Noch einen Schritt weiter
Vor ein paar Tagen rief mich meine Mutter an. Zuletzt hatten wir uns Neujahr gehört. Ich befand mich immer noch in dem aufgräumten Zustand und freute mich, dass sie von sich aus angerufen hatte. Anfangs hatte ich so ein bisschen das Gefühl, dass es krampfig werden könnte weil wir eigentlich gar keine richtigen Berührungspunkte mehr haben und in ihrem Leben auch nicht mehr all zu viel passiert. So waren die allgemeinen Erkundigungen nach dem Befinden schnell abgehandelt. Erstaunlicherweise kam das Gespräch dann aber doch ins Rollen. Und so flog eine Stunde dahin.
Als das Gespräch im Anschluss so nachklang wurde mir bewusst, wie ähnlich wir uns nicht nur im Äußeren immer waren sondern auch in unserem Wesen sind. Mir fiel plötzlich ein was Robert Betz einmal in einem seiner Seminare über die Spiegelgesetze sagte: Wenn Mütter mit "schwierigen" Töchtern ihn baten ihm diese zur Therapie schicken zu dürfen sagte er oft: "Nein, Sie dürfen gerne selbst kommen."
Und schlagartig war sie da. Diese Einsicht warum meine Mutter und ich es immer so schwer miteinander hatten. Ich habe ihr all das, was sie in sich selbst immer ablehnte widergespiegelt und damit den Finger direkt in ihre Wunden gelegt. Sie hat sich selbst nie geliebt und deshalb konnte sie mich auch nicht lieben. Nein, ich könnte ihr jetzt gar nicht mehr böse sein. Leider hat sie sich nie entwickelt oder mit all dem auseinander gesetzt oder auch nur ein wenig dafür geöffnet. Vielleicht liegt es an ihrer Generation, die mir oft etwas festgefahren und unflexibel vorkommt. Aber egal.
Für Krieg braucht es zwei. Für Frieden nur einen. Aber der reicht für uns beide.

