Ich schiebe wieder einmal den Blues. Die treuen Leser wird es nicht so sehr
überraschen, wenn ich erzähle, dass der Widder immer noch Teil meines Lebens
ist. Wie auch immer man das auch noch definieren kann. Aber wer will schon
Definitionen? Eigentlich reicht es doch schon, wenn es sich nur gut anfühlt.
Aber gut fühlt es sich auch heute wieder nicht an... wie so oft. Ich weiß, dass ich
die Wahl habe. Man hat immer die Wahl. Und wenn es nur die eigene Einstellung
betrifft. Aber habe ich auch die Kraft? Schon wieder habe ich ein Jahr
verplempert ohne eine Entscheidung getroffen zu haben. Obwohl - ganz so stimmt
das ja nicht. Nur sind diese schon inflationär...
Der Widder will jetzt umziehen. Eine hübsche große Wohnung am Rande der
Stadt. Ganz nah an seinem Wirkungskreis. Arbeit und Wohnen zusammen. Für ihn
die perfekte Lösung.
Die Vorgeschichte ging so:
Im Herbst letzten Jahres sagte er zu mir: "Du Anna, ich habe eine
Übrerraschung für Dich. Eine Wohnung, die ich für uns schon so gut wie klar
gemacht habe." Achso? Ich dachte ja immer, dass das eine
Entscheidung ist, die man gemeinsam trifft. Und... ich hatte sie vorher noch
nicht einmal gesehen. Geschweige, dass die Entscheidung zusammen zu ziehen
überhaupt erstmal gefällt werden wollte. Die Überlegung, dass wir mit diesem
Versuch schon zweimal baden gingen ist dabei vielleicht ja nicht ganz
unerheblich. Als ich dann den Preis für die Miete erfragte musste ich erneut
schlucken. Also zusammengefasst hatte er UNS eine Wohnung ausgesucht, die nur
für IHN günstig lag und von der er wusste, dass ich so viel Geld niemals für
eine gemietete Wohnung bezahlen würde. (Darüber hatten wir früher schon einmal
verhandelt.)
Ab März wird das Schmuckstück nun frei. Und im Januar war ich immerhin schon
so geneigt, mir diese wenigstens anzusehen. Ich hatte mich für den Gedanken ein
wenig geöffnet. was für mich Angsthase schon ein großer Schritt war, zumal die
Wohnung für mich wirklich nicht so günstig liegt. Und wer weiß? Vielleicht wäre
sie ja so geschnitten, dass jeder genügend Freiraum hätte sich zu entfalten
oder auch mal aus dem Weg zu gehen. Einen Teil der Miete würde er für den
Arbeitsbereich absetzen können, so dass diese sich einigermaßen relativierte.
Wir liefen durch die Wohnung und sponnen ein paar Möglichkeiten zurecht, wie
man das bei einer Wohnungsbesichtigung meistens macht, wenn sie einem zusagt.
Anschließend gingen wir frühstücken. Dabei erklärte mir der Widder welche
Räumlichkeiten er für seine Arbeit schon verplant hatte und holte dann zum
finalen Schlag aus: "Ja weißt Du Anna, zusammen ziehen können wir nur,
wenn Du während deiner Freizeit in meiner Firma mitarbeitest." (Umsonst
natürlich, denn wir ziehen ja dann an einem Strang.) Rationiert auf zwei Tage
in der Woche dürfte ich meinem Job noch nachgehen, das aber nur auf
überschaubare Zeit begrenzt. Optimalerweise sollte ich ihn aber gleich ganz
aufgeben.
Vielleicht habe ich nicht genau hingehört aber irgendwie vermisste ich so
Sätze wie: Schatz, lass uns jetzt endlich die Zukunft gemeinsam verbringen. Ich
liebe Dich und will mit Dir glücklich zusammen leben. Lass' uns eine schöne
Zeit haben. Ich will Dich bei mir haben, weil ich Dich vermisse. Weder verbal
noch nonverbal konnte ich auch nur einen Hauch davon spüren. Die Arbeit war DAS Thema und Beweggrund schlechthin sich zweckmäßiger Weise zusammen zu tun. Es würde so aussehen, dass wir fortan nun beide nichts anderes mehr tun würden als arbeiten und uns dabei noch mehr verlieren.
Die Karten waren nun neu gemischt und ich habe davon nichts mitgekriegt.
Wenn dies seine "Bedingungen" waren hieße das, dass er allein dort
einzöge und dann würden wir uns auf die Entfernung noch weniger sehen. So würde
ich nicht weitermachen wollen und sähe nichts Hoffnungsträchtiges mehr für uns.
Er schlug mir vor mein (guter) Freund zu bleiben und mir zu helfen wann immer
ich Hilfe bräuchte. Eigentlich würde sich ja gar nicht viel verändern. Nur
würde er sich noch eine Frau für's Bett suchen. Das war dann doch etwas zuviel.
Darauf würde ich gewiss nicht warten wollen und hielt es für besser mich dann lieber
gleich ganz zu trennen. So trennten wir uns. Zum fünfundvierzigsten mal. Für
ganze drei Stunden. Dann folgte ein Telefonat.
Die Situation war nun eine ganz andere. Ich würde hier zurückbleiben. Allein
und verlassen - weil ich es so wollte bzw. nicht anders konnte. Was für ein
Sch...gefühl. Ich wünschte, ich könnte einmal stark bleiben und diese verdammte
Trennung einmal konsequent durchziehen. Ich konnte es nicht. Wieder einmal.
Ich bemühte mich um einen Kompromiss und wir legten die Karten neu. Nur um
diesen Trennungsschrecken los zu werden, der auch nach zig Wiederholungen seine
Wirkung nicht verfehlte, war ich plötzlich zu vielem bereit und hörte
mich Dinge sagen, die ich noch zuvor für undenkbar hielt. Ich steigerte mich in
die Illusion, dass doch noch alles gut werden konnte und so machten wir Pläne
für die neue Wohnung. Schließlich war ich sogar bereit, meine eigene Wohnung
als Rückfluchtsort ganz aufzugeben und auf alles oder nichts zu setzen.
Ein paar Tage später lud er mich zum Essen ein. Er empfing mich mit einem
wunderhübschen Strauß Blumen und eigentlich war es sehr harmonisch. Er wirkte
sehr verliebt und erklärte mich zur Liebe seines Lebens aber eigentlich würde
er doch lieber alleine in die Wohnung ziehen wollen. Er versuchte noch
abzuschwächen und schloss nicht aus, dass ich später nachkäme... Es folgte
etwas später noch ein kurzer Streit mit anderer Thematik. So endete der Abend.
Es war Freitag der 13te.
Ich überlegte noch, wie das gemeinsame Wochenende nun aussehen sollte vor
diesem Hintergrund. Doch am nächsten Morgen trennte ER sich von mir. Per SMS.
Um 5.22 Uhr! Ich kann es nicht erklären aber diesmal fühlte es sich endgültig
an. Vielleicht weil es diesmal von ihm ausging. Ich nahm es hin und ob es
glaubhaft klingt oder nicht... es war okay für mich. Ich fühlte mich leer,
resigniert aber auch erleichtert. Ich verabredete mich mit meiner Schwester,
verlor aber kein Wort über das was vorgefallen war. Hatte ich auch nicht vor -
jedenfalls nicht bevor ein paar Tage verstrichen wären. Ich wollte gerade gehen
als es energisch an der Haustür klingelte.
In meiner Küche saß nun das heulende Elend. Der Widder hatte zwei versandfertige Pakete mit
meinen restlichen Sachen dabei, die er mir nun doch nicht mit der Post schicken
wollte, wie er vorher per SMS noch mitteilte, die aber wegen des Umzugs so oder
so im Wege wären. Alles war nun nicht mehr wahr, sondern ich wieder die Liebe
seines Lebens, von der er sich niemals lösen könnte. Ein hartes Stück Arbeit
für ihn, denn dieses Ohr war taub und ein Bein noch immer auf dem Weg zu meiner
Schwester. Aber er wollte noch nicht gehen, weinte noch ein bisschen und zog
mich zu sich. Es kam, wie es immer kam und er versprach mir, dass wir ab jetzt
bei Null anfangen. Ich schaute zu ihm hoch und sagte nur: "Aber Du hast
Deinen Job und ich meinen." Dazu sagte er nichts. Nur, dass ich die beiden
Pakete erst in der neuen Wohnung auspacken solle, weil es mir sonst wehtun
würde. (Er hatte mir auch meine selbstgebastelten Kalender für ihn und sämtliche Fotos
mit eingepackt.)
Seit dem wird das Thema Wohnung in Zusammenhang mit mir gemieden. Es ist als
würde ich am Bett eines Kranken stehen... Es wird sich etwas tun und es muss
sich etwas tun. Aber es tut weh zu fühlen, dass ich gar nicht wirklich
vorgesehen war.