Prinzen und Prinzessinnen ... oder: Kennen Sie Felix Krull?

26.12.2013 um 19:14 Uhr

26122013

irgendwann war ich dann doch ein paar mal ans telefon gegangen, wenn r. anrief. der erzählte mir mit schöner stetigkeit, dass er nun wieder arbeite und dabei viel glücklicher sei. weil er doch eigentlich ein fleissiger kerl sei. und das geld sei auch nicht übel. dies, das und jenes habe er sich schon gekauft. und weil er so schön im schwange war, erzählte er auch, was er seinen katzen zu weihnachten schenken würde und nachbars hund.

ich fand es naheliegend zu fragen, was denn ich bekäme. und erntete ein betretenes schweigen. das war wohl nichts, das er in betracht gezogen hatte. weshalb mein sonst so beredter r. tatsächlich ein paar momente brauchte, irgendwelchen unsinn daher zu stottern, um dann schnell auf anderes zu sprechen zu kommen. wir müssten unbedingt, wenn denn sohni weg wäre ... naja, so nicht-jugendfreies zeug ging ihm wohl ernsthaft und seit einiger zeit schon in bezug auf mich durch den kopf. irgendwas hat da vielleicht doch gefehlt.

und dann wieder das gerede von seinem überbordenden fleiss, was mir die steilvorlage dafür lieferte, dass ich ja dann dieses jahr nicht für ihn kochen müsse. er könne sich ja selbst was ordentliches kaufen. aber nein, oder doch ...

verlass dich lieber nicht drauf, sagte ich.

sohni heute, kurz vor seiner abfahrt, der beim weihnachtsspaziergang sehr wohl vermerkt hatte, dass wir in eine sehr andere richtung und ohne volle taschen losgingen, stellte fast nebenher fest: na, mutti, da hast du es ja dieses jahr wirklich wahr gemacht und r. nicht bekocht. und ich staunte, dass sohni dinge beobachtet, die mir inzwischen wirklich nichts mehr bedeuten.

18.12.2013 um 16:33 Uhr

18122013

er nennt sich selbst ALPHATIER, schickt bezeichnenderweise fotos von seinen händen(!) und eines, auf dem er mit denselben ein mikrophpon hält.  

in mehreren mails erwähnt er, dass er großzügig ist, amüsant im gespräch und immer wieder betont er, dass er am ende gerne der bestimmer bzw. sieger ist.

 

sehr schnell ist mein interesse, das sich noch am wenigsten an äusserlichkeiten festmacht, erlahmt. ohne ihn je im ganzen gesehen zu haben, weiss ich, dass es einer von diesen kleinen männern ist, die sich vermittels solcherart gehabe gerne größer machen. größer und viel wichtiger als sie sind. am ende wirken sie lächerlich.

gar nicht zu reden von diesem erstaunlichen drang älterer männer (und das ist keines wegs despektierlich; letztlich ist er nur drei jahre älter als ich), auch im bett plötzlich dominant sein zu wollen. was ich mir nicht vorstellen mag. denn an diesem ort sollte passieren, was beide wollen, nicht, wozu einer den anderen überredet.

 

kurzum, der anfängliche gedanke, dies sei einer, den man vielleicht mögen können würde (er zeigte wirklich gute ansätze), hat sich innerhalb nur sehr weniger tage wieder einmal als irrig erwiesen. der gedanke an das geplante essengehen ist mir schon jetzt ebenso lästig wie die vorstellung, dass es ein abend voller schwanzvergleiche wird. (pardon! natürlich habe ich keinen, aber ich kann mich gut erinnern an gespräche mit leute, die neben ihrer eigenen brillanz keinen anderen glanz dulden.)

 

wenn sie doch aufhören würden, sich darzustellen und einfach wären, wie sie sind.

 

PS: die alphatiere, die ich kenne, und ich kenne einige, würden diesen begriff in bezug auf sich selbst nie verwenden. sie tun dinge, gehen ihren weg. und man folgt ihnen, weil sie im besten falle vernünftig, gar weise, meistens charismatisch sind. sie tun die dinge nicht des sieges wegen, sondern aus überzeugung. gleichgültig, ob ihnen jemand folgt oder beifall klatscht. übrigens können sie ihrer stimme auch ohne mikrophon gehör verleihen. weil man ihnen zuhören will.

10.12.2013 um 23:16 Uhr

10122013

nachdem d. ihrem mann gesagt hatte, dass er stets nur krank sei, wenn es etwas für die familie zu tun gäbe, wohingegen er durchaus in der lage sei, in solch kranken zeiten 200 emails für die firma zu schreiben, erklärt er ihr, sie sei ja nur sauer, weil man kaum noch sex hätte. er "könne" halt nicht, meint er, nachdem man sich gestritten habe. freimütig sagt sie zu mir, man streite sich an ca. 365 tagen im jahr. irgendwie.(was mir einen eindruck geben soll, wie lange sie schon keinen sex mehr hatte.) ebenso freimütig gebe ich zu, dass er mit diesem hinweis einen ticken zu weit gegangen ist, und weise im übrigen auf jene paare hin, die erst nach einem deftigen streit so richtig in fahrt kommen könnten. dass er eine temperamentvolle frau geheiratet habe, hätte er schließlich gewusst und ja schließlich davon auch profitiert. der laden liefe so gut nicht, wenn d. nicht so wäre wie sie ist.

d. redet, das dritte mal in den letzten fünf jahren, von trennung und so fort, wobei sie das neue scheidungsrecht verkennt. nicht sie zöge aus, glaubt sie, obschon das haus doch seines ist. und jedenfalls käme sie zurecht, glaubt sie. obwohl sie keine gelegenheit auslässt, von den unerfreulichkeiten der teilzeitbeschäftigung mit lohnsteuerklasse fünf zu berichten.

meinen hinweis in einem nebensatz, dass die gerichte mit kindern über zwölf schon vor jahren keinen unterhaltsanspruch mehr feststellten, ignoriert sie. wahrscheinlich meint sie, wie auch in den letzten jahren schon, die trennung nicht ernst. einstweilen fühlt sie sich lediglich bestätigt, dass in ihrem freundinnenkreis es überall genauso zu sein scheint: lauter kränkliche schlafmützen, die nichts zum familiären gemeinwohl beitragen. (ich erinnere mich: meine mutter in den letzten jahren maulte ebenso. erst als der vater tot war, wurde ihr klar, was alles er und nicht sie gemacht hatte. das leben wird anstrengend und teuer auch, wenn alles handwerkliche plötzlich anders als über den ehegatten organisiert werden muss.)

nebenher sehe ich die brüder h. im fernsehen, die den vermüllten haushalt ihrer mutter und damit auch die familiengeschichte aufarbeiten. alles scheint irgendwie gleich zu sein. überall.

ich weiss jetzt wieder, warum ich kein drittes mal geheiratet habe. vielleicht gelingt es mir ja auch, meine erben ohne große messierscheinungen zurück zu lassen.

26.11.2013 um 18:36 Uhr

26112013

er zieht die gummihandschuhe aus und sagt: "die frage ist, ob gut- oder bösartig."

ich lächle und das gar nicht einmal verzweifelt. im letzten jahr hatte ich das gleiche auf der anderen seite und es ging mit einem antibiotikum weg. auch jetzt verschreibt er mir eines, weil er auf dem röntgenbild nichts spezifisches erkennen kann. wir wollen warten, meint er, ob es anschlägt. ich soll in der nächsten woche wiederkommen.

dennoch sagt er beim rausgehen so etwas wie: wenn es bösartig wäre, sollte ich mir lieber keine langspielplatte mehr kaufen.

(ich schreibe das nur für den fall, dass ich zu früh gelächelt habe.)

21.11.2013 um 14:01 Uhr

21112013

z ist der dritte von drei langjährig verheirateten männern, die mir innerhalb kürzester zeit berichteten, dass ihre frauen probleme mit dem alkohol hätten. allerdings ist er der einzige, den ich selbst darauf angesprochen hatte, nachdem mir seine frau (die einzige von den dreien, die ich kenne) morgens mit einer mörderischen fahne begegnet war.

x und y hingegen hatten mir die botschaft freiwillig und ohne jeglichen anlass kund getan. ihnen beiden, wie auch z, war anzumerken, dass da geringschätzung war, die ich umso weniger nachvollziehen kann, als ich alle drei als äusserst trinkfeste kerle kennen gelernt habe.

nun frage ich mich

1. ist es wirklich ein unterschied, ob frau oder mann trinken?

2. kam die geringschätzung mit dem trinken oder das trinken wegen der geringschätzung?

3. warum fühlen sich diese männer, ehemänner der betroffenen frauen, so wenig verantwortlich?

(für ihre frau und das, was aus ihr wird; für das geschehen überhaupt?

z, z.b., nimmt die dinge als gegeben hin und behauptet gar, das sei schon immer so gewesen. er weiss, dass seine frau sich morgens nach dem aufstehen erst einmal - mindestens - ein glas eingießt, dass sie sogar auf der arbeit getrunken hat, als sie noch eine hatte. statt irgend etwas zu tun, hält er ausschau nach anderen und behauptete auf meine allererste anfrage gar, es ginge ihr gut.

x hingegen wartete, dass sie ihn verließ, nachdem sie im rahmen einer sehr langen therapie seinen schädlichen einfluss erkannte. jetzt ist er sauer auf sie, denn schließlich hat ER das alles so lange ausgehalten und soll nun auch noch unterhalt zahlen. dass er weder kochen, noch waschen, noch bügeln kann - warum wohl? so gut scheint sie dann doch funktioniert zu haben. -, bekennt er eher fröhlich, als sei es ein verdienst.

y ist noch unschlüssig. wahrscheinlich wartet auch er, dass sie tätig wird. währenddessen schaut auch er nach anderen.

alle drei, jeder auf seine art, halten sich für höchst bedauernswerte kerle, die noch ein verdammtes recht auf glück - wenns eben sein muss, mit einer anderen - haben, statt sich mit diesem häufchen elend abzugeben, das neben ihnen lebt und am ende noch dankbar sein muss(te), solange das eben der fall ist (war).)

ganz am ende frage ich mich, ob das die neue anmache von männern ist, die eben auch nicht mehr so schick sind wie - evtl.- vor vierzig jahren, ihr beharren auf einen vom leben verbürgten rechtsanspruch auf eine fröhliche frau.

kann ja sein, dass ich fröhlicher bin, als die frauen dieser herren da.

aber: doch nur, weil ich eben so einen nicht an meiner seite habe.

20.11.2013 um 18:44 Uhr

20112013

immer wieder klingelt das telefon. manachmal nur einmal, an manchem tag bis zu zehn mal.

ja, r., du fehlst mir auch. und ich weiß: es ist kalt, dunkel und es geht auf weihnachten zu. da möchte niemand allein sein. all diese schönen sachen wie glühwein trinken, kerzenlicht und so fort machen nur zu mehreren, mindestens zu zweit, richtig spaß.

aber ich weiss auch: das ist die zeit, in der du schier vor verzweiflung zerbrichst. alle jahre wieder. du möchtest auch durch die läden ziehen, einkaufen, wenigstens ein bisschen. was dich jedes jahr dazu bringt, dir die abenteuerlichsten geschichten auszudenken, damit ich dir geld gebe für diesen vermeintlichen notfall, den du in deinem kopf lange vorher für mich konstruiert hast.

so sehr, r., kannst du mir nicht fehlen, dass ich mir auch dieses jahr diesen theaterauftritt antun wollen würde. wie es überhaupt nichts gibt, was mich dazu brächte irgend etwas an meinem schweigen zu ändern.

nein, ich rufe nicht zurück.

16.11.2013 um 12:39 Uhr

ohje,

nie, aber noch nie habe ich ein stöckchen aufgefangen! was soll bloß aus mir werden?

1.      Feuerzeug oder Streichhölzer - was hast du im Haus?

      Beides. Als raucher benutze ich netürlich feuerzeuge. Aber für kreative zwecke sind da auch streichhölzer im „atelier“ (wenn ich nicht gerade alle r. mitgegeben habe.;))

2.      Probierst du als Gast bei Anderen Speisen, die du eigentlich gar nicht magst?

Ja. Mit geteiltem erfolg. Manchmal merke ich, dass das nicht-mögen nur ein irrtum war, der auf falscher zubereitung beruhte, und manchmal mag ichs halt wirklich nicht.

 

3.      Wie lange vorher musst du aufstehen, um morgens rechtzeitig aus dem Haus zu kommen?

Ich schaffe es in einer dreiviertel stunde, aber ich liebe es, eineinhalb stunden zeit zu haben.;)

4.      Welches Auto fährst du und wie schätzt du dein Verkehrsverhalten ein? Defensiv? Flott? Du bist der Herr der Straße?

Gar keins und gar nicht. (aber isch abe doch gar kein auto.) als fußgänger würde ich mir wünschen, dass andere ebenso einsichtig sind wie ich. Ich hasse es, beiseite springen zu müssen, weil der/die fahrer/in zu unsicher ist zum schalten oder lenken.

5.      Welche Fernsehsendungen reizen dich noch?

Wissenschaft, geschichte usf. neuerdings auch zeichentrickfilme für erwachsene in spielfilmlänge (manga jedoch weniger).

6.      Hast du einen Kalender, an dem man täglich ein Blatt abreissen muss? Oder denkst du daran, zu Weihnachten einen zu verschenken?

Gerade heute gekauft. Bauernregeln und ausmisten für jeden tag. Muss reingucken, um zu entscheiden, welchen ich behalte und verschenke.

7.      Hast du einen Lieblingsspruch?

Keinen, der mich gerade anspringt, einige situationsbezogene.

8.      Stell dir vor, auf dem Dach des Nachbarhauses sitzen acht Spatzen. Du schießt drei davon ab. Wieviele sitzen noch oben?

Keiner, das ist aber alt.

9.      Kennst du eine Scherzfragenseite im Netz?

Nö. Braucht frau das?

10.  Warum kann ein Pferd kein Schneider werden?

Hä?

26.09.2013 um 22:23 Uhr

26092013

r. ruft an, nach wie vor, seltener zwar, aber kontinuierlich. genauso wie er in der vergangenheit mein verhalten verniedlichend "beleidigt sein" nennt, erschließt sich ihm nicht, dass es ernst sein könnte. ich währenddessen, jedes mal, wenn ich seine nummer auf dem display sehe, rede mit ihm. in meinem kopf. ich sage: wir passen nicht zusammen. und das hat wenig mit gefühl zu tun, sondern ist ein nüchternes resümé. du hast mir zu wenig zu geben, denke ich weiter, als dass die ärgernisse einen sinn machen würden. ein, zwei positive sachen auf zehn bis fünfzehn negative, denke ich weiter, i s t zu wenig. und immer dann, wenn ich dich wirklich und ernsthaft brauche, nicht nur nur als redenschwinger, sondern als einen, der zupackt, stehe ich allein. der fleiss, von dem du redest, ist nur ein wort-fleiss, keiner des tuns.

das und allerlei mehr, was mir durch den kopf geht, will und kann ich ihm nicht sagen. es würde zu nichts führen. sein bild von sich ist ein anderes als ich es habe. und inzwischen ist es mir egal, wie es ihm geht, was er tut oder lässt. d a s ist es, woran ich erkenne ...

15.09.2013 um 14:03 Uhr

15092013

es sind nicht alles prinzen und prinzessinnen. das muss nun auch einmal gesagt werden.

mein anderes ziehkind auf der arbeit, das inzwischen lange und gut auf den eigenen beruflichen füßen steht, fragte mich neulich, ob ich - wenn das wetter richtig und gut dafür wäre - lust hätte, mit pilze sammeln zu gehen. ich gab zu, dass ich keine ahnung von pilzen habe, aber gerne welche esse. und im wald bin ich im herbst auch gerne. ihm reicht das und offenbar empfindet er es nicht, als würden er und seine frau-freundin die "mutti" am sonntag ausführen. ("wir sammeln die pilze und du kommst dann mit zu uns und wir essen zusammen.")

das alles völlig ohne grund und anlass.

nett.

12.09.2013 um 17:09 Uhr

12092013

mein "ziehkind" auf der arbeit, dem ich seit fünf jahren immer wieder dinge erkläre, die kind regelmäßig vergisst, damit ich sie ihm wieder erklären kann (was für ein spaß, haha!), erklärte heute angesichts einer nach fünf jahren wirklich eklatanten unkenntnis, dass sie trotz ihrer vergesslichkeit doch immer "ganz gut durch gekommen" sei (indem sie sich die sachen ein weiteres mal von mir erklären ließ oder eben ganz an mich oder andere abdrückte).

seither sehe ich ihren kindlichen umgang mit vorgesetzten ganz anders. selten offenbart sie dort ihre unkenntnis, aber gerne erzählt sie, wie viel sie gearbeitet hat und wie toll sie doch diese oder jene schwierige situation bewerkstelligt habe. (neulich bemerkte ich sogar, dass sie meine erlebnisse klaute und als die ihren ausgab.)

was bin ich doch für ein naives ding! tses!

01.09.2013 um 09:34 Uhr

01092013

als r. gestern anrief, bin ich dann doch ran gegangen. er hat sich entschuldigt(!), was ich von ihm gar nicht kenne. er entschuldigt sich nie, sondern sitzt die dinge aus. ich mache mir nichts vor. ihm geht es nicht um mich, sondern meine hilfe, die letzthin doch einige ausmaße angenommen hatte.

eben deswegen war ich auch so sauer, denn noch nehme ich mir die freiheit, die art und das ausmaß meiner hilfe selber zu bestimmen. geld hilft r. kein bisschen, so sehr er das zeitweise auch glauben mag. ich beendete das gespräch dann auch sehr schnell und sagte, wir würden ein anderes mal darüber sprechen.

tatsächlich - auch auf die gefahr hin, mich zu wiederholen - überschätzt r. seinen einfluss auf mich, wie er so vieles an sich selbst überschätzt. es gab eine zeit vor r. und es wird auch eine nach ihm geben. die liege, die eigentlich er hatte zerlegen wollen, haben sohni und ich gestern in tonnenfreundliche portionen zerlegt. so viel schon mal zu r.s überbordendem fleiss, den er mir neulich referierte.

ich habe zeit, r. offenbar nicht. und langsam kommt mir das mitgefühl abhanden, auf das er bis vor kurzem noch bauen konnte. ich beginne zu begreifen, warum es so sehr leer um ihn geworden ist.

29.08.2013 um 17:20 Uhr

29082013

mein telefon ist dieser tage mehr in bewegung als in mancher woche zuvor. r. und unitymedia wechseln sich mit ihren spamanrufen ab. wobei ich u. abnehme und gleich wieder auflege, bei r. mir jedoch nicht einmal die mühe des abnehmens mache. anfangs wäre ich auch gar nicht dazu gekommen, weil er wieder dieses spielchen mit nur zweimal klingeln veranstaltete.

nein, ich will mir weder irgendwelche fernsehprogramme aufdrängen lassen, noch r.s üble laune. daran ändert auch die inzwischen auf meiner mailbox hinterlegte dümmliche frage nichts, ob ich "eingeschnappt" sei. schon vor langem versuchte ich ihm zu erklären, dass kleine mädchen zwischen sechs und elf jahren einschnappen. ich hingegen sehe keinen guten grund, mich für meinen guten willen noch anschreien zu lassen. ich hasse geschrei, auch wenn es mich weder ängstigt, noch wütend macht. ich weiss, dass das ein ganzes stück weit schauspielerei ist. r. weiß um den eindruck, den seine stimme hinterlässt, überschätzt jedoch deren wirkung bei mir.

jähzorn verärgert mich nur, weil ich ihn für unbeherrschtheit halte. sonst nichts. würden wir alle schreien, weil uns etwas nicht gefällt, wäre die welt ein schrecklich lauter ort.

27.08.2013 um 15:19 Uhr

27082013

r. will sterben. was tragisch ist und mich sicherlich zu mitleidsanfällen hinreissen würde, ginge es nicht schon so lange.

am ende ist es das älterwerden, das ihm zu schaffen macht. verbunden mit der tatsache, dass es mit der schwarzarbeit nicht mehr läuft. die polen sind billiger und jünger auch.

und r. ist nicht einfach, was sich rumgesprochen hat. während es mein part gewesen wäre, ihn aufzubauen, habe ich noch drauf gehauen und ihm gesagt, dass es aus gutem grund keinen neuen auftrag durch meine vermittlung gibt. denn: gib r. geld (einen vorschuss, abschlag oder so) in die hand und er erscheint am nächsten tag nicht. weil er das zeug auf den oder besser i n den kopf gehauen hat. bei ausreichender menge zusammen mit seinen freunden, die sich neuerdings rar machen, weils nichts mehr in den kopf zu hauen gibt.

sparen war nie r.s sache. immer nur von der hand in den mund. der letzthin oft leer bleibt, weil sich mancherlei schwierigkeiten so hoch wie die höchsten berge auftun.

wenn seine katzen nicht wären, sagt er, hätte er es getan, am sonntag, wo nicht nur sowieso alles sch...limm war, sondern das wetter auch noch so, wie es eben war.

sein geld vom amt sei nun völlig gesperrt (quatsch! es ist monatsende.) und alle sind so böse und gemein. ich, will er damit andeuten, sei das doch nicht nicht. und verlangt 10 euro von mir. er müsse endlich wieder einmal rauchen.

in bewusstem missverständnis fülle ich ihm tabak ab und lege papers dazu, die langen. die mir vom zigarettenhändler die frage einbrachten, ob ich unter die drogenkonsumenten gegangen sei.  - ich nicht.

es hat ihm nicht gefallen, dass ich fragte, wann um himmels willen er diese verdammten dreissig jahre gearbeitet hat, von denen er immer spricht. da ich ihn doch so lange schon ohne arbeit kenne. und zu seiner selbstdarstellung als "fleissigem, korrektem" handwerker sage ich gar nichts. ich hatte ihn hier und hab seine arbeit gesehen. die nicht schlecht, aber jetzt auch auch nicht so überragend gut war. auch verkneife ich mir den hinweis, dass man als schwarzarbeiter eben immer auch angreifbar ist. man zahlt keine beiträge und steuern, wird aber eben auch hie und da selbst nicht bezahlt. die story mit dem nicht bezahlten und nächtens wieder eingerissenen giebel ist sicher lustig, aber irgendwie auch doof. weil eben keiner über schwarzarbeit oder eigene niederlagen spricht. das brachte ihn nicht weiter wie so vieles andere in seinem leben auch.

 all das, wie gesagt, habe ich nicht ausgesprochen und mir nur gesagt: himmel, früher fing diese befindlichkeit erst im dezember an. anstelle der toten katzen will er jetzt sein eigenes, totes haupt auf meinen fußabstreifer legen. (und irgendwo ganz hinten fragte ich mich, wo da jetzt für die nächste krise die steigerung sein sollte.)

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als ich heute bei ihm anrief und feststellte, dass ich froh sei, ihn lebend vorzufinden, fand er das gar nicht lustig und fragte nur, ob etwas wichtiges sei. er war einfach sauer und ansonsten wohlauf, wollte aber nicht mit mir sprechen. dies nur für jene, die mich hartherzig finden.

r. wird uns alle überleben, vielleicht, er ist ein stehaufmännchen. und ich tue gut daran, die dinge so zu sehen, wie ich das tue. den beutel mit essen, schnaps und rauchwaren hat er übrigens genommen. wie jedes mal in den letzten wochen.

er ist nicht sauer, weil ich ihn hängen, sondern mich nicht manipulieren lasse.

17.08.2013 um 09:30 Uhr

17082013

manchmal brauchen wir andere, um uns über unsere eigenen befindlichkeiten klar zu werden.

gestern traf ich mich mit einer freundin, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. während wir über ihre trennung sprachen, die sie gerade hinter sich hatte, ertappte ich mich dabei, wie ich über r. in den höchsten tönen zu reden begann. nicht, dass ich ihn gelobt oder falsch dargestellt hätte (einmal sagte meine freundin sogar, sie käme ja beinahe in versuchung, sich gedanken um mich zu machen).

vielmehr sagte ich - und zwar wiederholt und aus allen möglichen blickwinkeln -, es sei nicht die zeit mehr, sich aus irgendwelchen pubertären gründen mäklig zu geben. denn es sei, aus vielerlei gründen, schon schwer genug, jemanden zu finden, der einen halbwegs verstünde, jedenfalls aber so nähme, wie man ist. und das schließt sowohl die körperliche erscheinung, als auch das kopf- und gefühlsgeschehen ein. wer weiss, wie viel zeit einem noch bleibt, sich wohl zu fühlen, überhaupt etwas zu fühlen.

und irgendwann, ein paar stunden später, wurde mir klar, dass das auch der grund ist, weshalb r. auch nach drei jahren, in denen ich verschiedentlich hochgradig verärgert war, noch immer nicht gänzlich von der bildfläche verschwunden ist. wir bewegen uns in wellenbewegungen auf und ab. wobei es grundsätzlich gut ist, dass wir nicht zusammen leben oder sonst irgendwie voneinander abhängig sind. wir sind einzelgänger, die immer wieder aufeinander treffen, wenn und wann sie das wollen. solche, die es auch verkraften, ärgernisse auszutragen und zu überstehen. da ist eine gewisse grundsicherheit, dass alles nicht so schlimm ist, die ich gestern ein "spiel" nannte. ja, wir spielen miteinander.

solange wir spielen, leben wir noch? 

09.08.2013 um 04:40 Uhr

09082013

endlich habe ich wieder einmal richtig gut und vor allem ausreichend geschlafen. dass ich jetzt schon wach bin, liegt nur daran, dass ich schon um neun im bett war. es schien alles getan. ich war müde genug. und endlich war es auch nicht mehr so heiss. vorhin wurde ich wach, noch immer den knopf des mp3-players im ohr, und fragte mich ein weiteres mal, ob es der schlaferei nicht abträglich sei, die ganze nacht eine stimme im ohr zu haben. aber ich fühle mich nicht schlecht dabei . eher wie ein baby, das ja auch bei allerhand nebengeräusch schläft. ich werde ja nur wach, wenn ichs sowieso geworden wäre. und diese nacht habe ich immerhin sieben stunden lang geschlafen. mehr brauche ich offenbar nicht.

 wen´s interessiert?

mich. ;)

02.08.2013 um 19:31 Uhr

02082013

r. schreit am telefon. zum wiederholten male. irgendwann hat er den hörer aufgeschmissen. irgendwann hat er gesagt, es liefe bei ihm gerade nicht so gut. irgendwann wollte er nichts davon hören, dass sein "freund", der ihm die matratzen von mir holen soll ( seine ist gnadenlos zerfatzt), sich nicht meldet.

r. also schreit und ich weiss, was es mit seiner pechsträhne auf sich hat. vorgestern morgens um sechs rief er mich an und wollte den staubsauger, den ich ihm vor einiger zeit angeboten hatte. ich sagte ihm, dass zwischenzeitlich sohni ansprüche angemeldet habe. und sohni geht vor, das ist ihm klar. alles sei so schrecklich, sagt er, morgens um sechs, er habe nichts zu tun. das mache ihn fertig. ich sage, dann putz doch, um himmels willen mal deine verkeimte bude. das, meint er, wolle er ja. oben sei er schon fertig. aber unten bräuchte er den staubsauger. und weil ( da glaubte er noch an seinen "freund") er am samstag sowieso..., dann könne er doch... ich sage, dass ich von ihm noch nie etwas geborgtes wieder bekommen hätte. er schnauft, als wüsste er, wovon ich rede.

und genau d a s ist es, was ihm so probleme bereitet. vor zwei jahren ungefähr meinte er, ich sei ein einsamer mensch. und ich wusste gar nicht, was genau er mir damit sagen wollte. es klang damals irgendwie erhaben. als stünde er über so etwas. tatsächlich gab es da in seinen reden noch allerhand leute mehr. die im laufe der zeit abhanden gekommen sind. die einen taten dies, die anderen das, angeblich. und stück für stück verschwanden sie. von r.s mächtigem netzwerk sind nurmehr drei leute übrig geblieben (mit mir vier), deren verlässlichkeit, wie sich nun zeigt, auch zu wünschen übrig lässt.

r. ist wütend, weil die dinge anders laufen als in manchem jahr zuvor. aber die leute sind ja nicht blöd. man kriegt von ihm nicht nur geborgtes nicht zurück, sondern erfährt mit der zeit, dass so vieles gelogen ist. seit ich ihn kenne, hörte ich die abenteuerlichsten geschichten. keinem menschen wiederfährt so viel pech wie r., keiner ist so dummgut, hilfsbereit wie er. im einen monat gibt er von seinem bissel hartzIV dem einen 200 euro, damit er seinen mietrückstand minimieren kann, im nächsten monat bezahlt der andere von seinem geld den monate alten bierdeckel. selbst wenn es so wäre (was ich schon lange nicht mehr glaube), hat r. es doch selbst in der hand, ob er so leben will oder nicht. freundschaft kann man nicht kaufen. und in diesen kreisen ist sich eh jeder selbst der nächste, selbst wenn alles so wäre, wie r. es mir glauben machen will.

immer wieder sprach mich r. in den letzten jahren darauf an, ob nicht irgendwer in meinem bekanntenkreis irgend eine arbeit für ihn hätte. er kann vieles, vielleicht. aber ich sagte mir, dass ich einen teufel täte, ihn irgendwem zu empfehlen. es fiele auf mich zurück, wenn er nicht kommt oder schlampt, was beides durchaus möglich ist. man muss ihm nur einen abschlag oder vorschuss oder jedenfalls geld in die hand drücken, schon erscheint er am nächsten tag nicht und nennt es hinterher kreislaufprobleme. (ich weiss, was da wirklich war.)

r., wenn er klug wäre, würde irgendwann anfangen, die wahrheit zu sagen. aber die fähigkeit dazu ist ihm längst abhanden gekommen.

18.07.2013 um 13:46 Uhr

18072013 (Vom DU und vom SIE)

einige zeit schon liegt es mir auf der seele, dass dieser eine von den neuen chefs mich von anfang an ungebremst duzt. ich habs nicht so mit dieser amerikanischen manier. und selbst da, im lande der vornamen, weiss man - auch wenn es die sprache nicht wirklich hergibt - unterschiede zu machen. im deutschen jedoch gibt es die sprache her. und ich lege wert auf diesen kleinen unterschied zwischen vertrautheit und eben keiner vertrautheit. schon gar nicht möchte ich von einem geduzt werden, der einstens ps ratschläge gab, mir das leben schwer zu machen. dem einzigen, der den alten zoff unbedacht in die neue umgebung getragen hat. nicht einmal, weil er genauso bösartig wäre wie ps, sondern weil er leicht zu manipulieren ist von ihr, die in der ersten zeit noch nicht ahnte, dass die neue tätigkeit sie mehr noch beschäftigen würde als die alte.

kurzum: während er mich wochenlang gedankenlos duzte (weil es modern ist, wir eine gutes, neues team sind, weil er mich zu kennen glaubte usf.), antwortete ich stets mit dem distanzierten sie. in der hoffnung, es müsse ihm dieses ungleichgewicht doch einmal aufgehen. schließlich bin ich keine azubine. und er kein so großer chef, dass er jeden duzen könnte.

es ging ihm nicht auf, so dass ich heute - nachdem ich morgens unter der dusche ein paar gedanken an eben dieses thema verschwendet hatte - fragte, ob es ihm sehr viel ausmachen würde, wenn wir bei sie blieben. sein erstaunen bemerkenswert zurückhaltend, antwortete er. natürlich nicht. sorry.

dass er mir später eine vermeintlich fehlerhafte arbeit zurück gab, war sicherlich nur zufall. dass ich ihm bewies, es habe sich um keinen fehler gehandelt, war keiner.

ich bin ihm nicht böse. und er ist anscheinend froh, dass es so ist. beim abschied rutschte ihm noch einmal ein halbes du über die lippen, das er sogleich in eine neutrae formulierung korrigierte. das sie will ihm offenbar nicht über die lippen.

vielleicht wird er noch merken, dass er mich nicht kennt. trotz allem, was ps einst über mich erzählte.

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d., die ich hernach fragte, ob meine ansage schlimm gewesen sei, drückte sich um ein statement herum. natürlich würde sie so etwas nie machen. sie stößt nur leute vor den kopf, von denen sie nicht abhängig und derer sie sich sicher ist.

gleichwohl hatte sie nur wenige stunden später mit dem gleichen thema zu tun. allerdings andersherum. da nämlich telefonierte sie mit einem kollegen, den sie früher geduzt und der inzwischen einen guten aufstieg gemacht hatte. obendrein lag dazwischen ihre heirat und der namenswechsel. kurzum: der angeduzte fragte, ob man sich kenne und konnte sich ums verrecken nicht an sie erinnern. so viele leute waren inzwischen an ihm vorbei gezogen.

ein wenig peinlich war das schon und d. erklärte, es würde ihr auch nichts ausmachen, wenn man wieder sie zueinander sagte.

hernach war ihr das alles peinlich. sie schrieb ihm eine mail mit ihrem früheren namen.

und ihm wars bei einem späteren telefonat ebenfalls peinlich. weil man ja auch nach dem aufstieg nicht als hochmütig gelten will bei jenen, mit denen man offenbar schon feierte. uswusf.

was lernen wir aus all dem? wenns die sprache hergibt, sieht man die dinge doch sehr, sehr viel anders. respekt kann man sich so oder so nicht kaufen. aber auf distanz achten schon.

02.07.2013 um 20:18 Uhr

02072013

Sonne. Temperaturen über zwanzig Grad. Und Urlaub. Und es ist nach zwölf. (R. hatte für zwölf einen Anruf angedroht, in dem er mich wahrscheinlich wieder um etwas anbetteln wollte.) Frau ist ja dankbar an diesen Tagen.

 

Ich nehme mir die Sonnenliege, klappe sie auf dem Balkon auf. Mit Sohnis windschnittiger Rennfahrersonnenbrille auf den Augen und dem Känguru auf den Ohren lege ich mich hin. Am Himmel fliegen die Schwalben tief. Wolkenschleier machen, dass es nicht zu heiß ist. Wolkenberge formieren sich: aus dem rennenden Windhund mit fliegenden Ohren wird Fuchur, dem ein Untier mit weit geöffneten Maul, in das Fuchur locker hinein passen würde, entgegen fliegt. Das Untier entlässt eine kesse Göre mit Stupsnase und Seitenschwanz, der bis auf den Boden reicht. Darunter hüpft ein Seepferdchen, das sich niederlegt und zur Schnecke wird. Dazwischen ein Regenbogen, der so hoch oben ist, dass man ihn nur mit der Sonnenbrille sehen kann. Drunter immer wieder Schwalben.

 

Ich muss laut über das Känguru lachen, das Marc-Uwe einen „witzig“-Stempel auf die Stirn haut, und räkele mich wohlig. Der neugierige Nachbar, der mein Lachen gehört hat, kommt auf seinen Balkon, sieht mich aber nicht, weil ich hinter dem Wandschirm liege und gerade eben nicht lachen muss. Unten im Springbrunnen quietschen die Kinder, während sie sich gegenseitig vollspritzen.

 

Die Wolkengebilde sind abgezogen und haben weißen Wattebergen Platz gemacht, die in mir eine Erinnerung an ein saftig-knirschendes Gefühl im Mund wecken. Was ist das nur? Zuckerwatte knirscht doch nicht. Ah, ja, Schnee essen. Eine Hand voll noch richtig weißer, ganz frischer Schnee war das Größte.

 

Wolken , mal dunkler, mal heller, alle nicht bedrohlich. Und ich habe so ganz und gar nichts anderes zu tun, als ihnen zuzusehen.

 

 Ein leichter Wind kühlt die sonnenwarme Haut.

 

Ach …

30.06.2013 um 10:40 Uhr

30062013

halb neun am morgen.

keine ahnung, warum ich nicht länger schlafen kann, egal, wann ich ins bett gehe. drei mal in dieser woche wars morgens um fünf. letzte nacht immerhin schon halb drei.

gute bilder habe ich in dieser zeit gemalt und gelange zu der auffassung, dass dies offenbar nur im zustand totaler erschöpfung geht. irgendeine art von innerlichem loslassen muss da stattfinden. gestern haben sie auf dieser kunstplattform wieder einmal übers malen unter drogen diskutiert. natürlich behaupteten alle, ganz korrekt, dass das scheiße ist. und selbst der threadersteller schwor, dass er schon seit einem jahr nicht mehr kifft.

bei mir also reicht schlafentzug durch kaffee.

ich trinke einen kaffee.

weil ich ja eh nich mehr schlafen kann. aber es will sich kein ausreichender grad von wachheit einstellen.

unter mir beginnt die freikirchliche gemeinde zu singen. wogegen ich nie etwas hatte. bis sie sich ein schlagzeug zugelegt haben. es gelingt mir noch nicht, den rhythmus direkt unter meinem ans kopfkissen  gepressten ohr ebenso  zu ignorieren wie die kirchenglocke, die sonntags in 150 meter luftlinie etliche male minutenlang scheppert. (kurz keimt in mir der verdacht auf, die glocke könnte etwas mit meinem abrupten schlafende morgens zu tun haben.) ich sitze vor dem pc und staune, was die leute auf facebook dort alles mit anderen "teilen" wollen.

jaja, ich habs nun doch getan, auch wenn ich mich unter einer falschen - an frühere lebensdaten angelehnte - identität dort eingeschlichen habe. ich werd einen teufel tun, irgendwo im netz meinen echtnamen oder meinen blognick zu hinterlassen. umso mehr erstaunt es mich, dass ich binnen eines tages fünf "freunde" eingesammelt habe. zwei erkannten mich an meinem malstil. eine dritte zögerte bis ich ihr ein paar aufmunternde worte unter eines ihrer bilder schrieb, denen man vage entnehmen konnte, dass wir uns von früher kennen. zwei weitere haben gar nicht erst gefragt, sondern meine freundesanfrage bestätigt. auch wenn wiederum einer von diesen beiden noch am gleichen tag in seine "chronik" schrieb, dass er freunde habe, von denen er gar nicht wüsste, wer sie seien. das war nach seiner bestätigung. wer ich bin, hat er bis jetzt nicht gefragt.

all das bestätigt mir über fb, was ich vorher schon ahnte: die leute sammeln "freunde" zur imagepflege und kriegen nur ganz selten die sinnfrage. nächtens, wenn sie - im gegensatz zu mir, die ich vor der leinwand stehe - nichts mit sich anzufangen wissen und keinen schlaf finden, fühlen sie sich besser, wenn sich mit anderen schlaflosen diese art oberflächlich-freundlichen dialoge in ihren chroniken oder unter ihren wasauchimmer ergeben, die ihnen sagen, dass sie nicht alleine nicht schlafen können.

und jedes mal, wenn ich fb aufschlage, versuchen sie krampfhaft, etwas über mich heraus zu kriegen. was ich für bücher gelesen, filme gesehen habe und so fort. damit sie mir an der nächsten ecke irgendwelche produktempfehlungen machen und - falls ich sie anklicke - gleich noch ein bisschen mehr verdienen können. all das unter der wohlgemeinten formulierung "das könnte dir gefallen". haha.

und während ich derlei eher unterschwellige betrachtungen anstelle, ist der kaffee alle und ich merke, dass er nicht gewikrt hat. obendrein scheint alles verschwommen, was mich glauben lässt, dass die nagelneue, sauteure brille falsch angepasst wurde. die welt entzieht sich nicht nur mental, sondern auch optisch meinem zugriff.

ich mache den pc aus und gehe wieder ins bett.

mit dem känguru-manifest auf den ohren überkommt mich schließlich dieses wohlige gefühl von allgemeiner erschlaffung, wie man es kurz vor dem einschlafen hat. (was nur deswegen klappt, weil ich das manifest nun schon sicher das 20.mal höre. bei den ersten malen saß ich laut lachend im bett. kein gedanke an schlaf. ausdrücklich die beste schlafliteratur war einstens dieser astronomieprofessor, dessen name mir grad nicht einfällt. ja, im sommer 2011 habe ich ausnehmend gut geschlafen. jeweils so schnell, dass das hörbuch für den ganzen sommer reichte.)

gerade, als mir alles zu entgleiten scheint, klingelt das telefon.

nachhaltlig und dringend.

es ist die mailbox, die mit tödlicher treffsicherheit immer dann anruft, wenn ich am einschlafen bin.

sie teilt mir mit, dass sohni angerufen hat. das war gestern abend, als ich in der wanne war. ich rief ihn danach zurück.

ich schleiche wieder zurück ins bett.

schlafe beinahe wieder ein.

das telefon klingelt wieder.

ich gehe hin, weil mich der gedanke, wer das wohl gewesen sein könnte, ohnedies am einschlafen hindern wird.

es ist r.

der fragt mich, ob ich eben bei ihm angerufen habe.

ich sage "nein". und frage, was er macht.

er sagt, er sei so müde, dass er sich wieder hingelegt habe.

ich bestätige, dass es bei mir genauso sei.

eher beiläufig frage ich, ob er lust auf telefonsex hat.

er verneint. er ist zu müde für jegliche art anstrengung.

ich sage "gut, schlafen wir." und verabschiede mich.

ich nehme das telefon, lege es unter die vierfach gefaltete decke des nachbarbettes und drehe mich auf die seite.

23.06.2013 um 14:41 Uhr

23062013

joel ist schuld!

joel spazierer, dieser mistkerl, der schon in ganz jungen jahren vor keiner straftat halt machte. der dabei viel geduld zeigte und trotzdem immer wieder pech hatte. gerade in momenten, in denen es gut zu laufen schien. der dennoch aber auch immer wieder glück hatte und auf die füße kam. weil er so klug, geschickt, sprachbegabt und auch schön und charmant war.

jedes mal sage ich mir, dass ich ihn nicht hören will. weil es mich gleichermaßen interessiert und ärgert, was ich da so höre. aber am ende siegt dann doch immer wieder die neugier. und es stört irgendwann auch nicht mehr, dass man nicht so genau weiss, was wahr und was gelogen ist. diese geschichten sind so aberwitzig, dieser lebenslauf so unwahrscheinlich und am ende doch immer stimmig, irgendwie. und wären sie gelogen, dann verliefen sie anders. denn joel lässt keine lebenstücke, keine niederlage und keine eigene schwäche aus. vielleicht liegt darin der reiz und der gedanke, d a s müsse doch wahr sein.

jawohl, joel spazierer ist schuld, dass ich, den knopf im ohr, abends so schwer einschlafen kann. denn ich will wissen, wie dieser lebenslauf durch verschiedene identitäten, länder und systeme weiter geht.