Plateforme

14.11.2013 um 23:37 Uhr

Trennungen

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken


 

Zur Zeit allgemeines Trennen. Schon das dritte Gespräch in kurzer Zeit dazu. Die Frage ist nur, mit wem redet man selbst, wenn Bedarf ist?

Weswegen trennt man sich? Neue Verliebtheit? Mangelnde Liebe? Das Gefühl, sich nicht mehr zu verstehen? Das Gefühl etwas zu verpassen?

Und welcher dieser vielen Gründe ist der Beste? Der Eigentliche? Und was kommt nach der Trennung? Die Besinnung? Das Neue?

Niemand weiß es. 

 

14.11.2013 um 23:25 Uhr

Loyalität

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Loyalität gibt es nur ganz oder gar nicht.
Meistens gar nicht.
Eine wichtige Eigenschaft, wenn nicht die wichtigste überhaupt ist Loyalität.
 

30.06.2012 um 18:07 Uhr

Ohne Worte

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

27.04.2012 um 01:48 Uhr

Mauer geschrieben am 13. 8. 2009

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

In ein paar Tagen jährt sich ein Datum, das ich selbst nie erlebt habe. Die Mauer wurde gebaut. Als ich geboren wurde, war sie schon da. Ich habe sie nie hinterfragt. Ich kannte es doch gar nicht anders.

Natürlich wusste man, es gibt noch ein zweites Deutschland. Es kam sogar immer mal Besuch aus diesem Land vorbei. Die brachten tolle Dinge mit, sagten komische Sachen und dachten immer, wir sind die armen Brüder und Schwestern, die so unfrei sind. Andere Menschen. Wir armen.

Hat man sich so gefühlt? Nie. Wie waren nicht arm. Keiner ist verhungert. Die Tische waren reichhaltig gedeckt. Jeder hatte seine Wohnungseinrichtung, die sich nicht wirklich von westdeutschen unterschied. - „Ihr habt auch eine Schrankwand?“

Arm? Was ist denn Armut? Und warum sind wir unfreier als die da „drüben“. Die müssen sich doch mit Gewerkschaften rumschlagen, mit Lohnforderungen, mit Preiserhöhungen. So was gab es doch bei uns nicht. Hier ging keiner auf die Straße, weil man Energiepreise erhöhen wollte.

Niemand hat mich verhaften wollen, weil wir gerade Besuch aus dem Westen hatten. Im Gegenteil: Ich wurde beneidet. Um meine Jeans. Um meinen tollen Pullover.

Wir durften kein Westfernsehen gucken? Wer sagte denn das? Worüber sprachen wir auf dem Schulhof, über die neueste „Klimbim-Sendung“. Wir nahmen die Hitparade von NRD2 auf. Wir sahen „Dracula“.

Wir wollten FDJler werden. Natürlich. Wer wollte den ewig mit dem Halstuch rumlaufen. Und das tiefe, sonore „Freundschaft“ klang so cool.

Wir lebten in der DDR. Wir glaubten auch an das Gute, den Sozialismus. An dieses bessere Leben. In den 70iger Jahren war bei fast allen dieser Glaube noch verbreitet. Die DDR war gut. Der Westen war schlecht. Und irgendwann wird es überall so gut sein, der Sozialismus wird siegen. Wer hat daran gezweifelt? Wer wollte daran zweifeln? Wer „haute“ ab? Das waren, und das ist nicht mal unrealistisch, Leute, die eigentlich in der DDR genug Privilegien hatten, die in Künstlerkreisen verkehrten, in Kreisen der Intelligenz und sich materiell mit Sicherheit nicht beschweren konnten.

Wir gingen zur Disco und tanzten nicht nach „Karat“ Wir tanzten nach BeeGees und Smokie und was gerade so aktuell war. Wir hörten Beatles. 60/40 ja klar, das war gewollt. Die Tanzflächen leerten sich aber sofort, wenn Ostrock oder was man dafür hielt, gespielt wurde. Nur ganz weniger Lieder dieses heutigen Ostrock erhielt damals schon unsere Zustimmung.

Waren wir blind? Haben wir nicht gesehen, dass es alles grau war? Von den Kohleheizungen. Dass es in den Geschäften immer weniger gab. Dass die Wirtschaft immer mehr den Bach runter ging. Natürlich haben wir das gesehen. Jeder hat es gesehen. Mancher hatte dafür gute Erklärungen: Die DDR ist ein armes Land, verfügt über wenig Bodenschätze, musste nach dem Krieg Reparationsszahlungen an die UdSSR leisten, die Wirtschaft erst aufbauen. Das ist auch nicht falsch.

Die Idee des Sozialismus war gar nicht schlecht. Sie besagte, dass es keine Schichten gab, kein arm und reich. Die Produktionsmittel gehörten allen. Kein Kapital. Alles fürdas Wohl des Volkes.

Es waren Schlagwörter. Diese Schlagwörter hielten sich bis zum Schluß. Man kann wohl niemandem wirklich vorwerfen, dass er daran geglaubt hat. Bis zu einem gewissen Punkt. Es waren Schlagwörter und Losungen, die sich gut zum 1. Mai oder 7. Oktober machten. Wer hat Zeitung gelesen? Wer hat wirklich „Aktuelle Kamera“ gesehen? Diese Selbstbeweihräucherung. 110 % Planerfüllung.

Losungen:

              Arbeite mit! Plane mit! Regiere mit!

              Mehr produzieren besser leben!

              Unser Arbeitsplatz – Kampfplatz für den Frieden!

              Von der Sowjetunion lernen – heißt siegen lernen!

 

              Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen.

 Diese Losung nahmen einige sehr wörtlich und klauten alles, was nicht niet- und nagelfest war.

Jeder hat seine eigene Biographie. Jeder hat seine eigene DDR erlebt. Es gibt sicherlich viele, die gar nichts Negatives sagen können. Was auch? Darum kann man sie auch schlecht erklären. Sie wurde von jedem anders erlebt. Jeder wollte sie auch anders sehen.

 

 

 

 

27.04.2012 um 01:46 Uhr

Sport geschrieben am 26. Jan. 2009

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Es wurde sehr viel über Struktur im Leben geschrieben. Unterschiede zu „uns früher“ und heute. Es gibt viele Gründe, warum die Dinge so sind wie sie sind, warum man sich mit ihnen arrangieren muß, warum man nicht vermag sie zu ändern oder nicht will. All das ist sehr individuell.

 Ich hab hier nicht zuletzt die Pioniergesetze und die 10 Gebote reingestellt, weil sie sich vllt. in einigen Dingen gleichen oder uns Ansporn waren, unser Leben zu leben. Ob wir das immer getan haben, ob wir damit einverstanden waren, ist eine ganze andere Sache.

Einige Dinge haben sich geändert. Das ist eine uralte Weisheit. Wir kennen alle den Spruch: „Früher war alles ganz anders“. Wir haben ihn gehasst und doch entdecken wir heute, dass wir ihn selbst benutzen.

Was war denn nun anders? Es sind viele Dinge, aber kommen wir auf eines ganz besonders zu sprechen. Eines, was ich gehasst habe, eines was ich nicht vermissen würde.Das ist das Pioniergesetz: Wir Thälmannpioniere halten unseren Körper sauber..., treiben Sport...“

Sport war es, was mir das Leben zur Hölle machte. Sport war wichtig, es war Hauptfach. Alle waren sportlich, nur ich nicht. Maximal so kleine Dicke, aber die gab es damals ja noch nicht so viel. Ich war nicht sportlich. Sport gab es immer und überall, in den Kindergärten, Schulen, Ferienlagern, in Arbeitsgemeinschaften, in der Ausbildung, im Studium, bei der NVA, in Betrieben.

Ich war schlank, neigte eher zu Untergewicht, aber ich war gelenkig wie ein Brechstange. Im Kindergarten war das noch gar nicht so aufgefallen, vielleicht wurde damals noch nicht so sehr viel Wert darauf gelegt. Aber in der Schule stellte es sich heraus, sie kann es nicht.

Die Schule machte Spaß - sicherlich. Man war auch ganz gut darin. Es gab so Fächer, die lagen einem nicht so. Ich habe erst neulich erklärt, von Physik habe ich keine Ahnung, Frauen müssen sowas nicht wissen. Ich erhielt darauf viel anerkennendes Gelächter, die Meisten waren wohl meiner Meinung – Frauen. Ich konnte auch nicht malen, basteln. Es lag mir nicht.

Meine Eltern waren da andes. Sie waren beide sportlich. Meine Mutter konnte auch ganz gut malen. Sie war zuständig für Hausaufgaben, wenn es dann hieß, malen. Und die Lehrer nun ja, da hieß es, streng Dich an, bemüh Dich. Man kann alles lernen. So war es dann auch so, wenn meine Mutter meine Zeichenaufgaben erledigte, dass ein Lehrer sagte. „Siehste, wenn Du Dich anstrengst, dann geht es auch. Dafür gibt es eine Eins.“ Und ich dachte: „Du Trottel, das hab ich überhaupt nicht gemacht, das war meine Mutter.“ Die Eins nahm ich und sagte dann zu ihr: „Du hast heute eine Eins bekommen.“

Sport lief aber anders, nicht nur, weil es Hauptfach war, es konnte auch keiner für einen erledigen. Kinder sind unbarmherzig, Eltern können es zuweilen auch sein. Ich erntete dann bei meinen sportlichen Aktivitäten immer viel Gelächter. Es gab Lehrer, z. B. In der Ausbildung: „Sie laufen nicht schön, aber elegant.“ Diese Lehrerin wurde dann irgendwann gefeuert, nicht weil sie unsportlich war, sondern weil sie in die Lehrlinge während des Unterrichts beklaute. Die trieben Sport, die Lehrerin beklaute sie unterdessen.

Es war immer ein Grauen. Meine Mitschüler, auch wenn sie mich teilweise lange kannten, hatten doch ihren Spaß daran. Andere Klassen natürlich noch viel mehr. So hörte ich mal, wie zwei meiner lieben Freundinnen zu einem coolen Kerl sagten: „Komm doch mal ans Fenster gucken, wenn wir Bockspringen machen, Du lachst Dich kaputt.“ Ich hätte ihn natürlich auch bestellen können, wenn sie ihre Ergüsse in Deutsch zeigen, aber das war nicht cool. Sport war cool.

Die Sportnote sah nicht gut aus auf dem Zeugnis. Mein Vater, natürlich bestrebt für seine Tochter das Beste zu wollen, meinte dann: „Studieren kannst (Direktstudium) Du nie, mit der Sportnote ist das einfach nicht möglich.“ Er hatte nicht Unrecht. Ich wäre gern Lehrerin geworden, Deutsch, Russisch, Geschichte. Aber mit dieser Note in Sport, das war wohl undenkbar.

Er unternahm auch viel dagegen. Er, hätte es das zu seiner Zeit gegeben, wäre gern auf eine Sportschule gegangen. Nun so einfach war das zwar nicht. Die Auswahlkriterien dafür waren hoch, außergewöhnliche sportliche Leistungen, olympiafähig waren Bedingung. Wer das nicht brachte, wurde schnell geschasst. Wie nachgeholfen wurde, wurde spätestens nach dem Zusammenbruch der DDR bekannt. Doping.

Ich wurde in allen möglichen und unmöglichen Sportgemeinschaften angemeldet. Ich mußte das lernen. Gebracht hatte es nicht viel, nur die Aussage der damaligen Lehrerin, heute Leiterin des Jugendamtes: „Warum bist Du eigentlich hier, hier sollen doch Kinder sein, die sehr gut im Sport sind, auf die kann man sich so nicht konzentrieren.“ Mein Vater selbst Übungsleiter nahm mich zu seinen Stunden mit, er trainierte eine Jungenkegelmannschaft. Bestandteil war natürlich auch das Sportabzeichen. Ich mußte dann teilnehmen, was bei seinen Jungs viel Freude auslöste. Das Sportabzeichen bekam ich dann in Bronze, wurde nachgeholfen sozusagen. Was zumindestens den Vorteil hatte, die Zensur verbesserte sich allein durch die Tatsache und dass man schwimmen konnte.

Einzig meine Oma hatte Verständnis und sagte mir, ich solle nicht traurig sein, manche Dinge kann man nicht lernen. In anderen Dingen bin ich doch gut und überhaupt kann sie das nachvollziehen, denn sie konnte nie singen und weiß wie es mir geht.

Gebracht hat diese ganze Treiberei nicht viel, irgendwann wollte ich überhaupt nicht mehr. Mein Vater sah ein, dass es nichts brachte. Man nahm die Zensur hin. Selbst einige Lehrer erkannten, es hat keinen Sinn, lieferten mich nicht mehr der Lächerlichkeit aus. Während der Lehre war ich dann auch die, die nicht am obligatorischen Sportfest teilnehmen mußte. Ich war nur anwesend. Meine Mutter war aktiv und teilte sich in ihrer Altersgruppe die vorderen Ränge abwechselnd mit der damligen Direktorin für Kader und Bildung.

Das änderte natürlich nichts an der Tatsache, dass die Zensur miserabel war. Ich war nicht sehr strebsam, ich war immer der Meinung, eine Zwei reicht durchaus. Mein Vater sagte dann auch immer: „Für eine Eins muss man im Grunde besser sein als der Lehrer.“ Das Ende vom Lied ist allerdings, ich wurde nie Lehrerin. Ob ich eine gute geworden wäre? Wer weiß das schon.

Unterrichtet habe ich in Jugendjahren viel.Nachhilfe, meine Oma in Russisch, was immer sehr lustig war. Ja, es wäre der Traumberuf gewesen.

Und man erlernte einen Büroberuf, weil meine Klassen- und Deutschlehrerin sagte, bei Deinem guten Deutsch, kannst das machen. Ja, was solls. Vorstellungen hatte man keine. Es hätte sicher viele Alternativen gegeben, aber wer weiß das schon mit 15,16.

Glücklich war ich nicht. Es war nicht mein Wunschberuf und gut war ich in den ersten Jahren auch nicht. Auf dem Ausbildungszeugnis schlägt die Sportnote auch negativ zu Buche.

Hätte die DDR länger gedauert, hätte ich sicher die Chance ergriffen, irgendwas in der Ausbildung zu machen. Zweiter Bildungsweg. Ich nahm kurz vor der Wende Anlauf, Paulchen war aus dem Gröbsten raus. Mein Mann war von dieser Idee sicher nicht so ganz begeistert, er wußte es nicht mal so richtig.

Es gab halt so Aussagen einer Kollegin, die ein Sonderstudium/Fernstudium absolvierte, mehr schlecht als recht: „Prozentrechnung oder Deutsch – sowas hatten wir während des Studiums nicht, das muß ich also nicht können.“ Aber wir hatten das 10 Jahre lang oder. Diese Aussage bekräftigte mich dann, wenn die das geschafft hat, dann Du doch erst recht.

Die Wende machte die Pläne unmöglich. Die Politik der Arbeitsagentur sowieso. Man hat alles umgeschult, vom Maurer zum Elektriker, vom Elektriker zum Maurer, vom Koch zur Anwaltsgehilfen. Man hatte Tausende Bürokaufleute ausgebildet, Tausende Bankkaufleute. Wozu weiß niemand? Gebraucht wurden sie nie. Aber ich hatte ja einen Beruf, für mich kam das nicht in Frage. Erst viel später erhielt ich die Möglichkeit, einen zweiten kaufmännischen Abschluß zu machen.

Natürlich hätte man vieles tun können.Hätte man das Geld gehabt, hätte man es bezahlen können. Eine meiner Kolleginnen, die 1997 noch ein Studium begann, sagte dann auch, warum machst Du das denn nicht. In erster Linie konnte ich natürlich meine Familie nicht im luftleeren Raum hängen lassen.

Es hat mir auch mal ein Dozent gesagt. „Warum unterrichten Sie kein EDV. Das wird gesucht.“ Damals jedenfalls. Nun, ich traute es mir nicht zu. Ich war der Meinung, EDV kann man nur unterrichten, wenn man davon allumfassend Ahnung hat. Wie irrsinnig meine Meinung war, erlebte ich in jahrelangen Weiterbildungen und Qualifizierungen, die alles in allem auch Spaß machten. Erwachsene in Ausbildung sind wie Kinder, benehmen sich wie Kinder, ihre Kinder würden sie was erzählen, benehmen die sich so wie man gerade selbst. Es war immer lustig!

Da gab es so einige Dozenten, die sich von jetzt auf gleich widersprachen, die noch im Unterricht ausprobierten, wie man dann Buchstaben in Word bunt macht. Eine wichtige Sache. Die während des Unterrichts aus dem Fenster guckten.

Den Dozentenschein, der dafür nötig wäre, den hab ich natürlich auch nicht. Bezahlt hat ihn das Amt nicht. Wie hätte man die 1000 DM dafür aufbringen sollen, wie es der Familie plausibel machen? Wäre es anders gelaufen? Wer weiß das schon.

Die Arbeitsamtpolitik war immer falsch. Es wurde ausgebildet, was nicht wirklich gebraucht wurde. Hätte man nicht, wie in den Nachkriegsjahren, Lehrer ausbilden können. Schnellbesohlung. Die werden doch immer mal händeringend gesucht, obwohl es viele arbeitslose Pädagogen gibt. Hätte man nicht im Sozialen ausbilden können? Altenpflegerinnen wurden viele ausgebildet, aber ansonsten?

Ich wollte immer unterrichten. Mir wurde auch nachgesagt, dass ich ganz gut bin darin. Viele Jahre habe ich selbst mit Arbeitslosen gearbeitet, ich habe sie betreut sozusagen. Meine Kolleginnen bewunderten immer meine Gelassenheit. Der etwas zurückgebliebene Kollege, der drei mal die Woche kam, um nach seinen Urlaub zu fragen, bekam eine Antwort, auch wenn ich nicht mehr in die Urlaubsliste schauen mußte, ich wußte es. Andere machten sich darüber lustig, ich nicht. Ich konnte ihm auch 20 mal sagen, wie er genau das machen soll. Ich verlor nicht die Ruhe.

Die Ruhe verlor ich erst im Kinderheim. Da habe ich gebrüllt, weil es manchmal nicht anders ging, weil der Ton, die Handlungen so abartig waren, dass sie gewöhnungsbedürftig waren und man sich manchmal einfach Luft verschaffen mußte. Aber selbst da verstanden manche meine Gelassenheit nicht, in manchen Situationen. Man kann sich nicht immer über alles aufregen, das gibt graue Haare. Warum hat Carsten seine Hausaufgaben so unkonventionell gemacht? Warum hab ich ihm alles vorgeschrieben, ganz ordentlich, ich hab mich wirklich bemüht, und er es nur abgeschrieben? Schließlich soll er schreiben. Weil er die Konzentration nicht hatte, weil sein Schriftbild dann unleserlich war, weil er so gezwungen war, mal richtig ordentlich und richtig zu schreiben. Nein, Pädagogen sehen das anders. Aber okay.

Wäre es für mich erfreulicher, wäre es anders gelaufen? Ich weiß es nicht, sowas weiß man nie. Irgendwann hab ich mich mit meinem Bürojob angefreundet.

Beruf ist nicht alles, was es an Freude gibt. Aber ein wichtiger Bestandteil. Es ist wichtig, weil es Selbstvertrauen gibt. Von der ganzen finanziellen Seite mal ganz zu schweigen.

Und was macht noch Freude im Leben? Freunde, Bücher, Sex, Filme, Hobbies, Reisen... Alles davon. Gesundheit nicht zu vergessen.

Die Erkenntnis: Die Freude am Leben sollte man sich bewahren, wo immer man sie findet. Man sollte sie auch suchen. Vllt. auch manchmal ganz unkonventionell. Sie ist wichtig. Und Struktur hat jeder von uns, sie wird einem durch irgendwelche Gesetzmäßigkeiten, irgendwelche Regeln aufgezwungen. Ob man sich dessen wirklich immer bewußt, ob vieles nur unbewußt ist, nun ja.

Was den Sport betrifft, das hat sich heute geändert. Heute ist Sport in den Schulen weniger wichtig, Arbeitsgemeinschaften gibt es kaum noch. Vereine buhlen teilweise um Nachwuchs. Die Kinder haben keine Lust, sind auch unsportlich, oder es fehlt am nötigen Kleingeld. Für die Gesundheit ist es sicherlich förderlich, gäbe es mehr Sport. Auch in meinem Leben. Wobei ich dann eine gewisse Sportart vorziehe.

 

 

26.04.2012 um 19:15 Uhr

Nervend

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Es gibt einige Dinge, die nerven, wirklich.

Mich nervt zum Beispiel zur Zeit die Berichterstattung zum Arbeitsmarkt. Ich kann es nicht mehr hören, dass wir Fachkräfte brauchen. Unser Land geht vor die Hunde. Wir haben keine Fachkräfte. Wir müssen ganz dringend, was eigentlich? Leute ausbilden? Mehr Fachkräfte ins Land holen?

Die Berichterstattung über die Herdprämie, das Betreuungsgeld nervt ebenso.

Und was macht der gute Bundesbürger, wenn er sich genervt fühlt? Er schaltet ab oder um oder hört einfach weg.

Eines ist ganz klar, bei aller Berichterstattung bekommt der mündige Bürger die Meinung, die er zu denken hat, gleich mit geboten. Ist sehr praktisch, muss niemand mehr selbst nachdenken, was er zu denken hat.

Ich habe mal gesucht und habe tatsächlich keine einheitliche Definition von Journalismus gefunden und auch keine einheitlichen Anforderungsprofile für Journalisten.

Eingebildet hatte ich mir natürlich, dass Journalismus sachlich sein sollte. Das Darstellen der Fakten. Aber es gibt eine Unmenge Beispiele, da bekommt  man die Meinung des Berichterstatters gleich präsentiert oder jedenfalls die Meinung dessen, der den Berichterstatter beauftragt hat (TV-Sender, Zeitung etc.).

Vor einigen Jahren gab es in unserem kleinen Land, dem Land der Frühaufsteher ein Problem. - Wobei mich niemand jemals gefragt hat, ob ich Frühaufsteher bin. Ich bin es nicht! - Ein paar unverantwortliche Eltern hatten eine Volksabstimmung gefordert und Unterschriften gesammelt. Die trauten sich was! Macht man denn so was?! Die wollten doch tatsächlich die Betreuung in den Kindergarten und Kinderkrippen für alle Kinder gleich regeln. Hintergrund war, dass man für Kinder von ALGII-Empfängern die Betreuungszeit der Kinder in den Einrichtungen auf 5 Stunden reduziert hatte. Waren die zu faul, ihre Kinder zu holen? Die sollen sich doch um ihre Kinder kümmern, schließlich Zeit haben sie ja. Alles auf Kosten des Staates. Dabei hat doch Sachsen-Anhalt ein vorbildliches Betreuungssystem im Durchschnitt zu den anderen Bundesländern. Nun soll es noch besser werden und noch mehr kosten? Das geht doch nicht.

Es gab eine Volksabstimmung, die scheiterte. Die Mehrheit der Beteiligten sprach sich zwar für die Abstimmung aus, aber die Anzahl der Beteiligten reichte nicht aus.

Alles war in Ordnung. Man hatte gesiegt. Ist das nicht schön? Dank der vorbildlichen Berichterstattung hatte man es wohl erreicht.

Ich war bei dieser Volksabstimmung, obwohl ich gar keine kleinen Kinder hatte, die das betraf. Nicht, weil ich der Meinung war, dass die Eltern zu faul oder unfähig waren. Für mich war es einfach nur unrecht, unsozial. Warum sollten die Kinder nur eine bestimmte Zeit in die Einrichtungen gehen, von bestimmten Dingen immer ausgeschlossen werden? Und warum sollten Kinder der so genannten bildungsfernen Schichten nun weniger Bildung erhalten? Kindergärten und Kinderhorts haben nämlich auch die Aufgabe, Kinder zu bilden, sie in sozialer Kompetenz zu schulen, in Sprache, in Wissen.

Es gab dann eine Studie, die herausfand, dass das Ziel verfehlt wurde. Ich glaube im nächsten Jahr soll sich dann alles wieder ändern. Das Geld für die Studie hatte man sich sparen können. Ohne arrogant zu klingen, man hätte mich einfach fragen sollen. Ich hätte es ihnen so gesagt. Oder einige Erzieherinnen…

Zur Zeit gibt es in unserer kleinen Stadt wieder andere Diskussion. Der Betreiber einer Webseite, die sich das Stadtmagazin nennt, hat historische Zeitungen auf sein Portal gestellt. Zeitungen aus den Jahren des Nationalsozialismus.

Welche Aufregung. Die Bürger sind empört (Anmerkung: habe allerdings keine gefunden), die Stadt ist empört, der Bürgermeister ändert die Richtlinien für die Nutzung des Stadtarchivs. Es darf nicht mehr passieren, dass jemand ungefragt solche Zeitungen erhält und den Bürgern zur Nutzung bereit hält. Die Lokalausgabe der Mitteldeutschen Zeitung berichtet darüber. In Foren wird darüber gestritten.

Der Betreiber der Website versteht die Aufregung nicht, von nationalsozialistischen Inhalten distanziert er sich. Hätte aber, so einige schlaue Mitarbeiter der Stadtverwaltung, diese Zeitungen kommentieren müssen.

Ich lese regelmäßig in diesem Portal und war nicht empört, u. a. Zeitungen, Adressbücher aus den Zeiten des Nationalsozialismus zu finden, auch habe ich keinen Kommentar vermisst. Ich fand es interessant.

Die Mehrheit der Bürger geht es wohl auch so. Man fand es einfach interessant.

Zwischenzeitlich sind von dem Portal die Seiten entfernt worden.

Aber mir stellt sich wieder die Frage, brauchen wir Journalisten, die uns die Meinung gleich präsentieren oder sind wir in der Lage, dies selbst zu tun?

Für mich kann ich die Frage klar beantworten: Mich nervt der meinungsbezogene Journalismus, ich vermisse oft Sachlichkeit. Ich möchte nicht gleich meine Meinung präsentiert bekommen.

Die Ausgangspunkte betreffend. Das Betreuungsgeld für Eltern ist sicherlich eine wunderbare Sache. Aber ich bin trotz allem der Meinung, man hätte dieses Geld in die Einrichtungen stecken sollen. Viele Kindergärten, Schulen sind stark sanierungsbedürftig. Wenn ich an meine eigene Schule denke, die ich immer mal zu Terminen der Blutspende besuche, stelle ich fest, viel hat sich dort nicht verändert. Die Möbel sind wohl teilweise schon 30 Jahre alt.

Und Fachkräfte? Ich weiß es nicht, ob Deutschland Fachkräfte braucht und woher sie kommen sollen. Ich weiß aber, dass wir einige Millionen Arbeitslose haben, die entsprechend umgeschult werden könnten. Das hätte man alles schon vor Jahren, Jahrzehnten tun können. Weiterbildungen, die dem Anforderungsprofil der Stellenbeschreibungen, den Anforderungen der Wirtschaft, der Verwaltung entsprechen. Nicht Weiterbildungen, die mal so ein bisschen an allem kratzen oder nur auf dem Papier gut da stehen. Es wurden Milliarden ausgegeben, um Elektriker zum Bauarbeiter, um Bauarbeiter zum Elektriker umzuschulen. Es wurden Milliarden ausgegeben, um Bürokaufleute, Rechtsanwaltgehilfen etc. auszubilden, die niemand wirklich braucht.

Lehrer werden auch gebraucht. Es war mal mein Berufswunsch. Ich wollte Lehrerin (übrigens für Russisch, Geschichte, Deutsch) werden. Experten sind der Meinung, die Sache wird mal so akut, dass man sich die Lehrer in 10 Jahren wahrscheinlich von der Straße holt (Neulehrer wie nach 1945). Vielleicht habe ich dann ja die Chance wieder oder auch nicht, dann bin ich zu alt.

Warum meine Berufswahl (noch in der DDR) anders ausfiel, ist eine andere Geschichte. Warum ich nie auf die Idee kam, Journalist in der DDR zu werden, ist ganz einfach: Parolen wieder zu geben, wäre nie mein Ding gewesen.

15.01.2012 um 02:26 Uhr

Aus gegebenem Anlass

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

26.04.2011 um 20:38 Uhr

Single

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

In Deutschland soll es ja jede Menge Singles geben. Freiwillig oder nicht. Jeder hat da so seine eigene Meinung. Die Einen sind bekennende Singles, die Anderen ständig auf der Suche.

Es gibt Singleberater, das Internet, Annoncen. Man kann, wenn man will also suchen, suchen, suchen. Ob man findet, wird sich herausstellen. Einfach finden es die Wenigsten, das Passende fehlt, irgendwie will der Funke nicht springen. Es gibt viele Gründe.

Ganz toll finde ich natürlich das Internet. Man kann sich dort problemlos kennen lernen. Sagt man. Man muss das Haus erst mal nicht verlassen. Klar es birgt Gefahren, man weiß nicht, mit wem man sich trifft. Und die Aussage gibt es immer wieder: „Ich würde nie was mit einem/einer aus dem Internet anfangen, die haben alle einen Knall.“ Wird jetzt so mancher sagen, genauso ist es. Denn: Es gibt so ein Land, das heißt Internet und da kommen die ganzen Verrückten her. Die sind nicht aus der realen Welt, die sind nicht von hier, sondern aus dem Internet.

Da wird viel gelogen im Internet. Auch klar. Das Bild ist nicht mehr das Neueste, bei den Kilo’s wird sowieso gemogelt, vllt. ist das Bild sogar aus dem Katalog. Und überhaupt kann ich viel schreiben, was gar nicht stimmt.

Anders natürlich in der richtigen Welt. Wenn man jemanden beim Tanzen kennen lernt, sieht man zwar die Optik und somit gibt es da kaum Mogelei, aber ansonsten sagt der/die natürlich immer die Wahrheit. Und wenn ich mit dem/der los ziehe, weiß ich auch 100ig, dass das nicht der letzte gesuchte Serienkiller ist.

Heute hab ich dann so einen Bericht über Workshops eines Singleberaters gelesen. Ganz interessant. Jeder kann was finden, denn es gibt genug. Männer und Frauen haben unterschiedliche Ansichten. Wenn Männer suchen, dann muss man ihnen zuhören, tut man das nicht, weil es halt uninteressant ist, fällt man durch. Zeigt man sein Interesse nicht deutlich, fällt man durch. Stimmt irgendwas nicht, z. B. die Haarfarbe, fällt man durch. Frauen sind da etwas gelassener. Das Internet ist die Plattform. Man kann sich, das würde ich sogar befürworten, gut kennen lernen. Man kann viel schreiben, vieles was man im „realen“ Leben nie sagen würde. Über Gott und die Welt. Man kann einen Menschen recht gut einschätzen lernen. Aber man soll sich recht schnell treffen, sonst wird es langweilig. Würde ich nicht unterschreiben. Sex gibt es erst nach dem 25. Date oder so, wenn man schon verliebt ist. Das stammt dann aus der Zeit, als Frauen sich noch hingaben und ihre Unschuld bewahren wollten und keinen Spaß an dem Ganzen hatten (haben durften).

Fakt ist wohl, dass die Ansprüche gestiegen sind. Frau will einen Mann, mit dem sie reden, einkaufen, was unternehmen und guten Sex haben kann. Nur so viele Männer verkraftet Frau dann wohl selten. Und Mann will genau die Frau, die halt schlank, groß, tierlieb, häuslich und was auch nicht sonst so alles ist. Mann kann mit so vielen Frauen dann auch nicht.

Nicht einfach. Deshalb werden wir zum Singleland werden. Ist das schlecht? Das muss jeder für sich beantworten. Alles hat Vor- und Nachteile. Man ist unabhängig, aber im Zweifel auch allein. Nur kann man auch zu zweit allein sein….

Wenn sich Single dann so die bekannten Beziehungen anguckt, dann wird ihm schnell bewusst, dass will man auch nicht. Die wenigsten Beziehungen klappen wirklich, so wie man das heute möchte.

 

05.01.2011 um 01:39 Uhr

Änderung

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

In meinem Tagebuch auf dem Rechner hab ich gerade einen Eintrag gefunden, den ich aus welchem Grund auch immer, nie veröffentlicht habe.

Gerade hab ich ihn gelesen. Es stimmt so einiges, was darin steht. Einiges was genau heute noch Thema ist. Und einiges was sich total geändert hat.

Die Dinge über ihn stimmten noch weitestgehend. Wenn man mal vom Alkohol absieht. Was überhaupt nicht stimmt, sind die Dinge über Nessi. Es entspricht zwar immer noch der Wahrheit, dass wir im Grunde ganz gut zueinander passen, gepasst hätten. Allerdings ist es nicht mehr so, dass sie zu mir gehört, und das einfach so ist, so bleiben wird usw. Und die Dinge, die sie über ihn sagt, stimmen nicht mehr. Aus ihrer Sicht. Sie hat ihn lieb gewonnen, sie hat sich von seinem Charme betören lassen. Ob sie nicht vielleicht doch noch der Meinung ist, er ist ein Miststück, manchmal jedenfalls, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Dennoch ist sie im Großen und Ganzen über ihn anderer Meinung.

Etwas hat sich auch geändert. Ich habe von IHR geschrieben. Irgendwann in letzter Zeit nannte ich sie mal Conny. Das ist alles auch noch wahr. Aber ich muss auch feststellen, es hat so ein, zwei, drei Vorfälle gegeben, da habe ich auch leicht hysterisch reagiert. Ich habe zwar nicht mit Tellern geworfen, habe nichts aus dem Fenster geworfen. Das ist auch eine Sache der Bequemlichkeit. Aber Hysterie war auch hier der richtige Ausdruck. Das ist zu bedauern, nicht zu entschuldigen. Wie ich vorhin schon feststellte, man kann alles nur bis zu einem begrenzten Maß ertragen. Dann ist Schluss. Leider kann das zu hysterischen Kurzschlussreaktionen führen.

05.01.2011 um 01:38 Uhr

Ich (geschrieben, nicht veröffentlicht 22. Jan. 2010)

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Die meisten Menschen kennen sich selbst ganz gut. Sie wissen um ihrer Vorzüge und ihrer Nachteile, können sich gut einschätzen.

Jeder ist ein Produkt seiner Eltern, seiner Umgebung, seiner Erfahrungen.

Das ist einfach so.

Meine Eltern sind sehr unterschiedliche Menschen. Sie haben sich mal lieben gelernt, sie sind zusammen gekommen, weil ich unterwegs war. Haben sich jahrelang geliebt und gehasst, sind dann auseinander gegangen.

Meine Mutter ist nicht einfach. Sie trägt das Herz auf der Zunge, sie kann nicht wirklich alleine sein, auch wenn sie es heute aus bestimmten Gründen sein muss. Sie ist nicht organisiert, chaotisch teilweise. Viele behaupten, habe das jahrelang nicht so gesehen oder sehen wollen, sie kann nicht mit dem Leben umgehen. Heute ist sie allein. Das ist eine Folge einiger Entscheidungen ihrerseits, sie wohnt weit weg von mir. Sie kommt mit dem Leben nicht wirklich klar, mit dem Alleinsein. Ändern kann man das aber nicht. Wie? Ich kann es schon gar nicht, habe es vor Jahren versucht, erfolglos. Wir haben uns aus vielen Gründen, wenig zu sagen. Sie kennt mich nicht. Sie weiß eigentlich gar nicht, was ich bin, wie ich bin.

Mein Vater ist anders. Er ist sehr strukturiert, sehr organisiert, hat alles im Griff, ist cholerisch, von sich überzeugt, intolerant (zu einem gewissen Teil). Er ist beliebt. Er ist aber auch, seit er Witwer ist, allein, aber er hat sein Leben und sich im Griff. Natürlich wird er so einige seiner Entscheidungen anzweifeln, aber vor allem zweifelt er an anderen. Und auch er kennt mich nicht, wir hatten jahrelang keinen Kontakt.

Meine Eltern sind mir fremd, ich bin ihnen fremd. Das kann man auch nicht mehr ändern.

Ich bin das Produkt meiner Eltern. Ich liege in vielem genau dazwischen. Ich wollte nie so werden wie die Beiden. Nie so eine komplizierte Beziehung führen und habe bewusst Eigenschaften entwickelt, die genau dazwischen liegen. Ich bin nicht so strukturiert, teilweise chaotisch, aber dann wieder pragmatisch in Gefühlen und Handlungen. Ich bin verschlossen, nur schwer zu knacken, bin gern allein und gern in Gesellschaft. Der perfekte Zyniker. Die reale Sicht auf die Dinge.

Beziehungen zu führen, fällt mir sicher schwer. Ich bin seit Jahren Single und das gerne. Meine Beziehung zu meinem Mann ist aus vielen Gründen gescheitert, wir gingen die letzten Jahre unsere eigenen Wege. Das ist keine Kritik, das ist eine Feststellung. Es war so gewollt.

Als ich allein war, eine eigene Wohnung hatte, hätte das Leben ganz schön sein können. War es teilweise, aber man hat es nie so genießen können, wie man es gewollt hätte. Warum eigentlich? Zuerst gab es dann den Mann, der auf einmal interessiert war, an einer Frau, die er jahrelang nicht gesehen hatte. Wir haben uns in den ersten Monaten, ja Jahren unserer Trennung öfter gesehen als in unserer gemeinsamen Wohnung. Das war nicht unbedingt meine Wille, aber der meines Mannes.

Die Beziehungen prägen einen. Die Beziehung zu den Eltern, die Beziehung, die sie führten. Die eigene jahrelange Beziehung prägt umso mehr.

Natürlich weiß man im Grunde genau was man will. Der Mann der Träume ist klar definiert. Er soll vorzeigbar sein, er soll kommunikativ sein, er soll unternehmenslustig sein, er soll gut im Bett sein. Die Beziehung soll getragen sein von Loyalität, von Kommunikation, von Freiheit usw. Man will sich nicht rechtfertigen. Wer sich rechtfertigt klagt sich an. Eifersucht ist überhaupt kein Thema. Körperliche Treue existiert eh nicht. Körperliche Treue ist ein Zeichen mangelnder Gelegenheit. Aber der Mensch an der Seite soll zu einem halten, soll einen verstehen.

Gibt es das?

Wahrscheinlich nicht. Wenn man 17 ist, ist das Leben toll. Man findet den Mann toll, der einem über den Weg gelaufen ist. Er sieht vllt. gut aus, man kann mit ihm reden, man kann was unternehmen usw. Man verliebt sich und alles ist rosarot.

Ist man irgendwann über 40, hat viel gesehen und gehört, wird das Ganze schwierig. Man ist nicht wirklich kompromissbereit, warum sollte man sich mit kleinen Dingen zufrieden geben?

Auf der Suche nach Mr. Perfect.

Ich bewundere Frauen, ich kenne einige davon, die lernen auch im „hohen“ Alter noch einen Kerl kennen, über die Zeitung, über das Netz, beim Tanz und sind sofort Feuer und Flamme. Sie suchen nicht nach den Fehlern, die er haben könnte. Sie entdecken nicht, die Fehler, die er hat. Sie sind begeistert, und es läuft eine Weile. Mehr oder weniger.

So bin ich nicht. Ich bin gern allein, verschlossen. Ich brauche meinen Freiraum. Ich finde, niemand hat das Recht, einem etwas vorzuschreiben. Man will ihn nicht kontrollieren, man will nicht kontrolliert werden. Man rechtfertigt sich nicht, Entscheidungen, die man getroffen hat, sind so wie sie sind. Und natürlich entdecke ich sofort die kleinen Mängel des Anderen. Dass er eifersüchtig ist, intolerant, man mit ihm nicht das unternehmen kann, was einem Spaß macht, nicht den gleichen Geschmack hat etc.

Da ist das Ganze schwierig. Es gibt den alten Witz, dass eine Frau, drei Männer braucht, einen mit dem sie sich unterhalten kann, einem, mit dem sie shoppen, was unternehmen kann und einen, der gut im Bett ist. Sie hat nur dafür zu sorgen, dass sich diese Männer nie begegnen. 

Auf ihn trifft das alles nicht zu. Wir haben gar keine Gemeinsamkeiten, außer dass wir uns 30 Jahre kennen und Teile unserer Vergangenheit. Er ist nicht tolerant, er ist eifersüchtig. Wir haben nicht den gleichen Geschmack. Er liest nicht. Wir könnten nie über Literatur diskutieren, selbst der Musikgeschmack ist teilweise unterschiedlich. Politische Meinungen vertritt er gar nicht. Man kann nicht über Sinn und Unsinn des Lebens mit ihm diskutieren. Was eigentlich bindet mich? Wir können nichts gemeinsam unternehmen, er würde nie mit mir zu einem Konzert gehen oder zu einer Veranstaltung. Das interessiert ihn nicht. Und selbst beim Sex gibt es Differenzen.

Natürlich weiß ich das alles. Ich habe es erlebt, wenn er hier war. Selbst bei einem Werbeanruf kamen ihm Zweifel, ob das nicht vielleicht ein anderer Kerl war. Als ich den Müll runter brachte, ich hab nicht mal wen getroffen, habe ich da nicht mit wen erzählt? Es ist furchtbar. Ich hasse so was. Er versteht meinen Humor nicht, manche Aussagen kann er nicht nachvollziehen. Meine SMS sind ihm zu „hoch“. Tja, was bindet mich?

Das alles kann ich nicht beantworten. Genauso wenig, wie ich die Frage beantworten kann, ob ich suche. Den Mr. Perfect, den es ja nicht gibt. Oder vllt. doch, man ihn aber nicht trifft. Oder übersieht. Oder was auch immer.

Nessi ist im Grunde, genau die Person, die zu mir passt. Wir verstehen uns blind in vielen Dingen, haben in vielen Dingen einen ähnlichen Geschmack, können miteinander reden etc. Nur, dass ich sie halt nicht liebe und nicht ständigen lesbischen Sex  mag. Ich mag sie toll, und sie „gehört“ zu mir. Ohne sie geht gar nichts.

Das stört übrigens kaum jemanden, außer IHN natürlich. Er will nämlich nicht zwischen uns stehen. Es ist immer wieder ein Grund für ihn. Ich hab ja sie.

Dabei stand das natürlich gar nicht zur Debatte. Klar, sie mag ihn gar nicht. Er tut mir weh. Sie versteht nicht, dass ich bei ihm so anders bin, so inkonsequent. Er passt nicht zu mir, er ist nicht mein Niveau. Alles Gründe, warum sie ihn nicht mag, klar.  Aber sie hätte mir das Glück gewünscht, sie wäre Teil gewesen oder hätte sich zurückgezogen, ganz wie gewünscht.

Und was sagt mir das alles? Das ich auch schwierig bin. Dass ich gar nicht beantworten kann, warum ich IHN will. Es würde ja nie gut gehen. Aber wie habe ich es mal ausgedrückt:

Eine Illussion, die sich irgendwann mal der Wahrheit stellen muß, verblasst.
Eine Illussion, die nie die Chance dazu hat, wird eher stärker.

So ist es halt auch dieses Mal. Solange es nicht bewiesen ist, dass es nicht klappt und dazu gehört halt mehr als immer nur eine Woche Wohngemeinschaft, werde ich es nicht glauben. Und solange wird der Mr. Perfect auch nicht gefunden werden, weil er ja trotz des Perfektionismus den Mangel hat, er ist nicht ER. Sofern ich ihn finden will. Ich weiß gar nicht, ob ich mich einer wirklichen Beziehung, die auf gemeinsames Wohnen beruht, noch mal stellen will / kann?!

Bei IHM hat sich mir die Frage nicht gestellt. Er war da und gut. Er blieb auch. ER hat nie gefragt, ob er bleiben kann. Ist nicht gerade ein Positivium. Er hat es als selbstverständlich angesehen, hier zu bleiben. Ich hab für ihn gewaschen, gekocht, er hat nie auch nur einen Handschlag getan. Im Gegensatz dazu putzt und wäscht er bei ihr. ER hat die Wohnung selbstverständlich genutzt. Es gab sogar mehr als einmal den freudschen Versprecher: meine Wohnung. Oder zu seiner Mutter: Ich hab doch hier eine eingerichtete Wohnung.

Und das ist natürlich klar, hätte ich es akzeptiert, dass er öfter zu IHR geht, zum Kaffee oder Sex oder beidem, wäre das auch so gewesen, er wäre hier. Aber das konnte ich nicht, nicht weil ich so eifersüchtig war, ich bin nicht sehr eifersüchtig, ich kann diese Frau nur nicht akzeptieren. Ihre Art Beziehung, wie er war, wenn er bei ihr war. Wie er war, wenn er mit ihr sprach. Da lagen Welten zwischen. Er war ganz anders. Es war so, als ob ein Kind mit seiner Freundin telefoniert vor seiner Mutter. Wie sie mich bezeichnete, das kann man sowieso nicht wiedergeben. Sex ist genau  das Schlüsselwort. Er hatte mir ihr ganz anderen Sex, der zu ihrer Erfüllung führte. Meine Erfüllung war nicht immer das Thema. Wir hatten anderen Sex, der mehr seiner Erfüllung diente als meiner. Was mich zwar sehr anspricht, aber nicht nur. Ich kann das nur schwer beschreiben, das wühlt mich auf. Es ist auch schwer beschreibbar, man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Wenn man nur bedenkt, dass es bei ihnen fast immer in irgendwelche Beschuldigungen, Anschuldigungen und anschließendem Alkohol rauslief, versteht man es vielleicht. Das ist auch die Art Beziehung, die ich nie führen könnte. Diese ständige Kontrolle, Eifersucht, Rechtfertigung. Sie sind beide so.

Darum hätte ich sie nie akzeptieren können. Nie kann ich verstehen, was Mann dazu treibt, sich so gehen zu lassen, sich teilweise so demütigen zu lassen. Ich habe noch keine Sachen aus dem Fenster geworden. Allerdings kann man als Frau den Eindruck erlangen, dass Männern das oft gefällt. Manchen jedenfalls. Hab ich schon so ein- bis zweimal beobachten können.

Das ist dann wieder die Sache mit dem Niveau. Mit dem Erwachsenen.

Beziehungsunfähig kann man das wohl auch nennen. Jeder seine Wohnung, die ideale Kombination. Allerdings die Kosten. Nicht wenige leben so, ob sie gut leben, weiß ich nicht. Ob das immer dauerhaft so sein kann, muss, ich weiß es nicht.

Ist eine Beziehung nur eine, wenn man eine gemeinsame Wohnung hat?

Welche Kompromisse kann man eingehen, welche muss man eingehen?

Es fiel mir nicht schwer bei ihm, irgendwie. Aber vllt. lag der Grund auch darin, dass ich wusste, es ist nicht dauerhaft. Ich kenne ihn ja. Ich muss mich nicht dauerhaft umstellen, hab meine Wohnung, mein Leben wieder für mich. Mit der Konsequenz, dass es dann missfällt. Es nur zeitweise zu genießen ist. 

 

30.12.2010 um 03:16 Uhr

Rache

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Liebeskummer ist aber nicht immer leise. Und keiner weiß so genau, ob das so sein soll. Die meisten Menschen mögen leise vor sich hin trauern. Sie sind traurig, bedauern sich und die Welt. Sind sauer auf Gott und die Welt, aber immer noch leise.

Das ist nicht immer so. Jedem fallen dazu Beispiele ein. Ich lese gerade ein Buch, da gibt es auch viele Kapitel darüber, wie man auch ganz anders handeln kann. Mit Wut und Rache. Man rächt sich am einst Geliebten, in dem man ihn verleumdet, ihn verklagt, in finanziell ruiniert. Was so alles möglich war im Amerika der 20iger Jahre.

Auch heute gibt es dafür einige Beispiele. Frauen verleumden ihre Männer, schreiben ihm böse Briefe, terrorisieren ihn mit Anrufen, SMSen, was die moderne Medienwelt so hergibt. Beschimpfen die Neue. Männer verprügeln ihre Nebenbuhler. Manche/r ging sogar weiter. Es endete in Mord und Totschlag. Die Abgründe der Liebe.

Wenn es denn noch Liebe ist. Wer weiß das schon. Vielleicht ist es nur der gekränkte Stolz, mangelndes Selbstbewusstsein, Besitzdenken. Es gibt so viele menschliche Abgründe.

So kann eine Liebe auch enden. Sie sollte es sicher nicht, aber möglich ist das. Das möchte niemand. Ich möchte es nicht.

Es gibt keine Genugtuung, wenn man sich rächt.

30.12.2010 um 02:37 Uhr

Liebe

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Wenn man jung ist, in der Pubertät, dann verliebt man sich oft. Man schreit die Liebe förmlich aus sich raus. Überall steht der Name des Angebeteten, der Angebeteten. Auf dem Etui, auf Heften, Blöcken, Heftern, Wänden, in Tagebüchern. Das kann sich auch 14tägig ändern. Bei manchen jedenfalls. Das liest sich später mal ganz gut. Und man findet es irgendwie amüsant. Ach, wie war man da doch jung, unerfahren etc.

Bei anderen bleibt die Liebe konstant. Sie lernen sich im Sandkasten kennen und lieben sich bis ins Rentenalter. Mag selten sein, soll aber vorkommen.

Wenn man älter wird, sollte man auch weiser werden. So sollte man nicht mehr die Liebe raus schreien. Sie soll leise sein, etwas Besonderes. Man verliebt sich nicht mehr so schnell. Ist auch unterschiedlich.

Ich habe manchmal auch das Bedürfnis, es laut bekannt zu geben: Ich liebe Dich.

Keine Ahnung wieso. Will ich es mir selber bestätigen?

Ich habe viele Jahre geglaubt, dass ich mich nicht verlieben kann. Es war alles relativ gelassen. Ja, es gab Sympathie und man war zweifelsohne auch enttäuscht, wenn es nicht so lief, wie gewollt. Aber Liebe? Liebe ist ein großes Wort. Damit sollte man vorsichtig sein.

Der Meinung bin ich noch heute.

Aber insgeheim bewundere ich Frauen, die sich ständig neu verlieben. Sie lernen jemanden kennen und Zack, es ist Liebe. Ich habe auch so eine Freundin, Bekannte, Kumpeline. Ich bin auch mit dem Wort Freundin vorsichtig. Darum weiß ich nicht so genau, wie ich sie einordnen möchte. Ist auch nicht wichtig an diesem Punkt.

Aber sie hat die Fähigkeit, sofort verliebt zu sein. Ich habe schon mal von ihr geschrieben. Wir kennen uns schon knapp 30 Jahre. Sie war drei Mal verheiratet. Ihren ersten Mann habe ich nicht mehr kennen gelernt. Hatte einige Beziehungen. Und immer wieder war dieser, neue Mann etwas ganz Besonderes. Er war anders als die vorigen. Er war gut, war nett, freundlich zu ihr, trank natürlich nicht (sie hatte auch schon Beziehungen mit Alkoholikern), war humorvoll usw. usw.

Wenn ich dann diesen ganz neuen und so anderen Mann kennen lernte, fand ich gar nicht, dass er sich von seinen Vorgängern unterschied. Aber so was ist immer Ansichtssache. Und wichtig ist immer, was man selbst denkt. Wenn man denkt, er ist anders, er unterscheidet sich, man ist glücklich, dann ist man es auch.

Wenn sich dann später heraus stellt, dass es sich nicht so ist, mag das hart sein. Aber dann gibt es hier die ungeheure Fähigkeit das sofort abzuhaken und sich auf Neues zu besinnen. So was ist fast einmalig. Das ist vielleicht der Sinn der Liebe.

Ich konnte das nie. Vielleicht in meiner frühesten Jugend, da wechseln die Namen auch schon mal. Zwar nicht 14tägig, aber aller paar Monate. Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Man hat mir mal gesagt, ich bin eine treue Seele. Das stimmt unbestritten. Ich meine nicht körperliche Treue. Monogamie ist was für Kleingeister oder so. Die Menschen sind wenig dazu bestimmt. Auch dieser Meinung bin ich immer noch. Aber ich bin auch der Meinung, wenn man wirklich richtig liebt, geliebt wird, glücklich ist, das Gefühl hat, alles zu besitzen, was man besitzen möchte (wenn der Begriff Besitz hier mal benutzt werden soll, denn wer besitzt schon Menschen), dann ist man sicher auch treu.

Ich bin wirklich treu. Mir fehlt absolut die Fähigkeit, mich ständig neu zu verlieben. Mir fehlt die Fähigkeit, wenn ich mich verliebt habe, wenn ich liebe, das abzuhaken, wenn es nötig wäre. Im Gegenteil. Ich möchte denjenigen von meiner Liebe überzeugen. Ich bin der Meinung, wenn ich ihn so liebe, müsste er das doch auch tun. Das kann ein Trugschluss sein. Liebe ist nicht immer zweigleisig.

Ich möchte mir das Herz raus reißen, weil es so weh tut.

Das kann man natürlich nicht. Das sollte man auch nicht. Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Eine unendliche Leere, ein unendliche Trauer, unendlicher Schmerz. Und doch finde ich: Mein Gott, Mädchen, hab Dich nicht so, Du bist keine 17 mehr, Du bist alt genug, müsstest wissen, dass das Leben so ist. Es gibt Schlimmeres. Viel Schlimmeres. Hunger, Not, Elend, Krankheit, richtige Sorgen...

Was ist da schon Liebeskummer?

Der Liebeskummer verändert sich nicht mit den Jahren. Das ist eine Konstante. Auch wenn es Hunger, Pestilenz, Naturkatastrophen, Weltwirtschaftskrisen und was es sonst noch so alles im erwachsenen Leben gibt, wovon Kinder und Jugendliche oft nicht wirklich was merken, der Liebeskummer bleibt wie er in der Pubertät ist. Er bleibt grauenvoll, man ist enttäuscht, traurig, warum ich? Warum kann ich nicht glücklich sein, geliebt werden?

Dr. House hat gestern gesagt: Ich will auch einmal glücklich sein. Der Zyniker par excellence will glücklich werden. Er will lieben, geliebt werden, sorgenfrei sein. Wenn das keine Erkenntnis ist. Nur wann ist man glücklich? Wenn man liebt, so sagt man. Aber das ist dann der Widerspruch in sich. Dann wären alle unglücklich Verliebten ja glücklich. Also gehört mehr dazu, als nur zu lieben. Die Fähigkeit mag grandios sein, aber ist nicht ausreichend.

Zum Glücklichsein gehört es wohl auch, geliebt zu werden. Neben all den anderen wichtigen Dingen, wie Gesundheit, finanzielle Sicherheit und was man halt so braucht, um sich glücklich zu fühlen.

Ob das so ist, wer weiß das schon. Wer kennt schon wirklich glückliche Menschen? Zufriedenheit ist etwas, was Menschen wohl nur selten erlangen. Wer zufrieden ist, strebt ja nicht weiter. Das mag der Sinn des Lebens sein. Wenn ich auch so gern behaupte, worin auch mehr als ein Körnchen Wahrheit drin steckt: Der Sinn des Lebens besteht darin, danach zu fragen.

So weiß ich jetzt, dass ich durchaus fähig bin, zu lieben. Macht mich das jetzt glücklich? Ehrlich gesagt nicht wirklich. Vielleicht war es nur der falsche Mann. So einfach kann das sein. Aber mal ganz ehrlich, lieben wir nicht immer die Falschen. Wenn wir die Richtigen lieben würden, wäre es einfach, zu einfach. Und wenn es zu einfach ist, ist man unzufrieden. Und so beißt sich die Katze in Schwanz.

Was ist Liebe? Was ist Glück? Können wir alle lieben? Oder fehlt einigen Menschen die Fähigkeit?

22.12.2010 um 00:53 Uhr

Winteranfang

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Heute ist Winteranfang. Ist vielleicht schon jemanden aufgefallen: Wir haben Winter. Der Trost an der Sache ist, die Tage werden jetzt länger. D. h. man hat Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht doch so was wie einen Frühling gibt oder Sommer. Was auch immer, Hauptsache keinen Winter.

Es ist keine Nachricht mehr, dass es schneit. Es wäre mal eine, wenn es heißen würde, es schneit nicht. Das ganze Verkehrschaos, die Bahn die vor Zugreisen gewarnt hat, Fliegen sollte man ganz bleiben lassen, Auto fahren sowieso und zu Fuß gehen ist auch kein wahres Vergnügen. Es wird kaum geräumt, wer sollte das tun. Und gestreut wird sowieso nicht, dazu fehlt wohl das Salz, das Geld, was auch immer. Mein Vater freut sich jeden Tag auf  das Schnee schnippen und so manch anderer Hauseigentümer oder Hausmeister sicher auch. Langeweile kommt gerade keine auf.

Ich finde das ja irgendwie interessant. Die vier Feinde des Sozialismus hießen Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Nun hat der Kapitalismus den Sozialismus abgelöst, die Feinde blieben aber. Hätte sich das der Kapitalismus gedacht? Man hätte doch wenigstens die Feinde auch noch verjagen können. - Denn wenn man ich mich so ganz recht erinnere, hatte gerade die Deutsche Bahn im Sommer auch so ihre Problemchen.

Aber sie bessern sich und garantieren, jeder kommt zu Weihnachten an ihr Ziel. Ist das nicht tröstend? Ich mein, wer so zu Weihnachten fort fährt, kommt wirklich da an, wohin er will. Landet nicht irgendwo in Kleinkallekukla, sondern am Bestimmungsort. Das tröstet. Zumindestens dürfte es tröstender sein als für so manche, die auf den Flughäfen rumlungern oder stundenslang im Stau stehen, in der Kälte.

Ganz besonders erfreut bin ich über die Wetterberichte an sich. Nicht nur, dass es ja eigentlich immer das Gleiche ist: Schnee, Kälte und Glätte halt. Sondern die Nachfrage so mancher Nachrichtensprecher, ob wir dann nun auch weiße Weihnachten haben. Und für alle zum Trost, ja wir bekommen weiße Weihnachten. Wohin soll der ganze Schnee bis da hin, und es schneit ja immer weiter. Ich würde ja vorziehen, es wären Heiligabend 25 Grad im Schatten. Aber mich fragt keiner.

Und nun stelle ich die Frage der Fragen: Kriegen wir bunte Ostern?

21.12.2010 um 23:28 Uhr

Premiere

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Heute gab es eine Premiere. Wenn Frau sich etwas Gutes tun will, was macht sie? Sie kauft sich Schuhe. Wenn sich etwas im Leben verändert, verändert sie ihre Haare. So ganz war es nicht. Im Grunde sehen die Haare noch so aus wie vorher, mehr oder weniger.

Aber Frau war zum ersten Mal in ihrem Leben beim Friseur. Eine neue Erfahrung. Ich war natürlich schon oft in einem solchen Geschäft, meine Mutter war / ist Friseurin, also war ich als Kind oft dort und hab zugesehen. Nessi macht neben ihrer Tätigkeit als Erzieherin in einem Friseurgeschäft sauber.

Als Kunde war ich aber das erste Mal dort. Früher hat mir meine Mutter die Haare gemacht. Da sie nun schon seit langem über 500 km entfernt von mir wohnt, ist das nicht mehr möglich. So habe ich es mehr oder weniger selbst getan. Kam aber schon vor einiger Zeit zu dem Entschluss, es müsste mal professionell geschnitten werden.

Vorgenommen hatte ich mir das schon mal vergangene Woche, da kam dann aber mein schwuler Ex-Nachbar zum Kaffee, also blieb es. Heute musste ich irgendwas tun. Es schneite wie verrückt, mal wieder. Eigentlich wäre es nur eine Nachricht, wenn es mal nicht schneien würde.

Ich bin auch sofort dran gekommen. Der Laden war also leer. Ob das am Wetter lag, kann ich nicht beurteilen. Es lag an der Bequemlichkeit, der Laden ist keine 20 m weg von der Haustür. Die Dame war nett, ihre Fähigkeiten kann ich nicht beurteilen, es war die Chefin des Ladens und ein paar Jährchen älter. Ich bin soweit ganz zufrieden. Hab mir aber vorgenommen, mich mit dem Thema mal näher zu befassen und den Schnitt dann doch mal ganz zu verändern und um dazu vielleicht eine etwas hippere Friseurin aufzusuchen.

Was mir aufgefallen ist und irgendwie auch zu denken gibt, so richtig hygienisch war es in dem Laden nicht. Ich wollte nicht meckern, ich war schließlich zum ersten Mal dort. Aber schon bei Nessi im Laden, als ich sie mal besuchte, hatte ich das festgestellt. Da meine Mutter früher, so ca. vor 35 Jahren, später arbeitete sie nicht mehr im Beruf, auch Friseurin war, kann ich mich gut erinnern, dass nach dem Kundenbesuch immer alles geputzt wurde, die Waschbecken, die Kämme, Bürsten, Schalen etc. Zum Feierabend wurde auch der Laden gewischt. So sah es dort nicht aus. Nessi und mein Nachbar hatten mich neulich schon darauf hingewiesen. Ist das nun eine Ausnahme? Sehen das die Kunden nicht, ist es ihnen ega?. Gibt es keine Vorschriften diesbezüglich?

Angenehm ist es aber sicher nicht, wenn noch irgendwo Haare rum liegen oder die Bürste nicht wirklich sauber ist! Und vom Preis mal ganz zu schweigen. Wenn ich mir überlege, was das bisschen Waschen und Schneiden gekostet hat, möchte ich darüber gar nicht nachdenken.

 

11.10.2010 um 06:39 Uhr

Selbstzweifel

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Wenn man Liebeskummer hat, hat man auch so Selbstzweifel. Warum liebt er mich nicht, warum kann er es einfach so abhaken? Bin ich so unattraktiv, so wenig liebenswert? Warum kann er mit mir nicht reden?

Es gibt so viele Fragen, auf die man dann keine Antwort bekommt. Und selbst, würde man sie bekommen, würden sie keine Genugtuung verschaffen. 

Gefühle kann man nicht steuern. Das sind die Dinge, die der Mensch nicht zu steuern vermag. Das wird sich auch nicht ändern. Ob das gut ist oder schlecht, das will ich gar nicht deuten.

Vielleicht ist es gut, dass man Gefühle nicht steuern kann. Dass man bedingungslos so fühlt, wie man fühlt. Ohne es zu hinterfragen. 

So kann natürlich ER seine Gefühle auch nicht steuern. Manchmal oder was heißt manchmal bezweifle ich ja, dass er welche hat oder sich darüber im Klaren ist.

Im Eifer des Gefechts werden oft Dinge gesagt, die man gar nicht so meint. 

Nichtsdestotrotz bin ich mir sicher, dass die Empfindungen für mich halb so viel sind wie ich für ihn. Wenn überhaupt. Oder für Nessi.

Da sind so die vielen Kleinigkeiten, an denen man das fest machen kann. 

Und Nessi ihre Motivation? Die sollte man mal hinterfragen. Aber kann man das?

Die Wahrheit kann so wehtun. 

Natürlich würde ich gerne einfach so sagen, los, wir machen weiter. Aber geht das? Kann man all das, was passiert, gesagt, gefühlt wurde so einfach weg stecken?

Die Selbstzweifel sind hart, und sie nagen. Sie werden immer nagen, und sie werden immer da sein, solange sie nicht zerstreut werden können. Und das können sie nicht, weil man diese Empfindungen, die ER zu haben scheint, die Nessi zu haben scheint, halt nicht ändern kann. 

Manche Dinge kann man halt nicht ändern. Da hilft das Ganze lamentieren gar nichts.

Peti hat mich gefragt, warum ich eigentlich die Bestätigung von IHM brauche. Das ist eine gute Frage. Ob er dazu überhaupt in all seinem eigenen Gefühlschaos, seinem Alkohol in der Lage ist. Ich glaube, das kann man wirklich verneinen. Allerdings hatte ich schon mal ein anderes Gefühl bei ihm. Er hatte doch zumindestens ansatzweise mal gezeigt, dass er mich mag. 

Ich sollte sie nicht brauchen, seine Bestätigung. Aber das ist wohl so in der Liebe. Man möchte sie genau von diesem Menschen, der sie einen dann nicht geben kann.

Der Taxifahrer meinte, wenn Du mich so anschaust. Genau diese Dinge sind es, die man mal hören will. Ein alter Chatfreund hat nach langem mal wieder angerufen, er hatte Krebs und mir Komplimente gemacht. Wie gut meine SMS geschrieben sind, so korrekt, wie schön er es fand, mit mir zu schreiben und zu sprechen. Die Schlagfertigkeit. Die Argumentation. Im Anschluss kriegte ich sogar noch eine SMS über den Eros in meiner Stimme. 

Geschleimt oder nicht, daher gesagt oder nicht. So was möchte Frau von Zeit zu Zeit hören. Und zwar genau von diesem Menschen. Dass es andere sagen, mag schön sein, mag gut tun, ist aber nicht aufzuwiegen.

Nessi hat sich gestern noch gemeldet. Sie würden an mich denken, mich vermissen. Ihr glaube ich das, aber ihm? Aber wenn man zwischen den Zeilen liest, merkt man auch, wie sehr sie es genießt. Ihn genießt, seine Anwesenheit, sein Bemühen, sein Handeln. Und vllt. genießt sie auch, die erste Geige zu spielen, wichtig zu sein. Man kann es niemandem verdenken. Es ist menschlich. Wer würde anders denken? 

Aber ich zweifle an mir, an allem. Und das kann nicht wirklich richtig sein. Ich bleibe, so habe ich das Gefühl, auf der Strecke. Das tut mir nicht gut. Was mal wieder beweist, das ich richtig gehandelt habe, als sie gehen sollten. Aber warum tut es dann mir so weh? Warum kann ich zu dieser richtigen Entscheidung nicht stehen? Warum hinterfrage ich sie dennoch?


08.09.2010 um 15:55 Uhr

Loyalität

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Einer der Grundpfeiler von Beziehungen, Freundschaften etc. ist Loyalität. Wenn sie nicht mehr vorhanden ist, ist das irgendwie das Ende vom Anfang.

Loyalität mit Treue zu übersetzen wäre zu einfach. Ich behaupte sogar, es ist mehr als nur das. Körperliche Treue verstehen viele nicht darunter, man hat gelernt Sex, Liebe, Beziehungen usw. auseinander zu halten. Das ist gar nicht verkehrt, sogar evolutionär. 

Loyalität hat was damit zu tun, dass man sich aufeinander verlassen kann, Vertrauen kann, dass man weiß, jemand hält bedingungslos zu einem, verletzt und verrät einen nicht.

Es ist sicher nicht ganz einfach, dem gerecht zu werden. Wir sind alle nur Menschen, haben Fehler und Gefühle, die man nicht immer so kontrollieren kann. 

Mir ist Loyalität ungeheuer wichtig. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann ihm / ihr nicht mehr vertrauen, bin ich ziemlich verletzt, auch wenn ich das natürlich nicht so zeigen werde. Körperliche Treue hingegen ist etwas, was vllt. schön ist, aber noch illusionärer als alles andere. Hat man doch in mehr als 40 Jahren gelernt, dass das selten der Fall ist. Männer betrügen ihre Frauen, Frauen ihre Männer.

Und es ist wahrscheinlich was dran, dass das Männchen gehalten ist, seine Gene zu verbreiten und die Weibchen, so viele Kinder wie möglich mit den unterschiedlichsten Genen zu bekommen. Ist zwar heute relativ unwichtig, die Welt ist schon überbevölkert, die Menschen müssen ihre Art nicht mehr so erhalten. Aber wer kann schon gegen seine Natur. 

Ich sage das oft, wenn Männer behaupten, meine Frau will nicht mehr. Woher will er das wissen? Vllt. will sie bloß mit ihm nicht, weil sich alles so eingespielt hat, vllt. lebt sie sich anders aus. Das will natürlich selten jemand hören.

Ich bin schon relativ lange im Netz und habe schon einiges hier erlebt. Das Netz ist die Kontaktbörse schlechthin. Fremdgehen war nie so einfach wie heute. Früher müsste man den/die noch im realen Leben erst mal treffen, was natürlich auch mühelos möglich war. Heute reicht ein Klick oder zwei und man  kann schon, wenn man dann die Schuhe anbekommt, fremdgehen. 

Bei Frauen ist das genauso, es klappt nicht mehr so, hat sich eingespielt, man fühlt sich unglücklich, will noch mal was erleben und dann passiert ist. An Konsequenzen denkt selten jemand. Frauen so heißt es, haben nicht mal ein schlechtes Gewissen, werden auch selten erwischt, weil sie einfach etwas weg geben, was der Mann gar nicht mehr will, so denken sie.

Aber wenn zu dieser körperlichen Untreue noch der im wahrten Sinne des Wortes der Loyalitätsverlust hinzu kommt, ist es wohl ganz vorbei. Wer hat nicht schon erlebt, wenn Partner über ihrer Partner schlecht reden usw. Wenn sie Geheimnisse haben, die sie mit anderen teilen. Wenn sie Spiele spielen, bewusst verletzten, ausnutzen…  Das ist dann der Punkt, an dem es richtig schmerzt und an dem das Ende sozusagen vorprogrammiert ist.

31.08.2010 um 00:40 Uhr

Wahrheit

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Wahrheit ist individuell.

Wahrheit ist subjektiv.

31.08.2010 um 00:39 Uhr

Illusion

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Eine Illusion, die sich irgendwann mal der Wahrheit stellen muß, verblasst.
Eine Illusion, die nie die Chance dazu hat, wird eher stärker.

30.08.2010 um 23:05 Uhr

Mal wieder ER

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Wieder sind wir bei diesem alten Thema. Nach Monaten wieder. Ist in den Monaten was passiert? Wenn  man es wörtlich betrachtet eigentlich nicht.

Ich habe neulich in einem Film gehört: Beziehungen funktionieren nur, wenn sie auf Lug und Betrug aufgebaut sind.

Darüber kann man nachdenken.

Wahrscheinlich ist es genauso. So hat jeder seine Illusion. Dumm ist nur, wenn man den Betrug erkennt.

Seit April war ER mehr oder weniger bei mir. Sie hatte einen Neuen, hatte die Nase voll. Oder was auch immer. Jedenfalls war erst einmal oder ist die Beziehung beendet. Also tauchte er bei mir auf und blieb mehr oder weniger. Die ersten Tage ging er noch regelmäßig, bevor ich zur Arbeit ging, zu seiner Mutter. Danach fiel das auch flach. Er konnte auch nicht. Er wollte vllt. auch nicht. Wie dem auch sei. Er blieb halt da.

Das war schon eine andere Situation. Sozusagen immer zusammen. Ich ging früh auf Arbeit, er blieb liegen und war noch da, wenn ich erschien. So richtig toll fand ich die Situation nicht. Wer mag schon das Bild an und für sich? Wenn ER auf der Couch liegt und TV sieht. Um sich herum Chaos. Oder noch besser, irgendwelche zweifelhaften Gestalten sind auch da. Wir haben zwischendurch telefoniert, gesimst (jawohl ich auch!).

Und die Arbeit? Die machte wenig Spaß. Immer wieder. Irgendwann wurde ich krank, weil mir das alles über den Kopf wuchs. Änderte aber nicht wirklich was an der Situation. Nun war ich zwar zu Hause, aber was sollte man schon machen? Es dauerte nicht lange, da gingen wir uns auf die Nerven. 24 Stunden zusammen zu sein, ist nur für wirklich Frisch-Verliebte ein Vergnügen. Oder auch selbst da nicht.

Die Situation wurde für mich immer unerträglicher. Ich vermisste mein altes, ungezwungenes Leben und hoffte doch nur, von ihm etwas Bestätigung. Die nie kam.

Ich habe ihn vor zwei Tagen zum zweiten Mal rausgeschmissen. Was nicht so ganz stimmt, denn versucht hatte ich es schon öfter. Immer zum Wochenende. Wenn mir die Situation besonders auf den Keks ging. Meistens ging er einfach nicht, und ich hatte nicht die Kraft und den Selbsterhaltungstrieb und Willen es durchzusetzen.

Das erste Mal, als er ging, war am 8. August. Ich weiß gar nicht mehr genau, was mein Aufhänger war. Ich weiß nur noch, ich sagte, wir müssen reden und dann beendete ich es gleich, am Besten du gehst. Das tat er auch. Am 9. war ich begreiflicherweise unfähig dazu auf Arbeit zu gehen. Ich hätte meinen Zustand niemandem zumuten können. Also bin ich zum Arzt, mal wieder und bekam natürlich auch den Krankenschein. Schließlich war mein Blutdruck so hoch, dass ich selber erschrocken war.

Und dann schrieb ich ihm eine SMS. Warum? Ich hab keine Ahnung. Ich vermisste ihn plötzlich, und so passierte es halt. Er war bei seiner Mutter, reagierte recht ungehalten auf die SMS. Schließlich wäre ich selber schuld, was meinen Blutdruck betrifft. Später telefonierten wir, seine Mutter lud mich zum Kaffee ein, ich blieb über Nacht. Und am anderen Tag gingen wir wieder zu mir.

Zwischenzeitlich hab ich meine Kündigung erhalten. Sicher ärgert mich das etwas, aber ich hatte es erwartet und versteh es auch. Ich war in letzter Zeit zu oft krank, sowieso meist mit meinen Gedanken woanders, und vor allem pass ich dort nicht rein. Ich habe es praktisch so gewollt, habe zugesagt, dass man mich kündigt. Dies hatte auch kurzfristig eine Verbesserung meines Gesundheitszustandes zur Folge. Kurzfristig.

Denn schließlich war die ungeliebte Arbeit nicht das einzige Problem. Das andere Problem war ER.

Es ist müßig, Beziehungen zu beschreiben. Ich kenne kaum Beziehungen, die wirklich laufen. Meistens ist das alles mehr schlecht als recht. Sie leben alle irgendwie vor sich hin. Glück ist die Abwesenheit von Unglück, also sind sie weitestgehend auch glücklich.

Beziehungen beruhen, wenn man das denn so definieren will / soll / kann / möchte, auf gegenseitiges Geben und Nehmen. Auf Vertrauen, Loyalität, Ehrlichkeit, Toleranz. Es gibt vieles, was dazu gehört, was selten wirklich dazu gehört und selten von Beiden so gesehen wird. Schließlich ist alles eine subjektive Sicht auf die Dinge.

Jeder hat so seine Idealvorstellung davon. Kaum jemand wird diese Idealvorstellung je leben können. Wir sind alle zu verschieden.

Und so sind nicht wenige Beziehungen zum Scheitern verurteilt. Oder man lebt halt irgendwie weiter. Das ist eine Entscheidung, die auch jeder für sich treffen muss.

Ich habe mich nie mit solchen halben Sachen zufrieden geben wollen. Und ich habe immer behauptet und beteuert, ich bin gern Single. Das Singledasein bietet eine Menge Vorteile. Vor allem aber den, dass man sich nicht mit den Problemen des Partners und mit den Problemen, die ER/SIE verursacht herumschlagen muss.

Einfach war ich nie und bin ich nicht. Ich bin gerne kompliziert. Ich stehe auch zu meinen Fehlern. Ich war nie besonders eifersüchtig, kontrollsüchtig oder paranoid. All das hat sich aber geändert. Ich bin nicht mehr ich selbst. Das ist etwas, was mich am Meisten stört. Wenn man Dinge an sich entdeckt, die mehr oder weniger neu sind, und auch andere entdecken und darüber erstaunt bis entsetzt sind, merkt man doch: Es läuft etwas falsch.

Mein Ex hat sich immer beschwert, dass er sich mit mir nicht streiten kann. Das hat sich nicht so sehr geändert. Ich bin kein streitsüchtiger Mensch und worüber lohnt es sich zu streiten? Was bringt es, wenn man sich Dinge an den Kopf wirft. Er hat meine Gelassenheit kritisiert, wie ich mich zurückziehe. Mein Desinteresse usw..

Gelassen bin ich schon lange nicht mehr. Das zeigt der zu hohe Blutdruck. Ich bin paranoid, infantil und auch eifersüchtig. Ich bin unsicher.

Wann habe ich denn nur mein Selbstvertauen, mein Selbstbewusstsein verloren? Es liegt sicherlich nicht nur an IHN. Das wäre zu einfach.

Ich habe mich auf ihn eingelassen. Ich habe mein Leben vollkommen aufgegeben und war nicht wirklich glücklich damit. Ich kann nicht mit ihm und nicht ohne ihn.

Was stört mich denn nun so sehr? Natürlich wir haben gar keine Gemeinsamkeiten. Wir sind unterschiedlich. Das Einzigste, was uns vielleicht verbindet, ist ein ähnlicher Humor. Wir können Spaß miteinander haben. Und der Sex? Der kann schön sein, ist auch schön, aber für meine Begriffe ist er viel zu egoistisch.

Ich kann es gar nicht beschreiben, was es im Einzelnen ist. Das Schlimme ist, er ignoriert mich weitestgehend. Selbst bemerkt er das gar nicht. So die kleinen Gesten, die fehlen mir. Nessi spielt eine viel zu große Rolle in seinem Wortschatz. Er kontaktiert sie täglich, telefoniert mit ihr, flüstert mit ihr. Es sind nicht wirkliche Geheimnisse, meist weiß ich das auch, was er ihr erzählt. Aber die Situation stört. Und sie ist ungehalten. Ungehalten zu mir, weil dieser ganze Kinderkram auf den Keks geht. Zu ihm ist sie es weniger.

Er ist anders zu ihr als zu mir. Nun liegt das vllt. auf der Hand. Sie reagiert anders auf ihn als ich. Schließlich ist sie nicht 7 Tage die Woche 24 Stunden mit ihm zusammen. Da ist man lustiger drauf. Mag sein.

Er fäßt sie auch anders an. Alles, was ich vermisse, mal ein Kuss zwischendurch. Nun Nessi bekommt ihn.

Es kommt gar nichts zurück. Natürlich hatten wir viel Spaß in den letzten Wochen. Aber auch viel das Gegenteil. Es drehte sich viel um den Alkohol und das ganze Thema, um seinen Gesundheitszustand. Es ist alles nicht so einfach.

Ich hatte schon, als er noch mit IHR zusammen war, das Gefühl, er wäre nur mit mir zusammen, weil es so einfach ist. Ich bin da, ich kümmere mich, ich kümmere mich um das Behördliche, ich helfe ihm. Dazu bin ich besser geeignet als SIE. Das hat man oft genug gemerkt.

Ich bin mir ziemlich sicher, er ist nur hier, weil eben keine andere da ist. Er will nicht bei seiner Mutter sein. Ich helfe ihm bei diesen Dingen, und im Zweifelsfall haben wir auch mal Spaß. Nessi gibt es auch noch. Das gefällt ihm.

Nessi selbst hängt an ihn. Er kann auch charmant und hilfsbereit sein. Sie versteht schon, warum ich ihn so liebe, begehre. Sie reden viel und oft miteinander. Andererseits beteuert sie mir, dass ich wichtiger bin. Dass sie sich zurückziehen wird, wenn wir wieder zusammen sind. Diese Drohung gibt es schon seit langem. Wahr gemacht, hat sie sie bis heute nicht. ER will das auch gar nicht. Und ich? Es ändert nichts an der Situation.

Ich bin das alles leid.

 

23.02.2010 um 02:33 Uhr

ER

von: Paulinchen   Kategorie: Gedanken

Es geht schon seit ein paar Tagen so: Ich denke sehr viel nach. Ich muss mir sehr oft missbilligende Blicke gefallen lassen oder missbilligende Äußerungen wegen IHN halt. Ich muss mir sagen lassen, dass ich anders bin. Ungewöhnlich. Dass man ganz neue Seiten an mir entdeckt hat.

Ich weiß es nicht. Das ist das Problem.

Ehrlich gesagt, als er nach mehreren Jahren Bayernaufenthalt wieder hier auftauchte, hätte ich das nie für möglich gehalten. Wir hatten auch während dessen ab und an Kontakt, der aber zu 100 % von ihm ausging. Er rief an, wir telefonierten.  Manchmal ging mir das auf den Keks, und ich beendete das Gespräch schnell.

Das letzte Mal gesehen hatten wir uns 2002. Ich war frisch getrennt, ich weiß nicht, wie weit das hier in der Stadt schon verbreitet war. Ich hörte meinen Namen, als ich über den Markt lief , und er stürmte aus dem Dönerladen. Er erklärte mir, wo er wohnte, ich könne ihn mal besuchen, er gab mir sogar seine Handy-Nr., aber ich war nicht interessiert. Das hätte nur Probleme gegeben.

Und auf einmal  dieses Jahr taucht er hier wieder auf, meldet sich, dass er besuchsweise hier ist, dass er vllt. sogar hier bleibt, weil er eine Freundin hat bzw. hier praktischerweise besser zur Entgiftung gehen kann, kommt nach Wochen zum Kaffee vorbei und alles ist okay. Das war in Ordnung, das hätte so bleiben sollen. Erst beim zweiten Treffen landeten wir in der Kiste, und es war passiert. Ich entdeckte mich schon in meiner Kirche dabei; ich war dort allein, dass ich nur an IHN dachte. Dabei habe ich ihm noch erklärt, wir sehen uns irgendwann wieder – zum SEX. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn er alle 14 Tage oder so hier zum Sex aufgetaucht wäre. Hat es ja anfangs. Kritisch wurde die Sache erst, nach der 26. Trennung oder so, als er hier auftauchte und tagelang blieb. Ich hatte die ganze Zeit darüber nachgedacht, ob ich das wirklich will, will ich diese Beziehung und hatte mich wahrscheinlich gerade damit abgefunden, als er wieder zu ihr zurückging. Das war am 5. Dezember, ich werde das Datum nie vergessen.

Er ging früh zu ihr, sie hatte extra frei genommen, um seine Sachen zu holen. Er wollte Regale abbauen, in den Keller schaffen, ein bissel was in Keller bringen, damit es mit dem Auto die Tage darauf geholt werden kann. Und er kam nicht wieder. Ich hörte von seiner Mutter, dass sie ihm dort hysterische Szenen macht (die Kombination passt), und er entschloss sich zu bleiben. Ich bekam dann eine SMS, die sie diktierte, er bleibe bei ihr, ist mit ihr glücklich und will keinen Kontakt mehr.

Ich war eine Woche nicht Ich selbst. Ich konnte weder schlafen, noch denken. Obwohl man sich abzulenken versuchte, drehte sich alles nur um ihn. Und als ich so langsam zu mir kam, tauchte er wieder auf, und es begann wieder von vorn. Und wieder von vorn und wieder vorn. Ich habe nicht mitgezählt, ich müsste in den Kalender schauen, wie oft das eigentlich so war. Aber ich war neulich schon mal erschreckt, wie der Januar aussah.

Und jetzt war es ähnlich. Er kam am 3. Februar, blieb bis zum Wochenende vor seiner Entgiftung, und ich sagte ihm, es ist vorbei. Jetzt ist endgültig schluss, er soll sich nie wieder melden und geht auch alleine in die Klinik. Nein, er setzte es durch mit Macht, und ich ließ mich wieder auf dieses Spiel ein.

Ich weiß nicht, wie viel Plan dahinter stecke. Ich habe keine Ahnung, ob das so geplant war – von Beiden vllt. sogar. Aber schon seit Montag in der Klinik, obwohl Sonntag noch von ihr seiner Mutter gegenüber erklärt wurde, sie wolle mit ihm nichts mehr zu tun haben, er hat sich unmöglich bei ihr aufgeführt, wird wieder fleißig geschrieben und telefoniert.

Unmöglich aufgeführt hat er sich hier auch. Er hat sich standhaft geweigert, am Samstag zu gehen, er ist sogar Sonntag Nacht nach dem Sturmklingeln bei meinem Nachbarn wieder hier aufgetaucht, ist nicht gegangen und hat es einfach erreicht, was er wollte. Ich sollte ihn in die Klinik bringen. Ich kann das ja besser als sie. Wenn man sie sieht, weiß man warum.

Nein, sie ist eine attraktive Frau. Sie ist schlank, blond. Das war es dann schon. Ich halt sie nicht für attraktiv, aber ich bin da nicht objektiv. Nessi auch nicht. Es ist schon ein Trauma, dass sie mir vorgezogen wird. Ehrlich!

Sie muss Qualitäten haben, die erstaunlich sind. Er hat ihr mal geschrieben, und sie mir über eine Internetplattform, bei der wir beide angemeldet waren – ich nun nicht mehr -, dass es ihm bei mir zu langweilig ist. Das kann natürlich durchaus sein, zu solch Szenen bin ich nicht fähig. Man kann mit mir nicht tagelang Belanglosigkeiten oder Vorwürfe diskutieren und schon gar nicht per SMS. Ich habe keine drei Kinder, die in der Gegend rumwuseln. Ich bin ein gelassener Mensch, selten hektisch oder stressig und nie hysterisch. Persönlich find ich das gut, allerdings kann es schon sein, dass ER darauf steht. Muss er ja.

Und was den Sex betrifft, nun ja sie ist schlanker als ich, jünger als ich. Da macht das wohl mehr Spaß. Ich habe keine Ahnung, ich bin kein Mann und hab das noch nie von jemandem gehört.

Irgendwie, und das hat er mal bejaht, war es dann so, dass er wenn er bei ihr war, mich vermisste und wenn er bei mir war, sie vermisste.

Wird das jetzt anders? Ich hatte neulich den Eindruck, und wie gesagt, ich kenne ihn zwar 30 Jahre, aber ich habe mal krampfhaft überlegt, ob ich ihn überhaupt nüchtern kenne, ich glaube nicht wirklich, er ist nüchtern noch schwerer zu ertragen als betrunken.

Bin ich nun anders geworden? Mag sein, ich hab es ja selbst bemerkt. Ich war nicht konsequent, das bin ich doch sonst. Ich war nicht pragmatisch. Meinen Kopf hab ich ausgeschalten, gesagt hat er mir das schon alles, aber ich hab das Herz sprechen lassen.

Was ist es nun – Liebe? Habe ich ihn immer geliebt? Ich weiß es nicht, ich hatte eigentlich in den Jahren, also vor Bayern, als wir uns immer noch mal über den Weg liefen, nie den Eindruck. Eher hatte ich immer den Gedankengang, man gut, dass es nicht mit uns geklappt hat. Es wäre nie was geworden.

Warum war das auf einmal anders? Habe ich es genossen, für ihn zu sorgen? Florence Nightingale-Syndrom? Find ich es schön, wenn jemand von mir abhängig ist? Suche ich Nähe? Will ich beweisen, dass Beziehungen nicht funktionieren und such IHN mir deshalb aus?

Vielleicht von allem etwas, macht mich nicht gerade sympathisch, find ich.

Seine Nähe hab ich genossen. Es war schon beruhigend, wenn ich meinen Kopf auf seine Schulter legen konnte, auf seine Brust, seine Brusthaare kraulen und dann vllt. weiter unten… Ich kann von ihm nicht die Finger lassen. Das ist eine ganz neue Seite an mir. Ich war nie der Kuscheltyp.

Und wenn er sauer ist, traurig, kann ich ihn in die Arme nehmen, ihn trösten. Das sind alles Sachen, die mir im Normalfall schwer fallen.

Ich hab gestern schon ganz viel über mich geschrieben. Das sind derartige konfuse Gedankengänge, dass ich da selber kaum durchsteige. Genauso fühle ich mich aber. Konfus.

Jeder ist sich auch darüber im Klaren – im Grunde, dass ich ihn wieder reinlasse. ER ist davon erst recht überzeugt. Er weiß genau, wie meine Gefühle für ihn sind. Das macht ihn alles andere als sympathisch, er nutzt sie aus.

Heute bekam ich im Übrigen eine SMS, die klang ungefähr so: Hey bestell doch mal…. (meinen schwulen Nachbarn) einen schön Gruß und sag ihm, die Kleine im Rollstuhl ist wieder da, die er geschoben hat. Er weiß schon, wen ich meine. Gruß

Direkte Kommunikation. Wenn man jemandem was sagen will, sollte man ihn kontaktieren. Zum anderen bezweifle ich, dass meinen Nachbarn das interessiert. Und was hab ich damit zu tun? Warm halten? Immer mal belanglose SMS, um Kontakt zu halten.

Ich hab geantwortet: Schreib ihm das selbst. Paulinchen

Es geht, wenn ich will. Wenn ich sauer genug bin, auch am Sonntag Nacht hätte ich ihn nach Hause schicken können, aber nach dem theatralischen Auftritt am Telefon mit seiner Ex aus Bayern über Suizide etc., konnte ich das nicht. Ich hätte mir im Zweifelsfall ja ewig Vorwürfe gemacht, wäre ihm was passiert, es war ja auch glatt und kalt, und er betrunken, oder er hätte was gemacht. Taktik.

Das ist es ja, womit ich nicht klar komme. Ich genieße meine Unabhängigkeit. Es mag Zeiten geben, da will man nicht allein sein. Das kann schon sein und vllt. will ich auch nicht dauerhaft allein bleiben. Ich freue mich, wenn ich nach Hause komme und find alles so da, wie ich es verlassen habe. Ich mag keine Vorwürfe hören, wo kommst du her, wo gehst du hin. Warum dauerte das solange? Etc.

Mir ist klar, dass Beziehungen so nicht laufen müssen. Sie laufen aber oft so. Nenne mir mal jemand eine Beziehung, die wirklich funktioniert.

Der Rechner ist sowieso ein Dorn im Auge. Auch bei ihr. Sie hat ja seit Anfang Dezember einen. Und nutzt die Flirtbörsen rege. Ich bin da ja weniger aktiv, chatte aber doch ab und an. Warum auch nicht? Ich würde mir doch nie etwas verbieten lassen. Allerdings wenn er da war, blieb das Teil meist aus. Es sei denn, ich wolle mich mal für das viele Gesimse revanchieren, dann kann man ihn schon anschalten.

Es ist und bleibt konfus. Vllt. brauch ich nur Zeit, um es abzuhaken. Irgendwann wird es mir vllt. zu bunt, und ich kann einen Schlussstich ziehen. Aber wie lange das dauert, und wie viele Nerven ich dabei lasse, ist die Frage. Nerven, die ich für wichtigere Dinge verwenden könnte.