Klecks im Hemd

11.02.2012 um 19:15 Uhr

Eiertanz

von: annaswelt   Kategorie: Widder

Seit der Widder vor etwa einer Woche mitbekommen hat, dass ich gerade sehr tief unten bin spricht er besonders lieblich zu mir. Fast jeder Satz endet mit meinem Kosenamen. "Ja liebe Anna."  "Och das ist ja nicht schön, dass Du Kopfschmerzen hast. Musst mir schön gesund bleiben, dass ich mir keine Sorgen machen muss." So in etwa. Fast möchte ich eine Schale unter den Hörer halten damit der Schmalz nicht auf den Teppich kleckert. Sonst kommt aber nichts nach. Nichts über uns. Kein: Lass' uns mal treffen. Nichts Konstruktives. Nur Belanglosigkeiten. Das Thema "Wir" ist nicht vorhanden bzw. wird bequemer Weise ausgeklammert. Ich hatte ihn gefragt, wie er denn sein: "Wir fangen jetzt bei null an." als er heulend in meiner Küche saß eigentlich gemeint hat, weil ich davon noch nichts gemerkt habe. Alles was ich als Antwort bekam war weder Fisch noch Fleisch. Auf jeden Fall kam ich immer noch nicht vor in seiner Planung. Wie gesagt - seit dem ist er so freundlich am Telefon. 

Und heute ist ja sein Sohn bei ihm und hilft beim Möbelschleppen. Ich fragte den Widder, was er ihm denn eigentlich zum Umzug und der neuen Wohnung so erzählt hat. (Sein Sohn saß neben ihm und konnte mithören.) Er eierte herum und wollte mir darauf nicht antworten. Er würde mich später noch einmal anrufen und darauf eingehen weil das jetzt irgendwie doof sei. Und sie hätten noch gar nicht darüber gesprochen. Sein Sohn ist 15 und extrem wissbegierig. Als ich fragte, was denn jetzt so schlimm daran ist mir eine gerade Antwort zu geben und ob ich ihn vielleicht direkt fragen soll bog er ganz schnell ab und lobte das Gespräch weg. Es stinkt doch zehn Meilen gegen den Wind, dass da was faul ist. Vielleicht habe ich genau das noch gebraucht. Momentan kann ich darüber nur müde schmunzeln. Er wird sich nie ändern und das muss er auch gar nicht. Ich hab' ja die Wahl...

11.02.2012 um 10:38 Uhr

Es sind

von: annaswelt   Kategorie: Widder

...die Wochenenden, die mich so richtig runterziehen. Die Verabredung mit D. morgen fällt aus weil er kurzentschlossen mit seiner Freundin weggefahren ist. Aber eben meldete sich meine Schwester. Nun treffe ich mich stattdessen mit ihr. Der Widder ist mit Vorarbeiten für seinen Umzug beschäftigt. Allen Ernstes hatte er doch in seinem Kopf, dass ich ihm beim Möbelschleppen helfe... in jene Wohnung in der ich nicht willkommen bin...  Da kaue ich jetzt noch dran.

Ich muss mir immer wieder einreden, dass es wahrscheinlich eh' nicht gut gegangen wäre und dass das Leben sicher etwas viel Besseres für mich parat hält während ich mich von dem Gefühl der Zurückweisung runterziehen lasse. Es zerreißt mich, wenn er vom seinem Umzug spricht und ich kann nicht einmal irgendwas dagegen sagen. Es ist  m e i n  Sch...gefühl.  M e i n e  Zurückweisung und mein ganz eigenes Problem, mit dem ich ganz allein zurechtkommen muss.

Ich neige dazu mich zu betäuben, statt durch den Schmerz durchzugehen und damit den nächsten Fehler zu begehen. 

02.02.2012 um 11:04 Uhr

Noch einen Schritt weiter

von: annaswelt   Kategorie: ohne

Vor ein paar Tagen rief mich meine Mutter an. Zuletzt hatten wir uns Neujahr gehört. Ich befand mich immer noch in dem aufgräumten Zustand und freute mich, dass sie von sich aus angerufen hatte. Anfangs hatte ich so ein bisschen das Gefühl, dass es krampfig werden könnte weil wir eigentlich gar keine richtigen Berührungspunkte mehr haben und in ihrem Leben auch nicht mehr all zu viel passiert. So waren die allgemeinen Erkundigungen nach dem Befinden schnell abgehandelt. Erstaunlicherweise kam das Gespräch dann aber doch ins Rollen. Und so flog eine Stunde dahin.

Als das Gespräch im Anschluss so nachklang wurde mir bewusst, wie ähnlich wir uns nicht nur im Äußeren immer waren sondern auch in unserem Wesen sind. Mir fiel plötzlich ein was Robert Betz einmal in einem seiner Seminare über die Spiegelgesetze sagte: Wenn Mütter mit "schwierigen" Töchtern ihn baten ihm diese zur Therapie schicken zu dürfen sagte er oft: "Nein, Sie dürfen gerne selbst kommen."  

Und schlagartig war sie da. Diese Einsicht warum meine Mutter und ich es immer so schwer miteinander hatten. Ich habe ihr all das, was sie in sich selbst immer ablehnte widergespiegelt und damit den Finger direkt in ihre Wunden gelegt. Sie hat sich selbst nie geliebt und deshalb konnte sie mich auch nicht lieben. Nein, ich könnte ihr jetzt gar nicht mehr böse sein. Leider hat sie sich nie entwickelt oder mit all dem auseinander gesetzt oder auch nur ein wenig dafür geöffnet. Vielleicht liegt es an ihrer Generation, die mir oft etwas festgefahren und unflexibel vorkommt. Aber egal.

Für Krieg braucht es zwei. Für Frieden nur einen. Aber der reicht für uns beide.