Plateforme

23.09.2013 um 01:28 Uhr

Wahl

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Ich habe gewählt und gebe zu, mit dem Ergebnis habe ich nichts zu tun.

Man muss sich schon rechtfertigen, wenn man wählen geht. Du gehst wählen? Na selbstverständlich. Da kam dann nichts mehr. Dabei ist es ganz einfach:

1989 sind die Ostdeutschen für mehr Demokratie auf die Straße gegangen. Die Meisten von uns sind froh, dass es die DDR nicht mehr gibt. Natürlich gibt es ein paar, die das irgendwie anders sehen. Ein simples Beispiel gab es neulich beim Weiberabend: Es wurden Bilder auf Facebook gepostet, die aus der DDR stammen. Es sah wirklich schrecklich aus. Niemand von uns weiß eigentlich mehr, wie schrecklich es wirklich aussah und war. Wir stellten wirklich fest, wir können froh sein, dass die Wende kam. Denn wie wäre es sonst? Würde es sonst noch so schrecklich aussehen? Nein, die Häuser, die damals so schrecklich aussahen , würden heute nicht mehr stehen, sie wären Neubauten gewichen. Neubauten, die heute abgerissen werden, weil sie alles andere als neu waren. Weil schon beim Neubau der Neubauten gepfuscht wurde. Wir hatten ja nüscht.

Vergessen!

Die Ostdeutschen sind 1989 auf die Straße gegangen, um Demokratie zu leben. Ob wir sie nun haben, okay, darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber sie zu ignorieren und zu sagen, es nützt ja sowieso alles nichts, ist das die Lösung?

Ich habe gewählt. Aber ich gebe zu, mir fällt das immer schwerer. Ich wähle Protest. Denn was bleibt:

CDU – nun die kann ich nicht wählen. Das ist für mich eine Partei, die ich nicht wählen kann. Wenn ich die führenden Politiker dieser Partei sehe, dann kann ich die nicht für voll nehmen. Das C, das für christlich im Parteinnamen steht, ist für mich vollkommen falsch: Christliche Werte – wo? Eine Kanzlerin, die nichts hört, nichts sieht. Eine Arbeitsministerin, die ihr Handwerk gar nicht versteht. Eine Verbraucherministerin mit 10 Punkte Plänen auf dem Papier. Ein Innenminister, der die Aufgabe nicht verstanden hat usw.

FDP – die Partei der Besserverdienenden, die Liberalen. Liberal zu sein, ist an und für sich nicht mal schlecht. Aber was bezeichnet die FDP als liberal? Die FDP sind für mich nicht Fisch und Fleisch, bestenfalls eine Zwischenlösung, die für nichts steht.

SPD – mein Herz hat immer für diese Partei geschlagen. Ich habe noch gehört und gelernt, das Volk wählt SPD. Aber wenn ich mit die Leute so angucke, wofür stehen die? Ist das sozial? Hat die Partei nicht ihre sozialdemokratischen Werte verloren und verleugnet? Und hat man nicht Herrn Steinbrück aufgestellt, weil man eigentlich nicht gewinnen wollte? Das muss doch so sein.

AFD – darüber muss man kein Wort verlieren. Eine Partei, die am rechten Rand fischt. Eine gefährliche Wahl.

Rechter als AFD ist gar keine Alternative.

Piraten – das wäre eine Wahl gewesen. Aber wo sind sie? Irgendwie sind sie nicht mehr da. Die waren so mit sich beschäftigt, sie sind untergegangen.

Grüne – für mich ehrlich gesagt, überhaupt keine Wahl. Eine Partei der Besserverdienenden, eine Partei mit dem Zeigefinger, auch wenn sie es abstreiten, es kommt halt so rüber. Eine Partei, die für Umwelt steht. Wie ist das mit der EEG-Umlage? Fleischloser Tag? Ich kann damit wenig anfangen. Vieles kann man unterstreichen, aber bei näherer Betrachtung sage ich für mich – nein danke!

LINKE – die Partei steht für alles, was das Volk wählen kann. Sie sind gegen alles und für alles, was das Volk bewegt. Gegen Hartz4, gegen die Rente mit 67, gegen Auslandseinsätze, für mehr Kinderbetreuung, für mehr soziale Teilhabe. Es ist wie ein Wunschkatalog. Wähle Dir was aus, wir machen es. Komisch, dass sie nicht von allen gewählt wurden. Viele möchten das anscheinend nicht. Aber diese Partei hat, und auch wenn das von einem Ossi schrecklich klingt und heute niemand mehr hören will, eine Vergangenheit. Sie ist aus der SED hervor gegangen. Und das ist deswegen eine Tatsache, wenn man sich die Klientel und viele der Abgeordneten einmal näher betrachtet. Da sind so einige, die haben noch nicht wirklich erkannt, dass die DDR nicht mehr existiert und die DDR auch keine Alternative mehr bietet. Und dann gibt es in dieser Partei noch die West-Fraktion, die generell von den Anderen als Spinner bezeichnet werden, kommunistische Plattformen. Ich weiß darüber wenig bis gar nichts.

Ich habe die LINKE gewählt, weil sie zumindest die Themen anspricht, die mir wichtig sind. Dass sie von den anderen Parteien ignoriert werden, eine Koalition mit ihnen für niemanden in Frage kommt (anscheinend) finde ich arrogant. Damit wird dem Wählerwillen widersprochen, was nicht demokratisch ist. Außerdem könnte die LINKE bei Regierungsverantwortung mal zeigen, was aus ihren Wahlversprechen denn werden würde.

Ich selbst habe mich gegenüber einem LINKEN mit der Äußerung, dass ich der LINKE keine Führungsverantwortung zu traue, mal tief in die Nesseln gesetzt. Herr Gysi ist ein sympathischer, eloquenter Mann, aber was noch? Und wen gibt es da überhaupt noch?

Außerdem muss ich gestehen, dass ich auf Bundesebene gerne die LINKE wähle, aber bei Kommunalwahlen das bisher eher vermieden habe. Wenn ich mir die Hanseln da betrachte, kommt das für mich nicht wirklich in Frage.

Das ist schizoid. Ich gebe es zu. Das ist natürlich das Dilemma, in dem sich viele befinden. Man entscheidet sich dann, nicht zu wählen. Damit verraten wir aber Ideale, für die wir selber mal eingetreten sind. Wie viele Länder auf der Welt gibt es, deren Bevölkerungen für freie Wahlen kämpfen? Wir dienen damit unserer eigenen Demokratie nicht, wie sollen unsere Volksvertreter erkennen, dass wir mit ihnen dann doch nicht so einverstanden sind?!

Politik ist vielen egal. Die machen da oben doch, was sie wollen. Man kann gegen dieses Argument nur schwer vorgehen. Jetzt kann sich unsere Kanzlerin, nichts können Politiker so gut, sich selbst beweihräuchern. Das machen alle, egal , wie das Ergebnis ist.

Darum habe ich gewählt. Wenn es für mich auch eine Wahl zwischen Pest und Cholera war. Ich wäre gerne überzeugter. Ob das mal noch möglich ist?

In den nächsten vier Jahren habe ich zumindest die Gewissheit, ich habe das nicht gewählt. Diesen Stillstand, diese Ignoranz, diese Arroganz. Das ist auch was Wert!

Eine gute Opposition ist für eine Demokratie wichtig und die LINKE ist da sicher sehr gut!

Verschwörungstheorien könnte man auch noch spinnen, aber das lasse ich mal.

 

 

 

 

09.04.2013 um 00:40 Uhr

Betrug oder Mitleid?

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wenn Frau minutenlang probiert, einen Eintrag mit einem Link zu posten und sich dann wundert, warum es nicht geht, ja, ich habe es herausgefunden: Man mag das hier nicht mehr.

Dabei wäre es für mich mal eine Diskussionsgrundlage. Habe ich doch heute in der Welt einen Artikel gelesen, der über eine Frau berichtet, die freiwillig in Hartz IV lebt. Sie hat freiwillig 2004 ihren Job gekündigt, eine Weile von dem Erspartem gelebt und lebt nun von Hartz IV. Sie braucht nicht viel. Sie hat auch nicht viel. Natürlich muss sie sich wie alle anderen Arbeitslosen auch bewerben und ihrem Fallmanager das auch nachweisen, aber sie weiß zu verhindern, dass daraus eine Arbeitsstelle resultiert. Fehlende Zeugnisse bei den Bewerbungen, kleinere Fehler. Sie nimmt an den Maßnahmen teil, weil man ihr das Geld streichen würde. Aber ansonsten genießt sie die Freiheit.

Ist das nun Sozialbetrug? Oder empfindet man eher Mitleid? Ist sie sogar verrückt, sollte diese Person wirklich existieren?

Gut, mit Arbeit kann man sich den ganzen Tag versauen. Zeitiges Aufstehen, den ganzen Tag im Büro sitzen, sich mit Chefs und Kollegen auseinandersetzen. Das macht nicht immer Spaß.

Aber ist das, was sie als Freiheit bezeichnet, nicht arbeiten zu gehen, wirklich Freiheit?

Ich habe da echt meine Zweifel. Von Sozialbetrug spreche ich nicht, soll sie doch, wenn sie denn will. Das mit den fehlerhaften Bewerbungen kann sie auch lassen, einen Job wird sie wohl ohnehin nicht mehr bekommen.

Ist es nicht sogar so, dass man sich über die Anderen lustig macht? Sie müssen so leben, sie machen das nicht freiwillig. Sie sitzen nicht freiwillig auf der Couch oder gehen spazieren, um Flaschen zu sammeln. Sie geizen nicht freiwillig mit dem Geld. Und würden doch so gerne mehr haben, mehr Geld, mehr Bestätigung, mehr Luxus. Wer würde nicht gerne verreisen? Ist das Leben genießen nicht mehr, als nur nicht arbeiten gehen zu müssen?

Nun sie hat das Recht so zu leben, wenn sie das will. Jeder hätte das Recht, dies zu tun. Vielleicht gibt es solche Menschen, vielleicht auch nicht.

Das Thema ist immer wieder ein Medienereignis, es polarisiert, es spaltet. Das soll es auch.

Heute wird nun auch darüber berichtet, dass Arbeitlose, die sich öfter krank melden, Besuch vom Medizinischen Dienst im Auftrag der Jobcenter erhalten sollen. Kontrolle. Besuch ist immer okay, die Frage ist natürlich: Bringt der Besuch auch Kaffee und Kuchen mit?

Man darf nicht darüber nachdenken. Dann kann man leicht die Fassung verlieren. Sind Arbeitslose öfter krank? Sind die Krankmeldungen berechtigt oder schmarotzen sie? Das ist wohl ganz individuell zu sehen. Erwiesen ist wohl, Arbeitslosigkeit macht krank.

Das Thema polarisiert. Ich habe vor Wochen, Monaten, Jahren, gesagt, ich warte auf die Zeit, wenn es heißt: Der Unfallverursacher war HartzIV-Empfänger. Bei Kriminalitätsberichten ist das schon lange der Fall. Und siehe da, man hat mich sozusagen erhört. Jetzt soll es für HartzIV-Empfänger, für Leute mit wenig Geld, spezielle Kraftfahrzeugversicherungen geben (wahrscheinlich auch bald alle anderen, wartet es ab). Sie verursachen mehr Unfälle. Es wird wohl so sein. Leute, die wenig Geld haben, müssen noch mehr bezahlen. Ja, die Logik versteht sicher jeder.

02.06.2009 um 23:36 Uhr

Das erste Mal

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Das erste Mal – das sollte doch in Erinnerung bleiben. Ist es auch. Wobei es nicht um dieses erste Mal geht, sondern das erste Mal im „goldenen Westen“. Schließlich jährt sich das dann irgendwann zum 20. Mal. Und genau deswegen hört, liest und sieht man zu diesem Thema mehr als genug.

Es war schon eine bewegende Zeit. Die Nachrichten zu lesen, zu hören und zu sehen war das Wichtigste überhaupt damals. Die Zeit war schnelllebig. Was heute neu war, war morgen uralt. Die Ereignisse überschlugen sich. Und man darf nicht vergessen: Es waren immer Positivnachrichten. So etwas hat es vorher nicht gegeben, später auch nicht und auch in Zukunft ist damit nicht zu rechnen.

Dass sich die DDR wandelte, war im November des Jahres 89 allen klar. Uns war wohl auch klar, dass wir nun alle mal ins „gelobte Land“ fahren können. Trotzdem schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Seit gestern ist in Berlin die Mauer auf. Keiner wußte davon was in der Provinz. Irgendwer ging zur Polizei (während der Arbeitszeit, wen juckte es), um sich zu erkundigen. Da wußte man auch nicht viel. Es war noch von Stempeln und Einreisegenehmigungen die Rede, die aber kurzfristig erteilt würden.

Die Familie beschloss, heute und morgen fahren wir nicht. Das Getümmel will sich niemand antun, abwarten. Es ist ja noch Zeit.

Aber die 100 DM Begrüßungsgeld lockten, irgendwann wollte man ja auch mal endlich fahren. Irgendwie hatte man den Eindruck, es waren alle schon. Vor allem die Hardliner waren ziemlich unter den Ersten.

Ende November ging es dann los. Frau hatte Haushaltstag, das war der Tag, den jede verheirate Frau einmal im Monat nehmen konnte, um „ihren Haushalt“ auf Vordermann zu bringen. Übrigens eine schöne Errungenschaft, wenn man das mal so nebenbei bemerken darf. Weniger wegen des Haushaltes, viel mehr, um irgendwelche Dinge zu erledigen, Arztbesuche, Einkäufe etc.

Wir hatten kein Auto, wozu auch in der DDR. Also gingen wir vormittags zum Bahnhof und fuhren nach Helmstedt. Das dauerte eine Weile, der Zug war überfüllt und überhaupt hatte wohl die Deutsche Reichsbahn mal wieder keinen Plan. Mittags kamen wir dann in Helmstedt an. Es war schon eigenartig durch die „Mauer“ zu gehen, die Personalausweise zu zeigen. Man hatte doch im Hinterkopf: Ob die uns durchlassen?

Wir folgten der Masse durch die Innenstadt Helmstedts. Irgendwo dort wohnt Verwandtschaft von mir, die wir aber nicht aufsuchten. Einmal wollte ich denen keinen Überfall der Ostverwandtschaft zumuten, zum Anderen war gar keine Zeit. Als erstes Geschäft gab es ein Blumengeschäft. Blumen im November? Sowas war der DDRler nicht wirklich gewohnt. Und da blühte es überall.

Das Ziel war ein altes Gemäuer der Stadtverwaltung (?). Dort gab es das Begrüßungsgeld. Die Schlangen waren groß Es dauerte, bis man an der Reihe war. Das Gebäude war wirklich nicht schön, eher baufälllig, schien aber keinen zu stören, wir waren im „goldenen Westen“. Irgendwann war man an der Reihe, zeigte die Personalausweise und bekam dann die erhofften 100,00 DM. Das waren dann insgesamt 300,00 DM. Für den Vati, die Mutti und das Kind, das wie in der DDR üblich im Ausweis stand und auch mit war. Schließlich fuhr man nirgends ohne Kind hin. Nicht jeder hatte soviel Erfolg in der Schlange, bei einigen fehlten die Kinder, andere bekamen das Geld aus anderen Gründen nicht, hatten es wohl schon anderenorts geholt.

Dann zogen wir los – einkaufen. Ein paar Clementinen, Fischstäbchen, Yoghurt, Kaffee, einen Walkman (damals noch ganz in) etc. Die Plastikbeutel waren schnell gefüllt. Und überhaupt Plastibeutel, die kannte man nur aus den Westpaketen. Jeder Ostdeutsche hatte zum Einkaufen Stoffbeutel. Die Geschäfte waren auch überfüllt, mit DDRlern vor allem. Die Westdeutschen waren weniger begeistert, wir störten sie in ihrer vorweihnachtlichen Einkaufswut. Das äußerten einige auch wortreich.

Uns störte es nicht, wir guckten, kauften und zogen durch die Gegend. Es war überall neu, was es nicht alles gab. Wenn man da an die HO oder den Konsum dachte....

In einem C&A passierte es dann. Vati guckte, Mutti guckte, Kind war weg. Mutti schon ganz hysterisch, wo ist Paulchen abgeblieben. Eben war er noch hinter mir. Wir müssen doch noch nach Hause. Der Vati rannte wieder in den Laden und fand dann klein Paulchen, der irgendwo geguckt hat, vergessen hat, uns zu folgen und ganz verloren war. Keine 4 Jahre alt.

Dann zogen wir mit unseren Plastikbeuteln, die schwer wurden, unhandlich zu tragen waren, die Plastikgriffe schnitten in die Hände, wieder zum Bahnhof. Das Kind im Schlepptau, das nun langsam genug hatte. Es waren viele, unbekannte Eindrücke und das Laufen fiel nicht gerade leicht. Spät abends landeten wir wieder in der Heimatstadt. Und durften zu Fuß mit unseren vielen Beuteln beladen nach Hause (ca. 3 km).  Öffentlicher Nahverkehr - doch nicht um diese Zeit (ist jetzt auch noch so) und Taxen waren in der DDR nur schwer zu bekommen.

Zu Hause packten wir dann alles aus, verstauten alles und wunderten uns, was es doch für knapp 300,00 DM so alles gab. Es war fast Mitternacht. Die Füße taten weh und anderentags durfte/mußte man auf Arbeit. Paulchen in den Kindergarten, der Tag begannn schon um 5.30.

Wir fuhren nie wieder mit dem Zug in den „goldenen Westen“. Später erledigte mein Mann das mit dem Motorrad oder man fuhr mit dem Auto. Das erste Auto war ein SkodaS100. Ein Erlebnis für sich!

P.S. Das letzte Mal im „goldenen Westen“ war ich im Frühjahr 2006 zur Beerdigung des Lebensgefährten meiner Mutter. Wer hätte sich das 1989 so gedacht?!




20.03.2009 um 02:15 Uhr

Schießen

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Es wurde viel darüber geschrieben und spekuliert, warum es zu Amokläufen kommt, was in den Tätern vorgeht oder auch nicht vorgeht. Ich will mich nicht anschließen, bin sowieso der Meinung, es gibt nicht auf alles eine Erklärung und vergessen wird bei der ganzen Diskussion, dass es die Opfer gibt. Darüber will ich nicht nachdenken, was in Leuten vorgeht, die ihre Kinder in die Schule schicken, die dann nie mehr nach Hause kommen oder schwer traumatisiert.

Die beste Erklärung für alles ist: Es liegt an den Killerspielen, an die Heranführung an Waffen etc.

Es wurde auch gesagt, Frauen sind seltener Amokläufer. Das mag insofern stimmen, dass die letzten tatsächlich Männer waren. Das heißt dann, Frauen neigen weniger zur Gewalt. Dem mögen die widersprechen, die schon mal Gewalt von Frauen erfahren haben oder Opfer einer Mädchengang wurden.

Und überhaupt gab es bei uns früher gar nicht. Keine Ahnung. Ich kann mich gut erinnern, dass es auf unseren Pausenhöfen auch Schlägereien gab.

Angesichts der Umfrage von Sternenschein habe ich schon gesagt, dass ich eine Waffe in der Hand hatte. Dazu gibt es dann eine kleine, feine Geschichte.

Wie den Meisten bekannt sein wird, gab es ab den 80igern in der DDR Wehrkundeunterricht. An diesen Unterricht kann ich mich nicht wirklich erinnern, wir waren wohl die erste Klasse, es war alles noch nicht wirklich durchdacht. Wir liefen eigentlich nur durch den Wald in Pfadfindermanier. Wie überlebe ich im Wald? Was macht man nach einem Atombombenangriff? Unsere Schule galt damals als Bunker, die Bürger sollten sich in die Schule, in den Keller flüchten. Wie abwegig das war, wird man festellen, wenn man sich die Schule mal ansieht.

Dieser Unterricht wurde natürlich im Laufe der Jahre verbessert.

Während der Ausbildung wurden wir dann zwangsweise Mitglied der GST – Gesellschaft für Sport und Technik. Es war eine kaufmännische Ausbildung, der Hintegrund dieser zwangsweisen Mitgliedschaft war wohl die Tatsache, dass die GST über Fernschreiber verfügte. Sowas hat wohl heute niemand mehr.

Ich kann mich nicht wirklich erinnern, was wir im Einzelnen gemacht haben. Mir war das damals ziemlich egal und hab mich dem soweit wie möglich verschlossen. Erinnern kann ich mich noch an die Schießübungen. Irgdenwann trafen wir in einer Werkstatt zusammen und sollten mit einem Luftgewehr (?) schießen lernen. Dazu muß man sagen, dass es wohl in fast jeder Familie Luftgewehre gab. Meine Eltern bzw. Großeltern hatten auch welche, man hatte schon mal versucht, mir das Schießen beizubringen. Erfolglos. So stand ich nun wieder in dieser Werkstatt, alle schossen auf irgendwelche Pappziele und trafen auch. Ich war dann auch dran und traf nicht, jedenfalls nicht das eigentliche Ziel. Mein Schuß traf das über der Werkbank hängende Bild von Erich Honecker. Das war zwar ganz woanders, aber egal. Das Geschrei war erst mal groß, ob ich das mit Absicht gemacht hätte. Nö, das hatte ich natürlich nicht. Die verantwortliche Ausbilderin war dann so weise, das zu erkennen und mich von jeglichem Schießunterricht zu entbinden.

Ich treff also nicht mal das Scheunentor aus 2 Metern Entfernung.

Ich habe es nie wieder versucht.Schießen ist nicht mein Ding. Wird es auch nie sein. PC-Spiele auch nicht, auch wenn ich es mal versucht habe. Und was die Horrorfilme betrifft, ich liebe sie. Es kann nicht blutig genug sein. Auf die Idee, Amok zu laufen, bin ich (noch) nicht gekommen. Aber es gibt immer noch den Nachbarn ;-)




05.02.2009 um 03:11 Uhr

Hart aber Fait, Thema 20 Jahre Mauerfall, viel Geld, wenig Gefühl

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Es war mir gar nicht so sehr bewußt, vllt. vielen nicht. Warum wird jetzt soviel über die DDR geschrieben, über Ossis und Wessis? Richtig, 20 Jahre Mauerfall. Die Auflösung dieses Staates. Vom Volke.

Es gibt Diskussionsrunden ohne Ende. Und das Ende vom Lied ist? Eine wirkliche Angleichung gibt es in Deutschland wohl nicht. Die Jammerdeutschen könnte man sagen.

So manche Aussagen bringen mich dann aber auf die Palme. Ja, es mag Vorbehalte geben zwischen Ossis und Wessis. Aber regionale Unterschiede gibt es in Deutschland generell. Welcher Preuße mag schon die Bayern und umgedreht?

Wir wissen auch nicht viel voneinander. Woher auch? Die Ossis kennen sich in der Geschichte der Bundesrepublik nicht gut aus. Das war ja nicht unbedingt Thema in unserem Unterricht. Umgedreht ist es ähnlich, das Wissen besteht wohl eher aus Klischeewissen.

Nun ist man sich in all diesen Diskussionsrunden einig, nicht nur, dass wir zu wenig voneinander wissen, sondern auch, dass wir vieles auch überbewerten. Nach vorn schauen ist die Devise. So ist es wohl.

Die Ostdeutschen sind befragt worden, halten sich nicht für vollwertige Bundesbürger, glauben nicht an diese Demokratie. Westdeutsche hat niemand befragt. Aber es ist wohl eine Sache der Definiton. Was ist Demokratie? Leben wir in einer Demokratie?

Das glauben wohl viele nicht. Politikverdrossenheit kann man nicht an Himmelsrichtungen im Land ausmachen.

Wenn man dann aber mal mit den Klischees aufräumen würde, das wäre doch mal ein Fortschritt. Denn angeblich glauben die wenigsten Ostdeutschen, dass sie heute besser leben als in der DDR. Wie definiert man denn besser leben? Man vergleicht das mit Hartz IV. Das ist mehr als nur zynisch. Beides hat miteinander nichts tun. Und ob ein HartzIV-Empfänger schlechter lebt als in DDR, das kann man gar nicht ermessen. Die Zeiten waren ganz anders. Im Übrigen wurde die Aussage bestritten (Hart aber fair). Demnach lebte man in der DDR schlechter.

Und bitte warum? Von dem ganzen politischen Spektakel abgesehen, das es in der DDR gab, was aber die meisten doch nur wenig beschäftigte.

Das große Problem der DDR war die bankrotte Wirtschaft. Das ist unbestritten. Die Wirtschaft in unserer Republik ist (noch) nicht bankrott trotz Finanzkrise, auch wenn einen die Nachrichten hierzu in letzter Zeit sehr bedenklich stimmen. Die Betriebe waren verrottet, es war kein Geld da und auch kein Interesse zur Sanierung. Die Städte waren kaputt. Ganze Viertel verfielen allmählich. All das ist wahr. Allerdings kann man ähnliches auch jetzt beobachten. Es sind Milliarden in den Aufbau Ost geflossen. Sagt man. Wo sie geblieben sind, weiß so mancher nicht. Manches hat man wunderschön saniert, Halberstadt, Quedlinburg, Leipzig werden immer wieder genannt und sind stellenweise wunderschön. Anderes ist immer noch arg sanierungsbedürftig. Wenn ich an „unsere“ Geschäftsstraße hier denke. Ich habe es nicht ausgerechnet, es stehen aber bestimmt 50 % der Geschäfte leer. Und die Bürgersteige, High Heels-tauglich sind sie nicht.

In der DDR sind fast alle Menschen arbeiten gegangen. Das war sicher nicht immer der Wunsch der Leute, es war nicht immer der Traumjob. Es gab bis in die 70iger Jahre sogar die verfassungsmäßige Pflicht zur Arbeit. Wer also nicht arbeiten ging, wurde eingesperrt. Es brachte das Geld, jeden Monat. Unabhänig davon wie schlecht es dem Betrieb ging. Sicher verdiente mancher so wenig wie heute HartzIV-Empfänger, aber gereicht hat das Geld dann doch immer irgendwie. Das Vermögen in der DDR war nicht gering und im Gegensatz zu heute hat man es den Leuten nicht angesehen.

Die Aussagen, die so gemacht werden, stimmen einfach nicht. Die Grundnahrungsmittel waren sehr billig. Ein Brötchen kostete 5 Pfennig. Aber dass es sie immer gab, ist eine glatte Lüge. Die Bäcker waren schon kurz nach Öffnung ausverkauft, die Leute kauften viel mehr Brot und Brötchen als heute. Mancher verfütterte das subventionierte Lebensmittel auch an das Vieh. Fleisch, es gab eine Fleischkrise in der DDR.

Es gab immer Schnaps und Zigaretten in der DDR. Hmh, ich weiß genau, welche Schwierigkeiten man hatte eine Flasche „Goldbrand“ zu bekommen. Das war Bückware. Und Zigaretten Marke F6, Cabinett oder Semper gehörten auch dazu. Bestimmte Zigarettenmarken und Schnapsmarken mag es immer gegeben haben, die Regale wurden damit aufgefüllt, aber die, die die Mehrheit wollten, waren wie vieles andere auch Bückware (Ware, die man nur mit Beziehungen erhielt, hervorgeholt von der Verkäuferin unter dem Ladentisch).

Und Konsumgüter? Das war das große Manko der DDR, es gab kaum etwas. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde an den Westen verscheuert. Und teuer waren sie auch noch. Ein Farbfernseher kostete mal schlappe 6.000 Ostmark, das konnte schon ein halbes bis Jahresgehalt entsprechen.

Es war nicht so ganz einfach, das Einkaufen in der DDR. Es war zeitaufwenig. Und so ganz nach dem Prinzip, Beziehungen schaden nur dem, der keine hat, hatte die meisten Leute doch so ihre Netzwerke, um ihren Kram irgendwoher zu bekommen. Eine Hand wäscht die andere.

Es war nicht einfach, aber die Weihnachtsbraten waren trotzdem immer gesichert, die Jugendweihefeste, Geburtstagsfeiern oder was auch immer. Jeder hatte wohl auch seinen Fernseher, seine Waschmaschine und seine Schrankwand. Es ging, auch wenn es schwer war.Nicht aus finanzieller Sicht, das Geld hatten die meisten ohne weiteres, es war schwer, weil es das Zeug halt kaum gab. Finanzielle Schwierigkeiten gab es genauso wie Arbeitslosigkeit offiziell sowieso nicht. Trotzdem kennt auch jeder DDRler, vor allem aus den jungen Jahren der DDR, in denen die Löhne noch niedriger waren, auch Zeiten, dass am Ende des Geldes noch viel Monat über war.

Man kann es nicht ernsthaft mit HartzIV vergleichen, das geht einfach nicht. Da verkennt man die Brisanz an HartzIV, das wenige Geld, die Gängelei und die Perspektivlosigkeit. Tafeln gab es in der DDR nicht; man wußte auch nächsten Monat gibt es wieder Geld und für große Engpässe gibt es halt die Jahresendprämie (13. Monatsgehalt abhängig von der Planerfüllung, gezahlt im Februar).

Trotzdem wird keiner ernsthaft behaupten, dass man damals besser lebte als heute. Wer würde dann auf seinen Westwagen (oder auch Ostwagen) verzichten, wer auf seinen Rechner, auf seine Spülmaschine, sein Handy, sein DVD-Rekorder? Wer vermißt ernsthaft die Stasi, die einen Arbeitsunfall leicht zum Spionageakt machen konnte? Wer vermißt seinen Konsum, seine HO? Usw.

Diese ganze Diskussionen tragen wohl viel eher dazu bei, dass man sich noch weniger annährt. Und das sollte man wohl – nach 20 Jahren. Darin versteht man sich in unserer Gesellschaft gut, man kann die Leute gegeneinander ausspielen. Die Wiedervereinigung hat viel Geld gekostet. Hmh, sie hat aber auch viel eingebracht. Oder machten damals Konzerne nicht Milliardenumsätze? Dass es vielen Wessis heute schlechter geht also vor 20 Jahren liegt sicher nicht an der Wiedervereinigung. Und verdammt noch mal den Soli bezahlen auch die Ossis! In Ostdeutschland sind mehr arbeitslos, weil hier viele Betriebe massiv Personal abgebaut haben, viele Betriebe dicht gemacht haben und natürlich der Anteil der berufstätigen Frauen, politisch gewollt, höher war als im Westen. Das sind Fakten, die mit Sicherheit eine Rolle spielen.


Vielleicht ist in 20 Jahren das Thema Ossi und Wessi nicht mehr so aktuell. Mancher wird es erleben?! ;-)

02.10.2007 um 01:09 Uhr

Unterschied DDR/BRD

von: Paulinchen   Kategorie: Politik

Zur Zeit ist es ja wieder in über die DDR zu sprechen. Klar die Meisten werden davon genervt sein. 17 Jahre nach der Wiedervereinigung könnte das Thema abgehakt sein. Ist es aber nicht, im Gegenteil.

Darum mal EIN gravierender Unterschied DDR - BRD:

In der DDR durfte man nicht behaupten, der Generelsekretär der SED und Staatsratsvorsitzender der DDR, Erich Honecker (oder auch frühere), sei ein Idiot.

Dafür konnte man gefahrlos zu seinem Meister (Chef) sagen, er sei ein Idiot.

In der BRD kann man jederzeit sagen, der Bundeskanzler/in (Kohl, Schröder, Merkel) oder andere Politiker sind Idioten.

Dafür darf man niemals, sofern man einen hat, zu seinem Chef sagen, er sei ein Idiot (selbst wenn es stimmen sollte).