Prinzen und Prinzessinnen ... oder: Kennen Sie Felix Krull?

28.05.2012 um 12:36 Uhr

28052012

Männer verschwinden nie ganz. Sie lassen immer irgend etwas da. Beim einen waren es die alten Ägypter, beim anderen das Gefühl für Stil in Kunst und Architektur, bei einem weiteren das Interesse für fernöstliche Religionen.

R. ließ mir eine Schlumpffigur aus der Sammlung da. Und den Swing alter Rockmusik. (Früher mochte ich die nicht.) Heute morgen stand ich auf dem Balkon, bügelte und hatte Limp Bizkit auf den Ohren. Die sind zwar nicht alt, entsprechen aber so ziemlich genau dem Lebensgefühl, das man beim Bügeln in der Sonne haben sollte.

Danke, R.!

;)

13.05.2012 um 19:17 Uhr

13052012

Gelegentlich klingelt noch das Telefon. Einmal. So kurz, dass niemand in der Liste erscheint. Bei den klassischen Gelegenheiten. Abends, oft ziemlcih spät, zuweilen mitten in der Nacht, gerne auch Samstag vormittags.

Angenommen, dass es R. wäre, der da anruft, sollte man sich fragen, wer denn da nun einsam ist.

Aber vermutlich sind das nur Leute, die sich verwählen.

04.05.2012 um 10:22 Uhr

04052012

R. los zu werden, ist schwerer, als frau es sich vorzustellen vermag. Dabei geht es noch am wenigsten um meine Befindlichkeiten, die inzwischen klar definiert sind. R. jedoch hat sich offenbar so sehr an den Gedanken gewöhnt, in mir eine Retterin in letzter oder vorletzter Not zu haben, dass ihm anderes nicht vorstellbar ist. Obendrein treibt ihn sein ... nenne ich es Übermut?, fehlerhafte Selbsteinschätzung? ... sein wasauchimmer zu der Illusion, dass ich unmöglich nicht mehr mit ihm zusammen sein können wollte. (Scheiss auf Grammatik!)

Alle bisherigen Anlaufversuche, mich von ihm zu trennen, hat er bislang in verniedlichender Weise als "beleidigt-Sein" definiert und ist schlussletztlich damit durch gekommen. Er ist der Meinung, ich sei eine einsame Frau, die offensichtlich froh sein muss, jemanden wie ihn zu haben. Er irrt. Ich bin allein und kann damit umgehen. Im Gegenteil weiss ich jetzt, da er mir alles gezeigt hat, was halt bei ihm da ist, auch wieder, warum ich allein lebe. Danke R.!

Dass seine - ganze verschiedenen Ansatzpunkten folgenden - Anrufe der letzten Tage so dermaßen ins Leere gelaufen sind, mag ihn erst erstaunt und gestern, als ich dann doch einmal abnahm, entsetzt haben. Es wäre zum Lachen gewesen, wäre es nicht so typisch R. Ich schreie ihm all meinen Unmut ins Ohr - nicht, weil ich wirklich wütend bin, sondern weil er mich wie so oft nicht zu Wort kommen läßt -, er schmeisst den Hörer auf, um nur Sekunden später wieder anzurufen und mich um etwas zu bitten.

Ich habe "Nein!" gesagt und noch einmal "NEIN!" und dass er mich vergessen soll. Und dann habe ich den Hörer aufgeschmissen.

Wen wundert es, dass R. heute morgen schon wieder angerufen hat?

 

22.04.2012 um 18:28 Uhr

22042012

Es dauerte keine 24 Stunden, dass R. mir die Richtigkeit meiner Vorahnungen bestätigte. Wo er es gestern noch mit Fassung trug, dass mir die Dinge, die er(für mich!) zu tun vor hatte, nicht so wichtig waren, klang er bei meiner heutigen neuerlichen Absage geradezu verzweifelt. Ich hörte es durchs Telefon durch, wie es in seinem Gehirn zu rattern begann. Irgendwie scheint er immer zu denken, dass er, ist er erst einmal in meiner Wohnung, schon kriegen wird, was er will und so dringend zu brauchen meint.

Aber mit meiner Absage war es nicht getan. Erst sprach er mir auf den AB und wollte dringend zurück gerufen werden, eine Stunde später stand er vor der Tür und klingelte sage und schreibe 20 Minuten erst von unten und dann direkt vor der. Er klingelte und klopfte im Wechsel. Dann, wieder zu Hause angekommen, sprach er mir wieder auf den AB. Und eine weitere Stunde später stand er wieder vor der Tür.

Beim dritten Klingeln fragte ich ihn vom Balkon aus, was er will. Er schnauzte rum, ob ich schlechte Laune hätte, und - als er den Bademantel sah - ob er mich geweckt hätte. Ich antwortete, dass ich meine Ruhe haben wollte und wir doch nicht verabredet seien. Da drehte er sich eingeschnappt um und ging.

Verstehen wir uns recht: Hätte ich in den zwei Jahren, die wir uns kennen, nur einmal den Eindruck gehabt, dass er irgend etwas uneingennützig tut oder her gibt, wäre alles anders. Aber es ist geradezu lächerlich vorhersehbar, wie R. sich um mich bemüht, um praktisch nahtlos irgendein materielles Anliegen an mich heran zu tragen. Vermutlich spuckt er mich wirklich erst aus, wenn ich vollkommen ausgelutscht bin. Dass ich vorher ihn ausspucke, entzieht sich offenbar seinem Vorstellungsvermögen.

22.04.2012 um 08:19 Uhr

22042012

R. ist neuerdings wieder sehr "anhänglich" und bemüht sich, mir wohlgefällig zu sein. Ich mache mir nichts vor: Es geht ihm nicht um mich, sondern darum, dass und auf welche Weise ich ihm nützlich sein kann. Zunehmend begreift er, dass ich in einer wie auch immer gearteten Beziehung Wert auf Gegenseitigkeit lege. Und so bringt er mir im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten Dinge, die ich ihm als für mich nützlich bezeichnet habe und die ihn nichts kosten. Tatsächlich kommt es mir meist nicht auf den Preis einer Sache an, vielfach nicht einmal auf die Sache, sondern auf die Geste, die da sagt: ich will dir etwas Gutes tun.

Leider kommt all das zu spät. Und die Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese Kleinigkeiten von mir jetzt und in der Vergangenheit bereits um ein Vielfaches "bezahlt" wurden, weil es sich ja eingebürgert hat, dass er nie mit leeren Händen hier heraus geht. Tatsächlich schenke ich gern. Und es ist leicht ins Vorratsfach gegriffen, wenn er nicht beißen kann und sich eine Nudelsuppe kochen will. Die Hühnerbrühe steht ja da. Zudem folgen solchen Zeiten der Wohlgefälligkeit und vermeintlichen Anhänglichkeit stets irgendwelche Großangriffe, derer ich mich zwar erwehren kann, die aber allemal ärgerlich sind. Die Katzengeschichte ist nicht vergessen und kann sich - so oder so - täglich wiederholen. So kommt es, dass neuerdings ich es bin, die gehäuft nicht zurück ruft oder Verabredungen absagt.

 

20.04.2012 um 22:30 Uhr

20042012

R. war da. Nachdem ich mich am Telefon beklagte, dass er meinen Geburtstag vergessen hätte, brachte er sogar geklaute Tulpen aus Nachbars Garten mit.

Er wird auf eine erschreckende Art schlagartig alt. Der Zahnarzt hat ihm zwei Zähne im Frontbereich gezogen und er kann über nichts anderes reden als über seine Schmerzen. Dass er sich trotzdem so aufführt wie der einstige Herzensbrecher, ist nur eine Frage der Zeit. Ich glaube, er ahnt schon, dass die besten Jahre vorbei sind.

08.04.2012 um 19:30 Uhr

08042012

Seit Tagen belagert mich R. via Telefon, nachdem er wieder einmal eine simple Sache, die er versprach, nicht getan hat. Erst Tage später sprach er wieder eine von seinen abenteuerlichen Geschichten auf den AB, was wohl eine Art Entschuldigung sein sollte. Ganz los werden will er mich ja nicht.

Noch dümmer wird die Geschichte dadurch, dass ich es nicht übel genommen hätte, hätte er gleich gesagt, dass er das nicht tun will, kann oder was auch immer. Aber seine Gewohnheit ständig zu lügen ist offenbar so tief verankert, dass er die Risiken nicht abwägt, vielmehr zu glauben scheint, eine Ablehnung wäre schlimmer als eine Lüge. In meiner Welt ist das anders.

Ich rufe nicht zurück, auch wenn ich nicht behaupten will, dass das nun endgültig ist.

01.04.2012 um 22:07 Uhr

01042012

Es ist ruhig geworden um meine Blaublüter.

Die letzte Prinzessin - und mehr werde ich dazu nicht sagen - hat ihrem Temperament, das stets zutage trat, wenn ihre ureigensten Interessen tangiert zu werden drohten, mit ein paar Worten zu viel Ausdruck verliehen. Diese Worte gipfelten für mich in der Alltagsweisheit "Was ich selber denk´ und tu´, trau ich auch den anderen zu."

Nicht, dass ich noch allzu viel Vertrauen in mir gehabt hätte, war das, was ich da - vermutlich wider ihr Wollen - zu sehen bekommen habe, eine gehörige Portion mehr, als ich mir vorstellen konnte und wollte. Mehr hat es nicht gebraucht, um mir den Mut für den finalen Knall zu geben. Ich staune noch jetzt, wie wenig sie mir fehlt, obwohl wir über Jahre hin beinahe täglich miteinander gesprochen hatten. Offenbar war da viel mehr kaputt, als ich mir selber zugestehen wollte.

R. hingegen meinte, in Kenntnis dieser Geschichte, genauso weiter machen zu können, wie zuvor. Sie sind so wenig lernfähig und verlassen sich allzu sehr auf ihre Wirkung.

Einige Tage nach dieser Sache mit T. stand ich vor seiner Tür und wollte eines seiner alten Versprechen eingelöst haben. Ihm fiel nichts anderes ein als alle dummen Ausfüchte der Vergangenheit, so dass ich nur erwiderte: "Lauter Lügen! Du bist nicht anders als ..."

Kurz darauf stand er vor meiner Tür und brachte mir einen lächerlichen Ersatz für die versprochene Sache. Immerhin konnte ich sehen, dass er das Prinzip verstanden hatte. Seither hält er sich präsenter und ist sogar schon mal für mich einkaufen gegangen, als ich mit Fieber flach lag.

Nicht, dass ich glauben würde, er könne sich grundlegend ändern. Noch immer holt er raus, was rauszuholen ist. Aber jedenfalls ist ihm klar geworden, wie resolut ich sein kann, wenn es genug ist. Offenkundig möchte er das nicht erleben. Aber, machen wir uns nichts vor: Auch da hin werden wir noch kommen.

Jegliches hat seine Zeit ... 

22.03.2012 um 18:54 Uhr

Katzenauge (aus der Reihe "ausser der Reihe")

Also da ist I., die ein Viertel des Schuljahres krank ist und von einem Arzt zum anderen gebracht wird. Ihre Eltern sind geschieden und der Vater wieder verheiratet; Nachwuchs ist wohl auch unterwegs.

Und da ist S.

Bei ihr daheim ist alles in Ordnung. Sie ist gut in der Schule, spielt eine wichtige Rolle bei der Theateraufführung, hat Musik- und Reitunterricht.

Beide möchten gerne von ihren Mitschülerinnen gemocht werden. Wenn I. nicht da ist, klappt das bei S. auch ganz gut. Na jedenfalls bis vor kurzem. Dann kam I. aus ihrer letzten Krankheit zurück und sagte im Klassenstuhlkreis, das S. ihr ihre Freundinnen "wegnimmt". Es ist nicht überliefert, was die Lehrerin dazu sagte. Aber anscheinend versäumte sie es klar zu stellen, dass Freunde, also Menschen, nichts sind, was man geben oder nehmen kann. Normalerweise entscheiden sie sich selbst.

Es sei denn, man setzt sie unter Druck, indem man sie z.B. auffordert, in kleinen Briefchen zu schreiben, dass S. bescheuert ist und man sie hasst. Nicht dass solche Aussagen in kleinen Briefchen mehr Gewicht hätten, sobald man sich hernach wieder versteht. Aber hat man einmal so etwas geschrieben, kann man erpresst werden und hernach ist das sich-wieder-Verstehen nicht mehr so einfach wie sonst.

Im Laufe der letzten Wochen hat I. allerhand Mitschülerinnen von S. genötigt, solche Bekenntnisse abzugeben. Die haben sich eine Zeit lang geschämt und weil sie das nicht mehr wollten, irgendwann selbst geglaubt, was zu sagen und zu schreiben sie I. genötigt hatte. Sie ließen kein gutes Haar mehr an S. und stellten nun fest, dass die ja wirklich viel angibt, "schleimt" und überhaupt.

S., die sich ständig beobachtet fühlte und alles falsch zu machen schien, fing an, sich an den Händen und im Gesicht blutig zu kratzen, wollte gar nicht mehr raus oder gar in die Schule gehen und ging viel früher ins Bett als in allen Jahren vorher.

Aufgeflogen ist die Geschichte, als N. - einstmals S.` beste Freundin, fast so etwas wie eine Schwester - mitten im Unterricht weinend zusammenbrach.

N. hat heute wieder mit S. gespielt. Sie war froh, dass S.` Mutter ihr nichts übel nahm, und hat ihr ein paar von diesen Briefchen überlassen. N. fürchtet sich, ihre Mutter könnte all das erfahren, denn natürlich weiss sie, dass all das nicht in Ordnung war.

S.´ Mutter hat sich nun einen Termin bei einem Psychologen geholt, damit sie endlich etwas unternehmen kann. Als sie vor ein paar Wochen in der Schule mit der Lehrerin sprach, meinte diese, man würde es im Klassenstuhlkreis besprechen. In dem, s.o., I. sich beklagte, dass S. ihr ihre Freundinnen weg nähme. Mehr ist nicht passiert.

Wir dürfen gespannt sein, was man in der Schule sagt, wenn der Psychologe S.´ Mutter bescheinigt, dass es sich um Mobbing handelt. Mobbing unter den Augen einer Lehrerin, die gemeint hatte, so etwas "reguliere" sich von allein.

Übrigens: S.,I.,N. und alle anderen sind 10 Jahre alt. 

15.03.2012 um 14:00 Uhr

15032012

Man kann nicht an allen Fronten kämpfen. Das kostet Kraft, die ich nicht habe. Also gewinnt R. dadurch, dass es eine Front zwischen T. und mir gibt. Eine harte Front, bei der ich mich auf Kämpfe mit allen Bandagen einrichte.

Eine seiner wenigen positiven Eigenschaften ist die, zu wissen, wann es mir schlecht geht. Und das tut es. Als ich ihn zurück rief und letztlich zu mir holte, sagte ich, dass er um Gottes Willen nicht nach Geld fragen sollte. Er setzte sich auf den Sessel und sagte:"Kannst du mir hundert Euro leihen?". Und noch ehe meine Gesichtszüge entgleiten konnten, klopfte er sich auf den Schenkel und kicherte:"War nur Spaß!"

Und diesmal stimmte es. Gott sei Dank!

10.03.2012 um 19:20 Uhr

10032012/3

Bei R.s zirka dreissigstem Anruf gehe ich ran. Er fragt, warum ich nicht ...

Ich antworte, weil ich nicht mit ihm reden wollte.

Er sagt "O.k." und wir verabschieden uns beinahe zivilisiert.

Sein Beleidigtsein wird später kommen. (In Wahrheit glaubt er nicht, dass ich es ernst und auf Dauer meine. Er weiss nicht, dass ich gerade am Aufräumen bin.)

10.03.2012 um 16:20 Uhr

10022012

Der einzige Mann in meinem Leben, der mir je einen Nerz hätte schenken können und wollen (weil er alles für mich getan hätte), war ein militanter Tierschützer.

Das ist mein Leben!

Und während ich solches denke, ruft R. im Halbstundenrhythmus an, weil er sich angeblich Sorgen um mich macht. Was ist aus mir geworden?

10.03.2012 um 14:30 Uhr

10032012

Dass ich nicht mehr über R. schreibe, heisst nicht, dass er mich nicht mehr belagert.

Auch T. neigt sich dem Ende entgegen. Vielleicht ist es besser, dass Blogigo die langen Einträge regelmäßig löscht. Sie kennt sich im Netz gut aus.

Andererseits - es wäre ein einfacher Weg ihr zu sagen, was es noch zu sagen gibt.

Einstmals meinte sie, man könne nur über Dinge sprechen, über die man schon einmal nachgedacht habe. Was ja auch stimmt. Sie sagte es bei R.s Katzengeschichte. Was sie dieser Tage sagte, hat mich hochgradig erstaunt. Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen. Sie sollte mich besser kennen. Demnach ging sie nicht von mir, sondern sich selber aus. Seither stelle ich mir allerhand Fragen.

Und ich stelle fest, dass es durchaus eine Option sein kann, skrupellos zu sein. Anstand bringt einen anscheinend nicht weiter.

08.03.2012 um 05:40 Uhr

080302012

Gelegentlich, gerne bei längeren Einträgen, scheint es, als wollte Blogigo den warnenden Zeigefinger heben und fragen: Willst du DAS wirklich schreiben u n d ins Netz stellen? Die Entscheidung wird mir dann oft abgenommen, auch wenn ich nicke und sage: Ja, das hatte ich vor.

Danke, Blogigo, für diesen Beitrag zur Entscheidungsfindung.

25.02.2012 um 06:45 Uhr

25022012

Schwer zu verstehen, was ich an diesem alten, ungepflegten Mann gefunden habe, der nur allzu leicht zu durchschauen ist.

Vor zwei Tagen hatte er mir aufs Band gesprochen.

"Du fehlst uns.", womit er den Katzenfaktor aufs Tapet brachte. Wir erinnern uns: D i e Katzen, die er vor weniger als drei Monaten umzubringen drohte, wenn ich ihm denn nicht was auch immer bezahlen würde.

Die Welt hat sich auch ohne mich weiter gedreht. Und dass er nun wieder auf der Bildfläche erscheint, bedeutet nichts anderes, als dass er - wie so oft - Geld braucht. Jedes Mittel ist ihm dafür Recht. Er verteilt Komplimente, appelliert an die Vergangenheit, führt verbliebene Sympathien ins Feld. Und dann ist da noch dieser Mensch vom Amt, der für seine Misere verantwortlich ist, weil er ebenso wenig an R.s Geschichten glauben mag wie ich. Wir haben sie alle schon gehört.

Nun, gut, diese Geschichte ist neu. R. hat Zahnprobleme, die - wie jeder weiss - heutzutage etwas kosten. Wat mut, dat mut, wenigstens die Front. Wofür R. mein Verständnis erwarten kann angesichts der Tatsache, dass er weiss, wie sehr ich selbst bei diesen Dingen hinterher bin. Ich möchte nicht an der falschen Stelle sparen und vor der Zeit unnötig altern. Er immerhin möchte auch künftig Steaks essen können.

Die er sich gerade eben nicht leisten kann. Ebensowenig wie alles andere. Er braucht Geld für den Wochenendeinkauf. Was ich ihm nicht gebe. Als er nach etwas Hochprozentigem verlangt, dann einen Kaffee einfordert, frage ich, obs auch noch Klöße und Rotkraut sein dürfen. Er springt ganz ernsthaft drauf an, so dass ich ihm am Ende eine Tasche mit Zeugs vollpacke: Lebensmittel, Kaffee, Tabak. Die Flasche Wein, die ich ihm gereicht habe, als der Weinbrand alle war, sackt er am Ende auch noch ein.

Es muss wirklich schlecht um ihn stehen, wenn er den sonstigen Anschein von Wählerisch-Sein fallen lässt und nimmt, was er kriegen kann. Was nicht viel, aber doch immerhin besser als gar nichts ist. Und er ahnt nicht, dass diese scheinbar echte Verzweiflung in mir das Gefühl aufsteigen lässt, ich sollte ihn lieber nicht aus den Augen lassen, ehe er irgendetwas einsackt, das sich versilbern lässt. So weit sind wir nun also gekommen.

12.02.2012 um 07:10 Uhr

12022012

R. führt sich auf, als sei nie etwas geschehen. Er schneit hier unangemeldet herein, schreitet durch meine Wohnung, meldet den Wunsch auf dieses und jenes meiner Bilder an, kneift mich im Vorbeigehen, klingelt via Telefon einmal an, als sollte ich zurück rufen.

Offenbar ist die langweiligste seiner Eigenschaft, dass er sich nie ändert, sondern stets von anderen die Veränderung erwartet. Was mich angeht, kann er dies auch tun. Ich langweile mich schnell und passe mich an. Allerdings mehr an Situationen als an Menschen. Menschen, die ich als nicht passend erkannt habe, so wie R., müssen mit einer Verhaltensänderung rechnen. Ich dachte immer, so sei das Leben. Das von R. offenbar nicht.

Tatsächlich mag ich R. durchaus noch. Auf eine schwesterliche Art, die bereit zur Hilfe ist, wo es nicht weh tut, aber R.s Art, die Leute auszunutzen, keineswegs nicht verkennt. Mit Körperlichkeit hat das nichts zu tun. Obwohl ich sehe, dass er zuweilen auch in dieser Hinsicht noch Interesse an mir zeigt, auf eine merkwürdige Weise vielleicht sogar meint, ich "gehöre" ihm. (Jedes Mal, wenn er mich mit einem anderen Mann gesehen hat, lässt er sich spöttisch über das aus, was er gesehen hat. Als sei nur er und zwar er allein "geeignet". Es klingt wie Eifersucht und der Versuch, alle Herren neben ihm verächtlich zu machen.)

In meinen Augen stellt sich dieses ganze Benehmen jedoch als der vergebliche Versuch heraus, Dinge, die er gern ungeschehen hätte, vergessen zu machen bzw. in ihrer Bedeutung umzudrehen. Neulich am Telefon sagte er, ich sei ja nie da, wenn er mich brauche. Da verwechselt er was: Ich bin immer da, aber er braucht nicht mich, sondern mein Geld. Und so viel, wie er ausgeben kann, kann ich nicht verdienen.

05.02.2012 um 21:00 Uhr

05022012

Diese Woche war sehr anstrengend, aber schon jetzt verbuche ich sie als Erfolg. Wieder habe ich paar Bilder "los" gekriegt in eine längere Ausstellung. Die Auftaktveranstaltung war zwar keine übliche Matinee, sondern ein verspäteter Neujahrsempfang, aber "die Künstlerin" erfuhr gerade so viel Würdigung wie es für jemanden wie mich angenehm ist. Mit etwas Glück werde ich ein paar Bilder los; gute Kontakte habe ich schon jetzt geknüpft.

L., der mir das ermöglichte, hat sich sehr eingesetzt (ich erzählte bereits von ihm und seiner Frau als erfrischend normalen, freundlichen Menschen), wofür ich dankbar bin; jedoch muss ich darauf achten, dass ich seiner Frau ebenso viel Aufmerksamkeit zukommen lasse wie ihm. Als er mich dieser Tage nach dem Aufhängen der Bilder nach Hause brachte, sah er mich so seltsam an und umarmte mich einen Moment zu lange. Nein, solche Komplikationen will ich keinesfalls.

Stattdessen ist R.  wieder da und bildet sich ein, alles wäre wieder wie vorher. Tatsächlich habe ich ihm wunschgemäß eine kleine Geldsumme "geliehen" (von der wir beide wissen, dass ich sie nicht wieder sehen werde) und ihm mein altes Telefon und den Anrufbeantworter heraus gesucht. Er hat jetzt einen Festnetzanschluss. Allerdings hat er, auch wenn ihm das nicht klar ist, nichts mehr, was mich auf- oder anregt. Aber Dinge, die ich nicht mehr brauche, kann er gern von mir haben. Warum auch nicht?

02.02.2012 um 13:30 Uhr

02022012

R. hatte gestern Geburtstag und schien bei meinem Anruf vergrätzt. Hatte er ein Geschenk erwartet oder meinen Besuch? (Vorgestern Abend  hatte er mir Angebote unterbreitet, die schon lange keine Option mehr für mich sind. Ich nannte ihn Dummschwätzer.) Jedenfalls gab er sich beschäftigt mit irgendwas (Besuch hatte er nicht) und meinte, ich wäre ja sowieso nicht gekommen.

Hatte er wirklich geglaubt, ich würde kommen?

Mehr um sich selbst zu beruhigen (ich brauche das nicht), sagte er zum Abschied, er käme dieser Tage mal vorbei. Auch wenn ich dergleichen nie sonderlich ernst zu nehmen hatte, dachte ich: Lieber nicht.

14.01.2012 um 08:15 Uhr

14012012

Nach allerhand Tagen, an denen ich nicht einmal an R. dachte und ihn auch nicht sah, kommen nun die Träume. Unerfreuliche Träume, in denen er verkommen aussieht und sich auch so benimmt. Mehr, als ich es von ihm kenne (geht das überhaupt?). Keine Ahnung, was da los ist.

Sehnsucht ist es nicht.

30.12.2011 um 17:20 Uhr

30122011

Während ich malerisch das Jahr des Wassers einläute (Wasser zu malen, lebendiges Wasser, ist sehr, sehr schwer; das kann mich - ebenso wie die Gesichter - durchaus ein Jahr beschäftigen), nistet sich R. wieder auf meinem AB ein.

Er tut, als sei nichts passiert und will sich mit mir verabreden. Und an der Art, wie er schreibt, erkenne ich, dass für ihn wirklich nichts passiert ist. Er hat seine Probleme angepackt, wie er es immer tut, Misserfolg inbegriffen. Hernach pflegt er oft mit einem Schelmengrinsen zu sagen: "Man kann es ja mal probieren."

Ich währenddessen sage zu mir, dass bei allen Unerfreulichkeiten auch einiges an gutem Potential in der Sache steckte. Und ich bedaure, dass ich nicht einfach weiter machen kann. Aber ich kann es nicht.