etwas schreibe. Da mir aber viel durch den Kopf geht und nachdem ich den letzten Eintrag gelesen habe, weiß ich, es ist allerhand (nicht) passiert.

Gestern wäre ich nicht in der Lage gewesen, es nur annährend in Worte zu fassen.

Es hat sich nicht viel verändert. Ich habe in dieser Woche meinen Sohn mit seiner Verlobten besucht. Er freut sich, wenn er uns sieht. Ich weiß von ihm, dass sie meint, ich möge sie nicht. Aber ich gestehe es, ich bin mir nicht sicher. Sie ist ein nettes Mädchen, aber will und kann sie ernsthaft auf ihn warten? Ich weiß es nicht, und ich möchte weder mich, noch meinen Sohn enttäuscht sehen. Natürlich kann man das aus ihrer Sicht auch anders sehen, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ich habe keine Ahnung, was sie macht, wenn sie allein ist und dazu habe ich auch kein Recht. Nach ihren Aussagen kümmert sie sich um alle Belange, die nicht erledigt wurden, und das sind einige. Sie hat viel zu tun, viel Kummer mit ihren eigenen Eltern. Abnehmen kann ich ihr da wenig, ob sie das erwartet? Paulchen möchte konkrete Aussagen darüber, wie ich zu ihr stehe, ob ich ihnen den Segen geben will. Und ich? Ich kann das irgendwie nicht, schiebe es vor mir her und denke, dazu ist ggf. immer noch Zeit. Liege ich damit so falsch?

Bei meinem Rechtsanwalt war ich auch. Wir haben uns eine ganze Weile über dies und jenes unterhalten. Für mein Vorhaben sieht es gar nicht schlecht aus. Das Sozialgericht hat schon vor einem Jahr entschieden, dass die Vorgaben des Landkreises nicht richtig sind, dieser hat bis heute daran nichts ändern wollen. Deshalb wird es noch eine Zeit dauern, bis entsprechende Gerichtsurteile vorliegen.

Einen Praktikumsplatz habe ich auch. Einfach war es nicht. Auf meine Mails haben genau zwei Institutionen geantwortet, davon eine Absage. Der Bildungsträger selbst hat sein eigenes Süppchen gekocht, was mir sehr suspekt war. Dieses Angebot habe ich dann glücklicherweise ablehnen können. Ich gehe darauf jetzt nicht ein, würde zu weit führen.

Und nun zu dem eigentlichen Thema, was eigentlich ein Randthema für mich sein sollte. Nicht ohne Grund habe ich den Link nach den „Katastrophenmännern“ gesetzt.

Die Mutter des Miststücks, -  ich werde mir keinen neuen Namen hier für ihn ausdenken, er ist und bleibt  passend, - ist seit einiger Zeit im Krankenhaus. Operiert wurde sie nicht wieder, dazu ist es wohl zu spät, sie ist zu alt, zu krank. Er war zu Hause, wie das lief, kann ich nicht so richtig beurteilen. Er telefonierte viel. Das Telefon klingelte bei mir auch dauernd. Er trank viel, er besorgte seinen Stoff, sah fern und telefonierte wieder.

Er hat mich mehrmals gebeten, hoch zu kommen, aber ich wollte nicht. Auch als es darum ging, dass sein Antrag ausgefüllt werden musste. Nun ich hatte ihm schon vor Wochen gesagt, dass er sich darum kümmern soll, aber er blickt nicht durch. Er weiß nicht, wie es funktioniert. Seine Nachbarin, eine frühere Mitschülerin von ihm, war zum Kaffee dort. Lange hat sie gar nicht mit ihm geredet, aber die Neugier (so schätz ich es ein, oft hat sie mich nach ihm befragt, obwohl wir uns eigentlich gar nicht kennen) hat sie wohl getrieben. Diese hat dann auch den Antrag ausgefüllt und weggebracht. Er hat es mir am Telefon erzählt, es war okay. Mir ging gleich durch den Kopf: Und die Kontoauszüge. Gesagt habe ich nichts. Er weiß so was ja nicht, obwohl ich es ihm mehrfach gesagt habe, ihr war es wohl egal. Also rief er vergangenen Mittwoch an, der Herr Sowieso hat angerufen, die Kontoauszüge fehlen noch, er möchte diese schnell kopieren und hinschicken.

Und ich Schaf habe gesagt, er solle zu mir kommen, wir können das schnell erledigen. Nach einer halben Stunde tauchte er auf, ich habe denn die Auszüge sortiert. Er hatte Schnaps dabei und für mich eine Tüte Cappuccino. Wir, d. h. ich, haben die Kontoauszüge kopiert, in einen Umschlag gesteckt, den Umschlag frankiert, weggeschickt. Er selbst hat davon nicht viel mitbekommen, er war betrunken und hat wie immer irgendwas erzählt usw.

Natürlich wollte er danach gehen, aber dann doch nicht so schnell und überhaupt. Ich war genervt, denn nun war er wieder da. Es glaubt einem niemand, der es nicht erlebt hat, wie genervt Frau sein kann. Ich weiß nicht, ob ich es so formulieren kann, aber er hat sich schon irgendwie Mühe gegeben, hat nicht ganz so viel geschlafen, dafür hat er mich wirklich beschäftigt. Vor allem auch dann, wenn ich es nicht wollte, wenn ich einfach meine Ruhe haben wollte, ein „Nein“ gibt es nicht.

Wir hatten Sex, das ist richtig. Der war, man möge es glauben oder nicht, gar nicht mal schlecht.

Es ist auch raus gekommen, womit er sich die ganze Zeit beschäftigt hat, warum er, wie er es mir schon am Telefon sagte, so viele Telefonkarten brauchte, er hat viel geschrieben. Das können wirklich nur Männer, ich glaube Frauen würden wissen, wie blödsinnig das ist. Er hat auf irgendein Erotikangebot geantwortet, viele nette SMS und Videos bekommen, pro SMS für 1,49.

Also war er wieder hier, er ging am Mittwoch nicht und auch am Donnerstag, obwohl seine Mutter wohl nicht begeistert war, die Nachbarin bei ihr anrief, sie hätte ihn schon lange nicht gesehen und der TV liefe wohl noch.

Essen haben wir auch bestellt. Ja, ja, man kann es kaum glauben, nach dem er sonst immer sehr gut auf meine Kosten gelebt hat. Eigentlich muss er ja auch nichts essen, das bisschen kann man ja auch trinken.

Am Freitag sollte seine Mutter nun nach Hause kommen. Die Ärzte hatten sich ja entschlossen, nicht zu operieren, die Schmerzen medikamentös zu behandeln. Schon vormittags rief sie an, sie komme nun nicht nach Hause, erst am Montag. Ich möge dafür sorgen, dass er zu Hause ist, er müsse sich ja um sie kümmern.

Er schlief zu dieser Zeit, ich legte mich auch noch mal hin. Es war eine kurze Nacht. Er weckte mich dann mehrmals, so nach dem Motto: Schlaf weiter, aber eigentlich habe ich Frühstück gemacht usw. usw. An viel Schlaf war nicht zu denken, irgendwann legte er sich neben mich, obwohl ich sagte, dass das Bett auf keinen Fall uns beide aushält (auf meiner To-Do- oder To-Buy-Liste stehen schon lange Matratzen und Lattenroste). Als ich aufstehen wollte, er mir kniend (!) Platz machte, krachte das Bett mehrmals. Ich war stinksauer. Vor allem, weil er nicht mal in der Lage war, es zu reparieren. Das geht alleine nicht. Da fehlt eine dritte Hand. Bei mir ging das dann doch alleine!

Ich war wirklich sauer, erstens wegen des Bettes und zweitens weil er ja sicher nun bis Montag hier bleiben wollte. Ob ich das noch ertrage? Ich komme mir nicht gut dabei vor, wenn ich das so sage. Aber ich ertrage es nicht. Ich bin sichtlich genervt. Das tut mir sogar leid, aber ändern kann ich es nicht. Ich weiß, dass einige mich verstehen, wenn sie ihn kennen. Ich weiß, dass die meisten auf Anrufe etc. nur selten reagieren, weil sie sich belästigt fühlen. Die Freundin seines Bruders hat das sehr direkt gesagt.

Er telefonierte noch mal mit seiner Mutter und wollte nun nach Hause. Schließlich lief der Fernseher noch. Ich wollte nicht mit. Er rief seine Nachbarin an,  ob sie ihn fahren könne. Sie bejahte und wollte ihn abholen bzw. sich telefonisch noch mal bei mir melden. Zwischenzeitlich rief Nessi auch noch an und die ganze Zeit quatschte er dazwischen. Das nervte sie und mich.

Die Nachbarin kam nicht, telefonisch war sie nicht erreichbar. Entweder war der Anschluss besetzt, oder es reagierte niemand.

Nun wollte er seine Mutter anrufen. Da er aber nicht in der Lage war, die Nummer aus dem Wiederholspeicher abzurufen, tat ich das und machte den Lautsprecher dabei an, sagte ihm noch, als sie ranging, er könne ihn jetzt ausmachen. Das tat er nicht.

Auf Nachfrage seiner Mutter sagte er, dass er bei mir ist. Das „Hmh“ ihrerseits klang schon sehr viel sagend. Dann berichtete er, dass er die Nachbarin angerufen hat, sie ihn ja eigentlich fahren wollte, aber nicht erschienen ist. Nun er solle diese noch mal anrufen, damit sie ihn noch fahren könne. Aber spätestens am Samstag solle er nach Hause fahren und dann am Montag auf sie warten. Er müsse sich viel kümmern, sie kann nichts mehr machen. Er müsse waschen und die Nachbarin könne ihm ja dabei helfen. – Mit dieser Nachbarin ging er in eine Klasse. Sie waren wohl lange mehr oder weniger befreundet, aber in letzter Zeit hat diese Nachbarin nicht mehr mit ihm und seiner Mutter gesprochen. Sie hat mich oft befragt, wenn beispielsweise der Arzt mal wieder bei ihm war, wie es ihm ginge. In der letzten Zeit hat sie dann angefangen, wieder mit ihm zu reden, sogar seine Mutter im Krankenhaus angerufen usw. Nach seinen und der Mutter Aussagen ist das keine nette, sie tratscht viel, hat einen Freund, der nur alle vier Wochen mal erscheint, was ihr reicht und überhaupt wäscht sie den ganzen Tag, fühlt sich als Hausmeister. Kurz gesagt, sie taugt nicht viel. Das nur als Anmerkung, was man eigentlich von dieser Frau bisher gehalten hat, nun möchte man aber, dass sie hilft. Und das hat sie auch, sie hat ihm den Antrag ausgefüllt und auch schon einiges für ihn eingekauft. Im Telefonat mit mir, hat die Mutter noch gesagt, ich könne ihm ja helfen, wenn ich das möchte. – Sie hat ihm noch einiges erzählt, wie das in nächster Zeit gehen soll. Natürlich kein Alkohol. Sie hat auch eine Sozialarbeiterin an der Seite, die ihr hilft, damit sie in nächster Zeit in die Reha gehen kann. Es muss ja geklärt werden, was aus ihm wird, da er ja nicht für sich sorgen kann. Er schläft ja den ganzen Tag usw. Es klang für ihn nicht gut. Und dann die beste Frage von allen: Hast Du denn alles für das Arbeitsamt erledigt? Er bejahte, dass er den Antrag mit der Nachbarin ausgefüllt hat und die Kontoauszüge mit mir kopiert und weggeschickt hat.

Und was sagt diese Frau dann darauf? „Dann hat sie ja auch mal was gemacht!“

Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig. Bin sofort aufgesprungen, und habe gesagt und das auch ihr, dass könne ja wohl nicht wahr sein. Ich habe doch wohl jede Menge für ihn gemacht!

Das war natürlich so nicht gemeint usw. usw. Ich habe nicht mehr zugehört. Zu ihm habe ich nur noch gesagt, dass seine Mutter ein genauso intrigantes Miststück sei wie er. (Ja, es war mir nicht neu. Ich wusste das schon lange. Kenne sie ja auch alle schon eine Weile). Es dann so zu hören, war aber doch ein Schock.

Wie kann man nur so sein?

Ich wusste, dass er mich oft durch den Dreck zieht. Und sie auch. Da gibt es ganz viele Beispiele. Aber es bestätigt zu wissen, schwarz auf weiß sozusagen, ist schon mehr als nur ein Schock.

Hat er nicht ewige Zeit bei mir gewohnt, ohne dass es ihm was gekostet hat? Habe ich ihn nicht versorgt? Habe gewaschen, gekocht? Habe ihn aufgebaut, getröstet? Habe ich ihn nicht mehrfach, wenn auch erfolglos, in die Klinik gebracht? Habe dort angerufen? Habe ihn besucht? Habe mich sogar ausladen lassen, wenn es ihm nicht passte? Habe ich ihn nicht bei Nessi betreut? Habe ich ihn nicht bei seiner Mutter besucht, betreut, wenn es nötig war? Habe ich nicht für ihn eingekauft? Habe alle Behördengänge für ihn, mit ihn erledigt?

Wie oft habe ich das alles gemacht?

Aber natürlich habe ich in letzter Zeit nachgelassen. Ich bin nicht mit wehenden Fahnen dort hin gegangen. Das stimmt. Ich habe auch noch was zu tun, Probleme. Ich habe mich oft genug von ihm hintergehen und beleidigen lassen.

Ich habe ihn rausgeschmissen. Habe ihm kurz und knapp gesagt, er möge jetzt gehen. Er könne seine Nachbarin noch anrufen, aber die geht ja auch nicht ans Telefon, wenn er anruft, wie die Meisten. Er könne sich ein Taxi nehmen, sein Fahrrad. Aber jetzt geht er. Ich habe die Nase voll.

Es hat doch niemand so gemeint.

Das war schließlich nicht das erste Mal. Und habe ich das nötig?

Zuletzt kam dann noch eine herrliche Beleidigung: Flittchen. Ich könne mich ja auf meine Couch lang und breit machen, wobei lang geht ja nicht, aber breit.

Weiterhin habe ich ihm gesagt, dass ich von ihm und seiner Mutter nichts mehr hören will. Kein Anruf, keine SMS, rein gar nichts. Ich möchte mit beiden nichts mehr zu tun haben.

Danach habe ich Nessi angerufen. Habe ihr davon erzählt, ich war immer noch ziemlich aufgeregt, Ich habe gezittert. Sie hofft nun, dass ich endlich schlau werde. Es war mir ja alles nicht neu. Ob es das alles wert war? Ihr war schon klar, dass die Nachbarin nicht erscheint. Machen sich doch alle im Haus über sie lustig. Ja, ja auch ich habe mich nicht gewundert, dass sie nicht kommt. Wer möchte schon  mit ihm gesehen werden?

Er hat mehrfach angerufen, noch in der Nacht. Auch bei Nessi. Mit ihr habe ich heute auch telefoniert, sie wollte wissen, ob ich mich beruhigt habe. Auch heute hat er angerufen, mehrmals, habe aufgelegt. SMS gegen halb zwölf geschrieben: Du schläfst wohl schon? Kuss

Es gibt auch keine Ausreden wie: er ist ja immer betrunken, sie ist alt, vllt. von den Medikamenten benebelt. Denn selbst, wenn dem nicht so wäre, wäre es nicht anders. Manche Menschen sind halt so. Damit muss man sich abfinden und selbst wissen, dass man sich das nicht antun muss, denn ändern wird man das nicht, man bleibt nur selbst auf der Strecke.

Nessi ist nun gespannt darauf, ob ich ihn wieder rein lasse. Sie meint ja. Ich solle mich auch nicht mehr an mein Versprechen, ihm zu helfen, gebunden fühlen. Das ist nun nicht mehr nötig.


04.01.2012 um 02:12 Uhr

Jahresbeginn

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Eigentlich und uneigentlich ist es schon spät oder früh, je nach Betrachtung. Aber ich kann sowieso noch nicht schlafen. Ist noch nicht so ganz meine Zeit, was ich mal wieder schnellstens ändern sollte. In alte Gewohnheiten verfällt man schnell. Zum anderen geht mir noch so einiges durch den Kopf.

Es ist eine Menge passiert / nicht passiert in letzter Zeit. Auch wieder eine Sache der Betrachtung.

Nach all den guten Wünschen für das neue Jahr, und nachdem ich bei so einer sinnlosen Facebook-App erfahren habe, dass ich immerhin 24 % Glück haben werde dieses Jahr, sage ich mal ganz real, ich erwarte gar nicht viel Glück dieses Jahr. Dass eine bestimmte, negative Botschaft schon am 31. Dez. kam, mag insofern von Vorteil sein. Viel ändern an der jetzigen Situation wird sich nicht, das ist Fakt.

Heute habe ich einen Brief von Paulchen erhalten, und wie man sich denken kann, und wie es auch in den vergangenen Jahren schon immer war, ist dieser sehr sentimental. Das kann schon den stärksten Ochsen umhauen und die Tränen fließen lassen. Er fasst es halt noch mal in Worte, dass er gedacht hat, alles ist okay und dann ist es halt doch nicht so, er ist wieder da, wo er nicht wieder hin wollte und beteuert nun wieder, dort nie wieder hin zu wollen. Er bemerkt es selbst, dass es oft ich bin, die die Kohlen aus dem Feuer holen muss. Es ist nicht neu. Das Einzigste, was er meint, richtig gemacht zu haben, ist die Wahl seiner Freundin. Denn die steht zu ihm. Er bedankt sich bei mir, dass ich versuche, sie zu akzeptieren.

Das ist gar nicht der Punkt. Ich habe immer versucht, seine Beziehungen zu akzeptieren. Sie dauerten meist nicht so lange, jung halt. Ich akzeptiere, ob ich sie unbedingt respektiere ist ein himmelweiter Unterschied. Mütter sind eigenartige Wesen, die wünschen sich für ihre Kinder nicht nur immer das Beste, vor allem das Beste aus ihrer Sicht und haben da konkrete Vorstellungen. Ich war geschockt, als es um Hochzeit ging. Ist denn alles in trockenen Tüchern? Aber wann ist es das schon? Wann war es, und ist es bei einem selbst, in trockenen Tüchern? Niemals. Bei mir herrschte die letzten Jahre ja auch nur Chaos: Nessi, Miststück. Ich hätte mir halt eine starke Frau gewünscht, die in der Lage gewesen wäre, das abzuwenden, was geschehen ist. Aber wäre das möglich gewesen? Hätte es eine gegeben, die das gekonnt hätte, die ihn in den Allerwertesten getreten hätte? Hätte ich es vermocht? Sicher nicht. Wenn jemand die Zügel schleifen lässt, dann kann kein anderer sie straff halten. Das ist vermessen. War ich anders, als ich 22 war? Nein.

Es ist falsch zu behaupten, wie waren damals erwachsener. Wir waren Mütter. Das ist sie auch, auch wenn ich nicht mal weiß, warum ihr Kind bei seinem Vater ist. Ich habe nicht gefragt, weil es mich nichts anging. Und ändert es was? Natürlich hatte ich mit 22 ein Kind, aber warum? Wenn ich darüber nachdenke, dann war es einfach so, dass alle meinten, es wäre an der Zeit, mit 20 schwanger zu werden. Andere sind es schon. Mein Ex war schon eher der Meinung, jetzt bekommen wir ein Kind. Ich habe noch meine Ausbildung beendet und danach die Pille abgesetzt. Wusste ich worauf ich mich einlasse? Nein. Alle kriegen Kinder, alle meinen, es ist ein guter Zeitpunkt, mein Ex sowieso, also bekam ich auch eins. Ich hätte mir nicht getraut zu widersprechen. Ich hatte keine Ahnung von Kindern, ich habe nie Babys gesittet.

Sie versucht jetzt, das Beste daraus zu  machen. Er ist nicht da, sie vermisst ihn. Sie kümmert sich wohl um alles, was er vernachlässigt hat. Einfach hat sie es nicht. Er kann ihr nicht helfen, er ist nicht da, ob er es tun würde, wenn er da wäre, die Frage kann er nur selbst beantworten. Sie versucht ihrem Kind, soweit es geht, Mutter zu sein. Das höre ich raus. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Ja, ich vesuche, sie zu akzeptieren und zu respektieren. Ich mische mich nicht ein. Sie müssen sehen, wie sie das Beste daraus machen. Die Zeit wird zeigen, was daraus wird. Daran kann ich sowieso nichts ändern. Natürlich bin ich traurig, sauer, dass es so ist, wie es ist. Ich hätte es mir einfacher gewünscht.

Klar, er hat die Zügel schleifen lassen. Sein Vater ist nicht ganz schuldlos dran, der ganze Stress mit ihm, aber auch das zählt nur wenig. Ausbaden muss er es selbst, sie es, ich es. Soweit es jeder vermag.

Und der Rest? Nein, das ist nie alles bei mir. Das wäre zu einfach.

Meine Weiterbildung habe ich beendet. Jetzt soll ein Praktikum her. Ist nicht ganz so einfach, wie man sich das seitens des Jobcenters, seitens des Weiterbildungsträgers denkt. Praktika sind auch nicht so ohne weiteres zu haben. Nach Weihnachten, nach Neujahr. Praktikanten gibt es genug. Verspricht sich doch die Politik etwas davon.

Ich bin gespannt, was sich ergibt. Ein Angebot steht, ich kann jederzeit in der Kirche ein Praktikum machen, die sind froh, wenn sich jemand findet. Bei ein paar Institutionen habe ich nachgefragt. Man wird sehen.

Außerdem gehe ich morgen noch zum Anwalt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zum 1. Jan. d. J. gab es ja mehr ALG2. Nur leider bekomme ich 20 Euro weniger. Meine Nebenkosten, von der Miete will ich gar nicht reden, die ist es schon lange, sind zu hoch. Die hat man mal einfach so um 20 Euro ohne Ankündigung gekürzt. Es spielt keine Rolle, dass es für diesen Preis gar keinen Wohnraum gibt, dass sich die Mietnebenkosten sowieso nur immer nach oben bewegen. Der Landkreis muss sparen. So gibt es halt eine neue Handlungsanweisung des Landrates, die Mietnebenkosten müssen angemessen sein.

Ich werde beschließen, mich weniger zu duschen, weniger mich und die Wäsche zu waschen und putzen werde ich auch weniger. Letzteres mag ich sowieso nicht. Außerdem entspricht es ja dem Klischee des Hartz4-Empfängers.

Eines fehlt noch. Richtig. Das Miststück.

Bis einen Tag vor Silvester war er 14 Tage bei mir. Das war nicht unbedingt geplant. Jedenfalls nicht von mir. Er kam eines Abends auf einen Kaffee, wollte für seine Muter noch einkaufen und ging nicht wieder. Sie rief zwar mehrfach an, bettelte und flehte, was aber nicht wirklich was nützte. Er ging nicht. Ich sagte es ihm auch mehrfach, mehrfach beschwerte er sich über mein Treiben, schließlich braucht er 150%ige Aufmerksamkeit. Wenn ich weg musste, mich nicht seinen Wünschen gemäß beschäftigte, also mit ihm, sondern was erledigen musste, einkaufen, Behördengänge, putzen oder auch was am Rechner machte, telefonierte, TV sah. All das gefiel ihm natürlich nicht. Mir missfiel das auch. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr. Nessi hat mir heute gesagt, rede dir das nicht ein, Du bist es nicht. Du kannst ihm nicht immer zuhören, zum 137. Mal seine Geschichten anhören, immer ihn „beduddeln“. Das kann niemand. Das mag alles so sein. Er nistet sich bei dir, macht nichts, benutzt alles. Ja, vielleicht ist es so. Vielleicht ist es auch anders. Wie auch immer. Ich fühle mich nicht gut bei dem Gedanken. Keine Ahnung, vielleicht möchte ich für ihn da sein, mich für ihn verantwortlich fühlen, ihn abhängig machen. Vielleicht ist es auch nicht so, vielleicht benutzt er mich nur.

Ich will es jetzt nicht werten.

Donnerstag war es, als er kam. Wie gesagt, seine Mutter rief mehrmals an, wollte dass er zu ihr kommt, ihr Brot bringt usw. Ihr ging es nicht gut. Sie hatte starke Schmerzen, nahm dagegen allerlei Medikamente, durcheinander, was nicht wirklich half. Am Sonntag war dann große Ruhe. Es war schon Mittag. Ich sagte ihm noch, sie meldet sich nicht, er solle doch wenigstens mal anrufen. Es ging niemand ran. Sie hatte schon am Samstag Abend gesagt, dass sie evtl. den Notarzt anrufen will, um in die Klinik zu gehen. Wo war sie nun? Das machte ihm dann doch Sorgen, er fragte mich, ob ich mitgehe, ich lehnte ab. Und er fuhr los. Ob es nun idiotisch ist oder nicht, ich kam mir nicht gut vor. Klar sagte ich mir, was geht es dich an, und überhaupt, sie ist 81, vielleicht liegt sie da irgendwo in der Wohnung. Das brauchst dann doch nicht, oder? Aber macht man so was?! Er fuhr jedenfalls, ich kam mir nicht gut vor. Was ist nun, wenn sie dort liegt, er weiß sowieso nicht, was er machen soll. Und wenn sie nicht da ist, in der Klinik, weiß er es auch nicht. Er meldete sich dann, sie war nicht da. Ich rief dann die Klinik an, dort war sie. Ich bin dann zu ihm  gegangen. Natürlich hatte ich die Absicht, nur kurz und so. Wer hat das eigentlich geglaubt? Ich? Wirklich?

Wir sind dann mit dem Taxi in die Klinik. Nicht mal das packt er wirklich allein. Wir steigen ins Auto, und er sagt zu dem Fahrer, eigentlich weiß ich gar nicht, wo es hin gehen soll. Ja, in die Klinik, war meine Antwort. Der Fahrer braucht keine Erklärung, wie man ins Krankenhaus kommt, das weiß ein Taxifahrer, dazu ist er es und die Station ist dem relativ egal!

Ihr ging es sichtlich besser. Sie hatte eine Spritze bekommen. Von der Klinik sind wir dann zu mir, er wollte nicht nach Hause. Was soll er dort allein? Er hat es zugegeben, er weiß nicht, was er dort tun soll. Also blieb er. Seine Mutter wechselte noch die Klinik, kam in die Landeshauptstadt, wurde an den Bandscheiben operiert. Am 30. Dez. entließ man sie, sie war zwischenzeitlich schon wieder am Ort im Krankenhaus, für 2 Tage. Aber auch dort wollte man sie nicht mehr. Das ist heute halt so. Es geht ihr nicht wesentlich besser, sie hat immer noch Schmerzen, die Wunde ist nicht verheilt, sie soll sich eigentlich nicht bewegen, was sie uneigentlich doch tut.

Éndlich ging er. Es war wirklich ein Aufatmen. Es ist nicht einfach, ob man das versteht  oder nicht, es ist so. Ich sage das auch deutlich. Ich kann ihn nur schwer ertragen. Die Nähe und Wärme, die ich bis vor einiger Zeit noch empfand, ist nicht mehr vorhanden. Natürlich war auch das nicht einfach. Ihr Freund war auch da, er half mit. Auch wenn in letzter Zeit da wenig persönlicher Kontakt bestand. Dieser Freund mag den Sohn seiner Freundin gar nicht, er sagt es oft, was er von ihm hält. Unrecht hat er nicht. Ich mag ihn übrigens auch nicht, was aber andere Gründe hat und auf Gegenseitigkeit beruht. Er müsste sich viel kümmern um seine Mutter, bei mir hat er 14 Tage nichts getan, außer seinen Stoff besorgt. Er hat viel gelegen, geschlafen, geraucht, mir Geschichten erzählt, vor allem, wenn ich Ruhe haben wollte. Jetzt war er mehr gefordert. Wie das lief, habe ich keine Ahnung. Natürlich hätten beide gern gehabt, dass ich mitgehe. Hätte ich dann beide pflegen sollen? Und den Freund der Mutter übers Wochenende auch noch? Bissel klein die Wohnung.

Während dieser paar Tage hat sie zwei Mal den Notarzt gerufen, der davon nicht begeistert war. Heute hat sie dann, wie schon mehrfach uns gegenüber, der Schwester ihrer Hausärztin erklärt, sie will nicht mehr, sie nimmt sich das Leben (Sie hatte schon vor Tagen erklärt, sie nimmt ihre ganzen Tabletten auf einmal. – Bei Schmerztabletten wird das sicher nicht die Wirkung erzielen – meine Anmerkung.). Auch sie ist nicht einfach, wie man sieht. Sie ähneln sich sehr. Ich will ihre Schmerzen nicht abwerten, mit 81 ist man sicher wehleidiger. Schmerzen kann man auch nicht messen. Jeder geht damit anders um. Dennoch sage ich es, mal hier und habe es auch schon ihm und Nessi gesagt, die mir nicht widersprechen konnte, beide möchten gern der Mittelpunkt sein, jeder muss springen, wenn was nicht so ist, wie sie möchten, andere interessieren wenig. Was hat die Ärztin gemacht? Sie hat sie natürlich wieder in die Klinik eingewiesen. Was sollte sie tun, wenn jemand über unerträgliche Schmerzen klagt und sich umbringen will? So liegt sie seit heute Abend wieder in der Uniklinik der Landeshauptstadt. Die Hausärztin hatte davon abgesehen, sie in die Psychiatrie einzuweisen, was sie erst vorhatte. Suizidgefahr steht aber  auf dem Einweisungsschein.

Woher weiß ich das? Natürlich hat er mich angerufen. Ich war heute nicht viel zu Hause, nicht erreichbar, weil ich Termine hatte wegen des Praktikums und wegen meines Sohnes usw. Es ist auch selbstverständlich, dass er zu mir kommen wollte. Er will nicht alleine sein, er hat es mehrfach erwähnt, er ist dort so allein. Ich habe abgelehnt, bei mir ist auch nichts los. Bei seinem letzten Anruf habe ich auch nicht abgenommen. Als Reaktion bekam ich nur ein „Danke“ per SMS.

Nessi meinte, um das zu erklären, ab und an telefonieren wir schon noch, nun kann er doch mal beweisen, dass er alles so viel besser macht. Schließlich behauptet er das doch immer. Was geht es Dich an?!

So ganz gut komme ich mir doch nicht vor. Sollte man nicht helfen, wenn man weiß, er kommt nicht klar? Gut, er könnte sich und uns überraschen, möglich ist bekanntlich alles, das wird man jetzt erfahren. Oder?! Das ABER für mich, dann wäre er hier, würde hier den ganzen Tag rum liegen, saufen, rauchen, telefonieren mit allen möglichen und unmöglichen Leuten, soweit sie denn überhaupt ans Telefon gehen, würde Geschichten erzählen. Von der Körperpflege die jeder Süchtige vernachlässigt, will ich erst gar nicht anfangen.

Mal ganz abgesehen von allem: Ich habe vor einer Stunde mal alte Sachen gelesen. Wer hat sich denn um mich gekümmert, als er zu Nessi ging, als er zu seiner Cindy ging, als ich hier allein zurück blieb? Wer hatte gefragt, wie es mir dabei ging? Es ist lange her, aber wahr ist es trotzdem.

Was mit der Mutter passiert, wird sich zeigen, ob man ihr helfen kann, ob sie wieder wie vorher wird. Was ist, wenn dem nicht so ist, das ist die große Frage. Was wird dann aus ihm?

01.12.2011 um 20:52 Uhr

Wie sag ich es nur

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Wie sag ich es nur, wie sag ich es mir selbst, das ist die große Frage. Unter Tränen, nun sagen wir mal, noch kann kann Frau sie zurück halten.

Wenn ich nur wüsste, wie ich es sage. Einigen Menschen, ich kann mir das selber irgendwie erklären, einreden, schön reden, wie auch immer. Aber wie verkaufe ich es? Einigen Menschen muss ich es ja verkaufen, das bleibt mir gar nicht erspart. Immerhin ein Jahr. Die Antworten kenn ich auch schon, wieder nichts gelernt und du auch nicht, willst dir das wieder antun. Nein, das musste ja so kommen. Usw. usw.

Alles ist Wiederholung. Dabei heißt es doch, das Leben ist Veränderung. Irgendwie stimmt das nicht.

Und noch vor einiger Zeit sagte ich, es ist alles okay. Man kann stolz sein auf ihn. Naja. Damit hatte es angefangen, mit der Ex vom Ex und irgendwelchen Intrigen, die der Vater auch über seinen Sohn spinnt und trotzdem lief noch alles ganz gut. Was soll man dazu auch sagen? Wenn der Vater es nicht besser weiß, man wird ihn nicht mehr ändern, der Sohn wird es irgendwann erkennen, man will ihn auch nicht unbedingt mit der Nase drauf stupsen, weil immerhin ist es der Vater.

Auf einmal hieß es, es läuft nicht mehr in der Ausbildung. Warum weiß man nicht so genau. Das ist wohl auch bis heute so. Der Chef verhält sich eigenartig. Letzten Endes ist dies sogar jetzt egal. Das war schon ein Schock, war es doch mehr oder weniger die letzte Chance, noch eine Ausbildung zu machen. Er überlegte, es hinzuschmeißen. Ich konnte ihn noch überreden, das nicht zu tun, auch den angebotenen Aufhebungsvertrag nicht zu unterschreiben. Natürlich lief in diesem „Restaurant“ einiges schief. Das hat Frau immer geahnt, die Atmosphäre war anfangs zu familiär und wenn man so einiges hörte, wie was gehandhabt wird, ganz koscher war das nicht. Aber…

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn das ist jetzt egal. Einfach egal. Die Ausbildung ist ca. 1 Jahr vor Beendigung Geschichte. Der Hammer kam ein paar Tage später. Dazu muss ich wohl noch sagen, dass mein Vater irgendwie so was sagte, vielleicht ahnt er es ja insgeheim. Die Aussage war kurz, ich muss noch mal weg. Wohin? Weg halt, frag doch nicht so. Nur kurz, ein paar Tage, Bewährungsauflagen nicht eingehalten. Du wirst es gar nicht merken. Schon das war ein Schock.

Auch das ist nicht alles. Seit Donnerstag ist er nun weg. Abgeholt worden. Wie Schwerverbrecher. Türen aufgebrochen. Sie war fertig, als sie mich anrief. Ich hatte ihm noch gesagt, er soll das freiwillig hingehen, nicht auf die lange Bank schieben. Irgendwann holt man ihn. Am Montag bekam ich dann eine noch bessere Nachricht, die alles andere übertraf. Sie hat etwas gefunden, denn schließlich, vielleicht weil es der Sohn seines Vaters ist, vielleicht auch, weil ich ihm immer zuviel abgenommen habe, öffnet er nur selten seine Post und darüber klar reden wird er erst recht nicht, und in diesem Schreiben stand was von über 334 Tagen. Das muss doch ein Scherz sein. Ja, mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Es ist kein Scherz, denn man muss auf ihn aufpassen, er neigt dazu, vieles zu vernachlässigen, gerade so etwas wie Behördentermine, die sind ihm lästig, auch wenn sie wichtig sind, aber so was schiebt man halt, und zum anderen wird er nicht so schnell sagen, wenn er Mist gebaut hat oder wenn die Dinge ganz anders liegen, das traut man sich halt nicht so schnell, der andere ist enttäuscht. So ist es dann auch. Bewährungsauflagen nicht einhalten, heißt ja auch, dass man die Reststrafe dann absitzen muss. Da muss man nicht gesondert Mist bauen.

Heute sagte sie dann Bescheid, er hat angerufen, es ist so. Sie sagte auch, sie wartet auf ihn. Ob das so ist, wird sich dann im Laufe der Zeit herausstellen.

Ich habe noch keine Post von ihm. Er hat sich nicht telefonisch gemeldet, mich nur durch sie grüßen lassen. Versteh ich auch irgendwie, sie hat Priorität. Oder so…..

Und das ist alles? Mehr Probleme hab ich nicht? Okay, finanzielle, aber das ist ja normal. Oder gesundheitliche, die haben auch viele.

Ach ja, das Miststück. Das Miststück hat ein paar Tage nicht getrunken. Er war oft hier, einfach so und hat auch mal für mich gekocht. So was macht er. Er kocht und geht. Von sich aus. „Ich hab jetzt für Dich gekocht, Mäusle, damit Du was zu essen hast.“ Klar, das ist nicht schlecht. Aber Frau fragt sich doch, warum macht er das. Warum kocht er, isst vielleicht noch mit und geht dann nach Hause, zu seiner Mutter, über die er schimpft. Manchmal ist er auch vormittags, hatte zeit weise einen Schlüssel, hergegangen, hat gekocht, alles hingestellt und weg war er. Das ist auch frustrierend für Frau. Ich weiß natürlich, dass er einfach so ist. Ich habe das mehr oder weniger so hingenommen. Das ist auch der Punkt, warum er immer wieder anfängt zu saufen, alles amoröse geschah bei ihm unter Alkohol, nicht unbedingt im Vollrausch, aber so richtig nüchtern war er wohl nie, generell, nicht nur bei mir. In seinem ganzen Leben.

Seit ein paar Tagen trinkt er nun wieder und das richtig. Seine Mutter ist sauer. Für die hab ich natürlich schuld, ist klar.

Ich hab es ihm schon vor ein paar Tagen gesagt, irgendwann hat er es auch zu gegeben. Wahrscheinlich habe ich es viel eher gemerkt als sie. Er hat ABER in den letzten Tagen noch nie in meiner Gegenwart getrunken!

Heute hat er sich dann benommen wie DAS Miststück. Schon vor um 6, gegen 6 klingelt mein Wecker, bekam ich eine SMS. Gegen 7 klingelte es an der Tür, ich hörte es erst gar nicht. Frau hat früh mit sich zu tun. Irgendwann klingelt er dann oben, eine Nachbarin hat ihn eingelassen. Seit er bei mir ein- und aus geht, also seit 2 Jahren, kennt man mich hier! Er brachte mir Brötchen und Kuchen, mein Frühstück hatte ich schon fertig. Erzählte mir ein bisschen was, das meiste kennt man. Brachte mich zur Arbeit . Er war betrunken.

Nachmittags tauchte er dann wieder auf, ich wollte gerade gehen, hatte ein paar wichtige Wege zu erledigen. Er kam mit, wollte nicht nach Hause gehen. Wir erledigten das. Unterwegs traf er dann irgendeine Frau, die ich nicht wirklich kenne, er erzählte mit ihr lange, ich ging dann los. Er kennt das ja. Ich warte nicht ewig. Nach einer Weile klingelte es an meiner Tür oben, eine Nachbarin stand draußen. Es wollte jemand zu mir, meint sie, er liegt mehr oder weniger vor der Tür. Als ich dann gucken ging, war er weg. Ich sah nur noch einen Rettungswagen fortfahren. Keine 5 Minuten später klingelte es wieder , er war wieder da. Er ist ausgestiegen. Die können einen ja nicht mitnehmen, wenn man nicht will. Darüber denkt man besser nicht nach. Er war mehr als nur betrunken. Ich hätte ihn am Liebsten vor die Tür gesetzt, weil ich nicht wollte, dass er hier bleibt, aber in dem Zustand. Wir aßen noch was. Dann rief Paulchens Freundin an und berichtete mir dann, dass es halt so ist, wie es ist. Ich war geschockt. Er hörte im Grunde zu. Ich hätte sofort losheulen können. Konnte mich nur mühevoll davon abhalten. Und er? Er wollte eigentlich während des Telefonats gehen, nur mal kurz einkaufen, fand aber meinen Schlüssel nicht und war nun sauer. Ich hatte ihn absichtlich weggelegt, er musst sich nichts zum Saufen holen und dann wiederkommen. Irgendwann muss er ja wirklich auch mal nach Hause, seine Mutter wartet, mehr oder weniger. Wahrscheinlich wäre sie froh, wenn er in dieser Situation bei mir bliebe. Nur muss ich früh raus, und er alleine hier, da hat Frau nicht ganz zu unrecht die Befürchtung, ob dann die Wohnung noch heil ist, und wie er dann wohl aussieht. Letzten Endes habe ich ihm ja auch gesagt, dass, wenn er wieder anfängt zu saufen, es ist nicht mehr mein Zuständigkeitsbereichr. Klar, er ist nüchtern (siehe oben) auch nur schwer zu ertragen, aber das braucht Frau halt auch nicht, zumal sie andere Probleme hat. Als  das Telefonat mit Paulchens Freundin beendet war, ich mich nur mühevoll zusammen reißen konnte, bat ich ihn zu gehen, ich muss einfach allein sein. Und seine Reaktion? Ich wünsche dir viel Spaß. Eigentlich wollte ich ja mit dir reden, aber mit dir kann man ja nicht reden. Habe ich schon lange gemerkt. Ich habe Probleme, die dich nicht interessieren, du hast Problem, die mich nicht interessieren. Was soll man darauf erwidern? Er ging dann und knallte mit der Tür….

 

18.11.2011 um 01:27 Uhr

Baustellenstop

von: Paulinchen   Kategorie: Tagebuch

Die Baustellen gibt es immer noch. Sie sind auch immer noch überflutet. Es wird auch nicht wirklich daran gearbeitet. Im Herbst und Winter wird auf Baustellen wohl selten gearbeitet. Oder es gibt keine Pumpe, und wenn es sie gäbe, wo sollte sie stehen.

Die Unzufriedenheit ist immer in sich begründet. Man ist mit sich unzufrieden. Nun kann man das benennen oder nicht, man kann Fragen, warum es so ist , und wie man es ändern könnte. Das führt aber zu recht wenig. Natürlich könnte einem jemand sagen, was man hätte wann anders machen können. Konstruktiv ist das nicht.

Heute hatte ich neben dem Miststück, das auch mal wieder eintrudelte, Besuch. Unverhofft klingelte es und Peti stand vor der Tür. Ich hab mich sehr gefreut. Natürlich hatte sie wie immer wenig Zeit und das Miststück war auch da, so hielt sich unser Gesprächsstoff in Grenzen. Ihr geht es sichtlich gut.

Und sie sagte was, was mich schon seit langem beschäftigt. Sie hat mal wieder viel Kontakt mit einer „alten“ Freundin und Ex-Kollegin von ihr, weil diese sich, für viele nicht überraschend, von ihrem Mann getrennt hat oder trennen will und einen Freund hat. Auf gut deutsch: sie geht fremd. Und da dem so ist, kann sie nur mit Peti darüber reden. Darüber kann man nicht mit jedem reden.

Genau das ist es, was mich schon lange beschäftigt. Ich habe sehr viel Redebedarf. Es gäbe so viel zu bereden. Mit dem Miststück kann ich das aus vielen Gründen nicht wirklich. Ich habe kein Problem damit, dass er ein Mann ist. Im Grunde kann ich mit Männern immer besser reden, aber er gehört nicht zu diesen. Was einen beziehungstechnisch sehr zu denken geben sollte. Keiner ist da, mit dem man reden könnte. Peti ist dafür sehr gut geeignet, aber ich möchte sie nicht ständig mit meinem Mist auf den Keks gehen, weiß ich doch, dass sie immer viel um die Ohren hat, familiär, beruflich.

Wer bleibt dann noch? Nessi. Nun auch das geht nicht mehr so ohne weiteres. Natürlich hab ich immer sehr viel mit ihr geredet, einiges auch ausgelassen (gerade wenn es um Sex ging). Ich vermisse sie schon. Auch wenn es mir so manches Mal auf den Geist ging. Ja, ich weiß das und ich weiß auch, dass die jetzige Situation ihre Gründe hat. Wir immer von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgingen.

Und dann frage mich, woran liegt es denn? Natürlich kann man nicht mit jedem reden. Aber es muss doch auf der großen weiten Welt jemanden geben, mit dem man das kann. Bin ich zu wählerisch? Genau das ist es. Ich brauche keine gut gemeinten Ratschläge, wenn überhaupt dann konstruktive. Verständnis und Loyalität. Das kann man leider nur selten erwarten.

Wenn ich mir so meine jetzigen Kolleginnen ansehe, dann fallen alle aus. Das ist einfach so. Ich weiß bestimmt viel über deren Privatleben. Da gibt es auch eine, die meint, sie ist immer viel allein und hätte wahrscheinlich ganz gerne noch eine Freundin, aber wenn ich mir das Gesagte so anhöre, dann ist das nicht passig. Ich brauche keine Moralaposteln, im Gegenteil. Mein Leben und meine Gedanken sind dafür ganz bestimmt nicht geeignet.

Darum mache ich vieles jetzt mit mir selber aus. Ich habe nicht mal die Lust, es hier zu posten. Da fehlen die Zeit, die Worte und irgendwie gab es das auch alles schon mal.

Klar hab ich neulich mit Nessi telefoniert und klar hat sie, sie merkt schon an meiner Stimmlage, wenn etwas nicht stimmt, erzählt, worum es geht. Aber die richtige Reaktion oder eine von mir erwartete Reaktion blieb aus. Ja, es gibt das Miststück. Das ist der Punkt, den sie nicht versteht.

Ich habe heute grade in meinem Kalender gelesen, dass er vergangenes Jahr um diese Zeit bei ihr war. Es ist vollkommen egal, warum das so war. Es war so. Niemand wird nachvollziehen können, warum sie das wollte. Momentan will sie mit ihm nichts zu tun haben und kann gar nicht verstehen, dass es mal so war. Man kann spekulieren. Ich kann mich gut erinnern, was meine holländische Freundin, die momentan aber auch nicht verfügbar ist, sie hatten sich nach Holland abgemeldet und sind wohl noch nicht zurück, sagte, als sie Nessi kennen lernte. Sie war ganz überrascht, dass Nessi und das Miststück „etwas miteinander hatten“, sie dachte fest, sie liebt Frauen, sie liebt mich. Das hat diese Frau in einer halben Stunde gesehen. Beachtlich. Wunderte mich nicht so ganz, aber zeigt wohl so manches andere.

Mir fehlt jemand. Ich merke das jetzt. Dabei rede ich grade nicht vom Sex, aber das wohl auch. Im Moment lebe ich, ACHTUNG, ziemlich asketisch. Stört mich auch nicht wirklich momentan. Es hätte schon Gelegenheiten gegeben (natürlich nicht mit dem Miststück, der ist nüchtern nicht so ohne weiteres daran interessiert bzw. kann das nicht rüber bringen). Es fehlt mir jemand, mit dem ich reden kann, über alles, ohne irgendwelche moralischen Bedenken, ohne dass dieser völlig überfordert ist, ohne dass mir zweifelhafte Ratschläge, Fragen oder Hilfen geboten werden. Das ist nicht einfach. Ich stelle da wirklich hohe Ansprüche. Möchte auch bemerken, dass ich die selbst nach bestem Wissen und Gewissen erfülle.

Mir fehlt jemand für viele Unternehmungen. Mit Nessi ging das alles, klar. Mehr oder weniger. Ich weiß, dass ich viel gemeckert habe, weil ich die Zuwendungen ihrerseits nicht wollte, den Sex nur bedingt wollte. Ich weiß, dass es auch darum scheiterte. Nicht nur am Miststück. Auch ihre Freundin, die ich nicht ausstehen kann, die wie ein rotes Tuch für mich ist, und, natürlich, ich für sie auch, spielt dabei eine Rolle.

Das Miststück taucht öfter auf, auch gehe ich öfter zu ihm Das lenkt mich ab. Wir haben auch Spaß miteinander. Ich weiß auch nicht, ob ich mich dauerhaft lösen könnte. Das würde mir schwer fallen. Auch wenn es nicht tiefgründig ist. Es ist keine Beziehung, weder im klassischen, noch in meinem Sinne. In seinem sicherlich schon, vielleicht. Keiner weiß das genau. Er ist halt da. Das ist es momentan was zählt, auch wenn es mich nicht befriedigt. Im Sinne von Sex sowieso nicht. Im Sinne von Vertrauen, Loyalität erst recht nicht.

Es gibt niemanden anders, der diesen Platz einnehmen könnte. Gefühlsmäßig wird das vielleicht nie der Fall sein. Wie sagte Nessi neulich, Du bist halt nicht der Kuscheltyp. So ist das, bei ihm war das immer anders. Aber momentan nicht mal das.

So schlage ich mich mit meinen Baustellen rum. Und habe weder für die Eine noch für die Andere eine Lösung. Ich werde sie auch nie haben, manche Dinge kann man nicht ändern, weil es eigentlich nicht die eigene Baustelle ist. So ist das Leben….

Und darum fehlt jemand, jemand, mit dem man darüber reden könnte….

Ich warte auf die Zeit, wenn ich wieder über 2,3 Liebhaber zur gleichen Zeit berichten kann. Die Zeiten gab es schon mal. Wenn sie wiederkommen, wenn ich dazu wieder in der Lage bin oder mich damit ablenken kann, vielleicht geht es mir dann besser. Die Baustellen sind dann nicht mehr so unüberwindbar, werden einfach akzeptiert.