06.03.2007 um 20:49 Uhr
06.10.2006 um 16:26 Uhr
Kapitel 1 - "Wie tritt man ein Atom?" bzw. "Each of us is wearing an unlicensed nuclear accelerator on our back. No problem."
So, ich hab eine Weile überlegt, ob ich die drei Teile der heutigen Vorlesung zusammenlassen soll, oder sie einzeln posten. Ich habe mich fürs Zusammenlassen entschieden; es steht ja jedem frei, die Teile einzeln zu lesen.
Ich habe mich bemüht, möglichst wenig als bekannt vorauszusetzen, auch wenn einiges den meisten bekannt sein dürfte - ich will weder jemanden langweilen noch für blöd verkaufen, aber ich traue Physiklehrern nicht und mag mich nicht auf sie verlassen :suspekt:.
Hier also das komplette 1. Kapitel.
STANTZ: I just realized something. We've never had a completely successful test with any of the equipment.
SPENGLER: I blame myself.
VENKMAN: So do I.
STANTZ: No sense worrying about it now.
VENKMAN (doubtful): Sure. Each of us is wearing an unlicensed nuclear accelerator on our back. No problem.
(Harold Ramis, Dan Aykroyd, "Ghostbusters")
Teil 1: Fußbälle, Erbsen und Atome
Eigentlich ist das Thema der heutigen Vorlesung die Verbindung der beiden Punkte des Titels, nämlich "was hat das Treten eines Atoms mit Venkmans 'Nuklearbeschleunigern' zu tun?"
Aber fassen wir erst mal die wichtigste Erkenntnis des 0. Kapitels zusammen: die Wissenschaftler würden gern Atome nach anderen Atomen werfen, um etwas über Atome zu lernen. Dazu müßten sie aber die Atome irgendwie kontrolliert in Bewegung setzen können.
Normalerweise ist "Dagegentreten" ein bewährtes Mittel, um irgendwas in Bewegung zu setzen. Bei Fußbällen ist das einfach und klappt sehr gut (und faszinierenderweise finden es eine Menge Leute seeehr spannend und zahlen eine Menge Geld dafür, 22 anderen Leuten dabei zuzusehen, wie sie einen Fußball durch die Gegend treten :suspekt: - davon kann sich eine ganze Industrie ernähren). Mit einem Tennis- oder Tischtennisball klappt das auch noch gut (allerdings interessieren sich die meisten Leute da nicht fürs Durch-die-Gegend-Treten, sondern fürs Durch-die-Gegend-Prügeln; aus Gründen der Einfachheit wollen wir hier aber mal beim Treten bleiben; Leni sagt ja, man soll die Leute nicht unnötig verwirren :smirk:).
Mit einer Erbse wird es schon schwieriger. Zwar kann man auch noch eine Erbse ganz gut durch die Gegend kicken, aber man muß schon ziemlich genau zielen. Nicht nur auf die Erbse, sondern auch noch mit der Erbse, damit die Erbse auch da hingekickt wird, wo sie hinsoll.
Wie groß ist nun aber ein Atom im Vergleich zur Erbse? Nehmen wir mal eine große Erbse mit 1 cm Durchmesser. Garantiert entspricht das nicht der EU-Richtlinie zur Normgröße von Erbsen, aber es kommt etwa hin, ist für unsere Zwecke völlig ausreichend und macht die Rechnerei einfacher. Ein typisches Atom hat einen Durchmesser von 0,0000000001 m. Solche Zahlen kann man schlecht schreiben (man verzählt sich so leicht bei den ganzen Nullen :gruebel:) und sich noch blöder vorstellen.
Das Schreibproblem lösen Wissenschaftler mit einer anderen Schreibweise. Statt 1000000 schreiben sie 1 mal 10 hoch 6, oder 1 * 10 ^ 6 (oder 1E6, vor allem im Computerbereich). Das ist Kürzel für "eine 1 mit 6 Nullen". Bei Zahlen kleiner als 1 funktioniert das mit negativen Zahlen; der Atomdurchmesser wäre also 1 mal 10 hoch minus 10 Meter oder 1 * 10 ^ -10 m bzw. 1E-10 m. Das ist dann "eine Null, dann Komma, neun weitere Nullen (macht insgesamt 10), und dann die 1", so wie's oben steht. Die schon in anderem Zusammenhang mal anderswo erwähnte Avogadrozahl ist etwa 600000000000000000000000, also 6*10^23, wenn ich mich nicht wieder bei den Nullen verzählt habe.
Bleibt das Vorstellungsproblem. Da es uns nur um den Unterschied zwischen Erbse und Atom geht, greift der Wissenschaftler gern zu einem alten Trick: wenn das Atom so groß wie die Erbse wäre, wie groß wäre dann die ursprüngliche Erbse? Plustern wir also das Atom um 100 Millionen Mal (100000000, oder 1*10^8) auf, dann ist es 1 cm groß. Nun müssen wir die ehemalige 1-cm-Erbse um den gleichen Faktor aufplustern - und erhalten eine Erbse mit 1000 km Durchmesser (die Entfernung Frankfurt-Hamburg ist etwa die Hälfte davon) :staunend:. Soll heißen, wenn eine Erbse 1000 km groß wäre, und ein Atom 1 cm, dann hätten beide das richtige Größenverhältnis zueinander.
Da aber die typische Nicht-EU-konforme Erbse in RL nur 1 cm groß ist, heißt das, Atome sind verdammt klein. Die üblichen Methoden des Dagegentretens versagen also erst mal. :(
Teil 2: "Geht nicht" gibt's nicht!
Naja, Wissenschaftler sind aber ziemlich sture Zeitgenossen. Wenn es so nicht geht, muß es eben anders gehen. Es gibt ja noch mehr Möglichkeiten, Dinge in Bewegung zu setzen, als dagegenzutreten. Wer schon mal Kleingeld oder Büroklammern "geangelt" hat, weiß, daß man Dinge auch gut mit Magneten in Bewegung setzen kann... allerdings nicht alle Dinge, sondern nur geeignete Dinge.
Und da liegt der Haken. Ein Atom ist nach außen hin elektrisch neutral, das interessiert sich für elektrische und/oder magnetische Felder überhaupt nicht. Elektrische oder magnetische Kräfte haben keine Möglichkeit, ein neutrales Teilchen auch nur ein Stück vom Fleck zu rücken - es ist auf diesem "Auge" einfach "blind" wie ein Stück Holz gegenüber einem Magneten. Mist.
Also, alles Mist? Nein, nicht alles. :grin:. Ich hatte oben schon so schön suggestiv geschrieben: ein Atom ist nach außen hin elektrisch neutral. Es ist nun aber nicht so, daß ein Atom einfach eine Kugel aus... was auch immer für einem neutralen Material ist. :gruebel: Elementarknete, oder so. Wie nun ein Atom wirklich aussieht oder vielleicht aussehen könnte, das ist eine Vorlesung für sich, vielleicht die nächste.
Zunächst mal reicht es zu wissen, daß ein Atom nicht aus Atom besteht (also eben doch keine Elementarknete :( ), sondern aus verschiedenen Dingen. Ein Physiker namens Rutherford, dessen Experiment in der Vorlesung über das Atom auch noch vorgestellt wird, hat irgendwann mal festgestellt, daß ein Atom aus einem Kern und einer Art Hülle zu bestehen scheint. Der Kern ist dabei positiv geladen, die Hülle negativ. Damit ist das komplette Atom nach außen hin neutral, wenn genauso viel negative wie positive Ladung drin ist. Im normalen Atom ist das so.
Natürlich wollten die Physiker nun wissen, aus was für Dingen die Dinge bestehen, aus denen ein Atom besteht. Nach einer Weile haben sie herausgefunden, daß die Hülle auch nicht aus negativer Elementarknete besteht, sondern aus einzelnen negativ geladenen Teilchen, die sie 'Elektronen' genannt haben. (Warum ausgerechnet 'Elektronen', das werde ich auch in dem Atomvortrag erzählen.) Diese Elektronen, zumindest einige, kann man einem Atomkern relativ leicht wegnehmen.
Haaa, aber wenn nun auf einmal im Atom Elektronen fehlen, gerät das Gleichgewicht zwischen positiver und negativer Ladung verloren, und plötzlich ist das Atom eben nicht mehr elektrisch neutral, sondern positiv geladen! Und damit ist es auch durch elektrische und magnetische Felder beeinflußbar geworden! :)
Eigentlich ist es nun aber kein Atom mehr, sondern ein anderes Ding, nämlich ein "Atomkern mit einer anderen Anzahl Elektronen als in das Atom eigentlich reingehören". Es verhält sich ja auch ganz anders als ein normales neutrales Atom. Da Akronyme noch nicht in Mode waren, hat das betreffende Ding nicht den Namen AmeaAEaidAer erhalten, sondern ist nach seinem Verhalten benannt worden: es bewegt sich, wenn man mit elektrischen oder magnetischen Kräften dran schubst. Also hat es den Namen "(etwas,) das wandert" bekommen - natürlich in der damaligen Modesprache, auf griechisch: Ion.
Solche Ionen kann man nun mit elektrischen oder magnetischen Feldern durch die Gegend treten, fein. Was man aber möchte, ist, sie nicht einfach in irgendeine Richtung treten, sondern man hätte sie gern in eine bestimmte Richtung getreten... und das auch noch mit einer anständigen Geschwindigkeit, immerhin war das ursprüngliche Ziel ja, sie als Wurfgeschoß zu verwenden.
Teil 3: Die Ionenwerfmaschine
Die einfachste Art, Ionen zu treten oder eher zu ziehen, ist, einfach eine Metallplatte negativ aufzuladen und sie ihnen vor die Nase zu halten. Die Ionen sind positiv, sie werden also von der negativen Ladung angezogen... und dotzen prompt auf die Platte und sind wieder weg. 
Da sollten sie aber nicht hin :sauer:. Sie sollten ein Stück fliegen und ein bißchen Geschwindigkeit gewinnen, ohne gleich gegen irgendwas zu dotzen, was im Weg ist.
Also wird man diese Tretexperimente schon mal nicht in normaler Luft machen können; die Luft besteht auch aus Teilchen, die im Weg sind. Uns Menschen vielleicht nicht sehr, aber wie oben schon gesagt, Atome (und Ionen) sind verdammt klein, da ist Luft auch verdammt im Weg. Also, Vakuum. Möglichst gutes. Schon wird das Ganze etwas größer und etwas teurer - ich brauche also eine Ionenrennstrecke, in der ich möglichst gutes Vakuum haben möchte. Also schön, bauen wir einen langen Tank, sorgen dafür, daß der dicht ist, aus dem richtigen Material besteht, was mir das Vakuum nicht wieder versaut, und hängen ein paar gute Vakuumpumpen dran.
Die negative Platte war schon der richtige Ansatz fürs Bewegen, nur sollten die Ionen davon nicht aufgehalten werden. Man baut also statt einer Platte eine Röhre, wo es durchfliegen kann, und hält dem Ion die negative Röhre so vor die Nase, daß es genau in der Mitte durchschauen kann, wie durch eine Klorolle.
Es wird sich in Bewegung setzen, weil die negative Röhre es anzieht. Irgendwann ist es am Anfang der Röhre angekommen. Wenn man die Röhre nicht genau in die Mitte gesetzt hat, das Ion also an einem Rand näher dran ist als an einem anderen, wird es der Anziehung möglicherweise folgen und auch auf die Röhre aufdotzen und verschwinden. Hat man das Ding aber richtig gebaut und das Ion kommt genau in der Mitte der Röhre an, ist die Anziehung von allen Wänden gleich groß. Es sieht also keinen Grund, zu irgendeiner Wand bevorzugt abzubiegen, sondern wird genau geradeaus durch die Röhre durchfliegen - mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der es reingekommen ist, da ja keine Luft und sonst nichts im Weg ist.
Bis zu dem Punkt, an dem die Röhre zu Ende ist. Hier kommt das nächste Problem. Sobald das Ion die Röhre hinter sich gelassen hat, wirkt die negative Röhre, die vorher das Ion beschleunigt hat, jetzt als Bremse - sie zieht es ja weiter an. Wenn wir also nichts weiter tun, wird das Ion abbremsen und, wenn die Anziehungskraft stark genug ist, sogar wieder umkehren. Nein, nein, das wollen wir nicht. Im Prinzip würden wir gern den gleichen Trick mit der Röhre nochmal verwenden, ihm einfach eine nächste negative Röhre vor die Nase halten, daß es von der nächsten angezogen wird und schneller fliegt.
Wie aber soll man dem Ion klarmachen, daß die nächste negative Röhre viiiiel besser und toller ist als die, wo es gerade herkommt? Naja, man könnte ihm die erste Röhre verleiden. Ich sagte ja, wenn das Ion genau in der Mitte durch die Röhre fliegt, halten sich alle seitlichen Kräfte genau die Waage. Egal, welche Kräfte das sind. Es könnten auch abstoßende sein. Wir könnten also, während das Ion durch die erste Röhre fliegt, klammheimlich die angelegte Spannung umpolen, so daß die vorher negative Röhre jetzt positiv wird. Solange es geradeaus durchfliegt, merkt es davon nichts. Sobald es aber die Röhre verläßt, "sieht" es hinter sich die positiv geladene Röhre, die das positiv geladene Ion auch noch abstößt. Das macht es ihm leicht, noch extra auf die nächste negative Röhre hin zu beschleunigen, die es anzieht.
In der Röhre machen wir dann nochmal dasselbe Spielchen, wir polen die angelegte Spannung um, während es durchfliegt. Das kann man alles nicht schnell genug von Hand machen, aber es gibt Geräte, die solche Wechselfelder erzeugen können (juhu, die nächste teure Maschine - das Prinzip ist zwar dasselbe wie auch bei normaler Wechselspannung aus der Steckdose, nur muß es alles viiiel schneller gehen). Die muß man nun nur noch richtig anschließen... wenn die erste Röhre positiv ist, muß die zweite negativ werden, und so weiter. Sie werden also immer abwechselnd geschaltet, wenn Röhren Nr. 1,3,5,... negativ werden, werden Nr. 2,4,6,... positiv, und umgekehrt. Also, ist die Ionenwerfmaschine fertig?
Naja, ein Problem ist da noch, aber ein kleines. Wenn man jetzt mit einer festen Umschaltfrequenz arbeitet, die einem das Gerät vorgibt, kann man die Röhren nicht alle gleich lang machen, weil das Ion zwischendurch schneller wird. Nehmen wir an, zwischen Startlinie und erster Röhre bekommt es durch die Anziehung der ersten Röhre Schrittgeschwindigkeit. Es durchquert Röhre 1 mit Schrittgeschwindigkeit; innerhalb der Röhre ändert sich die nicht, das Ion driftet mit Schrittgeschwindigkeit durch.
Zwischen Röhre 1 und 2 kommt die nächste Beschleunigungsstrecke, da treiben es die angelegten elektrischen Felder zu mehr Tempo an, das Ion trabt an. Durch die zweite Röhre wird es also im Trab driften. Wäre die zweite Röhre genauso lang wie die erste, wäre es diesmal früher am Ende angelangt, da ist aber das Wechselfeld noch nicht fertig mit seiner Umpolerei, und das Ion gerät aus dem Takt *stolper*.
Also macht man die zweite Röhre einfach entsprechend länger, das kann man ausrechnen. Das Ion muß eben genau zum richtigen Zeitpunkt am Ende jeder Röhre angekommen sein, und wenn es schneller ist, muß es eben eine längere Strecke traben. Wenn es in der Beschleunigungsstrecke zwischen Röhre 2 und 3 dann angaloppiert, ist die Röhre 3 wieder entsprechend länger, so daß das Timing mit dem angelegten Wechselfeld hinhaut.
Wer mpg-Videos abspielen kann, kann sich das hier als Animation anschauen - Vorsicht, manche Browser mögen das nicht direkt abspielen (meiner stürzt gelegentlich ab dabei), in dem Fall mit Rechtsklick abspeichern und dann abspielen.
Und damit ist die Ionenwerfmaschine im Prinzip fertig. Da man damit nicht nur Ionen, sondern im Prinzip jedes geladene Teilchen beschleunigen könnte, hat sich der Name "Teilchenbeschleuniger" durchgesetzt. Die Physiker sagen meistens nur "Beschleuniger". Bei diesem beschriebenen Beschleuniger ist die Ionenrennstrecke gerade, und um solche "gradlinigen Beschleuniger" von anderen Sorten Beschleuniger zu unterscheiden, wo die Ionen im Kreis rum oder sonst wie beschleunigt werden, hat man ihnen den Namen "Linearbeschleuniger" verpaßt, oder kurz "Linac", was eine Abkürzung des englischen LINear ACcelerator ist. Ja, Physiker müssen alles abkürzen :p und die Sprache der Wissenschaft ist mittlerweile Englisch.
Das "Nuklearbeschleuniger" der Ghostbusters ist auch nicht falsch; 'Nukleus' ist nur ein anderer Name für einen Atomkern, und Ionen sind ja Atomkerne mit der 'falschen' Anzahl an Elektronen, also entweder nur der Kern (kein Elektron ist auch eine falsche Anzahl an Elektronen :p), oder ein Kern und noch ein paar Elektronen (meistens zu wenige, in seltenen Fällen auch mal zu viele Elektronen). Heutzutage haben Wissenschaftler aber gelernt, daß die meisten Menschen und vor allem Politiker alles, worin das Wort "nuklear" vorkommt, von vornherein als Teufelswerk und BÖSE ansehen; deswegen wird es meistens durch unverdächtige Wörter ersetzt.
Die oben beschriebene Idee eines Linearbeschleunigers stammt aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, von einem Schweden namens Ising und dem in Norwegen geborenen Rolf Wideröe. Wideröe hat die Idee 1928 in Deutschland in seiner Doktorarbeit veröffentlicht und auch die ersten Bauversuche gemacht. Eine solche Wideröe-Struktur (natürlich etwas verfeinert, mit modernerer Technik) hatte unser Institut, die GSI (nicht zu verwechseln mit dem GSI in Bonn! ;) ), bis vor kurzem als erste Beschleunigerstufe in einer größeren Anlage in Betrieb, mittlerweile steht ein Teil davon für Besucher zum Anschauen draußen im Vorgarten. Wem unser Vorgarten zu weit weg ist, kann sich das trotzdem anschauen, und zwar direkt hier: Wideröe-Struktur mit den typischen "Klorollen"-Röhren bzw. hier im Zusammenhang (3. Bild von oben).
Somit wäre das Problem, wie man Atome durch die Gegend tritt, erst mal gelöst: neutrale Atome kann man in der Tat nur bestenfalls treten, aber Ionen lassen sich gut mit elektrischen Wechselfeldern beschleunigen. Ein Beschleuniger ist eins der Hauptwerkzeuge vieler Physiker, und man kann sehr viel damit machen - im wesentlichen Sachen kaputt, in der einen oder anderen Form :p, aber zum nützlichen Kaputtmachen von Sachen haben wir das Ding ja überhaupt gebaut, das war ja der Sinn der ganzen Aktion. Bevor ich aber ein paar Sachen, was man damit machen kann, rausgreife, sollte ich vielleicht erst mal ein Kapitelchen über unseren Freund, das Atom, dazwischenschalten, zusammen mit ein paar Gedanken über Sinn und Unsinn von Modellen.
Das war's für heute - wie immer: Fragen, Vorschläge und sonstige qualifizierte Kommentare sind willkommen. :)
STREET PUNK: Mister! Hey, Mister! Come here! Mister.
He finally gets Spengler's attention and waves him over.
STREET PUNK (CONT'D): Hey, Mister! Can I see those guns?
SPENGLER: They're not guns. They're particle throwers.
STREET PUNK Yeah, yeah. I just want to see 'em.
SPENGLER: I couldn't do that. You might hurt someone.
He turns away.
STREET PUNK Wait! Wait! Let me ask you something. If you like shot Superman with those guns, would he feel it or what?
SPENGLER (with authority): On Earth -- no. But on Krypton we could slice him up like Oscar Mayer Bologna.
STREET PUNK: Wow!
(Harold Ramis, Dan Aykroyd, "Ghostbusters")
13.09.2006 um 22:15 Uhr
Kapitel 0 - The Science of Destruction
Magicians and scientists are, on the face of it, poles apart. Certainly, a group of people who often dress strangely, live in a world of their own, speak a specialized language and frequently make statements that appear to be in flagrant breach of common sense have nothing in common with a group of people who often dress strangely, speak a specialized language, live in ... er...
(Ian Stewart, Jack Cohen, Terry Pratchett, "The Science of Discworld")
Fangen wir also am Anfang an.
Oder fast am Anfang, nämlich bei kleinen Kindern. Wenn kleine Kinder
wissen wollen, wie etwas funktioniert, nehmen sie es auseinander
. Manchmal wissen sie dann, wie es funktioniert (bzw. funktioniert hat),
manchmal ist es auch einfach nur kaputt. Fast immer aber kann man etwas
dabei lernen (und sei es auch nur, daß man's vielleicht nicht hätte
kaputtmachen sollen
).
Dieses
Prinzip ändert sich kaum, wenn aus kleinen Kindern mal Wissenschaftler
werden (die natürlich üüüüberhaupt keine Ähnlichkeit mehr zu kleinen
Kindern aufweisen
)
- Wissenschaftler haben nur meistens mehr Arten zur Verfügung, Dinge
kaputtzumachen, die Dinge und/oder das Kaputtmachen sind meist etwas
teurer und komplizierter, und Wissenschaftler haben mehr Methoden, aus
den Teilen etwas zu lernen, anstatt nur "Mamaaaaaaa!! *wääääh*".
Allerdings
will der Wissenschaftler die Dinge nicht um des Kaputtmachens willen
kaputtmachen, sondern um des Lernens willen. O-Ton mein Prof: "Wir sind
ja Wissenschaftler, also wollen wir's nicht nur kaputtmachen, wir
wollen auch nachher genau wissen, WIE wir's kaputtgemacht haben." 
Natürlich
haben Wissenschaftler noch andere Wege gefunden, um über Dinge etwas zu
lernen, ohne sie dabei kaputtzumachen, und das ist auch gut so
. Nichtsdestotrotz bleibt das gute alte Kaputtmachen immer noch ein wichtiges Hilfsmittel der Wissenschaft.
(Das
ist nicht nur in der Physik so, sondern auch in anderen Wissenschaften;
die Trennung in einzelne "Wissenschaften" ist ohnehin reine Willkür,
aber das ist ein anderer Vortrag. Man kann zB über einen Menschen auch
eine Menge lernen, indem man einen kaputtmacht und einen Blick auf die
Bestandteile wirft. Bevorzugterweise nimmt man dabei dann allerdings
einen Menschen, der vorher schon tot war. Diese Art des Kaputtmachens,
um zu lernen, ist Bestandteil jedes Medizinstudiums.)
Um möglichst viel dabei zu lernen, reicht es aber nicht, die Dinge irgendwie
kaputtzukriegen, man muß das schon richtig machen. Das fängt mit dem
richtigen Werkzeug an. Die meisten haushaltsüblichen Gegenstände wird
man mit einem haushaltsüblichen Hammer kaputtkriegen. Will man aber ein
Haus kaputtmachen, wird man mit dem Hammer nicht weit kommen, der ist
zu klein. Nimmt man aber etwas sehr viel Größeres, läßt beispielsweise
einen Asteroiden auf das Haus fallen, dann kriegt man damit zwar das
Haus kaputt, aber mindestens noch die Stadt gleich mit, je nach Größe
und Geschwindigkeit von dem Ding. Dann ist vom Haus vermutlich auch
nicht mehr viel übrig außer einem schönen großen Krater, aus dem man
zwar etwas über den Asteroiden lernen kann, aber über das ehemalige
Haus auch nichts mehr.
Die erste Faustregel ... äh...
Faustrichtlinie beim "richtigen" Kaputtmachen von Sachen durch
Draufhauen ist also, daß die Dinge, die man kaputtmachen möchte, und
die Dinge, mit denen man auf die anderen Dinge draufhaut, so in etwa
die gleiche Größe haben sollten, damit das alles sinnvoll ist. Ich
sagte 'in etwa', so genau soll es mal nicht drauf ankommen. Es ist auch
nicht in allen Fällen richtig, aber oft genug.
Um etwas über
Atome zu lernen, wird man also mit etwas draufballern müssen, was etwa
genauso groß ist wie ein Atom. Zum Beispiel andere Atome
.
Man müßte also einfach ein paar Atome durch die Gegend werfen oder
treten können, und damit dann andere Atome treffen, um etwas über Atome
zu lernen.
Dazu müßte man aber erst mal ein Hauptproblem lösen, nämlich, wie tritt man überhaupt ein Atom durch die Gegend? 
Dies
ist dann auch der Titel des nächsten Kapitels. Ich danke für die
Aufmerksamkeit - Fragen und Kommentare sind natürlich ausdrücklich
erwünscht.
The senior wizards of Unseen University stood and looked at the door.
There was no doubt that whoever had shut it wanted it to stay shut. Dozens of nails secured it to the door frame. Planks had been nailed right across. And finally it had, up until this morning, been hidden by a bookcase that had been put in front of it.
"And there's the sign, Ridcully," said the Dean. "You have read it, I assume. You know? The sign which says 'Do not, under any circumstances, open this door'?"
"Of course I've read it," said Ridcully. "Why d'yer think I want it opened?"
"Er ... why?" said the Lecturer in Recent Runes.
"To see why they wanted it shut, of course." *)
*) This exchange contains almost all you need to know about human civilization. At least, those bits of it that are now under the sea, fenced off or still smoking.
(Terry Pratchett, "Hogfather")
13.09.2006 um 22:00 Uhr
Vorwort - Was, zum Äther, MACHT ihr da eigentlich??
Long ago in a galaxy far away... wie diese Spielwiese zustande kam:
Nach
einigen Fragen der Richtung "was machen Wissenschaftler wie du
eigentlich so?" hatte ich beschlossen, eine lose Reihe von
Posts zu dem Thema in meinem Heimatforum von www.herr-der-ringe-film.de
(einigen auch bekannt als GH *g*) zu schreiben. Ursprünglich hatte ich
auch die
Inhalte und die Reihenfolge etwa im Kopf; ich wollte einfach das
erzählen, was ich normalerweise erzähle, wenn jemand nach meiner
Diplomarbeit gefragt hat: "Ich hab ja in der Schule nie Physik kapiert,
aber erklär mir doch mal deine Diplomarbeit."
...!!
Nun,
das funktioniert zwar, allerdings nicht in drei Sätzen. Mit Stift,
Papier, Rumgefuchtel und etwas Schulwissen auf der Seite meines
Gegenübers habe ich normalerweise irgendwas zwischen 5 und 10 Minuten
gerechnet, je nachdem, ob derjenige nur wissen wollte, was ich mache, oder auch noch, warum ich das mache, was ich mache
.
Wenn ich weder gescheit zeichnen noch fuchteln kann, dauert's etwas länger; hier also schon mal ein paar Snickers *hinstell*
.
Allerdings wollte ich nicht nur über meine eigene Arbeit reden, sondern
auch ein bißchen darüber, was Physiker sonst noch so Interessantes
machen, so war ja die Frage gestellt. Trotzdem wollte ich mit meiner
eigenen Arbeit anfangen, weil vieles davon auch auf andere Physiker
zutrifft.
Beim Nachdenken habe ich aber gemerkt, daß ich dem
ursprünglich geplanten ersten Teil "Wie tritt man ein Atom?" eigentlich
noch ein Kapitel voranstellen sollte, was ich normalerweise in zwei
Sätzen abgehakt habe, nämlich "Warum müssen Physiker eigentlich dauernd
Sachen kaputtmachen?"
Im
Forum kam ich zunächst mal bis zum 2. Kapitel, bevor alle möglichen
Ereignisse eingetreten sind, weswegen ich erst einmal nicht
weitergeschrieben hatte... aber da das Thema gerade völlig off-topic
anderswo wieder aufgetaucht ist, wird alles jetzt hier
zusammengesammelt, da können's die lesen, die es lesen wollen, und der
Rest kann es lassen; jeder, wie er mag. Live and let live, and have
fun!
