Klecks im Hemd

02.02.2012 um 11:04 Uhr

Noch einen Schritt weiter

von: annaswelt   Kategorie: ohne

Vor ein paar Tagen rief mich meine Mutter an. Zuletzt hatten wir uns Neujahr gehört. Ich befand mich immer noch in dem aufgräumten Zustand und freute mich, dass sie von sich aus angerufen hatte. Anfangs hatte ich so ein bisschen das Gefühl, dass es krampfig werden könnte weil wir eigentlich gar keine richtigen Berührungspunkte mehr haben und in ihrem Leben auch nicht mehr all zu viel passiert. So waren die allgemeinen Erkundigungen nach dem Befinden schnell abgehandelt. Erstaunlicherweise kam das Gespräch dann aber doch ins Rollen. Und so flog eine Stunde dahin.

Als das Gespräch im Anschluss so nachklang wurde mir bewusst, wie ähnlich wir uns nicht nur im Äußeren immer waren sondern auch in unserem Wesen sind. Mir fiel plötzlich ein was Robert Betz einmal in einem seiner Seminare über die Spiegelgesetze sagte: Wenn Mütter mit "schwierigen" Töchtern ihn baten ihm diese zur Therapie schicken zu dürfen sagte er oft: "Nein, Sie dürfen gerne selbst kommen."  

Und schlagartig war sie da. Diese Einsicht warum meine Mutter und ich es immer so schwer miteinander hatten. Ich habe ihr all das, was sie in sich selbst immer ablehnte widergespiegelt und damit den Finger direkt in ihre Wunden gelegt. Sie hat sich selbst nie geliebt und deshalb konnte sie mich auch nicht lieben. Nein, ich könnte ihr jetzt gar nicht mehr böse sein. Leider hat sie sich nie entwickelt oder mit all dem auseinander gesetzt oder auch nur ein wenig dafür geöffnet. Vielleicht liegt es an ihrer Generation, die mir oft etwas festgefahren und unflexibel vorkommt. Aber egal.

Für Krieg braucht es zwei. Für Frieden nur einen. Aber der reicht für uns beide.

 

31.01.2012 um 10:48 Uhr

Ach so ist das!?

von: annaswelt   Kategorie: ohne

Die Frau aus dem Publikum studiert Psychologie und verkündete vollmundig, dass die Wissenschaft jetzt festgestellt hat, dass die Seele im Gehirn sitzt.

Einst wollte ich Psychologie studieren. Doch jetzt bin ich fast froh, dass ich es nicht getan habe.


30.08.2011 um 11:47 Uhr

Mal öfter rausgehen

von: annaswelt   Kategorie: ohne

Wir telefonieren wieder. Der Widder und ich. Gesehen haben wir uns jedoch nicht. Das Kind trägt keinen Namen und das ist auch gut so. Ich befinde mich diesbezüglich in einer so-lala-Stimmung. Auch hier hängen keinerlei Erwartungen mehr dran. Es ist einfach so wie es ist.

Und dann war ich am Samstag auf eine Mottoparty eingeladen. Es war J's. nachträgliche Geburtstagsfeier. J. hatte ich vor wenigen Monaten kennen gelernt und wir waren uns gleich sympathisch. Das Motto lautete 50ziger Jahre. Irgendwie lustig solche Mottofeiern. Das lockert gleich zu Beginn schon auf, gerade wenn man wie ich allein auf eine Feier geht und bei der man außer dem Gastgeber niemanden kennt. Die letzte Geburtstagsparty mit Motto "Geschlechtertausch" fand ich auch sehr witzig. Na jedenfalls war das toll am Samstag. Ich hatte mir einen Petticoat besorgt und ein neues Kleid aus dem Urlaub etwas umgeändert und fühlte mich ziemlich wohl darin. Es hat gut getan mal wieder unter Leute zu gehen. Alle waren mir gegenüber sehr herzlich und aufgeschlossen, so dass ich mich keine Sekunde lang allein oder irgendwie fehlplaziert fühlte. Wir haben viel gelacht und da ich für Sonntag bei meiner Mutter ausgeladen war, musste ich mir nicht mal ein zeitliches Limit für 's nach Hause gehen setzen, um am nächsten Tag fit zu sein. Und als ich am nächsten Tag meine Tasche leerte waren 4 neue Kontakte dabei. Einer davon ist A. ein begnadeter Fotograf, der die Räume für die Feier vermietete, was ich vorher schon wusste und den ich Anfang 2000 schon mal flüchtig beim Fasching kennenlernte. Er hat mich tatsächlich wieder erkannt und wusste sogar noch welches Kostüm ich damals trug, was ich nie gedacht hätte da ich mich seitdem ja doch verändert habe. Ich war neugierig ihn wieder zu sehen zumal ich über die Jahre immer mal über eine Freundin von ihm hörte, die damals mit beim Fasching war und sich ab und an mit ihm traf. Als er dann vor mir stand hätte ich ihn niemals wieder erkannt. Es war nett mit ihm zu plaudern und... eine gemeinsame Fotosession ist geplant. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich riesig, weil er ein absoluter Könner ist und was ich von seinen bisherigen Fotos gesehen habe mich wirklich vom Hocker haut. Die anderen neuen Kontakte sind zwei sehr nette Mädels, von denen eine leider etwas weiter weg wohnt und ein Mann, den ich eher nicht kennenlernen werde. Ist gar nicht schlimm, wenn man auch mal alleine unter die Leute geht. Und wer weiß, ob der Abend zu zweit den gleichen Ausklang genommen hätte. 

 

26.08.2011 um 18:42 Uhr

Ausgeladen

von: annaswelt   Kategorie: ohne

Wir beratschlagten noch, ob es nicht besser ist, wenn meine Mutter vorgewarnt ist, weil sie ja keine "Überraschungen" zu ihrem Geburtstag erleben wollte. (Zu ihren Brüdern hat meine Mutter nämlich auch keinen Kontakt aber das nur am Rande.) Da allein schon die Überlegung, ob man die Mutter auf den Besuch ihrer Tochter vorbereiten muss recht eigenartig anmutet entschied sich meine Schwester dagegen.

Doch nun rief sie mich vorhin an und teilte mir mit, dass sie aus dem Bauch heraus nun doch bei ihr angerufen hat. Sie wollte vermeiden, dass die Gesamtstimmung am Geburtstag darunter leidet wenn ich da plötzlich unverhofft auftauche und ein bisschen auch vermeiden, dass sie als die jenige gilt, die das alles ausgeheckt hat - obwohl das ja diesmal überhaupt nicht der Fall war.

Die Feier sollte ja am Sonntag stattfinden. Und das wird sie auch. Nur ohne mich. Denn statt sich zu freuen, weil sie doch angeblich so unter dem Kontaktverlust leidet und sich doch so wünscht, alle endlich wieder zusammen im Arm zu halten, regt sich meine Mutter sofort auf und lässt mitteilen: "...an sich gerne, aber nicht an ihrem Geburtstag (!!!). Mit anderen Worten, sie will mich an diesem Tag nicht dabei haben. Was sagt man dazu? Das war ihre letzte Chance und wenn sie mich in diesem Leben noch einmal sehen möchte wird sie schon auf mich zukommen müssen und ich hoffe nicht, dass das dann der Fall sein wird, wenn sie ihren Mann nicht mehr hat oder aus einer sonstigen Bedürftigkeit heraus. Ansonsten bin ich mit diesem Thema durch. Ich bin froh, dieses Schlüsselerlebnis im Gespräch vorher mit meiner Schwester gehabt zu haben, so dass ich keinerlei Erwartungen hatte sondern eigentlich nur neugierig auf das Treffen war. Das einzige was ich jetzt empfinde ist Verständnislosigkeit. Sie verkennt die Situation und lebt in ihrer kleinen zurecht gebastelten Welt.  Ich schüttle den Kopf und kann es nicht nachvollziehen. Was hat diese Frau an der Stelle, wo andere Mütter ein Herz haben? Aber das muss sie mit sich selbst ausmachen. Ich bin diesbezüglich im Reinen mit mir und muss mich an ihrem Grab nicht fragen, ob ich etwas versäumt habe. 

 

31.07.2011 um 09:10 Uhr

Erinnerungen

von: annaswelt   Kategorie: ohne

Letzte Woche bin ich in eine längst vergangene Zeit gereist. Ich besuchte eine Bekannte, und musste an der Wohnung vorbei, in der ich mit dem Hühnchen acht Monate wohnte. Wie lange war ich nicht mehr hier... Ich besuchte das Center um die Ecke und alles war so weit weg. Einiges hatte sich verändert aber vieles war noch so wie ich es in Erinnerung hatte. Ich erinnere mich daran, wie wir dort unseren Vorweihnachtseinkauf machten, um die Wohnung zu schmücken. Wir kauften auch zwei schöne Wintertassen, mit denen wir es uns später auf der Couch gemütlich machten während es draußen schneite. Ich erinnerte mich daran, wie sie mich im Sommer mit einem Glas zu Trinken in der Hand empfing wenn ich von der Arbeit nach Hause kam. Das war so rührend. In der Nähe wohnte die Oma von S., die wir damals auch oft besuchten und in deren Garten wir so manch schöne Stunde verbrachten. Jetzt war ich nur noch eine Fremde und zögerte als ich in die Nähe der kleinen Straße kam. Soll ich? Oder soll ich nicht? Ich bog einfach ab und nahm den Weg, der zu ihrem Haus führte. Nur mal schauen. Alles sah noch so aus als wäre ich gestern erst von dort weg gefahren. Aber der Name auf dem Klingelschild war ein anderer. Was sich hier wohl getan hat? Ob die Oma, die ja damals schon 85 war inzwischen gestorben ist? Die Frauen in der Familie hatten alle ein biblisches Alter erreicht. Bedächtig nahm ich einen Teil meines alten Arbeitsweges und ließ die Umgebung noch ein wenig auf mich wirken. Alles ist so lange her aber manches nimmt man mit und wird es wohl auch nie vergessen.